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081227955519_12inch_gatefold_v92012.inddVan Halen, Bad Company, Faith No More und nicht zuletzt die glorreichen Rolling Stones veröffentlichen große Alben ihrer Karriere neu.

Schon lange in Mode: Einzelne Alben als remasterte Versionen erneut zu veröffentlichen. Gründe dafür gibt es viele. Ein Jubiläum des einzelnen Albums oder wie im Falle Faith No More die aktuelle Reunion der Band. Dieser Tage sind einige „neue“ alte Alben wieder auf den Markt gekommen. Wir verschaffen einen Überblick.

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Bad Company

Eine vorbildliche Wiederveröffentlichung kommt aus dem Hause Bad Company. Die Classic Rock Allstarband, die seinerzeit aus Mitgliedern von Free und Mott The Hoople zusammen kam, feierte Anfang/ Mitte der Siebziger sensationelle Erfolge, nicht zuletzt, da mit Paul Rodgers einer der bis heute besten Rocksänger der Band vorstand. Nun ist sowohl das Debüt „Bad Company“ Album aus 1974, wie auch der 1975er Nachfolger „Straight Shooter“ in aufgearbeiteten Klangversion neu erschienen. Erstmals wurden die Alben vom Originalband neu gemastert. So erklingen nicht nur Classic Rock Hymnen wie „Can’t Get Enough“ oder „Feel Like Makin’ Love“ in neuem sattem Klang, beide Alben wurden mit einer Bonus CD bestückt, die Aufnahmen aus der jeweiligen Phase beisteuern. Das tolle dabei, hier sind etliche Songs darunter die bisher unveröffentlicht in den Archiven geschlummert haben. Die Bonus-Disc zu „Bad Company“ enthält zwölf Songs, acht sind bisher unveröffentlicht. Entweder sind es andere Takes von den bekannten Aufnahmen oder Roh-Versionen.

Noch interessanter wird es bei den Bonus-Titeln zu „Straight Shooter“. 14 Titel, 13 davon bisher unbekannt. Neben einer minimalistischen „Shooting-Star“-Version sind sogar zwei bisher nie veröffentlichte Songs zu finden: „See The Sunlight“ und „All Night Long“.

 

Van Halen

Die amerikanischen Hardrocker um Supergitarrist Eddie Van Halen und Gesangsakrobat Dave Lee Roth machen es sich sehr einfach. Im Zuge ihres neuen Live-Albums („Live in Tokyo“), sowie der Tatsache das Dave Lee Roth wieder am Mikro steht, gilt auch der Blick zurück auf die Großtaten vergangener Jahre.

Ihr Erfolgsalbum „1984“, welches hier in der 30th Anniversary Edition auf den Markt kommt wurde ebenfalls von den Original Analog Tapes neu gemastert, bietet somit auch besseren Klang. Aber beim Bonusmaterial gähnende Fehlanzeige. Nicht ein einziger Song gesellt sich zu den Klassikern wie „Jump“ oder „Hot For Teacher“. Ebenso wurde das gleichnamige Debüt auch songtechnisch restauriert. Auch hier ohne jeglichen Bonus. Sehr schade. Das machen viele andere besser.

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Faith No More

Zum Beispiel die amerikanischen Crossover-Rocker von Faith No More. Nach 18 Jahren (!) legen sie ein brandneues Album vor und befinden sich auf Tour. Auch sie feiern diese erneute Zusammenkunft mit der Wiederveröffentlichung von zwei wegweisenden Alben ihrer Bandgeschichte: „The Real Thing“ und „Angel Dust“.

Beide kommen in Deluxe-Versionen auf den Markt, jeweils mit einer Bonus CD bestückt, die mächtig mit Raritäten bestückt ist.

Ihr 1989er Album „The Real Thing“ kam einem Rock-Urknall gleich. Die Band um Sänger Mike Patton klangen frisch, anders, voller Energie und Vielfalt. Mit Singles wie „From Out Of Nowhere“ oder „Epic“, unzähligen sehr schweißtreibenden Liveshows und einer #11-Platzierung in den US Billboard Charts gelang ihnen der Durchbruch. Die Bonus–CD zu „The Real Thing“ beinhaltet Single B-Seiten wie „Cowboy Song“ (ein Titel der sich noch heute manch andere Band auf ihrer regulären Album wünschen würde), alternative Mixe, sowie seltene Live-Aufnahmen aus Sheffield und der Londoner Brixton Academy, die zuvor auch nur auf Single-B-Seiten zu finden waren.

„Angel Dust“ konnte 1992 den Erfolgsstatus halten. #10 in den USA, hierzulande sogar #8. Allseits bekannt und mit viel Radio Airplay versehen, das Commodores-Cover „Easy“. Das Album selbst bildet von Aggressivität bis zur besänftigen Schönheit ein breites Spektrum ab und gilt bis heute als Klassiker. Die Bonus-CD zu „Angel Dust“ bietet gleich zu Beginn eine eigens bezeichnete coolere Version von „Easy“, weiterhin das deutsch gesungene, sehr schräge „Das Schuetzenfest“ beides zuvor nur als B-Seiten zu finden. Mit der hier zu findenden Version von „As The Worm Turns“ handelt es sich um den Bonustitel der bisher nur auf der japanischen „Angel-Dust“-Fassung zu finden war. Dazu kommen noch jede Menge weitere B-Seiten mit Mixen und Liveaufnahmen. Fan, was willst du mehr?

The Rolling Stones

Der Re-Release des Jahres kommt jedoch von – sagen wir wie es ist – der größten Rock’n’Roll Band on Earth, den Rolling Stones. Zum Zeitpunkt, da die Stones sich aktuell in Nordamerika auf Stadiontournee befinden, wird weltweit eines ihren wichtigsten Studio Alben neu aufgelegt: „Sticky Fingers“.

Das Album aus dem Jahre 1971 erschien in einer äußerst bewegenden Zeit der Band. Massive Steuerschulden veranlasste Mick Jagger und Co, England zu verlassen und nach Südfrankreich ins Exil zu gehen. Querelen mit ihrem windigen Manager führten u.a. zur Beendigung der Zusammenarbeit mit ihrem alten Label. Auf Rolling Stones Records war „Sticky Fingers“ die erste Veröffentlichung auf ihrem eigenen Label.

Für viele gilt „Sticky Finger“ als das vielleicht beste Stones Album in ihren langen Karriere. Allein das Cover ist weltberühmt: Der Original Reißverschluß (der dann doch nur eine weiße Unterhose enthüllt) wurde von Andy Warhol entworfen, heute gehört das zum Kulturgut. Auch wurde die berühmte Stones-Zunge erstmals bei „Sticky Fingers“ auf LP verewigt. Das ist jedoch alles nur Artwork. Was zählt ist die Musik. Und diese zehn Songs auf „Sticky Fingers“ bieten ein breites Spektrum an Rock’n’Roll, Country-Rock und Blues.

Die erste Single „Brown Sugar“ wurde zum Alltime-Rockklassiker.

„Wild Horses“ und „Dead Flowers“ zu Vorläufern des Country Rock.

„Sister Morphine“, geschrieben von Jagger/Richards und Marianne Faithfull veröffentlichte Faithfull bereits in ihrer Fassung zwei Jahre zuvor, nicht zuletzt um aufgrund der Drogenstory im Song für reichlich Diskussionsbedarf zu sorgen. Jagger und Faithfull waren seinerzeit übrigens ein Liebespaar. Noch heute hat dieser Song eine ganz besondere Atmosphäre und Anziehungskraft und findet sich nach wie vor ab und an im Liveprogramm der Band.

Mit „I Got The Blues zeigten die weißen Rock’n’Roll aus Britannien, wie sehr sie die farbigen Blueser der Staaten verehrten und deren Sound in ihre Musik mit haben einfließen lassen.

Und dann wäre da ja noch: „Can’t You Hear Me Knocking“ mit diesem messerscharfen einschneidenden Gitarrenriff, seinem Santana-Mittelteil, sowie diesem genialen Gitarrensolo zum Ende. Sieben Minuten Sechzehn Sekunden: 70er-Jahre-Rock pur!

Das Sticky Fingers rundum Deluxe Paket

„Sticky Fingers“ ist in unterschiedlichen Versionen neu auf den Markt kommen. Die Deluxe-Variante beinhaltet eine Bonus CD mit Liveaufnahmen von1971, unveröffentlichten Alternativaufnahmen von „Sticky Fingers“ Material, sowie zwei echte Schmankerl: „Brown Sugar“ mit Eric Clapton und eine Akustik-Version von „Wild Horses“. Dazu ein 24-seitiges Booklett.

Das Deluxe-Boxset wird erweitert mit einer DVD, sowie 72-seitigen Hardcover-Buch und Postkarten. Das Super-Deluxe-Boxset enthält zudem noch eine Vinyl-Single von „Brown Sugar“ und „Wild Horses“. Das Hardcover-Buch (mit echtem Reißverschluss) umfasst 120 Seiten, dazu kommen Poster, Postkarten etc. Hier darf der Hardcore-Fan oder der Geldbeutel entscheiden. Insgesamt äußerst lobenswert, wie die Stones ihre Re-Issues bestücken.

 

Und wäre das nicht genug: Im Zuge der ganzen Sticky Fingers Hysterie setzen die Stones nun noch eins obendrauf: Zu Beginn ihrer 2015 Tour in den USA sind die Stones in LA in einem Club für schlappe 5 $ (!) Eintritt aufgetreten, um erstmals das „Sticky Fingers“ komplett live aufzuführen. Das Livealbum ist als Download bei iTunes erschienen und zeigt die alten Herren in Bestform!

 

Und wem das jetzt immer noch nicht genug Rock’n’Roll ist, der darf sich schon mal Ende Juli auf die letzte Wiederveröffentlichungswelle von Led Zeppelin freuen. Dann werden „Presence“, „In Through The Out Door“ und „Coda“, jeweils remastert und mit bisher unveröffentlichten Aufnahmen versehen neu erscheinen.

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Von Heiko Schwalm

Seit der allerersten Ww Süd Ausgabe 1994 am Start!

Ein Gedanke zu „Meisterwerke neu aufgelegt“

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