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Interview mit Martin Sonneborn: „Wir nehmen jeden Schwachkopf!“

am 06 September 2004 von Dr. Lothar Jahn

Interview mit Martin Sonneborn: „Wir nehmen jeden Schwachkopf!“
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Interview mit Martin Sonneborn:

Martin Sonneborn

Zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2005 tratt eine neue Partei an: DIE PARTEI, gegründet vom Chef des Satiremagazins „Titanic“, Martin Sonneborn. Der Wildwechsel sprach mit dem großen Vorsitzenden.

Wildwechsel: Erst Titanic-Chef, jetzt Parteivorsitzender – ist das nicht ein wirtschaftlicher und moralischer Abstieg?
Sonneborn: Moralisch sicherlich; schließlich ist Titanic ja die letzte moralische Instanz in Deutschland. Und Politik ist natürlich ein schmutziges Geschäft, zumal wenn man wie wir einen extrem schmierigen und populistischen Wahlkampf angekündigt hat.

Wildwechsel: Der Name ist ja griffig, aber gleich doppelt unselig belastet. Gibt‘s da keinerlei Skrupel beim Antritt des Erbes aus zwei Dikaturen?
Sonneborn: Aber gar nicht. Wir haben eine Marke gesucht, die sowohl im Osten als auch im Westen bekannt und gut eingeführt ist, und dabei sind wir folgerichtig auf Die PARTEI gestoßen. Das hat sich auch schon ausgezahlt: Viele Mitglieder sind mit dem Argument beigetreten, daß schon ihre Großväter in der Partei waren.

Interview mit Martin Sonneborn: Wildwechsel: Ihr Programm ist ja – bis auf die Forderung nach dem Mauerbau – eine erstaunliche Mischung aus den menschenfreundlichsten Passagen aller Programme der Konkurrenz. Warum so nett?
Sonneborn: Ganz einfach: Wir sind humanistisch gebildete Idealisten und insofern die neue Links-Partei, von der alle gefaselt haben. Aber vergessen Sie nicht, um Gerhard Schröder und die gescheiterten ehemaligen Sozialdemokraten in der SPD abzulösen, ist uns jedes Mittel recht!

Wir nehmen jeden Schwachkopf!

Wildwechsel: Die Widersprüchlichkeiten der Konkurrenten haben Sie aber gleich mit übernommen: Wie verträgt sich zum Beispiel der von Ihnen sogar als Grundwert hoch gehaltene Gedanke der Eliteförderung mit der Forderung nach völliger sozialer Gleichheit?
Sonneborn: Ich sehe da keinen Widerspruch. Wir definieren Elite ja nicht in bezug auf Vermögen oder Herkunft. Notfalls müssen wir diesen Passus in einen zu gründenden Ausschuss überweisen und überprüfen lassen.

Wildwechsel: Auch bei Ihnen hört man „Allen wohl und niemand wehe“. Aber wer soll das alles bezahlen? Wem geht‘s ans Leder, wenn sie mitregieren dürfen – was ja Ihr erklärtes Ziel ist, „egal mit wem“?
Sonneborn: Es wird immer so getan, als ob Hartz IV aus finanziellen Gründen alternativlos sei; gleichzeitig wird der Spitzensteuersatz gesenkt. Derartige Unverschämtheiten wollen wir korrigieren. Für den Fall, daß die Bürgerinnen und Bürger uns 2006 den Auftrag erteilen, Regierungsverantwortung zu übernehmen, stehen wir ganz klar für eine Umverteilung von oben nach unten, nicht für das umgekehrte Modell, wie sämtliche anderen Parteien. Erfahrungen in den nordischen Staaten legen die Annahme nahe, daß unsere Großgrundbesitzer und adeligen Nichtsnutze nicht deswegen sogleich das Land verlassen werden.

Wildwechsel: Doppelmitgliedschaft ist für Aktivisten anderer Parteien in Ihrer Satzung erlaubt. Warum? Und wo liegt die Grenze? Würden Sie sogar Guido Westerwelle aufnehmen?
Sonneborn: Wir nehmen jeden, natürlich auch Schwachköpfe wie Guido Westerwelle, schließlich wollen wir an die Macht. Und wir sind die einzige echte Alternative zu den etablierten Parteien: die PARTEI können sogar Nichtwähler bedenkenlos wählen.

Wildwechsel: Man hörte von Ihnen, die Partei strebe in NRW 18 Prozent an (wie einstmals Möllemann selig), später war sogar von 25, ja 40 Prozent die Rede. Hand aufs Herz: Wieviel ist wirklich drin?
Sonneborn: Zwischen 2 Prozent und 50 + x Prozent ist alles drin. Wenn die von uns angezettelte Debatte um „die endgültige Teilung Deutschlands“ von Politik und Medien in diesem Ausmaße weitergeführt wird, setze ich auf einen Erdrutschsieg in den ruinierten Westdeutschen Randgebieten.

Wildwechsel: Also: Ist das ganze nun ein Titanic-PR-Gag oder soll mehr draus werden?
Sonneborn: Sagen wir es mal so: Es ist längst mehr draus geworden…

» Das Interview führte Ww-Redakteur Dr. Lothar Jahn 2004


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