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Die Kinder der toten Stadt
Die Kinder der toten Stadt
  1. Juni 1944. Der Komponist Hans Krása soll seine Kinderoper „Brundibár“ mit den gefangenen Kindern im Gefangenenlager Theresienstadt aufführen. Durch diese Inszenierung soll eine Abordnung des Internationalen Roten Kreuzes davon überzeugt werden, dass die Inhaftierten des NS-Regimes gut behandelt werden. Die Illusion gelingt, die Besucher bemerken das überspielte Leid nicht. Später werden die Kinder, der Regisseur und fast alle anderen Mitwirkenden in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet.

Erinnerungsstück

Die Kinder der toten Stadt” ist ein Musiktheaterstück, das am 23. Juni 2018, dem Jahrestag der Tragödie, auch als Hörspiel veröffentlicht wurde. In den Hauptrollen zu hören sind sieben Kinder, die in den Besuch der Gäste alle Hoffnungen setzen, gerettet zu werden. Das ergreifende Stück erzählt vom Überlebenswillen der Kindern des Gefangenenlagers und hat das Ziel, vor allem Schüler und Lehrer zu inspirieren, sich mit diesem Thema im Unterricht zu beschäftigen.

Zudem sollen die Ereignisse um die Lügen- und Betrugspolitik Nazi-Deutschlands im allgemeinen Gedächtnis behalten werden. Durch die Kinder, die eine besondere Möglichkeit zur Identifikation bieten, wird ein ganz eigener Blick auf die Vergangenheit eröffnet – und hoffentlich daraus auch etwas für die Zukunft geschaffen.

Musikalisch ist das Drama eine Mischung aus komplexen Orchester-Nummern, Rock Songs, Chören, Folklore-Nummern und szenischen Ensemble-Stücken. Igor Epstein, litauischer Geiger und Leiter der Klezmer-Akademie Köln, konnte für die Komposition der Klezmer-Elemente gewonnen werden.

Prominente Besetzung

In den Hauptrollen sind bekannte Musiker und Schauspieler besetzt. Die aus Detmold stammende Iris Berben spricht die kraftvolle Frau des Komponisten.

Peter Heppner (Wolfsheim, „Kein Zurück“, „Die Flut“) spricht den Komponisten und hat, obwohl er Sänger ist, hier ebenfalls nur eine Sprechrolle inne.

Esther Bejarano (Musikerin, Überlebende von Auschwitz) übernimmt die Rolle der Pianistin, die in ihre Interpretation angelehnt an ihre Vergangenheit eine besondere Authentizität einbringen kann.

Willi Hagemeier (Anfang Juli plötzlich verstorbener Schauspieler; von 1988 an bei den Westf. Kammerspiele Paderborn) übernahm die tragende Rolle des Erzählers.

Außerdem wirken Jade Schulz („The Voice of Germany“) als junge Hannah, Michael Schulte (Gewinner des ESC-Vorentscheids) als Albert, Cornelia Schönwald (Schauspielerin „Wilsberg“), Nicole Frolov („The Voice Kids“) und die Paderborner Domchöre an dem musikalischen Erinnerungsstück “Die Kinder der toten Stadt” mit.

Das Stück entwickelt sich auf zwei Ebenen: Die Handlung in Theresienstadt und den darüber stehenden Erzähler, der von einem Kinderchor begleitet wird. Die Erwachsenen haben im Gegensatz zu den Kindern lediglich Sprechrollen. Dadurch soll vermittelt werden, dass den erwachsenen Gefangenen die Hoffnungslosigkeit ihrer Situation durchaus bewusst ist. Die NS-Figuren im Lager werden stumm dargestellt. Durch diese Inszenierung soll der stetig wachsende Kinderchor noch an Eindringlichkeit gewinnen.

» Die Kinder der toten Stadt – Musikdrama gegen das Vergessen, Hörspiel (23.6.2018)

» Weitere Informationen zur Entstehung des Stücks und den Darstellern auf der Website

 

 

Von Isabel Holst

Ww-Redakteurin

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