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Von wegen trockene Wissenschaft: Dr. Mark Benecke machte die Kriminalbiologie unterhaltsam. Foto: Markus Bachmann
Von wegen trockene Wissenschaft: Dr. Mark Benecke machte die Kriminalbiologie unterhaltsam. | (c) Foto: Markus Bachmann

Dr. Mark Benecke ist der bekannteste Kriminalbiologe Deutschlands. Durch zahlreiche Auftritte in Sendungen wie „Autopsie“ oder „Medical Detectives“ wurde seine Disziplin auch über Fachkreise hinaus bekannt. Seine Arbeit ist nicht gerade gewöhnlich.

Anhand von Madenbefall einer Leiche stellt Dr. Mark Benecke zum Beispiel den genauen Todeszeitpunkt fest. Er war auch derjenige, der im Moskauer Geheimarchiv den vermeintlichen Schädel von Adolf Hitler auf seine Echtheit untersuchen durfte.

Mark Benecke, ein Kriminalbiologe, trat erstmals 1997 in Erscheinung, als er durch forensische Entomologie in einem Mordfall entscheidende Beweise lieferte. Durch Untersuchungen von Insekten auf Leichen, einschließlich der Entwicklungsstadien von Larven, kann Benecke den Todeszeitpunkt feststellen und weitere Umstände des Todes aufklären, wie etwa den Wechsel des Ablageorts der Leiche oder den Nachweis von Giften.

Benecke, der in Köln Biologie studierte und in der Rechtsmedizin Erfahrungen sammelte, arbeitet freiberuflich und erhält Proben aus dem In- und Ausland in sein kleines Labor. Trotz seines eher unkonventionellen Aussehens, gekennzeichnet durch eine runde Brille und eine Trainingsjacke im Retrostil, ist Benecke in der wissenschaftlichen Gemeinschaft hoch angesehen. Er bietet auch Kurse in Kriminalbiologie an, hauptsächlich besucht von Studentinnen, und lebt mit seiner Frau in einer Dreizimmerwohnung in der Kölner Altstadt.

Benecke sieht seinen Beruf rational und distanziert, was ihm hilft, die ständige Konfrontation mit dem Tod zu bewältigen und ihn als natürlichen Teil des Lebens zu akzeptierSeine Internetseite ist eine Quelle an Informationen zum Thema Kriminalbiologie und über ihn als Person. Auch unzählige Interviews kann man dort nachlesen, ebenso wie die E-Mails, die Benecke bekommt und die von skurril über eklig bis lustig reichen. Im Interview berichtet der Herr Doktor über seine Arbeit, seine Popularität und Tattoos.

7 Fragen an Dr. Mark Benecke im Ww-Interview

Dr. Mark Beneke Benecke als Autor - Spektakuläre Kriminalfälle verständlich erklärt (erschienen bei Bastei Lübbe)
Dr. Mark Beneke Benecke als Autor – Spektakuläre Kriminalfälle verständlich erklärt (erschienen bei Bastei Lübbe)
1. In den gesammelten Interviews auf ihrer Webseite kann man nachlesen, dass ihnen schon fast jede Frage gestellt wurde. Welche würden Sie denn gerne mal beantworten?

Ich finde auch, dass eigentlich schon so jede Frage gestellt wurde. Ich lasse mich aber gerne überraschen. Fragen mag ich. Deshalb arbeite ich so gerne an Kriminalfällen  ;)

May it be a light for you, in dark places, when all other lights go out.

2. Was glauben Sie, woher Ihre Popularität kommt?

Ist mir ein Rätsel. Ich glaube auch nicht, dass ich sehr populär bin…eher freundlich. Und ich versuche, jede Frage ernst zu nehmen, zu recherchieren und dann irgendwas hilfreiches beizutragen, siehe FAQ auf benecke.com. Viele Menschen sagen sich vielleicht eher „Watt soll der Quatsch?“ und hören den Fragestellern nicht richtig zu.

3. Wie sehr genießen sie das und was sind negative Seiten dieser Popularität?

Bis jetzt ist mir nix aufgefallen. Die sehr nette Bäckerei-Mitarbeiterin Frau Heikamp der Bäckerei Brockmann auf der Severinstrasse schneidet für mich immer Artikel aus, wenn ich in der örtlichen Zeitung bin, zählt das?

Forensiker und Tattoo-Fan Dr Mark Benecke auf der Tattoomenta 2019
Forensiker und Tattoo-Fan Dr. Mark Benecke auf der Tattoomenta 2019
4. Sie haben sich in den letzten Jahren äußerlich ziemlich gewandelt, haben deutlich sichtbare Tattoos. Kann man da von einer „Metamorphose“ sprechen? Und wollten Sie das schon immer und mussten erst an die Karriere denken?

Nö, der Rest des Körpers war einfach voll, so dass irgendwann Hals und Hände dran glauben mussten  ;). Mein erstes Tattoo habe ich mit 18 machen lassen, aber erstens kostet das Ganze ja was und zweitens solltens ja auch coole Motive und coole TätowiererInnen sein, also hab ich immer höösch jemacht (kölsch: immer mit der Ruhe an die Sache herangegangen). Ich glaub‘ auch nicht so sehr an Metamophosen, das ist eher was für Kerbtiere. Ich wachse lieber langsam, wie `ne Eiche.

Das ist megafette Knochenarbeit!

Dr. Mark Benecke
5. Erleben Sie auch negative Reaktionen darauf?

Auf meine Tattoos? Bisher nicht. eher im Gegenteil: Mein Schwiegeropa in Polen hat erstmals ausführlich von seinem Tattoo geredet, als er meins gesehen hat. Und die ganzen tätowierten PolizistInnen (sehr, sehr, sehr viele sind tätowiert) finden‘s meines Wissens nach auch jut.

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6. Sind ihre Kollegen manchmal neidisch auf ihren Ruhm?

Das weiß ich nicht. Normalerweise arbeiten wir nett und gut zusammen. Falls mich jemand nicht mag, dann brüllt er es offenbar nicht in die Welt. Neidisch braucht auf mich keiner sein – ich bin selbständig, und das ist megafette Knochenarbeit. Das wissen meine KollegInnen mit fester Anstellung sehr gut, sonst wären sie ja auch Freiberufler  ;)

7. Können Sie sich die Fälle, an denen Sie arbeiten, aussuchen oder wie läuft das ab?

In völlig bescheuerten Fällen, in denen entweder keiner mehr zuhört oder keiner mehr zuhören darf, komme ich dazu. Mittlerweile fühle ich mich schon fast wie Sherlock Holmes, bei dem ja auch nur diejenigen klingeln, die was besonders Kniffeliges am Start haben. Ich habe so unfassbare Scheiße gesehen, dass ich – nicht aus Altruismus, sondern weil es mir Spass macht – es wie Galadriel machen möchte, als sie sich was Gutes für Frodo überlegt und ihm ein zunächst total sinnlos erscheinendes Licht schenkt: „May it be a light for you, in dark places, when all other lights go out.“

» Das Interview führten wir 2011

Dr. Mark Benecke live auf Tour:

Samstag 25. Mai 2024
Dr. Mark Benecke
»Blutspuren«
   (5/5)

19:00 Uhr | Vortrag in Bielefeld, Ringlokschuppen Bielefeld
Hier gibts die Tickets!
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Samstag 26. Oktober 2024
Dr. Mark Benecke

20:00 Uhr | Vortrag in Monheim am Rhein, Aula am Berliner Ring
Hier gibts die Tickets!
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Samstag 30. November 2024
Dr. Mark Benecke
»Serienmord«

19:30 Uhr | Vortrag in Jena, Hörsaal 1 Jena
Hier gibts die Tickets!
mehr Details


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Von Wildwechsel

Online-Redaktion des Printmagazin Wildwechsel. Wildwechsel erscheint seit 1986 (Ausgabe Kassel/Marburg seit 1994). Auf Wildwechsel.de veröffentlichen wir ausgewählte Artikel der Printausgaben sowie Artikel die speziell für den Online-Auftritt geschrieben wurden.

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