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Zuckerfabrik Warburg (c) Ruben Emme
Die Warburger Zuckerfabrik schließt – Die Region reagiert geschockt! Foto: (c) Karl-Heinz Wiemers

Warburg. Bereits über 1.000 Menschen haben eine Online-Petition gegen die Schließung der Warburger Zuckerfabrik unterschrieben und sich so mit den betroffenen Mitarbeitern und Landwirten solidarisiert.

Es geht hier schließlich nicht nur um den Erhalt von Arbeitsplätzen, sondern auch um ein Stück Heimat. Die Warburger Zuckerfabrik wurde 1882 gegründet und ist damit das älteste Industrieunternehmen in Warburg. Seither fungiert die Zuckerfabrik auch als ein identitätsstiftendes Merkmal für die Region und ist der letzte verarbeitende, landwirtschaftliche Produktionsbetrieb.

Die Südzucker AG beabsichtigt insgesamt zwei ihrer neun Werke in Deutschland zu schließen – neben der Warburger geht es auch um die Fabrik in Brottewitz (Brandenburg). Begründet wird die beabsichtigte Schließung mit dem niedrigen Preisniveau innerhalb Europas. Der Vorstand hatte zuvor Pläne bekannt gegeben, 700.000 Tonnen Zucker jährlich weniger auf den Markt zu bringen. Dies soll nun durch die beiden Werksschließungen erreicht werden.

» Fotos: Karl-Heinz Wiemers (https://www.facebook.com/schoenes.warburg) und Ruben Emme (https://www.facebook.com/rubenemme)

Für die Betroffenen sowie für die gesamte Region ist das ein Schock. Mehr als 60 Mitarbeiter und deren Familien, über 800 Landwirte, Handwerker und Zulieferer würden von einer Schließung nachhaltig betroffen sein. Die Mitarbeiter würden ihre Existenzgrundlage verlieren und müssten sich, gegebenenfalls weitab der Heimat, eine neue Existenz aufbauen. Zudem sind somit weitere landwirtschaftliche Betriebe und deren Strukturen in der Region massiv gefährdet.

Petition gegen die Schließung der Zuckerfabrik

Mit der Petition sollen die Verantwortlichen der Südzucker AG nachdrücklich dazu aufgefordert werden, die Aufgabe der Betriebsstätte in Warburg im Rahmen des vorgesehenen Restrukturierungsplanes zu überdenken und zu revidieren.

Für die Unterstützung bei der schriftlichen Petition bedankt sich auch der Bürgermeister der Hansestadt Warburg, Michael Stickeln. Zusätzlich wird die Petition in der laufenden Woche, in Warburg, im Info-Center (Neustadtmarktplatz) sowie in verschiedenen Einzelhandelsgeschäften als Unterschriftenliste ausgelegt werden. Auch wird die Petition an die Städte im Kreis Höxter und Nordhessen verteilt und zur Auslage bereitgestellt werden, um eine möglichst breite Beteiligung zu ermöglichen. Ab dem 20. Februar sollen die Unterschriften dem Aufsichtsrat der Südzucker AG vorgelegt werden.

Stadt unterstützt Treckerkorso und Demonstration

Am morgigen Dienstag, dem 05. Februar 2019, um 19:00 Uhr, findet die Winterversammlung der Zuckerfabrik in der Gemeindehalle „Warburg-Hohenwepel“ (Engarer Straße 25 A, 34414 Warburg) statt.

Erwartet wird unter anderem Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kirchberg, um über die Restrukturierungspläne der Südzucker AG sowie die geplante Schließung der Zuckerfabrik in Warburg zu sprechen.

Auch werden neben den geladenen Landwirten, die Belegschaft der betroffenen Warburger Zuckerfabrik, über 50 Trecker(korso) und mehrere hundert Demonstranten sowie die Verwaltungsspitze der Hansestadt Warburg, Herr Bürgermeister Michael Stickeln, teilnehmen, um gegen die geplante Schließung des Werkes zu demonstrieren.

 

Anschreiben an die Südzucker AG durch Herrn Bürgermeister Michael Stickeln

 

Restrukturierungsplan der Südzucker AG – mögliche Schließung des Werkes

Sehr geehrter Vorstand und Aufsichtsrat der Südzucker AG

ich musste den Medien vom gestrigen Tage überraschend entnehmen, dass im Rahmen eines Restrukturierungsplanes der Südzucker AG Werksschließungen in Betracht gezogen werden und hiervon auch das Werk in Warburg planmäßig betroffen ist.

Aufgrund der Liberalisierung und der damit einhergehenden Lockerung des EU-Zuckermarktes habe ich zwar durchaus Verständnis für das Bestreben der Südzucker AG, neue Wege zu beschreiten bzw. anderweitige Prozesse anzustoßen, um künftig die Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere auch vor dem Hintergrund der ungleichen Markt- und Wettbewerbsbedingungen in Europa, gewährleisten zu können.

Unter Berücksichtigung nachfolgender Aspekte möchte ich Sie dennoch mit diesem Schreiben nachdrücklich bitten, die angekündigte Schließung der Warburger Betriebsstätte noch einmal grundlegend zu überdenken.

Als Kind der landwirtschaftlich geprägten Warburger Börde besteht seitens meiner Person von jeher eine enge und emotionale Verbundenheit mit den heimischen landwirtschaftlichen Betrieben, Einrichtungen und Landwirten.

Bereits mit meinem Amtsantritt als Bürgermeister in Warburg im Jahre 2004 stand ich Seite an Seite mit unseren Rübenbauern, um bei den sogenannten „Mahnfeuern“ gegen die geplante Zuckermarktreform zu protestieren.

Wie bereits kürzlich auf der Grünen Woche in Berlin mit Herrn Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker e.V. und Verein der Zuckerindustrie e.V. besprochen, möchte ich mich auch weiterhin für einen gerechten EU-weiten Zuckermarkt einsetzen.

In diesem Zusammenhang habe ich zugesagt, unsere sehr guten Kontakte nach Berlin, unterstützt durch Herrn Bundestagsabgeordneten Christian Haase – der auch Mitglied des Bundesvorstandes der CDU ist – zu nutzen, um das Thema des ungleichen Wettbewerbs bei den relevanten Regierungsverantwortlichen zu platzieren und nachdrücklich in Erinnerung zu rufen.

Die Zuckerfabrik selbst stellt in Warburg in vielerlei Hinsicht weit mehr dar als „nur“ ein Industrieunternehmen unter vielen.
Für unsere Stadt wie die gesamte umliegende Bördelandschaft und die Region bedeutet sie vielmehr ein echtes und unverwechselbares Wahrzeichen und auch über die Landesgrenze hinaus bringt man Warburg mit der Zuckerfabrik in Verbindung.

Gegründet 1882, und damit ältestes Unternehmen in Warburg, fungiert sie schon immer als ein identitätsstiftendes Merkmal unserer Region.

Generationen sind aufgewachsen mit dem prägnanten Duft der Melasse und den mit Zuckerrüben beladenen Treckergespannen auf den Straßen, stets zusammenfallend mit dem Auftakt des überregional bekannten und weithin beliebten Volksfestes, der „Warburger Oktoberwoche“.

Als bestmöglich in der Mitte Deutschlands gelegener Standort mit hervorragender verkehrlicher Anbindung, sei es mit dem direkten Autobahnanschluss an die A 44 oder dem dichten Netz der Bundesstraßen 252, 241, 68 und 7, gibt die Zuckerfabrik derzeit mehr als 60 Mitarbeitern Arbeit und stellt somit die Existenzgrundlage für diese und deren Familien dar.

Darüber hinaus handelt es sich bei der Zuckerfabrik in Warburg um eine über lange Jahre gewachsene und fest etablierte Betriebsstätte mit einer traditionell starken Kundenbindung, welche sich in der Zahl von etwa 800 Landwirten nachdrücklich manifestiert, die dort jährlich ihre Zuckerrübenernte abliefern.

Schließlich bietet die Warburger Börde einen der besten und ertragsreichsten Böden in ganz Deutschland und ist in dieser Hinsicht weit über die Landesgrenzen bekannt für ihre außergewöhnlichen landwirtschaftlichen Gegebenheiten.

Von der Soester Börde bis aus dem südwestlichen Niedersachsen werden die Zuckerrüben mittlerweile nach Warburg geliefert.
Das Werk in Warburg hat dabei Spezialitäten, wie den einzigartigen Biorübenzucker, im Fertigungsprogramm und wirtschaftliche Nischen besetzt, was dem Werk eine besondere Note und auch Ertragskraft verleiht.

Als Kommune sehen wir uns in der Hansestadt Warburg jederzeit als enger und verlässlicher Partner der hier ansässigen Wirtschaftsunternehmen und achten daher sehr darauf, wirtschaftsfördernde Rahmenbedingungen zu setzen, um in klar zukunftsorientierter Ausrichtung nicht bloß wettbewerbsfähige Standortfaktoren zu erhalten, sondern diese nach Möglichkeit beständig zu verbessern.

So wird die Zuckerfabrik bei sämtlichen Vorhaben in der Bauleitplanung wie sonstigen Genehmigungsverfahren unterstützt und hierbei Rücksicht auf die Interessen des Werkes genommen.

Zuletzt etwa in der Erweiterung der Zuckerrübenkampagne, welche für das kommende Jahr vor der Genehmigung steht, bei dem Ausbau der Infrastruktur durch Errichtung der neuen Anbindungsstraße an die Ostwestfalenstraße – B 252 – oder aber in der Schaffung von Erweiterungsmöglichkeiten zur Kapazitätserhöhung der Zuckerrübenauslastung, wie zuletzt im Jahr 2015 geschehen.

Auch abseits etwaiger Genehmigungsverfahren arbeiten Politik und Verwaltung unserer Stadt, aber auch der Region, und die Warburger Zuckerfabrik auf vielen Feldern Hand in Hand zusammen.
Der bereits seit dem Jahr 1984 bestehende und erst im September 2016 erweitert geschlossene Kooperationsvertrag zur innovativen Abwasserbehandlung zwischen der Firma Südzucker und dem Kommunalunternehmen der Stadt Warburg, unter wissenschaftlicher Leitung der RWTH in Aachen und Beteiligung der Bezirksregierung Detmold sowie des MKUNLV NRW zeigt dies auf eindrucksvolle und nachhaltige Art und Weise.

Zusammenfassend ist die Warburger Zuckerfabrik ein wichtiger, elementarer und unersätzlicher Bestandteil unserer ländlich geprägten Region und deshalb aus der Warburger Börde schlicht nicht wegzudenken.

Ich möchte Sie hiermit eindringlich bitten, dies bei Ihrer Entscheidung über den Restrukturierungsplan der Südzucker AG mit einzubeziehen und nach sorgfältiger Abwägung aller Gesichtspunkte die Entscheidung zur Aufgabe der Betriebsstätte in Warburg zu revidieren. Ich sehe ein Unternehmen wie die Südzucker AG mit ihrem Standort in Warburg, der 1882 „von Bauern für Bauern“ gegründet wurde, auch in einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung.

Verantwortung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Familien, Verantwortung aber auch für den ländlichen Raum und die hiesige Region von und in der Sie seit 1882 gelebt haben.

Bei allem Verständnis Ihrer berechtigten ökonomischen Überlegungen, muss dies bei der Abwägung eines solch gravierenden Schrittes ausgewogen mit bedacht werden.

Über eine positive Nachricht hinsichtlich der Weiterführung der Zuckerfabrik Warburg würde ich mich persönlich, würden sich die Bürgerinnen und Bürger von Stadt und Region, die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nebst ihren Familien sowie die Landwirte der Region sich sehr freuen.

Ich stehe Ihnen für weiterführende Gespräche jederzeit gerne zur Verfügung und werde mich diesbezüglich noch in den nächsten Tagen mit Ihnen in Verbindung setzen.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Stickeln

 

Anschreiben an Herrn Landrat Friedhelm Spieker sowie an die Bürgermeister im Kreis Höxter durch Herrn Bürgermeister Michael Stickeln

 

Geplante Schließung des Warburger Werkes der Südzucker AG

Sehr geehrter Herr Landrat Spieker, lieber Friedhelm, liebe Bürgermeisterkollegen, seit einigen Tagen beherrscht das Thema einer drohenden Schließung des Warburger Werkes
der Südzucker AG die Berichterstattung in den örtlichen Medien wie auch in der öffentlichen Diskussion. 

Denn laut eines bekannt gewordenen Restrukturierungsplans der Südzucker AG wäre hiermit – bei entsprechender Realisierung – nicht zuletzt die Aufgabe der Betriebsstätte in Warburg verbunden.
Diese Nachricht wurde von Rat und Verwaltung der Hansestadt Warburg sowie der gesamten Region mit großer Besorgnis aufgenommen. Handelt es sich doch bei der Zuckerfabrik in Warburg
um ein seit dem Jahr 1882 bestehendes, über einen langen Zeitraum gewachsenes und fest etabliertes landwirtschaftliches Produktionsunternehmen mit einer beträchtlichen Stammkundschaft,
die bis in die Soester Börde sowie nach Südniedersachsen reicht.

Die mögliche Schließung des Werks hätte also gravierende negative Folgen weit über das Warburger Stadtgebiet hinaus und beträfe aufgrund des Alleinstellungsmerkmals des Betriebes den
gesamten Kreis Höxter sowie die gesamte Region und dessen Landwirtinnen und Landwirte.

ln unserer ländlich strukturierten Region, in welcher die Eiwerbslandwirtschaft und damit auch der Zuckerrübenanbau noch immer eine wesentliche Rolle spielt, kommt dem Erhalt der Zuckerfabrik
vor Ori zweifellos eine immens bedeutende Rolle zu.

Die Hansestadt Warburg ist daher mit Nachdruck bestrebt, auf sämtlichen Ebenen sowie im Zusammenspiel mit allen relevanten Akteuren für den Fortbestand der Zuckerfabrik einzutreten. So wurde von hier bereits in der vergangenen Woche ein Schreiben an die Mitglieder des Aufsichtsrats der Südzucker AG gesandt mit dem eindringlichen Tenor, die Entscheidung zur Schließung
der Betriebsstätte in Warburg noch einmal zu überdenken und zu revidieren.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch euch und eure Stadt sehr herzlich darum bitten, sich der initiative zum Erhalt der Warburger Zuckerfabrik anzuschließen und ebenfalls mit einem entsprechenden Schreiben an den Aufsichtsrat der Südzucker AG oder aber mit der Verabschiedung einer Resolution den starken Zusammenhalt aller Akteure im Kreis Höxter in dieser Frage nachhaltig zu dokumentieren. Selbstverständlich werden wir auch in Warburg eine Resolution auf den Weg bringen.

Auch darf ich euch bitten, unsere Petition gegen die Schließung der Warburger Zuckerfabrik mit zu tragen und zu unterschreiben. Es würde mich freuen, wenn lhr die Online-Petition auf euren
Medien verbreiten und auch an eure Mitarbeiter weiterleitet.

Schon im Voraus bedanke ich mich herzlich für euer Engagement in dieser für uns alle so wichtigen Angelegenheit und verbleibe
mit freundlichen Grüßen

euer
Michael Stickeln

» Schreiben an den Landrat und die Bürgermeister im Kreis Höxter

» Der Link zur Petition

» Fotos: Karl-Heinz Wiemers (www.facebook.com/schoenes.warburg) und Ruben Emme (www.facebook.com/rubenemme)

» Veranstaltungen in Warburg

Von Nabiel

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