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The Beatles: Let it be (1970, Apple Records/Parlophone/EMI) Keine Plattenfirma wollte die Pilzköpfe ursprünglich. Doch sie gingen den Weg des Erfolges trotzdem. Weil ein Plattenhändler an sie glaubte und investierte. Ein Entscheidu ng die sich auszahlte! Dank Sellaband. com kann nun jeder in unbekannte Künstler investieren und vielleicht sogar reich werden!

Sie wurden von mehreren großen Plattenfirmen abgelehnt und erlangten trotzdem Weltruhm: Die Beatles und Sänger Mike Oldfield. Und das nur, weil private Investoren an sie glaubten und bereit waren, ihr Geld zu investieren. Die Beatles und Mike wurden reich und berühmt, ihre Gönner Brian Epstein und Richard Branson konnten sich finanziell gesehen ebenfalls zur Ruhe setzen. Bands entdecken, ihnen zu Ruhm verhelfen und selbst reich werden. Das kann Dank Sellaband jetzt jeder.

Es geht um reales Geld, realen Ruhm, reale Menschen, trotzdem läuft das Ganze in der virtuellen Welt des Internets ab, denn Sellaband ist keine Plattenfirma. Das Ganze ist eigentlich ganz einfach: Damit ein Künstler oder eine Band  zusammen mit einem Top-Produzenten ins Studio gehen darf, benötigen sie 50.000 Dollar. Und da kommt der Musikfan ins Spiel. Alle angemeldeten Privatpersonen können sich erfolgversprechende Künstler suchen, und zu so genannten “Believern“ werden. Vorstellen kann man sich dies, wie beim Handel an der Börse. Der Musikfan kann Anteile an seinen Lieblingsmusikern kaufen. Ein Anteil kostet 10,- Dollar. Hat der Künstler die 5.000er-Marke überschritten, geht es ab ins Plattenstudio.

Warum ist bisher niemand darauf gekommen?

Als Dank für seine Unterstützung, erhält jeder “Aktionär“ eine spezielle Edition der entstandenen Platte. Danach werden die Songs als kostenloser Download online gestellt. Alle Werbeeinnahmen, die dadurch erzielt werden, werden unter den Believern, Sellaband und dem Künstler aufgeteilt. Gleiches gilt für die reguläre CD, die bei Sellabands Online-Partnern und den Live-Auftritten des Musikers angeboten wird. Es ist eine dieser Ideen, bei denen man denkt: “Warum ist bisher niemand darauf gekommen?“ Umso überraschender ist es, dass der Firmensitz von Sellaband nicht in Amerika oder England ansässig ist. Noch nicht mal in Berlin. Stattdessen hat das Unternehmen im westfälischen Bocholt seine Zelte aufgeschlagen.

Gegründet wurde die Firma im Jahr 2006 von Johan Vosmeijer, Pim Betist und Dagmar Heijmannsim. Allesamt erfolgreiche Mitarbeiter im Musikbusiness (Vosmeijer leitete beispielsweise die beiden Sony BMG Labels Epic und Columbia in den Benelux-Ländern). Doch sie alle kündigten ihren Job, um ihre Idee von der virtuellen Talentschmiede wahr werden zu lassen. A&Rs, Produzenten und Tonstudios, die normalerweise mit echten Welt-Stars zusammenarbeiten, sind voll des Lobes und engagieren sich für das Projekt. Mit “einer Brise frischer Luft“ vergleicht Bassy Bob, u.a. Produzent von Christina Aguilera das Portal.

Beatsteaks-Produzent Moses Schneider hält “den Aufbau und die Entwicklung eines neuen Künstlers durch Fans für lange überfällig“ und bezeichnet die Idee gar als “revolutionär.“ Olsen Involtini, der Produzent von Bela B. und Seeed lobt: “Mit Sellaband wird die Verbindung zwischen Band & Musik-Liebhabern sogar noch enger.“ Damit bringt er auch schon den wichtigsten Vorteil der Seite auf den Punkt. Die Fans werden zu Talentscout, Marketing-Mitarbeiter und Financier in einer Person. Somit gewinnt die Arbeit eines Musikers die Wertschätzung zurück, die durch illegale Downloads stark gelitten hat.

Bei all dem Lob über die neue Art Künstler zu fördern, darf jedoch nicht vergessen werden: Nicht jeder hat das Zeug zum großen Star. Einiges mag erleichtert werden, allerdings nur für Bands mit echtem Potential. Viele Bands, die sich bei Eröffnung der Seite angemeldet haben, konnten noch keinen einzigen Anteil verkaufen. Und selbst bei ein paar verkauften Teilen ist es immer noch ein harter Weg bis zum Überschreiten der erforderlichen Grenze.  Da ist es auch im Web, mit den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten nicht anders als bei einer Plattenfirma. Wer die Fans nicht begeistern kann, ist schnell wieder weg vom Fenster. Aber auf der anderen Seite: wie hieß es damals zu den Beatles: „Die Zeit der Gitarrenbands ist vorbei!“ (sg)
» [ www.sellaband.com ]

Von Wildwechsel

Online-Redaktion des Printmagazin Wildwechsel. Wildwechsel erscheint seit 1986 (Ausgabe Kassel/Marburg seit 1994). Auf Wildwechsel.de veröffentlichen wir ausgewählte Artikel der Printausgaben sowie Artikel die speziell für den Online-Auftritt geschrieben wurden.

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