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The Libertines auf dem Lollapalooza 2015. (c) Pistenwolf
The Libertines auf dem Lollapalooza 2015. (c) Pistenwolf

Es war zwar lange Jahre ruhig um die Libertines. 2004 erschien das zweite, selbstbetitelte Album – danach kam 11 Jahre nichts. Pete Doherty, Carl Barât, John Hassall und Gary Powell verdingten sich in Soloabenteuern oder neuen Bandprojekten. Im July 2015 hatte das 11 Jahre andauernde Warten ein Ende: „Anthems For Doomed Youth“ markierte ein triumphales Comeback der Libs, dessen Tour sie am 10. Februar auch nach NRW führt.

Wir schrieben das Jahr 2002. Einige von uns wussten, was Rock’n’Roll ist, einige von uns glaubten, es zu wissen und einige von uns hatten keinen blassen Schimmer. Was sonst üblicherweise zu erhitzten Diskussionen führte, verstummte schlagartig, als irgendwer diese Scheibe auflegte. Wie heißt die nochmal? Up the… was? „Up the Bracket, Alter! The Libertines, der neueste Schrei aus London! Du bist für sowas einfach noch zu jung!“

Mag sein. Aber das, was da aus der Anlage kam, war etwas anderes. Das war kein Punk, das war kein Rock, das war irgendsowas dazwischen. Es war rau, es war aggressiv, es war stellenweise unsauber – und doch immer wieder diese schönen Melodien und diese wunderbar poetischen Lyrics. Songs wie Vertigo, Death on the Stairs, Time for Heroes, Boys in the Band oder der Titelsong haben in den letzten 14 Jahren kein bisschen an Relevanz verloren. Erste richtige Liebe, erster Absturz, erster Sex, alles war irgendwann da. Und kam. Und ging. Und kam. Und… naja, ihr wisst schon. Aber diese Scheibe blieb. Durch ganz Deutschland gingen die üblichen Hysterien, eine ganze Generation würde ans Komasaufen verloren werden, an Drogen, ans schlechte Bildungssystem, und so weiter und so fort. Das einzige, an was unsere Generation verloren ging, waren die Libertines. Und damit war soviel mehr gewonnen, als jeglicher erfundene Exzess uns gebracht hätte.

Zwei Jahre später ging es weiter. Das Album hieß dann genauso wie die Band. Aber man hörte so einiges. Carl Barât und Pete Doherty, deren Freundschaft maßgeblich den lyrischen Inhalt der ersten Platte beeinflusst hat, mussten Gerüchten zufolge bei den Aufnahmen im Studio mehrmals voneinander getrennt werden, weil sie sich an den Hals gingen. Barât wehrte sich mit aller Macht dagegen, seinen besten Freund, seinen Seelenverwandten an Drogen zu verlieren. Da war er auf einmal, der schnöde Rockstar-Mammon: Weißes Pulver, Kate Moss, High Society. Songs wie The Man Who Would Be King, Music When The Lights Go Out, Can’t Stand Me Now oder What Katie Did sprachen Bände. „Have we enough to keep it together?“ fragte Doherty da.

Anscheinend nicht. Die Libertines lösten sich auf, weil Pete Doherty lieber auf Solopfaden spazieren wollte und Carl nicht ohne seinen besten Freund weitermachen wollte. The rest is history, wie man so schön sagt. Man kann Pete Doherty einiges vorwerfen, aber nicht mangelnde Produktivität. Babyshambles hieß seine neue Band, benannt nach den Sessions, die die Libertines in New York aufnahmen. Auch Barât formierte eine neue Band, Dirty Pretty Things. Hassall probierte sich mit seiner neuen Band Yeti und Powell spielte unter anderem auf der 2004er Reunion der legendären New York Dolls.

2010 kam dann die erste Reunion, die Libs spielten ein viel umjubeltes Set beim Reading and Leeds Festival. Carl und Pete näherten sich wieder an und auch wenn zunächst kein neues Material veröffentlicht wurde und auch keine große Tour folgte: Die Tür war wieder offen. Sowohl Doherty als auch Barât ließen sich mehrmals so zitieren, dass die Libertines wieder lebten und es definitiv eine Zukunft für die Band gebe. Als leidenschaftlicher Fan bekam man allmählich wieder dieses Gefühl im Bauch. Wisst ihr noch, 2002?

Aber wir wurden dann noch weitere drei Jahre auf die Folter gespannt. Am 11. September 2015 war es dann endlich soweit. Mit schweißnassen Händen packten ich und Millionen anderer Fans die neue Scheibe aus. Anthems for Doomed Youth. Das musste natürlich auch bei uns dementsprechend rezensiert werden.

Am 10. Februar führt die neue Tour der Libs auch ins schöne Nordrhein-Westfalen. Ziel ist das Kölner Palladium, auch für zwei Mitglieder der Ww-Redaktion. Ob das jetzt episch wird, oder mega episch – wir werden berichten. More to come!

» 10. Februar 2016, The Libertines, Palladium, Köln

» [ The Libertines im Web ]

» [ Website Palladium Köln ]

Von Frank Booth

Freier Autor

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