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Tipp-Kick: DER Ball ist nicht rund!

am 01 Juni 2000 von Wildwechsel

Tipp-Kick: DER Ball ist nicht rund!

Spielszene aus einer Tipp-Kick Spielbegegnung (c) Thomas Ruchti, Wikipedia Creative Commons

Zwei Spieler, zwei Torwarte, zwei Tore, ein zwölfeckigen Ball und ein Spielfeld – mehr braucht es nicht. Immer im Mittelpunkt zwei 7,3 cm hohe Zinnmännchen: drückt man auf deren Kopf einen Knopf, bewegt sich das rechte Bein und kickt den Ball dort hin, wo er hin soll – bestenfalls ins Tor. Darum heißt das Spiel „Tipp-Kick“!

Was wie Vorkriegsspielzeug aussieht und in Zeiten modern gestylter Hochglanzspiele völlig anachronistisch wirkt, hat trotzdem Kult-Charakter. Denn gewagte, schnelle Spielzüge und die mit viel Effet angeschnittene Schüsse, die den Ball gekonnt durch die Luft segeln lassen, geben Tipp-Kick eine Faszinination, der man sich schlecht entziehen kann. 1924 begann die Erfolgsgeschichte dieses Spiels der Edwin Mieg Sport & Spiel OHG. „Über fünf Millionen Mal“ sei das Tipp-Kick-Set seitdem verkauft worden, erzählt Jochen Mieg dem Ww im Juni 2000 stolz, einer der Geschäftsführer des Familienbetriebes. Absatzmarkt ist der deutschsprachige Raum.

Doch seit zwei, drei Jahren gehen bei Mieg zunehmend Anfragen aus Italien, USA und Schweden ein, vor allem die fußball-verrückten Italiener wurden von dieser besonderen Art des (Tipp)-Kicks infiziert. Gerade mal 12 Mitarbeiter sorgen in Schwennigen (Schwarzwald) für die Befriedigung der Nachfrage und für ein authentisches Outfit der Figuren. Rechtzeitig zur EM sind natürlich alle Mannschaften als „Tipp-Kicker“ zu haben, europäische Spitzenmannschaften und Bundesligavereine sind sowieso ständig im Sortiment vertreten. Rund 30 Mark kostet die Eintrittskarte in diese Welt, dafür erhält man das komplette Set – eine Profi-Figur kostet allein schon mehr als das Doppelte.

Der Ball ist nicht rund, das ist das Geheimnis!

Walter Gallus, einer der erfolgreichsten Spieler der regionalen Tipp-Kick-Szene, versucht den Reiz dieses Spiels zu erklären: „Der Ball ist nicht rund, das ist das Geheimnis!“ Wer Spitzenspieler werden will, muss viel Zeit investieren. Und viel trainieren. „Anfangserfolge stellen sich sehr schnell ein“, so der Beverunger gegenüber dem Ww, „doch für einen möglichen Sprung in die Bundesliga braucht man schon drei Jahre“. Bundesliga? Bundesliga!

Der Sport, der auf einem Spielfeld von 100 mal 70 Zentimeter zelebriert wird, steht seinem großen Vorbild in nichts nach: 1. Bundesliga, 2. Bundesliga-Nord und Süd sowie vier Regionalligen und diverse Verbandsligen – wie im richtigen Fußball-Leben wird ernsthaft um die Meistertitel gekämpft. Vereine gibt es in ganz Deutschland. Die Region ist mit Bielefeld, Gütersloh, Paderborn und Göttingen vertreten. Die Niedersachsen gehören sogar zu den besten Vereinen der Liga, zahlreiche Meisterschaften in den letzten Jahren sind Zeugnisse des Erfolgs. Schätzungen gehen von rund 2.000 organisierten Tipp-Kickern in Deutschland aus, die in den 80 existierenden Vereinen ihrer Leidenschaft nach gehen.

Auch Ulli tipp-kickt!

Auch Promis gehören zu den Fans des Spiels: Heike Makatsch, Campino, Friedrich Küppersbusch oder Ulli Hoeneß tipp-kicken. „Jedes Spiel ist anders“, erklärt der Beverunger Lehrer und enthusiastische Tipp-Kicker Walter Gallus, „das macht das Ganze so spannend.“ Mal spiele der Gegner offensiv, mal defensiv. „Auf beides muss man sich einstellen können und eine Gegenstrategie entwickeln.“ Er vergleicht Tipp-Kick mit Spielen wie Billard, Dart und Blitzschach. Für Gallus ist es auf jeden Fall eins: Sport! Ein Meisterschaftsspiel dauert zehn Minuten – „und du bist die ganze Zeit hoch konzentriert.“ Ein Spieltag kann bis zu acht Stunden dauern, und „das schlaucht gewaltig“. Doch wie sagte einst Sepp Herberger: „Das nächste Spiel ist immer das schwerste!“ (nn)

» TIPP-Kick im Internet


» So hast den Wildwechsel vielleicht noch nie gelesen!

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Online-Redaktion des Printmagazin Wildwechsel. Wildwechsel erscheint seit 1986 (Ausgabe Kassel/Marburg seit 1994). Auf Wildwechsel.de veröffentlichen wir ausgewählte Artikel der Printausgaben sowie Artikel die speziell für den Online-Auftritt geschrieben wurden.

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