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Klube & The Bates - Buch Cover
Klube & The Bates – Buch Cover

Von Anfang der 90er bis zum bitteren Ende 2001 war man in der gesamten Region mega-stolz auf diese kleine Punkrock Truppe namens The Bates aus Eschwege. Sie hatten es tatsächlich geschafft. Sie hatten ihren Traum verwirklicht.

„Wir sind in Schönheit gestorben.“

Aus dem kleinen Proberaum in der Provinz bis zu MTV nach London. Mit melodiösem Punkrock war die Band Stammgast in der Bravo und beim damaligen Trend Musiksender VIVA. Auch der Wildwechsel hat ihre Karriere stets begleitet. Mehrfach zierten The Bates das Ww Cover, sie waren zudem Stargast auf der Wildwechsel CD „Heimatklänge“.

In dem Buch „Klube & The Bates“ schaut Drummer Frank „Klube“ Klubenscheidt nun zurück auf die bewegte Geschichte der Band.

1983 gründete Klube mit Sänger Zimbl und Gitarrist Armin Beck The Bates. Mit dem Schweineanhänger geht es ganz zu Beginn zu den Konzerten, nach ersten Achtungserfolgen kommt 1993 der große Coup. Mittlerweile mit Reb und Pogo im Line Up bekommen sie einen Plattenvertrag beim Major Label Virgin Records.

Singles wie „Hello“, „It’s Getting Dark“ und vor allem „Billy Jean“ gehen durch die Decke. Top-Ten Platzierungen, Japan Tour, Sex, Drugs & Rock’n’Roll – der Lifestyle Begriff wurde auch gelebt. Sie waren Stars. Vor allem Sänger und Bassist Zimbl. Der charismatische Frontmann, der sich gerne auch mal unnahbar gab, kannte nur Vollgas. Seine Alkoholsucht beschied das Ende der Band und kostet ihn 2001 leider auch das Leben.

Klube erzählt nun nach langer Zeit die Geschichte der Bates

Niedergeschrieben von Christof Dörr

Christof Dörr, Foto by Moritz Thau
Christof Dörr, geboren 1972 in Kassel, studierte Rechtswissenschaften in Marburg. Nach Stationen bei SAT1, Focus TV und als Chef vom Dienst bei Pro7 arbeitet Dörr heute als Redakteur beim Hessischen Rundfunk. Autorenfoto: © Moritz Thau

Von den Anfängen, als man mit aller Macht anders sein wollte und stets belächelt wurde, bis zum großem Ruhm. Vom Dorfpunk zum Rockstar der 1 Million Platten verkauft, den Videodrehs (u.a. in Los Angeles), Plattenaufnahmen, den vielen Konzerten (und da waren sie eine echte Macht!), dem vielen Geld, den Groupies.

Plötzlich konnten die Jungs von der Musik leben. Es wurde aber auch abverlangt, denn beim Major ist man eben auch ein Produkt, welches vermarktet werden muss.

Leider kamen auch die Schattenseiten des Ruhms zum Vorschein:

Mehr und mehr leidet Frontmann Zimbl unter massiver Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit. „Man bekommt direkt mit, dass der beste Kumpel sich tötet, und kann nichts, absolut nichts machen“, so Klube. Das zieht sich durchs ganze Buch.

Immer wieder fragt Klube sich: „Haben wir alles getan? Was hätten wir anders tun können, um ihn zu retten?“

Schonungslos gibt er aber auch zu, dass der ganze Rockzirkus in vollem Gange war. Vieles einfach ausgeblendet wurde. Die Party musste weiter gehen. Selbst reflektierend sieht er das heute anders. Ab und an kommt auch Wehmut hoch, wo stünde man heute, hätte die Band und vor allem Zimbl nicht so selbstzerstörerisch gehandelt?

Bei ihrem Potential und der Gabe neben eigenen Stücken, mit die besten Coversongs des Punkrocks abzuliefern, dazu noch ihre unschlagbare Bühnenpräsenz. Ja, da könnte man schon die Nummer drei nach den Hosen und den Ärzten im Land sein. Hätte, wäre wenn… Eine Ausnahmeerscheinung war die Truppe auf jeden Fall.

Heute ist Klube glücklich, hat mit Suse die Frau seines Lebens gefunden. Sie hat ihn aus dem tiefen Tal der Tränen geholt. Zu der Zeit als immer noch der Alkohol floss, das Geld aber längst weg war. Über Jobs vom Paketboten, T-Shirt Verkäufer  bis zu seiner heutigen beruflichen Erfüllung, der Arbeit mit Behinderten, ist Klube im bürgerlichen Leben angekommen.

Klube & THE BATES - Buch Cover | Foto by Moritz Thau Christof Dörr
Klube & The Bates – Buch Cover | Foto by Moritz Thau Christof Dörr

Hat quasi zwei Leben gelebt, das vom Rockstar, wo alles normal bürgerliche außer Kraft gesetzt war, bis zum heutigen Dorfleben mit geregelter Arbeit.

„Klube & The Bates“ ist eine treffende Schilderung eines kurzen, wilden Ritts deutscher Rock’n’Roll Geschichte. Ein Buch über Freundschaft, der Liebe zur Musik und sich Selbstfindens. Für jeden der die Band schätzte ist es ein Lese-Muss. Kein literarisches Meisterwerk, aber mitfühlend und echt. Und das ist es doch, was zählt.

Bereichert wird das Buch durch Beiträge unter anderem von Sänger Olga (The Toy Dolls), Udo Lange (Virgin Chef) oder Reb (The Bates).

» Christof Dörr: Klube & The Bates

» Wie ein Dorfpunk zum Rockstar wird und 1 Million Platten verkauft – bis das Schicksal gnadenlos zuschlägt.

280 Seiten, 20 €, Schwarzkopf & Schwarzkopf

www.thomasrosenthal.de (Coverfoto)

Von Heiko Schwalm

Seit der allerersten Ww Süd Ausgabe 1994 am Start!

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