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Sie stellten im über 700 Jahre alten Kerner – in dem sich im Jahr 1517 das Rathaus befand - das Programm zum Reformationsjahr und die Reformationsroute vor: Stadträtin und Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach (2. von rechts) und (von links) Karin Stichnothe-Botschafter vom Fachdienst Kultur, Gesa Coordes, Raphael Ammon vom Fachdienst Kultur, der Pfarrer der Lutherischen Pfarrkirche, Ulrich Biskamp, und Kulturamtsleiter Dr. Richard Laufner. Pfarrer Biskamp präsentierte passend zum Anlass eine Bibel aus dem Jahr 1767.
Sie stellten im über 700 Jahre alten Kerner – in dem sich im Jahr 1517 das Rathaus befand – das Programm zum Reformationsjahr und die Reformationsroute vor: Stadträtin und Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach (2. von rechts) und (von links) Karin Stichnothe-Botschafter vom Fachdienst Kultur, Gesa Coordes, Raphael Ammon vom Fachdienst Kultur, der Pfarrer der Lutherischen Pfarrkirche, Ulrich Biskamp, und Kulturamtsleiter Dr. Richard Laufner. Pfarrer Biskamp präsentierte passend zum Anlass eine Bibel aus dem Jahr 1767.

Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther der Überlieferung nach an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug. Das Reformationsjubiläum wird international gefeiert – natürlich auch in Marburg, wo sich Luther 1529 mit Huldrych Zwingli zum Religionsgespräch getroffen hat und wo die Reformation eine wichtige Rolle spielte.

Stadträtin und Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach sowie Kulturamtsleiter Dr. Richard Laufner präsentierten die bisher geplanten Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum und ein bereits jetzt erschienenes Faltblatt mit einer Reformationsroute. „Dieses kirchliche Jubiläum steht in engem Bezug zur Marburger Stadtgeschichte“, sagte Weinbach. Das abwechslungsreiche Programm, das dies belegt, ist nicht nur für die Marburger Bürgerinnen und Bürger von großem Interesse, es richtet sich auch an Gäste der Stadt und wird daher auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin bereits beworben. „Viele Akteure aus Kultur und Kirche, Geschichte und Wissenschaft beteiligen sich, die Fäden laufen im Kulturamt zusammen“, erläuterte Laufner. Marburg sei zudem auch in die bundesweite Koordinierungsgruppe zum Jubiläumsjahr eingebunden”, sagte Weinbach.

Eine ganze Reihe von Veranstaltungen für das Jubiläumsjahr ist bereits geplant. Offizieller Start ist bereits am 31. Oktober 2016 mit dem Reformationstag. Am 28. Januar 2017 findet das Marburger Ökumenegespräch zum Thema „Lebensgeschichten“ statt, unter anderem mit dem Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer. Ein Höhepunkt ist eine Ausstellung im Landgrafenschloss von Mai bis Oktober 2017, die die Wechselwirkung von Reformation und Bildung darstellt. Für den Theatersommer 2017 hat das Hessische Landestheater Marburg eigens das Stück „Luther“ bei dem renommierten Theaterautoren Marc Becker in Auftrag gegeben, das auf dem Marktplatz aufgeführt wird. Und vom 15. bis 18. Juni 2017 gibt es eine „Zeitreise“ am und um den Lutherischen Kirchhof mit Luthers Tischreden, historischer Musik, einer „Stinkstation“ mit den authentischen Gerüchen des 16. Jahrhunderts, einem Predigt-Slam und Gerichten aus Luthers Zeit. Das Alltagsleben aus Luthers Zeit soll erlebbar gemacht werden, bis hin zur Armenspeisung. Vom 26. April bis zum 19. Juli gibt es ein Studium Generale „Die Reformation und ihre Wirkungen“. Vom 8. bis 10. September findet das Landeskirchenmusikfest in Marburg statt. Und vom 27. bis 29. September richtet der Fachbereich Theologie der Philipps-Universität eine wissenschaftliche Tagung zum Lutherjahr aus.

„Wir wollen Marburg als aufgeschlagenes Geschichtsbuch präsentieren“, betonte Laufner. Das wird auch mit dem von der Journalistin Gesa Coordes erstellten Faltblatt zur Reformationsroute verwirklicht, die auf den Spuren von Luther durch die Stadt führt und in der viele Informationen und Anekdoten rund um Luther und die Reformation in Marburg enthalten sind. Los geht es an der Alten Universität an der Weidenhäuser Brücke, über die Luther 1529 auf Einladung von Landgraf Philipp nach Marburg kam und wo er begeistert von den Bürgerinnen und Bürgern begrüßt wird. In Marburg hatten sich die Ratsherren schon vier Jahre zuvor darüber beschwert, dass die Stadt mit zu viel „geistlichen Personen belestigt“ sei, die keine Steuern zahlten und zu viel Wein wollten. 1527 bekamen sie einen evangelischen Pfarrer, Dominikaner, Franziskaner und Kugelherren mussten ihre Klöster für die vom Landgrafen gegründete Universität räumen. Die Route führt über die „Musterkirche der Reformation“, die Lutherische Pfarrkirche St. Marien – an der sich 1604 Calvinisten und Lutheraner eine heftige Prügelei lieferten – bis zum Landgrafenschloss, wo sich Luther und Zwingli trafen und über das richtige Verständnis des Abendmahls stritten, ohne sich in der Grundsatzfrage einigen zu können. Abstecher führen beispielsweise zur Elisabethkirche, in der einst die Gebeine der heiligen Elisabeth lagerten, bis Landgraf Philipp sie zehn Jahre nach dem Religionsgespräch aus dem goldenen Schrein entfernen ließ, um dem Reliquienkult ein Ende zu setzen. Das Faltblatt mit den zehn Stationen ist im Rathaus, bei der Marburg Stadt und Land Tourismus GmbH und an allen zehn Stationen der Route erhältlich. Es gibt es auch zum Ausdrucken unter www.marburg.de unter dem Suchbegriff „Reformationsroute“.

» [ Website der Stadt Marburg ]

Von Frank Booth

Freier Autor

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