Mit Uli Bögershausen war einer der besten Fingerstyle-Gitarristen Deutschlands zu Gast im Bad Wildunger Theater am Bunker im Rahmen des ersten Gitarrenfestivals Ederseeregion.

Über zwei Stunden konzertierte Bögershausen, was einer immensen Konzentrationsleistung und Professionalität bedarf, zumal viele der Werke technisch höchst anspruchsvoll waren, die meisten davon Eigenkompositionen und eigene Arrangements.

Gitarristisch nennt der Interpret die Art von Musik, die eigens für das Instrument Gitarre entwickelt ist und deren Klangmöglichkeiten ausloten. Virtuos arpeggierte Passagen und mehrstimmige Arrangements lassen dabei den Eindruck entstehen, dass nicht nur ein einzelnes Instrument, sondern ein ganzes Ensemble musiziert, eine Spielweise und Kunst, die Uli Bögershausen international bekannt gemacht hat. Dabei vermag er wie kaum ein anderer, stets Transparenz und Präzision in den Linienführungen zu erzeugen und gleichzeitig den Groove nie zu verlieren.

Für weitere klangliche Abwechslung sorgten der Wechsel zwischen der sechssaitigen und der zwölfsaitigen Gitarre sowie verschiedene Tunings, zum Beispiel beim Stück „Northern Sweet“ von seiner aktuellen CD „In a Constant State of Flux“, bei dem ein dorisches Tuning und der Kapodaster im vierten Bund für keltisch anmutende sowie zart klingende Stimmung sorgen. Eine wiederum ganz andere Klangfarbe erzeugte der Bottleneck-Einsatz beim Valpolicella Express, bei dem ein Zug erklingt, der über die Alpen fährt, um Rotwein abzuholen.

Zur Entspannung zwischendurch spielte Bögershausen melodiöse Stücke, bei denen wie bei einem Song die Melodie im Zentrum der Komposition steht und drum herum ein das Begleitarrangement zugefügt wird, „Musik zum Augen schließen“, so moderierte Bögershausen Popsongs wie etwa von Adele oder den Beatles an. Auch für diese Art von Arrangements ist er bekannt. Für sein Arrangement von „One of Us“, im Original geschrieben von Eric Bazilian (The Hooters) hat er nach dem youtube upload sogar eine Email von Eric Brazilian erhalten, in der der Songwriter schrieb „Hey, nice arrangement“. Ulis eigener Hit „Es wäre schön gewesen“ (It could have been) aus dem Jahr 2000 wird von vielen Gitarristen rund um den Erdball nachgespielt und ist auch als kostenloser Download auf der Homepage zu erhalten.

Der ersten Zugabe „Sunrise“ von Nora Jones folgten noch Luiz Bonfas „Manha do Carneval“ und schließlich „Don’t let me be misunderstood“ und rundeten einen Abend mit Gitarrenmusik der Extraklasse ab.

Das Konzert war übrigens ebenso ausverkauft, wie auch der Workshop, den Bögershausen am Tag darauf gab und auch wie die anderen bisherigen Veranstaltungen des Festivals, was für die Qualität dieser neuen Reihe spricht und auf eine Fortsetzung in den kommenden Jahren hoffen lässt.

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Von Steffen Dittmar

Musik & Kultur

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