★ Live-Streams ★ | Interviews | Praktikum | Kontakt | Werde Ww-Retter!

Musiker und die Corona-Krise – Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus – Update!

am 09 April 2020 von Eileen Reckert

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

Musiker und die Corona-Krise – Interviews mit Künstler über die Auswirkungen durch das Coronavirus

Was passiert, wenn Banken crashen? Quasi über Nacht können Billionen locker gemacht werden, die nach außen hin die Banken retten sollen, tatsächlich aber schon auf dem Überweisungsweg verdampfen. Was passiert, wenn Kulturschaffende aufgrund einer Pandemie ihre Engagements verlieren, Veranstalter ihre Events absagen müssen, Clubs, Bars und Diskotheken schließen müssen?

Die Angst ist groß, vom Staat alleine gelassen zu werden und nur vom Däumchen drehen und An-die-Decke-Starren kann auch der kreativste Künstler nicht lange leben. Im Folgenden einige Statements von Kulturschaffenden nicht nur regional, sondern auch überregional. Musiker und die Corona-Krise: Ein brisantes, vielschichtiges Thema mit vielen Ansichten, die die Auswirkungen durch das Coronavirus skizzieren.


“Corona-Interview” mit Marvin, Gitarrist der Folk/Rock/Pop Band “Punch Drunk Poets”

» Facebook-Seite von Punch Drunk Poets

 

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

Punch Drunk Poets

 

Wie erlebst du aktuell die Situation?

Die aktuelle Situation erlebe ich wie alle denke ich, als was total Ungewohntes und Neues, dass mich in meinem Alltag enorm einschränkt. Besonders einschränkend für mich sind natürlich die Maßnahmen, die soziale und kulturelle Aspekte betreffen. Zukünftige Shows meiner Band Punch Drunk Poets sind bis auf Weiteres abgesagt und vieles, was wir als Band über längere Zeit für dieses Jahr organisiert und uns vorgenommen haben, wird nicht stattfinden können. Besonders ärgerlich ist das für uns, da wir voller Vorfreude gerade anfangen unser erstes richtiges“ Album zu veröffentlichen und dieses über verschiedene Wege, wie z.B. einer Release-Tour promoten wollten.

Da ich in Paderborn studiere und arbeite, aber meine Familie in Herne lebt, ist es zudem schwer für mich nicht zu wissen, wann es wieder so weit sein wird, dass ich sie ohne Bedenken besuchen kann.

Gruppenvideochats sind zu diesen Zeiten eine sehr gute Möglichkeit um mit Familie/Freunde aber auch Bandkollegen in Kontakt zu bleiben. So wird zum Beispiel auch bei meiner Arbeit als Gitarrenlehrer jetzt der Unterricht komplett über die Webcam geführt, was für mich relativ ungewohnt aber auch teils sehr lustig ist.

Ich erlebe die Situation aber auch noch aus einer anderen Perspektive, da ich als Werkstudent in einer großen Supermarkt-Kette arbeite, die in diesen Zeiten geradezu von Kunden überrannt wird. Besonders interessant für mich ist dabei zu sehen, wie andere Menschen mit dieser Situation umgehen und wie unmittelbar die Auswirkungen von z.B. „Fake News“ für uns am Kunden zu sehen sind. Viele Menschen, natürlich nicht alle, verhalten sich unsolidarisch und für mich nicht nachvollziehbar. Ich frage mich da immer was es der Gesellschaft bringen soll, wenn ich 10 Liter Desinfektionsmittel, 15 Kg Mehl und 10 Packungen Toilettenpapier kaufe aber dadurch der nächste keinen Zugriff mehr auf diese hat? Glücklicherweise gibt es jetzt vorgeschriebene Mengen, die man beim Einkaufen nicht überschreiten darf. So weit ist es schon gekommen.

Generell kann ich mich also aber glücklich schätzen, dass ich meine Arbeit weiterhin ausüben kann, auch wenn diese sich durch die Situation verändert hat. Bei all dem finde ich aber, dass die Situation durchaus positive Effekte haben kann. So hat man jetzt gezwungener Weise die Chance, seinen Fokus auf andere Dinge im Leben zu legen. Man kann entschleunigen, kreativ sein und sich selbst besser kennen lernen und weiterbilden. Als Künstler kann man jetzt z.B. den Fokus auf Songwriting, Produktion und Social Media legen und so trotzt der ganzen Einschränkungen produktiv sein und vorwärts kommen.

In Hinblick auf die Natur, das Klima und die Umwelt im Generellen, birgt die Corona-Krise meiner Meinung nach vielleicht auch die Möglichkeit, dass diese sich, zumindest im kleinen Maßen erholen kann.

Was denkst du über die Maßnahmen, Konzerte abzusagen?

Nach aktuellem Stand finde ich es richtig zu entscheiden, große Ansammlungen von Menschen nicht entstehen zu lassen damit der Virus sich nicht exponentiell schnell verbreitet. Darunter fallen dann natürlich leider auch Konzerte. Ich hoffe einfach, dass die Situation in näherer Zukunft in den Griff zu bekommen ist. Denn am schwersten trifft es meiner Meinung nach gerade Kunstschaffende, Selbstständige und kleine Unternehmen, die durch diese Situation an die Existenzgrenze getrieben werden.

Bist du auf die Einnahmen aus deiner musikalischen Tätigkeit angewiesen? Falls ja was bedeutet der Verdienstausfall für dich?

Ich bin zum Glück nicht auf Einnahmen angewiesen, die wir mit den Punch Drunk Poets erzielen. Tatsächlich erzielt auch kein Mitglied der Band Einnahmen mit den Punch Drunk Poets. Alles was wir durch Auftritte oder den Verkauf von Merch erwirtschaften, wird sofort wieder in die Band gesteckt. Vor kurzem erst haben wir alle finanziellen Mittel, welche die Band hatte, zusammen mit den Einnahmen einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne in die Produktion unseres ersten Albums „Bitte für immer“ gesteckt. Die Band ist für uns also eher eine Herzensangelegenheit und der wirtschaftliche Aspekt „nur“ der Grundpfeiler für Produktionen oder Touren, die bezahlt werden müssen. Der Verdienstausfall ist demnach für uns zu verkraften.

Viel schlimmer ist aber der Umstand, dass wir viele Konzerte, auf die wir uns sehr gefreut haben, nicht spielen werden und unser Album nicht wie geplant promoten können.

Bei meiner Tätigkeit als Musikschullehrer sieht das schon anders aus. Ich arbeite bei einer privaten mobilen Musikschule, die durch die Situation natürlich stark betroffen ist. Zum Glück gibt es die Möglichkeit den Unterricht vorübergehend erstmal per Videotelefonie durchzuführen. Aber ob das, gerade bei Kindern über einem längeren Zeitraum praktikabel und sinnvoll ist, wird die Zeit zeigen.

Gibt es finanzielle Hilfen in der aktuellen Situation?

Langsam reagieren die Institutionen. Das ist echt schön zu sehen! Zusätzlich unterstützen wir mit Soli-Jutebeuteln unsere Lieblingsbar, in der wir schon häufig gespielt haben. Alle unsere Merchverkäufe kommen zu 100% diesem Laden zugute.

Was würdest du dir wünschen (Politik etc.)?

Ich wünsche mir, dass wir spätestens jetzt, zu Zeiten der Corona-Krise zusammenwachsen und arbeiten, auch international. Denn ich hoffe, dass diese Krise bald überstanden sein wird, wenn alle an einem Strang ziehen. Von der Politik würde ich mir wünschen, dass sie Maßnahmen in die Wege leitet, die durch die Situation entstehenden finanziellen Einbußen entgegenwirken. Viele Kunstschaffende, Selbstständige und kleine Unternehmen werden sonst in naher Zukunft insolvent gehen, oder einfach nicht mehr ihrem Beruf nachgehen können und somit aus unserer Gesellschaft verschwinden.

Wie siehst du deine/eure Zukunft?

Wenn sich die Situation hoffentlich bald wieder gebessert hat und Veranstaltungen und Auftritte wieder zugelassen sind, werden wir versuchen alles nachzuholen, was wir zurzeit leider absagen müssen. Wir werden auch dann noch voller Freude Musik machen und endlich unser neues Album „Bitte für Immer“ live spielen. Vielleicht dann bei einer „After Corona Tour“?

Hast du sonst noch etwas zu dem Thema zu sagen?

Es sind für alle schwierige Zeiten die gerade sind und noch auf uns zukommen werden. Künstler, die auf Konzerteinnahmen angewiesen sind, könnt ihr zum Beispiel unterstützen, indem ihr sie auf Streaming-Diensten rauf und runter hört oder Merch kauft. Unterstützt euch wo ihr könnt und haltet Kontakt zueinander. Ansonsten bleibt gesund, seid kreativ und macht das beste aus der Situation.


“Corona-Interview” mit Paddy, Mundharmonika-, Akkordeon- und Banjospieler, Gitarrist und Sänger der Irish Folk Band “The Scarlet Scallywags”

» Webseite von The Scarlet Scallywags

 

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

The Scarlet Scallywags (c) Julius Erdmann

 

Wie erlebst du aktuell die Situation?

Spätestens als die Dropkick Murphys ihr traditionelles St.Patrick’s Day-Konzert zum ersten Mal in zwei Dekaden notgedrungen streamen mussten, statt live zu spielen, wusste ich, dass die Kacke am dampfen ist. Ich empfinde die Situation als außergewöhnlich. Man muss das beste daraus machen und einmal mehr dankbar sein, für das, was man hat.

Was denkst du über die Maßnahmen, Konzerte abzusagen?

Diese Maßnahmen sind zur Zeit absolut alternativlos.

Bist du auf die Einnahmen aus deiner musikalischen Tätigkeit angewiesen? Falls ja was bedeutet der Verdienstausfall für dich?

Die Band wird sich nicht auflösen, unsere Existenz hängt zum Glück nicht davon ab. Allerdings ist es schon sehr ärgerlich, da wir unsere Jahreskalkulation jetzt erstmal auf Eis legen müssen.

Gibt es finanzielle Hilfen in der aktuellen Situation?

Langsam reagieren Netzwerke und Institutionen: Das Land, die GEMA, oder auch Netzwerke wie Bandcamp zeigen sich solidarisch. Das find ich top!

Wir werden keine Hilfe beantragen, das sollte ausschließlich denen zugute kommen, die von der Musik leben.

Was würdest du dir wünschen (Politik etc)?

Ich wünsche mir natürlich ausreichende Unterstützung für die Kreativwirtschaft.

Wie siehst du deine/eure Zukunft?

Wir haben im Februar erst unsere neue Platte rausgebracht. Mit dieser im Rücken hatten wir eine wunderschöne, internationale Tour schon gebucht. Zwei der bedeutendsten Folkfestivals in Deutschland waren mit von der Partie. Jetzt ist alles ungewiss. Wir können nur in kleinen Zeitabschnitten denken momentan. Aber wir machen uns nicht zu viele Sorgen, solange es noch Whiskey und 4 Akkorde gibt.

 


“Corona-Interview” mit Lestaya, Cellistin der Black Metal Band “Ferndal”

» Facebook-Seite von Lestaya

» Facebook-Seite von Ferndal

 

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

Lestaya (c) www.darkvelvet.org

 

Die aktuelle Corona-Krise hält die Welt in Atem. Immer mehr Veranstaltungen werden abgesagt oder verschoben, somit sind auch viele Musiker “arbeitslos”. Wie erlebst du aktuell die Situation?

Die Situation ist natürlich vollkommen neu, für die allermeisten Menschen. Das bedeutet, viele sind verunsichert, keiner kann es richtig einschätzen, es gibt noch kaum Daten, die es ermöglichen, Prognosen zu stellen. Auch für mich und uns mit meiner Band Ferndal sind Konzerte abgesagt worden, und ich vermute es werden noch mehr.

Ich kann nicht mehr unterrichten, meinen Schülern fehlt Input – wir versuchen einiges über Medien wie Whattsapp zu regeln, das hilft eine Weile, aber ersetzt natürlich keinen Unterricht.

Faktisch sitze ich zu Hause, schreibe Musik und arbeite Sachen nach oder vor, zu denen ich sonst nicht komme. Es ist viel Zeit zum Üben, wobei ich hier natürlich auf die Geduld meiner ebenfalls zu Hause sitzenden Nachbarn angewiesen bin, intensives Tonleiter- und Etüdentraining kann in Zeiten der evtl drohenden Ausgangssperre das nachbarschaftliche Verhältnis arg belasten… Meinen Übungsraum darf ich allerdings nicht betreten.

Was denkst du über die Maßnahmen, Konzerte abzusagen?

Sie sind notwendig. Viel mehr gibt es dazu nicht zu denken, es ist traurig, unangenehm, existenzbedrohend, aber notwendig.

Bist du auf die Einnahmen aus deiner musikalischen Tätigkeit angewiesen? Falls ja was bedeutet der Verdienstausfall für dich?

Da ich hauptberuflich Musiker bin, ja. Allerdings bin ich in der glücklichen Situation, einen großen Teil meiner Einnahmen aus einem Angestelltenverhältnis zu generieren, das bedeutet, bei mir geht es nicht an die Existenz, es fehlen nur Einnahmen aus Konzerten und Studioaufträgen.

Sehr vielen meiner Kollegen geht es da anders, die Situation der Honorarkräfte an Musikschulen ist vielerorts noch ungeklärt, Auftritte auf Feiern, in Bars, Konzerte, alles fällt weg. Das ist dramatisch, hier muss dringend Unterstützung gewährt werden! Und zwar allen, Künstlern, Bühnen, Veranstaltern. Vielleicht bietet sich hier auch auf längere Sicht die Gelegenheit, die Situation von Scheinselbstständigen im Kultursektor generell zu überdenken.

Gibt es finanzielle Hilfen in der aktuellen Situation?

Es wird viel angestoßen zur Zeit, ich sehe sehr viel Hilfsbereitschaft sowohl was Spenden angeht (die Deutsche Orchesterstiftung hat innerhalb von 4 Tagen 100.000 Euro Spenden für freischaffende Musiker sammeln können), als auch auf politischer Ebene.

Stiftungen, die Gewerkschaft Verdi und viele mehr arbeiten sehr daran, finanzielle Hilfen anzustoßen, rechtliche Fragen zu klären, Solidarität einzufordern.

Es dauert nur natürlich alles zu lange und wird sehr aufwendig sein, die Gelder an die richtige Stelle zu bekommen. Alle laufenden Zahlungen müssen ja getätigt werden, die wenigsten Musiker sind in der Lage sich ein Polster aufzubauen, das für 3 oder mehr Monate reicht.

In NRW ist grade ein Soforthilfe Programm angelaufen, das verspricht, schnell Gelder bereit zu stellen, ob das funktionieren und reichen wird, kann ich nicht sagen. Aber die Bemühungen sind auf jeden Fall da.

Was würdest du dir wünschen (Politik)?

Alle Vorschläge zum Thema Steuerstundungen etc sind gut gemeint, lösen aber das Problem nicht. Das Geld ist ja nicht einfach nur später auf dem Konto, sondern es ist weg, Musiker müssen wohnen und essen, ohne dass sie die Möglichkeit haben, Geld zu verdienen.

Was das Problem lösen würde, ist ein auf 6 Monate begrenztes Bedingungsloses Grundeinkommen. Auf www.change.org gibt es eine Petition zu dem Thema. Ich sehe es als die einzige Möglichkeit, die Kulturlandschaft (und damit meine ich nicht nur Musik, Kunst, Theater, sondern auch sämtliche anderen Einrichtungen, die jetzt dicht sein müssen) durch diese Zeit zu retten. Jedem Menschen ist so eine Grundsicherung schnell und unbürokratisch möglich, und wer darauf nicht angewiesen ist, hat die wunderbare Möglichkeit, das Theater, Museum, den Club oder die Bar oder die Sporteinrichtung SEINER Wahl zu unterstützen (denn die tragen sich natürlich nicht von diesem Einkommen).

Wie siehst du deine/eure Zukunft?

Meine Zukunft und die meiner Band ist nicht gefährdet, wenn ich meine Saiten ein paar Monate länger spiele und mich etwas einschränke, sieht es bisher gut aus. Bei vielen meiner Freund ist das leider nicht so.

Hast du sonst noch etwas zu dem Thema zu sagen?

Ja: wir dürfen nicht vergessen, womit uns Musikern am meisten geholfen ist. Nämlich mit einer funktionierenden Kultur-Infrastruktur in der Post-Corona-Zeit. Das bedeutet, wir brauchen Clubs und Bühnen, in denen wir danach spielen können, wir brauchen Veranstalter, die die Krise ebenso überleben müssen, wir brauchen Publikum!

Ich lese grade immer wieder Aufrufe von Bands, dass sie zu dieser Zeit unterstützt werden wollen, das ist alles legitim. Für eine Band ist es noch relativ einfach, von ihren Fans unterstützt zu werden, da besteht ein Bezug, die können auch momentan konkrete Gegenleistungen bringen (Rabatt auf ihr Merch anbieten, Tonträger etc). Die meisten kleinen Bands haben aber real kaum weniger Einnahmen als sonst, keine Band die 10 Gigs im Jahr spielt und mit 5 Personen eine Gage von 500 Euro pro Gig bekommt, ist in Ihrer Existenz bedroht. Das ist alles im Bereich Hobby anzusiedeln.

Die Clubs haben aber laufende Kosten, die gedeckt werden müssen! Wer es sich leisten kann, der möge bitte, bitte keine Erstattung seiner bereits erworbenen Eintrittskarten fordern, er möge das verlorene Geld als Investition in die Zukunft der Musikbranche sehen! Ihr helft damit, dass ihr auch in Zukunft die Wahl aus vielen großartigen Veranstaltungen treffen könnt! Und sobald es wieder geht, besucht bitte Konzerte!


“Corona-Interview” mit Florian, Bassist der Rock & Roll Band “AirStrike”

» Facebook-Seite von AirStrike

 

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

AirStrike

 

Wie erlebt ihr die Situation?

Wir erleben die Situation momentan sehr unterschiedlich und versuchen das Beste draus zu machen.

Natürlich treffen wir uns momentan so gut wie gar nicht mehr und regeln soweit möglich alles per Telefon und arbeiten in unseren home offices an neuem Material. Musik kann gerade jetzt positive Vibes und Zuversicht in eine sonst doch eher so überflutete Welt geben…vielleicht hört man dieser Tage genauer hin oder lässt die Stimmung der Songs intensiver auf sich wirken…who knows?!

Gibt es finanzielle Hilfen in der aktuellen Situation?

Natürlich sind die Veranstaltungs- und Konzertabsagen in höchstem Maße fatal mit schwerwiegenden Folgen für die gesamte Branche, jedoch erfordern außergewöhnliche Zeiten außergewöhnliche Maßnahmen und es gilt in erster Linie das Wohl der Allgemeinheit und somit auch des Publikums zu schützen. Gesundheit geht vor.

Da wir noch nicht abhängig von den Einnahmen sind, trifft es uns nicht so hart wie manch anderen.

Was würdest du dir wünschen (Politik etc)?

Es wäre in unseren Augen wünschenswert, wenn die finanzielle Unterstützung, die durch die Bundesregierung beschlossen wurde, der Unterhaltungsindustrie in gleichem Maße wie anderen Branchen zu Gute käme. Hierbei sollte auch die Existenz kleinerer Veranstalter und Künstler gesichert sein.

Wie siehst du deine/eure Zukunft?

Da wir zumindest für 2020 ohnehin wenige gigs geplant haben und unser aktueller Focus auf dem Album liegt, hoffen wir, dass sich die Lage schnellstmöglichst bessert.

In diesem Sinne bleibt gesund, wascht euch die Pfoten and don’t forget to RN’FN’RLL


“Corona-Interview” mit Joscha, Gitarrist und Sänger der TrashPop-PunkRock Band “Überflüssig”

» Facebook-Seite von Überflüssig

 

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

Überflüssig (c) Denise Schmottlach

 

Die aktuelle Corona-Krise hält die Welt in Atem. Immer mehr Veranstaltungen werden abgesagt oder verschoben, somit sind auch viele Musiker “arbeitslos”. Wie erlebst du aktuell die Situation?

Ich erlebe die Situation als ein “Überdenken” der gesamten Lebensweise.

Was denkst du über die Maßnahmen, Konzerte abzusagen? Bist du auf die Einnahmen aus deiner musikalischen Tätigkeit angewiesen? Falls ja was bedeutet der Verdienstausfall für dich?

Natürlich sehe ich auch mit Schrecken, das aufgrund der aktuellen Situation , das Konzerte ausfallen und den kleineren Bands und Labels (die aktuell Platten am Start haben und sie nicht Promoten können) quasi die Grundlage nehmen ,etwas mit ihrer Musik zu verdienen. Ich bzw. wir (die Punkrocker von Überflüssig) sind zum Glück nicht darauf angewiesen, da wir normalen Jobs nachgehen. Allerdings stecken wir gerade in unserer 10´ten Albumproduktion und haben die VÖ erstmal nach hinten verschoben.

Gibt es finanzielle Hilfen in der aktuellen Situation? Was würdest du dir wünschen (Politik etc)? Wie siehst du deine/eure Zukunft?

Finanzielle Hilfen für Randgruppen des musikalischen Untergrunds sind mir nicht bekannt. Würde ich aber gut finden :-). Wenn der Virus ausgestanden ist, wird die Welt (meiner Meinung nach) eine andere sein. Das zeigt doch doch nur, wie schnell alles vorbei sein kann. Ich jedenfalls werde künftig mit mehr Genuss leben.

Hast du sonst noch etwas zu dem Thema zu sagen?

Geht künftig wieder mehr auf kleinere Konzerte, kauft Platten von kleinen Bands und erfreut euch am Leben.


“Corona-Interview” mit Tom, Gitarrist der Deutschrock/NDH Band “Ansturm”

» Facebook-Seite von Ansturm

» Webseite von Ansturm

 

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

Tom von Ansturm

Die aktuelle Corona-Krise hält die Welt in Atem. Immer mehr Veranstaltungen werden abgesagt oder verschoben, somit sind auch viele Musiker “arbeitslos”.

Nun, als Musiker ist man eigentlich nie Arbeitslos. Sicher sind alle Konzerte abgesagt, und das ist auch, im Hinblick auf das Virus, gut so. Aber an Arbeit mangelt es eigentlich nie. Jetzt haben wir Zeit an neuen Stücken zu schreiben, und zu texten. Arbeiten die man sonst nach hinten schiebt, wenn man kurz vor einem Gig steht.

Was das Finanzielle angeht, so merken wir selbstverständlich das Ausbleiben von Gigs. Aber zum Glück muss noch niemand von uns von der Musik leben. Und wenn ich ehrlich bin, fehlt mir das Proben und zusammen sein im Proberaum. Aber im Augenblick ist es einfach super wichtig zuhause zu bleiben, um die Infektionskette zu unterbrechen und die Mitmenschen zu schützen.

Wie erlebst du aktuell die Situation?

Ich sehe das im Moment eher mit Sorge. Nicht wegen dem Virus, sondern eher wegen der ganzen Falschmeldungen, und der daraus resultierenden Panik. Mehl und Toilettenpapier ist im Moment nirgends zu bekommen, weil die Leute unnötige Hamsterkäufe tätigen, was dann wiederum zu Engpässen führt, die es nicht gäbe, wenn jeder seine Einkäufe so tätigen würde, wie vor der Epidemie. Auch sehe ich mit Sorge, dass viele Einzelhändler, Kneipiers, und kleineren Restaurants, sowie Imbissbuden diese Krise leider nicht überleben werden.

Was denkst du über die Maßnahmen, Konzerte abzusagen?

Wie ich ja in meiner Antwort auf die erste Frage bereits schrieb, sehe ich dies als einen extrem wichtigen Schritt. Die Infektionskette MUSS definitiv durchbrochen werden. Das Virus ist keine harmlose Infektion, was die erschreckenden Zahlen der Todesopfer in Italien zeigt. In Sofern ist dies ein sinnvoller und nötiger Schritt. Und aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Bist du auf die Einnahmen aus deiner musikalischen Tätigkeit angewiesen? Falls ja was bedeutet der Verdienstausfall für dich?

Nein, zum Glück noch nicht.

Was würdest du dir wünschen (Politik etc)?

Ich würde mir wünschen, das die Strompreise extrem sinken, zum Beispiel durch den temporären Wegfall der Stromsteuern und der EEG Umlagen. Dann fänd ich es gut, wenn Familien die mit dem Existenzminimum leben müssen, eine Einmalzahlung zufließen würde, damit auch diese Menschen sich einen bescheidenen Vorrat an Lebensmitteln zulegen können. Auch wünschte ich mir, dass unsere Politiker auf einen Teil ihrer Diäten verzichten, und dieses Geld denen zur Verfügung stellen, die nichts haben.

Wie siehst du deine/eure Zukunft?

Mit Zuversicht. Wir gesagt, wir schreiben an neuen Songs und Arrangements. Und wenn die Krise überstanden ist, dann denke ich, das wir bis dahin ein völlig neues Programm haben.

Hast du sonst noch etwas zu dem Thema zu sagen?

Als Musiker/Band hat man auch eine gewisse Verantwortung seinen Fans gegenüber.Dieser Verantwortung muss man sich stets bewusst sein, und dementsprechend handeln. Meine Botschaft als Musiker, bzw. unsere Botschaft als Band lautet: Schützt Euch, vermeidet unnötige Sozialkontakte, denkt an diejenigen, welche sich im Moment nicht selbst helfen können, wie zum Beispiel unsere alten Mitmenschen, und helft denen, in dem ihr zum Beispiel für sie mit einkauft. Verfallt nicht in Panik , aber bleibt Wachsam. Denn nur wenn wir alle zusammen halten, und uns an die derzeitigen Empfehlungen halten, werden wir diese Krise gemeinsam möglich unbeschadet überstehen.


“Corona-Interview” mit Bene Schuba, Schlagzeuger der Jazz Band “Level Eleven”

» Facebook-Seite von Level Eleven

 

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

Bene Schuba (c) Dominik Scharf

 

Immer mehr Veranstaltungen werden abgesagt oder verschoben, somit sind auch viele Musiker “arbeitslos”. Wie erlebst du aktuell die Situation?

„Arbeitslos“ würde ich nicht sagen. Einige unserer Proben finden trotzdem statt und wir haben auch schon ein Streaming-Konzert veranstaltet. Es ist eher eine arbeitsreiche Zeit, die Innovation fördert und uns dazu zwingt, Neues auszuprobieren, weil Bekanntes erstmal nicht mehr funktioniert. Und trotzdem klappt nicht alles, was wir uns ausdenken, weil die Situation jeden Tag neu beurteilt wird und sich dadurch manche Ideen nicht verwirklichen lassen. Ansonsten verwende ich viel Zeit dafür, auf die Situation freischaffender Künstler aufmerksam zu machen und für mich selbst neue Verdienstmöglichkeiten zu finden.

Was denkst du über die Maßnahmen, Konzerte abzusagen?

Konzerte abzusagen finde ich sinnvoll, um Ansteckungen zu vermeiden.

Bist du auf die Einnahmen aus deiner musikalischen Tätigkeit angewiesen? Falls ja was bedeutet der Verdienstausfall für dich?

Ja. Seit gut einem Jahr lebe ich vom Musikmachen und hatte bislang noch zusätzlich einen 450-Euro-Job. Der März 2020 hätte der erste Monat werden sollen, in dem ich ausschließlich Musik mache. Von dreizehn Auftritten wurden allerdings zehn abgesagt.

Gibt es finanzielle Hilfen in der aktuellen Situation?

Ich selbst habe mich um Gelder des Nothilfefonds der Deutschen Orchesterstiftung beworben. Ich habe auch einige meiner Instrumente im Internet zum Verkauf eingestellt. Am meisten helfen aber gerade Freunde und Bekannte, die viel zu teuer CDs, Plakate und dergleichen kaufen.

Was würdest du dir wünschen (Politik etc)?

Freiberufliche Künstler, Kulturschaffende und Veranstalter brauchen dringend kurzfristige finanzielle Unterstützung. Ich bin froh, dass das Thema nun doch an Medieninteresse gewonnen hat.

Wie siehst du deine/eure Zukunft?

Ich bin zuversichtlich, dass meine berufliche Zukunft und die künstlerische Zukunft meiner Projekte nicht nachhaltig beschädigt wird.

Hast du sonst noch etwas zu dem Thema zu sagen?

Gerade als Künstler und Musiker haben wir besonders jetzt die Aufgabe, gegen Angst und Abgrenzung aktiv zu sein. Lasst uns das ernst nehmen.


“Corona-Interview” mit Martin Müller, Musiker

» Webseite von Martin Müller

 

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

Martin Müller (c) Arno Battke

Wie erlebst du aktuell die Situation?

Ich erlebe die aktuelle Situation wie soeben beschrieben. Ich bin quasi arbeitslos. Ich bin freiberuflicher Akkordeonist, verdiene mein Geld ausschließlich mit (zumeist kleinen) Auftritten, sowohl Solo als auch in verschiedenen Bands. Dass man davon nicht wie Gott in Frankreich lebt, kann sich wohl jeder ausmalen. Im Moment habe ich zwar viel Zeit für Vorbereitungen, neue Programmideen und die Ausarbeitung und fürs Üben, aber die Einnahmen sind bei Null! Ausgaben habe ich dennoch, logischerweise – daran ist nichts (oder nicht viel) zu ändern. Ich wäre also auf jeden einzelnen Auftritt angewiesen!

Was denkst du über die Maßnahmen, Konzerte abzusagen?

Ich kann gar nicht so genau sagen, was ich über die Maßnahme, Konzerte abzusagen, denke, da ich immer in unterschiedliche Richtungen denken muss. Antworten kann ich mir daher selbst keine geben. Auf der einen Seite ist der Hintergrund der Maßnahmen ganz klar und nachvollziehbar, obwohl ich mir manchmal nicht sicher bin, ob man hier konsequent agiert, wenn man mal vergangene Gesundheitskrisen zum Vergleich heranzieht. Auf der anderen Seite werden mir jetzt meine Freiheit und meine Arbeit verboten. Wenn mich das Virus nicht umbringt, dann vielleicht die gewaltige Sorge um meine finanzielle Situation, ja die Existenzangst. Und wir wissen inzwischen alle, dass die begründet ist. Wir WERDEN „ausbluten“, das ist für freiberufliche Musiker/Künstler kein Konjunktiv mehr! Der totale Verdienstausfall bedeutet die totale Katastrophe für den Betroffenen. (Wie bereits erwähnt: Die Ausgaben laufen ja weiter – und essen möchte man auch.)

Bist du auf die Einnahmen aus deiner musikalischen Tätigkeit angewiesen?

(Siehe Frage 1.)

Falls ja, was bedeutet der Verdienstausfall für dich?

(Siehe Frage 2.)

Gibt es finanzielle Hilfen in der aktuellen Situation?

Die Politik berät ja gerade die Hilfsmöglichkeiten für vielerlei … Für den Freiberufler, der sich keine Rücklagen schaffen konnte, bedeutet das allerdings, dass er finanzielle Hilfen JETZT braucht, JETZT wo die Einnahmen wegbrechen, nicht irgendwann.

Was würdest du dir wünschen (Politik etc.)?

Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, die vielen von uns jetzt helfen kann, ist das Bedingungslose Grundeinkommen (auf Zeit). Das muss jetzt her! Etwas Besseres kann ich nicht verlangen. (Letztendlich geht es jetzt ja auch UNS ALLEN beschissen, nicht nur Freiberuflern. Aber viele werden von ihren Arbeitsstellen zunächst erst einmal weiter bezahlt. Aber was ist, wenn sie nach der Krise nicht weiter BESCHÄFTIGT werden können?)

Wie siehst du deine/eure Zukunft?

Ganz düster, denke ich. Ich denke auch, dass sich in dieser Krise allgemein unsere sozialen Fähigkeiten zurückentwickeln werden und der Nationalismus (leider!) bedenklich bestärkt wird. Bezogen auf mich selbst wird die Krise vermutlich bedeuten, dass ich danach meine Gagenforderungen deutlich anziehen muss – was allerdings vermutlich auch nicht funktionieren wird. Wenn dies NICHT funktioniert, muss ich darüber nachdenken, mein Musikerdasein aufzugeben. Ich sage nicht, dass ich es TUN werde, aber ich werde ernsthaft darüber nachzudenken haben. Eigentlich schon jetzt.

Hast du sonst noch etwas zu dem Thema zu sagen?

Ich möchte einmal betonen, dass das spätere Nachholen von Terminen zwar eine schöne Sache ist, das aber nicht den Verlust ausgleicht, denn an jedem der Ersatztermine können andere Termine nicht wahrgenommen werden. Und wir wissen alle, dass das Jahr nur 52 Wochen(enden) hat und die Einnahmen über eine musikalische Tätigkeit hauptsächlich von Freitagabend bis Sonntag erarbeitet werden. Der Rest der Woche ist quasi erst einmal unbezahlte Arbeitszeit (die ja später durch die Auftritte gewissermaßen kompensiert würde, wenn sie denn stattfänden). Auch sollte bedacht werden, dass momentan niemand bucht, auch nicht für September oder sonstwann. Ebenso fallen die durch Auftritte bei mir oft entstehenden Folgeauftritte weg. Finanzielle Verluste dadurch sind zunächst so abstrakt zu betrachten, dass man sie als Ausfall gar nicht berechnen könnte.


“Corona-Interview” mit Stefan, Sänger und Gitarrist der Garage-Punk Band “The Swipes”

» Webseite von The Swipes

 

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

The Swipes

Wie erlebst du aktuell die Situation?

Es ist eine Situation, wie sie wohl kaum jemand von uns schon mal in vergleichbarer Weise erlebt hat. Stündlich ändern sich die Verschärfungen. Innerhalb von wenigen Tagen hat sich die Welt in das Horrorszenario eines Endzeitthrillers wie 12 Monkeys oder Outbreak verwandelt. Zum Glück noch ohne Massensterben, aber schon mit bedauerlich vielen Toten. Ich sitze nun zuhause im Homeoffice, bei meinem Arbeitgeber ist das zum Glück kein Problem. Andere haben da weniger Glück.

Was denkst du über die Maßnahmen, Konzerte abzusagen?

Die Swipes mussten bereits Konzerte absagen, zumindest die Shows der kommenden Wochen. Es bleibt auch nicht anders übrig, da praktisch alle deutschen Clubs schließen mussten. Da Körperkontakt gerade beim wilden Tanzen auf Konzerten sehr wahrscheinlich ist, haben die Maßnahmen natürlich unser Verständnis. Gesundheit geht vor. Welche Band will schon später hören, dass sich Teile des eigenen Publikums kontaminiert haben und vielleicht sogar verstorben sind, weil man unbedingt das Konzert durchziehen wollte. Das bringt nichts.

Bist du auf die Einnahmen aus deiner musikalischen Tätigkeit angewiesen? Falls ja was bedeutet der Verdienstausfall für dich?

Wir haben einen semiprofessionellen Anspruch, aber wir haben alle unsere regulären Jobs und leben nicht von der Musik. Einer von uns arbeitet allerdings in der Veranstaltungsbranche. Sein Arbeitgeber hat auf Grund der vielen Veranstaltungsabsagen nun langsam ernsthafte Schwierigkeiten.

Für uns – wie für sicherlich viele kleinere Bands – bedeutet die Corona-Krise, dass geplante Ziele wie zum Beispiel der nächste Album-Release auf unbekannter Zeit verschoben werden müssen, da schlichtweg die Einnahmen aus Konzerten samt Merchandising fehlen. Am schlimmsten trifft es aber Clubs und Veranstalter, die auf Monate nun völlige Unsicherheit durchleben müssen. Viele werden einfach aufgeben müssen. Das ist eine Katastrophe für die weltweite Künstlerszene und Kultur. Die Clubs, die endgültig schließen müssen, werden dann vermutlich in Kürze von der Gentrifizierung der Großstädte verschluckt. Was weg ist, wird keinen Platz mehr bekommen. Echte Subkultur wird massiv leiden. Großraumdiskos finden vermutlich schneller neue Investoren.

Gibt es finanzielle Hilfen in der aktuellen Situation?

Die Bundesregierung hat Kredite ohne Obergrenze angekündigt. Wie das umzusetzen und von Steuern bezahlbar sein soll, mal dahingestellt. Das gilt wohl für Unternehmen, aber auch für Selbstständige. Darunter würden viele Künstler fallen. Die Grünen haben auch eine Initiative gestartet, gezielt Clubs, Veranstalter und Künstler zu unterstützen. Hier wurde die Not zumindest schon mal thematisiert. Es gibt zudem Aufrufe, für gekaufte Tickets bei abgesagten Konzerten aus Solidarität kein Geld zurückzuverlangen. Auch ein Weg, aber mit Sicherheit nur eine kleine Notfallhilfe, wenn laufende Einnahmen komplett wegbrechen. Servicekräfte in den Clubs werden meist nur bezahlt, wenn sie ihre Schicht haben, Tontechniker nur beim Konzert. Ob auch hier Hilfe kommen wird, steht in den Sternen. Jeder Topf wird irgendwann leer sein. Die Regierung wird aber zuerst große Konzerne stützen, anderes wie Kultur ist aus Politikersicht vermutlich entbehrlich. Am Ende gilt sicherlich: Die meisten werden sich selbst helfen müssen.

Was würdest du dir wünschen (Politik etc)?

In erster Linie wünschen wir uns selbstverständlich, dass so wenig Menschen wie möglich zu Schaden kommen. Dann ist es wichtig, dass die Menschen solidarisch zueinander stehen und nicht nur aus Panik sämtliches Klopapier aufkaufen. Von der Politik kann man sich nur Besonnenheit erhoffen, dass einschneidende Entscheidungen mit großen Bedacht getroffen werden, wir alle zahlen einen hohen Preis dafür: Unsere Freiheit und Selbstbestimmung. Meine große Hoffnung ist, dass die Welt aus dieser in dieser Form einzigartigen Geschichte lernt, enger zusammenzustehen. Und wir lernen die Dinge, die uns trennen, zu überwinden. Ganz wichtig ist auch eine noch deutlichere Abgrenzung der Gesellschaft gegen rechte Parteien wie die AfD und alle anderen Rechtsradikale, die diese Krise bereits wieder für ihre abartigen Zwecke instrumentalisieren. Für viele dieser Menschenhasser ist die derzeitige Situation ein wahr gewordener feuchter Traum.

Wie siehst du deine/eure Zukunft?

Die Swipes werden sobald wie möglich wieder live spielen, es wird natürlich irgendwann weitergehen. Bis dahin heißt es Geduld haben und gute Songs schreiben, die Menschen glücklich machen.

Hast du sonst noch etwas zu dem Thema zu sagen?

Wir müssen alle aufeinander aufpassen und die Zeit zur Reflexion nutzen. Lasst uns die Freiheiten, die wir hatten und einander helfen, dass wir bald dahin zurückkehren können.


“Corona-Interview” mit Jan, Kneipenmusiker, Sänger und Gitarrist der Bluesband “J.F. Blues Explosion” & anderen

» Webseite von Mary’s Bard

» Facebook-Seite von J.F. Blues Explosion

» Facebook-Seite von Paddy’s Funeral

» Facebook-Seite von IronMotörPriest

» Facebook-Seite von Geplärr

» Facebook-Seite der Blues- und Boogieküche Göttingen

 

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

Mary’s Bard

 

Wie erlebst du aktuell die Situation?

Intensiv. Da ich momentan sowieso dank gebrochenem Bein an Zuhause gefesselt bin, kriege ich natürlich jede Diskussion bei Facebook und Co mit. Die Gesamtsituation empfinde ich irgendwo zwischen belustigend und beängstigend, je nachdem was, bzw. wen man da zu ratet zieht. Die einen haben, bzw. machen Panik, die Anderen sehen es vollkommen locker – ich selbst bin da ein wenig hin und her gerissen, einerseits bin ich selbst ziemlich fit und denke ich habe kaum was zu befürchten. Andererseits möchte ich nicht dazu beitragen, dass das Gesundheitssystem an seine Grenzen kommt und Mediziner dazu genötigt werden über Leben und Tod zu entscheiden und dann bleibt natürlich auch immer eine Restunsicherheit über die Eigene Gesundheit. Alles in allem also eine sehr ungewöhnliche und verfahrene Situation. Dazu bin ich natürlich in allen möglichen Musikergruppen und kriege alle Absagen rund um den Globus mit. Es trifft ja nicht nur uns Musiker, sondern alle die irgendwie mit Veranstaltungen zu tun haben, Ton, Licht, Bühnenbau, Theater, etc. – mich natürlich auch.

Was denkst du über die Maßnahmen, Konzerte abzusagen?

Veranstaltungen aller Art abzusagen war wohl notwendig. Die Prognosen über die Aufnahmefähigkeit der Krankenhäuser sieht nicht rosig aus, also muss das Ganze entzerrt werden und das geht eben nur wenn sich nicht x Leute bei x Veranstaltungen infizieren.

Edit: Mittlerweile wurden alle Kneipen ab Mittwoch dicht gemacht – Auch wenn es wehtut, begrüße ich auch das, denn es nimmt denjenigen die dort arbeiten die Entscheidung ab ob sie den allgemeinen Empfehlungen folge leisten und Zuhause bleiben oder doch noch losziehen um zu arbeiten. Ich hoffe nur, dass es am Ende genügend Hilfen für uns alle gibt, denn die Kosten setzen deswegen nicht spontan aus.

Bist du auf die Einnahmen aus deiner musikalischen Tätigkeit angewiesen?

Da meine Auftritte momentan meine einzige Einnahmequelle sind ist das wohl so. Ich gebe zwar nebenbei noch Unterricht, war da allerdings momentan nicht so motiviert, da es mit den Auftritten immer besser lief. Mehr Unterricht wäre aber gerade auch keine Alternative, denn ich vermute mal, dass ich momentan nicht allzu viele Leute in meinen Musikkeller locken kann.

Falls ja was bedeutet der Verdienstausfall für dich?

Zum Glück habe ich noch eine weitaus besser verdienende Ehefrau und falle somit nicht komplett in ein Finanzloch. Allerdings bedeutet es trotzdem, dass ein Teil unseres Familieneinkommens wegbricht und wir wieder mehr auf die Ausgaben schauen müssen. Mit etwas Pech geht das Ganze an die Rücklagen und der gesamte Finanzplan wird um einiges zurückgeworfen. Dazu ist es natürlich auch eine nicht ganz so einfache Situation – momentan hocke ich Zuhause, wie gesagt, mit gebrochenem Bein und muss auf unser Kind aufpassen, da der Kindergarten auch zu ist. Das bedeutet, dass ich momentan noch nicht mal dazu komme mich großartig mit den Dingen zu beschäftigen die neben Konzerten so anstehen. Ich könnte ja mal die Homepage neu machen, neue Songs schreiben, bzw. lernen, Flyer entwerfen, etc. , da ich allerdings mein Kind hier habe und dazu auch noch mäßig mobil bin ist das alles allerdings auch sehr schwierig.

Gibt es finanzielle Hilfen in der aktuellen Situation?

Keine Ahnung. Einige schaffen sich welche. Ein Club aus Göttingen und ein Musikerkollege haben schon ein Crowdfunding für ihr weiteres Überleben geschaffen. Ich warte erstmal ab, habe überlegt meine neue Platte ggf. über Crowdfunding an die Leute zu bringen. Würde ich sonst nicht machen, da ich bei den Konzerten direkt Kontakt zu den Leuten habe, aber das fällt ja momentan flach. Staatliche Hilfen wären schön, es bleibt aber abzuwarten was da passiert. Eine schöne Idee die momentan rumgeistert ist ein bedingungsloses Grundeinkommen für 6 Monate – das würde vielen Helfen, nicht nur Musikern. Viele werden ja jetzt auf Kurzarbeit gesetzt, Verträge werden erst verlängert wenn die Arbeit weiter geht, etc.

Was würdest du dir wünschen (Politik etc) Wie siehst du deine/eure Zukunft?

Zunächst einmal würde ich mir wünschen, dass wir alle daraus etwas lernen. Zunächst wäre da das Gesundheitssystem was dringend ein soziales update braucht. Weg mit der Zweiklassenmedizin, Krankenhäuser sollten nicht kommerziell arbeiten müssen, Pflegepersonal sollte aufgestockt werden und und und. Wir können es nicht weiter hinnehmen, dass manche Kliniken schon im normalen Betrieb keine Kapazitäten haben. Das Gesundheitssystem muss Luft nach oben haben, damit wir einer solchen Situation weitaus entspannter entgegentreten können. Ich glaube wir haben kaum eine Vorstellung davon, was da europaweit an volkswirtschaftlichen Schäden zusammen kommt. Wenn man das alles in Bildung und Gesundheit steckt, dann wäre das hier alles nur noch halb so schlimm.

Ich persönlich werde sobald wie möglich wieder auf die Bühne steigen und wahrscheinlich noch ein Stück rastloser werden, da ich mir ja nun bewusst bin, dass man auf einmal für eine gewisse Zeit arbeitslos sein kann. Da heißt es erstmal aufholen und Polster anfressen. Aber das wird schon.

Hast du sonst noch etwas zu dem Thema zu sagen?

Genug gesagt!


“Corona-Interview” mit Tina, Sängerin der Deutsch-PopPunk Band “TYNA”

» Webseite von TYNA

 

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

TYNA (c) I AM MIA

Wie erlebst du aktuell die Situation?

Ich habe aktuell das Gefühl, dass alles langsam eskaliert. Hier in Hamburg kaufen sie die Supermarktregale leer, schieben mega Panik und fangen (laut einem Bekannten) auch damit an, der Oma aus dem Einkaufswagen die Nudeln zu klauen. Ja, es wurde ein Notstand ausgerufen und es passiert gerade viel. Aber mich schockiert es, dass so viele Menschen jetzt nur an sich denken.. Es ist ein ernstes Thema, aber diese Panik macht alles ja leider nur noch schlimmer..

Was denkst du über die Maßnahmen, Konzerte abzusagen?

Mich macht es mega traurig, weil ich mich auf alle Konzerte sehr gefreut habe, dafür fleißig geprobt habe und auch beruflich gerade alles für mich zusammenbricht. ABER es ist gerade so viel wichtiger, dass die schwächeren Menschen geschützt werden und das können wir nur durch Veranstaltungsabsagen und diese Maßnahmen bewirken. Gesundheit und Sicherheit gehen immer vor!

Bist du auf die Einnahmen aus deiner musikalischen Tätigkeit angewiesen? Falls ja was bedeutet der Verdienstausfall für dich?

Ich lebe hauptberuflich von der Musik und das ist für mich gerade der finanzielle Untergang. Alle Konzerte, Unterrichtsjobs und womit ich mein Geld verdiene, wurden abgesagt. Langsam kommt bei mir auch Panik auf wie es weitergehen wird. Aber ich bin ja nicht alleine, es geht allen Freiberuflern, Veranstaltern und Co. Genauso.. Wir sind von heute auf morgen alle arbeitslos und müssen jetzt kämpfen!

Gibt es finanzielle Hilfen in der aktuellen Situation?

Naja. Über die GVL können alle Mitglieder einmalig 250€ für Konzertabsagen bekommen. Aber das ist ja nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es gibt jetzt wohl auch Arbeitslosengeld 2 für Selbstständige..

Was würdest du dir wünschen (Politik etc)?

Was die Finanzen angehen: Ich denke, dass genau jetzt mit einem bedingungslosen Grundeinkommen jeder abgedeckt wäre und sich niemand von uns Sorgen machen müsste!
Ich wünsche mir, dass die ganze Welt Musik und alle Musikschaffenden (und die, die dazugehören) endlich mehr zu schätzen weiß und dass das ein wichtige Job ist wie jeder andere Job eben.

Wie siehst du deine/eure Zukunft?

Leider müssen wir alle erstmal abwarten wie lange es dauert bis wieder Veranstaltungen stattfinden können.. Ich vermute, dass jetzt ein großer digitaler Boom stattfinden wird und auch ich werde mich jetzt endlich dem Thema Live-Streaming-Konzert & Podcast widmen. Und was man gerade gutes aus der Sachen ziehen kann: Zeit zum Songwriting und zum Üben! Das geht ja im Musikeralltag oft unter bzw. bekommt viel zu wenig Zeit. Am Anfang hat mich das alles echt mitgenommen, aber jetzt sehe ich auf und kämpfe, nur so kann es weitergehen. Und das gibt viel Input für neue Songs!

Hast du sonst noch etwas zu dem Thema zu sagen?

Es zeigt wie wichtig die Gesundheit aller Menschen ist und dass man sich sowas nicht für Geld kaufen kann. Und dass man etwas für das Klima der Welt tun kann, wenn man nur möchte. Ich hoffe allerdings auch, dass alle Menschen, die jetzt Klopapier + Nudeln horten endlich mal aus ihrem Egoismus aufwachen!

Ich glaube fest daran, dass alles für irgendwas gut ist. Auch wenn es gerade nicht so aussieht, wird es auch hier so sein.


“Corona-Interview” mit Magnus, Musiker

» Facebook-Seite von Magnus

 

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

Magnus Ernst (c) Alexandre Weber

 

Wie erlebst du aktuell die Situation?

Ich denke es herrscht große Verunsicherung. Bei den meisten Menschen wahrscheinlich weniger wegen der Krankheit selbst als vor den strukturellen Maßnahmen und Umwürfen, die jetzt gezwungener Maßen passieren. Ich denke es gibt keinen Grund zur Panik und Hamsterkäufen aber Vorsicht ist wohl angesagt.

Das Unverständnis gegenüber der getroffenen Maßnahmen, das ich hier und da wahrnehme, teile ich nicht. Ich bin kein Fachmann und habe keine Ahnung von Viren, Pandemien und deren Verbreitung. Deswegen finde ich es wichtig, sich auf die Empfehlungen der Fachleute zu verlassen. Die betreiben keine Panikmache, die wollen einfach nur nach bestem Wissen das Schlimmste verhindern und die Ausbreitung verlangsamen.

Leider kursieren auch viele Fehlinformationen im Netz, die Verwirrung und Unzufriedenheit stiften.

Was denkst du über die Maßnahmen, Konzerte abzusagen?

Natürlich sind Konzertabsagen ärgerlich, weil man viel Zeit und Arbeit in die Organisation, Booking und Promo investiert und das nun eben für die Katz war.

Aber die Maßnahme ist, soweit ich das einschätzen kann, sinnvoll. Auch wenn die meisten Menschen, die auf Rock– und Popmusikkonzerte gehen, nicht zur gefährdeten Bevölkerungsgruppe gehören dürften, muss man bei der schnellen Ausbreitung und der vergleichsweise hohen Sterblichkeitsrate dieses Viruses eben auch soziale Verantwortung zeigen. Da gehört es wohl leider dazu, dass man sich nicht mit einem Haufen fremder Leute in einen engen Raum quetscht. Wenn ich dadurch nicht aus Versehen meine Oma mit einer für sie hochgefährlichen Krankheit infiziere, ist mir das recht.

Bist du auf die Einnahmen aus deiner musikalischen Tätigkeit angewiesen? Falls ja, was bedeutet der Verdienstausfall für dich?

Ich arbeite daran, zukünftig meinen Lebensunterhalt durch Musik zu verdienen. Noch bin ich nicht zwingend darauf angewiesen. Deswegen ist die Situation für mich glücklicherweise erstmal nicht existenzbedrohend. Ich werde vermutlich nur kommende Investitionen in Aufnahmen etc. verschieben und im Alltag kleinere Brötchen backen müssen.

Gibt es finanzielle Hilfen in der aktuellen Zeit?

Ich habe schon gesehen, dass sich MusikerInnen, die aus vergangenen regulären Arbeitsverhältnissen noch Ansprüche haben, erst einmal zur Agentur für Arbeit begeben.

Ein befreundeter Vollerwerbsmusiker hat in einem Anflug von Galgenhumor schon vorgeschlagen, dass wir uns ja erstmal für die nächsten Monate einen Aushilfsjob in der Landwirtschaft suchen könnten. Da fehlen ja mit den geschlossenen Grenzen auch helfende Hände. Also falls einer der Leser einen solchen Job im Angebot hat, möge er sich gerne melden. Führerschein Klasse B und viel neu erworbene Freizeit können wir bieten.

Was würdest du dir wünschen?

Ich hoffe, dass es bald wenigstens halbwegs verlässliche Prognosen zur Länge der Situation geben wird. Dann könnte man wenigstens schon anfangen ausgefallene Konzerte auf sichere neue Termine zu verschieben, die Terminkalender für die Folgezeit füllen und Verdienstausfälle nachträglich kompensieren.

Wie siehst du deine Zukunft?

Ich denke, ich werde die viele Zeit zu Hause, für das Schreiben neuer Songs verwenden. Wahrscheinlich werde ich das fehlende Konzertgefühl durch Livestreams und eine höhere Beitragsdichte in den sozialen Medien ersetzen.


“Corona-Interview” mit Mikarus, Liedermacher und Sänger der Folkband „Saitenstreich“

 

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

Musiker und die Corona-Krise – Interview mit Saitenstreich über die Auswirkungen durch das Coronavirus (c) Virginia Schranz

 

Wie erlebst du aktuell die Situation?

Die aktuelle Situation erlebe ich hauptsächlich als ein finanzielles Desaster. Wir touren europaweit auf Mittelaltermärkten und Festivals die jetzt schon bis Ende Mai abgesagt sind.

Was denkst du über die Maßnahmen, Konzerte abzusagen?

Ich halte die Maßnahmen für richtig, auch wenn das für viele Künstler, aber selbstverständlich auch andere Branchen heftigste finanzielle Einbußen bedeutet. Ich habe mich vor meiner Selbstständigkeit um zwei Standbeine bemüht, für schlechte Zeiten sozusagen. Dummerweise ist das eine Bein die Pädagogik und das andere die Veranstaltungstechnik. Beides eher unnütz zur Zeit.

Bist du auf die Einnahmen aus deiner musikalischen Tätigkeit angewiesen? Falls ja, was bedeutet der Verdienstausfall für dich?

Ich bin persönlich absolut abhängig von unseren Gagen und natürlich finanziere ich durch unsere Auftritte auch die anderen 3 Musiker. Es bereitet mir große Sorge, dass wir zum einen nicht wissen wann es mit den Veranstaltungen weiter geht, auf der anderen Seite haben wir aber speziell in der Mittelalterszene noch ein anderes Problem. Es gibt jetzt schon alternative Angebote/ Terminverschiebungen in den Herbst. Da kommt natürlich die Sorge, dass sämtliche Events zeitgleich passieren und der eine Veranstalter dem anderen das Publikum „klaut“.

Gibt es finanzielle Hilfen in der aktuellen Zeit?

Da ich bei der Künstlersozialkasse bin, wurde mir geraten mich bei der Agentur für Arbeit zu melden. Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde, aber mir hat das Statement vom Söder am letzten Freitag Hoffnung gemacht, dass irgendwas an Hilfen aufgetan wird. Außerdem gibt es zur Zeit natürlich eine Menge Petitionen in den Sozialen Netzwerken. Im Moment hilft allerdings nur abwarten und Tee rauchen…oder so ähnlich.

Was würdest du dir wünschen?

Von der Politik wünsche ich mir wie immer nicht viel, hoffe nur dass die Bevölkerung sich weitgehend an die Vorgaben hält und die Verluste in jeder Hinsicht am Ende der ganzen Geschichte so gering wie möglich sind. Vielleicht ist die derzeitige Situation eine kleine Chance für uns Menschen wieder ein wenig zusammen zu wachsen. Wenn es bedeutet eine „europäische Lösung“ zu finden zum Beispiel.

Wie siehst du deine Zukunft?

Im Moment schätze ich, dass außer Songs schreiben nicht viel bleibt. Eventuell können wir, sobald das schlimmste überwunden ist, wieder auf die Straße um ein bisschen Geld zu verdienen und naja, ein Frühling auf Balkonien und ein ausgebuchter Sommer und Herbst wäre durchaus ein Hoffnungsschimmer.

Hast du sonst noch etwas zu dem Thema zu sagen?

Ich habe mit allem gerechnet. Das Ende unserer Gesellschaft durch das Ende des Weltwirtschaftssystems, Bürgerkriege zwischen Menschen und Nazis, eine Klimakatastrophe die uns vom Planeten fegt und nun aus heiterem Himmel ein Virus der nach einem Bier benannt wird (haha)


“Corona-Interview” mit Dominik, Gitarrist der Death-Metal-Band „Nightbearer“

 

Musiker und die Corona-Krise - Interviews mit Künstlern über die Auswirkungen durch das Coronavirus - Update!

Musiker und die Corona-Krise – Interview mit Nightbearer über die Auswirkungen durch das Coronavirus (c) Robin Trachternach

Wie erlebst du aktuell die Situation?

Ich mache die Musik rein hobbymäßig, von daher erlebe ich alles hauptsächlich aus der Perspektive meines regulären Jobs. Dort wurde ich für zunächst (!) 3 Wochen ins Home Office geschickt, was sehr ungewohnt ist und mich vor ganz neue Herausforderungen stellt.

Dennoch bin ich auch als Musiker betroffen, denn wir sollten im März/April eigentlich 5 Konzerte spielen. Von diesen fand bisher nur eines statt, als Corona zwar schon Thema war, aber noch etwas weiter weg. 3 wurden abgesagt und um ehrlich zu sein warte ich nur darauf, dass auch das letzte ausstehende noch abgesagt wird. Ich schätze es wird nur eine Frage der Zeit sein.

Was denkst du über die Maßnahmen, Konzerte abzusagen?

Die Maßnahmen halte ich für absolut richtig. Wer weiß, was exponentielles Wachstum bedeutet, die Anzahl der zur Verfügung stehenden Krankenhausbetten, Ärzte und Schwestern kennt sowie ein wenig Mathe kann, weiß, dass wir Schlimmeres nur verhindern können, wenn man jetzt entschieden eingreift, um die Ansteckungen so weit wie möglich hinauszuzögern und somit zu verteilen.

Bist du auf die Einnahmen aus deiner musikalischen Tätigkeit angewiesen? Falls ja was bedeutet der Verdienstausfall für dich?

Zum Glück bin ich überhaupt nicht auf das Geld angewiesen. Dennoch wollten wir mit den Shows unser Album promoten und während der Shows auch Merch verkaufen, um die Kosten wieder reinzubekommen. Das ist jetzt natürlich super ärgerlich, dass wir das nicht können und wesentlich länger im Minusbereich sind als erhofft.

Gibt es finanzielle Hilfen in der aktuellen Situation?

Von offizieller Seite ist mir nichts bekannt. Ich wäre aber mit Sicherheit auch nicht die Zielgruppe solcher Hilfen. Ich glaube aber an die Solidarität der Fans/Zuschauer. Diese ist nicht zu unterschätzen. Es gibt Beispiele in der Szene, wo aus der Not eine Tugend gemacht wurde und Shirts online angeboten wurden, die eigentlich während der Tour verkauft werden sollten. So können einige, wenn auch nicht alle, Kosten abgefangen werden.

Was würdest du dir wünschen (Politik etc)?

Es ist müßig, darüber zu philosophieren, was hätte wie anders gemacht werden können. Wichtig wäre mir an dieser Stelle zunächst ein beherztes Eingreifen, um die Ausbreitung zu verlangsamen. Im selben Atemzug sollte die Politik den unmittelbar Geschädigten, also Künstlern, kleinen und mittleren Betrieben, die Angst um die Existenz nehmen, indem sie unbürokratisch Gelder zur Verfügung stellt, um den Lebensunterhalt zu gewährleisten. Nichts wäre schlimmer, als wenn auf das „biologische“ Chaos ein wirtschaftliches Folgen sollte. Deswegen: Die Schwarze Null sollte 2020 nicht angestrebt werden.

Wie siehst du deine/eure Zukunft?

Wir haben bis Juni noch 3 bisher nicht abgesagte Konzerte anstehen. Ich hoffe, dass wir zumindest 2 davon spielen können. Ansonsten bin ich ehrlich gesagt ziemlich entspannt. Ich gehöre nicht zur Risikogruppe und kann problemlos 14 Tage Quarantäne überstehen, ohne verrückt zu werden. Jetzt kann eh noch niemand wissen, was passieren wird, deswegen gibt es keinen Grund, sich verrückt zu machen.

Hast du sonst noch etwas zu dem Thema zu sagen?

Es wurde schon so Vieles gesagt, daher wünsche ich mir von allen, die das hier lesen nichts weiter als Besonnenheit und Kompromissbereitschaft. Dann gehe ich halt mal 4 Wochen oder länger nicht feiern. Dann mache ich halt mal eine Weile Sport zuhause statt im Studio. Dann kaufe ich mal nur jeweils eine Packung Nudeln mit Klopapier (des Deutschen liebste Kombi, so scheint es derzeit), damit mein Nebenmann auch noch etwas abbekommt. Wenn dadurch meine Oma, die freundliche ältere Nachbarin von nebenan oder mein Kumpel mit schwerem Asthma sicherer sind und länger leben, sollte es mir das wert sein.

 

Coronavirus und Künstler – Informationen & mögliche Hilfen

» Verdienstausfallentschädigung – Antrag nach Infektionsschutzgesetz.pdf (Weitere Infos dazu sollte es beim Steuerberater geben)

» Corona-Hilfe der GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Lestungsschutzrechten)

» Corona-Hilfe von CREATIVE.NRW (Kompetenzzentrum Kreativwirtschaft)

» Informationen zu Corona-Hilfen vom Kulturrat NRW

 

Dieser Artikel wird regelmäßig erweitert! Auch um Tipps und mögliche Hilfen für Musiker!


Der Ww braucht Deine Hilfe! Erfahre hier wie Du Ww-Retter werden kannst!

Ähnliche Artikel




Dies ist nur ein Gravatar Eileen Reckert

  • Website:

Kommentieren


Live-Streams | Film | Interviews | Praktikum | ★ Werde Ww-Retter! | Kontakt
Ihre Werbung hier?
Advertise Here

Jeder Kauf hilft uns!



Die Ww-APP!

Du nutzt ein Android-Handy? Dann hol' Dir jetzt die Ww-App!


Ww @ TWITCH

Watching
The Wildlife
All streams are currently offline.
Loading...

Kino Trailer


Ww-Impro-Interviews


Ww-Live-Stream Interview-Konzerte


Ww präsentiert: Live-Stream Konzerte



Die neuesten Ww-Artikel


Ww im Digitales Abo

 

» Hier klicken:
Die kostenlose App “issuu” (Appstore o. Playstore) installieren. Dort “Wildwechsel” suchen. Unter “Publisher” abbonieren!



> Ausgeh-Tipps fürs Wochenende!

Deine persönliche Checkliste für ein tolles Wochenende.

Suchst Du Konzerte, Live-Streams, oder lieber Ausstellungen oder Theatervorstellungen? Dann schau Dir mal unsere Veranstaltungs-Tipps speziell für Deine Region an.

...oder noch mehr?




Ww-Süd 03/2020

     
 
 
Zum Archiv
 

Ww-Umfrage


Beteiligst du dich an Online-Petitionen?

Ergebnis

Loading ... Loading ...

Dein Ww-Cover!

★ Du willst auch auf Dein eigenes Ww-Cover haben? Nichts einfacheres als das. Folge einfach dem Link und scroll dann in dem Artikel bis zum Absatz: »Dein eigenes Ww-Titelcover«!

 

Hall of Fame der Ww-Retter

Michael Hensel
Uwe Beine
Stefan Heilemann
Marc Buntrock
Dirk + Diana Schneider
Melanie Gielsdorf
Gerhard Asa Busch
Steffen Dittmar
Heiko Böttcher
Ralf + Petra Thiehoff
Matthias Henkelmann
Jan vom Dorp
Eric Volmert
Magdalena Volmert
Kristin Klug
Kerstin Thon
PGTH-Uhu Bender
Jens Dirlam
Rolf Aey
Melissa Thiehoff
Alina Lachmuth
Thomas Stellmach
Wulf Schirbel
Mike Gerhold
Stefan Heczko
Jennifer Ritter
Robert Oberbeck
Marion J. Nübel Kersten
Marco Hepe für Rock for Tolerance e. V.
Marc Viehmann
Tobias Radler
Gudrun Messal
Leah Schwalm
Friedhelm Moebert
Eric Volmert
Galerie JPG
Andi Seifert
Stefanie Weigel
Andi Seifert
Gerda Schwalm
Kai Schotter
Ulf Gottschalk
Michael Rätz
Jürgen Jäckel
Maximillian Fleck

» Plus 72 weitere edle Spender , die nicht genannt werden wollten.

Vielen, vielen Dank für Euren Support!!!

→ So kommst auch Du in die Hall of Fame!



Wie werbe ich im Ww?

Sprechen Sie einfach direkt mit unserem Boss.
Z.B. mit einer E-Mail an den Cheffe
Oder Sie schreiben ihn an über Whats App: 0171-9338278.

 


Ww Präsentiert:


Ww Interviews


Ww-Nord 03/2020

     
 
 
Zum Archiv
 
August 2020
M D M D F S S
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
UNIKIMS Kassel: Studienbetrieb läuft auf eCampus weiter!
UNIKIMS Kassel: Studienbetrieb läuft auf eCampus weiter!

(Kassel) Studenten der UNIKIMS Kassel wird auch in Corona-Zeiten geholfen!

Schließen