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Mit einem Programm, das gleichermaßen tiefgründig wie abwechslungsreich gestaltet ist, setzen die Warburger Meisterkonzerte 2025/26 erneut Maßstäbe für anspruchsvolle Kammermusik in der Region. Die kommende Saison folgt keinem starren thematischen Gerüst, sondern entfaltet ihren Reiz aus der gezielten Vielfalt: Vom sinfonischen Klangbild Nord- und Osteuropas über die symbolhafte Rolle der Flöte in der Musikgeschichte, von pianistischen Meisterwerken der Romantik bis hin zu den kunstvoll veredelten Tangos des 20. Jahrhunderts – die Konzerte der Saison eröffnen neue Perspektiven auf vertraute wie selten gespielte Werke.

Warburger Meisterkonzerte 2025/26: Klangkunst zwischen Epochen, Mythen und Emotion

Dazu kommen hochkarätige Künstlerinnen und Künstler, deren Interpretationen durch stilistische Präzision, emotionale Tiefe und internationale Erfahrung geprägt sind. Mit diesem inhaltlich und interpretatorisch durchdachten Konzept positionieren sich die Warburger Meisterkonzerte nicht nur als traditionsbewusste Reihe, sondern auch als zeitgemäße Plattform für lebendige Klassikkultur in Ostwestfalen.


Also ich glaube, wir haben ein sehr sehr buntes Programm. Vielleicht ist nicht alles für jeden, aber für jeden ist etwas dabei.

Peter Ernst

In seinem Rückblick auf die vergangene Saison in der Pressekonferenz am 27. August hob Peter Ernst insbesondere das szenische Konzertprojekt »Casanova« als ein herausragendes Highlight hervor. Auch die Gesangskonzerte seien – entgegen anfänglicher Erwartungen – überraschend gut besucht gewesen. Besonders eindrücklich schilderte er den Kammermusikabend, den er als „wahrhaftig einen Höhepunkt in unserer Konzertreihe“ bezeichnete. Die Resonanz des Publikums und die künstlerische Qualität hätten gezeigt, dass sich die programmatische Offenheit der Warburger Meisterkonzerte weiterhin auszahle.

Pressekonferenz zu den Warburger Meisterkonzerte 2025-26 | (c) Wildwechsel
Pressekonferenz zu den Warburger Meisterkonzerte 2025-26 | (c) Wildwechsel

Außerdem betonte Peter Ernst, der künstlerische Kurator, dass es sich bei den eingeladenen Interpretinnen und Interpreten nicht einfach um beliebige Nachwuchstalente handle, sondern um diejenigen, die zu den besten ihrer Generation zählen. Viele von ihnen seien Preisträger oder Stipendiaten des Deutschen Musikwettbewerbs und strebten eine Solokarriere oder führende Positionen in großen Orchestern an.


Schwerpunkt dieses Jahr: kein Schwerpunkt!

Peter Ernst

Ein thematischer Schwerpunkt sei in dieser Saison bewusst nicht gesetzt worden – stattdessen stehe die stilistische Vielfalt der Programme im Vordergrund, so Ernst. Die Entwicklung der Abonnements zeigt sich erfreulich stabil, mit leicht positiver Tendenz – ein Zeichen dafür, dass die Reihe in der Region weiterhin auf treue und interessierte Zuhörerschaft bauen kann. Peter Ernst zeigte sich sichtbar begeistert vom Gesamtprogramm der Saison – seine besondere Anerkennung galt jedoch dem Pianisten Aris Alexander Blettenberg.


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Zum einen beeindruckte ihn die außergewöhnliche künstlerische Reife und Vielseitigkeit des jungen Pianisten – als Solist, Komponist und Dirigent. Zum anderen hob Ernst hervor, dass Blettenberg bereits mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet wurde und eine bemerkenswerte internationale Karriere verfolge. Seine Programmwahl – mit Werken von Mussorgsky, Schumann und Grünfeld – sei anspruchsvoll, klug konzipiert und gleichzeitig publikumsnah. All das mache ihn zu einem herausragenden Gast der kommenden Saison.

Aus der Vergangenheit gebe es zahlreiche Beispiele dafür, dass diese Musiker:innen ihre Laufbahn in solchen Rollen erfolgreich fortgesetzt hätten. Auch für die diesjährige Auswahl, sehe man großes Potenzial. Bereits das erste Konzert mit Dmitry Ablogin sei ein Beleg für diese Qualität – der Pianist gelte inzwischen als aufstrebender Star seiner Generation.

INFO: Seit 1991 bestehe die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Warburg und dem jeweiligen Bürgermeisteramt – ein Modell, das sich, so wurde betont, „wirklich bewährt“ habe.

Bürgermeister Tobias Scherf würdigte in seinem Beitrag das langjährige Engagement von Olaf Krane und Peter Ernst für die Warburger Meisterkonzerte. Beide stünden, so Scherf, nicht nur für organisatorische Kompetenz, sondern vor allem für eine tief empfundene Liebe zur Musik und Kultur. Dabei gelinge es ihnen in besonderer Weise, das notwendige Gleichgewicht zwischen künstlerischem Anspruch und wirtschaftlicher Verantwortung zu wahren – eine Herausforderung, der sich Kulturveranstaltungen in Kommunen zunehmend stellen müssen.

Ein besonderes Anliegen der Veranstalter bleibt die kulturelle Teilhabe junger Menschen. Auch in der kommenden Saison erhalten Schüler:innen aus Warburg und der Region wieder die Möglichkeit, die Konzerte im Rahmen eines Freikartenkontingents kostenfrei zu besuchen. Ziel ist es, frühzeitig Interesse für klassische Musik zu wecken und Schwellenängste abzubauen – ein Angebot, das in der Vergangenheit dankbar angenommen wurde.

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Die Stars, die erst (fast) nicht und dann umso mehr ankamen!

Olaf Krane erinnerte sich mit einem Schmunzeln an einen der wohl spannendsten Momente der vergangenen Saison: Zwei Künstler meldeten sich am Konzerttag telefonisch mit der Nachricht, ihr Zug habe erhebliche Verspätung – und der reservierte Mietwagen stehe nicht wie geplant bereit. „Wir haben keinen Wagen, wir wissen nicht, wie wir nach Warburg kommen sollen“, hieß es in ihrer Nachricht.

Für einen Moment stand eine Absage tatsächlich im Raum. Doch mit nötigen Portion Glück trafen beide Musiker buchstäblich in letzter Minute ein. Das Konzert begannen und absolvierten sie dann völlig entspannt – und so blieb es am Ende nicht wegen der Verspätung, sondern wegen seiner musikalischen Qualität in Erinnerung.

Die Veranstalter betonten, dass viele der eingeladenen Künstler:innen den Deutschen Musikwettbewerb durchlaufen haben – ein indirekter Verweis auf die hohe Qualität der Auswahl und auf das Profil der Warburger Meisterkonzerte als Bühne für kommende Solist:innen großer Häuser.

Zwischen den Zeilen wurde mehrfach deutlich, wie sehr die Künstler:innen die persönliche, fast familiäre Atmosphäre in Warburg schätzen – insbesondere im Kontrast zu den anonymen Strukturen großer Festivals oder Veranstaltungsreihen. Diese Verbundenheit ist ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor.

Ohne das Engagement vieler, die hier nicht auf der Bühne stehen, wäre so ein Programm gar nicht möglich!

Hinter der Konzertreihe steht ein eingespieltes ehrenamtliches Team, dessen Engagement weit über das Übliche hinausgeht – und das zur besonderen Qualität der Veranstaltungsreihe maßgeblich beiträgt.

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Kulturelles Engagement braucht Partner: Dank an die Sponsoren

Ein wesentlicher Pfeiler der Warburger Meisterkonzerte bleibt die Unterstützung durch regionale und überregionale Sponsoren. Ohne dieses finanzielle und ideelle Engagement wäre die Durchführung einer solchen hochwertigen Konzertreihe in einer Stadt wie Warburg kaum denkbar. Die Veranstalter betonten ausdrücklich ihre Dankbarkeit gegenüber allen Förderern, die durch ihre kontinuierliche Unterstützung nicht nur zur Realisierung des Programms beitragen, sondern auch ein starkes Zeichen für kulturelle Verantwortung in der Region setzen.

Karin Hendel - (c) Andreas Luerding
Karin Hendel | (c) Andreas Luerding

Programm der Warburger Meisterkonzerte 2025/26

Baltische Serenade

Sonntag, 28. September 2025, 19:30 Uhr
Brentano Orchester Frankfurt
Dmitry Ablogin, Klavier
Karin Hendel, Dirigentin

Der Auftakt der Saison widmet sich inhaltlich dem baltisch-nordischen Klangraum und setzt dabei auf Kontraste. Erkki-Sven Tüürs »Insula deserta« eröffnet mit klanglicher Assoziationskraft – einer strukturell komplexen, aber in ihrer Wirkung direkten Tonsprache. Im Zentrum steht Frédéric Chopins lyrisches »Klavierkonzert op. 21«, das vom international renommierten Pianisten Dmitry Ablogin interpretiert wird. Flankiert wird das Programm durch Mieczysław Karłowicz’ »Serenade op. 2« und das expressive »Concerto for Strings op. 16« von Grażyna Bacewicz – Werke, die dem Begriff der Serenade eine neue Bedeutung verleihen.
Das Brentano Orchester Frankfurt gastierte bereits 2022 in Warburg mit großem Erfolg. Unter der Leitung von Karin Hendel kehrt das Ensemble nun mit einem musikalisch weitgespannten, aber kohärenten Programm zurück.

Von Mythen, Sagen und Legenden

Freitag, 14. November 2025, 19:30 Uhr
Clarke-Duo
Lina Kochskämper, Flöte
Viktor Soos, Klavier

Im Zentrum dieses Konzerts steht die Flöte als klangliches Symbol mythologischer Erzähltraditionen. Die Werke greifen narrative Motive aus der Antike und Romantik auf – darunter Jules Mouquets impressionistisch durchwirkte Miniaturen »Pan et les bergers« und »Pan et les oiseaux«, Carl Reineckes »Undine«-Sonate op. 167 sowie Claude Debussys wegweisendes Solostück »Syrinx«. Christoph Willibald Glucks »Reigen seliger Geister« verleiht dem Programm eine klassische Balance, während Franz Schuberts »Introduktion und Variationen D 802« den romantischen Gestus vollendet.
Das Clarke-Duo – bestehend aus der Flötistin Lina Kochskämper und dem Pianisten Viktor Soos – gestaltet den Abend mit feinem Gespür für erzählerische Tiefe und stilistische Nuancen.

Schwarz auf Weiß

Samstag, 24. Januar 2026, 19:30 Uhr
Aris Alexander Blettenberg, Klavier

Ein Soloabend, der das Spektrum pianistischen Ausdrucks vom sinfonischen Charakterbild bis zum klavieristischen Salonstück durchmisst. Modest Mussorgskys »Bilder einer Ausstellung« bilden den dramaturgischen Ausgangspunkt – ein Zyklus, der durch seine Klangfarbenvielfalt auch ohne Orchester besticht. Robert Schumanns »Faschingsschwank aus Wien op. 26« setzt auf virtuose Eleganz und musikalischen Witz, während Alfred Grünfelds hochvirtuose Bearbeitungen wie die »Paraphrase über den Frühlingsstimmen-Walzer op. 57« die große Wiener Tradition reflektieren.
Aris Alexander Blettenberg, Gewinner des Internationalen Beethoven-Wettbewerbs in Wien und Chefdirigent der Kammeroper München, verbindet in seinem Spiel pianistische Raffinesse mit kompositorischem Verständnis – ein vielseitiger Künstler von internationalem Format.

TANGO

Samstag, 14. März 2026, 19:30 Uhr
Cuarteto SolTango
Andreas Rokseth, Bandoneon
Martin Klett, Klavier
Karel Bredenhorst, Violoncello
Thomas Reif, Violine

In diesem Konzert begegnen sich argentinische Tangotradition und europäische Kammermusikästhetik auf Augenhöhe. Das Cuarteto SolTango, das seit 2008 mit sorgfältigen Arrangements und stilistischer Authentizität internationale Anerkennung genießt, widmet sich dem Repertoire der sogenannten »Goldenen Ära«. Im Zentrum stehen Werke von Aníbal Troilo, Juan D’Arienzo, Lucio Demare, Horacio Salgán und Osvaldo Pugliese – neu arrangiert für Quartettbesetzung mit Bandoneon.
Für Warburg stellt das Ensemble ein speziell konzipiertes Überraschungsprogramm zusammen – voller rhythmischer Raffinesse, Melancholie und tänzerischer Energie.

Kurtág zum 100.

Freitag, 24. April 2026, 19:30 Uhr
Minguet Quartett
Ulrich Isfort, Annette Reisinger, Aida-Carmen Soanea, Matthias Diener

Anlässlich des 100. Geburtstags von György Kurtág setzt das Minguet Quartett dessen »Officium breve op. 28« in den Kontext zweier gewichtiger Werke der Quartettliteratur. Mozarts KV 421 – eines der dunkelsten Quartette des Komponisten – eröffnet das Programm, das mit Johannes Brahms’ dramatischem »Streichquartett op. 51 Nr. 1« seinen sinfonischen Abschluss findet.
„Die Klang- und Ausdrucksfreude, mit der das Ensemble die Werke zur Sprache bringt, belebt noch das kleinste Detail“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung).
Das mehrfach ausgezeichnete Quartett zählt zu den führenden Ensembles der internationalen Kammermusikszene.


Künstler der Warburger Meisterkonzerte 2025/26

Die Saison 2025/26 zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Vielfalt an Musikerpersönlichkeiten aus – allesamt mit hoher künstlerischer Integrität und internationaler Bühnenerfahrung. Zu den Mitwirkenden zählen u.a.:

  • Dmitry Ablogin – gefragter Chopin-Interpret
  • Aris Alexander Blettenberg – Pianist, Komponist, Dirigent
  • Minguet Quartett – ECHO Klassik-Preisträger
  • Cuarteto SolTango – Genreübergreifendes Ensemble mit Tango-Expertise
  • Clarke-Duo – junge Kammermusiker mit ausgeprägtem thematischem Profil
  • Brentano Orchester Frankfurt – renommiertes Kammerorchester unter Leitung von Karin Hendel

Veranstaltungsort: Aula des Gymnasium Marianum Warburg

Die Konzerte finden in der Aula des traditionsreichen Gymnasium Marianum statt. Gegründet 1628, zählt die Schule zu den historisch bedeutendsten Bildungseinrichtungen der Region. Die heutige Aula – ehemals Teil des Dominikanerklosters – bietet nicht nur exzellente akustische Bedingungen, sondern auch ein einzigartiges architektonisches Ambiente. Hinweis: Der Zugang zur Aula ist nicht barrierefrei.


Tickets & Abonnements

Einzelkarten:

  • Preisgruppe 1: 27,00 €
  • Preisgruppe 2: 25,00 €
  • Preisgruppe 3: 22,00 €
    Ermäßigt für Schüler:innen, Studierende und Menschen mit Behinderung

Abonnement (alle fünf Konzerte):

  • Preisgruppe 1: 110,00 €
  • Preisgruppe 2: 100,00 €
  • Preisgruppe 3: 90,00 €

Vorverkauf:

  • Einzelkarten: Drei Wochen vor Konzertbeginn in der Tourist-Information Warburg, Neustädter Marktplatz, Tel. 05641/92-2800
  • Abonnements: Stadtverwaltung Warburg, Bahnhofstraße 28, Zimmer 418, Tel. 05641/92-1418

FAQs zum Thema

Welche Konzerte umfasst das Abo?
Alle fünf Veranstaltungen der Saison 2025/26 – von der »Baltischen Serenade« bis zum Kurtág-Abend.

Wie ist die thematische Ausrichtung des Programms?
Stilistisch vielfältig mit klaren Schwerpunkten: Osteuropa, Mythologie, Romantik, Tango-Tradition, zeitgenössische Musik.

Wie erhalte ich Karten?
Einzelkarten gibt es im Vorverkauf, Abonnements direkt bei der Stadtverwaltung Warburg.

Gibt es Ermäßigungen?
Ja – für Schüler:innen, Studierende sowie Menschen mit Behinderung.

Wo finden die Konzerte statt?
In der Aula des Gymnasium Marianum Warburg (nicht barrierefrei).


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Nützliche Links zum Thema
Das aktuelle Programm der Warburger Meisterkonzerte kompakt

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Von Wildwechsel

Online-Redaktion des Printmagazin Wildwechsel. Wildwechsel erscheint seit 1986 (Ausgabe Kassel/Marburg seit 1994). Seit 2021 erscheint Wildwechsel ausschließlich online. Laut Auswertung hat sich dadurch die Zahl der Leser noch mal deutlich gesteigert.

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