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Mehmet Göker

Mehmet Göker ist in Kassel als schillernde Persönlichkeit bekannt. Durch das Geschäft mit privaten Versicherungen hatte einen rasanten Aufstieg hingelegt. „Porsche, Provisionen.“ titelte der Extra Tip. Der Champagner (den sich MEGler gerne mit einem Säbelschlag öffnen liessen) floss in Strömen. Stolz wie Oskar zeigten er und seine Mitarbeiter ihre Nobelkarossen beim Autokorso durch die Stadt. Auf einer Hochzeit sang er laut Extra Tip: „Finanzamt, Steuer, scheißegal, die Kohle ham wir allemal!“ Da saß ihm die verhöhnte Behörde bereits im Nacken. Auch Ww berichtet bereits über die dubiosen MEG AG. Schon damals zeichnete sich ab, dass auf den rasanten Aufstieg ein ebenso rasanter  Abstieg folgen würde.

Bin mir keiner Schuld bewusst!

Mit dem Verkauf von Versicherungen war die Firma MEG in schwindeleregendem Tempo vom Ein-Mann- Betrieb zu einer Firma mit 1400 Mitarbeitern angewachsen. Die Gehälter waren traumhaft, teilweise im fünfstelligen Bereich. Monatlich, wohlgemerkt. MEG machte 65 Millionen Euro Umsatz. Doch woher stammte das Geld? Die Versicherungen zahlten pro abgeschlossener Police Provisionen, im Schnitt in Höhe von 14 Monatsbeiträgen. So  kommen schnell mehrere Tausend Euro zusammen. Und: Die Versicherungen zahlen im Voraus. Der Haken: Die Versicherungen zahlten, MEG durfte das Geld aber erst behalten, wenn der Kunde 15 Monate seine Beiträge gezahlt hat. MEG gab die Provisionen aber aus, anstatt sie zurückzulegen, so Der Spiegel (47/2010). Als Rückforderungen fällig wurden, fehlte das Geld. Also brauchte man mehr Kunden, um an neues Geld zu kommen. So was  nennt man auch ein Schneeball-System.

Rolls Royce

Göker und die Mitarbeiter lebten auf großem Fuß. Man fuhr Ferrari, Porsche oder andere Nobelkarossen. Googlet man Göker, erscheint bei der Bildersuche ein Foto seines Rolls Royce, den er sich für 500.000 Euro leistete. Auch Urlaube gab es zur Belohnung, nach Las Vegas oder Jamaika. Im Mai 2009 lässt Göker den Sänger Paul Potts zu einer Feier einfliegen. Dabei drohte zu diesem Zeitpunkt bereits die Insolvenz. Angemeldet wurde sie dann im Herbst 2009. Göker leistet sich vorher noch Investitionen in diverse Sportvereine. Insolvenzverwalter sprechen nun von 55 Millionen Euro Schulden! Nach Informationen des Spiegel und der HNA beläuft gibt es stolze 670 Gläubiger, darunter der Ferrari-Händler und ein Reisebüro, bei dem für Urlaube 170.000 Euro offen sind.

Im Frühjahr 2010 wurde Göker wegen Beleidigung zu 2.500 Euro Strafe verurteilt. Im Jahr 2008 lag der Tagessatz noch etwas höher. Damals erhielt Göker eine Strafe von 720.000 Euro (720 Tagessätze), weil er für scheinselbstständige Mitarbeiter keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt hatte. Am 22.12.10 stand Göker erneut vor Gericht. Diesmal wurde er zur Rückzahlung von 250.000 Euro an die Allianz verurteilt. Nach Informationen der HNA vom 22.09.10 lebt Göker nun in München und arbeitet als Unternehmensberater.

Angeblich, so berichtet Spiegel TV am 26.11.10, arbeitet Mehmet Göker aus der Türkei heraus wieder in seinem Fach, denn dort soll es eine Firma geben, die das Gleiche macht wie die MEG. Die Staatsanwaltschaft in Deutschland ermittelt derweil weiter, unter anderem wegen Untreue. Im Interview mit Spiegel TV äußert sich Göker zur Pleite der Firma jedoch lässig „Ich bin mir keiner Schuld bewusst.“ (js)

» Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Printausgabe 01/2011 des Magazin Wildwechsel.

Von Wildwechsel

Online-Redaktion des Printmagazin Wildwechsel. Wildwechsel erscheint seit 1986 (Ausgabe Kassel/Marburg seit 1994). Auf Wildwechsel.de veröffentlichen wir ausgewählte Artikel der Printausgaben sowie Artikel die speziell für den Online-Auftritt geschrieben wurden.

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