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Das Expeditionsteam im Wildwechsel-Büro

Da wird unser Büro rasch noch kleiner, mit sechs weiteren Personen! Doch schick sind sie, in Anzügen und Sebastian Dey mit Hut und Fliege. Neugierig begutachten sie unser Sammelsurium von Büchern, Ordnern und Promoartikeln, spielen mit einer Plastikspinne, blödeln herum. Viel Spaß mit den fünf Herren und der Dame vom Expeditionsteam hatten wir, als sie überraschend unsere Redaktion stürmten.

Fröhlich und gut gelaunt gibt die Oberhausener Band ein Interview, lässt sich fotografieren und plaudert über das neue Album, ihre Entstehungsgeschichte und vieles mehr. Dann packen sie Shaker, Querflöte und Gitarre aus und spielen in unserem winzigen Klo (!) ihren Song „Schade, dass der Typ nicht rappt“. Auch die Sternstraße darf sich über ein Mini-Konzert freuen, denn bei wunderschönem Wetter spielen sie draußen noch „Amnesie“. Einige Passanten hörten der soulig-jazzigen, aber auch funkigen Musik zu und klatschten freudig im Takt in die Hände.

Sebastian Dey war schon bei „Unser Star für Baku“ unterwegs und hat dort – hochgelobt von Thomas D. höchstpersönlich – einen grandiosen 8. Platz belegt. „Ich bin dahingefahren, und das kostet ja nur die kleine Überwindung, dahinzugehen“, sagt Sebastian. „Es hieß, man sollte beim ersten Mal einen Song covern, aber dann war mir klar, dass ich danach was eigenes spiele.
Nach „UsfB“ gab es eine komplett neue Bandbesetzung, nur noch drei sind vom 2009 gegründeten Expeditionsteam übriggeblieben.

Wir haben uns über den spontanen Besuch und das Konzert sehr gefreut und würden uns auch über weitere solche Überraschungen sehr freuen. Wer leider nicht in Warburg war oder nicht gerade zufällig fernab der Sternstraße, kann das Expeditionsteam heute Abend (3.8.) auf der Rathausbühne auf dem Paderborner Libori erleben. Dazu Sebastian Dey: „Gerade diese Stadtfestgigs, da kennt kein Schwein den Sound, den wir machen, aber am Ende verkaufen wir echt viele CDs. Auf die Bühne gehen, hinterher nach Hause fahren und dich wundern, dass die Leute deinen Scheiß geil finden!

Sebastian Dey und das Expeditionsteam im Interview:

Wildwechsel: Wie ist die Band zusammengekommen?

Action beim Straßenkonzert!

Sebastian: Ursprünglich war es so, wir hatten eine Live-Karaoke-Show und da hatten wir dann die Sebastian: Möglichkeit, bei einem Silvesterkonzert den Marktplatz in Oberhausen zu bespielen. Und ich fand das aber ziemlich kacke […] wir wollten nicht covern, sondern eigenes Material spielen. Und dann habe ich angefangen, Songs zu schreiben […] und das war dann sozusagen der Geburtsmoment. Beim Silvesterkonzert haben wir dann mit eigenem Material geglänzt und die Karaoke-Show geknickt. Fetter und geiler und so …

Ww: Wie kommst du dazu, Songs zu schreiben?
Sebastian: Das mache ich schon ganz lange. Seit ich … 16 bin […] Ich spiele auch Gitarre, aber um ein guter Gitarrist zu sein war ich immer zu schlecht. Und dann dachte ich, ich könnte ja auch singen – und dann hat sich das ganz gut ergänzt.
Erst habe ich englisch getextet, aber da ich nicht so gut englisch kann und da hab ich besser auf deutsch getextet. Erst in ‘ner Punkband, und dann beim Expeditionsteam.

Ww: Was plant ihr noch für dieses Jahr?
Sebastian: Wir gehen weiter ins Studio und nehmen unser Album weiter auf und dann gibt’s 2013, im Januar/ Februar unser Album.

Sebastian Dey und das Ww-Maskottchen.

Ww: Wisst ihr schon, wie es heißen soll?
Sebastian: Noch nicht, noch nicht. Vielleicht „Schade, dass der Typ nicht rappt“ oder „Die Reise zum besten Song der Welt“ … ich weiß nicht, hast du mal nen Titel?
Niklas: „Das Leben ist ein Beat!“
Sebastian: „Das Leben ist ein Beat“, genau.

Ww: Was erwartet uns auf dem Album?
Sebastian: Ein bunter Mix aus Musik, die eingängig ist, allen zwischen 7 und 70 gefällt, da ist echt alles drauf, da ist Funk drauf, da ist ‘ne Nummer drauf, die hat irgendwie ‘nen leichten House-Charakter, teilweise hat man so ein paar Hip-Hop-Anleihen, teilweise ein bißchen rockig, teilweise sind auch soulige Balladen drauf, komplett querbeet und alles deutschsprachig.

Ww: Was inspiriert euch? Woraus entstehen eure Songs?
Sebastian: Teilweise aus irgendeinem Wortfetzen, oder aus ‘nem Satz, der sich als Refrain irgendwie eignet, weil die Rhythmik da ist. […] Und es ist natürlich auch interessant, was die Band einbringt. Wenn ich so einen Song mitbringe, ist das schon teilweise klarer, teilweise auch ein weißes Blatt Papier, das man füllen muss. Und so bringt dann jeder seinen Input mit. […]
Frauke: Das wird dann kanalisiert und auf den Punkt gebracht.

Ww: Gibt es Leute, mit denen ihr zu Recht oder zu Unrecht immer wieder verglichen werdet?
Frauke: Ja, klar, dadurch, dass es einfach deutschsprachige Musik ist, die etwas jazziger oder etwas souliger ist, ist ganz schnell der Name Roger Cicero da. Alleine: Der Kerl trägt einen Hut und Basti als Bandleader auch, als Markenzeichen, aber nicht deswegen, und sofort wird dann eine Schublade aufgemacht. Aber es gibt natürlich schlechtere Vergleiche!
Sebastian: Oder Jan Delay.
Frauke: Ja, Jan Delay hören wir auch …
Gustav: Ist auch wegen deiner Stimme, ‘ne?
Sebastian (lacht und spricht mit nasaler Stimme): Hab halt so ‘ne Stimme!
Frauke: Jeder sucht immer Vergleiche. Und dann sind das eben die deutschen Künstler, die einem einfallen. Denn man kann nicht einfach sagen, wir machen Pop/Rock in einem ganz breiten Sinne. Ist schon … speziell!

Ww: Was läuft gerade auf gerade iPod/ Mp3-Player/ Autoradio/ Badezimmerradio?
Frauke: Lianne La Havas … ganz tolle, ganz neue britische Soulkünstlerin. Halb-Jamaikanerin, Halb-Griechin? Ganz tolle junge Frau aus England!
Gustav: Bei mir läuft „The Moldy Peaches“. Ist ‘ne Band, die hat zu dem Film „Juno“ den Soundtrack gemacht.
Sebastian: Ich höre Dave Matthews Band.
Niko: Ich höre momentan Sophie Hunger!
Gustav: Niko ist im Moment auf Diät!
Frauke: Soviel Hunger!
(Allgemeines Gelächter)
Adrian: Ich mag das Cinematic Orchestra!

Ww: Was bedeutet für euch Heimat?
Gustav: Da wo ich’s ohne Kondom machen kann!
Sebastian: Gewohnte Umgebung! (im Ruhrdialekt) Da wo isch misch auskenn’! Wo mein Bäcker mir einfach ein Brötchen für meinen Sohn schenkt.
Gustav: Wo der Schlüssel passt!

Ww: Gibt es Musik, die ihr gerne mal machen würdet?
Niklas: Ich würde gerne mal ein Indie-Rock-Trio machen!
Gustav: Ich würd’ gern mal ‘nen Live-Elektronik-Set mit Adrian auflegen!
Adrian: Ja, das möchte ich auch!
Sebastian: Ich würd’ so ‘ne Chanson-Platte machen, mit deutschen Texten und Schauspielern.
Frauke: Ich würd vielleicht meine eigenen Songs mal selber am Klavier spielen. Einfach so, für mich, so ganz ohne Band! (lacht)
Sebastian: Niko, du willst nur Sacher-Torte, oder? In einer Sacher-Torten-Fabrik spielen.
Niko (lacht): Ja, genau!
Niklas: Ich will mal in der Royal-Albert-Hall spielen! Egal mit wem!

Ww: Welche Message steckt in eurer Musik?
Sebastian: Bißchen Humorvoll, Liebe, Trennung. Ich singe übers Autofahren, ich singe aber auchu über die Sachen, die sonst verboten sind, und das prangere ich an.
Gustav: Zum Beispiel?
Sebastian: Auf dem Geweg parken, ist verboten, macht aber Spaß!
Frauke: Mädchen in den Hintern kneifen!
Sebastian (gespielt empört): Geht gar nicht!

Ww: Was hat euch zu eurem Stil gebracht?
Alle durcheinander: Basti. Er. Basti.
Frauke: Das was man am liebsten hört, das schönste daraus genommen, das alles …
Gustav (unterbricht): … bei 180 auf den Herd gestellt!
Frauke: Genau, bei 180 auf den Herd stellen.
Gustav: Köcheln lassen!

Ww: Was habt ihr Lustiges auf Tour oder auf der Bühne erlebt?
Sebastian: Zum Beispiel die heutige Nacht! Wir haben in einer Unterkunft geschlafen, bei uns auf dem Bett lag eine Fernbedienung, aber kein Fernseher! Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Rockstars, die in so Unterkünften schlafen, immer nur die Fernseher aus dem Fenster schmeißen, aber nicht die Fernbedienung. Oder als wir in der Arena Oberhausen gespielt haben, beim Viertelfinale, und nach uns die Mallorca-Cowboys gespielt haben. Also so ein rotes Pferd um die Ecke kam und mich gefragt hat, was das für eine geile Gitarre ist.
Gustav: Oder wenn einem die Chicks von den New York Cowboys direkt vor der Nase herumtanzen!
Sebastian: Oder kürzlich ist mir auf ganz böse Art die Hose gerissen! Das war krass! Wir haben in Detmold gespielt, da hab ich dann ganz cool meinen Fuß auf die Monitor-Box gestellt und dann ist die mir gerissen, aber wirklich so … (zeigt an: längs im Schritt).

Ww: Und was macht man dann?
Sebastian: Ich hab das zelebriert, weitergefeiert!

Von Maria Blömeke

Ehemaligen Ww-Redakteurin

Ein Gedanke zu „Überraschung: Sebastian Dey & das Expeditionsteam zu Besuch im Wildwechsel-Büro!“

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