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Ulrike Timmer
Ulrike Timmer

Es sind die großen Schlagzeilen, die auch bei diesem Thema hängenbleiben. Wenn Kindern etwas Schlimmes angetan wird, stehen auch Jugendämter mitunter in der Kritik. Ulrike Timmer kennt diese Szenarien. Sie weiß um die hohe Verantwortung ihrer Aufgabe. Sie weiß um die Schwere der Aufgabe des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) des Jugendamtes.

Geht es doch immer wieder um junge Menschen, um deren Wohl und deren Rechte. „Vieles, was wir im ASD tun, taucht in keiner Statistik auf, ist auch keine Schlagzeile wert, doch es ist so wichtig für das Funktionieren der Gesellschaft“, sagt Frau Ulrike Timmer, die ASD-Leiterin und Sozialbezirksleiterin des Jugendamtes der Stadt Paderborn. Nach 28 Jahren wird die diplomierte Sozialarbeiterin im August dieses Jahres das Paderborner Jugendamt verlassen und in den Ruhestand gehen.

„Man weiß nie, was kommt“, sagt sie über ihre Arbeit. Auch nach vielen Jahren im ASD sei das so. Sicherlich helfe die Erfahrung, doch noch wichtiger sei es, eine klare Linie zu haben. Deshalb hat sie maßgeblich das soziale Frühwarnsystem mit aufgebaut. Kinder bei Kindeswohlgefährdungen durch schnelles und abgestimmtes Handeln zu schützen, ist dabei das Ziel. Hektische Betriebsamkeit helfe, gerade wenn es ernst wird, überhaupt nicht.

Schritt für Schritt müssten die notwendigen Aufgaben entsprechend der einheitlichen Verfahrens bei Kindeswohlgefährdungen erledigt werden, so Ulrike Timmer, die 2006 erste zertifizierte Kinderschutzkraft im Paderborner Jugendamt war. Dieses Rezept gibt Ulrike Timmer immer wieder den mitunter jungen Sozialarbeiterinnen im ASD mit auf den Weg.

Es sind die Zahlen, die eine deutliche Sprache sprechen. 271 Meldungen von Kindeswohlgefährdungen in Paderborn im Jahre 2015, davon 88 bestätigt und nachgewiesen. 302 Meldungen im Jahre 2016, wovon 78 bestätigt und nachgewiesen wurden. 194 Kinder und Jugendliche in Heimerziehung, 158 Kinder in Vollzeitpflege in Pflegefamilien, 109 Kinder und Jugendliche mussten in 2016 vom Jugendamt der Stadt in Obhut genommen werden.

Hinzu kommt die nicht einfache Situation mit jungen Flüchtlingen. 122 Inobhutnahmen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen gab es hier im letzten Jahr. „Im letzten Jahr habe ich mich neben der Sozialbezirksleitung und dem Kinderschutz intensiv mit der Schaffung von zusätzlichen Heimplätzen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge beschäftigt“, sagt sie und verweist darauf, dass 174 zusätzliche Plätze bei 16 Jugendhilfeträgern zur Verfügung stehen.

Es sind mitunter die kleinen Gesten, die Ulrike Timmer bestätigen, dass sich die Arbeit lohnt. Die Klientin, die ihr dankt, dass es „gut war, dass ihr mal der Kopf gewaschen wurde“ oder das Ehepaar, das heute noch dankbar ist, dass ihnen Ulrike Timmer mit Regelkarten den Weg zum besseren Miteinander aufzeigte.

Wenn die Leiterin des Sozialbezirkes 4, der Wewer, Elsen, das Riemeke, die Fischteiche und die Wilhelmshöhe umfasst, als Vorgesetzte von 24 Sozialarbeitern, zehn Leiterinnen von Kindergärten und 147 Erzieherinnen Ende August in den Ruhestand geht, hat sie noch nichts Großes geplant. Erstmal lege ich den Terminkalender beiseite und werde die Zeit genießen.

Von Wildwechsel

Online-Redaktion des Printmagazin Wildwechsel. Wildwechsel erscheint seit 1986 (Ausgabe Kassel/Marburg seit 1994). Auf Wildwechsel.de veröffentlichen wir ausgewählte Artikel der Printausgaben sowie Artikel die speziell für den Online-Auftritt geschrieben wurden.

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