Bitte bewerte diesen Artikel

  Lesedauer: 2 Minuten
Wewelsburger Wald
Grabungen im Wewelsburger Wald

Auf Befehl der SS legten Häftlinge des Konzentrationslagers Wewelsburg-Niederhagen 1941 im Wewelsburger Wald einen Schießstand an.

Er diente den Wachmannschaften des Konzentrationslagers zu Schießübungen, der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) als Exekutionsort für Gefangene. Nach der Befreiung ordnete die US-Armee am 2. April 1945 ein Begräbnis an. Die Dorfbevölkerung sprach seinerzeit von einem Sühnebegräbnis. Danach wurde der Schießstand zerstört. Durch Auffüllen mit Müll und Schutt sowie Anpflanzen von Bäumen sollte er in Vergessenheit geraten, im wahrsten Sinne des Wortes Gras über die Sache wachsen. In Workcamps des Kreismuseums Wewelsburg arbeiten seit 2003 junge Menschen daran, den 130 Meter langen und 15 Meter breiten Schießstand frei zu legen. Sie machen dadurch nicht nur einen Ort des Terrors wieder sichtbar. Sie bewahren zudem die Schicksale der dort zu Tode gekommenen Menschen vor dem Vergessen. Ein besonderer Durchbruch gelang jetzt den Schülerinnen und Schülern des Leo-Sympher-Berufskollegs in Minden unter Leitung ihres Lehrers Friedhelm Schäffer und des Museumspädagogen Norbert Ellermann. Gemeinsam erreichten sie am 27. Juni 2014 das Ende des vorderen Schießkanalbereiches. Sie durchbrachen den hinteren Teil des Holzzaunes, der optisch markiert, wie weit der Schießstand nach 1945 zugeschüttet worden war und wo der Originalzustand vor 1945 begann. Sie gaben den Freilegungsarbeiten damit eine neue Richtung: in die Tiefe, auf das Bodenniveau des Baubeginns in 1941. Die frei gelegten Fundstücke kommen nun in die Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg und können dann von den Besucherinnen und Besuchern betrachtet werden.

Seit November 2003 kommen junge Menschen nicht nur aus Deutschland sondern auch aus Bulgarien, Frankreich, Italien, Kroatien, Litauen, Polen oder Russland nach Wewelsburg, um Besucherwege zu säubern, Bauschutt zu entfernen und so den ehemaligen Schießstand im Wewelsburger Wald wieder freizulegen.

Die bislang gemachten Funde wie Helme, Gasmaskenteile, Gewehre, Patronenhülsen, Porzellan oder Besteck stammen zum einen aus der Zeit vor 1945. Entdeckt wurde aber auch der typische „Wohlstandsmüll“ wie Geschirr, Glasflaschen oder Spielzeug aus der Zeit der jungen Bundesrepublik Deutschland. Gefunden wurde sogar ein funktionstüchtiger Kohleherd, wie er früher weit verbreitet war.

Das Kreismuseum Wewelsburg möchte weiteren jungen Menschen die Möglichkeit geben, ihren persönlichen Beitrag gegen das Vergessen zu leisten und sich für demokratisches Bewusstsein, Toleranz und Solidarität einzusetzen. Das Workcamp kann als ein- oder mehrtägiges Projekt ganzjährig gebucht werden. Es eignet sich für Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren.

Mehr Information unter dieser Website.

Von Ahmad

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.