Bitte bewerte diesen Artikel

 Lesedauer: 8 Minuten
Teile dies auch mit Deinen Freunden!

(Kassel) Es kommt selten vor, dass Robert Plant öffentlich dafür wirbt, eine Künstlerin müsse endlich häufiger in Deutschland auftreten. Bei Deborah Bonham tat er genau das. Sein Wunsch entwickelte sich schließlich zu einer Tournee, die nun auch nach Nordhessen führt. Am 14. September gastiert Deborah Bonham im Theaterstübchen – und bringt weit mehr mit als den berühmtesten Nachnamen der Rockgeschichte.

Wer den Namen Bonham hört, denkt fast automatisch an Led Zeppelin. Genau darin liegt allerdings die größte Gefahr, dieses Konzert falsch einzuordnen. Denn Deborah Bonham im Theaterstübchen verspricht keinen nostalgischen Rückblick auf eine vergangene Epoche des Rock. Vielmehr steht eine Sängerin auf der Bühne, die sich über Jahrzehnte eine unverwechselbare musikalische Identität erarbeitet hat. Blues, Soul und Classic Rock verschmelzen bei ihr zu einem Klangbild, das persönliche Geschichten erzählt, statt bekannte Muster zu wiederholen.

Dass Robert Plant ihre Deutschlandtour ausdrücklich unterstützte, wirkt deshalb weniger wie eine nostalgische Geste unter alten Weggefährten. Es ist vielmehr die Anerkennung einer Musikerin, deren Karriere häufig hinter ihrer berühmten Familiengeschichte verschwand, obwohl sie längst ihren eigenen Weg gefunden hat. Gemeinsam mit Konzertveranstalter Ossy Hoppe entstand schließlich die Idee, Deborah Bonham verstärkt auf deutsche Bühnen zu bringen. Kassel gehört zu den Stationen dieser Tour.

Deborah Bonham im Theaterstübchen: Warum dieses Konzert so außergewöhnlich ist!

Viele Konzertankündigungen beginnen mit Lebensläufen, Chartplatzierungen oder prominenten Namen. Im Fall von Deborah Bonham live führt dieser Ansatz am eigentlichen Erlebnis vorbei. Die Besonderheit dieses Abends entsteht nicht durch ihre Herkunft, sondern durch die Art, wie sie Musik auf die Bühne bringt.

Deborah Bonham gehört zu jenen Sängerinnen, deren Wirkung sich kaum über Streamingzahlen oder Studioaufnahmen erklären lässt. Ihre Konzerte leben von Dynamik. Ihre Stimme kann innerhalb weniger Zeilen zwischen rauem Blues, warmem Soul und kraftvollem Rock wechseln, ohne dabei ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren. Jeder Song entwickelt sich organisch. Nichts wirkt wie eine bloße Pflichtübung, nichts wie routinierte Nostalgie.

Genau deshalb passt das Theaterstübchen außergewöhnlich gut zu dieser Tour. Der traditionsreiche Kasseler Club zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Bühnen für Blues, Jazz, Soul und handgemachte Livemusik in Nordhessen. Hier trennt keine große Distanz Künstler und Publikum. Statt riesiger Videowände oder spektakulärer Showeffekte entstehen jene Momente, die Clubkonzerte unvergesslich machen: ein Blick zwischen den Musikern, ein spontaner musikalischer Dialog oder eine leise Passage, die den gesamten Raum für wenige Sekunden still werden lässt.

Vor allem Gitarrist Peter Bullick profitiert von dieser Nähe. Sein Spiel lebt nicht von möglichst vielen Noten, sondern von Klangfarben, Timing und Atmosphäre. Slide-Gitarre, bluesige Linien und druckvolle Riffs antworten immer wieder auf Deborah Bonhams Gesang. Dadurch entsteht ein musikalisches Gespräch zwischen Stimme und Gitarre, das in kleinen Clubs seine größte Wirkung entfaltet.

Genau darin unterscheidet sich dieser Abend von vielen klassischen Rockkonzerten. Das Publikum erlebt keine perfekt einstudierte Show, sondern Musiker, die aufeinander hören, improvisieren und Songs Abend für Abend neu entstehen lassen.

Die Schwester einer Rocklegende – und doch eine ganz eigene Künstlerin

Natürlich gehört ihre Familiengeschichte zu ihrem Leben. Deborah Bonham ist die Schwester von John Bonham, dessen Schlagzeugspiel Led Zeppelin entscheidend prägte. Ihr Neffe Jason Bonham trat später in die Fußstapfen seines Vaters und spielte als einziger Schlagzeuger dessen Part bei Led Zeppelin. Robert Plant begleitet Deborah Bonham seit ihren ersten musikalischen Schritten. Bereits als Jugendliche entstanden ihre ersten Demoaufnahmen in seinem Haus.

Diese Verbindungen öffneten jedoch keineswegs automatisch alle Türen. Deborah Bonham wollte bewusst vermeiden, allein über ihren Nachnamen wahrgenommen zu werden. Deshalb verschickte sie ihre ersten Demoaufnahmen anonym.

I sent out my demos anonymously.

– Deborah Bonham im Interview mit Early Blues (2009).

Diese Entscheidung sagt viel über ihren künstlerischen Anspruch aus. Sie wollte nicht als Schwester einer Rockikone bewertet werden, sondern als Sängerin. Tatsächlich erhielt sie auf diesem Weg ihren ersten Plattenvertrag. Ihr Debütalbum »For You And The Moon« erreichte Platz fünf der britischen NME-Charts und machte deutlich, dass sich hinter dem bekannten Familiennamen eine eigenständige Musikerin verbarg.

Der Weg verlief dennoch keineswegs geradlinig. Gerade die ersten Jahre in der Musikindustrie zeigten Deborah Bonham, wie groß der Unterschied zwischen Studio und Bühne sein kann. Einen Rat von Robert Plant bewahrt sie bis heute in Erinnerung.

You gotta pay your dues. Join a band, get out there, and get on the stage.

– Robert Plant an Deborah Bonham, zitiert im Interview mit Defenders of the Faith (2022).
YouTube player
Deborah Bonham – „Stay With Me Baby“ live in der Royal Albert Hall | Deborah Bonham singt hier den Soul-Klassiker „Stay With Me Baby“, begleitet am Klavier von Gerard „G“ Louis und im Umfeld eines Auftritts mit Paul Rodgers.

Robert Plant findet: Deutschland sollte Deborah Bonham häufiger hören

Plant riet ihr damals nicht zu schnellen Erfolgen oder großen Plattenproduktionen. Er empfahl ihr, Erfahrungen zu sammeln, Konzerte zu spielen und sich Abend für Abend vor Publikum weiterzuentwickeln. Deborah Bonham folgte genau diesem Weg. Statt auf kurzfristige Aufmerksamkeit zu setzen, wuchs sie über Jahrzehnte zu einer Live-Künstlerin heran, deren größte Stärke bis heute die Bühne geblieben ist.

Ab Mitte der 1990er-Jahre gewann ihre Karriere spürbar an Fahrt. Tourneen führten sie durch Großbritannien und in die USA. Dort stand sie unter anderem gemeinsam mit Slash, Brian Johnson, Terry Reid sowie später mit Künstlern wie Paul Rodgers, Foreigner oder Jools Holland auf der Bühne. Jason Bonham spielte auf mehreren ihrer Produktionen Schlagzeug und blieb über viele Jahre ein wichtiger musikalischer Partner.

Dennoch wäre es zu einfach, Deborah Bonham ausschließlich als Teil einer berühmten Musikerfamilie zu beschreiben. Wer ihre Alben oder Konzerte aufmerksam verfolgt, entdeckt Einflüsse aus Soul, Blues, Gospel und amerikanischer Roots-Musik ebenso deutlich wie klassischen britischen Bluesrock. Genau diese stilistische Offenheit macht ihren heutigen Sound aus.

Blues ist für Deborah Bonham keine Stilrichtung, sondern gelebte Erfahrung

Vielleicht erklärt kein Satz ihre Musik besser als ihre eigene Definition des Blues. Deborah Bonham lehnt enge Genregrenzen bewusst ab. Sie betrachtet Blues nicht als starre musikalische Form, sondern als Ausdruck persönlicher Erlebnisse.

Blues is a feeling, it’s a whole whatever you’ve gone through and it’s not just a 12 bar song.

– Deborah Bonham im Interview mit Early Blues (2009).

Diese Aussage zieht sich wie ein roter Faden durch ihre gesamte Karriere. Wer Deborah Bonham zuhört, erlebt keine Sängerin, die möglichst originalgetreu alte Bluesstandards reproduzieren möchte. Stattdessen verbindet sie Einflüsse aus Blues, Southern Soul, Gospel und Classic Rock mit ihrer eigenen Lebensgeschichte. Jede Interpretation erhält dadurch eine persönliche Note. Gerade bekannte Songs wirken dadurch nicht wie nostalgische Erinnerungsstücke, sondern wie lebendige Geschichten, die im jeweiligen Konzertabend neu entstehen.

Dazu trägt auch die Zusammenarbeit mit Peter Bullick entscheidend bei. Seine Gitarrenarbeit versteht sich nicht als Selbstzweck. Sie kommentiert den Gesang, antwortet auf einzelne Phrasen und öffnet musikalische Räume, in denen Deborah Bonhams Stimme ihre ganze Bandbreite entfalten kann. Kritiker loben seit Jahren genau dieses Zusammenspiel. Statt virtuoser Selbstdarstellung entsteht eine Atmosphäre, in der Emotion wichtiger ist als technische Perfektion.

Keine Led-Zeppelin-Kopie – und genau deshalb so spannend

Für viele Besucher dürfte zunächst die Verbindung zu Led Zeppelin der Anlass sein, sich für dieses Konzert zu interessieren. Diese Neugier ist nachvollziehbar. Schließlich gehört Deborah Bonham zu einer Familie, deren Name untrennbar mit der Geschichte des Rock verbunden bleibt. Doch wer ausschließlich auf eine Hommage an Led Zeppelin hofft, übersieht den eigentlichen Reiz dieses Abends.

Deborah Bonham trägt das musikalische Erbe ihrer Familie nicht als Last, sondern als Teil ihrer eigenen Geschichte. Ihre Vorbilder reichen weit über den klassischen Hard Rock hinaus. Blues, Motown, Southern Soul und Singer-Songwriter-Musik prägten ihren musikalischen Geschmack ebenso wie Aretha Franklin, Otis Redding, Al Green oder Janis Joplin. Diese Einflüsse hört man in ihrer Phrasierung ebenso wie in ihrer Dynamik. Mal wirkt ihre Stimme kraftvoll und rau, wenige Augenblicke später beinahe zerbrechlich. Genau diese Gegensätze verleihen ihren Konzerten Tiefe.

Auch deshalb wäre es irreführend, den Abend als Led-Zeppelin-Tribute zu verstehen. Einzelne musikalische Verbindungen lassen sich natürlich nicht übersehen. Dennoch steht im Mittelpunkt eine Künstlerin, die ihre eigene Sprache gefunden hat. Sie erzählt ihre Songs mit großer Überzeugung und nutzt bekannte Wurzeln lediglich als Fundament für etwas Eigenständiges.

Warum das Theaterstübchen die ideale Bühne für Deborah Bonham ist!

Große Hallen beeindrucken oft durch ihre Dimensionen. Kleine Clubs schaffen dagegen Nähe. Genau diese Nähe gehört zu den größten Qualitäten des Theaterstübchens. Seit Jahrzehnten entwickelte sich der Kellerclub zu einer festen Adresse für Blues, Jazz, Soul und handgemachte Livemusik. Internationale Künstler schätzen den direkten Kontakt zum Publikum ebenso wie die konzentrierte Atmosphäre des Raumes.

Für Deborah Bonham besitzt diese Umgebung einen besonderen Reiz. Ihre Musik lebt von Zwischentönen. Ein leises Luftholen vor der nächsten Zeile, das kurze Zusammenspiel zwischen Gesang und Gitarre oder kleine spontane Variationen gehen in großen Arenen häufig verloren. Im Theaterstübchen dagegen werden genau diese Details Teil des Konzerterlebnisses.

Gerade deshalb dürfte dieser Abend eher an klassische britische Clubkonzerte erinnern als an eine routinierte Tourproduktion. Das Publikum erlebt erfahrene Musiker aus wenigen Metern Entfernung. Jede Reaktion innerhalb der Band wird sichtbar. Jede Veränderung der Dynamik bleibt hörbar. Genau solche Momente machen handgemachte Livemusik seit Jahrzehnten so faszinierend.

Ein aktueller Höhepunkt einer langen Karriere

Wie lebendig Deborah Bonhams musikalischer Weg bis heute geblieben ist, zeigte sich erst im vergangenen Jahr beim renommierten Cropredy Festival. Dort überraschte Robert Plant das Publikum mit einem gemeinsamen Auftritt. Zusammen interpretierten beide mehrere Songs von Led Zeppelin und sorgten für einen der meistdiskutierten Momente des Festivals.

Für Deborah Bonham besitzt Cropredy jedoch noch aus einem anderen Grund einen besonderen Stellenwert.

A festival run by musicians for musicians and such a devoted music loving audience.

– Deborah Bonham im Interview mit At The Barrier (2025).

Sie beschreibt das Festival damit als einen Ort, an dem Musiker und Publikum dieselbe Leidenschaft teilen. Genau dieses Verständnis von Livemusik prägt auch ihre eigenen Konzerte. Es geht nicht um Perfektion oder große Inszenierungen. Entscheidend bleibt die gemeinsame Erfahrung eines Konzertabends.

Passend dazu formuliert Deborah Bonham im selben Interview einen Gedanken, der gerade in Zeiten wirtschaftlich schwieriger Rahmenbedingungen für viele Clubs und Festivals besondere Aktualität besitzt.

I guess we all just have to keep on supporting live music and going to shows …

– Deborah Bonham im Interview mit At The Barrier (2025).

Dieser Satz wirkt nicht wie eine Werbebotschaft für die eigene Tournee. Er beschreibt vielmehr ihre Überzeugung, dass Livemusik nur dann lebendig bleibt, wenn Künstler, Veranstalter und Publikum gemeinsam dazu beitragen. Genau darin liegt vielleicht auch die eigentliche Bedeutung kleiner Konzertorte wie des Theaterstübchens.

Ein Abend für Musikliebhaber statt für Nostalgiker

Deborah Bonham in Kassel richtet sich an Menschen, die Konzerte bewusst erleben möchten. Wer Bluesrock schätzt, findet markante Gitarren, kräftige Grooves und eine Sängerin mit außergewöhnlicher Ausdruckskraft. Soulfans entdecken eine Interpretin, deren Phrasierung deutlich von Motown und Southern Soul geprägt wurde. Freunde klassischer Clubkonzerte erleben eine Band, deren Spielfreude wichtiger ist als jede aufwendige Showproduktion.

Der berühmte Familienname öffnet zunächst die Tür zu ihrer Geschichte. Bleibenden Eindruck hinterlässt jedoch etwas anderes: Deborah Bonham begegnet ihrem Publikum mit einer Selbstverständlichkeit, die ausschließlich aus jahrzehntelanger Bühnenerfahrung entsteht. Genau darin liegt der eigentliche Wert dieses Konzertabends.

Vielleicht erklärt gerade das auch, warum Robert Plant sich so deutlich für ihre Deutschlandtour eingesetzt hat. Deborah Bonham braucht keine Legenden, um zu überzeugen. Sie bringt ihre eigene Geschichte mit – und erzählt sie Abend für Abend neu.


Nützliche Links zum Thema

Ww ist unabhängig und bleibt kostenlos – wenn Du uns dabei unterstützt ❤️!


FAQs zu Deborah Bonham im Theaterstübchen

  • Warum gilt Deborah Bonham als eigenständige Künstlerin?Sie entwickelte über Jahrzehnte einen eigenen Stil zwischen Blues, Soul und Classic Rock und wollte bewusst nicht allein über ihren berühmten Familiennamen wahrgenommen werden.
  • Was macht das Konzert im Theaterstübchen besonders?Die intime Clubatmosphäre bringt die Dynamik ihrer Stimme und das fein abgestimmte Zusammenspiel mit Gitarrist Peter Bullick besonders intensiv zur Geltung.
  • Ist mit Led-Zeppelin-Songs zu rechnen?Ihre Verbindung zu Led Zeppelin gehört zu ihrer Biografie. Im Mittelpunkt des Konzerts steht jedoch ihre eigene musikalische Handschrift.
  • Für wen eignet sich dieser Konzertabend?Vor allem für Liebhaber von Blues, Soul, Classic Rock und authentischen Clubkonzerten, bei denen Musik und Atmosphäre im Mittelpunkt stehen.
  • Warum unterstützt Robert Plant Deborah Bonham bis heute?Er begleitet ihren musikalischen Weg seit vielen Jahren und setzte sich dafür ein, dass ihre Musik auch in Deutschland stärker wahrgenommen wird.

Deborah Bonham im Theaterstübchen: Termin & Tickets
Montag 14. September 2026
»«Deborah Bonham

20:00 Uhr | Konzert in Kassel, Theaterstübchen
Genre: Blues, Rock, Soul
Hier gibts die Tickets!
mehr Details


Weitere Veranstaltungen im Theaterstübchen

Mehr Events und Kultur aus deiner Region!
Lege Wildwechsel bei Google als eine Deiner bevorzugten Quellen fest.

Immer up-to-date mit dem Ww-Newsletter

Von Wildwechsel

Online-Redaktion des Printmagazin Wildwechsel. Wildwechsel erscheint seit 1986 (Ausgabe Kassel/Marburg seit 1994). Seit 2021 erscheint Wildwechsel ausschließlich online. Laut Auswertung hat sich dadurch die Zahl der Leser noch mal deutlich gesteigert.

Kommentar verfassen

Wildwechsel | Veranstaltungen heute, morgen, am Wochenende
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.