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Kadaver
Kadaver

Weit über 12.000 Besucher pilgerten wieder aus ganz Deutschland, sowie teils aus dem benachbarten Ausland auf die Wiesen unterhalb der Burg Herzberg. Ende Juli findet dort traditionell das „Burg Herzberg Festival“ statt. Es gilt als größtes Hippie Treffen Europas. Was einst 1968 auf der Burg begann, Begründer war seinerzeit die Beat Band The Petards aus Schrecksbach, darf wohl als Ur-Festival bezeichnet werden, denn Woodstock kam erst ein Jahr später. Seit 1991 wurde das Festival reaktiviert, seit 1997 findet es nicht mehr wie zuvor direkt unterhalb der Burg, sondern auf den Wiesen bei Hof Huhnstadt statt. 

Das Festival fällt aus dem Rahmen. Denn es ist ein Gesamtkunstwerk aus Kultur, Musik und vor allem den Menschen, die es bevölkern. Alle gemeinsam möchten ein sehr langes Wochenende verleben und lassen mal eben eine Kleinstadt entstehen, die liebevoll „Freak City“ genannt wird. Ein Ort der Toleranz, Liebe und Fürsorglichkeit. Ein jeder hat ein Lächeln auf den Lippen und ist für ein paar Tage sorglos. Diese ganz besondere Stimmung, nach dem Motto, hier ist (fast) alles erlaubt, prägt das Festival.

Auch in diesem Jahr kam neben Lesezelt, Workshops und einem gefeierten Poetry Slam Wettbewerb natürlich die Musik nicht zu kurz. Über 70 Bands sind auf vier Bühnen zu erleben. Dieses Jahr deutlich erkennbar, eine Verjüngung der Musik und deren Stile. Auch wenn noch genügend Progressive oder Psychedelic zu hören ist, so werden die Stile weiter bunt gemischt.

Bereits am Mittwoch gab es erste Bands im Höllenschuppen zu erleben. Eine kleine Bühne im Bereich der Camping Area. Am Donnerstag dann ein erstes gefeiertes Highlight: Die aufstrebenden Blues Pills mit ihrem blonden Energiebündel Elin Larsson begeisterten auf der Hauptbühne, der Mainstage vollends. Der Freitag bot auf selbiger Bühne großes: Walter Trout mit deftigem Blues Rock, Starpianist Nigel Kennedy der Jimi Hendrix ganz neu vertonte, im Anschluss die bezaubernden Lola Marsh aus Israel, die ein Jahr zuvor noch um die Mittagszeit spielten und heute hier zumindest Headliner Status erreichen und da wäre noch Radio Moscow, einer der Geheimtipps, die den Geist von Cream und erneut Hendrix herauf beschwörten.

Am Samstag begeisterten am frühen Abend Simo aus den USA mit feinstem Blues und Psychedelic Rock. Die ganz zum Schluss ein begeisterndes „With A Little Help From My Friends“ in die feiernde Menge donnerten. Während Element of Crime auf der Hauptbühne sichtlich berührt vom Festival waren, fand sich zeitgleich vor der Freakstage die Gemeinde der Stoner Rock Friends ein. Dort wuchteten Greenleaf aus Schweden Black Sabbath Sounds mit hervorragender Gitarrenarbeit in die Fans. Im ähnlichen Stil machten Kadaver aus Berlin auf der Mainstage weiter. Deren Gig visuell zwar top, musikalisch jedoch zu eintönig wirkte. Mit Patrice hielt dann der (Pop-)Reggae bis spät in die Nacht Einzug.

Und neben den paar genannten, gab es noch jede Menge mehr Entdeckungen zu machen, sei es die Mental Stage mit eher psychedelischen Sounds, Krautrock oder auch DJ Sets, sowie weitere freie Bühnen beim 24h Cafe oder dem großen Weinstand. Musik satt.

Und wer genau hinsah, traf auch einen der Mitbegründer des ersten Herzberg Festivals. Arno Dittrich, Drummer der Petards, lies es sich nicht nehmen, 48 Jahre nach dem ersten Happening Hippie Luft zu schnuppern. Freuen darf man sich jetzt bereits auf nächstes Jahr, um wieder bei einem der friedlichsten und tolerantesten Festivals Deutschlands ein paar Tage Auszeit zu nehmen.

Text: Heiko Schwalm

Fotos: Marco Miltz, Heiko Schwalm

Von Frank Booth

Freier Autor

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