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Mitgliedern iranischer Metal-Band Confess droht Todesstrafe

am 03 März 2016 von Matthias

Mitgliedern iranischer Metal-Band Confess droht Todesstrafe
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Der letzte Facebook-Eintrag von Confess datiert vom 28. Oktober 2015. Am 10. November wurden zwei Mitglieder verhaftet.

Der letzte Facebook-Eintrag von Confess datiert vom 28. Oktober 2015. Am 10. November wurden zwei Mitglieder verhaftet.

Bereits am 10. November 2015 wurden zwei Mitglieder der iranischen Metal-Band Confess von Mitgliedern der Armee der Revolutionswächter im Iran festgenommen. Unter anderem wird ihnen Gotteslästerung vorgeworfen – dafür kann im schlimmsten Fall im Iran die Todesstrafe verhängt werden. 

Das aktuelle Album von Confess, "The Pursuit of Dreams". Zwei der auf dem Album befindlichen Songs, "Teh-Hell-Ran" und "I'm Your God Now" waren angeblich Verhaftungsgrund.

Das aktuelle Album von Confess, „The Pursuit of Dreams“. Zwei der auf dem Album befindlichen Songs, „Teh-Hell-Ran“ und „I’m Your God Now“ waren angeblich Verhaftungsgrund.

Die Confess-Mitglieder Nikan „Siyanor“ Khosravi (Vocals) und Khosravi Arash „Chemical“ Ilkhani (DJ/Sampler) wurden am 10. November 2015 festgenommen und sitzen im Moment in Einzelhaft. Trev McKendry, ein angeblicher Vertrauter der Band, postete auf der Seite metalnationradio eine Message eines Vetrauten der Band. Dieser Freund möchte – nach eigenen Angaben, um sich selbst zu beschützen – anonym bleiben. Beiden wird Gotteslästerung, systemkritische Agitation, Führen von Interviews mit verbotenen ausländischen Radiosendern, sowie das Schreiben antireligiöser und atheistischer Texte vorgeworfen.

[Leider ist der Quellen-Artikel nicht mehr online. Er stammte von: Metal Nation Radio]

Das Brisante daran ist: Insbesondere der Vorwurf der Gotteslästerung ist ein sehr schwerer im Iran. So gab es in der Vergangenheit bereits Ereignisse, die die Vehemenz, mit der die iranische Rechtsprechung das Gesetz auslegt, unterstreichen. Ein besonders prägnantes Beispiel ist der Fall des indisch-britische Schriftstellers Salman Rushdie, ein Vertreter der zeitgenössischen Literatur, wurde 1989 vom damaligen iranischen Staatschef Ayatollah Ruhollah Khomeini, mithilfe einer Fatwa, eines islamischen Rechtsurteils, zum Tode verurteilt. (Quelle: Wikipedia) Auslöser für dieses Todesurteil, was bis zum heutigen Zeitpunkt nicht vollstreckt wurde, war Rushdies 1988er Werk „Die satanischen Verse“, die die Darstellung des Propheten Mohammed in den Kontext mehrerer Albtraumepisoden des Protagonisten setzt. Aus diesem Grunde lebt Rushdie in Isolation an ständig wechselnden Wohnorten und steht unter Polizeischutz. Der Iran erklärte unterdessen, die Fatwa könne nicht zurückgenommen werden, dies könne nur der Aussteller, Khomeini, der allerdings verstorben sei. (Quelle: The Times).

Vollstreckt wurde ein solches Urteil im Jahre 2011, als Addolreza Gharabat, der sich selbst als Gott bezeichnete und auch einige Anhänger in der iranischen Provinz Khuzestan um sich scharte, wegen Gotteslästerung angeklagt, verurteilt und gehängt wurde.

Laut der IGFM, der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, ist der richtungsweisende Artikel hier der Artikel 513 des iranischen Strafrechtes. Hier heißt es, die „Verunglimpfung des Propheten“ (arab.: „saab al-nabi“) im weitesten Sinne wird mit dem Tode bestraft. Konkret heißt es, laut IGFM, hier: „Jeder, der die heiligen Werte des Islams, einen der Großen Propheten, die schiitischen Imame oder die Heilige Fatima beleidigt oder beschimpft, wird, sofern es sich um saab al-nabi handelt, mit Hinrichtung bestraft, andernfalls wird er zu einer Haftstrafe von einem bis zu fünf Jahren Haft verurteilt.“

Jedoch wird dieses Gesetz nicht immer in seiner ganzen Härte ausgeführt. Zum Beispiel wurde im Jahre 1999 der ehemalige Innenminister Abdollah Nouri vor Gericht gestellt, weil er „den Propheten, des Propheten Nachfahren und Ayatollah Khomeini“ beleidigte. Am 27. November 1999 wurde Nouri aufgrund dieser Anklage zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt. 3 Jahre später, am 5. November 2002 wurde Nouri aus der Haft entlassen.

2002 wurde Hashem Aghajari, ein Veteran des Irakkrieg dabei verhaftet, als er eine öffentliche Rede hielt, in der er nach politischen Reformen verlangte. Man klagte ihn wegen Blasphemie an und das Gericht verurteilte Aghajari zum Tode. Im Juni 2004 wurde dieses Urteil vom obersten iranischen Gericht relativiert und ihm nur noch die „Beleidigung und Verunglimpfung religiöser Werte“ zu Lasten gelegt. Dafür bekam Aghajari drei Jahre Gefängnis und wurde ebenfalls vorzeitig am 31. Juli 2004 auf Kaution entlassen. (Quelle: englische Wikipedia)

Keinesfalls ist die Anklage per se also ein Todesurteil. Die Anzahl derer, die in den vergangenen 20 Jahren wegen Blasphemie vor Gericht standen, ist geringer gegenüber der Anzahl derer, die „nur“ mit geringen Haftstrafen davon kamen. Zu hoffen bleibt dies auch für die Musiker Confess, die laut der o.g. Message des Freundes der Band bis zum 5. Februar in Einzelhaft saßen, bis eine Kaution von 1.000.000.000 Rial (etwa 30.000 Dollar) gezahlt wurde. Die Musiker warten seitdem auf ihren Prozess und alle persönlichen und der Band zugehörigen Mail- und Facebook-Accounts stünden unter staatlicher Kontrolle, so der Verfasser der Nachricht.


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Matthias Matthias

Freier Autor

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