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Die Vorbereitungen für die documenta 2027 sind angelaufen.

Kuratiert wird die Kasseler Weltmarke für zeitgenössische Kunst diesmal von einem Zwillingspaar, Natalia und Ben Grimmberger. Sie sind der Überzeugung, dass Kunst gesellschaftspolitisch grundsätzlich nichts bewegen kann und ganz gut ohne Künstler auskommt, die ohnehin zu oft die kuratorischen Konzepte stören. Nur ein toter Künstler ist ein guter Künstler, so ihre Meinung. Der einzige lebende Künstler der Großausstellung ist bald gefunden: Sebastian Castro, der aus Buenos Aires stammende Sohn der Medienmacht Tutti Schnorr. Und dank des Marketingexperten Linus Gollinger wird auch das erste Kunstwerk präsentiert, welches die Welt ins Wanken bringt wird: ein blaues Ei, archäologischer Fund aus Aloppachstan, für die documenta ersteigert im Auktionshaus Sotheby’s. Kassel wird plötzlich zum Schauplatz internationaler diplomatischer Verstimmungen und die documenta muss Abschied nehmen von der documenta-Stadt …

Boris von Brauchitsch hat mit „Im tiefen Tal der Todeskralle“ eine wilde, trashige, absurd-lustige Komödie mit schrägem Personal geschrieben, in der die Kunst sich nicht allzu ernst nimmt. Wer sich fragt, wie Kunst gemacht wird, wozu man Künstler braucht und wie die Science-Fiction-Version einer documenta aussehen könnte, der bekommt hier Antworten. Und wer noch infrage stellt, dass Kunst ein Wirtschaftsfaktor ist, und je daran zweifelte, dass Kunst die Welt verändern kann, der wird hier eines Besseren belehrt.

Und natürlich ist das Stück auch eine Bewerbung von Natalia und Ben Grimmberger als documenta-Macher 2027.

Der Kunsthistoriker, Kurator, Fotograf und Autor Boris von Brauchitsch lebt in Berlin und Carrizal (Ingenio, Gran Canaria). Nachdem er für das Staatstheater Kassel 2012 erfolgreich die ›documentale 14‹ ausgerichtet hat, hat er nun sein erstes Theaterstück geschrieben.

Am Donnerstag, 22. Mai, kommt „Im tiefen Tal der Todeskralle“ im tif – Theater im Fridericianum zur Uraufführung. Regie führt Patrick Schlösser, der damit seine letzte Inszenierung als Oberspielleiter des Schauspiels in Kassel zeigt; nach vier Jahren festen Engagements verlässt er zum Ende der Spielzeit das Staatstheater Kassel, um freiberuflich zu arbeiten.

[ Website Staatstheater Kassel ]

Von Wildwechsel

Online-Redaktion des Printmagazin Wildwechsel. Wildwechsel erscheint seit 1986 (Ausgabe Kassel/Marburg seit 1994). Auf Wildwechsel.de veröffentlichen wir ausgewählte Artikel der Printausgaben sowie Artikel die speziell für den Online-Auftritt geschrieben wurden.

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