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Bushido

“Wenn ich der Meinung bin, ich hab kein Geld, ich muss mir jetzt irgendwie ’ne Uhr klauen, dann brauch ich das so“, erzählte Gangster-Rapper Bushido in einem älterem Spiegel TV-Interview.  Eine eigenartige Moral-Vorstellung,  die offenbar nicht nur für Uhren gilt..

» [ Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Printausgabe 01/2009 des Magazin Wildwechsel. ]

Gleich drei Metal-Bands werfen ihm vor, sich großzügig an ihrem Song-Material bedient zu haben. Im Januar (2009, die Red.) muss sich Bushido vorm Landgericht Hamburg zu den Vorwürfen äußern.

Bereits vor einem Jahr gab es Streit mit der norwegischen Metal-Gruppe Dimmu Borgir, die Bushido vorwarf, ihren Titel “Mourning Place“ für seinen Track “Mittelfingah“ benutzt zu haben. “Wer uns verarscht, bekommt richtig  Ärger“ wurde damals Dimmu Borgir-Gitarrist Silenoz zitiert. Zum Glück für Bushido blieb der Ärger aber aus. Der Streit endete mit einer außergerichtlichen Einigung. Es sollte jedoch nicht der letzte bleiben.

Wenn ich der Meinung bin, ich hab kein Geld, ich muss mir jetzt irgendwie ne Uhr klauen, dann brauch ich das so!

In diesem Jahr (2009, die Ww-Red.) beschuldigte die amerikanische Gruppe Nox Arcana den Rapper, sich an dreien ihrer Songs bedient zu haben. Bandgründer Joseph Vargo zeigt sich verärgert: “Es ist traurig, aber die Musikindustrie ist voller  Menschen mit talentlosen Dieben, die von echten Künstlern stehlen und sich dann, wenn sie erwischt werden, hinter ihrem Anwalt verstecken.“

Besonders inspirierend fand der Rapper offenbar die Songs der französischen Metal-Truppe Dark Sanctuary, von denen er insgesamt 16 Songs gestohlen haben soll. Eine außergerichtliche Einigung mit der Band ist gescheitert,  nun muss sich Bushido vor Gericht äußern. In einem Gutachten, das für den Prozess nötig ist, kommt der renommierte Musikwissenschaftler Prof. Dr. Hartmut Fladt zu folgendem Ergebnis: “Noch nie ist mir eine derart drastische Ausplünderung einer urheberrechtlich geschützten Quelle begegnet, wie in diesem Fall!“

Zwar ist es, gerade im Rap-Geschäft, Gang und Gebe, für seine eigenen Werke auf Fetzen bestehender Songs zurückzugreifen und auch durchaus erlaubt, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Erst im November (2008, die Ww-Red.) hatte ein Rechtsstreit zwischen der Band Kraftwerk und Rap-Mogul Moses Pelham für Aufsehen gesorgt. Nach Urteil des Gerichts ist das Einverständnis des Künstlers demnach nicht nötig, wenn aus den Songteilen ein neues Werk entsteht. Das gilt aber nicht für Melodien, Tonfolgen oder Klänge, die der Künstler ohne Probleme selbst einspielen könnte.

Ich lasse mich nicht gerne bestehlen!

Bushido selbst kennt übrigens bei “seinen“ Songs kein Pardon: In einem Interview auf Stern.de erzählt er bereitwillig, dass er jeden Monat zwischen 800 – 5.000 Mahnbescheide gegen Raubkopierer rausschickt. Begründung: “Ich lasse mich nicht gerne bestehlen…“

» Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Printausgabe 01/2009 des Magazin Wildwechsel.

» [ Bushidos Website ]

Von Thomas.Dick

Praktikant bei Wildwechsel

2 Gedanken zu „Bushido: Alles nur geklaut?“
    1. Ja, knapp 2 Jahre. Deshalb der Hinweis „» Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Printausgabe 03/2010 des Magazin Wildwechsel.“ Aber da Bushido bis heute ein ebenso bekannter, wie umstrittener Zeitgenosse ist, hielten wir den Artikel veröffentlichswert.

      Zur Erklärung: Wir veröffentlichen hier auf unsere neuen Website Zug um Zug auch viele Artikel aus unserem Archiv, da wir aus der Vergangenheit wissen, dass diese durchaus noch viele Leser finden. Diese Artikel sind in der Regel dann mit einem entsprechenden Hinweis versehen.

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