Mittwoch, 30. September 2020
19:30 Uhr
»Kultur.Liebe.Hoffnung - Leseland Hessen« Christian Schultheisz, Daniele Dell`Agli
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Von August bis Oktober 2020 stellt die Elisabethkirche Kassel ihren Kirchraum mittwochs ab 19.30 Uhr und donnerstags ab 18.00 Uhr Kasseler Kulturschaffenden kostenlos zur Verfügung. Dadurch sind Konzerte, Lesungen, Tanz, Performance und Theater in kleiner Besetzung möglich. Erste Termine stehen als Kooperation mit dem „Literaturhaus Nordhessen“, Belka und Strelka Kollektiv, Klang-und Tanzimprovisationen mit Ursel Schlicht und Heike Wrede, Martin Forciniti, Jörn and the Michaels, Andrea C. Ortolano, dem BOB-Dylan-ART-Project und „Studio Lev“ als Verein für musikalische Bühnenprojekte von und mit Jugendlichen in der Region Kassel schon fest. Schirmherrin der Aktion „Kultur.Liebe.Hoffnung“ ist Kulturdezernentin Susanne Völker (Kassel) gemeinsam mit Schirmherr Bischof Dr. Michael Gerber (Fulda). Der katholische Bischof betont eine Kultur des Miteinanders als Motiv der Kirchenöffnung: „Unser Glaube hat die Kraft, eine Kultur zu prägen, die auf zwei Beinen steht: Freiheit und Vertrauen – und nichts soll Dich ängstigen“, so Bischof Gerber.
Kulturdezernentin Susanne Völker sieht in dem gemeinsamen Projekt ein Zeichen dafür, wie wichtig Zusammenhalt und Zusammenarbeit unter den Bedingungen der Covid-19 Pandemie sind: „Gerade für Kulturakteure sind die Beschränkungen durch Covid-19 besonders gravierend und führen zu erheblichen Einbußen, weil Auftritte nach wie vor nicht möglich oder stark eingeschränkt sind. Aber auch für das Kulturpublikum sind Veranstaltungsbesuche nur unter den notwendigen Hygienemaßgaben möglich. Diese erfordern jedoch für den gebotenen Abstand große Räume, über die kaum Kulturakteure verfügen. Die Solidaritätsaktion „Kultur.Liebe.Hoffnung“ ist ein gelungenes Beispiel für den gemeinsamen Einsatz für die Kultur in Kassel. Es ist schön, dass sich die Elisabethkirche in dieser besonderen Situation zusätzlich für Kulturschaffende öffnet und ihnen einen zentralen Ort für Auftritte und Veranstaltungen bietet. Allen Beteiligten gilt hierfür herzlicher Dank.“
Die Elisabethkirche ist eine der größten Kasseler Kirchen und mit über 400 Plätzen auch einer der großen Veranstaltungsräume in der Stadt. Trotz der Covid-19 bedingten Hygiene- und Abstandsregeln bietet die Kirche aktuell rund 80 Menschen Platz. „Das große Raumvolumen, Abstände durch Einzelbestuhlung, Lüftungsmöglichkeiten mit Seitenhöfen und ein großer Vorplatz bieten gute Möglichkeiten für die sichere Durchführung“, erklärt der Pfarrer der Elisabethkirche, Peter Bulowski. Mittwochs und donnerstags steht die Kirche normalerweise abends leer, da an diesen Tagen keine Gottesdienste stattfinden. Gleichzeitig suchen Künstlerinnen und Künstler händeringend nach zugänglichen Aufführungsorten und damit verbunden natürlich auch nach Einnahmemöglichkeiten. „Die Elisabethkirche hat sich in den letzten Jahren als Kulturkirche einen Namen gemacht, deshalb wollen wir als Christinnen und Christen jetzt ein solidarisches Zeichen setzen und helfen, dass wieder mehr Kulturerlebnisse möglich werden und Kulturschaffende die dafür notwendigen Aufführungsorte und Arbeitsmöglichkeiten finden“, so Projektleiter Marcus Leitschuh. „Aber gute Worte reichen nicht, deshalb bieten wir Raum und Infrastruktur.“
Die Einnahmen und Spenden gehen vollständig an die Kulturschaffenden, die im Rahmen dieses Konzepts in der Elisabethkirche auftreten. Es wird auch Benefizkonzerte für Künstlerinnen und Künstler geben. Die Kirchengemeinde unterstützt das Programm auch bei der Öffentlichkeitsarbeit, etwa durch Posts auf der von ihr initiierten Facebookseite „Kultur in Kassel“.
Die Idee zur Solidaritätsaktion „Kultur.Liebe.Hoffnung“ hatten Regionalkantor Thomas Pieper und Marcus Leitschuh gemeinsam mit Renate Matthei vom Kasseler Kulturforum. „Ich freue mich, dass aus einer kleinen Idee so schnell und motiviert Realität wird. Dass die Kirche sich wirklich engagiert und für die regionalen Künstlerinnen und Künstler die die Türen öffnet, das gefällt mir und setzt zudem auch Zeichen", so Renate Matthei. Unterstützt wurden Idee und Umsetzung durch Kulturdezernentin Susanne Völker und das Kulturamt der Stadt Kassel. Die Kasseler Sparkasse ist der erste Sponsor.
Pfarrer Peter Bulowski betonte das Motiv der Solidarität als Grundlage für das Engagement seines Bistums: „Die Bibel spricht im Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth davon, dass die Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung wichtig seien. Gerne wird bei Hochzeiten diese Textstelle gewählt, weil sie die Liebe als das Größte dieser drei Dinge bezeichnet. Aus dieser Haltung heraus öffnen wir die Kirche und wollen Hoffnung schenken. Uns motiviert der Glaube. Er darf nicht folgenlos sein in solchen Krisenzeiten.“ Inhaltlich soll die Reihe „Kultur. Liebe. Hoffnung“ auch in den kommenden Jahren fortgesetzt werden. 2021 dann mit „Glaube. Kultur. Hoffnung“ und schließlich folgt „Glaube. Liebe. Kultur“.
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Für einige Termine haben Kulturamt und Kirchengemeinde im Vorfeld gezielt Kulturschaffende angesprochen. Für die noch offenen Termine können sich Interessierte formlos mit einer Projekt-Beschreibung unter kultur.elisabethkirche@t-online.de bewerben. Infos zu den Rahmenbedingungen gibt es auf www.elisabeth-kassel.de. Für die künstlerische Umsetzung und das notwendige Personal zum Einhalten der Hygienevorgaben und Einlasskontrolle sind die auftretenden Künstlerinnen und Künstler selbst verantwortlich.
Regionalkantor Thomas Pieper: „Die Elisabethkirche bietet sich für vielfältige kulturelle Nutzung an. Von musikalischen Solisten und kammermusikalischen Gruppen, über Lesungen bis Tanz- und Theateraufführungen ist vieles vorstellbar, solange die Hygienebestimmungen für Akteure und Zuschauer beachtet werden.“ Ein kleiner Flügel und die Bosch-Bornefeld-Orgel stehen zur Verfügung. Parkplätze gibt es u.a. in der direkt an der Kirche gelegenen Tiefgarage Friedrichsplatz und den Parkplätzen rund um die „Schöne Aussicht“. Mit dem ÖPNV erreicht man die Elisabethkirche am besten über die Haltestelle „Friedrichsplatz“. Alle Termine findet man unter www.elisabeth-kassel.de und www.facebook.de/elisabethkirche
Der Universaldilettant Wense wandert so, wie er forscht, übersetzt und komponiert: ekstatisch. Deutsche Landschaften sind ihm ebenso heilig wie die Sagen und Mythen der Cherusker, Maya oder Osmanen, wie Sterne, Steine und Tiere und all das andere, was es zu entdecken gilt. Allerdings herrscht Krieg, sein geliebtes Kassel wurde schon zerbombt, und in Göttingen muss er neuerdings Sonden für den militärischen Wetterdienst prüfen... Angelehnt an die historische Person Hans Jürgen von der Wense erzählt Christian Schulteisz von einem allwissenden Taugenichts, der plötzlich taugen soll. Schultheisz hat einen tragisch-komischen Roman über Poesie und Irrsinn einer staunenden, zweckfreien Sicht auf die Welt geschrieben.
Aber wer war dieser Hans Jürgen von der Wense? In Kassel lebte er von 1932 bis 1940, danach, bis zu seinem Tod 1966, in Göttingen. Er wanderte tausende Kilometer durch die deutschen Mittelgebirge, forschte unermüdlich im Stillen. Schuf ein gigantisches Werk, das er in Mappen und Schubern ablegte. Zu Lebzeiten veröffentlichte er gerade einmal rund 50 Seiten. Der umfangreiche Nachlass wird in der Universitätsbibliothek Kassel aufbewahrt und umfasst rund 30.000 Manuskript- und Exzerptseiten, einige tausend Fotos, Messtischblätter, hunderte Briefe, eine größere Zahl von Kompositionen sowie zahlreiche Tage-, Collagen- und Wetterbücher. Das Literaturhaus Nordhessen hat Wense seit 2008 bereits mit fünf Tagungen zu Leben, Werk und Wirkung gewürdigt.
Christian Schulteisz, geboren 1985 in Gelnhausen, lebt in Stuttgart. „Wense“ ist sein erster Roman. Seine Erzählung „Hunger auf Schienen“ war 2017 für den Literaturpreis Open Mike nominiert. Er veröffentlichte kurze Hörspiele bei verschiedenen Sendern und schrieb dramatische Texte, die u.a. für den Leipziger Hörspielsommer und beim Kölner Auftakt- Festival inszeniert wurden. „Christian Schulteisz ist ein eindringlich schreibender Zeitgenosse.“ (Arnold Stadler).
Daniele Dell’Agli ist Wense-Experte. Er wurde 1954 in Rom geboren, kam 1966 nach Deutschland, studierte Komparatistik, Philosophie und Religionswissenschaft in Berlin. Er ist freier Schriftsteller und Übersetzer in Kassel. Neben Lyrik, veröffentlicht er zahlreiche zeitdiagnostische Essays und Feuilletons zu Fragen u.a. der Mentalitätskritik, Filmästhetik, Musikphilosophie und zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen.
Eine Veranstaltung im Rahmen von Leseland Hessen, freundlich gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.
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