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Die scharfzüngigen Sonja Zietlow und Daniel Hartwich (der den 2012 verstorben Dirk Bach ersetzte) moderierten zuletzt die Sendung. (Foto: RTL / Stefan Gregorowius)
Die scharfzüngigen Sonja Zietlow und Daniel Hartwich (der den 2012 verstorben Dirk Bach ersetzte) moderierten zuletzt die Sendung. (Foto: RTL / Stefan Gregorowius)

Eigentlich klingt es absurd: Ein gutes Dutzend Prominenter (häufig als C-Prominenz bezeichnet) soll vor laufenden Kameras zwei Wochen lang in einem Dschungelcamp leben. Sie müssen eklige Aufgaben wie Maden verspeisen oder Baden in Kakerlaken erfüllen.

Was bei der ersten Staffel von “Ich bin ein Star – holt mich hier raus!”2004 noch zu einem Skandal führte, ist jetzt gemeinhin akzeptiert und sogar die Wissenschaft findet Gefallen daran. So erforschten die diesjährige Staffel des “Dschungelcamps” Sozialwissenschaftler. In Spitzenzeiten schauen weit über 40 % der 14-49-jährigen die Sendung, alle Sender berichten darüber. Doch was ist da wirklich dran? Und stimmt das überhaupt alles so? Ww schaute genauer hin.

Patrick Nuo: Der Dschungelkandidat wurde 1982 in Gettnau in der Schweiz geboren. Lieder wie „Reanimate“ und „Undone“ machten ihn bekannt. Im Dschungelcamp schaffte er es auf Platz 5. Am 16.3. kommt unser Titelboy ins Exit nach Brakel!
Patrick Nuo:
Der Dschungelkandidat wurde 1982 in Gettnau in der Schweiz geboren. Lieder wie „Reanimate“ und „Undone“ machten ihn bekannt. Im Dschungelcamp schaffte er es auf Platz 5.
Am 16.3. kommt unser Titelboy ins Exit nach Brakel!

Das Camp
Wo genau es liegt, hält der Sender streng geheim. Angeblich liegt es im „gefährlichsten Dschungel der Welt“ – doch da noch niemand im Schlaf von wilden Tieren zu Tode gebissen wurde, wagen viele Medien, dies zu bezweifeln. Frontal 21 (ZDF) fand heraus, dass das Camp in der Nähe des Städtchens Murwillumbah im australischen Bundesstaat New South Wales liege. Nach ihren Recherchen deutet vieles auf eine riesige umgebaute Farm mit zum Teil künstlichem Dschungel hin. Angeblich kann man die Blechhütten von Google Earth aus sehen, das Camp erahnen. Ob man wirklich von „Fake“ sprechen kann, wenn man bedenkt, wie ansonsten die Technik in den Dschungel kommen soll und dass man sicher niemanden ernsthaft verletzen möchte?

Dr. Bob
Recherchiert man nach ihm, findet man einen 1950 geborenen australischen Spezialeffekt-Künstler und Maskenbildner namens Bob McCarron. Weitere Recherchen zeigen, dass er überhaupt kein Arzt ist, aber ein „Paramedic“, eine Art Rettungsssanitäter. Er arbeitete unter anderem als Maskenbildner an Peter Jacksons (Herr der Ringe; Der Hobbit) Horrorklassiker „Braindead“ mit und war auch an „Matrix“ beteiligt. Als „Arzt“ und Wildbiologe ist er für das britische und deutsche Dschungelcamp verantwortlich.

Dirk Bach
Der langjährige Moderator der Sendung, gemeinsam mit der scharfzüngigen Sonja Zietlow, der 2012 unerwartet starb, wurde von Daniel Hartwich ersetzt. Doch welt.de schreibt: „Ohne Dirk Bach ist alles nur halb so lustig. Das kommt auch für die Zuschauer [ … ] überraschend, die der kleine, dicke, schwule Mann oft fremdschämen ließ. Jetzt ist er weg und wurde mit einem dieser neuen, schlanken, sympathischen Postmodernen ersetzt, die stets ein wenig so wirken, als würden sie, mit Charme-Chip ausgestattet, von einem südkoreanischen Fließband poltern.“  Daniel Hartwich stammt aus Frankfurt/ Main, war aber lange Zeit für hr-Kassel tätig und moderierte Sendungen wie das hr3-Madhouse.

Kritik
Von „Ekelfernsehen“ war die Rede, von Voyerismus und vielem mehr. Früher. Doch diese Stimmen verstummen in der mittlerweile siebten Auflage mehr und mehr. Welt.de sieht sie sogar als „als Parabel auf die Conditio humana, die vier kantschen Fragen der Philosophie oder aber als eine theatralische Form der Kapitalismuskritik […]. Letztere wäre dann in der Tradition von Jean-Luc Godards Spätwerk zu sehen, der die Prostitution als wichtigste Chiffre des zeitgenössischen Kapitalismus verstand. Doch anders als bei Godard, Kant oder Beckett wird das Abgründige der menschlichen Natur mit Humor serviert.“ Aha.

Spinne-2Skandale
2013 war es vor allem der von Krankheit gezeichnete Helmut Berger, der bereits vorab für Aufregung sorgte, als er im Flugzeug offenbar betrunken pöbelte und Iris Klein an den Busen grapschte. 2008 erlitt Lisa Bund eine Magenschleimhautentzündung, die laut Sender nicht mit den Prüfungen oder dem Essen im Camp zusammenhing. Im gleichen Jahr trat auch DJ Tommekk die Rückreise an, ohne das Camp von Innen gesehen zu haben. Ein Video war von ihm aufgetaucht, auf dem er den rechten Arm zum „Hitlergruß“ gehoben hatte. Der Streit mit Sarah Knappig („Sarah Dingens“) bei dem 5 Kandidaten im Falle eines Verbleibs des Models im Camp mit dem Austritt drohten, bescherte dem Kölner Privatsender 2011 Rekordquoten von um die 50 (!) Prozent.

Prominente
Natürlich muss man erst mal schmunzeln: Total abgehalftert kommen sie daher, waren nie richtig bekannt oder tingeln von einem Reality-Format zum nächsten. Mit Arno „Dagobert“ Funke zog 2013 sogar ein verurteilter Kaufhauserpresser ins Camp. Doch scheinen es nicht nur Gage und Aufwandsentschädigung zu sein (die lt. Wikipedia nach „Prominenz“ gezahlt werden), sondern gab das Camp doch vielen von ihnen die Möglichkeit, ihren Ruf wiederherzustellen und neue Aufträge zu gewinnen. Beispielsweise konnte sich die Schauspielerin Ingrid van Bergen, die 1977 ihren Geliebten erschoss und wegen Totschlags verurteilt wurde, konnte sich nicht nur rehabilitieren, sondern wurde auch Dschungel-Königin.


Fakten:
– das Original kommt aus Großbritannien und heißt: „I’m a Celabrity – Get me Out of Here“ und lief u.a. auch in den USA, Frankreich, Italien und den Niederlanden.
Deutschland und England verwenden das selbe Camp, dort lief auch eine US-Staffel. Die anderen Sendungen fanden in Malaysia, Brasilien, Argentinien oder Costa Rica statt.
–  aktuell läuft die Sendung nur noch ein GB (12 Staffeln) und Deutschland (7 Staffeln)
– die Anschrift des Camps für Google Maps: 366, Dungay Creek Road, Dungay, New South Wales, 2484 Australien.


Von Maria Blömeke

Ehemaligen Ww-Redakteurin

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