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(Universität Paderborn, Besim Mazhiqi): Forscher der Universität Paderborn und des Karlsruher Instituts für Technologie bauen eine Datenbank auf, die es erlaubt, Graffiti systematisch zu erforschen.
Forschungsprojekt Graffiti: Forscher der Universität Paderborn und des Karlsruher Instituts für Technologie bauen eine Datenbank auf, die es erlaubt, Graffiti systematisch zu erforschen | (c) Universität Paderborn, Besim Mazhiqi

Graffitis gab es schon bevor es überhaupt Städte gab. Heute nennen wir sowas Wandmalereien, oder Schmierereien, je nach persönlichem Geschmack oder abhängig davon ob das Objekt der Verzierung uns gehört oder vielleicht dem ungeliebten Nachbarn.

Die unterschiedlich gestalteten Szenebilder und Schriften sind in jedem Stadtbild als Graffitis bekannt. Dabei variieren sie in ihren Farben, Formen und Techniken und werden mit der Hip Hop-Szene in Verbindung gebracht.

Erstmals sind die bunten Bilder Ende der 1970er Jahren in den USA aufgetaucht und seit den 1980er Jahren vermehrt bei uns in Deutschland zu sehen. Die Verbindung von Schrift und Bild bei einem Graffiti faszinieren nicht nur die jüngeren Generationen, sondern auch die Wissenschaft.

Forscher der Universität Paderborn und des Karlsruher Instituts für Technologie untersuchen die auffälligen Erscheinungen seit 2016. Mit Hilfe einer digitalen Datenbank, die eigens dafür entwickelt wurde, können gezielt verschiedene Graffitis anhand von auserlesenen Forschungsdaten analysiert werden.

INGRID – das Forschungsprojekt Graffiti

Durch das »Informationssystem Graffiti in Deutschland« (INGRID) werden die einzelne Bilder der Graffitis digitalisiert und für die Wissenschaft bereitgestellt. Dabei werden die Bilder im Detail klassifiziert, sodass die Nutzer dieses Programms sprachliche, bildliche und materielle Informationen über die Graffitis erhalten können.

INGRID - Informationssystem Graffiti in Deutschland: Uni Paderborn Prof. Dr. Doris Tophinke
Forschungsprojekt Graffiti (INGRID): Uni Paderborn Prof. Dr. Doris Tophinke

Die Projektleiterin Prof. Dr. Doris Tophinke (Linguisitin an der Universität Paderborn) teilte mit, dass bereits seit 2019 über 40.000 Fotos von diversen Graffitis für die Wissenschaft veröffentlicht wurden. Zudem soll das Informationssystem weiter ausgebaut werden, welches bis jetzt einen Bestand von 150.000 Bildern aufweist.

Dabei sind insbesondere die ästhetischen und die grammatikalischen Bedeutungen der Graffitis für die beteiligten Wissenschaftler*innen des Projekts interessant. Darüber hinaus werden lokale und soziale Faktoren der bunten Bilder oder Schriftzüge untersucht.

Nach Angaben von Prof. Dr. Doris Tophinke werden Informationen zu dem Entstehungsort und zu der Entstehungszeit der Graffitis veröffentlicht.

Diese Faktoren können neue Aufschlüsse über den Zusammenhang zwischen der städtischen Infrastruktur und dem Erscheinen der schrillen Phänomene nachweisen sowie die Entwicklung von Graffiti und sozialen und städtebaulichen Veränderungen, so Prof. Dr. Doris Dophinke.

Des Weiteren können diese Ergebnisse für die Medienwissenschaft, der Soziologie oder der Stadtplanung relevant sein.

Um das Forschungsprojekt weiter fortführen zu können, soll INGRID bis 2023 erweitert und zudem mit einem Budget von einer Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert werden.

Die Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Martin Papenbrock (Fachgebiet Kunstgeschichte am Karlsruher Institut für Technologie), Prof. Dr. Gudrun Oevel (Leiterin des Zentrums für Informations- und Medientechnologien der Universität Paderborn) und Prof. Dr. Axel Ngonga Ngomo (Leiter der Arbeitsgruppe Data Science vom Institut für Informatik) ermöglichen den Aufbau der Datenbank.

» Webseite des Informationssystem Graffiti in Deutschland

» Website von Projektleiterin Doris Tophinke

» Website der DFG

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