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Nina Hagen im Interview
Nina Hagen im Interview

Schon immer war  für Überraschungen bekannt. In ihrer mehr als 30 Jahre währenden Karriere war sie häufig schrill, gelegentlich skandalös und niemals leise. Der Schritt zum Christentum kam trotzdem unerwartet. Das ist ihr, wie man sich denken kann, aber herzlich egal. 2010 war Nina Hagen wieder auf Tour. Aber nicht auf irgendeiner, denn sie spielt in Kirchen. In zahlreichen Gotteshäusern präsentierte Nina Hagen ihr Album „Personal Jesus“.

Es ist eine Sammlung mehr oder weniger religiöser Songs, allesamt Coverversionen und akustisch. Unter anderem findet man auf dem Album eine Coverversion des Titelsongs von Depeche Mode, aber auch traditionellen amerikanischen Gospel, interpretiert von Frau Hagen.

Wildwechsel gewährte Nina Hagen ein Exklusiv-Interview

Ww: Du hast zum christlichen Glauben gefunden. Gab es da einen Auslöser?
Ich habe bei der Leipziger Buchmesse mein Buch „Bekenntnisse“ vorgestellt, in dem ich über meine Glaubensbekenntnisse schreibe. Ich habe dieses Jahr eine Gospelplatte veröffentlicht. Um auf die Frage zu antworten: Den gab es, es war ein Nah-Tod-Erlebnis. Aber in ein paar Sätzen kann ich das nicht erzählen!

Wurdest du für deine Entscheidung von Fans kritisiert?
Nein, die echten Fans kennen meine Musik, und wissen, dass ich mein ganzes Leben Christin war, ich hab auf meinen Platten in den 80ern das Vater Unser verrockt, ich hab das Ave Maria aufgenommen, auf meiner ersten englischen Platte von ´82 „Nunsexmonkrock“ gibt es zitierte Bibelstellen. Ich war eine ungetaufte Christin. Seit dem Israelsonntag 2009 bin ich getauft.

Du wirst als Mutter des Punk bezeichnet. Was sagst du dazu?
Das hat eine sehr liebevolle Bedeutung, denn ich war schon 22, als ich ´77 die Punkrock-Revolution in London miterleben durfte und meine beste Freundin Ariane, genannt Ari Up, die fantastische Sängerin der Mädchenband „The Slits“ und ihre Kolleginnen waren alle viel jünger als ich.Ich hab auf Ariane, die erst 14 war, aufgepasst, durfte bei den Proben mit meinem „Profi-Sänger-Know-How“ helfen.Da kommt dieser Name, dieses Gefühl her, dass ich als Stubenälteste eine Punkmutter-Position hatte.

Was siehst du im Punk bzw. hast du gesehen? Wie hat er sich verändert?
Die grosse Königin & Prophetin des Punk, Ari Up ist vor ein paar Tagen mit 48 Jahren verstorben. Ich bin in tiefer Trauer. Wenn man sich ihre Vita anschaut, stellt man schnell fest: Punk hat sich wunderbar entfaltet und weiterentwickelt und es gibt immer noch viele gute Punkbands und wird es immer geben!

Wie würdest du die Musik auf dem neuen Album bezeichnen?
Traditionelle Gospelmusik! Gospelblues, Gospel-Country und ein Gospelpunksong: Woodie Guthrie: All you fashists bound to loose.

Welche Musik hörst du im Moment privat? Gibt es gerade ein Lieblingslied?
„Fade away“ und „Me done“ von Ari Up! Ich höre zur Zeit alles von ihr. Sie ist so ein kostbarer Schatz für mich, ihre Musik gibt mir Kraft und schenkt mir die wunderbare Gewissheit, dass wir unsterblich sind. Ich habe viele ihrer Videos auf facebook.com/NinaHagen gestellt, so können meine Freunde und Fans sehen & hören, was sie vielleicht nicht kannten: meine grosse Lehrerin, Freundin und geliebte Schwester im Geiste: Ari Up & ihre Musik!

» [ www.beepworld.de/members77/ninahagendas/ ]

» Das Interview führten wir 2011

 

Von Wildwechsel

Online-Redaktion des Printmagazin Wildwechsel. Wildwechsel erscheint seit 1986 (Ausgabe Kassel/Marburg seit 1994). Auf Wildwechsel.de veröffentlichen wir ausgewählte Artikel der Printausgaben sowie Artikel die speziell für den Online-Auftritt geschrieben wurden.

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