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THE
HITCHIN' POST
The Ballad Of Cal & Cubi
Glitterhouse
Beständige und treue Fans hat die Hann-Mündener Formation HITCHIN'
POST. Flatterten doch schon Leserbriefe in unsere Redaktion, die auf das
Review des dritten Longplayers des Countryrock Trios warteten. Nun denn,
vergessen hätten wir sie sicherlich nicht. Allein deshalb, weil das
neue Werk das ausgereifteste und beste der Bandgeschichte darstellt. Feine
Arrangements, zwar immer noch spärlich, dafür aber punktgenau
instrumentiert. Akustikgitarren, Piano, Streicher im Hintergrund und mehrstimmiger
Gesang geben dem Album Würze. Neben tollen Eigenkompositionen wie
»A Prisoned Called Home« oder »The Dike« können
auch die zahlreichen Cover-Versionen überzeugen. Vor allem der heimliche
Hit des Albums: die Hitchin'-Post-Version von Neil Youngs Klassiker »Too
Far Gone«. (hs)
MADONNA HIP HOP MASSAKER
Radical Romance
East West
Nach dem furiosen Erstling »Teenie Trap« der Berliner folgt
nun, zwei Jahre später, das zweite Album. Die Band selber bezeichnet
ihre Musik als Rotzepop. Was hat man sich darunter vorzustellen? Spaßpunk
á la BATES? Nicht ganz! Den geneigten Hörer erwartet vielmehr
eine Fundgrube an Zitaten. HipHopGrooves treffen da auf Disco-Musik der
70er und 80er, zusammengehalten durch einen Gesang, der mal honigsüß,
dann wieder giftig oder hysterisch klingt. Abwechslungsreich ist das auch
noch: von tanzbar (»Candykiller«) bis schwermütig (»Jealous«)
ist alles dabei. Und auch textlich hat sich was getan: Nach dem vergnügungssüchtigen
Erstling klingt das zweite Album reifer und melancholischer. Als Schmankerl
gibt's einen neuen Mix des Granini-Werbesongs »SuperPopPeepShow«.
(bh)
SOLITAIRE
Nocturnes
Arya
Mit den ersten Klängen von »Kabbala« setzt der Sog ein,
der auf rhythmische Weise in die Nacht entführt. Ein Klangteppich
vieler Zitate, der schnell den umgebenden Raum durchbricht. Der Titelsong
»Nocturne« lebt vom Glanz einer Stimme, die sich in schöner
Klarheit aus der Unruhe der Nacht löst. Die Stimme gehört der
Sängerin Danae. Immer wieder durchziehen Sprachfetzen und Klangkollagen
das Bild, um anschließend in ein neues Thema zu münden (»Simulation
Of God«). Alle Titel haben eines gemeinsam: Sie haben nichts
mit mainstream im Sinn, sondern sind vielmehr eine Herausforderung für
den Hörer. Ein düsteres Abenteuer. In Deutschland ist die Platte
nur per Mailorder zu bekommen. Adresse: (om)
RÜDIGER GLEISBERG
damiana
Proudence/Rough Trade
Damiana ist ein kleiner Strauch, der in Südamerika beheimatet ist.
Er trägt gelborangene Blüten, verströmt einen betörenden
Duft, und ist dort als die Pflanze der Liebe bekannt. Als Tee oder als
Tabakersatz eingenommen entfaltet er seine aphrodisierende und geistig
anregende Wirkung. Rüdiger Gleisbergs Album stellt eine Art Ehrung
des Umfeldes dar, indem eine solche Erfahrung überhaupt erst möglich
wird. Ausgewogenheit, ohne im Stillstand zu enden, die einen auf ihren
Wellen wiegt. Fernab vom Wahnsinn dieser Tage findet sich aufeinmal
Zeit, die nicht rennt. Rüdiger Gleisberg sieht sich zwischen allen
Stühlen: "Esoterische Musik ist meist sehr funktional zur Meditation
gedacht. Typische Elektronikmusik wie Schulze und auch Minimal Music
la Phil Glass trifft meinen Stil nicht." Also: Selbst Reinhören!
(om)
FINK
Vogelbeobachtung im Winter
xxs/Indigo
Auf deutsch ist der Fink ein Vogel, in Amerika bedeutet es "Verräter".
Die Musik der Hamburger Band, im Presseinfo als "Folk Noir" bezeichnet,
verraten uns, daß auch vermeintlich bekannte Musikrichtungen noch
einige Überraschungen zu bieten haben. Hier wird allerbester Hillbilly-Sound
gelebt, mit dem die vier Musiker u.a. LAMBCHOP und 16 HORSEPOWER überzeugen
durften. Allerdings hatten die Jungs aus den Staaten keinen Schimmer,
was Fink da sangen, da sie den deutschsprachigen Text nicht verstanden.
Wer jetzt an grauselige Truck-Stop-Mucke denkt, liegt völlig daneben.
Die Texte halten nicht nur einige unerwartete Wendungen bereit, sondern
sind auch wirklich brauchbares Futter für die Hirnwindungen. Also:
Sattelt Eure Vögel, nein: Pferde und los geht's! (om)
TUBISAR
Orange
Music Enterprises
Rchtig, diese Band kommt aus Kassel, ist von diversen Uni-Feten her ein
Begriff. Auf ihrem Erstlingswerk zeigen TUBISAR mit schlichtem Handwerkszeug
(Gitarre, Flöte, Bass, Chapman-Stick, Drums, Percussion), daß
man auf viel elektronischen Schnickschnack verzichten kann und allein
mit intelligenten Kompositionen satten Sound hinkriegt. Nicht verstecken
können die Jungs dabei, daß sie einige JETHRO TULL und FURY
IN THE SLAUGHTERHOUSE-Platten in ihren Schränken stehen haben. Ausflüge
ins Psychodelische (»Orange #1 - #3«) sowie einen Song mit
französischen Lyrics (»Lentas Song«) haben sie sich dann
aber doch nicht verkneifen können - zum Glück, denn allein mit
ihrem folkigen Indie-Rock wäre das Album nur halb so gut. Nicht virtuos,
aber grundehrlich. (mad)
FUTURE LOOP FOUNDATION
Time And Bass
Ultimate
Drum&Bass aus London, der sofort ins Ohr geht. Wer den Chill Out sucht
und trotzdem nicht auf Breakbeats verzichten will, kommt an diesem Album
nicht vorbei. Afrikanische Motive finden ihren Widerklang (»Spirit
Catcher«) ebenso wie klassische Trance-Elemente (kreischende
Möwen sind ja seit Jean Michel Jarres "Oxygene" recht populär).
Mark Barrott, Komponist, Produzent und Mixer in Personalunion, trifft
mit seinem Album in eine bisher kaum erforschte Lücke und zeigt,
in welche Richtung das in Teilen festgefahrene Genre Drum&Bass noch
erweitert werden kann. Ohne Schnörksel verbindet er gekonnt die Drumline
mit Synthesizer und Sequencer - einfach genial und niemals langweilig.
Mit ein bißchen Glück noch erhältlich die Limited Edition
mit 4 Bonus-Tracks. (mad)
DIVERSE
Cained & Able
PuSH Recordings
Dub, Drum & Bass, Trip Hop - drei Schlagworte aus den 90ern, jetzt
alle auf einem Sampler zu haben. »Cained And Able« beleuchtet
alle drei Stilrichtungen mit dem Stroboskop, mischt Chemical Beats mit
Freestyle Dancefloor oder Jungle und schwebt über dunkle Tech Stepper
hin zu schrägen, jazzigen Trompeten. Für alle DJs ein Reinhör-Muß:
»Cause & Effect« von TERMINALHEAD, donnernde Breaks und
eine prima Bassline erschaffen einen Drum & Bass-Sound im Housetempo
- genial! Weitere Anspieltips sind das funkige »Hangin' with Delany«
und der Trip Hop »Killing Me« (LUCID SOURCE) oder auch ANTHILL's
Junglenummer »Into the Fire«. Kein Dudel-Sampler, sondern
eine echte Retrospektive, was unser Jahrzehnt so alles zu bieten hat.
Mit einem Wort: Cheekylowdownhighslungfunkin'dancefloorpressure. (mad)
DIE SCHNITTER
Arg
Costbar
Das zweite Album der Kasseler Folk-Punker klingt roher und wüster
als der Erstling »Mähdrescher«. Obwohl auch hier die
Fiedel wimmern und das Flötlein klagen dürfen, meist geht's
gnadenlos nach vorn. Selbst wenn man sich mit Friedrich Schillers »Räubern«
deutsche Hochkultur gegen den Strich bürstet! In der Musik der SCHNITTER
- und auch in ihrem Publikum - treffen sich "Scenes", die im realen Leben
nichts mehr miteinander zu tun haben: Die SCHNITTER versöhnen alternative
Rückwärtsgewandheit und punkige Rotzigkeit. Ihr Anti-Atomkraftsong
»Tag X« zeigt vielleicht den einzigen existierenden Ort, wo
sich Öks und Punks noch auf gemeinsame Ziele verständigen können.
Die durch schöne Melodeien veredelten Wut- und Mutmacher der SCHNITTER
wären kein schlechter Zaubertrank für eine solidarische Widerstandskultur.
Wenn's sowas denn noch gäbe... (lj)
DIVERSE
The Bridge School Concerts Vol. 1
WEA
Seit Beginn der Therapieeinrichtung Bridge School vor gut 10 Jahren unterstützten
Pegi & Neil Young dieses Zentrum. Ziel dieser Einrichtung ist es,
Kindern mit schweren Sprechsörung und anderen körperlichen Behinderung
in ihrer Verständigung mit ihrer Umwelt zu fördern. Neils Sohn
leidet ebenfalls unter einer Behinderung. Die beiden organisieren jährlich
die beachtenswerten »Bridge School Concerts«. Ein erster Querschnitt
zeigt, welche Cr me der Musikszene dort Station macht. Liveaufnahmen ausschließlich
in Unplugged-Form bieten auf dieser CD: Tom Petty, Tracy Chapman, Pretenders,
Beck, Don Henley, Simon & Garfunkel, Pearl Jam, Patti Smith oder der
Meister Neil Young selbst. Alleine die Sechseinhalb-Minuten- Akustikversion
des Klassikers »Heroes« von David Bowie macht die CD kaufenswert.
(hs)
BRADLEYS
H. Caulfield
Mad Butcher
Das lange Warten hat gelohnt. Die BRADLEYS beglücken uns mit ihrem
2. Longplayer. Schon das düstere Cover läßt erahnen, daß
sich die musikalische Richtung der 4 Naumburger um Sänger Jeffy geändert
hat: Anspruchsvollere Lyrics sowie weg vom kalifornischen Sonnenstrand
zum eigenen Stil. Highlights wie »Alienation« oder »Crash
on Memory Lane« werden nur noch übertrumpft von den deutschen
Songs »3 Tage Regenwetter« mit seiner Melancholie und »Ich
bin 2 Öltanks«, der aus dem Repertoire der großen EA80
zu stammen scheint. Abgerundet wird dieser abwechslungsreiche Cocktail
durch eine Coverversion des Housemartins-titels »Me and the Farmer«.
Eine großartige Platte! (stb)
THE CHAINSAW HOLLIES
My one Weakness
Alternation/Intercord
Nach dem Weggang des 2. Gitarristen "Tex Marten" ging die zum Trio geschrumpfte
Band nicht in die Brüche sondern stürzte sich in die Arbeit
zur 2. Platte. Unterstützung an den Backing Vocals fanden die drei
in Rod und Bela B. von den Ärzten, die hier gleich bei drei der 13
Songs mitsingen. Die CHAINSAW HOLLIES präsentieren auch diesmal wieder
ihren punkigen Rock, der soviel britischen Sound hat, daß man zum
einen die Who und zum anderen Oasis um die Ecke dröhnen hört.
Mit letzteren waren sie sogar schon einmal auf Tour! Atzes hervorragendes
Songwriting und sein sympathischer Gesang machen den Charme dieser frischen,
druckvollen Produktion aus. We love you, yeah yeah yeah! (stb)
NERVOUZ
Grooving Sun
Mad Butcher
Es ist unglaublich, aber wahr! Die zweitfaulste Band der Welt hat es doch
noch endlich geschafft, ihre wundervollen Songs unter das gemeine Volk
zu bringen. 13 x Power-Punkrock mit ausgefeilter Gitarrenarbeit. Sängerin
Judith mit ihrer charismatischer Stimme zieht alle Register ihres Könnens.
Musikalisch erinnern sie an eine etwas punkigere Variante der bekannten
Jingo de Lunch. Absolute Ohrwürmer dieser knalligen Produktion sind
»Everyday« und »Just a man«, die sich so gemein
in die Gehöhrgänge bohren, daß man wohl noch nachts von
ihnen träumen muß. Und da soll noch einer sagen in Meschede
gäbe es keine guten Bands... CD kommt mit Rezept für Gin-Wackelpudding!
(stb)
AROMA GOLD
Merci beaucoup
Vielklang
High-End-Trash nennt sich das, was die drei netten Jungs aus Hildesheim
und Berlin da fabrizieren. Die Bezeichnung klingt zwar zuerst paradox,
ist dann aber doch die einzig zutreffende. Billig-Syntheziser treffen
auf einen Bass-Schlagzeug-Gitarre-Brei, der erst durch haufenweise Effektgeräte
gejagt wurde. Auch die verzerrte Stimme ist da nur ein weiteres, gleichberechtigtes
Instrument, die Songstrukturen sind oft recht unorthodox. Aber bei aller
Schrägheit sind die Lieder doch allesamt richtige Perlen geworden.
Besonders hervorzuheben sind noch die hervorragenden deutschen Texte,
die intelligent, tiefgründig, humorvoll, einfach gut sind. High-End-Trash
fürwahr! (bh)
NEAL CASAL
The Sun Rises Here
Glitterhouse
Die absolute Entdeckung: Man kann wohl schon jetzt sagen, der 29jährige
Singer/Songwriter Neal Casal, liefert hier eines der Alben des Jahres
ab. Es ist schon sehr lange her, daß mich ein Künstler und
seine Musik so tief bewegt hat. Die Gitarren-Rocksongs mit dieser warmherzigen
Atmosphäre, der makellos schönen Stimme und den faszinierenden
Melodielinien sind schlicht fantastisch. Vergleiche mag man am ehsten
mit dem jungen Jackson Browne anstellen. Daß Casal mit seinem Debütalbum
»Fade Away Diamond Time« seinerzeit bereits einen Majordeal
in der Tasche hatte, ist wahrlich nicht verwunderlich. Daß BMG damals
jedoch nicht nur die laufende Tour cancelte, sondern auch noch Casal vor
die Tür setzte, ist schier unglaublich. Eigentlich dürfte man
seinen Songs im Radio gar nicht aus dem Weg gehen können! (hs)
WAGON
Anniversary
Glitterhouse
Das Hause Glitterhouse kann man eigentlich nur beglückwünschen:
In der Lesergunst des deutschen Rolling Stone wurden erst kürzlich
HAZELDINE als Newcomer des Jahres gewählt. Und genau diesen vielen
Fans des amerikanischen Country-Rock kann man nun ein weiterer Act aus
dem Glitterhouse-Stall ans Herz legen: Wagon. Das Quartett aus St. Louis
landete erst mit seinem dritten Album »Anniversary« auf dem
deutschen (kleinen aber feinen) Label. Das Album spielten WAGON derzeit
ohne Plattenvertrag ein - sprich ohne jeglichen Druck im Rücken.
Und das merkt man dem ganzen Platte an der Entspanntheit und relaxten
Atmosphäre an. Ganz nach den Aufnahmen, in einer alten umgebauten
Scheune auf dem Lande, fühlt man sich in diese Maisfeldern umgebende,
ländliche Idylle versetzt, wenn die vier mit ihrer Steel-Guitar,
Mandoline, Drums und Violine loslegen. (hs)
DIVERSE
Tibetan Freedom Concert
EMI
Scheinbar niemanden in der Welt, von einigen Organisationen abgesehen,
scheint es ernsthaft zu interessieren, welche Verbrechen gegenüger
dem faszinierenden Land und den friedvollen Menschen in Tibet seit Jahrzehnten
begangen werden. Meist aus Rücksicht der wirtschaftlichen Interessen
mit China, wird das Problem meist einfach tot geschwiegen. Lobenswert
das es Menschen gibt, die laut herausrufen 'Schaut her und unternehmt
endlich was'. Darunter gehört seit zwei Jahren auch das 'Tibetan
Freedom Concert', organisiert von Beastie Boy Adam Yauch, zugunsten des
Milarepa Fund. Die vorliegende 3fach CD (mit ausführlichen Booklet)
beinhaltet je einen Song der jeweiligen Künstler des Festival aus
97 und einige Bands vom 96er Konzert. Sinnlos hier Namen aufzuzählen,
wirklich die Creme der Rock-, Alternativ-, und HipHop Szene, tummelt sich
hier. (hs)
THE CHAINSAW HOLLIES
My one Weakness
Alternation/Intercord
Nach dem Weggang des 2. Gitarristen "Tex Marten" ging die zum Trio geschrumpfte
Band nicht in die Brüche sondern stürzte sich in die Arbeit
zur 2. Platte. Unterstützung an den Backing Vocals fanden die drei
in Rod und Bela B. von den Ärzten, die hier gleich bei drei der 13
Songs mitsingen. Die CHAINSAW HOLLIES präsentieren auch diesmal wieder
ihren punkigen Rock, der soviel britischen Sound hat, daß man zum
einen die Who und zum anderen Oasis um die Ecke dröhnen hört.
Mit letzteren waren sie sogar schon einmal auf Tour! Atzes hervorragendes
Songwriting und sein sympathischer Gesang machen den Charme dieser frischen,
druckvollen Produktion aus. We love you, yeah yeah yeah! (stb)
WAGON
Anniversary
Glitterhouse
Das Hause Glitterhouse kann man eigentlich nur beglückwünschen:
In der Lesergunst des deutschen Rolling Stone wurden erst kürzlich
HAZELDINE als Newcomer des Jahres gewählt. Und genau diesen vielen
Fans des amerikanischen Country-Rock kann man nun ein weiterer Act aus
dem Glitterhouse-Stall ans Herz legen: Wagon. Das Quartett aus St. Louis
landete erst mit seinem dritten Album »Anniversary« auf dem
deutschen (kleinen aber feinen) Label. Das Album spielten WAGON derzeit
ohne Plattenvertrag ein - sprich ohne jeglichen Druck im Rücken.
Und das merkt man dem ganzen Platte an der Entspanntheit und relaxten
Atmosphäre an. Ganz nach den Aufnahmen, in einer alten umgebauten
Scheune auf dem Lande, fühlt man sich in diese Maisfeldern umgebende,
ländliche Idylle versetzt, wenn die vier mit ihrer Steel-Guitar,
Mandoline, Drums und Violine loslegen. (hs)
HELSINKI PHILHARMONIC ORCHESTRA
Earquake
Ondine
Klassik für Metal-Fans: Das ist das Konzept von »Earquake«.
Das Helsinki Philharmonic Orchestra unter Leitung von des Star-Dirigenten
Leif Segerstam hat die lautesten, brutalsten, fetzigsten Stellen aus Werken
von Komponisten wie Schostakowitsch, Prokoffiew, Schatschaturian und Hanson
zusammengetragen. Allesamt übrigens Komponisten, die von der zweiten
Hälfte des letzten Jahrhunderts bis in die Gegenwart hinein gelebt
haben. Mit Leif Segerstam, William Bolcom und Einojuhani Rautavaara sind
auch drei Zeitgenossen dabei. Grandios: Jacob Druckmans »Prism«
mit seinen Laut-Leise-Kontrasten. Lautstärke-Höhepunkt: ist
eine Komposition von Jón Leifs (1899-1968) mit 140 Musikern, bei
der der Ausbruch des isländischen Vulkans Hekla musikalisch nachempfunden
wird. Die Platte wird mit Ohrstöpseln ausgeliefert! (lj)
SPERM DONORS
Kiss Kiss Diana's Lips
Slaughterhouse/Mad Butcher
Nach all dem Rummel um den Tod von »England's Rose« kommt
hier eine Antwort aus der Punk-Szene. Die SPERM DONORS, ein Ableger der
Wolfhager SWOONS, machen sich über den distanzlosen Pietätszirkus
lustig und schrecken auch nicht davor zurück, Elton Johns peinliches
Kerzenlicht-Opus durch den Fleischwolf zu drehen. Dazu gibt es massenhaft
Punk-Rock der rüdesten Sorte am Schnittpunkt zwischen Sex Pistols
und Ramones. Der fehlende poppige Frauengesang und eine kantige Abmischung
hinterlassen einen für Swoons-Fans unerwartet rauhen Höreindruck.
Eine Hommage an die Ursprünge des Punk: Schließlich fing mit
»God Save The Queen« einst alles an. Die Prinzessin dagegen
ist nicht mehr zu retten, aber als Pop-Ikone bleibt sie unsterblich. Genug
Anlaß also, richtig dazwischenzubrettern! (lj)
u CD 2 Sperm Donors »Kiss Kiss Diana's Lips«
ACHIM REICHEL
Herz ist Trumpf - Das Beste
Wea
Es ist schwer, Achim Reichels Gesamtwerk zu würdigen. Da sind seine
Shanty-Goes-Rock-Stücke - Seemannsgarn mit ganz eigener Qualität,
das bei einer Buddel Rum richtig guttut. Sein größter Solo-Hit
»Aloha Heya He« gehört ja auch in diese Kategorie. Dann
gibt es die respektlosen Übergriffe auf Klassiker von Fontane über
Morgenstern bis hin zu Hans Albers und Heinz Rühmann, die einem ein
wenig ratlos zurücklassen. Ist das nun eine rotzige Neu-Interpretation
oder schlicht Blasphemie? Und schließlich findet man sogar echte
Meisterwerke wie »Der Spieler« und »Boxer Kutter«,
die der Zusammenarbeit mit dem Text-Dichter (!) Jörg Fauser entstammen,
der leider 1987 bei einem Unfall ums Leben kam. Der gute Eindruck wird
jedoch zerstört durch gnadenlose Peinlichkeiten wie dem Titelsong
»Herz ist Trumpf«, der an Aussagekraft etwa Peter Alexanders
»Kleiner Kneipe« ebenbürtig ist. Statt solchem Schund
hätte man lieber ein paar von Achims Spitzennummern aus alten RATTLES-Tagen
mit drauftun sollen! (lj)
THE BATES
Intravenus
Virgin
Die Eschweger wirken wie nach einer Frischzellenkur: Nachdem Zimbl sich
zur Rückkehr unter die Lebenden entschlossen hat, sind offenbar ganz
neue Energien freigesetzt worden. »IntraVenus« ist das geschlossenste
Album, das die Jungs je vorgelegt haben. Das ist kein rauher, ungeschliffener
Punk mehr, sondern ausgefuchste Pop-Musik im allerbesten Sinne, vital,
aufputschend und voller Raffinesse! Souverän werden auch Freunde
wie die Streicher von den Inchtabokatables oder Spitzengitarrist Till
Scholze (Dogfood Five) ins abwechslungsreiche Soundkonzept integriert.
Reb greift gar zur Trompete - und verblüfft durch bluesiges Feeling.
Als Sahne obendrauf gibt es noch eine geniale Cover-Version des Simon-&-Garfunkel-Klassikers
»Sounds Of Silence«. Bestnote! (lj)
PEARL JAM
Yield
Epic
Immer noch ist es für viele ein Ereignis, wenn eine neue Pearl Jam
ansteht. Die letzten Überlebenden der Grunge-Ära, die sich immer
noch beharrlich gegen die ganze Medienmaschenerie stellen, geben sich
um einiges unverkrampfter, humorvoller und auch lockerer als auf ihren
Vorgänger-Alben. Mit Songs wie »Wish List« hat
man das Gefühl, näher bei Eddie Vedder zu sein als jemals zuvor.
Eins steht fest: In »Yield« muß man sich erst hineinhören.
Mit drei-/viermal ist das nicht getan. Zur Belohnung entdeckt man dann
aber so ausgefeilte Songs wie das entspannende »Low Light«
und den Pearl-Jam-typischen Steigerungseffekt beu »In Hiding«.
Angesichts von Stücken wie der ersten Single »Given To Fly«
oder »MFC« kann man es kaum noch erwarten, die Band wieder
live zu hören. Hoffentlich bald! (hs)
EDGUY
Vain Glory Opera
AFM Records/Semaphore
Bereits mit ihrem Debütalbum wurde die junge Band aus Fulda als einer
der inoffiziellen Nachfolger Helloweens gehandelt. Mit dem Zweitlingswerk
gelingt ihnen nun im Bereich Melodic-Powermetal der große Schlag.
Treibende Rythmussektion, bombastische Chöre, ohrwurmartige Melodien
und herausragende Leadvocals des jungen Tobias Sammet treiben »Vain
Glory Opera« zum Erfolg. Profesionelle Schützenhilfe stand
ihnen seitens des Blind- Guardian-Frontmans Hansi Kürsch zu Verfügung,
der den größten Teil der Chor-Arrangements ausarbeitete und
nicht zuletzt auch als Gastsänger auf den Plan tritt. Durchweg besticht
die CD, vom Carmina-Burana-angelehnten Intro bis zur hervorragend bombastischen
Ultravox-Coverversion »Hymn« durch höchste Qualität.
(hs)
TERRORGRUPPE
Keiner hilft euch
Alternation/Intercord
Der nächste Anschlag der Berliner TERRORGRUPPE. Auf ihrer mittlerweilen
4. CD beweisen die vier Anarcho-Rocker erneut, daß sie zur Speerspitze
des deutschen Punkrocks gehören. Clever arrangierte Songs und eine
excellente Produktion erhöhen den Spaß. Unterstützt wird
die TERRORGRUPPE diesmal neben Leuten, die ihre Blasinstrumente beherrschen,
von Gastsängerin Luci van Org, die mit ihrer Stimme auf der B-52's
Coversion ("6060842"), dem Charme von Kate Pierson recht nahe kommt. Was
bei letzterem Song allerdings noch an Kuriosität Pluspunkte bedeutet,
muß man den Jungs leider in Hinsicht auf das Textniveau wieder abziehen.
Man gewinnt ein wenig den Eindruck, daß den Herren die Ideen ausgehen
und genau dieser Mangel an Biß in ihren Texten, grenzt sie noch
immer von Bands wie den Ärzten und Wizo ab. Vielleicht versuchen
sich die Berliner beim nächsten mal weniger an Fäkal- und Kinderreimen?
(stb)
DIE RHÖNER SÄUWÄNST
Die Indianer aus dem Biosphärenreservat
Musikverlag Caba
Was den Kölnern ihre Kultband BAP, das sind den Leuten hinter Fulda
ihre SAUWÄNST. Und wer denkt, der Blues käme aus den Südstaaten
der USA, der wird auf dieser CD eines Besseren belehrt. Den treffendsten
Beweis liefern die Musiker selbst, die mit robustem Bergbauern-Charme
und unzähligen köstlichen Anekdoten ihr Publikum zungenfertig
in ihren Bann schlagen. Ihre derben Ausfälle sind so erdverbunden
echt wie die bemühte Bildungsbeflissenheit eines Gerhard Polt. Hier
passt alles zusammen: das ungläubige Staunen der Sauwänst über
das parfümierte Klopapier im Wiesbadener Landtag, ein von Kühen
und Schweinen inspiriertes Liebesbekenntnis, die gräuliche Rhöner
Mundart und der rüde respektlose Humor - alles trägt bei zu
einer köstlichen Bühnenschau, die nur live noch besser sein
dürfte... (pw)
TERRORGRUPPE
Keiner hilft euch
Alternation/Intercord
Der nächste Anschlag der Berliner TERRORGRUPPE. Auf ihrer mittlerweilen
4. CD beweisen die vier Anarcho-Rocker erneut, daß sie zur Speerspitze
des deutschen Punkrocks gehören. Clever arrangierte Songs und eine
excellente Produktion erhöhen den Spaß. Unterstützt wird
die TERRORGRUPPE diesmal neben Leuten, die ihre Blasinstrumente beherrschen,
von Gastsängerin Luci van Org, die mit ihrer Stimme auf der B-52's
Coversion »6060842« dem Charme von Kate Pierson recht nahe
kommt. Was bei letzterem Song allerdings noch an Kuriosität Pluspunkte
bedeutet, muß man den Jungs leider in Hinsicht auf das Textniveau
wieder abziehen. Man gewinnt ein wenig den Eindruck, daß den Herren
die Ideen ausgehen. Der Mangel an Biß in ihren Texten grenzt sie
noch immer von Bands wie den ÄRZTEN und WIZO ab. Vielleicht versuchen
sich die Berliner beim nächsten mal weniger an Fäkal- und Kinderreimen?
(stb)
B. LOUD
Wundertüte
Deftiger Deutsch-Rock mit kernigem Biß ist das Markenzeichen von
B. LOUD. Nach ihrem Debüt-Album »Lieber so« mit der unvergessenen
»Barbie«-Song (Opener auf dem ersten Ww-Sampler) ließen
sich die Jungs einige Zeit für den zweiten Streich. Das Warten hat
sich gelohnt: Die »Wundertüte« wurde randvoll gepackt
mit fetzigen Gitarren, spritzigen Abgehnummern und zupackendem Gesang.
Mal witzig, mal verspielt; mal prollig losgerotzt, dann wieder voller
tüfteliger Sounddetails: B. LOUD bringen die unbändige Spielfreude
von der Live-Bühne mit ins Studio. Daß das ganze bei allem
Spaß nicht ohne Anspruch bleibt, versteht sich bei den Plettenbergern
von selbst. Mit einer Coverversion von »Allein machen sie dich ein«
erweisen sie dann auch noch dem viel zu früh verstorbenem Gründervater
des Politrock Rio Reiser ihre Referenz. Ein rundum rundes Album, bei dem
höchstens die etwas unkritische Haltung zum Thema Drogenkonsum stört.
(lj)
NUMBER NINE
Guilty
Thopo Music
Folkige Anklänge in aktueller Punk- und Rockmusik sind sehr beliebt,
vor allem live gibt es einen großen Bedarf an dieser Musik, wie
die volksfeSTARTigen Konzerte von Bands wie FIDDLER'S GREEN, PADDY GOES
TO HOLYHEAD und HOOTERS beweisen. NUMBER NINE aus Bayern bedienen eine
ähnliche Zielgruppe, und auch ihr Tourplan ist bis 1999 ausgebucht.
»Guilty« steckt voller Gute-Laune-Musik, die manchmal vielleicht
ein wenig zu glatt produziert wurde. Das Songmaterial ist aber hervorragend,
die Arrangements sind farbig und abwechslundsreich. Mein Favorit ist die
Cover-Version des Simon-&-Garfunkel-Klassikers »The Boxer«,
die dem Stück mit Country- und Punk-Einsprengseln erfrischend neue
Dimensionen abgewinnt. Insgesamt gilt: Ein bißchen mehr Härte
ab und zu würde die Musik von NUMBER NINE deutlich aufwerten. Laßt
den Kampfhund öfter mal von der Leine! (lj)
AKASHA
Cinematique
Wall of Sound
Daß es nicht gerade wenig Cover-Versionen auf dem Musikmarkt gibt,
bleibt bei einem Blick auf die Charts unbestritten. Dennoch können
gute Covers eine Bereicherung sein. Die Engländer AKASHA nahmen sich
dem »Sweet Child of Mine« von GUNS'N'ROSES an. Das Ergebnis:
Coole Vibes in einem entspannenden TripHop-Gewand, garniert mit der Stimme
von Neneh Cherry. Das gesamte Album besticht durch jazzy relaxte Songkonstellation
gepaart mit Elextronic Beats aus dem Hause Drum'n Bass und Trip Hop. Überhaupt
wird der Hörer beim Genießen des Albums hin- und hergeworfen.
Jazzbetont die ersten Songs, bevor dann die Beats mehr und mehr in den
Vordergrund treten. Dennoch erinnert uns die immer wiederkehrenden Saxophon-Klänge,
daß die Wurzeln von AKASHA im Jazz liegen. Als weiteren Gastvokalisten
konnte Maxi Jazz (die Stimme von FAITHLESS) gewonnen werden, der mit seinem
Sprechgesang die Coolness des Albums unterstreicht. Zwei, drei lahme Stücke,
die stören, sonst ein echt cooles Album! (nn)
CHRIS & CARLA
Swinger 500
Glitterhouse
Düster und melancholisch ist die Grundstimmung der neuen CD von Chris
Eckman und Carla Torgerson, dem songschreibenden, singenden und Gitarre
spielendem Paar, das im Mittelpunkt der WALKABOUTS steht. Ähnlich
dunkel ist die Grundstimmung vieler Walkabouts-Songs, die kleine Geschichten
von vereinsamten Seelen, hoffnungslosen Romantikern und geborenen Verlierern
erzählen. Was dieses Album aus dem Schaffen der Walkabouts heraushebt,
ist die schöpferische Ruhe, mit der Chris & Carla ihre Songs
realisieren: Die Sprachbilder sind abstrakter und damit plastischer geworden,
in der Musik ist vom Bombast der Walkabouts, die auf ihrem letzten Album
mit einem Sinfonieorchester zusammengearbeitet haben, nichts mehr zu spüre.
Eine Platte wie ein trüber Winternachmittag des vergeblichen Wartens
am Fenster eines angenehm geheizten Hauses! (jm)
JOHANN SEBASTIAN BACH
Matthäus-Passion
Philips/Polygram-Classics
Nach Brüggens Johannes-Passion von 1992 war es wohl nur eine Frage
der Zeit, wann die Matthäus-Passion folgen würde. Nun ist sie
in einer Live-Aufnahme aus Utrecht da, und der Kenner kann fragen, was
an dieser 54.(!!) Einspielung in der Geschichte des Werkes noch neu sein
kann. Was diese Aufnahme auszeichnet, ist ein überraschender "Temperamentswechsel",
der belebt, aber auch überrascht: Die Chöre werden flott, Turbae
gar rasant vorgetragen, chorisch und orchestral hochvirtuos. Dem gegenüber
zeichnen sich die Arien durch betonte Nachdenklichkeit aus, was auch durch
die Temponahme zum Ausdruck kommt. Die Praxis der historischen Spielweise
auf adäquaten Instrumenten wird nie zum Selbstzweck, sondern dient
einer federnden, beschwingten Deutung, die nie hetzt und der sich die
guten Solisten, der hervorragende Chor und excellente Instrumentalisten
flexibel anpassen. Brüggen vertraut auf bewährte Kräfte
aus der Johannes-Passion: Nico van der Meel (Evangelist), Kristinn Sigmundsson
(Jesus), den Niederländischen Kammerchor und das »Orchestra
of the 18th Century«. Hinzu kommen aber auch neue und verdiente
Namen wie Kiehr, Schubert, Bostridge, Cooy, van der Kamp u.a.. Die kleinen
Partien läßt Brüggen ausnahmslos von Chorsolisten singen.
Gut so! (gum)
THE CRYSTAL METHOD
Vegas
Sony
Ein neues Big Beat Gewitter zieht über Deutschland hinweg. Obwohl
der Sound in fester englischer Hand ist, gehören THE CRYSTAL METHOD
aus den Staaten neben den CHEMICAL BROTHERS, PRODIGY und FATBOY SLIM zu
den neuen Musikhelden. Ken Jordan und Scot Kirkland, die beiden Köpfe
hinter dem Projekt, kommen aus der House-Szene Las Vegas. Big Beat-typisch
gehören krachende Baßschläge zu den Hauptbestandtilen
des Albums. Dazu Breakbeats, digitalisierte Gitarren-Riffs und die seltene
Freude, eine Stimme zu hören. Das rundet diesen High-Speed-Sound
ab. Als kleines Geschenk gibt es den Titeltrack zu dem Film »Spawn«
dazu. Die Version von »Trip Like I Do« wurde zusammen mit
der Hardcore-Truppe von FILTER aufgenommen. Neben der Single-Auskopplung
»Busy Child« ist »Comin' Back« und »Keep
Hope Alive« unbedingt empfehlenswert. Aber eigentlich ist die gesamte
Platte schlichtweg: der Hammer! (nn)
DIE FIRMA
Spiel des Lebens/Spiel des Todes
LaCosaMia/EFA
Wo ist die schöne, heile deutsche HipHop-Welt? Im Gegensatz zu den
Amis, die diesen Sound schon immer nutzten, über das Übel der
Welt zu lamentieren - halt in the Ghetto und so - fanden wir in den deutschen
Charts, doch eher leichte Kost. Dort tummelten sich solche gewagten Kompositionen
wie »Ich find dich Scheiße« oder »Oh Schitt, Frau
Schmidt«, von dem Mist den Toni Cotura produziert (NANA, PAPA BEAR)
ganz zu schweigen. Mehr Gedanken machten sich die Jungs von der FIRMA.
Ernsthafte, fast düstere Texte ziehen sich durch das komplette Album.
Von manchen recht optimistischen Textzeilen sollte sich der Hörer
in acht nehmen: Vorsicht Sarkasmus. Für die musikalische Untermalung
sorgen Samples aus Klassik, Jazz, Soul und Big Band Musik. Nichts für
die Charts! Klasse Album! (nn)
DIVERSE
Brassic Beats Volume 3
Skint
Auf der neuesten Ausgabe der Brassic Beats vereint das Big Beat Label
skint wieder ihre Allstars auf einer Scheibe. Neben den Etablierten der
Szene wie FATBOY SLIM, BENTLEY RHYTHM ACE und INDIAN ROPE MAN präsentieren
sich auch einige Newcomer auf dieser Compilation. Bis auf wenige Ausnahmen
handelt es sich um bisher unveröffentlichte Nummern. Während
der Auftakt mit MIDFIELD GENERAL um ihren »Devil in sports casual«
noch nicht recht überzeugen kann, ist bereits der zweite Track der
Hammer. Der Urvater des Big Beats gibt sich die Ehre. FATBOY SLIM'S Nummer
»Everybody loves a filter« hat alles, was man von diesem Sound
erwartet: Baßschläge wie Kanonenschüsse, eine eingängige
Melodie und jede Menge Speed. Ein weiteres Highlight kommt von CUT LA
ROCS. Das »La Roc Rocs« macht seinem Namen alle Ehre: hier
wird wirklich gerockt. Herrlich schön schräg die Nummer von
SPACE RAIDERS. Ihr »Cutters Choice« verbindet 70er Jahre Gitarren
mit knackigen Beats zu einer gelungenen Kombination. Richtige Ausfälle
sind leider REQ und LO - FIDELITY ALLSTARS, das hätte dem Hörer
erspart bleiben sollen. Knackig gut! (nn)
ERIC CLAPTON
Pilgrim
Reprise/WEA
Satte neun Jahre ist es her, daß Mr. Slowhand ein Album mit eigenen
(Studio)Stücken hervorbrachte. »Journeyman« hieß
das damalige Platinwerk, mit Klassiker wie »Bad Love« oder
»Pretending«. Seither gab es vom Meister der Gitarre das überaus
erfolgreiche Unplugged-Album, einige Beiträge für Soundtracks,
und ein recht kauziges Blues-Coveralbum, wo Clapton seinen Bluesveteranen
gedenkt. »Pilgrim« ist zum direkten Vorgänger wesentlich
poppiger ausgefallen. Grundton ist zwar immer noch der Blues, doch macht
sich sicherlich die Produzenttätigkeit und Songwritingmitarbeit von
Simon Climie (vom ehemaligen guten Popduo Climie Fisher) stark bemerkbar.
Gesamt gesehen eine äußerst relaxte Platte und einige richtig
gute Stücke wie der Single »My Father's Eyes«, der Ballade
»River Of Tears« oder dem fabulösen Dylan Stück
»Born In Time«. (hs)
KING TUBBA MEETS LEE PERRY
Megawatt Dub
Shanachie
Wer kennt ihn nicht, den Markenfetischismus der uns manchmal reitet. Und
doch ist manchmal etwas dran an den Lobhymnen auf eine bestimmte Marke.
So auch im Falle SHANACHIE, eine Plattenfirma die im Bereich World- &
Reggae immer wieder Überraschungen bereit hält. Im vorliegenden
Fall ist es eine Sammlung seltener Dub-Mixes, die in den Siebzigern unter
Mitwirkung von KING TUBBY und LEE "SCATCH" PERRY entstanden sind. Leider
hat man mehr wert auf die Authentizität als auf den Klang gelegt,
so das manche Aufnahme, wie etwa das "Rise & Shine Dub", vielleicht
doch besser in der Mottenkiste verblieben wäre. Aber wer weiß,
manchmal ist es gerade der Hang zum Nostalgischen der ein zum Kauf solcher
Scheiben treibt. (om)
ROSENSTOLZ
Alles Gute
Polydor
Wenn Guildo nicht gewesen wäre, hätten sie mit ihrem »Herzensschönen«
Deutschland in Birmingham vertreten. Doch das Berliner Duo hat nicht nur
zu Herzen gehende Balladen mit Grand-Prix-Tauglichkeit im Gepäck.
Viel öfter bringen sie die Herzensangelegenheiten mit Witz, Erotik,
Nachdenklichkeit und einem eleganten Quentchen Bosheit herüber. Frivolität
mischt sich mit Melancholie, wenn sie die große Chanson-Tradition
Friedrich Holländers in eine zeitgemäße Musiksprache übersetzen.
Die Sammlung von Besten aus 6 Jahren ROSENSTOLZ zeigt, daß ihnen
die pathetisch-mondäne Geste liegt ihnen genauso wie der freche kleine
Fingerzeig. (lj)
DIVERSE
Dead & Gone # 1 - Trauermärsche -Funeral Marches
Trikont
Es gibt einige Bestandteile unseres Daseins, die, werden sie ins Gespräch
gebracht, meistens eine deutlichen Spaltung der Runde in Schwarz und Weiß
heraufbeschwören. So wird es sicherlich auch bei dieser Zusammenstellungen
mit dem Titel DEAD & GONE der Fall sein. Aufgeteilt in zwei Teile
bringt #1 die Trauermärsche aus aller Welt ins heimische HiFi-Trauerzimmer.
Aber keine Angst, die Räumlichkeiten wechseln nicht die Farbe, sondern
stimmen vielmehr in den neuen Trend bunter Särge ein. Hier ist auch
schon mal das eine oder andere Augenzwinkern zu beobachten. Angesichts
so mancher schiefer Töne kann man kaum anders, als manchmal heftig
in sich hineinzugrinsen. Mein absoluter Favoriet: Die Begräbniskapelle
aus Saigon mit dem TRAUER-STURMMARSCH. (om)
DIVERSE
Dead & Gone # 2 - Totenlieder - Songs Of Death
Trikont
Eher als #1 mit den Trauermärschen enthält #2 etliche
Songs die ich schon Heute auf meine Bestsellerliste für meinen Abgang
packen werde. Da ist das unglaubliche "Gush Forth My Tears" der
MIRANDA SEX GARDEN. Ach, und dann dieses "Goodby Mass" von LOU REED, das
wunderbar in der Kapelle klingen muß. Die Popikonen wechseln sich
hier mit den Charismaten der Folkszene ab, wie etwa CONFRATERNITE DELLE
VOCI CASTELSARDO aus Sardinien. Auch hätte ich wohl nie etwas
von der Magie einer BILLIE HOLIDAY erfahren. Ihr Song "Strange Fruit"
ist eine Anklage an die Sklaverei die einem das Blut in den Adern stocken
läßt. Was hat sich geändert, wenn wir anschließend
die GETO BOYS "I Just Wanna Die" singen hören? Gänsehaut
ist in #2 garantiert. (om)
GANDALF
Barakaya - Trees Water Life
SATTVA MUSIC
GANDALFs aktuelle CD »Barakaya«, was soviel heißt wie
"Segen, Glück, Geschenk", ist das vierte Projekt unter dem Dach des
erfolgreichen deutschen Plattenlabels SATTVA MUSIC. Gandalf hat sich ein
wenig vom Einerlei seiner bisherigen Produktionen gelöst. Dennoch
muß man schon ein Freund von New Age-Sound sein, um sich mit der
dahinplätschernden Musik anfreunden zu können. Ähnlich
wie bei Peter Gabriels REAL WORLD-Label hat man auch hier das Gefühl
des Meisters Hand, in diesem Fall die von Oliver Serano Alve, zu spüren.
Der sich daraus ergebende Bonus ist sicherlich die professionelle Produktionsweise,
sowohl technisch, musikalisch wie auch optisch. Von Nachteil ist der leichte
Gleichklang, der die SATTVA MUSIC-Produktionen manchmal zu begleiten scheint.
(om)
DIVERSE
Buena Vista Social Club
World Circuit
Kubas Land und Leute sind ohne Frage ein absolutes Faszinosum. Dieser
Meinung ist mittlerweile auch Ry Cooder, der Tausendsassa unter den Gitarristen.
Ihn hat es nach Kuba verschlagen, von wo aus er für eine umwerfende
CD-Serie der Firma WORLD CIRCUIT verantwortlich zeichnet. Kaum erschienen,
sind die einzelnen Platten schon Klassiker. Ein Edelstein daraus ist »Buena
Vista Social Club«, ein Zusammentreffen der Besten. Hier kommt keine
Langeweile auf, wenn die zum Teil gut achzigjährigen sich in den
traditionellen Guajira, Son oder den in Takt gehaltenen
Bolero hineinbegeben. Eine kubanische Soulscheibe? Ry Cooder beweist auch
hier wieder seine chameleonartigen Fähigkeiten als Gastmusiker. Ry
Cooder: "In Cuba the music flows like a river." (om)
AFRO-CUBAN ALL STARS
A Toda Cuba le Gusta
World Circuit
Bei »A toda Cuba le Gusta« handelt es sich um ein weiteres
Projekt, eingefangen von Ry Cooder, das hierzulande schon beste Noten
bekam. Die AFRO-CUBAN ALL STARS, obgleich in der Besetzung sehr stark
dem Vorläufer BUENA VISTA SOCIAL CLUB ähnelnd, klingen hier
doch um einiges anders. Zum einen sind hier einige Klassiker zu finden,
die schon in den sechziger Jahren nach Europa herüberschwappten.
Andererseits ist die Besetzung um kräftige Bläser ergänzt,
so das jetzt kraftvoller Mambo, Rumba oder eigene Mixturen wie Nuevo Mozambique
nicht nur das Ohr erfreuen. Wer schon ein Faible für afrikanisch
geprägte Musik besitzt, vom Reggae bis zum Blues, der wird es sicherlich
in Wallung kommen. Eine beeindruckend tönende Leichtigkeit! (om)
VALDINHO LANGER
Variety
Shamrock Rec.
Es ist wie so oft in dieser Welt: Jene die sich mit schönen Titeln
schmücken taugen nichts, und die wahren Künstler verschwinden
hinter ihrer Bescheidenheit. Gott sei dank kommen letztere auch ab und
zu zum Zug, wie im vorliegenden Fall VALDINHO LANGER. Auf seinem Longplayer
»variety« bietet er uns einen genußvollen, ja
was überhaupt? Es ist viel Jazz, etwas Folk und Worldbeat. Aber alles
fließt so natürlich, das ich mich nicht getraue dem Ganzen
ein Stauwerk zu setzen. Vieles ist einem so bekannt, etwa "Hasta Siempre"
auf Che, und doch ist es neu. Außerdem ist es eigentlich ein Projekt
vieler Virtuosen, deren Namen aber nicht im Rampenlicht stehen.
J-E. Berendt: "Es gibt Weltmusik und Weltmusik." Einmalig! (om)
DIVERSE
The Story of CMP - Breaking the barriers of jazz/worldmusic/rock
CMP
Ein Blick in Richtung Jazz läßt doch einiges Erstaunen aufkommen,
haben doch einige namhafte Schallplattenfirmen dieser Stilrichtung ihren
Ursprung in Deutschland. Bekanntestes Beispiel ist sicherlich BLUE NOTES
Records. Kurt Renker aus Düren hat sich wohl auch davon anspornen
lassen, und 77 CMP (Creative Music Produktions) gegründet. Nach nun
20 Jahren der Existenz kann sich CMP mehr denn je mit den Großen
der Szene zeigen. Wer einen Beleg dafür sucht, oder einfach nur einen
Einstieg, der kann sich jetzt an einem sechs CD`s umfassenden Jubiläumspaket
erfreuen. Je zwei CD`s widmen sich dem Jazz, der Worldmusic und dem Rock.
Hier findet man so Namen wie EDDIE GOMEZ, D. LIEBMAN, GLEN VELEZ, TRILOK
GURTU, DAVID TORN oder JACK BRUCE. (om)
SCOTT GROOVES
Pieces of a dream
Soma Records
House-Music aus Detroit bürgt für Qualität. Auch Patrick
Scott, der Mann hinter dem SCOTT GROOVES weiß um diesen Anspruch
und hat ein angenehmes, pulsierendes Album geschaffen. Treibende Beats
verziert mit eingängigen Melodien, für die sich der Detroiter
Produzent bei verschiedenen Musikstilen bedient hat: Jazz, Funk, Soul,
Latino. Dem ersten Track hat Roy Ayers seinen Stempel aufgedruckt. »Expansions«
lebt von dessen Gesang und Vibraphonskünsten. Fließende Saxophonlines
bestimmen das nachfolgende »The Sax Speaks«, bevor sich dann
der Urvater des P-Funk George Clinton bei »The Mothership Reconection«
die Ehre gibt. Back to the roots präsentiert sich »A New Day«.
DIe Old skool Nummer gehört wie »Feel so Good« zu den
Highlights der Scheibe. Letztgenanntes hat alles, was man von einem House-Stück
erwartet: spährische Klänge, sexy Stimmen und ein Beat, der
nicht nur zum Tanzen animiert. 100% pure House-Musik! (nn)
H-BOMB
Narcissism
Intercord
Westcoast-Rap von einem Kanadier. H-BOMB will - hiphop-typisch - in seinen
Songs das harte Leben auf der Straße beschreiben. Das tut er auch,
leider nur in seinen Texten. Wer dem Sound lauscht, glaubt eher, der Künstler
sei in einem behüteten Elternhaus aufgewachsen, wo ihm garantiert
kein Haar gekrümmt wurde. BOOTSY COLLINS, ICE-T und COOLIO standen
dem Kanadier bei den Aufnahmen des Albums bei, doch von dessen musikalischer
Genialität ist nicht viel übrig geblieben. Dem Album fehlt eindeutig
die Spritzigkeit. H-BOMB läßt es zwar gehörig grooven,
doch was am Anfang noch angenehm erscheint, wirkt schnell eintönig
und langweilig. Wer seinen Partner verführen will oder Musik zum
Einschlafen benötigt, liegt bei »Narcissism« vollkommen
richtig, alle anderen sollten die Scheibe lieber im Regal stehen lassen.
Nervtötend! (nn)
DIVERSE
Dead & Gone 1/2
Trikont
Auf der ersten CD gibt es Trauermärsche, auf der zweiten Totenlieder
aus aller Welt. Bei den Märschen kann man angesichts mancher schiefer
Töne kaum anders, als manchmal heftig in sich hineinzugrinsen. Mein
absoluter Favorit: Die Begräbniskapelle aus Saigon mit dem TRAUER-STURMMARSCH.
Bei den Totenliedern gibt es Songs, die ich schon Heute auf meine Bestsellerliste
für meinen Abgang packen werde. Da ist das unglaubliche »Gush
Forth My Tears« der MIRANDA SEX GARDEN. Ach, und dann dieses
»Goodby Mass« von Lou Reed, das wunderbar in der Kapelle
klingen muß. Die Pop-Ikonen wechseln sich hier mit den Charismaten
der Folkszene ab, wie etwa CONFRATERNITE DELLE VOCI CASTELSARDO
aus Sardinien. Auch hätte ich wohl nie etwas von der Magie der Jazz-Diva
Billie Holiday erfahren. Ihr Song »Strange Fruit« ist eine
Anklage an die Sklaverei, die einem das Blut in den Adern stocken läßt.
Was hat sich geändert, wenn wir anschließend die GETO BOYS
»I Just Wanna Die« singen hören? Gänsehaut
ist in #2 garantiert! (om)
CLIFF MORRISON
Know Peaking
Point Music
Das kommt schon einer kleinen Sensation gleich: Plötzlich und unerwartet
taucht ein Sohn des legendären Doors-Sängers Jim Morrison auf.
Laut Plattenfirma wurde Cliff erst mit 20 Jahren offeriert, wer sein Vater
ist. Ein baldiges Treffen mit den Doors-Helden Ray Manzarek und Robbie
Krieger brachte Cliff auf die Idee, es selbst mit dem Singen zu versuchen.
Es folgten mehrere Sessions, nun ist das erste Album da, an dem Ray und
Robbie auch kompositorisch beteiligt sind. Die Story machte im amerikanischen
Blätterwald und in Talkshows verständlicherweise die Runde.
Doch das Ergebnis kann sich hören lassen: Die Lizard Sun Band, mit
Robbie Kriegers Sohn Waylon an der Gitarre, bewegt sich im Sound eins
zu eins im Vergleich zu den Vätern. Besonders Cliffs Gesang verblüfft
mit seinen Jim-Morrison-typischen Gesangslinien. Sollte man als Doors-Fan
auf jeden Fall reinhören! (hs/lj)
DIVERSE
One Step Up/Two Steps Back: The Songs Of Bruce Springsteen
The Right Stuff/Capitol
Hommage oder Tribute-Alben von großen Künstlern werden meist
mit viel Wirbel beworben. So ab und an schleicht sich aber ein solches
Projekt fast spurlos an uns vorbei. So auch diese Doppel-CD. Zwar bereits
Ende letzten Jahres erschienen, aber immer noch erwähnenswert. Auf
CD 1, »One Step Up« betitelt, finden sich Künstler wie
The Smithereens, John Hiatt oder Ben E. King, die für dieses Projekt
eigens einen Springsteen Song aufgenommen haben. Fantastisch: Der langjährige
E-Street Band Begleiter Nils Lofgren mit »Wreck On The Highway«.
Auf CD 2 Songs die bereits auf regulären LPs der jeweiligen
Musiker erschienen sind. Neben eher schwachen Interpretationen von Donna
Summer oder Joe Cocker überzeugen besonders David Bowie, Southside
Johnny & Asbury Jukes. Nicht zu vergessen Richie Havens mit seiner
Version von »Streets Of Philadelphia«! (hs)
FISCHMOB
Power
Intercord
Ihr Untergrund-Kult-Status scheint mit dieser Platte wohl endgültig
vorbei sein. Es müßte schon mit dem Teufel zugehen, stiegen
die Hamburger mit diesem Album nicht in die vordersten Region der Hip
Hop Liga. Gleich nach dem Opener »Bonjour« (ein lässiger
Erzählstil, bekannt aus der Magnum-Serie), formieren sich die Fischmob
Allstars, u.a. mit Hausmarke und SMUDO von den Fantas, um schon ein erstes
Sahnestücken des Albums hinzulegen: »Susanne zur Freiheit«
wird sicherlich zum Hit. Daß Fischmob immer noch ihren eigenwilligen
Humor an Bord haben, erfreut besonders. Den Synchronsprecher von Magnum
zumindest scheinen sie unter Exklusivvertrag zu haben. Abwechslung im
musikalischen Sinne steht ebenfalls auf der Tagesordnung: Rap, Hip Hop,
Dance, Drum'n'Bass, Funk, Soul und sogar Alternativrock wie »David«
gemixt von Dinosaur Jr.'s J. Mascis. Rein in die Läden! (hs)
MENTAL GUSH
Great Balls (ZYX Music)
Das passiert, wenn man eine Bulgarin auf die westliche Welt losläßt:
am Rhein schon eine Live-Größe präsentiert Nadya ihr Debut-Album
"Great Balls". Insidern noch mit ihrer Technoversion von JOHN LYDONs "This
is not a love song" im Ohr, geht sie in Richtung heavy und electronic
Beats weiter. Eine Mischung aus Techno und Rock ist ihr Sound, inspiriert
von irgendwas zwischen PRODIGY und NIRVANA. Trotzdem sind die eher ruhigen
Nummern "Mind" und "Bye Bye" vielleicht die stärksten beiden Titel
auf dem Album, denn hier harmonisieren Gesang und Komposition einfach
am besten. Zu dünn klingt bei den harten Songs doch ihr Stimmchen,
und wenn man sich anschickt, wie ein Mischklon aus BJÖRK und NINA
HAGEN auszusehen, dann muß man schon riesigen Ansprüchen genügen,
für die Nadya wohl noch nicht ganz reif ist. Aber sie steht ja auch
erst am Anfang ihrer Karriere, die richtigen Anlagen hat sie jedenfalls..
UND PROJEKT
Traffic lights turned blue that night (UND Tonträgerproduktion)
Ein Booklet-Text von Elias Canetti? Querflöte, Ocean Drum und E-Bow
im line-up? Live-Improvisation? Was einen da wohl erwartet, fragt man
sich, und - man kann es nicht anders sagen - es bläst einen um. Was
als Experiment begann, liegt nun in Form eines Silberlings vor: vier junge
Musiker schließen sich eine Nacht lang mit ihren Instrumenten in
einer Kirche (in Altwildungen) ein und spielen drauf los. Ein Tontechniker
fängt die Improvisationen ein und mischt sie ab. So einfach kann
es sein, eine CD von überwältigender Schönheit zu produzieren.
Sphärisch, geheimnisvoll und meditativ gibt sich das UND PROJEKT,
ohne jemals Klangtiefe und intelligentes Zusammenspiel zu verlieren. Genau
richtig für eine Frühlingsnacht mit Kerzen und leichtem Rotwein,
frei nach JIMI HENDRIX: the traffic lights, they`ll turn blue tomorrow...
SUPER FURRY ANIMALS
Radiator (Creation Rec. Ltd.)
Ein Stückchen Alternative Rock aus England ist das neue Album der
von der Presse hochgefeierten Band SUPER FURRY ANIMALS. Endlich was Britisches,
das nicht nach OASIS oder BLUR klingt, möchte man meinen. Angefangen
hatte die Band mit Techno-Jams, die sie auf irgendwelchen Raves zum Besten
gab, und so ganz haben sie sich noch nicht von elektronischem Schnickschnack
lösen können. Aber daß ihre Musik geradezu balladeske
Züge tragen kann, so als ob die SMASHIN' PUMPKINS den "Soft Brit
Pop" entdeckt hätten (zu hören bei "Demons" oder "She's got
spies"), das ist neu. Richtig krachen, und zwar mit schönstem Oxford-Englisch,
lassen sie's erst ab Track 7 aufwärts. Das klingt gewöhnlich
bei "Hermann 's Pauline", eher bieder bei "Play it cool"
und althergebracht bei "Torra fy ngwallt yn hir", was wohl walisisch ist.
Denkt man an frühere Singles wie "Something 4 the weekend" oder "If
You don't want me to destroy You", dann bleibt für das Album "Radiator"
nur eins zurück: Enttäuschung über einen musikalischen
Rückschritt. Schade eigentlich.
BAMBOLEO
Yo no me parezco a nadie (Ahí Namá Music)
Cuba libre - zu deutsch: wehe, wenn sie losgelassen. Salsa war zusammen
mit Rum und Zigarren schon immer Fidels Exportartikel Nummer eins. Und
die Formation, die zuletzt alles an Musikpreisen eingeheimst hat, was
es im mittelamerikanischen und karibischen Raum so zu gewinnen gibt, ist
BAMBOLEO. Schon der Titel beseitigt alle Zweifel: "Ich gleiche niemandem".
Unvergleichlich gut und original sind denn auch ihre Rhythmen, ihr lässig
gesungenes kubanisch, ihre Arrangements mit Bläsersatz, Percussion
im Überfluß und das unverzichtbare, vorwärtstreibende
Piano. Teilweise vom Merengue angehaucht ist auf diesem Album von Ballade
("Mirando al cielo") bis Ur-Salsa alles dabei, wobei der Titelsong und
"Pelicula vieja" vielleicht die stärksten beiden Nummern sind. Wer
auf Latino-Ryhthmen und karibisches Lebensgefühl steht, darf hier
beruhigt zugreifen.
BAD RELIGION
No Substance
Dragnet
Von wegen keine Substanz! Bereits 18 Jahre im Geschäft, melden sich
BAD RELIGION mit einem neuen Album zur Tour zurück. Oft hat man den
Eindruck, bei dieser Band nichts neues mehr zu entdecken und trotzdem
schaffen sie es immer wieder für kleine Überrachungen zu sorgen.
Der klassische Melodic-Punkrock mit den anspruchsvollen Texten, der zu
ihrem Markenzeichen wurde, ist natürlich geblieben. Diesmal aber
gibt es sogar einen Spoken Word-Song, sowie das bekannte Duett "Raise
your voice" mit Campino, dem Sänger der TOTEN HOSEN. Auffällig
bei der größtenteils im New Yorker Studio von Sänger Greg
Graffin aufgenommenen CD, sind vor allem die vielen Mid-Tempo Songs, die
das Album sehr abwechslungsreich und bunt machen. Somit kann man
auch diesmal wieder sagen: Alles bloß nicht langweilig! (stb)
BAD RELIGION
No Substance
Dragnet
Von wegen keine Substanz! Bereits 18 Jahre im Geschäft, melden sich
BAD RELIGION mit einem neuen Album zur Tour zurück. Oft hat man den
Eindruck, bei dieser Band nichts Neues mehr zu entdecken. Und trotzdem
schaffen sie es immer wieder, für kleine Überraschungen zu sorgen.
Der klassische Melodic-Punkrock mit den anspruchsvollen Texten, der zu
ihrem Markenzeichen wurde, ist natürlich geblieben. Diesmal aber
gibt es sogar einen Spoken-Word-Song, sowie das bekannte Duett »Raise
Your Voice« mit Campino, dem Sänger der TOTEN HOSEN. Auffällig
bei der größtenteils im New Yorker Studio von Sänger Greg
Graffin aufgenommenen CD, sind vor allem die vielen Mid-Tempo Songs, die
das Album sehr abwechslungsreich und bunt machen. Somit kann man
auch diesmal wieder sagen: Alles bloß nicht langweilig! (stb)
DIVERSE
Jackie Brown
Warner
Quentin Tarantino's neuer Film Jackie Brown ist vor allem eins: cool!
Dementsprechend präsentiert sich auch der dazugehörige Soundtrack.
Die cineastische Hommage an den schwarzen Film der 70er Jahre spiegelt
sich auch in den Songs wieder, die der Regisseur persönlich auswählte.
Wer wäre auch sonst auf die Idee gekommen, Bobby Womacks »Across
110th Street« oder »Didn't I blow your mind this time«
von THE DELFONICS uns als cool zu verkaufen. Aber verdammt, sie sind es!
Aufgemischt wird das Soul- und Blueskonglomerat von FOXY BROWN'S HipHop-Stück
und einer alten Country-Nummer. Jawohl, der gute alte Johnny Cash ist
auch dabei. Warum, das kann uns Tarantino wohl nur alleine beantworten.
Doch dessen Gedankengänge sind unergründlich. Aber würde
er sonst solche brillanten Filme mit so genialen Soundtracks abliefern?
Wohl kaum! (nn)
LADY GODIVA
Tales Of Kings And Boozers
Slainte Rec.
Irischer Folk in rockigen oder punkigen Arrangements - das ist eine Musik,
die live ekstatische Feiern garantiert. Bands wie PADDY GOES TO HOLYHEAD
und FIDDLER'S GREEN bauen darauf ihren großen Erfolg auf. LADY GODIVA
aus Arnsberg, auch für den Ww-Sampler »Heimatklänge 2«
ausgewählt, liegen ziemlich genau auf dem Schnittpunkt dieser beiden.
Sie haben sich aber noch mehr rauhe Ursprünglichkeit bewahrt. Es
gibt zu Herzen gehende Balladen, pub-taugliche Mitgrölnummern, spritzige
Gute-Laune-Songs - mit Fiddle, Flöten, Mandolinen, Quetschkommoden
und treibendem Rhythmen. Das macht auch auf Platte Spaß. Zumal das
ganze nicht im mindesten produziert wirkt, sondern so spontan, als würde
die Band im Nebenzimmer spontan zur Session zusammenfinden. Höhepunkt:
Eine unsentimentale Version von »Me And Bobby McGee«, die
dem Kristofferson/Joplin-Klassiker völlig neue Seiten abgewinnt.
(lj)
> Lady Godiva: »Tales Of Kings & Boozers«
VOCAL SAMPLING
Live In Berlin
EFA
Who The Fuck Are The Flying Picketts? VOCAL SAMPLING aus Kuba machen den
Briten vor, welche Möglichkeiten tatsächlich im A-cappella-Gesang
stecken. Die Grundlage ihrer Musik sind lateinamerikanische Rhythmen von
Guaracha über Rumba bis Salsa, über denen schmachtende und lebenslustige
Melodien liegen. Man glaubt, ganze Batterien von Percussion-Instrumenten
zu hören, wo doch in Wirklichkeit nur Stimme und Hände zum Einsatz
kommen. Unglaublich verschachtelte Rhythmen werden mit spielerischer Leichtigkeit
ins Mikrophon gezaubert. Dazwischen simulieren die 6 Kubaner jazzige Bläser
oder abgedrehte Effekte simuliert, um kurz darauf bei Beach-Boys-Gesülze
oder erhabenen Chorsätzen von geradezu klassischer Brillanz zu landen.
Dieses Live-Album macht Appetit auf ein Konzert: Am 5.7. sind sie beim
Marburger »Festival der Stimmen« im Schloßpark, am 10.7.
im Kasseler Kulturzelt an der Drahtbrücke. (lj)
> CD 01 Vocal Sampling »Live In Berlin«
RACHMANINOV
Werke
Nimbus
Eigentlich ist die Idee ja zu begrüßen, Rachmaninovs Klavierkonzerte,
Sinfonien und Orchesterwerke mit den beiden Versionen der 2. Sonate zu
koppeln und in einem 6-CD-Album herauszubringen. Die Leistung von Pianist
John Lill lohnt das Unternehmen, ebenso die des BBC-Orchesters aus Wales
unter Tadaaki Otaka, obschon der Orchesterklang reichlich hallgesättigt
ertänt. Ärgerlich ist nur die Aufmachung. Was soll die russische
Schreibweise? Sie führt nur zur Verwirrung. Völlig verwirrt
ist man schließlich, wenn man ein ausgesuchtes Stück hören
will. Die 6 CDs sind in zwei völlig identischen Dreier-Boxen untergebracht.
Soll man raten, wo die gesuchte CD steckt? Das sollte man schnell ändern,
um den Wert dieser ansonsten verdienstvollen Edition nicht zu schmälern.
(gum)
ALEX MARTIN ENSEMBLE
Join the Band
(Different Recording)
Drum'n'Bass ist oft, ohne Frage, eine ziemlich anstrengende Sache. Die
zum Teil sehr gewagten Kompositionen stellen in erster Linie den Beat
in den Vordergrund und konzentrieren sich damit auf den Rhythmusablauf
- da geht nicht nur dem verwöhnten Hörer beim Tanzen die Puste
aus. Abhilfe schafft die Scheibe des ALEX MARTIN ENSEMBLE. Ungewöhnlich
melodiös und geschwungen für Drum'n'Bass klingt die Produktion
aus dem Haus des katalanischen DJs. Ohne auf den typischen Breakbeat-Rhythmus
zu verzichtet, greift er auf Jazz- und Latin-Klänge zurück und
liefert eine eindrucksvolle Platte ab, die beim Hören eine angenehme
Atmosphäre verbreitet. Vielleicht ist der teilweise Verzicht auf
Computersample und der Einsatz von lebendigen Musikern an diesem Effekt
Schuld? Für die Electro-Szene eigentlich schon unverschämt.
(nn)
JOHN BONGIOVI
The Power Station Years
Point Music
Nein, da liegt kein Schreibfehler vor. Ja, es ist der an den ihr denkt.
Neues Soloalbum? Ja und Nein. Na gut, bringen wir ein bißchen Ordnung
rein: Es handelt sich um den Frontman einer der erfolgreichsten Rockbands
dieser Zeit namens Bon Jovi. Heute ist der Sänger eher bekannt unter
der Schreibweise Jon Bon Jovi. Jon jobbte früher in Tony Bongiovis
Tonstudio und nahm dort fleißig Probeaufnahmen auf, bis er schließlich
mit »Runaway« entdeckt und letztendlich weltberühmt wurde.
Hier versammeln sich diese musikalischen Gehversuchen des heutigen Superstars.
Schon bei diesen frühen Songs, eher im Bereich des 80er Mainstreamsrocks
einzuordnen, zeichnet sich bereits das Potential des Sängers und
Gitarristen ab. Die Ballade »Stringin' A Line« könnte
man getrost auf heutigen Bon Jovi Platten unterbringen. Weiterhin erschienen:
die Fortsetzung »More Music From The Power Station Years«,
die aber eher Füllmaterial enthält. Für Fans. (hs)
SIGGI & RANER
Eins, Zwei, Viertel Vor Drei
Frühstyxradio
Wer hat eigentlich irgendwann mal erzählt in Hannover würde
das reinste Hochdeutsch gesprochen? Das Kult-Comedy Duo Siggi & Raner
vom Frühstyxradio FFN beweisen bestens das Gegenteil. Die beiden
liebenswerten Caoten, bewaffnet mit Jogginganzug und Büchsenbier,
haben so ziemlich jeden Blödsinn im Kopf der einem einfallen kann.
Flogen sie in der letzten Geschichte noch flux nach Amerika, haben sich
Siggi & Raner diesmal die Reunion ihrer alten Band »The German
Blue Heartbeats« in den Kopf gesetzt. Im Verlauf ihres aufregenden
Tages wird ergründet warum man vom Leben gestraft ist, wenn man Lutz
heißt, von den großen Hits der Scorpions geträumt (Klaus
Meine gibts sich übrigens höchstpersönlich die Ehre) und
natürlich kräftig gebechert. Als Zwischensprecher fungiert übrigens
Oliver Kalkofe. Köstlich! (hs)
HEATHER NOVA
Siren
Rough Trade
Zwei Jahre mit über 300 Konzerten war Heather Nova mit ihrem letzten
Album »Oyster«, welches sich mittlerweile über 700.000
Mal verkaufte, unterwegs. Klug von ihr nicht direkt wieder ins Studio
zu rennen. Einsam verschanzte sich die zierlich wirkende Person mit der
Engelsstimme auf den Bermudas um ganz in Ruhe in einer kleinen Hütte,
bei tobenden Winterstürmen diese prachtvollen Songs zu schreiben,
die nun das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Gitarrenlastige Midtempo-Stücke
(etwas rauher wie auf dem Vorgänger) und träumerische Balladen
beglücken uns, von der wohl hübschesten Frau des ganzen Musikbuisness.
Ausgeruht, selbstbewußt und voller Eleganz kommt »Siren«
auf den Zuhörer zu. Es ist einfach toll, wieviel Gefühlstiefe
diese Frau in ihre Songs legt. (hs)
PLASTIKMAN
Consumed
PIAS
Gerne erinnert man sich an "Panikattack" oder die vielgerühmten DEPECHE
MODE-Remixe des elektronischen Minimalisten PLASTIKMAN. Richie Hawtin
- so der bürgerliche Name - legt mit "Consumed" ein Album hin, in
welchem er mit einfachsten Mitteln aus düsteren Loops einen eigenwilligen
Ambient-Sound herausschält, der einmal mehr die Note "sehr gut" verdient.
Schon früh wurde Hawtin mit der Musik von KRAFTWERK und TANGERINE
DREAM an elektronische Pfade herangeführt. Mittlerweile hat er diese
verlassen und schlägt sich seine eigenen Wege durch den Synthesizer-Dschungel
- bisher als einziger Vertreter seiner Gattung. Viel Tiefe, viel Wärme,
eine Schnittmenge aus lakonischem Rauschen und musikgewordener Philosophie.
Reinhören in die Nr. 10 - einfach klasse!
DIVERSE
Mindcontrol 2 - mixed by Mijk van Dijk
Push Communications/Urban Tracks
Mind Control 2 präsentiert in erster Linie den Sound des jeweiligen
DJs und sorgt somit für ein gesundes Maß an Authenzität.
SPEEDY J's Meisterwerk "Evolution" fehlt ebensowenig wie "The savage &
beyond" von Kevin Saundersons legendärem TRONIKHOUSE Projekt. Zum
ersten Mal auf CD erhältlich: JEFF MILLS Clubsmasher "Cubango" (PURPOSEMAKER)
und "Descent" (TECHNASIA), erschienen auf einem Techno-Label aus Hong
Kong. Mijk van Dijk hat sich zudem die Arbeit gemacht, einige der alten
Bänder elektronisch aufzumöbeln. "Knock Knock" von DJ FUNK hat
z.B. einen Tronik House Loop untergejubelt bekommen, und in einem Live
Jam zeigt Mijk van Dijk, wie es sich anhört, wenn Drum-Computer und
Loop-Sampler direkt in den Mix integriert werden - die Musik der Zukunft?
ANNIE BUDDY
Somebody somewhere sometimes
(kein Label)
Anybody, das ist sie schon längst nicht mehr. Beinamen wie "die fränkische
TORI AMOS" hat man der aus Erlangen stammenden Annie schon verpaßt,
und wer ihre Musik hört, dem wird schnell klar, warum. Ob mit Klavier
oder Gitarre, ihre Songs sind wie ein Stein im See der Seele, der langsam
Wellen schlägt. Mit ihrer Stimme, mal leidenschaftlich laut, mal
zart gehaucht, bricht Annie in die Herzen der verhärmtesten Liebesenttäuschten
ein und läßt sie für eine Stündchen glücklich
lächeln. Der "Wrong Song", "Broken letter" und "I wanna kick You
out of my head" stehen stellvertretend für ihre gefühlvollen
Kompositionen, zu deren Texten sie stets ihr eigenes Leben inspiriert.
Kein Kitsch, sondern hochauthentisches Songmaterial einer Künstlerin,
die selbst EDDIE BRICKELL, HEATHER NOVA und - vor allem - TORI AMOS verehrt.
IFA WARTBURG
Im Dienste des Sozialismus
Plattenmeister
Einszweidrei, die beste Partei, ABC, die beste Armee - Erich Honecker
wird vor Begeisterung im Grabe rotieren, wenn er die lockerflockigen Gesänge
des schwedischen Duos IFA WARTBURG hört. Es mußten wohl zwei
Schweden kommen, um den fröhlichen Ernst der spießigen 60er-Jahre-DDR
zu leicht skurrilem Easy-Listening-Pop zu verarbeiten, ohne daß
das Ganze in sehnsüchtige Ostalgie oder plumpen Anti-Kommunismus
endet. Man merkt den gesunden Abstand, aber auch das grenzenlose Erstaunen,
mit dem die beiden Stockholmer den typisch-deutschen Mief beobachten.
In dem ganzen herrscht ein fast schon britischer Humor vor, der an die
frühen 10 cc erinnert. Fast genauso versiert bedienen sich die beiden
der unterschiedlichsten Spielarten der und Unterhaltungsmusik, um mit
Liebe zum Detail ihr deutsches Sittengemälde zu zeichnen. (lj)
JUD
Chasing California
Nois-O-Lution/EFA
Wer sich dem düsteren Sog des Debüt-Album »Something Better«
schon nicht entziehen konnte, wird bei »Chasing California«
noch tiefer in bittersüße Melancholie und genußvolle
Depression hineingezogen. Mit dieser Mischung aus Alternative, Crossover,
Gothic und Psychedelic leistet die amerikanische Band etwas, woran schon
viele Vorgänger gescheitert sind: die abgrundtiefe Verzweiflung uns
Sinnsuche an der Schwelle zum Erwachsenwerden in Musik zu fassen. Der
dichte, stets angezerrte Sound vermeidet auch in den ruhigeren Passagen
alles, was sauber, lieblich und kalkuliert klingen könnte. Man orientiert
sich deutlich an den fetten 70er-Jahre-Produktionen der Prog-Rock-Giganten
vor der High-Tech-Phase der Studiotechnik. Aber JUD meiden hohle Virtuositäten
und verspielte Klangtrips: Bei ihnen ist alles voll heiligem Ernst, dem
man nur dem leidenden jungen Rebellen verzeiht. (lj)
IFA WARTBURG
Im Dienste des Sozialismus
Plattenmeister
Einszweidrei, die beste Partei, ABC, die beste Armee - Erich Honecker
wird vor Begeisterung im Grabe rotieren, wenn er die lockerflockigen Gesänge
des schwedischen Duos IFA WARTBURG hört. Es mußten wohl zwei
Schweden kommen, um den fröhlichen Ernst der spießigen 60er-Jahre-DDR
zu leicht skurrilem Easy-Listening-Pop zu verarbeiten, ohne daß
das Ganze in sehnsüchtige Ostalgie oder plumpen Anti-Kommunismus
endet. Man merkt den gesunden Abstand, aber auch das grenzenlose Erstaunen,
mit dem die beiden Stockholmer den typisch-deutschen Mief beobachten.
In dem ganzen herrscht ein fast schon britischer Humor vor, der an die
frühen 10 cc erinnert. Fast genauso versiert bedienen sich die beiden
der unterschiedlichsten Spielarten der und Unterhaltungsmusik, um mit
Liebe zum Detail ihr deutsches Sittengemälde zu zeichnen. (lj)
JUD
Chasing California
Nois-O-Lution/EFA
Wer sich dem düsteren Sog des Debüt-Album »Something Better«
schon nicht entziehen konnte, wird bei »Chasing California«
noch tiefer in bittersüße Melancholie und genußvolle
Depression hineingezogen. Mit dieser Mischung aus Alternative, Crossover,
Gothic und Psychedelic leistet die amerikanische Band etwas, woran schon
viele Vorgänger gescheitert sind: die abgrundtiefe Verzweiflung uns
Sinnsuche an der Schwelle zum Erwachsenwerden in Musik zu fassen. Der
dichte, stets angezerrte Sound vermeidet auch in den ruhigeren Passagen
alles, was sauber, lieblich und kalkuliert klingen könnte. Man orientiert
sich deutlich an den fetten 70er-Jahre-Produktionen der Prog-Rock-Giganten
vor der High-Tech-Phase der Studiotechnik. Aber JUD meiden hohle Virtuositäten
und verspielte Klangtrips: Bei ihnen ist alles voll heiligem Ernst, dem
man nur dem leidenden jungen Rebellen verzeiht. (lj)
TOCOTRONIC
Live in Roskilde (limitierte Edition)
tugtronisch
Irgendwann hatte ich mal weniger Sorgen, zum Beispiel letztes Jahr im
Sommer... Eben zu dieser Zeit, am 28. Juni 1997, spielten Tocotronic beim
Roskilde Festival in Dänemark einen denkwürdigen Gig. Dieser
ist nun als autorisiertes Bootleg in einer streng limitierten Auflage
von 2.222 Stück bei einem obskuren Kleinstlabel erschienen. Die Jäger
und Sammler unter den Indie-Hörern werden sich hieran ebensowenig
stören, wie an dem Umstand, daß das gute Stück nur über
Mailorder (Tel. & Fax 09101-5530) zu beziehen ist. Auch das liebloseste
und häßlichste Cover der Musikgeschichte wird den gemeinen
Tocotronic-Fan nicht davon abhalten, hören zu wollen, wie die Band
ihre Ansagen auf dänisch und englisch radebricht, während das
anwesende Publikum unüberhörbar ein mehrheitlich deutschsprachiges
ist... Dänen werden wohl kaum so subversiv sein und "St. Pauli, St.
Pauli...!"-Rufe skandieren, wie hier lautstark bei "Barenfeld" geschehen.
Der Rest: Es ist einfach Rockmusik - und die klingt verdammt gut! (ks)
DIVERSE
Wir sind Kinder der Revolte Vol.1
Think Progressive/Efa
Mehrere zehntausend Musikbegeisterte bevölkern jedes Jahr die Burg
Herzberg zwischen Bad Hersfeld und Alsfeld, um dort in der grünen
Natur das mittlerweile größte Hippie-Festival Europas »Burg
Herzberg Open Air« zu feiern. Jetzt endlich erscheint ein erster
Live-Mitschnitt mit Material aus den Jahren 96 und 97, sicherlich auch
um die immensen Gerichtskosten des vorangegangen Hickhacks um das Festivalgelände
zu begleichen. Sieben Bands, die in den vergangenen Jahren zu den Highlights
zählten, geben sich die Ehre: GONG, GURU GURU, HAWKWIND, FAUST, EMBRYO,
Chris Karrer und MAN. Keine Panik - trotz nur sieben Bands kommen doch
über 71 Minuten zusammen. Der 'kürzeste' Song liegt bei sechseinhalb
Minuten, GONGs hervorragender Beitrag protzt mit knapp 19 Minuten. Auch
Karrer und MAN sind bestechend. Man darf sich schon auf Vol. 2 freuen.
(hs)
WITTE XP
Wie Du
fkk
Der Hamburger Witte ist so etwas wie eine Ikone des deutschen Punkrocks.
Er spielte früher in der Band MOLOTOW SODA und sorgte zuletzt für
Aufsehen, als die ÄRZTE seinen Song »25 Stunden« coverten.
Jenes Kleinod befindet sich dann auch auf diesem Tonträger und wie
könnte es anders sein, beim Titeisong singen die Popstars sogar mit.
Ein weiters Stück ist »Gemein«, daß er vor Jahren
für die Jungs von WIZO geschrieben hatte. Der Hit ist allerdings
gleich der Opener »Nur einen Sommer«: Wenn Liebeslieder immer
so klingen würden, wären alle Punks diese Erde mit dem Träumen
von ihren Angebeteten beschäftigt, und die Chaostagen würden
zu einem bunten Blumenreigen motieren. Erwähnenswert außerdem
die REGIERUNG-Coverversion »Loswerden« und die deutsche Version
»Gott schütze Kohl« des SEX PISTOL-Hits »God Save
The Queen«. Gefällt. (stb)
SOCIAL DISTORTION
Live at the Roxy
BMG
Das mußte ja passieren. Obermotzer Mike Ness, seines Zeichens Boss
von Social Distortion zieht eine Schaffensbilanz. Aufgenommen im Roxy
in Hollywood an drei aufeinander folgenden Tagen im April dieses Jahres
bietet diese Compilation einen guten Überblick über das Material
der amerikanischen Punkrockband. Neben den Highlights "Cold Feelings"
und "Don't drag me down" von den letzten Alben, findet man hier auch die
beliebten Coverversionen des STONES-Klassikers "Under my thumb" und Johnny
Cashs "Ring of fire". Dazu passend gibt es die gewohnt vollmundigen Ansagen
von Sänger Ness, die vom Publikum bejubelt, als Einleitungen zu den
Songs wunderbar funktionieren. Trotz all des euphorischen Gekreisches
im Hintergrund wirkt dieser Mitschnitt aber merkwürdig steril und
glatt produziert. Für Fans der Band ein Muß. (stb)
BLITZKRIEG OVER YOU!
A tribute to the Ramones
Nasty Vinyl
Sie haben sich mal wieder aufgelöst und zum wiederholten Male eine
Abschiedstournee gespielt. Niemand hat sich so oft von seinem Publikum
verabschiedet wie diese Legende des amerikanschen Punkrocks. Die Ramones
haben Einfluß auf die Entwicklung der Rockmusik genommen, wie keine
andere Band dieses Genres. Tribut-Sampler aus Dankbarkeit gab es deshalb
schon zu Hauf. Diese deutsche Compilation ist jedoch etwas ungewöhnlicher,
sind hier doch nicht nur Coverversionen enthalten, sondern auch viele
Songs über die Meister der drei Akkorde. Die klangvollsten Namen
dürften ohne Frage DIE TOTEN HOSEN, MOTORHEAD, NINA HAGEN, ZELTINGER
und DIE ÄRZTE sein. Aber auch kleinere Bands, wie die BADTOWN BOYS,
THE ADICTS und GIGANTOR haben die Chance zu einer Verbeugung. Gelungen.
(stb)
UNKLE
Psyence Fiction
Mo Wax/Elektro Motor
James Lavelle, Gründer des Londoner Labels »Mo Wax«,
hat Musiker aus aller Welt zusammengebracht, um über einen Zeitraum
von drei Jahren eine zeitgemäßte Variante zum Thema Konzeptalbum
einzuspielen: »Psyence Fiction« soll als »Apocalypse
now« der Musik-Geschichte Furore machen. Mit dabei sind so unterschiedliche
Persönlichkeitn wie Hardcore-Rapper Kool G Rap, Jason Newstead von
METALLICA, Richard Ashcroft von THE VERVE und Thom Yorke von RADIOHEAD.
Wer diese unterschiedlichen Extreme zusammenschweißen kann, ist
neben Master-Mixer Lavelle vor allem DJ Shadow, der vom britischen »Guardian«
nicht zu unrecht als Genie gefeiert wurde. Eine mitreißende Collage
aus HipHop, abgedrehter Elektronik und Jazz. Dazwischen schleichen sich
aber auch klassische Orchesterklänge oder Gimmicks wie der Clou-Soundtrack
ins schwergewichtige Werk. (lj)
SUNNYLAND
Out Of Time
Inak
Mit »Run For Cover« hatten sie in den Staaten einen richtigen
Hit, und keiner hat gemerkt, daß er eine deutsche Band verfallen
war. Die Wiesbadener Combo klingt nämlich so amerikanisch wie das
Zischen einer Coke. Das I-Tüpfelchen auf dem brodelnden Rhythm-&-Blues-Fundament
liefern nun allerdings auch zwei echte Amerikaner: Das Geschwisterpaar
Sherry und Shaun Williamson aus Atlanta gibt mit gnadenlosen Gesangsduellen
der seit anderthalb Jahrzehnten als SUNNYLAND BLUESBAND aktiven Band die
eigenständige Note. Diese bodenständige, hand- und mundgemachte
Musik ist wirklich »out of time«: jenseits aller Trends und
Modernismen zeitlos gut! (lj)
MIKE OLDFIELD
Tubular Bells 3
WEA
Oldfield hat seinen Bells-Zyklus zur Trilogie ausgebaut. Wer nach dem
Excerpt in »The Essential« mit einer Techno-Platte rechnete,
wird enttäuscht. Die House-Version des Glockenspiel-Themas umrahmt
nur eine Kollektion unterschiedlichster, eher altmodischer Tracks zwischen
Rock, Ambient, Folk und Flamenco. War »Tubular Bells II« die
zeitgemäße Spiegelung des Millionen-Debüts des Multiinstrumentalisten,
so entfernt sich Oldfield nun vom Prinzip der organischen, quasi symphonischen
Weiterentwicklung. Teil 3 ist statt dessen im Stil einer Suite aufgebaut
und wirft nur ab und zu einen wehmütigen Blick auf drei, vier altbekannte
Motive: die Glöckchen, die Hard-Rock-Passagen, die melancholische
Einleitung zum Bells-Finale und natürlich das Finale selbst, das
diesmal mit den Trommeln aus »Ommadawn« zur ekstatischen Teufelsaustreibung
gesteigert wird. Mittendrin versteckt sich »Moonlight Shadow II«:
Der Ohrwurm »The Man In The Rain« mit POLAR-STAR-Sängerin
Cara ist bis hin zu Sound-Details und zum Solo eine fast schon selbstironische
Eins-zu-eins-Kopie des Welthits. (lj)
TOWA TEI
Sound Museum
EastWest
Easy Listening auf japanisch! Das heißt groovende Electronicsamples
zum Wohlfühlen. Ein Meister dieser Spielart ist TOWA TEI, der zu
den wenigen japanischen Popstars mit Wetruhm gehört. Auf sein Konto
geht der DEE-LITE-Klassiker »Groove is in the heart«. Sein
zweiten Album verwöhnt uns gleich mit zweifacher Länge. Auf
der ersten Scheibe des Doppelalbums sind elegante, relaxte Tracks zu hören,
die er unter anderem mit Kylie Minogue aufnahm. Auf der zweiten Platte
sind die jazzigen und housigen Nummern in einem anderen Gewand zu hören.
Der DJ und Liebhaber von Soundexperimen-ten schickte seine Aufnahmen zu
namhaften Remixern, im Range eines DJ Krust oder DJ Die. Diese verpaßten
den einzelnen Stücken mehr Pep. Im Drum'n'Bass- und Technosound präsentieren
sie sich clubtauglich. Dafür ist die erste Ausgabe prima zum Entspannen
geeignet. Cool! (nn)
ELLIOT SMITH
XO
DreamWorks/Universal
Der Herbst war schneller da als gewollt. Die dazu perfekt passende Musik
liegt aber glücklicherweise in Form der vierten Veröffentlichung
des aus Portland/Oregon stammenden Singer/Songwriter Elliot Smith vor.
Ein Album so schlicht und schön, daß es den Plattenteller gar
nicht verlassen will. Mit einigen Beatles-Anleihen und nur den nötigsten
Instrumentierungen schrauben sich die kleinen Melodien in unser Gehirn
und wollen einfach nicht mehr weichen. Mit Songs wie »Tomorrow Tomorrow«
oder »Waltz #2« kann man Elliot Smith höchste Songwriter
Kunst zuschreiben. Zu Berühmtheit schaffte es Smith erst spät.
Nach den Soundtrack Beiträgen zum Oscar nominierten Film »Good
Will Hunting«, sein Song »Miss Misery« wurde als 'Best
Song' für den Academy Award nominiert, zündet sein drittes Album
»Either/Or« erst mit Verspätung. Seine ersten beiden
Alben sind in Deutschland gerade nachträglich veröffentlicht
worden. (hs)
SOUNDTRACK
Fear And Loathing In Las Vegas
Geffen
Zwei Beutel Gras, fünfundsiebzig Pillen Meskalin, jede Menge Acid,
Kokain, eine Galaxie von Uppern, Downern, Lachern, zusammen mit einer
Flasche Tequila, Rum und kein Ende: Das Reisegepäck im roten Cabrio
von Raoul Duke (Johnny Depp) und Dr. Gonzo (Benicio Del Toro) um in Las
Vegas über ein Autorennen zu berichten. Ganze 27 Jahre hat es gedauert
bis sich jemand an die Verfilmung der durchgeknallten Drogenstory »Fear
And Loathing...« von Hunter S. Thompson getraut hat. Lange Zeit
war das Buch scheinbar als Film nicht realisierbar. Terry Gilliam (12
Monkeys) wagte es und tauchte den Film vorrangig in Musik aus den 70ern
(Dylan, Jefferson Airplane, Tom Jones oder Yardbirds). Mit den Dialogen
vor jedem Song und der beteuerten Coolness wandert der Soundtrack in die
Nähe Pulp Fictions. (hs)
MUSTANG FORD
Stampede
Sticksister/Indigo
Es ist schon ziemlich gemein, eine CD nach einem Song zu benennen, diesen
jedoch nicht aufs Album zu packen. Die Detmolder MUSTANG FORD tun dies
und sagen auch noch, es wäre ihr bester: »Stampede«!
Nun ist »Stampede« i erster Linie eine stilistisch vielschichtige
Rockplatte, das gleichnamige Lied hingegen ein grooviges Stück mit
Turntables und Samples, das nur Konzertgänger genießen dürfen...
Die eigentlichen 11 Songs der Platte bestechen durch ihren klaren, schlichten
Live-Sound, ihre Struktur jedoch ist komplexer. Im orgiastischen »Theme
From Pjotr« verliert sich die Band beispielsweise in einer scheinbar
unendlichen epischen Breite, in »Had And Done« ist bereits
nach 1:44 Minuten alles erzählt. Das von Geige und Cello getragene
»These Eyes«, ein melancholisches Liebeslied, fällt gänzlich
aus dem Rahmen - die Eltern des Gitarristen TIM NASS sind hier Gastmusiker.
Am Ende der CD möchte man niederknien und rufen: "Noch einmal, bitte,
aber diesmal noch lauter!" Der Herbst ist gerettet!!! (ks)
GANZ SCHÖN FEIST
Gänseblümchen
Columbia/Sony
Viel sprechen davon, manche empören sich, andere blicken verschämt
zu Boden oder kichern verzückt: die Nummer »Du willst immer
nur ...« von GANZ SCHÖN FEIST. Da die meisten Radios den Song
boykottieren, haben wir ihn in diesem Monat als Bonus-Track auf die Hotline
genommen. Doch das aktuelle Album der Göttinger hat weit mehr zu
bieten: Da sind wieder die treffenden Beobachtungen netter Loser-Typen
- mit dem Quentchen Selbstironie, das die Gruppe so sympathisch macht!
Und natürlich gibt es raffiniert ausgetüftelte Minimal-Arrangements
und A-cappella-Chöre. Man merkt aber den Schritt, den die Kleinkünstler
auf aktuelle Pop-Trends zugehen: viel Rap und eine hitverdächtige
Hommage an den Schlagerkult mit dem hitverdächtigen Neufassung des
»Jugen mit der Mundharmonika«. (lj)
VARIOS ARTISTS
Wünnstock-Noise Pollution
Eigenvertrieb
Die Wünnstock e.V. aus Wünnenberg gründete sich vor ca.
1 1/2 Jahren mit der selbstgestellten Aufgabe, den einheimischen Bands
ein Forum zu bieten, um sich einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.
Zu diesem Zweck entstand dieser Sampler, der einen ausgewogenen Überblick
über die regionale Szene darstellt. Hier liegen, wie auf so vielen
regionalen Compilationen, musikalisches Genie und gemeiner Wahnsinn dicht
bei einander. Betrachtet man die musikalisch versierteren Bands wie die
Crossover-Wawer von SPARK und die Pop-Punker von HOBLINS CHOICE neben
den völlig unerotischen NATURSEKT & KAVIAR und den Aushilfs-Falcos
von VIENNA WEST, bekommt man davon einen Hauch zu spüren. Mit dabei
unter anderem PLANET EDEN, CETOR, GREED, SUPERSTITIUOS und LOVING GRACE.
(stb)
THE GROOVE CORPORATION
Co-Operation Dub
Echo Beach/Indigo
Manchester ist immer wieder ein gutes Pflaster für innovative Musik.
THE GROOVE CORPORATION, erfolgreiche Produzenten und Remixer (u.a. für
Sly&Robbie und Simply Red), beweisen es mit »Co-Operation Dub«
aufs Neue. Schubladen werden kategorisch vermieden und das Produkt macht
dem Bandnamen alle Ehre: es grooved! Die Bezeichnung Dub im Titel führt
dabei ein wenig in die Irre. Dem Reggae entliehen sind eigentlich nur
zwei Titel, so z.B. der erstklassige Opener »Lonely Soldier«.
Der Rest pendelt irgendwo zwischen Ambient, Funk, Hip-Hop und Breakbeats,
ohne sich dabei festzulegen. Besonders gelungen sind »Finding Dr.
Jekyll« mit der bezaubernd souligen Stimme von Tracy Riggan, »Cat
On A Hot Tin Dub« und »Ghettoprayer« (hier als »Deep
Blue Dub-Mix«). Letzter wurde durch den sanften Gesang von Bim Sherman
veredelt! Das Album setzt die exquisite »Serious Classics«
- Reihe des Hamburger Labels Echo Beach gelungen fort. There's more to
come! (kf)
FAITHLESS
Sunday 8 pm
Intercord
FAITHLESS hatten mit »Insomnia« und »Salva Mea«
im Sommer 1996 zwei fette Hits. Jetzt nach zwei Jahren Pause erschien
das neue Werk. Nach einem solchen Erfolg hat es das Nachfolgewerk bekannterweise
unwesentlich schwerer, die hohen Erwartungen von Seiten der Fans und der
Kritiker zu erfüllen. Doch die Engländer ließen sich davon
nicht beirren. Konsequent wurde der eingeschlagene Weg weitergegangen:
Electronic Music abseits von DJs und Drumcomputern, dafür mit vielfältigen
Klängen. FAITHLESS sind eine richtige Band, die vor allem live zu
überzeugen weiß. Auf dem neuen Werk bestimmt ruhiger Trancesound
die Szenerie, mal schwerfällig, mal mitreißend. Die Klangnuancen
reichen von Klassik über Jazz bis Gospel. Doch immer wieder steht
die charismatische Stimme des Sänger Maxi Jazz im Mittelpunkt. Ein
kleines, ruhiges Meisterwerk, daß kaum massenkompatibel einsetzbar
ist. Dennoch hat ist die erste Singleauskopplung »God is a DJ«
bereits ganz oben in den Charts. Überaus gelungen! (nn)
TOWA TEI
Sound Museum
(East West)
Neues aus der asiatischen Musikküche: Statt Sushi steht es Easy Listening
auf Japanisch auf dem Programm. Was für den Hörer groovende
Electronicsample zum Wohlfühlen bedeutet. Meister dieser Servierart
ist TOWA TEI, der zu den wenigen japanischen Popstars mit Weltruhm gehört.
Auf sein Konto geht der DEE-LITE-Klassiker "Groove is in the heart". Gleich
das zweite Album bietet eine Doppelausgabe. Auf der ersten Scheibe
sind elegante, relaxte Tracks zu hören, die er unter anderem mit
Kylie Minogue aufnahm. Auf der zweiten Platte gibt es die gleichen Nummern
nur in einem anderen Gewand. Der DJ und Liebhaber von Soundexperimenten
schickte seine Aufnahmen zu namhaften Remixern, die den einzelnen Stücken
mehr Pep verpaßten. Im Drum´n´Bass- und Technosound
präsentiert sich dann die remixte Scheibe auch absolut clubtauglich.
Dafür lädt die erste Ausgabe zum Ausspannen in den eigenen vier
Wänden ein. Cool! (nn)
FETTES BROT
Läßt grüßen
Intercord
Reim dich oder ich schlag' dich! Dieses Motto läßt sich auf
das neue Album der Hamburger HipHopper ummünzen. Was bei den ersten
beiden Alben noch charmant und gekonnt klang, wirkt hier leider nicht
sehr souverän. Mehr als nett sind die Texte nicht, die in manchen
Fällen höchstens die Bravo-Generation ansprechen wird. Ein wirkliches
Manko ist der relativ schlechte Sound. Die Hookline nervt eher als das
sie unterhält. Mit diesem Werk liegen die drei Norddeutschen Schiffmeister,
Doc Renz und König Boris eindeutig im Hintertreffen zu den gelungenen
Alben der Lokalkonkurrenten von FÜNF STERNE DELUXE und FISCHMOB.
Nur wenige Songs können hier überzeugen; paradox für eine
HipHop-Platte bilden zwei Gesangsstücke die Höhepunkte. »Viele
Wege führen nach Rom« und die wirklich witzige Version des
alten BANARAMA-Songs »Robert De Niro´s waiting«, heuer
als »Nicole Krebitz wartet« verpackt und aufgenommen mit TOCOTRONIC,
kommen fett rüber. Die Remix des Tracks »Rock Mic's«
auf einer veröffentlichen Single klingt auch wesentlich relaxter
als die hier präsentierte Nummer. Ein kleiner Clou bietet das Album
dann doch noch: das Ganze wird von den Hörspieldetektiven »???«
begleitet und kommentiert. Ansonsten Chance vertan! (nn)
HAZELDINE
Diggin You Up
Polydor
Der Wildwechsel verfolgt nun schon seit einiger Zeit den Weg der genauso
interessanten wie auch hoffnungsvollen Formation Hazeldine aus Albuquerque/New
Mexico. Begonnen hatte die kleine Karriere bei Glitterhouse mit dem Debüt
»How Bees Fly« und dem (Mailorder-)Nachfolger »Orphans«,
der mit Coverstücken von Hazeldines Lieblingshelden bestückt
war. Nun hat man also vom kleinen Label zum Major gewechselt. Eine gößere
Produktion macht dies zu allererst bemerkbar, obwohl man sagen muß,
daß gerade auch die spärliche Ausmahlung des Debüts ihre
Anziehungskraft hatte. Wieder aalt man sich in schwermütigen Balladen
und Midtempo-Stücken gemeißelt in Wüstenrock. Acht neue
Stücke haben Hazeldine für den Hörer parat sowie vier neu
aufgenommene Songs vom Debüt, darunter das wundervolle »Apothecary«.
Wir werden weiter den Weg der drei Frauen und dem Mann mit gespannten
Augen und Ohren verfolgen. Es lohnt sich! (hs)
SHERYL CROW
The Globe Sessions
A&M/Polygram
Sheryl Crow arbeitet sich konsequent zu einer der besten Songwriterinnen
(Songwriter inbegriffen) dieser Zeit hoch. Nach dem fantastischen Debüt
»Tuesday Night Music Club« folgte mit »Sheryl Crow«
ein beachtlicher Zweitling. Nach mittlerweile dreizehn Millionen verkauften
Alben und fünf Grammys erblickt nun »The Globe Session«
das Licht der Welt. Äußerst selbstbewußt, mit toughen
Songs bestechend aus kernigen Gitarrensounds, Bläsern und Streicher
sowie Gastmusikern aus Bands wie INDIGO GIRLS oder WILCO oder der Begleitband
von Tom Petty. Da wird einem warm ums Herz! Sheryl versteht es, dem Hörer
das Gefühl zu vermitteln, sie als gute Freundin zu kennen. Wenn dann
noch zum Abschluß der Plattenproduktion ein gewisser Bob Dylan an
die Tür klopft, um ihr einen bisher nicht veröffentlichten Song
aus seiner Feder (»Mississippi«) zu überlassen, kann
das nur als Ritterschlag für Songwriter verstanden werden. (hs)
LASSIE SINGERS
Best Of/Rest Of
Flittchen Rec.
BEST OF LASSIE SINGERS vereint alle Nummern, die die Berliner Mädchencombo
zum Höhepunkt unzähliger Pennälerfeten gemacht haben: schrammelige
Schulhof-Hymnen mit hohem Spaßfaktor! Die Arrangements sind sparsam,
die Texte greifen in die Höhen und Tiefen des Teenager-Alltags, pendeln
zwischen Allerweltsweisheit und Tagebucheintragung, bis sich ihre umwerfende
Naivität geradezu ins Philosophische verdichtet. Dann zeigt sich
die Nähe zur Hamburger Schule, wo die frechen Gören aber nur
kichernd und Liebesbriefe schreibend in der letzten Reihe sitzen. REST
OF LASSIE SINGERS liefert dann aus Wohnzimmern und Liveauftritten schräge
O-Töne von Cassettenrecorder und Walkman, die einem die Mädels
noch mehr ans Herz wachsen lassen. (lj)
FINK
Loch in der Welt
ixixes-records/Indigo
Bisher habe ich immer wieder mit der Vorstellung gehadert, ein alter Sack
würde im schwarzen Universum für unsere (Miss)Geschicke zuständig
sein. Jetzt endlich liefert FINK mit dem Titelsong "Loch in der Welt"
eine Ahnung von der Wirklichkeit. Wieder einmal sind es die dunklen Vorstellungen
und Qualen der Unsicherheit, die das Bild der aktuellen CD bestimmen.
Wer allerdings mit einer bloßen Fortsetzung des Vorgängers
VOGELBEOBACHTUNGEN IM WINTER rechnete, wird sich eines Besseren belehren
lassen müssen. Titel wie "Als einer mal nicht kam" oder "Sie wollen
uns erzählen" sprechen für sich. Nur wenige Minuten reichen
auch diesmal aus, und der kleine Rasen hinterm Haus wird wieder zur weit
ausufernden Prärie. (om)
DIVERSE
Hank Williams revisited - i`ll never get out of this world alive
Trikont
Es hat immer wieder etwas von dieser Aschenputtel-Story, liest man über
den Werdegang mancher Künstler. Auch der `23 geborene Hank Williams
stellt da keine Ausnahme dar. Ein erster Hit öffnete `49 zwar die
Pforten zum Nashville-Himmel, allerdings nur um den kommerziellen Höhepunkt
vor dem jähen Fall zu markieren. Die vorliegende Compilation lenkt
den Blick nicht nur auf die Musikgeschichte Amerikas, die noch viele Schätze
bereit hält. Nein, die vertretenen Musiker wie BEASTS OF BOUBON,
KILLDOZER, ISAAC HAYES oder TOWNS VAN ZANDT verweisen auf die Unsterblichkeit
seiner Arbeiten hin. Schließlich bricht diese Zusammenstellung einmal
mehr mir dem vorhandenen Bild von Hillbillies in unseren Köpfen (om)
DIVERSE
Down & Out - The sad soul of the black south
trikont
Das der Ursprung so mancher Musikrichtung oftmals ernster und mit Schicksalen
verbunden ist, entfällt heutzutage meist. Oder besser, würde
entfallen, gäbe es nicht Plattenfirmen wie TRIKONT aus München.
Die vorliegende Sammlung von Songs stellt zum Beispiel den Großstadtsoul
des Südens Amerikas vor, noch bevor die großen Vermarktungswelle
durch das berühmten Motown-Label aus Detroit einsetzte. Künstler
wie Goerge Perkins & the Silver Stars, Johnny Copeland, Doris Allen
und viele andere lassen auf dieser CD die Zeit einen Moment zurückspulen.
Was Jonathan Fischer hier zusammengestellt hat geht, nicht nur wegen des
hervorragenden Beiheftes, weit über einen schlichten Sampler hinaus.
Seelenleben pur! (om)
DIVERSE
Zur Hölle Mama
Trikont
"Perlen deutschsprachiger Popmusik"- Teil drei ist da, abermals zusammengestellt
von dem Schriftsteller Franz Dobler. Allein der Opener von WILLIAM S.
BURROUGHS mit "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" ist
Grund genug zur Anschaffung. Aber das will nicht heißen es gebe
keinen weiteren Anlaß zum Erwerb. "Zur Hölle Mama # 3" zeigt
erneut wie fruchtbar die Musiklandschaft in diesem unserem Land ist, wenn
man sie nur wahrnehmen. Das dabei auch mal die eine oder andere englischsprachige
Zeile eingeschoben wird, wirkt wie das Collagieren als Spiegel unserer
Zeit, so gehört bei VIVA MARIA! oder STELLA. Daneben tauchen aber
auch Namen auf, die Beleg für Veränderungen in der Hörlandschaft
sind, wie etwa FINK oder FREUNDESKREIS. (om)
KRUDER & DORFMEISTER
The K&D SessionsTM
!K7
Es grummelt und blubbert an jeder Ecke, während sich der Baß
auf dem besten Weg zum Zwerchfell befindet. Die Wiener Star-DJs Kruder
& Dorfmeister ziehen auf ihrem aktuellen Werk ganz unspektakulär
alle Register ihres Könnens, ohne an Grenzen zu stoßen. Als
handele es sich um das selbstverständlichste von der Welt kredenzen
sie erstklassige Remixes Größen wie Bomb The Bass, Rockers
Hi-Fi, Lamb, Depeche Mode, Alex Reece, David Holmes u.v.a ( http://www.studio-k7.de/artists/073_g.html).
Treiben einen die Beats von CD 1 noch durch die Hütte so hebt CD
2 die Schwerkraft auf, und ein schier endlos wirkender Dub-Space tut sich
auf. Nichts klingt/wirkt wie gewohnt, alles kommt wie der Soundtrack
zu einem noch nicht gedrehten Science-Fiction-Film rüber. (om)
MILES
The Day I Vanished
V2
Popmusik, das ist, wenn man morgens beim Zähneputzen einen Song hört
und ihn den restlichen Tag nicht mehr aus den Kopf bekommt. Schon nach
dem ersten Hören kennt man die Melodie, den Text, einfach alles an
besagtem Popsong kommt einem bekannt vor. Zuckersüß hat sich
das Lied im Ohr festgesetzt. So verhält es sich auch mit dem jüngsten
Longplayer der vier Würzburger von MILES. Jedes Stück der Platte
ist ein Hit - hymnischer Gitarrenpop in Formvollendung. Da stört
es auch wenig, daß man wahlweise die BEATLES, die BEACH BOYS und
die BYRDS "beklaut" hat. Doch wen stört's? MILES haben nicht nur
das Album des Jahres eingespielt, sie geben der Zeit nach dem Zähneputzen
einen Sinn! (ks)
MUSTANG FORD
Stampede
Sticksister/Indigo
Es ist schon ziemlich gemein, eine CD nach einem Song zu benennen, diesen
jedoch nicht aufs Album zu packen. Die Detmolder MUSTANG FORD tun dies
und sagen, es währe ihr bester. »Stamped«! Nun ist »Stampede«
in erster Linie eine stilistisch vielschichtige Rockplatte, das gleichnamige
Lied hingegen ein grooviges Stück mit Turntables und Samples, das
nur Konzertgänger genießen dürfen... Die eigentlichen
11 Songs der Platte bestechen durch ihren klaren, schlichten Live-Sound,
ihre Struktur jedoch ist komplexer. Im orgiastischen »Theme from
Pjotr« verliert sich die Band beispielsweise in einer scheinbar
unendlichen epischen Breite, in »Had and Done« ist bereits
nach 1:44 Minuten alles erzählt. Das von Geige und Cello getragene
»These Eyes«, ein melancholisches Liebeslied, fällt gänzlich
aus dem Rahmen - die Eltern des Gitarristen TIM NASS sind hier Gastmusiker.
Am Ende der CD möchte man niederknien und rufen: "Noch einmal, bitte,
aber diesmal noch lauter!" Der Herbst ist gerettet!!! (ks)
FATBOY SLIM
You've come a long way, baby
Skint/Epic
Über seinen Hit "The Rockafeller Skank" braucht man nicht mehr viele
Worte zu verlieren. Ein Sommer wurde zu dem Sound von Fatboy Slim getanzt
und gefeiert. Jetzt ist Nachschub da und die Single hat nicht zuviel versprochen.
Das Album des umtriebigen britischen DJs und Remixers knüpft genau
dort an, wo der "Rockafeller" aufhörte: fette Beats mit eingängen
Samples vermischt zu collen Dancefloorknallern. Seine Samples klaute Fatboy
Slim auf allen Himmelsrichtungen des Musikbuissness: Disco, Calypso und
60s-Rock. Der Geheimtip ist "Praise You". Die relaxte Nummer stellt alles
andere in den Schatten. Der Aussetzer "Fucking in Heaven" kann verschmerzt
werden. Ansonsten: Nur geil!
(nn).
CYNDI LAUPER
Merry Christmas...Have A Nice Life!
Epic
»I've Always Wanted To Make A Christmas Album...« - aber niemand
hat CYNDI LAUPER aufhalten können oder wollen. Das Grauen nahm folglich
seinen Lauf. Punktgenau zum Fest der Liebe hat uns die Verona Feldbusch
der englischsprachigen Pop elf - wie sie es nennt - Weihnachtslieder beschert.
Und eine Platte, die man nicht einmal seinem ärgsten Feind schenken,
geschweige vorspielen möchte. Selbst überzeugte Pazifisten ereilt
schon mal der vergleichsweise harmlose Gedanke an explodierende Silikonkissen,
während die debile Heulboje unerbittlich von einer Zumutung zur nächsten
trällert. Sollte es wirklich einen Weihnachtsmann geben, so wird
er Cindy Lauper sicherlich auf der Stelle erschlagen! Verdient hätte
sie es. (ks)
THE BUSTERS
Make A Move
Dogsteady Records
Auf ihrem mittlerweile 7. Studioalbum versucht der wohl bekannteste deutsche
Exportartikel in Sachen Ska gewohnt gekonnt sein Publikum zum Tanzen zu
animieren. Die zwölfköpfige Band, bereits seit 1987 unterwegs,
hat erstmalig eine CD in Eigenproduktion aufgenommen, um die Intensität
ihrer Liveauftritte in die Produktion ihrer Studioarbeit einfließen
zu lassen. Dabei herausgekommen ist ein abwechslungsreiches Album, daß
keine Langeweile aufkommen läßt und sich stets bemüht,
dem Ska neue Facetten abzugewinnen. Ihre Erfahrung von unzähligen
Auftritten im Ausland nutzte die Gruppe und verewigte hier erstmals neben
den herkömmlichen englischen Texten auch welche in italienischer,
spanischer, deutscher, französischer und russischer Sprache. Dabei
bleiben die 22 Songs jedoch alle hochgradig tanzbar und die hervorragenden
Bläser tun ein übriges, um die Stimmung zu heben. (stb)
PSYCHOTIC YOUTH
Stereoids
Wolverine Records
Die Könige des skandinavischen Power-Surf-Punkrocks melden sich mit
einem grandiosen neuen Album zurück. Man sieht die Sonne aufgehen,
man sieht sie wieder untergehen und hat gar nicht gemerkt, daß man
den ganzen Tag faul mit dieser Scheibe verbracht hat. Eine CD, die nach
einem Tag am Strand, einem hübschen Mädchen im Arm und einem
kühlen Bier nur so schreit. Hochmelodiöse Uptempo-Songs wechseln
sich mit ruhigeren Passagen ab und zwingen einem unweigerlich ein idiotisches
Gute-Laune-Grinsen auf. Wenn man sich vorgenommen hat, den gesamten Tag
tapfer-mißmutig durch die Gegend zu ziehen ist dieser Tonträger
ein frustierend-gutes Medikament dagegen. Man kann also von Glück
sagen, daß sie sich nicht wie erst angedroht aufgelöst haben,
sondern auch weiterhin die Menschheit mit ihren kleinen Hits unterhalten.
(stb)
BRIGHTSIDE
Bulletproof
Lost & Found Records
Sie sind wohl direkt nach den Rykers der bekannteste Kasseler Exportartikel
in Sachen Hardcore. Bei dem umstrittenem Label Lost & Found unter
Vertrag, präsentieren sich die 4 Herren in einem von Andy Classen
druckvoll produzierten Soundgewitter aus Hochgeschwindigkeitsperlen und
groovigen Attacken. Dabei verlieren sie nie ihr Gespür für Melodie
und so mancher Song würde sicherlich sogar in einer Akustikversion
eine gute Figur machen. Überhaupt findet sich eine gehörige
Brise amerikanischer Speed-Punkrock in ihrem HC-Universum, womit sie aus
dem herkömmlichen Knüppelklischee ausbrechen und eine wahrlich
gute Figur dabei machen. Als geheimen Bonustrack versuchen sich die Kollegen
an »Our House« von MADNESS, einem Klassiker der Pop- und Skageschichte.
Bingo! (stb)
CYBORGASM
XXX Erotica in 3-D Sound
Algorithm/Import
Manch eine(r) kann nicht umhin, beim Liebesspiel lustvolle Laute von sich
zu geben. Diese jedoch zu konservieren und als Tonträger feilzubieten,
so etwas fällt nur dem Ami ein. Schlichter Schweinskram scheint sich
im prüden Amerika nicht recht zu lohnen, es darf daher schon mal
die 3. Dimension sein. Denn: Gewöhnliches Stöhnen kennt jeder,
Lustgeschrei "recorded live on location" im hochauflösenden Surround-Sound,
das bekommt man nur "Made in USA" - als Bückware ("Adults Only!"),
versteht sich. Aber sitzen die Kopfhörer erst einmal an der richtigen
Stelle, so kommt ANNIE SPRINKLE aus allen erdenklichen Richtungen... CYBORGASM
- For the wildest erotic experience of your life, just close your eyes
and listen. Jaaaahhh!!! (ks)
NOE VENABLE
No Curses Here
Intuition/Schott
Das Debütwerk dieser 21jährigen Newcomerin aus San Francisco
ist mehr als vielversprechend. Sie mischt Rhythmen und Instrumente so
erfrischend unkonventionell gegeneinander, daß man unwillkürlich
an Lisa Loeb oder gar Björk erinnert wird. Erstaunlich ist das Ergebnis:
Nur selten - wie in »Starboy Coming Soon« - vergreift sie
sich dabei, zumeist entstehen filigrane Songperlen, die zwar ein wenig
sperrig aber dafür um so nachhaltiger in die Gehörnerven gehen.
Die reife kompositorische Kompetenz ist erstaunlich. Anspieltips in diesem
Sinne sind: »Jawbone Canyon« und »Am Call«. Mit
ihrer klaren Stimme, die sich irgendwo zwischen Suzanne Vega und Björk
einpendelt und ihren lyrischen, anspruchsvollen Texten wird sie wohl in
Zukunft zur ersten Garde amerikanischer Songschreiberkunst zu rechnen
sein. (pw)
FATBOY SLIM
You've come a long way, baby
Skint/Epic
Über seinen Hit "The Rockafeller Skank" braucht man nicht mehr viele
Worte zu verlieren. Ein Sommer wurde zu dem Sound von Fatboy Slim getanzt
und gefeiert. Jetzt ist Nachschub da und die Single hat nicht zuviel versprochen.
Das Album des umtriebigen britischen DJs und Remixers knüpft genau
dort an, wo der "Rockafeller" aufhörte: fette Beats mit eingängen
Samples vermischt zu collen Dancefloorknallern. Seine Samples klaute Fatboy
Slim auf allen Himmelsrichtungen des Musikbuissness: Disco, Calypso und
60s-Rock. Der Geheimtip ist "Praise You". Die relaxte Nummer stellt alles
andere in den Schatten. Der Aussetzer "Fucking in Heaven" kann verschmerzt
werden. Ansonsten: Nur geil! (nn)
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