Wildwechsel-Plattenkritiken
Plattenkritiken aus dem Wildwechsel 1997


DIVERSE
Life In The Park
Peppermint
Seit 10 Jahren steht das Tonstudio »Peppermint Park« für einfallsreiche Produktionen im kristallklaren Sound. Zur Jubiläumsfeier präsentiert das beliebte Studio, das seinen  Künstlern auch Musikverlag, Promotion und Mangement bietet, einen Sampler mit 12 Highlights des Jahrzehnts - von FURY über FISHER Z und TERRY HOAX bis hin zu den ROMEOS und Anne Clark. Indie, Rock, Funk und Soul geben sich ein Stelldichein, wobei die Peppermint-Macher eine deutliche Nase für angesagte Grooves haben. Eine besondere Freude bringt das Wiederhören mit der magischen Nummer »Black Rain« von BE, der CULTURED-PEARLS-Ohrwurm »Tic Toc« läßt einen ohnehin nicht los. Und Juliet Edwards soulige Interpretation von Elvis' sozialkritischer Ballade »In The Ghetto« ist eine echte Alternative zur aktuellen Charts-Version. Frisch und anregend wie Pfefferminz! (lj)
Ww-Muic Hotline: 0190-181126*
u CD 01 Be, Cultured Pearls, Juliet Edwards

UNITONE HIFI
Boomshot
incoming!/Indigo
Getreu dem Motto "May We Adjust Your Dread..." von incoming! präsentieren UNITONE HIFI nach der Maxi CD »Foxi Frotter« nun mit »Boomshot« ihr neuestes Longplay-Album auf CD und Vinyl. Bei aller Experimentierfreudigkeit im Genre des NeoDub läßt dieses Projekt dabei die jamaikanischen Ursprünge nicht aus den Ohren (Tubby läßt grüßen!), verzichtet jedoch darauf, die gängigen Roots-Klischees zu bedienen. Warme, meist schleppende Bässe ziehen sich durch alle 12 Titel von »Boomshot«, werden umringt von etlichen präzise eingesetzten Effekten, diversen Samples, einigen Vocalparts und interessanten Rhythmen (bei »Natural Progression« ist sogar eine Djembé zu hören, wenn mich meine Ohren nicht täuschen), ohne dabei die Produktion überladen wirken zu lassen. Alles zusammen wird laut Labelinfo als "Big Bud DubHop Beats Stil" bezeichnet, was für die praktizierte Überschreitung von Genregrenzen stehen mag und Insidern einen kleinen Hinweis auf die eingeschlagene Richtung geben könnte. »Boomshot« sei allen Dub- und Ambient-Fans wärmstens ans Herz gelegt. (kf)

MOTORBASS
Pansoul
Play It Again Sam
Die Presseinfo, die Spexbesprechung, der ganze Pressehype um diese Platte stimulieren die Neugier. So richtig Geniales, Ungehörtes, aus dem Dance-Universum abgezapft, soll auf dieser Platte vorliegen. Und Dancefloormucke regt ja auch zum Nachdenken an - was man daraus alles machen könnte! Vielleicht hat's hier ja jemand wieder geschafft querzudenken, wie PRODIGY oder DROME das auch schon getan haben. Zumindest die PR ließ diesen Eindruck aufkommen, tummeln sich hier doch illustre Gestalten der französischen DJ-Szene, die mit MC Solaar, Björk und weiß ich noch wem schon mal rumgemacht haben, doch leider Fehlanzeige. Eigenwillig wird hier zwar mit Housevokabeln über Disco und Hip Hop "gesprochen", doch bleibt es bei einfachen Sprechübungen. Allzu sehr klebt man am simplen Beat, und zum Geschichtenerzählen mit Spannungsaufbau und so reicht's noch nicht. Also fleißig weiter pauken. (ce)

kreidler
weekend
kiff
Dreimal Kleingeschriebenes, von unten nach oben: kiff heißt ein neues Electronic Listening Label, das Lauschwillige mit akustischen Kaleidoskopen der Sonderklasse versorgt (DROME!) - weekend: diese CD erzeugt sozusagen ein geistiges Wochenende - und kreidler heißt eine Mopedfirma, die in meiner Jugend bei den Großen Kult war, äh, heißt die Düsseldorfer Combo, die hier ihr Debüt vorlegt. Schön ist er geworden, dieser milde Aufguß aus Ambient und Electronic Listening mit leichten Postrock-Nuancen unterlegt. Beim zurückgelehnten Hören entfalten sich langsam Klanggestalten, die an akustische Nachbilder von Clubwochenenden erinnern, aber weit mehr sind als nur das Hintergrundrauschen von Raver-Hirnen. Krautrock-Infusionen und sanftes Würzen mit Ethno- und Industrialpartikeln gibt »weekend« seinen runden, keineswegs schalen Geschmack. Digitalen Feinschmeckern sei dieses klingende "Wochenende" empfohlen. (ce)

VIRGIN STEELE
Noble Savage
Modern Music
Endlich!!! Pünktlich zum 10. Geburtstag des Originalreleases - das horrende Preise erzielt - erscheint DAS US-Metal-Werk auf Silber. In angemessener Verpackung: schwarze Box mit Goldprägung, Texte, die Geschichte des Albums... und 6 Bonustracks! Natürlich hat das jahrelange Warten zum Mythos um diese Scheibe beigetragen, doch auch neutrale Hörer müssen zugeben, daß »Noble Savage« ein Meilenstein ist. Allein der Titelsong ist der helle Wahnsinn; selbst in schwindelerregendsten Höhen singt David DeFeis mit solcher Power, Klarheit und Ausdruckskraft, daß man Berge versetzen möchte. Ganz nebenbei bestätigt »NS« meine Erfahrung, daß aus Liebe, Hingabe und Glaube an das, was man tut, Großes entstehen kann. Selber rausfinden! (ms)
 
 
 

VIGILANCE
Behind The Mask
WMMS
Allzu vorschnell wurde VIGILANCE der Stempel "progressiv" aufgedrückt; ein Etikett, das der Fünfer aus Leer ebenso fix wieder loszuwerden hofft. "Anspruchsvoll" charakterisiert »Behind The Mask« besser und ist zudem weit weniger limitierend. In den 10 meist überlangen Songs finden sich originelle Ideen en masse, musikalisch hervorragend umgesetzt und arrangiert. Geringfügig getrübt wird der ansonsten bestechende Gesamteindruck durch Sänger Frank-Otto Conrad, der seine Technik zuweilen um ihrer selbst willen demonstriert. In diesen (seltenen) Momenten laufen Stimme und Song auf verschiedenen Bahnen. Ich bin mir jedoch sicher, daß er dieses Problem bis zur nächsten Produktion in den Griff kriegt. Die dürfte dann der Oberknaller werden. (ms)
 

DIVERSE
Dragon Attack - A Tribune To QUEEN
CNR
Eine Hommage an QUEEN ist eine Gratwanderung. Glücklicherweise waren sich alle an dieser CD beteiligten Musiker (die Namen aufzuzählen wäre absolut sinnlos) der Tatsache bewußt, daß man diese königlichen Kompositionen nicht einfach nachspielen kann. So konzentrierte man sich vorrangig darauf, den individuellen Charakter der Stücke hervorzuheben - und das ist vorzüglich gelungen. Selbst QUEEN-Maniacs, die meinen, jede Note ihrer Idole in- und auswendig zu kennen, können an den Evergreens noch neue Facetten entdecken, egal ob sie »We Will Rock You«, »Tie Your Mother Down« (von MOTÖRHEAD'S Lemmy intoniert!) oder »It's Late« heißen. Songauswahl und Interpretation sind eigenwillig und somit QUEEN-würdig - im Gegensatz zu dem unsäglichen Queen-Disco-Verhunze von DJ Bobo & Co. (ms)

Reiss
SYLVIA REISS & CHRISTOPH PAMPUCH
Ruf der Wildgänse
TNN
Mag der Titel zunächst auch merkwürdige Assoziationen wecken, so muß man dem Kasseler Harfinisten-Duo doch bescheinigen, daß ihnen mit ihrer ersten CD ein großer Wurf gelungen ist. Eingerahmt von poetisch-eindringlichen Eigenkompositionen, die mitunter an die minimalistischen Klangbilder eines Rüdiger Oppermann erinnern, finden sich im Zentrum der CD abwechselnd betörend zarte walisische und irische Traditionals, die mit hinreißender Einfühlsamkeit interpretiert werden und den Hörer in ein besinnliches Gefühl der Festlichkeit und Gemessenheit hineinnehmen. Berauschender Höhepunkt der CD ist das Titelstück, ein Walzer von Sylvia Reiß: eine gelungene Metapher für Fernweh und Erlösungssehnsucht. (pw)
 
 
 
 
 
 
 
 

Bolan
MARC BOLAN
Acoustic Warrior
Sony
Die 70er Jahre sind ohne den genialen Glam-Rocker Marc Bolan undenkbar. Persönlich verdanke ich seinem E-Gitarren-Intro von »Get It On« meine ersten musikalischen Gänsehaut-Erlebnisse. Durch ungeahnte Funde in US-Radio-Archiven konnte jetzt selbst der ursprünglich designierte »Electric Warrior« - so der Titel eines 1971 veröffentlichten T. REX-Albums - noch nachträglich ge-unplugged werden... Leichenfledderei? Ganz im Gegenteil: Die Aufnahmen sind überraschend hörenswert! Zwar fehlt der Initial-Hit »Hot Love« schmerzlich, dafür gewinnen die eher abgeschmackten Nachfolger wie »Jeepster«, »Telegram Sam« und »Metal Guru« in ihrem neuen akustischen Gewand deutlich an Originalität. Dem nostalgischen Schwelgen steht also nichts im Wege... (pw)

kante
MORY KANTE
tatebola
Misslin
Fast zehn Jahre sind nun vergangen, seit dem afrikanischen Musiker Mory Kante mit »Yeke Yeke« der große Durchbruch auf internationaler Ebene gelungen ist. Die beiden nachfolgenden Alben konnten diesen Erfolg leider nicht wiederholen, und eine ganze Weile war es nun still um den Mann aus Guinea/Afrika, der inzwischen Frankreich zu seiner Wahlheimat gemacht hat. Nun präsentiert Kante - wie immer in Eigenproduktion - »tatebola« (mixe par Beck!?), und er will zeigen, daß er sich musikalisch weiterentwickelt hat. Spätestens bei dem Song »Mille« muß uns das bei einem astreinen 120er Beat klarwerden. Auch der Titelsong und »Wassamba« bergen House-Elemente, »Mali-ba« schließlich kann nicht anders bezeichnet werden als ein "afrikanisches EthnoEnigma" (sorry). Bringt das Mory Kante aber wirklich weiter? Seine wahre Stärke, nämlich die Integration afrikanischer Ryhthmen und Instrumente in zeitgenössische Musik, zeigt er seinen Fans erst gegen Ende der CD in Songs wie »Marriage« oder »Africa Ins«. Er kann's also noch, aber was heißt bloß "Schuster, bleib bei Deinen Leisten" auf afrikanisch? (mad)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

MO THUGS
family scriptures
Relativity Records
Na gut, na gut, man kann mit Superlativen wie "schnellststeigende Single in den USCharts seit »Can't Buy Me Love« von den Beatles anno 1964" um sich schmeißen, aber sagt das was über Musik aus? Natürlich nicht. Die Rede ist von BONE THUGS-N-HARMONY, die jetzt ein eigenes Plattenlabel namens "Mo Thug Records" bei Relativity Records/epic gegründet haben. Neue Künstler mit innovatem Sound sollen  hier versammelt werden, und sozusagen als Kostprobe gibt es jetzt, vorerst noch als Promo-CD, den Sampler »family scriptures«. Eher unbekannte Rapper (SOLDIER BOY, PÖTIC HUSTLAZ, GRAVEYARD SHIFT u.a.) tummeln sich darauf. Einzig bekannt ist vielleicht die Formation TRE, drei Soul-Schwestern, die in dem BONE's-Video »The Crossroads« mal kurz vorbeiflimmern. Und trotzdem: Die Scheibe beweist, daß man keine großen Namen braucht, um kurzweilige 75 Minuten auf die Beine zu stellen. Highlights bilden die Songs »Ghetto« und »Ain't No Reason«, und auch der zur Zeit anscheinend unvermeidliche Gangsta-Sound ist mit »No Pretender« vertreten. Der richtige Groove, um in einem schwarzen Oldsmobile durchs verregnete New York zu dackeln... (mad)

LOVE 666
Please kill Yourself So I can Rock
Amp Rep
Endlich mal 'ne Platte, die den Reflex "Scheiß Cover = Scheiß Platte" nicht zum xten mal bestätigt. Ignoriert man den Bandnamen und die abstruse Verpackung und macht das, was man eigentlich immer tun sollte: unvoreingenommen zuhören! Tja, dann hat man das Vergnügen mit 'nem Mikrokosmos, dessen Urknall wohl SONIC YOUTH geheißen hat. Nun, das Universum ist alt, Sonic Youth auch und so lassen sich hier "neuere" Strukturen wie Grunge beobachten, die im regen Kotakt mit dem Ursprung stehen. Nicht zu vergessen, so "strange" Attraktoren wie AC/DC und all das Drogenzeugs da draußen. Kurzum, ein außerordentlich schönes Universum, das sich da trotz Cover, Titel usw. auftut. (ce)

DIVERSE
No Vacancy
Arcade
Die eher unbekannteren amerikanischen Alternativen geben sich auf diesem vorzüglich zusammengestellten Sampler eine Ehre. Getragen wird der Silberling größtenteils von folkorientierten, ruhigen Gitarrenrock: teils melancholisch, aber trotzdem entspannend und ideale für die dunkle Jahreszeit. Kennern der Szene läuft schon bei der bloßen Namensnennung der Bands, das Wasser im Munde zusammen: WALKABOUTS, TERRY LEE HALE, SEA AND CAKE, SEBADOH oder BUFFALO TOM, um nur einige zu nennen. Die zwei Songperlen auf der CD jedoch, stammen von Bands aus dem Hause eines meiner Lieblingslabels »Glitterhouse«: David Munyon und THE SHIVERS waren bisher meinen Musikschatz entgangen, wird sich ändern! Wers auch mal wagt, auf musikalische Entdeckungsreise zu gehen, wird hier fündig. (hs)
 

DIE SCHNITTER
Mähdrescher
costbar/EFA
Aber hallo, wie klingt denn das? Bei den SCHNITTERN reimt sich Punk auf Minnesang, sie wagen eine geradezu bizarre Mischung aus OUGENWEIDE und den HOSEN, dazu eine bitterböse Prise TON, STEINE, SCHERBEN. Ja, geht denn sowas???? Erstaunlicherweise haut 's hin! Die SCHNITTER, entstanden aus der Kasseler Band STONEHAVEN, haben ihren ganz eigenen Stil gefunden: einen mitreißender Folk-Punk, der alle Freizeit-Revoluzzer der Siebziger und der Neunziger miteinander versöhnen wird. Landsknecht- und Studentenlieder, Heine-Texte, viel rebellische Attitüde und Dröhngitarren in unerwartet raffinierten Arrangements mit Krummhorn, Flöte und Didgeridoo. Dazu Bettina Webers herrliche Geige, deren singender Ton an die legendäre DDR-Combo CITY erinnert. Nicht zu vergessen Ralf Kempers aufrüttelnder Lead-Gesang! Der Ww präsentiert Kassels neue Hoffnung am 20.2 in Kassel, am 22.2 in Baunatal und am 19.4. in Lauterbach. (lj)

DIVERSE
The Tarantino Connection
MCA
Der Meister solcher Kultfilme wie Pulp Fiction oder From Dusk Til Dawn, Quentin Tarantino, sagt von sich selbst, wenn er am Schreiben eines Filmes ist oder einer bloßen Idee dazu, hört er sich durch seinen Plattenschrank um die Musik zu finden, die den  Geist des Filmes wiederspiegelt. Cineastisches Vergnügen und Musik gehen bei Tarantino eben Hand in Hand. 14 Songs aus Soundtracks der filmischen Schaffensphase des Meisters, sei es als Autor oder Regiesseur, sind nun auf diesem Sampler vereint, plus zwei Kurzinterviews. Neben den beiden Obigen, stammen die Songs noch aus folgenden ebenso kultverdächtigen Streifen: Natural Born Killers, Reservoir Dogs, True Romance, Desperado oder Four Rooms. Für Einsteiger und rauschende Partys ein äußerst vorzügliche Zusammenstellung, die die einzelnen Soundtracks trotzdem als Pflichtscheiben nicht ersetzen. (hs)

DIVERSE
No Vacancy
Arcade
Die eher unbekannteren amerikanischen Alternativen geben sich auf diesem vorzüglich zusammengestellten Sampler eine Ehre. Getragen wird der Silberling größtenteils von folkorientierten, ruhigen Gitarrenrock: teils melancholisch, aber trotzdem entspannend und ideale für die dunkle Jahreszeit. Kennern der Szene läuft schon bei der bloßen Namensnennung der Bands, das Wasser im Munde zusammen: WALKABOUTS, TERRY LEE HALE, SEA AND CAKE, SEBADOH oder BUFFALO TOM, um nur einige zu nennen. Die zwei Songperlen auf der CD jedoch, stammen von Bands aus dem Hause eines meiner Lieblingslabels »Glitterhouse«: David Munyon und THE SHIVERS waren bisher meinen Musikschatz entgangen, wird sich ändern! Wers auch mal wagt, auf musikalische Entdeckungsreise zu gehen, wird hier fündig. (hs)
 

DIE SCHNITTER
Mähdrescher
costbar/EFA
Aber hallo, wie klingt denn das? Bei den SCHNITTERN reimt sich Punk auf Minnesang, sie wagen die geradezu bizarre Mischung aus OUGENWEIDE und den HOSEN, dazu eine bitterböse Prise TON, STEINE, SCHERBEN. Ja, geht denn sowas???? Erstaunlicherweise haut 's hin! Die SCHNITTER, entstanden aus der Kasseler Band STONEHAVEN, haben ihren ganz eigenen Stil gefunden: einen mitreißender Folk-Punk, der alle Freizeit-Revoluzzer der Siebziger und der Neunziger miteinander versöhnen wird. Landsknecht- und Studentenlieder, Heine-Texte, viel rebellische Attitüde und Dröhngitarren in unerwartet raffinierten Arrangements mit Krummhorn, Flöte und Didgeridoo. Dazu Bettina Webers herrliche Geige, deren singender Ton an die legendäre DDR-Combo CITY erinnert. Nicht zu vergessen Ralf Kempers aufrüttelnder Lead-Gesang! Der Ww präsentiert Kassels neue Hoffnung am 20.2 in Kassel, am 22.2 in Baunatal und am 19.4. in Lauterbach. (lj)
u

THE BATES
What A Beautiful Noise
Virgin
Mittlerweile haben sie's längst geschafft! Top Ten Album, ausverkaufte Konzerte und haufenweise Storys in jeglichen Musikgazetten. Trotz allem Erfolg sind sie normal geblieben: die BATES aus Eschwege. Die vier Funpunker legen zum zweiten Teil ihrer Kicks'n'Chicks Tour ein Livealbum vor. »What A Beautiful Noise« macht den Anschein, ein Kompromiß zwischen Fan Bootleg und Major-Livealbum geworden zu sein. Sehr guter Sound, aber wie es sich für Livescheiben gehört: ungeschnitten. Da ist jegliches Gequatsche und schräge Bemerkungen von Zimbl oder Reb zu hören. Selbstverständlich finden sich auch alle Hits auf der CD wieder: Von den Covers (»Billie Jean«, »Hello«, dem Volksmusik-Kanon »Heo« oder »Poor Boy«) bis zu den Hits aus eigener Feder. Das Glanzstück der CD findet man im Zugabenteil: »Paul Ist Tot« kommt nachdenklich geil. (hs)
CD 01 Bates: »What A Beautiful Noise«

WILD SILK
Touch Of A Rainbow
Wonderland
Die Bedürfnisse nach Besinnung in unserer immer hektischer werdenden Welt haben in New Age, Gothic und Ambient ihren zeitgemäßen Ausdruck gefunden. Dadurch entsteht auch wieder Platz für Gruppen wie Wild Silk, die das Feeling von 70er Jahre-Gruppen wie Pentangle oder Fiedelmichel aufgreifen. Die Gruppe hat gleich zwei außergewöhnliche Gesangstalente: Der hellen Stimme der Folklore-Fee Simone Freimüller das von viel Lebenserfahrung aufgerauhte Timbre Berk Demirays gegenüber. Die geschmackvollen, virtuosen Interpretationen inklusive Geigen, Flöte und Klarinette erfüllen höchste  te Qualitätsangsprüche, die Produktion ist sauber und trotz Dreisprachigkeit (deutsch, englisch, jiddisch) außerordentlich stimmig. »Touch Of A Rainbow« macht auf angenehme Art traurig, spiegelt die Sehnsucht nach Ländern, die zu den Blütezeiten der Folkmusic auch schon verloren waren. (lj)

BAD COMPANY
Storys Told & Untold
eastwest
Unglaublich - es gibt sie immer noch, die Rock-Dinosaurier BAD COMPANY. Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger hatten sie einen Riesen-Comeback. Mit Ausnahmesänger Brian Howe erlangte man mit Scheiben wie »Holy Water« oder »Here Comes Trouble« wieder Platinregionen und konnte vor allem in den USA einige Singlehits  vorweisen. Das neue Album, wiederum mit neuem Sänger namens Robert Hart (der leider nicht an das Format von Howe oder gar Paul Rodgers rankommt), besteht aus 7 neuen Songs und 7 neu arrangierten Klassikern wie »Ready For Love«, »Can't Get Enough« oder »Shooting Star«. Die neuen Versionen sind stark durch die Poprock-Mangel gedreht worden und kommen gebügelt und frisch gewaschen wieder heraus. Insgesamt ein durchschnittliches Mainstream-Album ohne Impulse und irgendwie zu "sauber". (hs)

REEF
Glow
Epic/Sony
Im September 95 waren sie im Ww der Geheimtip des Monats. Anfang 97 sind sie der breiteren Masse immer noch kein Begriff. Wer jedoch seinem Ohr am liebsten Rockmusik mit Schweißfaktor 10 und leichtem Alternativeinschlag verschreibt, sollte sich »Glow« ruhig mal reintun. Die auffallende Stimme REEFs (Gary Stringer) verleiht den Stücken eine gewisse Eigenständigkeit, obwohl sich von etlichen Ecken der neueren und älteren Rockgeschichte reichlich bedient wird. Trotzdem ist REEF keinerlei Plagiatsvorwurf zu machen. REEF und vor allem Sänger Gary Stringer geben schlicht alles. Gary schwitzt, schreit, stöhnt und fordert seine Stimme bis zur Erschöpfung. »Glow«, welches insgesamt etwas zu lang geraten ist, setzt zum Großteil auf lauten, deftigen Abgehrock. An der Ballade »Soft Song« jedoch, kann man sich nach mehrmaligen Genuß nicht mehr satthören. (hs)

DIVERSE
Love Vision (Audio-CD & CD-ROM)
Philips Media GmbH
Da haben wir ihn also, den interaktiven Techno/House-Szeneführer auf CD-ROM. Große Namen wie Altmeister WESTBAM, MARUSHA, DJ DICK, PAUL VAN DYK und andere sind vertreten auf diesem Produkt, und schnell entsteht der Eindruck, daß sie hier die eigentlichen Zugpferde sind, und nicht die Software. Hat man sich nämlich erst einmal zwei, drei Stunden vor dem PC abgezappelt, kommt es an den Tag: dem Anspruch eines "Szeneführers" kann LOVE VISION nicht ganz gerecht werden. Dazu kommt noch, daß die Programmierer bei der Gestaltung der einzelnen Untermenüs die Bedienfreundlichkeit dem Innovationsgedanken geopfert haben. Aber wer viel Zeit an einem verregneten Tag hat... (mad)

DIVERSE
Counting Compilation Vol. I
Bear Music Factory
House steht 'drauf und House ist 'drin. Da darf man sich auch nicht vom ersten Stück "Oh Happy day" täuschen lassen, das zwar als Gospel anfängt, aber schnell zum House mutiert. Diese Doppel-CD ist eine Homage an den klassischen House, wie er einst aus England als Nachspiel der Acid-Scene zu uns 'rübergeschwappt ist. Auch aus dieser Ecke finden wir noch ein paar Restchen, eindeutig überwiegend ist jedoch der unumstößliche 120er Beat in Kombination mit Piano, Claps und Breaks. Allerdings schafft der Sampler auch mehr, nämlich den Übergang von diesem Sound (»Give me love«, »Same people«) zu moderneren Rhythmen (»You got«, »Wasted time«). Ob das immer gut kommt, darüber kann man streiten. (mad)

DIVERSE
We are one family
Low Spirit Recordings
Wir ham uns alle lieb! Im Inlay blafaselt Veranstalter Dr. Motte wie einst der Apostel Paulus, und man fragt sich wirklich: was grenzt die Techno-Szene eigentlich noch von Woodstock ab? Nun, vielleicht die Tatsache, daß das Woodstock-Doppelalbum durchgehend gut ist, während die zweite CD dieses Doppelsamplers doch deutlich hinter CD 1 zurückbleibt. Einzig der Nürnberger Trance-Spezialist COSMIC BABY bietet hier einen gewohnt guten Chill-out-Track, ansonsten muß man sich die Rosinen auf CD eins suchen, z.B. den Frankfurter Techno-Papst TALLA 2XLC mit "LoV-E" oder einen Spitzen-House-Track von SHARAM »Keep on moving«. Ansonsten bleiben einem nur die drei großen "M's" der Love Parade im Kopf haften: Müllproblem, Merchandising, Mittelmaß. (mad)

DIVERSE
Counting Compilation Vol. I
Bear Music Factory
House steht 'drauf und House ist 'drin. Da darf man sich auch nicht vom ersten Stück "Oh Happy day" täuschen lassen, das zwar als Gospel anfängt, aber schnell zum House mutiert. Diese Doppel-CD ist eine Homage an den klassischen House, wie er einst aus England als Nachspiel der Acid-Scene zu uns 'rübergeschwappt ist. Auch aus dieser Ecke finden wir noch ein paar Restchen, eindeutig überwiegend ist jedoch der unumstößliche 120er Beat in Kombination mit Piano, Claps und Breaks. Allerdings schafft der Sampler auch mehr, nämlich den Übergang von diesem Sound (»Give me love«, »Same people«) zu moderneren Rhythmen (»You got«, »Wasted time«). Ob das immer gut kommt, darüber kann man streiten. (mad)

SAMBA
t.b.a.
Epic/Sony
Man zählt sie gerne zur Hamburger Schule, die Münsteraner mit dem Faible für die President Of The USA. Nur acht Monate nach ihrem Debütalbum "Zuckerkick" hatten SAMBA bereits die neuen Songs zu "t.b.a." im Kasten. Musikalischer und schlicht gesagt besser sind sie geworden. SAMBA bringen ihre Musik schnell auf den Punkt: Keine Instrumentierung zuviel, um gar dem Song den Spielwitz des Textes oder die Melodieentwicklung zu nehmen. Auf "t.b.a." befinden sich einige Vorzeigestücke. Da wäre das schlichte "Geht kaputt" mit einer Laufzeit von nur 1.46, das zum Schluß diese geile Gitarrennoisewand aufbaut. Oder der beachtliche "Sommerhit". Aus "Kummer" (TRIO Cover) machen die Jungs eine melancholisch schöne Songperle. SAMBA sind auf dem Weg nach oben. (hs)

CRANES
Population Four
PIAS
Die britische Pop- oder wie man will, auch Antipopband um das Geschwisterpaar Alison(vocals) und Jim Shaw(guitar) können schon auf eine beachtliche Karriere zurückblicken: u.a. das Top 30 Album "Loved", die Filmmusik zu dem Oscar gekrönten Streifen "Scarboroug Ahoy" oder der Welttournee mit The Cure, eigens auf Einladung des Cure-Chefs Robert Smith. Das kurz zur Vorgeschichte. Hervorstechenster Teil der CRANES ist die zerbrechlich schöne Stimme Alisons, die die Band so unverwechselbar macht. Von Zuckerballaden, wie dem Opener "Tangled Up", "Brazil" oder das schaurige "Sweet Unknown", welches eine Atmosphäre zaubert, die an Twin Peaks erinnert. Bis zu kräftigem Indierock mit Gitarrenausbrüchen wie "Let Go" oder "Fourteen", alle Songs erreichen die höchste Messlatte. Den CRANES ist eines der Alben des Jahres '97 gelungen. (hs)

NATURAL CALAMITY
Andalucian Moon
99 records
Bei dieser Scheibe gehen die Uhren anders. NATURAL CALAMITY spannen dir die Hängematte auf, halten sie unaufdringlich in Schwung, draußen am Fluß, wo die Sonne scheint. Easy Listening und Country Gelassenheit a la Crosby, Stills, Nash & Young (man verzeihe mir diesen Vergleich). Mögen da Bäume sein, zwischen denen die Matte hängt. Unterschwellig schaukeln da Trip-Hop- Rhythmen mit, aber sonst sind wir hier mitten in der Natur, wo Hektik unbekannt ist und Gelassenheit nicht bloß ein Wort. Eigentlich ist noch gar nicht die Jahreszeit für diese Scheibe, laue Sommerabende und ausgedehnte Frühstücke auf dem Balkon sind die Lebenslagen, die mit »Andalucian Moon« erst richtig an Stil gewinnen. Freuen wir uns also auf einen Sommer, der Andalucian Moon gerecht wird. (ce)

CHRISTIAN BOLLMANN & OBERTONCHOR DÜSSELDORF
Earth Spirit
Lichthaus Musik
Zwei Obertonchöre gibt es auf dieser Welt. Einer davon ist der OBERTONCHOR DÜSSELDORF, geleitet vom Obertonmusiker und Komponisten CHRISTIAN BOLLMANN. 12 Jahre besteht dieser einmalige Klangkörper und findet international Anerkennung. Zuletzt bei der Uraufführung von Bollmanns Komposition »Con-Sequenzen« in der Düssseldorfer Tonhalle. Zwei CDs des Chors liegen bisher vor, »Spirit Come« und »Rise my Soul«, Meisterwerke feinklanglicher Expeditionen, des Auslotens von Stille, der Versenkung und Erhebung (oder einfach die besten Chill Out-Scheiben so far). Hoch also die Erwartung an »Earth Spirit«, die zunächst enttäuscht wird. Beim ersten Hören erscheinen die Bearbeitungen von indianischen (und nicht- indianische,n z.B. Crosby/Stills...) "Spiritsongs" geradezu banal. Doch der OC tat gut daran, aus diesen Liedern nicht eindrucksvolle Klangreigen zu gestalten, denn hier liegt gerade in der Einfachheit Prägnanz und Gewicht. Unmittelbar regen die Songs zum Mitsummen an, verselbständigen sich, übertragen die Kraft des Ensembles. Ein geradezu mächtiges Strömen liegt hier verborgen - eine wunderschöne CD zum Einstimmen, Mit- und Nachmachen. (ce)

FIDDLER'S GREEN
On And On
Polydor
Die sechs Jungs von FIDDLER'S GREEN aus Erlangen verstehen es glänzend, dem angestaubten Irish Folk neues Leben einzuhauchen. Mit viel Elan und Power und ebenso viel Melancholie und Gefühl, verstehen sie es exzellent, selbst Pop-, Reggae- und Beat- Einflüsse in ihrer Musik zu verschmelzen. Musik, die zum Tanzen einlädt. Bei Songs wie »On and On« oder »The Reel Jig Bag« wird das Wohnzimmer zum Pub oder Konzertsaal. Es bleiben dem Zuhörer aber auch Freiräume zum Träumen und Relaxen - z.B. bei der Ballade »Turn the Page« oder der ersten Singleauskopplung »Stay By My Side«. Zu dieser ersten Major-CD fehlt FIDDLER'S GREEN nur noch das berühmte Quentchen Glück, um nicht in einem Irish Pub zu verstauben, sondern Melancholie und Lebenslust von der grünen Insel auch in die Charts hineinwehen zu lassen. (mm)

NENA
Jamma nich
Polydor
Inzwischen ist sie 37, doch der Mythos der 99 Luftballons wirkt noch immer nach. Zwar ist sie längst nicht mehr die lebende Verkörperung des Zeitgeists, posiert konventionell mit ihren Kindern fürs Booklet, kritisiert aufmüpfige Unbescheidenheit und Besserwisserei. Ja, der Titel "Jamma nich" könnte fast vom Kanzler stammen, um Neinsager und Miesmacher in die Schranken zu weisen! Aber Nenas charmante Naivität, ihre warme, immer noch ins Herz treffende Stimme und die lockeren Arrangements (Easiest Listening) wischen solche Gedanken schnell vom Tisch. Nena zeigt, wie man auch als reife Frau und Mutter sich den Teenager im Herzen bewahren kann. Unterstützt wird sie von Verwandten im Geiste wie Annette Humpe und Lucilectric. Das macht einfach gute Laune, für Tiefgang sorgen ohnehin andere! (pw/lj)

DRU HILL
Dru Hill
Island
Öfter mal was Neues. In diesem Fall versuchen DRU HILL mit ihrem gleichnamigen Album, die Mariah Carey der Hip-Hop-Musik zu werden. Weckt das spacige Intro mit vielversprechenden Breaks und Jazz-Samples noch das Interesse des Zuhörers, geht im Laufe der CD das Arrangement der Titel im Weichspülergesang des Baltimorer Quartetts unter. Nur der dominierende Bass kann vor dem Einschlafen noch retten. Nette langweilige Soul-Platte ohne Ecken und Kanten. Für Leute, die auf typischen amerikanischen Harmoniegesang stehen, die ideale Platte, um mit dem Partner zu schmusen. In den amerikanischen Charts ist die CD auf dem Weg nach oben, während sich die Single-Auskopplung schon in den Top Ten plazieren konnte. Neben dem Intro kann nur das zweite Stück »Nothing to prove« überzeugen. (nn)

DIVERSE
Love Vision (Audio-CD & CD-ROM)
Philips Media GmbH
Da haben wir ihn also, den interaktiven Techno/House-Szeneführer auf CD-ROM. Große Namen wie Altmeister WESTBAM, MARUSHA, DJ DICK, PAUL VAN DYK und andere sind auf diesem Produkt vertreten, und schnell entsteht der Eindruck, daß sie hier die eigentlichen Zugpferde sind, und nicht die Software. Hat man sich nämlich erst einmal zwei, drei Stunden vor dem PC abgezappelt, kommt es an den Tag: Dem Anspruch eines "Szeneführers" kann LOVE VISION nicht ganz gerecht werden. Dazu kommt noch, daß die Programmierer bei der Gestaltung der einzelnen Untermenüs die Bedienfreundlichkeit dem Innovationsgedanken geopfert haben. Aber wer viel Zeit an einem verregneten Tag hat... (mad)

DIVERSE
Counting Compilation Vol. I
Bear Music Factory
House steht 'drauf und House ist 'drin. Da darf man sich auch nicht vom ersten Stück "Oh Happy day" täuschen lassen, das zwar als Gospel anfängt, aber schnell zum House mutiert. Diese Doppel-CD ist eine Homage an den klassischen House, wie er einst aus England als Nachspiel der Acid-Scene zu uns 'rübergeschwappt ist. Auch aus dieser Ecke finden wir noch ein paar Restchen, eindeutig überwiegend ist jedoch der unumstößliche 120er Beat in Kombination mit Piano, Claps und Breaks. Allerdings schafft der Sampler auch mehr, nämlich den Übergang von diesem Sound (»Give me love«, »Same people«) zu moderneren Rhythmen (»You got«, »Wasted time«). Ob das immer gut kommt, darüber kann man streiten. (mad)

DIVERSE
We are one family
Low Spirit Recordings
Wir ham uns alle lieb! Im Inlay faselt Veranstalter Dr. Motte wie einst der Apostel Paulus, und man fragt sich wirklich: Was grenzt die Techno-Szene eigentlich noch von Woodstock ab? Nun vielleicht die Tatsache, daß das Woodstock-Doppelalbum durchgehend gut ist, während die zweite CD dieses Doppelsamplers doch deutlich hinter CD 1 zurückbleibt. Einzig der Nürnberger Trance-Spezialist COSMIC BABY bietet hier einen gewohnt guten Chill-out-Track, ansonsten muß man sich die Rosinen auf CD eins suchen, z.B. den Frankfurter Techno-Papst TALLA 2XLC mit "LOV-E" oder einen Spitzen-House-Track von SHARAM »Keep on moving«. Ansonsten bleiben einem nur die drei großen "M's" der Love Parade im Kopf haften: Müllproblem, Merchandising, Mittelmaß. (mad)

MUSTANG FORD
Daytona USA
Sticksister Rec.
Mein Gott, wenn das so weitergeht, ziehe ich mit Sack und Pack um - und zwar ins ostwestfälische Hochland, in das Epizentrum des musikalisch-subkulturellen Provinzialismus. Dann würde ich jeden Abend in kleinen Clubs sitzen, süchtig wartend auf jene Bands, die in der Indie-Szene schon einen ganz großen Namen haben, ansonsten aber noch relativ unbekannt sind. Sharon Stone oder Shell etwa, aber auch Mustang Ford. Letztere haben - nachdem sie auf dem legendären "Familienangelegenheiten"-Sampler erstmals vertreten waren - jetzt mit "Daytona USA" ihren Debüt-Player vorgelegt: Ein Lo-Fi-Werk edelster Güte mit Schrammel-Gitarren satt, durchsetzt mit verschiedensten stilistischen Einflüssen, irgendwo zwischen 70er-Punk, Kraut-Rock, Noise-Pop und dem Trance-Rock der 90er-Avantgarde. Exzessiv und ausufernd einerseits, melancholisch und hart an der Grenze zur Radiotauglichkeit andererseits. Sollte die Postmoderne neue Verkünder in der Rock-Musik gesucht haben, die vier Herren von Mustang Ford haben sie dafür empfohlen. (tl)

LAMB
Lamb
Fontana
Selten haben zwei so unterschiedliche musikalische Elemente so intensiv und passend miteinander harmoniert. In Zeiten, in denen Gruppen wie PRODIGY die musikalischen Grenzen eingerissen haben, entstehen Lücken für solche Projekte wie das der beiden jungen Musiker Andy und Louis aus Manchester. Wilde Drum'n'Bass-Klangkonstellationen treffen auf die zarte, fast anmutige Stimme der klassischen Sängerin Louis. Im ersten Moment hat man noch das Gefühl, daß der Gesang chancenlos ist. Doch nach einer gewissen Zeit stellt der Hörer fest, daß der Zauber dieser Platte auf der Gleichberechtigung der Gegensätzlichkeiten basiert. Zutaten wie eine quiekende Jazztrompete, Trancemelodien usw. geben dem Sound einen facettenreichen Schliff. (nn)

MACHINE HEAD
The More Things Change
Roadrunner
Metal ist tot, oder zumindest in keiner guten Verfassung. Auf Anhieb scheint nichts zu klappen, so auch die neue MH. Lange angekündigt, immer wieder verschoben (dasselbe Spiel übrigens bei Helmet). Der Sound stimmt nicht, die Songs werden noch mal überarbeitet usw., ließ die Plattenfirma verbreiten. Von wegen draufhauen und gut, wie es sich für 'ne ordentliche Metalband gehört. Nein, da muß lange gefummelt werden, bevor noch irgendwas vom Hocker reißt. Haben MH es nun geschafft? Nach dem überragenden Debüt tendierten die Erwartungen ja gegen unendlich - Nun: Jein, "The More..." ist schon 'n ordentliches Brett geworden, fett, groovy, geile Songs und so. Aber halt nicht so selbstverständlich fett, groovy und mit Schwung auf die Fresse, wie auf ihrem Erstling. Da ging es unbedarft und mit Feuer zur Sache, heute tendiert man eher zur Kalkulation, als zur primitiven aber angemessenen Reaktion. Trotzdem wohl die beste Metal-Scheibe seit Sepulturas "Roots" (Gott habe sie selig)! (ce)

NATURAL CALAMITY
Andalucian Moon
99 records
Bei dieser Scheibe gehen die Uhren anders. NATURAL CALAMITY spannen dir die Hängematte auf, halten sie unaufdringlich in Schwung, draußen am Fluß, wo die Sonne scheint. Easy Listening und Country Gelassenheit a la Crosby, Stills, Nash & Young (man verzeihe mir diesen Vergleich). Mögen da Bäume sein, zwischen denen die Matte hängt. Unterschwellig schaukeln da Trip-Hop- Rhythmen mit, aber sonst sind wir hier mitten in der Natur, wo Hektik unbekannt ist und Gelassenheit nicht bloß ein Wort. Eigentlich ist noch gar nicht die Jahreszeit für diese Scheibe, laue Sommerabende und ausgedehnte Frühstücke auf dem Balkon sind die Lebenslagen, die mit »Andalucian Moon« erst richtig an Stil gewinnen. Freuen wir uns also auf einen Sommer, der Andalucian Moon gerecht wird. (ce)

DIVERSE
Hifi Check
inak/HiFi Test
In Zusammenarbeit mit der Zeitschrift »HIFI Test« entstehen im Hause inak erstklassige Sampler. Fast alle Titel der HIFI-CHECK-CD werden der Testvorgabe gerecht, und verhelfen dem HiFi-Enthusiasten zu einer Urteilsbildung über sein Equipment. Die Sprüche in der abschließenden Auswertung lassen zwar ein wenig an der Ernsthaftigkeit dieses Projekt zweifeln, sollten aber nicht abschrecken. Titel wie »Eth.Mo-Thing« von BASSMO BILL, oder aber »Spiritual Dance« vom EMPIRE BRASS QUINTET sind zudem ware Ohrgenüsse, die in keinem Regal fehlen sollten. Kennenlernen! (om)

DIVERSE
HEIMKINO: Surround Reference
inak/Heimkino
inak-Records sind auf dem Gebiet der Test-CD-Produktion führend, zu deren Herstellung meist mit namhaften Fachunternehmen zusammengearbeitet wird. HEIMKINO richtet sich an eine stetig wachsende Gruppe in der HiFi-Branche: die Surround-Fans. Auf der CD befinden sich zehn Musiktitel, meist Soundtrack-Auszüge, die mit dem Surroundsignal kodiert sind. Hinzu kommen fünfzehn Testsignale, die die einzelnen Komponenten einer Anlage einem Härtetest unterziehen sollen. Die Bewertungshilfen im beigefügten Booklet sind gelungen, so das der Laie die Surroundfähigkeit annähernd beurteilen kann. (om)

DIVERSE
Krautrock
PMS/Polygramm (2-CDs)
Aus den innovativsten Zeiten der deutschen Rockgeschichte stammen die Titel dieser Compilation. Es sind Meilensteine versammelt, die auf Namen hören wie »Fly And Collision Of Comas Sola« von TANGERINE DREAM. Nie endende wollende Trips fügen sich ein, wie »Sehr kosmisch« von HARMONIA. Natürlich fehlen auch die Großmeister grenzübergreifender Musik nicht, die sich noch immer gegen eine Kategorisierung ihrer Arbeit wehren: EMBRYO. Auch eine der erfolgreichsten deutschen Bands, CAN, darf selbstverständlich nicht fehlen. Ganze 2:12:57 Gesammtspielzeit bietet diese Doppel-CD, auf der sich weitere Titel von GURU GURU, TIMOTHY LEARY & ASH RA TEMPEL, FAUST, CLUSTER, POPOL VUH, AMON DÜÜL II und COSMIC JOKERS befinden.  Etliche Titel sind zeitlos, sehr experimentierfreudig, und passen bestens in die heutige Trance & Ambient Szene. Leider hat Polygramm erst kürzlich Metronome Music eingestellt, ein Label mit einem der umfangreichsten Krautrock-Archive. (om)

MAN DOKI
The Jazz Cuts
Polymedia Music Service/Polygramm
Oftmals sind es gerade die alten Säcke der Musikbranche, die einen in Erstaunen versetzen. So zeigt auch diese MAN DOKI-Produktion, auf der sich Studioouttakes, Session- und Liveeinspielungen befinden, warum die gelungene Retortengeburt einer Boygroupe nie den Rang einer natürlich gewachsenen Bandbesetzung erlangen kann. Denn obwohl es sich laut Namensliste von »The Jazz Cuts« fast um eine Art Supergroup handelt, fließt alles ineinader, als hätte man nie in einer anderen Form zusammengearbeitet. Da ist es fast schon unerheblich, das sich u.a.   IAN ANDERSON, CHAKA KHAN, THE BRECKER BROTHERS, AL DI MEOLA oder STEVE KHAN  unter den Mitspielern befinden. Entstanden ist lupenreiner fusion-sound, traditionell Bläser-Lastig, variationsreich, in allerfeinster Qualität. (om)

DIVERSE
Dessert Blues
NETWORK/Zweitausendeins
Es gibt Plattenlabel, die für Musik stehen, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Eines dieser Label trägt den Namen NETWORK, und ist in Deutschland nur über den ZWEITAUSENDEINS-Versand erhältlich. Genau bei diesem Versand also kann man sich »Desert Blues« zur Zeit bestellen, eine Doppel-CD, deren Schönheit kaum in Worte zu verpacken ist.  Es handelt sich um eine Reise in die Sahar, mit etwa 9 Mio. Quadratkilometer die größte zusammenhängende Wüstenregion der Erde, des Sahel und den angrenzenden Ländern. Wir können teilhaben an der reichen Balladen-Tradition dieses Kontinents, dürfen Ausflüge in eine Faszinierende Welt machen. BALY OTHMANI beschreibt das erhaltene Verhältnis zur Musik im NETWORK-Text so: ,Die Gesänge und Tänze sind in unserer Gesellschaft der Weg des Lichtes, das die Horizonte, die unter unseren Augen vorbeiziehen, erhellen und unsere Seelen besuchen. .....". Auch wenn ich hier ALI FARKA TOURE, STEVE SHEHAN oder etwa  RY COODER aufzählen kann, sind Namen doch vergänglich, während die Magie dieser Musik bleibt. (om)

THE INCHTABOKATABLES
..Quiet!
K&P/BMG
Die Kombination von kammermusikalisch besetzten Streichern und Popmusik ist eher selten: Die BEATLES haben sowas ganz gekonnt vorgemacht, aber richtig weiterentwickelt wurde das nie. Doch jetzt kommen die INCHTABOKATABLES an: Streichertrio, Baß und Drums, darüber ein knarziger Indiegesang mit subtilem Gefühlsspektrum. Sie sind stolz darauf, ganz ohne Gitarren auszukommen, aber sie nehmen Geige und Cello ran wie 'ne E-Klampfe, sowohl was die Spielweise, als auch was die Effektbatterie von Verzerrer über Wah-Wah bis Delays angeht. Sie haben dabei viel von ihren Streicherkollegen bei CITY, THE FLOCK oder FRANKFURTER KURORCHESTER gelernt, aber in dieser Konsequenz sind sie einzigartig. Viel Düster-depressives, dann wieder ausbrechende Vitalität, dazu Ausflüge und Klassik- und Irish-Folk-Regionen und punkige Wut: gnadenlos gut!  (lj)

cockburn
BRUCE COCKBURN
The Charity of Night
Rycodisk/RCD
Mit C.G. Jung gesprochen, könnte man meinen, der kanadische Songwriter hätte seinen "Schatten" entdeckt. Steht seine letzte Platte »Dart To The Heart« ganz im Zeichen von Harmonie, Ausgeglichenheit und Klarheit, so ist die neue CD auffallend experimentell, melancholisch, undurchsichtig. Das liegt in erster Linie an dem Vibraphonisten Gary Burton, der vielen der Songs das swingende, jazzige Sahnehäubchen aufdrückt. Da ist plötzlich Zeit für minutenlange Instrumentalpassagen, in denen die Soli entspannt minimalistisch daherkommen, dazu das Raunen der wohligen Sprechstimme Cockburns, die sich nur selten in ihr forte hineinsteigert. Dabei entstehen so kostbare Kleinode wie »Pacing The Cage« oder »Birmingham Shadows«, die ihre Schönheit nach mehrmaligem Hören unfehlbar entfalten. (pw)

piani
CLAUDIA PIANI
Sister's Man
Decision Products
Sucht man nach Vergleichen, dann mit niemand Geringerem als Melissa Etheridge oder Joan Osborne. Vielleicht sind ihre Songs, beinahe allesamt von oder mit ihrem Mann Robbie Caruso, geschrieben, gerade durch ihre eingängigen Phrasierungen so spannend. Jedenfalls kann man sich dem Zauber seiner rhythmisch und melodisch ausgefeilten Gitarrenarrangements nur schwer entziehen. Dem steht Claudia Piani mit ihrer abwechslungsreichen, ausdrucksstarken Stimme um nichts nach. Ihre Interpretation vom BEATLES-Klassiker »Help« kann lässig mit der beachtlichen Version von Tina Turner konkurrieren. Unverständlich, warum diese ausgezeichnete CD nicht in den vorderen Rängen der Charts zu finden ist... (pw)

NERVOUS
Son At The Great Outdoors
Grapevine/ads
Bandnamen können täuschen. Zum Beispiel NERVOUS.  Man denkt: "Oh nein, wohl wieder eine stressige Band, die mit drei Akkorden versucht die Ohren des Zuhörers zu vergewaltigen". Doch weit gefehlt! Die Klangwelten, die sich vor einem auftun erinnern an Tom Waits, Van Morrison oder Wet Wet Wet - von jedem etwas und alles andere als nervous, sondern völlig relaxed. NERVOUS singen vom Leben, der Liebe und der Welt im allgemeinen, so bestätigt Sänger Justin Travis im Song »Then A Rainbow« das, was wir alle schon wissen: "It's a crazy world we're livin in". Wer kann daran schon was ändern, zumindest kann man sie mit dieser CD für einige Minuten vergessen! Mein favourite Song ist übrigens "Da Da Da", welches spielend leicht für gute Laune sorgt! Keine Angst, das ist keine Cover-Version des Trio-Songs! (mm)

DEPECHE MODE
Ultra
Mute/Intercord
Aus dem tiefen Tal der Finsternis schau ich hinauf und seh' das Licht am Horizont, welches ULTRA hell leuchtet. Experimentelle Soundcollagen, Synthesizer mit String Arrangments und Percussion vermixt, über allem thront Dave Gahans Stimme. Ich genieße die rhythmischen Wave-Dancefloor-Beats die sich in Bruchteilen von Sekunden in Schwarz-Weiß-Bilder verwandeln. Der erste Song hat Martin Gore wohl als eine  Art Lebenslauf von David Gahan komponiert, "Everything I done I look in a barrel of a gun" schön verzerrt und agressiv. Die folgenden Stücke können Dich je nach Stimmung völligst "down" bringen oder Du verliebst Dich immer wieder auf's Neue. Z.B. »Home«: auf Replay, das Licht gedimmt und dann einfach träumen. Die Single »It's No Good« überrascht dann mit einem sehr emotionalen wie optimistischem Text über die Liebe. Die CD ist ULTRA-düster, -melancholisch, oder einfach ULTRA-Depeche-Mode. (mm)

DIVERSE
No Vacancy
Arcade
Die eher unbekannteren amerikanischen Alternativen geben sich auf diesem vorzüglich zusammengestellten Sampler eine Ehre. Getragen wird der Silberling größtenteils von folkorientierten, ruhigen Gitarrenrock: teils melancholisch, aber trotzdem entspannend und ideale für die dunkle Jahreszeit. Kennern der Szene läuft schon bei der bloßen Namensnennung der Bands, das Wasser im Munde zusammen: WALKABOUTS, Terry Lee Hale, SEA AND CAKE, SEBADOH oder BUFFALO TOM, um nur einige zu nennen. Die zwei Songperlen auf der CD jedoch, stammen von Bands aus dem Hause eines meiner Lieblingslabels; Glitterhouse: David Munyon und THE SHIVERS waren bisher meinen Musikschatz entgangen, wird sich ändern! (hs)

KEB` MO`
Just Like You
OKeh/epic
Die Bluesmusik, als Sprachrohr von Gefühlen wie Liebe, Haß oder die alltäglichen Probleme, hat in unserer heilen Welt einen schweren Stand, wer will schon gern über Sorgen und Leid hören wo das Leben schon Stressig genug ist. Doch siehe da ein Stern am Horizont leuchtet ganz hell, KEB`MO`, der amerikanische Ausnahme Blueser der neuen Generation, vebindet den Blues mit Soul und einer gehörigen Portion Feeling. Die CD enthält insgesamt 13 Songs die mal melancholisch oder nachdenklich machen, die Single "More than one way home" läuft bereits bei allen Radiosendern auf Heavy-Rotation und auf der gesamten CD ist kein einziger Durchhänger zuhören, besonders zu erwähnen ist der Titelsong "Just Like You", im Duett mit BONNIE RAITT und JACKSON BROWNE, er reflektiert Erlebnisse wie Wahrheit, Liebe und Vertrauen  die jedem von uns passieren könnten , man glaubt  Keb`Mo` singt einem die eigenen Gefühle von der Seele. Einfühlsamer und Intensiver hab ich seit langem keine CD mehr gehört. (mm)

CLAUDIA PIANI
Sister's Man
Decision Products
Sucht man nach Vergleichen, dann mit niemand Geringerem als Melissa Etheridge oder Joan Osborne. Vielleicht sind ihre Songs, beinahe allesamt von oder mit ihrem Mann Robbie Caruso, geschrieben, gerade durch ihre eingängigen Phrasierungen so spannend. Jedenfalls kann man sich dem Zauber seiner rhythmisch und melodisch ausgefeilten Gitarrenarrangements nur schwer entziehen. Dem steht Claudia Piani mit ihrer abwechslungsreichen, ausdrucksstarken Stimme um nichts nach. Ihre Interpretation vom BEATLES-Klassiker »Help« kann lässig mit der beachtlichen Version von Tina Turner konkurrieren. Unverständlich, warum diese ausgezeichnete CD nicht in den vorderen Rängen der Charts zu finden ist... (pw)

DIVERSE
Psychotrance 4  (Moonshine Music)
Nachdem schon DJs wie Mr. C oder Eric Powell ein Gastspiel bei dem kleinen, aber feinen Moonshine-Label gegeben haben, mixt auf Psychotrance 4 die schottische DJ-Elite, in personam Orde Meikle und Stuart McMillan, was das Zeug h lt. Das klingt zunächst, als h tte KRAFTWERK den 120er-Beat entdeckt, entwickelt sich aber ganz schnell zu einem Mix, der gefällig in Ohr und Bein geht. Daß »Slam« Orde Meikle aus der Acid House Scene stammt, kann er dabei nicht ganz kaschieren - die typischen Beeps und Swirls verwendet er eben noch zu gerne. Trotzdem schaffen die beiden Schotten hier etwas Neues: Tracks von gottweißwasfürwelchen britischen Underground-Labels stehen gleichwertig neben Trance-Abr umern wie "Rhythm Method" von SPIRA oder »Slide On« von SPACE DJZ, und wer gedacht h tte, Acid und Breakbeats gehen nicht zusammen, wird ebenfalls eines Besseren belehrt. Da Abmischung und Sound bei diesem Album auch noch stimmen, bleibt nur ein Urteil für echte Club-Sound-Fans: Sahne! (mad)

OPERATING STRATEGIES
The Rainbow-Coloured Bride
Strange Ways Rec.
Was Marco Rosenkranz und Thomas Köhler in diesem Album alles verpackt haben, läßt sich mit schnöden Worten nicht beschreiben. Gleich nach dem wavigen Titelsong überfällt uns das melancholische »Let The Rain Come Down« so dermaßen schön, daß man weinen möchte, und als drittes schieben die beiden Musiker mit »Crystal Stones« einen Chill-Out-Trance der Extraklasse hinterher. Das hört sich nach einem Riesen-Durcheinander an, ist aber nichts anderes als kongeniale Vielfalt. Klassische Elemente stehen gleichberechtigt neben Synthesizer und Sequencer, von der Eleganz und Schönheit der Melodien können andere Songwriter nur neidisch träumen. Das Stück »For Her«, wie auch so mancher andere der weiteren Tracks, könnte ebensogut der GENESIS-LP »Foxtrott« entstammen, und genau wie einst die Herren GABRIEL oder FISH mit MARILLION schaffen OPERATING STRATEGIES mit ihrem Album ein Gesamtkunstwerk, das weit mehr ist als die bloße Aneinanderreihung einzelner Titel. Schade nur, daß wir die tiefgehenden Lyrics im - nebenbei bemerkt: wunderschönen - Inlay der CD nicht wiederfinden. Die schlichte Erkenntnis: »The Rainbow-Coloured Bride« ist das beste Gesamt-Album, das ich in den letzten sechs Monaten in Händen hielt. (mad)

DIVERSE
Grooverider Presents - The Prototype Years
Prototype Rec.
In dieses Album hat der Grooverider, eine englische DJ-Legende, all das gepackt, was man guten Gewissens als das Nonplusultra der aktuellen Drum & Bass-Szene bezeichnen darf. MATRIX, DILLINJA und LEMON D. sind mit dabei, aber auch neue Namen wie z.B. JOHN B. lassen aufhorchen. Bei manchen Tracks hatte der Grooverider persönlich noch sein Mix-Händchen im Spiel, und es scheint fast so, als wäre sein unruhiger Geist mit der Gründung seines eigenen Prototype-Labels nun ein wenig zur Ruhe gekommen. Schon als Siebzehnjähriger saß er nämlich für den legend ren Piratensender Faze FM an den Plattentellern, mauserte sich danach zu einem der Pioniere der britischen House Music und gilt heute, nach einem kurzen Ausflug in die Hardcore-Szene, als einer der Götter am Drum & Bass-Himmel. Nicht wenige Kollegen behaupten, er sei der Beste seines Fachs, denn trotz seiner Studiotätigkeit ist er eine Nachteule geblieben und gehört immer noch zu den Top Ten der britischen Underground-DJs. Mit diesem Doppelsampler macht er denn auch das, was er am besten kann - er setzt Maßstäbe und schafft ein echtes Muß für alle Jungle & Breakbeat-Fans. Extrapunkte gibts fürs Cover der CD, ein wirklich nette Idee. Daß da vorher noch keiner draufgekommen ist?

DAFT PUNK
Homework
Virgin
Daft Punk bedeutet übersetzt soviel wie blöder/doofer Punk, und der Name kommt nicht von ungefähr. Spielten die beide jungen Pariser Guy-Mauel & Thomas früher in Bands dieses Musikstils, wechselten sie zum elektronischem Fach hinüber. Doch auch wenn die Musikrichtung jetzt House heißt, sind Gemeinsamkeiten deutlich erkennbar. Wie beim Punk klingen die Stücke des Albums beim ersten Hinhören eher gleich und ziemlich simpel produziert. Erst im nachhinein erkennt man die feinen Unterschiede und muß gestehen: einfach, aber genial. Neben den beiden Singles »Da Funk« oder »Around the World«, die in halb Europa die Spitzen der Charts eroberten,  können vor allem das Meeresrauschen von »Fresh und Rock'n'Roll« überzeugen. HOMEWORK wird uns durch den Sommer begleiten. (nn)

RYKER'S
A Lesson In Loyality
WEA
Was gibt es noch zu sagen über Kassels bravest, die Ryker's. Seit ihrem fulimanten Debütkonzert hat der Ww über sie berichtet, früh war klar, daß die Region was ganz großes ausgespuckt hat. Mittlerweilej sind sie die Speerspitze des europäischen Hardcore, in ihrem Fahrwasser tummeln sich nicht minder begabte Bands wie Brightside und Down To Reality. »A Lesson In...« ist der dritte Full Length Player, der mittlerweile zum Quartett avancierten Band und zweifellos ihre bester. 16 adrenalinkickende Hardcoremanifeste, mit Ryker's typischer Brutalität hingezimmert, verpackt in ausgereifte Songs, die um die zweieinhalb Minuten osszilieren, so ziemlich jeden Nerv offenlegen, zupacken, tierisch grooven, um einen gleich in den näxten Song zu kicken, wo dasselbe von vorne losgeht - tierisch! Tightness und Spielfreude machen eine gute Hardcoreband aus. Die Ryker's schäumen von beidem geradezu über, dazu kommt ihr mittlerweile ausgereiftes Songwriting. Perlen, wie »Cold, Lost, Sick« oder »Gutless« haben Hitqualitäten. Ja, und der Sound sooo fett, sooo fett - ein Fest. Ach was rede ich, hört's Euch selber an! (ce)

RICHTHOFEN
Seelenwalzer
GUN
Ex Holy Moses Gitarrist Andy Classen und Ex Warpath Sänger Dirk "Dicker" Weiss sind wieder da. Ausgerechnet Richthofen (sh. Artikel) heißt ihre neue Band, mit der sie binnen kürzester Zeit einen festen Platz im Brachialmusikzirkus erobert haben. Seit Fear Factorys Debüt »Soul of a...« und Incubators »Mc Gillroy...« habe ich nichts so konsequent Krasses und Krankes mehr gehört. Wo sich die übrige Metalszene dem Diktat des Groovens verschrieben hat, verfolgen Richthofen den Weg der psychologischen Tiefenwirkung. Industrialgrundierter Tieftonmetal, Dampfwalzenriffs bisher ungekannter Qualität, dazu krasse deutsche Texte, ein gelungener Klaustrophobiegenerator, der zurecht den Namen »Seelenwalzer« trägt. Doch nicht nur angestrengtes "Böse sein" regiert das Bild. »Schönheit der Traurigkeit« ist ein Song aus dem Niemandsland zwischen rasendem Jazz und Ambient (ganz ohne Gitarren), und dann ist da noch das Tom Waits Cover »Going Out West« in einer einmaligen runtergetunten Staubsauger Blues Version. Eigentümlich platt allerdings die Texte, nach dem Motto "Reim Dich oder ich fress Dich", bleibt kein Klischee, kein vermeintliches Tabu unbeackert. Hauptsache, es ist irgendwie krank und böse. Neben dem fragwürdigen Namen bis jetzt der einzige Wermutstropfen an einer vielversprechenden Band. (ce)

MEIRA ASHER
Dissected
Crammed Discs
Kalt, repetetiv und schneidend ist MEIRA ASHERS Stimme, ganz Unfrau - weder warm noch sanft, aber immer ganz nah. Drastisch vermittelt sie ihre Weigerung Frau zu sein, ihren Körper ihrer Kultur zur Verfügung zu stellen - auf das er tue was verlangt wird. Meira Asher ist Israelin, nicht bereit Soldatin zu sein, fragt nach Aids und ob ein Pfund Erde ein Pfund Blut kostet. Hier verdichtet sich eine inoffizielle Seite Israels. Das alte Testament, die Diskurse über Körper, über Frauenkörper und die politischen Mythen Israels dienen ihr als Textsteinbruch. Ihre musikalischen Rohstoffe bezieht Meira Asher aus ihren Studien in Indien (Tabla, Dhrupadgesang), Ghana und der Elfenbeinküste (Djembe, Gesang, Tanz). Eigenwillig allerdings ihre Komponisten, keineswegs schönfärberische Weltmusik, vielmehr ausdrucksstarke Legierungen die Kopf, Bauch und manchmal das Herz ins Visier nehmen. (ce)

WHEELER, KONITZ, HOLLAND, FRISELL
Angel Song
ECM
Immer das gleiche mit ECM Platten, der erste Eindruck vermittelt eine typisch akademische Kühle, ECM-Sound halt, sehr respektvoll, zurückhaltend, nicht wirklich frei und irgendwie versperrt. So zunächst auch bei »Angel Song«, dann aber, in einer bestimmten Stimmung, hört man diese Platte und sie erscheint ungeheuer reich und tief, behutsam und großzügig zugleich. Nimmt an die Hand, führt vorbei an magischen Momenten Bill Frisells, läßt teilhaben an Dave Hollands unverrückbarer Geschmeidigkeit und zittern um den spröden Ton von Lee Konitz' Saxophon. Mentor dieser Gratwanderung weihevollen Jazzes ist Trompeter Kenny Wheeler. Sämtliche Kompositionen stammen aus seiner Feder. »Angel Song« zieht förmlich die ECM-typischen Vorwürfe von "Ästhetisierung und Akademisierung des Jazz" auf sich und unterläuft sie mit ihrer Ruhe, Geschlossenheit und Prägnanz, gesetzt den Fall, man hört sie im richtigen Moment. (ce)

DIVERSE
Psychotrance 4  (Moonshine Music)
Nachdem schon DJs wie Mr. C oder Eric Powell ein Gastspiel bei dem kleinen, aber feinen Moonshine-Label gegeben haben, mixt auf Psychotrance 4 die schottische DJ-Elite, in personam Orde Meikle und Stuart McMillan, was das Zeug hält. Das klingt zunächst, als hätte KRAFTWERK den 120er-Beat entdeckt, entwickelt sich aber ganz schnell zu einem Mix, der gefällig in Ohr und Bein geht. Daß »Slam« Orde Meikle aus der Acid House Scene stammt, kann er dabei nicht ganz kaschieren - die typischen Beeps und Swirls verwendet er eben noch zu gerne. Trotzdem schaffen die beiden Schotten hier etwas Neues: Tracks von gottweißwasfürwelchen britischen Underground-Labels stehen gleichwertig neben Trance-Abräumern wie "Rhythm Method" von SPIRA oder »Slide On« von SPACE DJZ, und wer gedacht hätte, Acid und Breakbeats gehen nicht zusammen, wird ebenfalls eines Besseren belehrt. Da Abmischung und Sound bei diesem Album auch noch stimmen, bleibt nur ein Urteil für echte Club-Sound-Fans: Sahne! (mad)

DEL AMITRI
Other Suckers Parade
A&M Records
Eines vorweg: So stürmisch haben die 5 aus Glasgow noch nie gerockt. Auch wenn mir einige Arrangements punktuell ziemlich bekannt vorkommen (BEATLES, BYRDS u.a.), dürfte das vierte Album der Schotten aus Glasgow zugleich ihr großer Hit werden. Der melancholische Zug in ihren Kompositionen ist deutlich zurückgetreten und flotten Rhythmen bzw. eingängigen, munter modulierenden Melodiebögen gewichen, typisches Beispiel dafür »Life Is Full«. Man kann nur staunen, wie frisch und unverbraucht die Songs von Currie/Harvie daherkommen. Großen Anteil daran hat aber auch Curries Gesang: manchmal weich und süffig wie Baileys Milk Cream und manchmal atemberaubend herb wie ein Teachers Whiskey, immer aber originell - in »Medicine« parodiert er gar Billy Idol - und mit einem hohen Wiedererkennungswert. (pw)

EDGAR WINTER
I'm Not A Kid Anymore
SPV/Magnetic Air
Ist er nicht schon lange erwachsen, geradezu überaltert? In der Tat: Die Rockriffs seiner neusten Songs stammen aus den späten 70ern, die perfekten Arrangements aus den 80ern. Aber einem BRYAN ADAMS kauft er mit »I Wanna Rock« lässig den Schneid des aufrichtigen, kernigen Rockers ab. Gefühlvoll-melodiöse Balladen z.B. »Brother's Keeper« wechseln gekonnt mit schnörkellosen Up-Tempo-Nummern. Der vielseitige Multiinstrumentalist und versierte Songwriter versteht durchaus sein Handwerk, auch wenn er manchmal ein wenig zu sehr zur Nostalgie neigt: In »Crazy« verklärt er sein Woodstock-Erlebnis bis zu rosaroter Unerträglichkeit, und zum Ausklang der CD beweihräuchert er sich selbst mit seinem bislang einzigen Hit: »Frankenstein«. (pw)

GARY MOORE
Dark Days In Paradies
Virgin
Der große Könner der Gitarrenkunst durchlebt derzeit den dritten Stilbruch in seiner langen Karriere. Ehemals vom saftigen, guten Hardrock zum polierten Blues gewechselt, kehrt Moore nach sechs 12-Takt-Alben dem Blues den Rücken und beschreitet (teilweise) neues Terrain. Mit dem Begriff Poprock dürfte man bei seiner neuesten Produkion nicht fehl liegen. Manchmal mehr Rock, meist mehr Pop, selbst vor Drum'n'Bass schreckt Gary Moore nicht zurück. Tja, die musikalische Welt rückt zusammen. Moore und Drum'n'Bass, wer hätte das jemals gedacht? Viel Melodie ist zu finden, einiges (vieles) an Balladen. Alles schön glatt produziert. In Zukunft sollte der Ire sich jedoch nicht zu stark der Stromlinienförmigkeit hingeben, und eher wieder Akzente wie einst setzen. Trotz allem, die Wandlungsfähigkeit dieses Musikers ist mehr als beachtenswert. (hs)

BRENDAN BENSON
One Mississippi
Virgin
Da gibt es fast zu jedem "Rolling Stone", dem deutschsprachigen Musikmagazin, eine CD hinzu mit aufstrebenden jungen, bemerkenswerten Bands und Künstlern. Auf einer solchen konnte man auch Brendan Benson entdecken. Der aufstrebende junge US Songwriter (26 Jahre), legt ein beachtenswertes, äußerst selbstbewußtes Debütalbum vor. Mit Akustik-Klampfe, rotzigen E-Gitarren und gerade mal den Drums die man für ein schlichtes, wildes Rock'n'Folk Album braucht, legt Brendan mit seinen Jungs so richtig los. Und gleich beim dritten Stück "Sittin' Pretty" hat einen diese positive In-zerissenen-Jeans-herumlaufen-Sommerlaune erfaßt! Weitere erstklassige Songs folgen. Erste Erfolge konnte der Amerikaner bereits verzeichnen: Jeweils über 50.000 verkaufte Alben in Japan und Frankreich sind ein guter Beginn auf dem Weg zum Star. (hs)
 

HBLIN'S CHOICEO
Watch Out
Slaughterhouse Produktions
Jemals von Delbrück nähe Paderborn gehört? Nein? Dies ist die Heimat dieser 5 Verrückten, angeführt von einem patentierten Wahnsinnigen names "Biesy". Auf ihrem druckvollen Debüt knallen uns die Jungs in einer guten halben Stunde 13 Songs um die Ohren. Ihr Sound ist eine Mixtur aus allem was uns die californische Punkrockszene in den letzten Jahren beschert hat. Vor allem die wohl einflußreichste California-Band "NOFX" findet sich im flotten Songwriting wieder. Beeindruckende technische Leistungen auf ihren Instrumenten und eine Garantie zur Party zeichnen diesen Silberling aus. Es bleibt den Hoblim's nur noch zu wünschen, daß sie sich in ihrem Songwriting von ihren Vorbildern "freischwimmen" können, um nicht in der Flut ähnlicher Veröffentlichungen unterzugehen. Turn it loud!

ANNE CLARK
Wordprocessing - The Remix Project
Columbia/Sony
Anne Clark war ihrer Zeit schon immer einen Schritt voraus. Sie beeinflußte eine ganze Generation mit der Art, wie sie ihre Songs und Texte darbot, hatte immensen Einfluß auf die Elektronik- und Wave-Bewegung der 80er und 90er Jahre und machte Dancefloor hoffähig, bevor der Begriff überhaupt geboren war.
Ihr neues Album »Wordprocessing« (dt. »Textverarbeitung«) sollte eigentlich schon letztes Jahr erscheinen, blieb dann allerdings im Vertrags-Wirrwarr ihres alten Labels hängen, das schnell noch eine wenig aufregende Compilation ihrer größten Hits auf den Markt warf. Mit diesem simplen Best Of-Album wollte sich Anne Clark nun gar nicht zufrieden geben. So ist »Wordprocessing« eine Aufarbeitung der ganz anderen Art geworden. DJs wie Techno-Guru SVEN VÄTH, MOUSE ON MARS oder HARDFLOOR haben sich an eine zeitgemäße Neubearbeitung Ihrer erfolgreichsten Songs gemacht, und heraus kam eine wohl einzigartige Symbiose aus Annes eigenwilligen Kompositionen mit dem Tekkno/Trance-Sound der 90er. So zeigen ihre Klassiker »Sleeper In Metropolis« und »Our Darkness« gleich zweimal ihr Potential. Heißer Anspieltip: der Remix »Wallies (Night Of The Hunter)« von JUNO REACTOR, der noch um einiges mehr Dynamik und Eingängigkeit rüberbringt als die Originalversion. (mad)

PRODIGY
The Fat Of The Land
XL-Recordings
Sie ist in aller Munde, die CD, auf die die Fanwelt sooo lange warten mußte: die neue Prodigy. Nach den schon Monate zurückliegenden Single-Auskopplungen »Firestarter« und »Breathe« waren die vier Musiker in echten Zugzwang geraten. Die Hinhaltetaktik hat funktioniert - kaum in den Regalen, ist die Nummer »Diesel Power« zum Renner in den Tanzschuppen avanciert, »Funky Shit« und »Smack My Bitch Up« (mit Ofra Haza-Touch) stehen schon in den Startlöchern. Jedoch an so manchen Stellen merkt man dem Album an, daß es »mit heißer Nadel« gestrickt ist. Der immense Druck von außen ist wohl dafür verantwortlich, daß man einen Loop hier, ein Sample da vermissen könnte (z.B. in der eher unmotivierten Nummer »Mindfields«). Muskalisch ist nicht viel Neues dabei, zu gut greifen die bewährten Rezepte.
Der ganz große Wurf ist das Album also nicht, aber trotzdem: mit ihrer »Music For The Jilted Generation« sind die Herren Sparks & Co. immer noch eine der innovativsten Bands der 90er. Andere, wie z.B. The Chemical Brothers oder DJ Crush, lassen in dieser Richtung zwar aufhorchen, aber Prodigy ist eben immer noch Prodigy - auch mit »The Fat Of The Land« in dieser Sparte das Maß aller Dinge. (mad)

HOBLIN'S CHOICE
Watch Out
Slaughterhouse Produktions
Jemals von Delbrück Nähe Paderborn gehört? Nein? Dies ist die Heimat dieser 5 Verrückten, angeführt von einem patentierten Wahnsinnigen names "Biesy". Auf ihrem druckvollen Debüt knallen uns die Jungs in einer guten halben Stunde 13 Songs um die Ohren. Ihr Sound ist eine Mixtur aus allem was uns die kalifornische Punkrockszene in den letzten Jahren beschert hat. Vor allem die wohl einflußreichste California-Band "NOFX" findet sich im flotten Songwriting wieder. Beeindruckende technische Leistungen auf ihren Instrumenten und eine Garantie zur Party zeichnen diesen Silberling aus. Es bleibt den Hoblins nur noch zu wünschen, daß sie sich in ihrem Songwriting von ihren Vorbildern "freischwimmen" können, um nicht in der Flut ähnlicher Veröffentlichungen unterzugehen. Turn it loud! (stb)

RYKER'S
A Lesson In Loyality
WEA
Was gibt es noch zu sagen über Kassels bravest, die Gruppe RYKER'S. Seit ihrem fulimanten Debütkonzert hat der Ww über sie berichtet, früh war klar, daß die Region was ganz großes ausgespuckt hat. Mittlerweilej sind sie die Speerspitze des europäischen Hardcore, in ihrem Fahrwasser tummeln sich nicht minder begabte Bands wie BRIGHTSIDE und DOWN TO REALITY. »A Lesson In...« ist der dritte Full Length Player, der mittlerweile zum Quartett avancierten Band und zweifellos ihr bester. 16 adrenalinkickende Hardcoremanifeste, mit Ryker's-typischer Brutalität hingezimmert, verpackt in ausgereifte Songs, die um die zweieinhalb Minuten osszilieren, so ziemlich jeden Nerv offenlegen, zupacken, tierisch grooven, um einen gleich in den nächsten Song zu kicken, wo dasselbe von vorne losgeht - tierisch! Tightness und Spielfreude machen eine gute Hardcoreband aus. Die Ryker's schäumen von beidem geradezu über, dazu kommt ihr mittlerweile ausgereiftes Songwriting. Perlen, wie »Cold, Lost, Sick« oder »Gutless« haben Hitqualitäten. Ja, und der Sound sooo fett, sooo fett - ein Fest. Ach was rede ich, hört's Euch selber an! (ce)
 

RICHTHOFEN
Seelenwalzer
GUN
Ex Holy Moses Gitarrist Andy Classen und Ex Warpath Sänger Dirk "Dicker" Weiss sind wieder da. Ausgerechnet Richthofen (sh. Artikel) heißt ihre neue Band, mit der sie binnen kürzester Zeit einen festen Platz im Brachialmusikzirkus erobert haben. Seit Fear Factorys Debüt »Soul of a...« und Incubators »Mc Gillroy...« habe ich nichts so konsequent Krasses und Krankes mehr gehört. Wo sich die übrige Metalszene dem Diktat des Groovens verschrieben hat, verfolgen Richthofen den Weg der psychologischen Tiefenwirkung. Industrialgrundierter Tieftonmetal, Dampfwalzenriffs bisher ungekannter Qualität, dazu krasse deutsche Texte, ein gelungener Klaustrophobiegenerator, der zurecht den Namen »Seelenwalzer« trägt. Doch nicht nur angestrengtes "Böse sein" regiert das Bild. »Schönheit der Traurigkeit« ist ein Song aus dem Niemandsland zwischen rasendem Jazz und Ambient (ganz ohne Gitarren), und dann ist da noch das Tom Waits Cover »Going Out West« in einer einmaligen runtergetunten Staubsauger Blues Version. Eigentümlich platt allerdings die Texte, nach dem Motto "Reim Dich oder ich fress Dich", bleibt kein Klischee, kein vermeintliches Tabu unbeackert. Hauptsache, es ist irgendwie krank und böse. Neben dem fragwürdigen Namen bis jetzt der einzige Wermutstropfen an einer vielversprechenden Band. (ce)
 
RYKER'S
A Lesson In Loyality
WEA
Was gibt es noch zu sagen über Kassels bravest, die Gruppe RYKER'S. Seit ihrem fulimanten Debütkonzert hat der Ww über sie berichtet, früh war klar, daß die Region was ganz großes ausgespuckt hat. Mittlerweilej sind sie die Speerspitze des europäischen Hardcore, in ihrem Fahrwasser tummeln sich nicht minder begabte Bands wie BRIGHTSIDE und DOWN TO REALITY. »A Lesson In...« ist der dritte Full Length Player, der mittlerweile zum Quartett avancierten Band und zweifellos ihr bester. 16 adrenalinkickende Hardcoremanifeste, mit Ryker's-typischer Brutalität hingezimmert, verpackt in ausgereifte Songs, die um die zweieinhalb Minuten osszilieren, so ziemlich jeden Nerv offenlegen, zupacken, tierisch grooven, um einen gleich in den nächsten Song zu kicken, wo dasselbe von vorne losgeht - tierisch! Tightness und Spielfreude machen eine gute Hardcoreband aus. Die Ryker's schäumen von beidem geradezu über, dazu kommt ihr mittlerweile ausgereiftes Songwriting. Perlen, wie »Cold, Lost, Sick« oder »Gutless« haben Hitqualitäten. Ja, und der Sound sooo fett, sooo fett - ein Fest. Ach was rede ich, hört's Euch selber an! (ce)

RICHTHOFEN
Seelenwalzer
GUN
Ex Holy Moses Gitarrist Andy Classen und Ex Warpath Sänger Dirk "Dicker" Weiss sind wieder da. Ausgerechnet Richthofen (sh. Artikel) heißt ihre neue Band, mit der sie binnen kürzester Zeit einen festen Platz im Brachialmusikzirkus erobert haben. Seit Fear Factorys Debüt »Soul of a...« und Incubators »Mc Gillroy...« habe ich nichts so konsequent Krasses und Krankes mehr gehört. Wo sich die übrige Metalszene dem Diktat des Groovens verschrieben hat, verfolgen Richthofen den Weg der psychologischen Tiefenwirkung. Industrialgrundierter Tieftonmetal, Dampfwalzenriffs bisher ungekannter Qualität, dazu krasse deutsche Texte, ein gelungener Klaustrophobiegenerator, der zurecht den Namen »Seelenwalzer« trägt. Doch nicht nur angestrengtes "Böse sein" regiert das Bild. »Schönheit der Traurigkeit« ist ein Song aus dem Niemandsland zwischen rasendem Jazz und Ambient (ganz ohne Gitarren), und dann ist da noch das Tom Waits Cover »Going Out West« in einer einmaligen runtergetunten Staubsauger Blues Version. Eigentümlich platt allerdings die Texte, nach dem Motto "Reim Dich oder ich fress Dich", bleibt kein Klischee, kein vermeintliches Tabu unbeackert. Hauptsache, es ist irgendwie krank und böse. Neben dem fragwürdigen Namen bis jetzt der einzige Wermutstropfen an einer vielversprechenden Band. (ce)

MEIRA ASHER
Dissected
Crammed Discs
Kalt, repetetiv und schneidend ist MEIRA ASHERS Stimme, ganz Unfrau - weder warm noch sanft, aber immer ganz nah. Drastisch vermittelt sie ihre Weigerung Frau zu sein, ihren Körper ihrer Kultur zur Verfügung zu stellen - auf das er tue was verlangt wird. Meira Asher ist Israelin, nicht bereit Soldatin zu sein, fragt nach Aids und ob ein Pfund Erde ein Pfund Blut kostet. Hier verdichtet sich eine inoffizielle Seite Israels. Das alte Testament, die Diskurse über Körper, über Frauenkörper und die politischen Mythen Israels dienen ihr als Textsteinbruch. Ihre musikalischen Rohstoffe bezieht Meira Asher aus ihren Studien in Indien (Tabla, Dhrupadgesang), Ghana und der Elfenbeinküste (Djembe, Gesang, Tanz). Eigenwillig allerdings ihre Komponisten, keineswegs schönfärberische Weltmusik, vielmehr ausdrucksstarke Legierungen die Kopf, Bauch und manchmal das Herz ins Visier nehmen. (ce)

DIVERSE
Psychotrance 4
Moonshine Music
Nachdem schon DJs wie Mr. C oder Eric Powell ein Gastspiel bei dem kleinen, aber feinen Moonshine-Label gegeben haben, mixt auf Psychotrance 4 die schottische DJ-Elite, in personam Orde Meikle und Stuart McMillan, was das Zeug hält. Das klingt zunächst, als hätte KRAFTWERK den 120er-Beat entdeckt, entwickelt sich aber ganz schnell zu einem Mix, der gefällig in Ohr und Bein geht. Daß »Slam« Orde Meikle aus der Acid House Scene stammt, kann er dabei nicht ganz kaschieren - die typischen Beeps und Swirls verwendet er eben noch zu gerne. Trotzdem schaffen die beiden Schotten hier etwas Neues: Tracks von gottweißwasfürwelchen britischen Underground-Labels stehen gleichwertig neben Trance-Abräumern wie "Rhythm Method" von SPIRA oder »Slide On« von SPACE DJZ, und wer gedacht hätte, Acid und Breakbeats gehen nicht zusammen, wird ebenfalls eines Besseren belehrt. Da Abmischung und Sound bei diesem Album auch noch stimmen, bleibt nur ein Urteil für echte Club-Sound-Fans: Sahne! (mad)

DEL AMITRI
Other Suckers Parade
A&M Records
Eines vorweg: So stürmisch haben die 5 aus Glasgow noch nie gerockt. Auch wenn mir einige Arrangements punktuell ziemlich bekannt vorkommen (BEATLES, BYRDS u.a.), dürfte das vierte Album der Schotten aus Glasgow zugleich ihr großer Hit werden. Der melancholische Zug in ihren Kompositionen ist deutlich zurückgetreten und flotten Rhythmen bzw. eingängigen, munter modulierenden Melodiebögen gewichen, typisches Beispiel dafür »Life Is Full«. Man kann nur staunen, wie frisch und unverbraucht die Songs von Currie/Harvie daherkommen. Großen Anteil daran hat aber auch Curries Gesang: manchmal weich und süffig wie Baileys Milk Cream und manchmal atemberaubend herb wie ein Teachers Whiskey, immer aber originell - in »Medicine« parodiert er gar Billy Idol - und mit einem hohen Wiedererkennungswert. (pw)

BRENDAN BENSON
One Mississippi
Virgin
Da gibt es fast zu jedem "Rolling Stone", dem deutschsprachigen Musikmagazin, eine CD hinzu mit aufstrebenden jungen, bemerkenswerten Bands und Künstlern. Auf einer solchen konnte man auch Brendan Benson entdecken. Der aufstrebende junge US Songwriter (26 Jahre), legt ein beachtenswertes, äußerst selbstbewußtes Debütalbum vor. Mit Akustik-Klampfe, rotzigen E-Gitarren und gerade mal den Drums die man für ein schlichtes, wildes Rock'n'Folk Album braucht, legt Brendan mit seinen Jungs so richtig los. Und gleich beim dritten Stück "Sittin' Pretty" hat einen diese positive In-zerissenen-Jeans-herumlaufen-Sommerlaune erfaßt! Weitere erstklassige Songs folgen. Erste Erfolge konnte der Amerikaner bereits verzeichnen: Jeweils über 50.000 verkaufte Alben in Japan und Frankreich sind ein guter Beginn auf dem Weg zum Star. (hs)

ANNE CLARK
Wordprocessing - The Remix Project
Columbia/Sony
Anne Clark war ihrer Zeit schon immer einen Schritt voraus. Sie beeinflußte eine ganze Generation mit der Art, wie sie ihre Songs und Texte darbot, hatte immensen Einfluß auf die Elektronik- und Wave-Bewegung der 80er und 90er Jahre und machte Dancefloor hoffähig, bevor der Begriff überhaupt geboren war.
Ihr neues Album »Wordprocessing« (dt. »Textverarbeitung«) sollte eigentlich schon letztes Jahr erscheinen, blieb dann allerdings im Vertrags-Wirrwarr ihres alten Labels hängen, das schnell noch eine wenig aufregende Compilation ihrer größten Hits auf den Markt warf. Mit diesem simplen Best Of-Album wollte sich Anne Clark nun gar nicht zufrieden geben. So ist »Wordprocessing« eine Aufarbeitung der ganz anderen Art geworden. DJs wie Techno-Guru SVEN VÄTH, MOUSE ON MARS oder HARDFLOOR haben sich an eine zeitgemäße Neubearbeitung Ihrer erfolgreichsten Songs gemacht, und heraus kam eine wohl einzigartige Symbiose aus Annes eigenwilligen Kompositionen mit dem Tekkno/Trance-Sound der 90er. So zeigen ihre Klassiker »Sleeper In Metropolis« und »Our Darkness« gleich zweimal ihr Potential. Heißer Anspieltip: der Remix »Wallies (Night Of The Hunter)« von JUNO REACTOR, der noch um einiges mehr Dynamik und Eingängigkeit rüberbringt als die Originalversion. (mad)

REPRAZENT FEAT. RONI SIZE
New Forms
Mercury
Der Titel als Konzept. Mit ihrem Erstlingswerk präsentieren die DJs Krust, Die, Suv und Remix-König Roni Size eine neue Form des Drum'n'Bass. Sie selbst bezeichnen ihre Musik als 21st Century Soul. Es beschreibt auf eindrucksvolle Weise den mörderischen Wettkampf zwischen Industrie und Leben. Die Wärme der Menschlichkeit, dargestellt durch klassische Jazzinstrumierung und der Stimme der Sängerin Onalee. Auf der anderen Seite stehen harte Basslines und metallische Drums, dazwischen neutrale, kommentierende HipHop-Elemente. Der musikalische Zusammenprall dieser Welten wird auf zwei CDs gebannt. Wird dem Drum'n'Bass oft eine depressive Art bescheinigt, ist diesmal ein erfrischender Rhythmus die Antriebsfeder. Das Album hat mehr zu bieten, als nur die erste Auskopplung des Sahne-Stückes »Share the fall«. (nn)
 

RADIOHEAD
OK: Computer
EMI
Das also passiert, wenn die Plattenfirma ihren Künstlern frei Wahl bei der Aufnahme und der Auswahl des Materials für die neue Platte läßt. Im ersten Moment beschleicht den Zuhörer das Gefühl, daß die Musiker unter Einnahme von berauschenden Mitteln standen. Zu abgedreht sind die Klanggebilde, die die Mannen um Sänger Thom Yorke hervorgezaubert haben: eine Mischung aus Genie und Wahnsinn. Der düstere, schräge Gesang thront über allem und steht stets im Mittelpunkt der Arrangements, dabei gewinnt die Stimme selbst den lieblichsten Tönen eine depressive Seite ab. Folk- und Rockelemente unterstreichen den spacigen Sound des Albums. Das Stück »Exit Music (for a film)« verbreitete bereits in der Neuverfilmung von Shakespeare's Romeo und Julia eine tragische Grundstimmung. Die einzelnen Klangjuwelen entfalten ihre wahre Schönheit erst bei mehrfachem Anhören. (nn)

TOCOTRONIC
Es ist egal, aber
L'Age d'or
Fleißig sind sie auf jeden Fall, die Jungs von TOCOTRONIC: Es ist mittlerweile schon zur Regel geworden, daß sie jedes Jahr ein neues Album nachlegen. Spätestens seit dem letzten Album »Wir kommen um uns zu beschweren« sind sie zur populärsten Band der Hamburger Schule geworden, die auch DIE STERNE oder BLUMFELD hervorgebracht hat. Diesmal wurde, im Gegensatz zu den Vorgängeralben, verstärkt an der musikalischen Weiterentwicklung gearbeitet: So begab man sich zur Aufnahme in die französische Provinz und räumte Hans Platzgumer als Produzenten großen Einfluß auf die Musik ein. Ihm ist es zu "verdanken", daß die Band wesentlich länger an der Musik feilte und bei manchen Liedern auch massive Streicherarrangements eingesetzt wurden. Dennoch ist die Entwicklung nur bedingt gelungen. Zwar ist das Album sehr abwechslungsreich und Tocotronic-Fans werden sowieso ihren Spaß daran haben, an den unverbrauchten Charme des ersten Albums kommt es allerdings nicht ran. (bh)

ANNE CLARK
Wordprocessing - The Remix Project
Columbia/Sony
Anne Clark war ihrer Zeit schon immer einen Schritt voraus. Sie beeinflußte eine ganze Generation mit der Art, wie sie ihre Songs und Texte darbot, hatte immensen Einfluß auf die Elektronik- und Wave-Bewegung der 80er und 90er Jahre und machte Dancefloor hoffähig, bevor der Begriff überhaupt geboren war.
Ihr neues Album »Wordprocessing« (dt. »Textverarbeitung«) sollte eigentlich schon letztes Jahr erscheinen, blieb dann allerdings im Vertrags-Wirrwarr ihres alten Labels hängen, das schnell noch eine wenig aufregende Compilation ihrer größten Hits auf den Markt warf. Mit diesem simplen Best Of-Album wollte sich Anne Clark nun gar nicht zufrieden geben. So ist »Wordprocessing« eine Aufarbeitung der ganz anderen Art geworden. DJs wie Techno-Guru SVEN VÄTH, MOUSE ON MARS oder HARDFLOOR haben sich an eine zeitgemäße Neubearbeitung Ihrer erfolgreichsten Songs gemacht, und heraus kam eine wohl einzigartige Symbiose aus Annes eigenwilligen Kompositionen mit dem Tekkno/Trance-Sound der 90er. So zeigen ihre Klassiker »Sleeper In Metropolis« und »Our Darkness« gleich zweimal ihr Potential. Heißer Anspieltip: der Remix »Wallies (Night Of The Hunter)« von JUNO REACTOR, der noch um einiges mehr Dynamik und Eingängigkeit rüberbringt als die Originalversion. (mad)

DIVERSE
PhatPhreeStyle Phase 1
D4D/Liquid Stein
"TripHop, Dopebeats, drum&bass" verschafft uns als Untertitel auf dem Cover dieses Samplers zumindest eine Ahnung von der zu erwartenden Musik. "Freestyle" ist in aller Munde sagt jedoch nur aus, daß herkömmliched Genregrenzen wieder einmal durchweicht werden. "Freestyle bedeutet Freiheit und ist folglich musikalisches Niemandsland", so der Beipackzettel zur Veröffentlichung. Öffnet das nicht Tür und Tor der Beliebigkeit? Keinesfalls. »PhatPhreeStyle« will ein Spektrum neuer Musik aufzeigen, die die Downbeat Genres des Moments kombiniert, ohne deshalb selbst Grenzen einzuführen. Die 13 Titel des Samplers präsentieren sich allesamt recht relaxt und groovig. Neben Altbekannten wie z.B. Glyn Bush von ROCKERS HIFI (hier unter dem Namen "Biggs Bush" zu hören), werden auch neuere Projekte vorgestellt - so auch die Frankfurter MARSCHMELLOWS. Überraschend ist die Kooperation der GROOVE CORPORATION mit der herausragenden Stimme von Bim Sherman aus dem On-U-Sound Umfeld auf »ghetto prayer«. Krönender Abschluß ist das von Funki Porcini remixte »Guiding Star« von UNITONE HIFI. (kf)

SCHWEISSER
Heiland
Intercord
Neben den erfolgreichen RAMMSTEIN versucht auch die bayerische Band SCHWEISSER die Käufer mit deutschsprachigem bombastischem Metal zu ködern. Nach dem Erfolg von »Willkommen im Club« folgt jetzt das neue Album mit dem provokanten Titel »Heiland«. Ihr Rezept: über einen schweren Klangteppich wird pathetisch und bedrohlich gesungen. Was die Musik betrifft, geht die Rechnung auch auf: Geboten wird sauber produzierter und druckvoller Metal. Der Gesang hingegen wirkt eher lächerlich. Irgendwie nimmt man dem Sänger den ganzen Pathos und das Leidende nicht ab. Zudem greift die Band allzuoft üble Metalklischees auf, die nicht so recht in das angestrebte progressive Bild passen: da wird nicht mit Fäkalvokabular gegeizt (z.B. »Friss Scheisse«) und das ganze Männlichkeitsgetue wirkt auch eher peinlich. Am ehesten hörenswert sind da noch der Titeltrack »Heiland« über Selbstverantwortung, »Nachrechnen« zum Thema Aids und »Meine Liebe ist ein Monster« zusammen mit den Cellospielern der finnischen Band APOCALYPTICA. (bh)

RICHTHOFEN
(Rücksprache mit Fedor)

DIVERSE
Psychotrance 4
Moonshine Music
Nachdem schon DJs wie Mr. C oder Eric Powell ein Gastspiel bei dem kleinen, aber feinen Moonshine-Label gegeben haben, mixt auf Psychotrance 4 die schottische DJ-Elite, in personam Orde Meikle und Stuart McMillan, was das Zeug hält. Das klingt zunächst, als hätte KRAFTWERK den 120er-Beat entdeckt, entwickelt sich aber ganz schnell zu einem Mix, der gefällig in Ohr und Bein geht. Daß »Slam« Orde Meikle aus der Acid House Scene stammt, kann er dabei nicht ganz kaschieren - die typischen Beeps und Swirls verwendet er eben noch zu gerne. Trotzdem schaffen die beiden Schotten hier etwas Neues: Tracks von gottweißwasfürwelchen britischen Underground-Labels stehen gleichwertig neben Trance-Abräumern wie "Rhythm Method" von SPIRA oder »Slide On« von SPACE DJZ, und wer gedacht hätte, Acid und Breakbeats gehen nicht zusammen, wird ebenfalls eines Besseren belehrt. Da Abmischung und Sound bei diesem Album auch noch stimmen, bleibt nur ein Urteil für echte Club-Sound-Fans: Sahne! (mad)

TERRORGRUPPE
Nonstop Aggro Pop 1977-1997
Gringo Records
Um sich der Aufgabe des "schwierigen" 3. Albums zu entziehen, bedienten sich die neuen Deutsch-Punkhelden aus Berlin eines Tricks: Einer Doppel-CD mit einer Best of Sammlung aller Singles incl. B-Seiten (27 Songs) und einem 11-Song Mini Album mit neuem Material. Es ist eigentlich alles mehr oder weniger beim alten geblieben: Handwerkliche gute Songs mit (für Punkverhältnisse) klasse Gitarrenarbeit, eingängigen Hooklines zum Mitsingen, sowie der Hauch des Images der letzten "echten" deutschen Punkband. Für Fans der Gruppe mit Sicherheit eine Selbstbestätigung ihres guten Geschmacks, für nur "schon mal was davon gehört" Konsumenten eher guter Durchschnitt. Dies ist eine Partyband, die sich schon immer einen Dreck darum geschert hat, ob sie jemanden  schockieren oder nicht. Vielleicht ist bei diesem Werk allerdings schon etwas zuviel Berechnung im Spiel? Love it or leave it! (stb)

THE ELECTRIC FAMILY
Welcome To The Family Show
Strange Ways/ Indigo
So manches Mal flattern einem doch wahre Überraschungen auf den Redaktionstisch. The Electric Family ist sozusagen eine Krautrock-Allstar-Band. Tom 'The Perc' Redecker rief 1996 einige Veteranen zum legendären Burg Herzberg Festival und die Altstars kamen und gaben als Projekt ihr Livedebüt. Spätestens dort war allen  klar: Das muß auf Platte. Hinter Mastermind Tom Redecker stehen so große Namen wie u.a. Dieter Bornschlegel (Atlantis/Guru Guru), Volker Kahrs (Grobschnitt/Taras Bulba), Dieter Safras (Amon Düül 2/Embryo), Abdul Majid Domnati (Page/Plant, Peter Gabriel, Embryo) sowie special appearence by Johnny Cash. Feinster Kraut(space)rock mit träumerischen Gitarrenläufen ("Space Caravan"). Zum Abheben schön. Unbedingt Ausschau halten: Im Oktober auf Tour.  (hs)

AJUUCA
A Blue Trip On The Bright Side Of The Moon
XPansion Records/Bite Your Ear
Der Titel hält was er verspricht. Lange Reisen in den Kosmos des Sounds, die Erdumlaufbahn verlassend in Richtung Mond. Ausschweifungen sind gewollt. Trancetempel und kleine elektronische Tanzstückchen die lediglich mit dem Namen Techno degradiert wären. AJUUCA sind zwei Tüfler aus München. In ihrer vorherigen Karriere als normale Rockband ging es ihnen wie vielen anderen Rockbands auch... Radikalschlag: Alle Instrumente verkaufen und Sampler und Synthies anschaffen. Der neue musikalische Ausdruck begeistert nicht nur Szeneleute sondern auch viele Elektrorock Freunde. Schwebt man erst schwerelos im All holen einen nur noch die gesprochenen Filmsequenzen eines Robert De Niro wie beim fabulösen Titeltrack auf die Erde zurück...aber auch nur kurz. (hs)
 

MEREDITH BROOKS
Blurring the Edges
Capitol Records
Hübsch ist sie ja, mit ihrem scharfkantigen Gesicht und dem amerikanisch breiten Lächeln über makellosen Zahnreihen... Immerhin hat sie mit ihrem Ohrwurm »Bitch« einen fulminanten Sommerhit gelandet und ist damit gerade noch rechtzeitig auf den langsam abfahrenden Girlie-Modezug aufgesprungen. Mit üppigem "femme fatale"-Selbstbewußtsein kokettierend, lädt sie auf ihrer Platte zu einer Reise durch den weiblichen Rock'n' Mainstream ein, kommt dabei aber - trotz ausgiebigem Gebrauch von ausgebufften Soundeffekten - weder an die rhythmische Eingängigkeit einer Sheryl Crow noch an die abgefahrene Leidenschaftlichkeit einer Alanis Morissette heran. Am gelungensten sind da noch, außer ihrem Hit, die Songs »Somedays« und »My little town«. Darüber hinaus wird es allerdings kompositorisch schon verdächtig dünn... (pw)

IN SEARCH OF A ROSE
Fresh Lotus Surprise
Aris
Seit wann liegt das ostwestfälische Kaff Detmold in Irland? Gemessen an den schnörkellosen, rasanten und trotzdem gefühlvoll nachempfundenen Jigs und Reels der sechs ausgezeichneten Musiker/Innen kommt man geographisch nachdrücklich ins Schleudern. Ihre atemberaubend schnellen, kraftvollen Rhythmen gehen unmittelbar ins Blut, ihre elegischen Balladen schnurstracks zu Herzen. Der ungewöhnliche Crossover von Punk und irischer Folklore gelingt in imposanter Weise und verleiht dem Album einen geradezu avantgardistischen Touch. Aber auch fröhliche Anklänge an die HOOTERS, sowie wunderschöne Perlen aus dem Singer/Songerwriter-Fach sind auf diesem in jeder Beziehung gelungenen Album zu finden. Gemastert wurde die Platte übrigens von Altmeister Kevin Metcalfe (QUEEN, CRANBERRIES). (pw)

TIJUANA TEX & THE COWBONES
Amerikas Greatest Hits
Psycho Recordings
Was hier auf dieser CD singt und klingt, scheint direkt aus den 50ern zu stammen - ohne Umweg über die anderen Jahrzehnte. Die Erklärung kann nur sein, daß die Bandmitglieder seinerzeit eingefroren wurden und erst jetzt wieder aufgetaut sind. Denn jemanden, der eine solche Rock-'N-Roll-Gitarre spielt, findet man heute eigentlich nicht mehr. Auch beim Gesang scheint die Pomade fast schon aus den Lautsprechern zu tropfen und die Hälfte der 23 (!) Stücke auf der CD ist in Mono aufgenommen. "Amerikas Greatest Hits" verspricht der Albumtitel. Da könnte man vermuten, daß die Band direkt aus Memphis oder Las Vegas stammt. Stattdessen ist sie im nordhessischen Kassel beheimatet, aber dennoch spielen sie den Rock 'n Roll gekonnter als so manche Amerikaner. Gut umgesetzt ist auch die Coverversion von Phil Collins' "Groovy kind of love". Ein gelungenes Debüt! (bh)

TOM COCHRANE
Songs of a circling spirit
Mein Gott, was ein herrliches Album! Seit gut 20 Jahren komponiert Tom Cochrane nunmehr Roadsongs - unter anderem für seine ehemalige Band "Red Rider" - , aber ein solcher Schlag ist ihm bis dato nicht gelungen: "Songs of a circling spirit", das dritte Solo-Album des Kanadiers, ist im schlichten Songwriter-Stil gehalten, ist befreit von aufwendigen Arrangements, ist ein emotionaler Akustik-Querschnitt durch sein bisheriges Schaffen. "Weniger ist mehr" ist man fast geneigt zu sagen, den eher schmalen Vorgänger "Ragged as a road" noch im Ohr. Lediglich begleitet von Bill Bell (Gitarre/Mandoline) und Gregor Beresford (Drums) weiß Tom Cochrane auf seinem neuen Silberling mit leisen Worten und sanften Akkorden zu überzeugen. Alte und neue Rock-Songs lassen jedweden oberflächlichen Unplugged-Mainstream verblassen. Schön, einfach schön. (tl)
 

FUTURE LOOP FOUNDATION
Time And Bass  (Ultimate)
Drum&Bass aus London, der sofort ins Ohr geht. Wer den Chill Out sucht und trotzdem nicht auf Breakbeats verzichten will, kommt an diesem Album nicht vorbei. Afrikanische Motive finden ihren Widerklang ("Spirit Catcher") ebenso wie klassische Trance-Elemente   (kreischende Möwen sind ja seit Jean Michel Jarres "Oxygene" recht populär). Mark Barrott, Komponist, Produzent und Mixer in Personalunion, trifft mit seinem Album in eine bisher kaum erforschte Lücke und zeigt, in welche Richtung das in Teilen festgefahrene Genre Drum&Bass noch erweitert werden kann. Ohne Schnörksel verbindet er gekonnt die Drumline mit Synthesizer und Sequencer - einfach genial und niemals langweilig. Mit ein bißchen Glück noch erhältlich die "Limited Edition" mit 4 Bonus-Tracks, die auf jeden Fall drei Extra-Suchstunden in den Plattenläden rechtfertigen. (mad)

MANMACHINEMAN
The Rhythmdesign Rising  (Listening Pearls)
Jungejunge, für das, was Manmachineman hier vorlegen, muß die Schublade neu erfunden werden. Was mit einem lauschigen Bass-Solo beginnt ("Travelling Bass") wandelt sich mit "Funk Corner" zu einem irren Barry White-Remix, wird zum Jazz bei "Time Warp 1923", dümpelt mit "Mitropa" nur noch als dunkles Glucksen dahin, mutiert über Reggae ("Maelcum's Score") zum Drum&Bass ("Wuz goin on?") und endet schließlich mit dem Schienengekreische einer U-Bahn. "Sollndet?", fragt man sich irgendwie, aber ein durchgestyltes, aalglattes Album war wohl nicht im Sinne der Band. Das haben sie hingekriegt. Trotzdem bemerkenswert, bei wem sie sich im Inlay bedanken: Jamiroquai (nicht gehört), Peter Gabriel (nicht erkannt), Felix Mendelson (nur erahnt), Tricky, Portishead, Kool & The Gang... Beileibe nicht übel, aber doch recht abgefahren. (mad)

GUILDO HORN
Danke
EMI
Guildo Horn und seine Orthopädischen Strümpfe musizieren nun unter der strengen Aufsicht von Schlager-Altstar Michael Holm. Klar, daß da auch so illustre Gäste wie Cindy & Bert, Joy Fleming, Peter Rubin und der unvermeidliche Jürgen Drews im Studio vorbeischauen, um "Das schönste Lied kennt Guildo Horn" anzustimmen. Letzteres auf die Melodie von "Up Where We Belong", wie überhaupt fast alle Songs aus der guten alten Zeit stammen. "Wunder gibt es immer wieder", "Aber bitte mit Sahne" und "Ein Lied kann eine Brücke sein" werden genauso recyclet wie Lobos Kommissarhit "Baby, I'd Love You To Want Me" - Michael Holm hatte schon in den 70ern eine wenig beachtetete deutsche Version geschrieben. Noch mehr Original-Schlager gibt es in einem Live-Party-Medley. Was nicht geborgt ist, ist geklaut. Aber immerhin: Guildo sagt im - hitverdächtigen - Titelsong wenigstens brav "Danke". (lj)
CD 03 Guildo Horn »Danke«

HAMID BAROUDI
5
Vielklang
Nicht ganz so abgefahren high-tech-mäßig wie beim zuletzt vorgelegten »Mad CT Mix« präsentiert sich der in Kassel lebende Algerier Hamid Baroudi auf seinem aktuellen Album. Statt dessen gibt es viel Besinnung auf afrikanische Musiktraditionen, Baroudi lädt uns ein zum »Tea In Marrakesh«. Da ertönen Instrumente mit so exotischen Namen wie Kora, Bendir, Karakeb und Gimbri zwischen den von Till Mertens raffiniert programmierten Keyboards. Gastmusiker aus fernen Ländern wie Algerien, Frankreich, Japan, Ägypten, Marokko, Jordanien und Libanon erfüllen den Anspruch "Weltmusik" mit Leben. Raffiniert verschachtelte Rhythmen, folkloristisches Getändel und archaische Chöre werden ab und zu durch Raps und eingeworfene Zerr-Gitarren die Gegenwart geholt. Die Texte zeigen schließlich, daß Baroudi trotz der grauenhaften Zustände in seinem Heimatland ein naiver Idealist geblieben ist. Das Album ist ein träumerisches Manifest für eine friedliche Welt. (lj)
CD 02 Hamid Baroudi: »5«

DIVERSE
PhatPhreeStyle Phase 1
D4D/Liquid Stein
"TripHop, Dopebeats, drum&bass" verschafft uns als Untertitel auf dem Cover dieses Samplers zumindest eine Ahnung von der zu erwartenden Musik. "Freestyle" ist in aller Munde sagt jedoch nur aus, daß herkömmliched Genregrenzen wieder einmal durchweicht werden. "Freestyle bedeutet Freiheit und ist folglich musikalisches Niemandsland", so der Beipackzettel zur Veröffentlichung. Öffnet das nicht Tür und Tor der Beliebigkeit? Keinesfalls. »PhatPhreeStyle« will ein Spektrum neuer Musik aufzeigen, die die Downbeat Genres des Moments kombiniert, ohne deshalb selbst Grenzen einzuführen. Die 13 Titel des Samplers präsentieren sich allesamt recht relaxt und groovig. Neben Altbekannten wie z.B. Glyn Bush von ROCKERS HIFI (hier unter dem Namen "Biggs Bush" zu hören), werden auch neuere Projekte vorgestellt - so auch die Frankfurter MARSCHMELLOWS. Überraschend ist die Kooperation der GROOVE CORPORATION mit der herausragenden Stimme von Bim Sherman aus dem On-U-Sound Umfeld auf »ghetto prayer«. Krönender Abschluß ist das von Funki Porcini remixte »Guiding Star« von UNITONE HIFI. (kf)

SCHWEISSER
Heiland
Intercord
Neben den erfolgreichen RAMMSTEIN versucht auch die bayerische Band SCHWEISSER die Käufer mit deutschsprachigem bombastischem Metal zu ködern. Nach dem Erfolg von »Willkommen im Club« folgt jetzt das neue Album mit dem provokanten Titel »Heiland«. Ihr Rezept: über einen schweren Klangteppich wird pathetisch und bedrohlich gesungen. Was die Musik betrifft, geht die Rechnung auch auf: Geboten wird sauber produzierter und druckvoller Metal. Der Gesang hingegen wirkt eher lächerlich. Irgendwie nimmt man dem Sänger den ganzen Pathos und das Leidende nicht ab. Zudem greift die Band allzuoft üble Metalklischees auf, die nicht so recht in das angestrebte progressive Bild passen: da wird nicht mit Fäkalvokabular gegeizt (z.B. »Friss Scheisse«) und das ganze Männlichkeitsgetue wirkt auch eher peinlich. Am ehesten hörenswert sind da noch der Titeltrack »Heiland« über Selbstverantwortung, »Nachrechnen« zum Thema Aids und »Meine Liebe ist ein Monster« zusammen mit den Cellospielern der finnischen Band APOCALYPTICA. (bh)

DIVERSE
Psychotrance 4
Moonshine Music
Nachdem schon DJs wie Mr. C oder Eric Powell ein Gastspiel bei dem kleinen, aber feinen Moonshine-Label gegeben haben, mixt auf Psychotrance 4 die schottische DJ-Elite, in personam Orde Meikle und Stuart McMillan, was das Zeug hält. Das klingt zunächst, als hätte KRAFTWERK den 120er-Beat entdeckt, entwickelt sich aber ganz schnell zu einem Mix, der gefällig in Ohr und Bein geht. Daß »Slam« Orde Meikle aus der Acid House Scene stammt, kann er dabei nicht ganz kaschieren - die typischen Beeps und Swirls verwendet er eben noch zu gerne. Trotzdem schaffen die beiden Schotten hier etwas Neues: Tracks von gottweißwasfürwelchen britischen Underground-Labels stehen gleichwertig neben Trance-Abräumern wie "Rhythm Method" von SPIRA oder »Slide On« von SPACE DJZ, und wer gedacht hätte, Acid und Breakbeats gehen nicht zusammen, wird ebenfalls eines Besseren belehrt. Da Abmischung und Sound bei diesem Album auch noch stimmen, bleibt nur ein Urteil für echte Club-Sound-Fans: Sahne! (mad)

AJUUCA
A Blue Trip On The Bright Side Of The Moon
XPansion Records/Bite Your Ear
Der Titel hält was er verspricht. Lange Reisen in den Kosmos des Sounds, die Erdumlaufbahn verlassend in Richtung Mond. Ausschweifungen sind gewollt. Trancetempel und kleine elektronische Tanzstückchen die lediglich mit dem Namen Techno degradiert wären. AJUUCA sind zwei Tüfler aus München. In ihrer vorherigen Karriere als normale Rockband ging es ihnen wie vielen anderen Rockbands auch... Radikalschlag: Alle Instrumente verkaufen und Sampler und Synthies anschaffen. Der neue musikalische Ausdruck begeistert nicht nur Szeneleute sondern auch viele Elektrorock Freunde. Schwebt man erst schwerelos im All holen einen nur noch die gesprochenen Filmsequenzen eines Robert De Niro wie beim fabulösen Titeltrack auf die Erde zurück...aber auch nur kurz. (hs)

MEREDITH BROOKS
Blurring the Edges
Capitol Records
Hübsch ist sie ja, mit ihrem scharfkantigen Gesicht und dem amerikanisch breiten Lächeln über makellosen Zahnreihen... Immerhin hat sie mit ihrem Ohrwurm »Bitch« einen fulminanten Sommerhit gelandet und ist damit gerade noch rechtzeitig auf den langsam abfahrenden Girlie-Modezug aufgesprungen. Mit üppigem "femme fatale"-Selbstbewußtsein kokettierend, lädt sie auf ihrer Platte zu einer Reise durch den weiblichen Rock'n' Mainstream ein, kommt dabei aber - trotz ausgiebigem Gebrauch von ausgebufften Soundeffekten - weder an die rhythmische Eingängigkeit einer Sheryl Crow noch an die abgefahrene Leidenschaftlichkeit einer Alanis Morissette heran. Am gelungensten sind da noch, außer ihrem Hit, die Songs »Somedays« und »My little town«. Darüber hinaus wird es allerdings kompositorisch schon verdächtig dünn... (pw)

TOM COCHRANE
Songs of a circling spirit
Mein Gott, was ein herrliches Album! Seit gut 20 Jahren komponiert Tom Cochrane nunmehr Roadsongs - unter anderem für seine ehemalige Band RED RIDER - , aber ein solcher Schlag ist ihm bis dato nicht gelungen: »Songs of a circling spirit«, das dritte Solo-Album des Kanadiers, ist im schlichten Songwriter-Stil gehalten, ist befreit von aufwendigen Arrangements, ist ein emotionaler Akustik-Querschnitt durch sein bisheriges Schaffen. "Weniger ist mehr" ist man fast geneigt zu sagen, den eher schmalen Vorgänger »Ragged as a road« noch im Ohr. Lediglich begleitet von Bill Bell (Gitarre/Mandoline) und Gregor Beresford (Drums) weiß Tom Cochrane auf seinem neuen Silberling mit leisen Worten und sanften Akkorden zu überzeugen. Alte und neue Rock-Songs lassen jedweden oberflächlichen Unplugged-Mainstream verblassen. Schön, einfach schön. (tl)

FUTURE LOOP FOUNDATION
Time And Bass
Ultimate
Drum&Bass aus London, der sofort ins Ohr geht. Wer den Chill Out sucht und trotzdem nicht auf Breakbeats verzichten will, kommt an diesem Album nicht vorbei. Afrikanische Motive finden ihren Widerklang (»Spirit Catcher«) ebenso wie klassische Trance-Elemente (kreischende Möwen sind ja seit Jean Michel Jarres »Oxygene« recht populär). Mark Barrott, Komponist, Produzent und Mixer in Personalunion, trifft mit seinem Album in eine bisher kaum erforschte Lücke und zeigt, in welche Richtung das in Teilen festgefahrene Genre Drum&Bass noch erweitert werden kann. Ohne Schnörksel verbindet er gekonnt die Drumline mit Synthesizer und Sequencer - einfach genial und niemals langweilig. Mit ein bißchen Glück noch erhältlich die »Limited Edition« mit 4 Bonus-Tracks, die auf jeden Fall drei Extra-Suchstunden in den Plattenläden rechtfertigen. (mad)

MANMACHINEMAN
The Rhythmdesign Rising
Mole Listening Pearls/Intergroove
Jungejunge, für das, was Manmachineman hier vorlegen, muß die Schublade neu erfunden werden. Was mit einem lauschigen Bass-Solo beginnt (»Travelling Bass«) wandelt sich mit »Funk Corner« zu einem irren Barry White-Remix, wird zum Jazz bei »Time Warp 1923«, dümpelt mit »Mitropa« nur noch als dunkles Glucksen dahin, mutiert über Reggae (»Maelcum's Score«) zum Drum&Bass (»Wuz goin on?«) und endet schließlich mit dem Schienengekreische einer U-Bahn. »Sollndet?«, fragt man sich irgendwie, aber ein durchgestyltes, aalglattes Album war wohl nicht im Sinne der Band. Das haben sie hingekriegt. Trotzdem bemerkenswert, bei wem sie sich im Inlay bedanken: Jamiroquai (nicht gehört), Peter Gabriel (nicht erkannt), Felix Mendelson (nur erahnt), Tricky, Portishead, Kool & The Gang... Beileibe nicht übel, aber doch recht abgefahren. (mad)

GORKY'S ZYGOTIC MYNCI
Barafundle
Fontana
Diese CD gibt Rätsel auf! Von der Plattenfirma erfährt man, daß es eine walisische Band aus Cardiff sei, die ihre Zuhörer zu einer »Magical Mystery Tour« der besonderen Art einladen. Die durchgängig einschläfernden Down-Tempo-Nummern sind aufgelockert durch ständige Rhythmuswechsel und durch eine ungemein vielseitige, im wesentlichen aber akustische Instrumentierung. Die raffiniert arrangierten Kompositionen schmerzen manchmal durch kitschig-harmonischen Jammergesang, manchmal durch gewollt schiefe Töne. Dem Mittel der Ironie wird musikalisch und textlich eifrig gefrönt. Der Schlüssel zu dieser manchmal völlig abgefahrenen, manchmal grausam genialen Melange sollen die BEATLES (zweifellos der Abbey-Road-Ära) sein. Jedenfalls kann man sich dem bizarren Reiz der Musik nur schwer entziehen. (pw)

CULTURED PEARLS
Space Age Honeymoon
WEA
Das zweite Album könnte ein Klassiker werden wie einst Sades Debüt, an das der durch Funk- und Country-Elemente aufgelockerte soulige Cocktailjazz immer wieder erinnert. Alles an diesem Werk ist edel: das Cover, die geschmackvoll aufeinander abgestimmten Sounds, die Streicher (u.a. Prager Philharmoniker), die 1-a-Aufnahmen aus dem Hannoveraner Top-Studio Peppermint-Park und natürlich die mondän säuselnde Glamour-Stimme von Astrid North. Die CULTURED PEARLS zeigen allerdings auch die Risse auf in der von ihnen zelebrierten Luxuswelt, wo Diamanten die besten Freunde der Damen sind. Männermordende Vamps, feurige Lover, die auf Nimmerwiedersehen verschwinden, Kinder, die vergeblich auf die Rückkehr ihres Vaters warten - all das findet sich in den Texten des deutschen Erfolgstrios. Doch in diesen musikalischen Perlen spiegelt sich die Düsternis nur für Momente: Immer bewahrt man Haltung, Würde und Schönheit, nie gewinnt die Verzweiflung Oberhand. Eine musikalische Wertanlage! (lj)

THOMAS D.
Solo
Four Music
Wie der Titel schon sagt, ist der Hausmeister der Fantastischen Vier diesmal ohne seine Mitstreiter im Auftrag des deutschen HipHop unterwegs. Thomas D. hat mehr oder weniger bekannte Vertreter der deutschen Musikszene zu sich ins Studio geholt. In der Gästeliste sind u.a. die Ärzte, das Viva-Akne-Gesicht Nils Bokelberg und der Plattenpapst Jöak zu finden. Doch das hilft dem Debüt nicht, an die Qualität der musikalischen Arrangements der Fanta-4-Alben anzuknöpfen. Der Sound klingt kantiger und rauher. Dennoch verschafft dem Album gerade diese Eigenart einen gewissen Charme, der durch die teil autobiografischen Texte verstärkt wird. Leider kann nicht jedes Stück überzeugen. Unter den neun Titeln findet sich mit "Las los" der legitime Nachfolger des Stückes "Krieger", der mit "Rückenwind" und "Sie hacken auf mir rum" (mit den Ärzten) zu den Highlights des Albums gehört. Doch das I.Tüpfelchen ist das im Big Band-Sound produzierte "Frisör". Sahne. (nn)

HOWIE B
Turn the dark off
Polydor
Dieser Mann holte die altbackenen Knaben von U2 zurück in die 90er und verpasste den Iren mit Drum'n'Bass-Sound und TripHop-Anleihen eine Frischzellenkur. Alles kann man Howie B vorwerfen, aber nicht, er könnte sein Equipment nicht bedienen. Unscheinbare Klangelemente setzen sich wie in einem Puzzle zu einer unglaublichen Konstellation zusammen, die beim Zuhörer nach der Betätigung des Lautstärkereglers verlangt. Diese Musik muß einfach laut gehört werden. Der treibende Beat, angereichert mit Jazzanleihen geht sofort in den Gehörgang. Die besten Stücke aufzuzählen lohnt nicht, das ganze Album ist ein Hammer bis auf die ruhmreiche Ausnahme: "Limbo". Anschaffen, einschalten und lostanzen. (nn)

THE PETARDS
Anthology - 6 CD BoxSet
Bear Family Records
'Ein Kapitel deutscher Rockgeschichte' lautet der Untertitel der Box, die die Schaffensperiode Deutschlands erfolgreichster Beatband der 60er Jahre aufzeigt. Sechs CDs, 118 Songs, 70 seitiges Begleitbuch, Liveaufnahmen und ein Radiointerview aus fernen alten Tagen, Fanherz was willst Du mehr? Neben den offiziellen LPs, gibt es viele Raritäten: Liveaufnahmen aus ihrem Heimatort Schrecksbach, die Solo-LP von Horst Ebert, sowie die Credence Clearwater LP unter dem Bandnamen Zonk. Viele Kritiker bescheinigen ihnen heute noch, der Zeit mit ihrer Mischung aus Beat und Psychedlic-Rock, voraus gewesen zu sein. Nach über 25jährigen Split der Band, die heute noch bei vielen kultischen Ruf genießt, kann man hier eine Entdeckungsreise in die wilden 60er Jahre genießen. (hs)

THE ROLLING STONES
Bridges To Babylon
Virgin
Die Songs, die ihnen zu Ehren geschrieben wurden, nehmen sich die Stones nach und nach selbst vor. Angefangen mit Bob Dylan's "Like A Rolling Stone" vom letzten Album 'Stripped', bedient sich Jagger und Co nun am Grundgerüst vom Temptations Klassiker "Papa Was A Rolling Stone" und macht daraus ein grandios rockiges "Out Of Control". Überhaupt das neue Werk der Nimmermüden überrascht mit hoher Qualität, hervoragenden Songs und einer überaus routinierten Stimmung. "Anybody Seen My Baby", die erste Single, kann getrost zu den besten Songs dieses Jahres gezählt werden. Auch die Balladen fließen ihnen leicht von der Feder. Nur Richards Songs am Ende fallen etwas aus dem Rahmen. Eines jedoch steht fest: Sie können's immer noch. Welcome to Tour in 1998! (hs)

DIVERSE
PhatPhreeStyle Phase 1
D4D/Liquid Stein
"TripHop, Dopebeats, drum&bass" verschafft uns als Untertitel auf dem Cover dieses Samplers zumindest eine Ahnung von der zu erwartenden Musik. "Freestyle" ist in aller Munde sagt jedoch nur aus, daß herkömmliched Genregrenzen wieder einmal durchweicht werden. "Freestyle bedeutet Freiheit und ist folglich musikalisches Niemandsland", so der Beipackzettel zur Veröffentlichung. Öffnet das nicht Tür und Tor der Beliebigkeit? Keinesfalls. »PhatPhreeStyle« will ein Spektrum neuer Musik aufzeigen, die die Downbeat Genres des Moments kombiniert, ohne deshalb selbst Grenzen einzuführen. Die 13 Titel des Samplers präsentieren sich allesamt recht relaxt und groovig. Neben Altbekannten wie z.B. Glyn Bush von ROCKERS HIFI (hier unter dem Namen "Biggs Bush" zu hören), werden auch neuere Projekte vorgestellt - so auch die Frankfurter MARSCHMELLOWS. Überraschend ist die Kooperation der GROOVE CORPORATION mit der herausragenden Stimme von Bim Sherman aus dem On-U-Sound Umfeld auf »ghetto prayer«. Krönender Abschluß ist das von Funki Porcini remixte »Guiding Star« von UNITONE HIFI. (kf)

SCHWEISSER
Heiland
Intercord
Neben den erfolgreichen RAMMSTEIN versucht auch die bayerische Band SCHWEISSER die Käufer mit deutschsprachigem bombastischem Metal zu ködern. Nach dem Erfolg von »Willkommen im Club« folgt jetzt das neue Album mit dem provokanten Titel »Heiland«. Ihr Rezept: über einen schweren Klangteppich wird pathetisch und bedrohlich gesungen. Was die Musik betrifft, geht die Rechnung auch auf: Geboten wird sauber produzierter und druckvoller Metal. Der Gesang hingegen wirkt eher lächerlich. Irgendwie nimmt man dem Sänger den ganzen Pathos und das Leidende nicht ab. Zudem greift die Band allzuoft üble Metalklischees auf, die nicht so recht in das angestrebte progressive Bild passen: da wird nicht mit Fäkalvokabular gegeizt (z.B. »Friss Scheisse«) und das ganze Männlichkeitsgetue wirkt auch eher peinlich. Noch anhörbar: der Titeltrack »Heiland« über Selbstverantwortung, »Nachrechnen« zum Thema Aids und »Meine Liebe ist ein Monster« zusammen mit den Cellospielern der finnischen Band APOCALYPTICA. (bh)

DIVERSE
Psychotrance 4
Moonshine Music
Nachdem schon DJs wie Mr. C oder Eric Powell ein Gastspiel bei dem kleinen, aber feinen Moonshine-Label gegeben haben, mixt auf Psychotrance 4 die schottische DJ-Elite, in personam Orde Meikle und Stuart McMillan, was das Zeug hält. Das klingt zunächst, als hätte KRAFTWERK den 120er-Beat entdeckt, entwickelt sich aber ganz schnell zu einem Mix, der gefällig in Ohr und Bein geht. Daß »Slam« Orde Meikle aus der Acid House Scene stammt, kann er dabei nicht ganz kaschieren - die typischen Beeps und Swirls verwendet er eben noch zu gerne. Trotzdem schaffen die beiden Schotten hier etwas Neues: Tracks von gottweißwasfürwelchen britischen Underground-Labels stehen gleichwertig neben Trance-Abräumern wie "Rhythm Method" von SPIRA oder »Slide On« von SPACE DJZ, und wer gedacht hätte, Acid und Breakbeats gehen nicht zusammen, wird ebenfalls eines Besseren belehrt. Da Abmischung und Sound bei diesem Album auch noch stimmen, bleibt nur ein Urteil für echte Club-Sound-Fans: Sahne! (mad)

TOM COCHRANE
Songs of a circling spirit
Mein Gott, was ein herrliches Album! Seit gut 20 Jahren komponiert Tom Cochrane nunmehr Roadsongs - unter anderem für seine ehemalige Band RED RIDER - , aber ein solcher Schlag ist ihm bis dato nicht gelungen: »Songs of a circling spirit«, das dritte Solo-Album des Kanadiers, ist im schlichten Songwriter-Stil gehalten, ist befreit von aufwendigen Arrangements, ist ein emotionaler Akustik-Querschnitt durch sein bisheriges Schaffen. "Weniger ist mehr" ist man fast geneigt zu sagen, den eher schmalen Vorgänger »Ragged as a road« noch im Ohr. Lediglich begleitet von Bill Bell (Gitarre/Mandoline) und Gregor Beresford (Drums) weiß Tom Cochrane auf seinem neuen Silberling mit leisen Worten und sanften Akkorden zu überzeugen. Alte und neue Rock-Songs lassen jedweden oberflächlichen Unplugged-Mainstream verblassen. Schön, einfach schön. (tl)

FUTURE LOOP FOUNDATION
Time And Bass
Ultimate
Drum&Bass aus London, der sofort ins Ohr geht. Wer den Chill Out sucht und trotzdem nicht auf Breakbeats verzichten will, kommt an diesem Album nicht vorbei. Afrikanische Motive finden ihren Widerklang (»Spirit Catcher«) ebenso wie klassische Trance-Elemente (kreischende Möwen sind ja seit Jean Michel Jarres »Oxygene« recht populär). Mark Barrott, Komponist, Produzent und Mixer in Personalunion, trifft mit seinem Album in eine bisher kaum erforschte Lücke und zeigt, in welche Richtung das in Teilen festgefahrene Genre Drum&Bass noch erweitert werden kann. Ohne Schnörksel verbindet er gekonnt die Drumline mit Synthesizer und Sequencer - einfach genial und niemals langweilig. Mit ein bißchen Glück noch erhältlich die »Limited Edition« mit 4 Bonus-Tracks, die auf jeden Fall drei Extra-Suchstunden in den Plattenläden rechtfertigen. (mad)

HOWIE B
Turn the dark off
Polydor
Howie B holte bereits die altbackenen Knaben von U2 zurück in die die Zukunft und verpaßte den Iren mit Drum-&-Bass-Sound und TripHop-Anleihen eine Frischzellenkur. Mit selbigen Elementen versetzte er sein Debütalbum, auf dem er mit Big Beats und Minimal-House hantiert. Dieser zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album. Unscheinbare Klangelemente setzen sich wie in einem Puzzle zu einer unglaublichen Konstellationen zusammen. Der treibende Beat, angereichert mit Jazzanleichen geht sofort in den Gehörgang, und verlangt nach einer Betätigung des Lautstärkereglers. Um die besten Stücke aufzuzählen, reicht der Platz nicht. Bis auf die ruhmreiche Ausnahme »Limbo« ist das gesamte Album ein Hammer. Kaufen, Einschalten und Lostanzen! (nn)

DE PHAZZ
detunized gravity
mole
Das Band-Info verweist auf die Ähnlichkeit zu den englischen TripHop-Pionieren MASSIVE ATTACK und TRICKY. Sind diese Informationen normalerweise mit Vorsicht zu genießen, wurde in diesem Fall nicht übertrieben. Schwere Bässe und sphärische Dub-delays begleiten den Hörer in eine Welt abgedrehter Sample-Colagen. Doch statt Bristol befindet sich dieses Kreativzentrum in Baden-Württenberg, und nicht Tricky, sondern der Heidelberger Produzent und DJ Pit Baumgartner zeigt sich für diesen musikalischen Trip verantwortlich. Immer wieder wird der TripHop-Pfad verlassen, um den Sound mit Acid-Jazz-Klängen, wilden Drum-&-Bass-Phrasen und Jungle-Elementen anzureichern. Aus dem Gesamtwerk sticht die Stimme der Sängerin Barbara Lahr heraus, die dem Mix den letzten Schliff verpasst. Anspieltip: »Good Boy« (1. Single-Auskopplung) und »Cut the Jazz« (schafft eine hinreißende Club-Atmosphäre). (nn)

TUBISAR
Orange
music enterprises
Richtig, diese Band kommt aus Kassel, ist von diversen Uni-Feten her ein Begriff. Auf ihrem Erstlingswerk zeigen TUBISAR mit schlichtem Handwerkszeug (Gitarre, Flöte, Bass, Chapman-Stick, Drums, Percussion), daß man auf viel elektronischen Schnickschnack verzichten kann und allein mit intelligenten Kompositionen satten Sound hinkriegt. Nicht verstecken können die Jungs dabei, daß sie einige JETHRO TULL und FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE-Platten in ihren Schränken stehen haben. Ausflüge ins Psychodelische (,Orange #1 - #3") sowie einen Song mit französischen Lyrics (,Lentas Song") haben sie sich dann aber doch nicht verkneifen können - zum Glück, denn allein mit ihrem folkigen Indie-Rock wäre das Album nur halb so gut. Nicht virtuos, aber grundehrlich. (mad)

DIVERSE
Innenseite
Operation 23/Indigo
Ja, es gibt sie, eine deutsche HipHop-Szene abseits von den FANTA 4 oder SABRINA SETLUR. Viel Fingerspitzengefühl bei der Zusammenstellung dieses Konzeptalbums beweist das Bremer Label ,Operation 23". Etablierte Künstler wie F.A.B. oder LYRICAL POETRY geben sich die Hand mit vielversprechenden Newcomern (MISS D-PHEAT, LOONATIC FLAVA). Erfreulich: mit den schon bekannteren ZENTRIFUGAL aus Weimar und O.S.TEE aus Magdeburg kommen auch mal ostdeutsche Rapper zu Wort und belegen, daß nicht nur Stuttgart, Hamburg oder der Ruhrpott reimen können. Herausheben kann man insgesamt jedoch keinen Titel, denn an diesem Album stimmt einfach alles. Der Hörer wird verschont vor Blödel-Lyrics und falschem ,Mothafucka"-Geplärre, der Beat geht über eine Stunde straight durch, die ,Repeat"-Taste am CD-Player gewinnt neue Bedeutung. Saucool!  (mad)

DIVERSE
Cained And Able
PuSH Recordings
Dub, Drum & Bass, Trip Hop - drei Schlagworte aus den 90ern, jetzt alle auf einem Sampler zu haben. ,Cained And Able" beleuchtet alle drei Stilrichtungen mit dem Stroboskop, mischt Chemical Beats mit Freestyle Dancefloor oder Jungle und schwebt über dunkle Tech Stepper hin zu schrägen, jazzigen Trompeten. Für alle DJ's ein Reinhör-Muß: ,Cause & Effect" von TERMINALHEAD, donnernde Breaks und eine prima Bassline erschaffen einen Drum & Bass-Sound im Housetempo - genial! Weitere Anspieltips sind das funkige ,Hangin' with Delany" und der Trip Hop ,Killing Me" (LUCID SOURCE) oder auch ANTHILL's Junglenummer ,Into the Fire". Kein Dudel-Sampler, sondern eine echte Retrospektive, was unser Jahrzehnt so alles zu bieten hat. Mit einem Wort: Cheekylowdownhighslungfunkin'dancefloorpressure. (mad)

PORTISHEAD
Portishead
GO! Beat
Auch eine der CDs, auf die man lange gewartet hat. Nach ihrem Erstlingswerk ,Dummy" bringen PORTISHEAD elf neue Titel zu Gehör, und wieder ist es Trip Hop Güteklasse A. Ein paar schrille Gitarren mehr hier, detailverliebtes Elektronikgeplänkel dort, die Briten haben's immer noch ziemlich drauf. Jedoch sind ihre Klangspielereien nicht ganz so eingängig wie beim Vorgänger, und andere Trip Hopper (MASSIVE ATTACK, SNEAKER PIMPS, MORCHEEBA, MOLOKO) mit TRICKY als Speerspitze haben aufgeholt. Die manische Stimme von Sängerin Beth sorgt noch immer für Gänsehaut (zu hören bei ,Undenied"), aber um den einstigen Vorsprung wieder herzustellen, müssen sich PORTISHEAD in Zukunft mehr anstrengen. Leider nur eine Eins minus. (mad)

RÜDIGER GLEISBERG
damiana
Proudence/rought trade
Damiana ist ein kleiner Strauch, der in Mexiko und Südamerika beheimatet ist. Er trägt gelborangene Blüten, verströmt einen betörenden Duft, und ist dort als die Pflanze der Liebe bekannt. Als Tee oder als Tabakersatz eingenommen entfaltet er seine aphrodisierende  und geistig anregende Wirkung. Die gleichnamige Vertonung stellt eine Art Ehrung des Umfeldes dar, indem eine solche Erfahrung überhaupt erst ermöglicht wird. Ausgewogenheit, ohne im Stillstand zu enden, die einen auf ihren Wellen wiegt. Fernab vom Wahnsinn dieser Tage findet sich aufeinmal  Zeit, die nicht rennt. (om)

DIVERSE
10 Years
Sattva Music
Einen Überblick über das umfangreiche Programm von Sattva Music liefert der Jubiläumssampler »10 Years«, der dieser Tage in den Plattenläden gelangt. In Zeiten, in denen sich die Majorlabel schon gegenseitig aufkaufen, kann Oliver Serano-Alve alias Shanti wirklich stolz sein. Der Gründer von Sattva Music kann eines der erfolgreichsten New Age/World-Beat-Label sein eigen nennen, das immer noch unabhängig ist. Auch wenn manche Veröffentlichung in die Kategorie Weichspüler gehören, die eine von vielen Formen der Weltflucht bietet, haben vor allem seine eigenen Projekte an Klasse gewonnen. Wer Interesse an anspruchsvoller Musik dieses Genres von Jerry Albert bis Rick Wakeman besitzt, der sollte einmal in den Regalen nach Sattva Produkten suchen. (om)

FINK
Vogelbeobachtung im Winter
xxs/Indigo
Die Musik der "Verräter" aus Hamburg, im Presseinfo als "Folk Noir" bezeichnet, birgt eine Menge Überraschungen in sich. Hier wird allerbester Hillbillie-Sound gelebt, mit dem die vier Musiker u.a. LAMBCHOP und 16 HORSEPOWER überzeugen durften. Allerdings hatten die Jungs aus den Staaten kein schimmer, was Fink da sangen, da sie den deutschsprachigen Text nicht verstanden. Wer jetzt an grauselige Truck-StopMucke denkt liegt völlig daneben. Die Texte halten nicht nur einige unerwartete Wendungen bereit, sondern sind auch wirklich brauchbares Futter für die Hirnwindungen. Also: Sattelt Eure Pferde! (om)

TIM ISFORT
Orchester
Moll/efa
Ohne Frage das Überraschungsalbum des Jahres. Während Tim Isfort am meisten zweifelte, kamen sie doch alle: Blixa Bargeld von den Neubauten, Katharina Thalbach, die Synchron- und Doku-Filmstimme Christian Brückner und Sängerin Sam Brown. Tims faszinierendes Orchesterwerk packte alle, die einmal in Vorabaufnahmen hineingehört hatten. Fast alle Texte, die zumeist von Alltagssituationen handeln, stammen aus der Feder des Flowerporno-Mannes Tom Liwa.  Jeder Song bekommt durch die wechselnden Interpreten ein unverwechselbares Gesicht. Vorallem der Sprechgesang von Christian Brückner, sowie das Duett von Blixa und Katharina prägen sich ein. (om)

DIVERSE
MOM - Music For Our Mother Ocean II
Surfdog/Interscope/Universal
Im Wildwechsel 9/96 wurde der erste Teil bereits als Sampler des Sommers mit der Höchstnote bedacht. Eineinhalb Jahre später unterstützen wiederum erstklassige Acts aus den Bereichen Alternative Rock, Singer/Songwriter und Punk die amerikanische Surfrider Foundation, der der Erhalt von Meeren und Stränden am Herzen liegt. Zum größten Teil kann man unveröffentlichte Songs von Jimmy Buffett, Jewel, Porno for Pyros, Sublime oder Moby genießen. Zu Beginn knallt's gleich gewaltig: Dick Dale's »Misirlou« (Kult seit »Pulp Fiction«) in der 97er Version, gefolgt von Pennywise' Beach-Boys-Cover »I Get Around«. Zwar ist die Zweitauflage musikalisch nicht in der gleichen Klasse besetzt wie der Vorgänger. MOM I war allerdings nur schwer zu toppen! (hs)

OZZY OSBOURNE
The Ozzman Cometh
epic
Zu Black Sabbath Zeiten war er bereits Kult! Heute ist er lebende Legende. Trotz Ankündigungen, sich aus dem Rockbusiness zurückzuziehen, nahm Ozzy das wohl nie ganz ernst. Diesen Sommer erst wurde die große Festival-Tour OZZ-FEST in den USA stürmisch von seinen Fans gefeiert. Neben einem Soloauftritt griff Ozzy auch wieder bei der Urformation des härteren Rock zum Mikro: BLACK SABBATH. Auf dieser ersten »Best Of« Veröffentlichung (CD + Bonus EP) spielt sich der Meister durch 10 Soloalben, serviert uns den brandneuen Song »Back On Earth«, sowie vier Basement-Tapes von 1970 mit Black Sabbath Klassikern in ihrer Urform. Statt dem abschließenden Interview mit Flea hätte man aber lieber weitere Songs unterbringen sollen, eine CD reicht jedoch beim Altmeister eh nicht aus! (hs)

SINEAD O'CONNOR
So Far...The Best Of
spin
Eine der eindringlichsten und schlicht schönsten Stimmen der Popmusik zieht Bilanz. Nach vier Alben und einer EP ist dies das Abschiedsgeschenk an ihre alte Plattenfirma und wohl auch ein passendes Präsent unter dem Weihnachtsbaum. Aber zur Musik: Wer erinnert sich nicht an den Welthit »Nothing Compares 2 U« aus dem Jahre 1990. Was aus der Feder von Prince stammte, machte die besinnliche Irin über Nacht zum Weltstar. Neben einigen etwas lauteren oder auch rebellischen Songs dominieren natürlich die leiseren Töne auf der CD, in denen Sinead O'Connor nunmal unschlagbar ist. Neben einem Soundtrack-Beitrag, der überwältigen Version von »Don't Cry For Me Argentina«, schließt das Album mit einem ihrer besten Songs: »This Is A Rebel Song«. Fehlt nur die hervorragende Interpretation des Elton John Songs »Sacrifice«! (hs)

SOLITAIRE
Nocturnes
Mit den ersten Klängen von KABBALA setzt der Sog ein, der auf rhythmische Weise in die Nacht entführt. Ein Klangteppich vieler Zitate, der schnell den umgebenden Raum durchbricht. Der Titelsong  NOCTURNE lebt vom Glanz einer Stimme, sie gehört Danae, die sich in schöner Klarheit aus der Unruhe der Nacht löst. Immer wieder durchziehen Sprachfetzen und Klangkollagen das Bild, um anschließend in ein neues Thema zu münden (SIMULATON OF GOD). Alle Titel inclusive den nachfolgenden fünf Stücken, haben eines gemeinsam: Sie haben nichts mit mainstream im Sinn, sondern sind vielmehr eine Herausvorderung für den Hörer. Ein düsteres Abenteuer. (om)