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Wildwechsel-Plattenkritiken
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THE GREAT CRUSADES |
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RAINER |
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DUIVELSPACK |
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SINEAD O'CONNOR Old Style but new - im alten Stil und doch neu, so könnte man den irischen Albumtitel übersetzen. Musikalisch hat sich die stimmgewaltige Irin auf ihre Wurzeln besonnen. Sinead O' Connor hat sich mit einigen Größen der irischen Folkszene zusammengetan, um eine ganze Reihe traditioneller irischer Songs in ein sensibles, zartes Popgewand zu hüllen. Traumhafte Erinnerungen an die grüne Insel werden wach - bei Song-Balladen wie »Molly Malone«, der wohl bekanntesten Fischverkäuferin aus dem 19. Jahrhundert. Oder beim Klassiker »Paddy's Lament«, der Klage eines Manne, der aus Irland nach Amerika floh, um dort dann wieder in den Bürgerkrieg geschickt zu werden. Wer bereits die zauberhafte EP »Gospel Oak« von Sinead mochte, wird dieses Album lieben. Zum Jahresschluss ein großes, besinnliches, wunderschönes Album. Vielleicht ihr Bestes! (hs) |
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ORCHESTRA BAOBAB
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NO JAZZ |
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MISS WYOMING |
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SCHANDMAUL |
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THE ROOTSMAN Nein, es handelt sich hier nicht um eine Bibelvertonung. Vielmehr hat sich Rootsman, der begnadete britische Dub-Maniac, zu neuen Ufern aufgemacht und seinem Sound Hip Hop und R'n'B beigemengt: Elemente, die für gewöhnlich eher wenig Eingang in seinen Kosmos des Modern Rootsdub finden. Das Resultat überzeugt durch Eingängigkeit. Angefangen beim erstklassigen Opener »Faith« mit der herausragenden Stimme von Dayjah bis hin zum letzten Titel »Love«, eingesungen von Bobby Blue, wird der Hörer auf eine variationsreiche Reise mitgenommen, bei der die unterschiedlichen Einflüsse deutlich werden. Dazwischen findet sich auch ein Downtempo-Dancehall-Titel mit Cudjoe Banton an den Vocals. Interessant ist hier die Verwendung der Melodielinie von Outcasts' »Ms. Jackson« im Refrain. Weiterhin sind u.a. Determine, Mike Brooks und U-Brown mit dabei. (kf) |
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HARDPAN |
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THE BLACK CROWES Kurz und knapp wurde es vor einigen Monaten über die Homepage der Band verkündet: Die Black Crowes werden eine lange Auszeit nehmen. Zwischen den Zeilen gelesen, sah es bei massiven Problemen schon nach Split der Band aus, schließlich gab es öfters Zwist zwischen den beiden Brüdern Rich und Chris Robinson. Sänger Chris wird noch dieses Jahr sein Solo Debüt »New Earth Mud« veröffentlichen und auf Tour gehen - angeblich auch nach Europa. Bruder Rich möchte mit eigener Band weiterarbeiten - im Stile der Crowes. Die gerade für ihre Liveshows legendären schwarzen Krähen, liegen somit erst mal für lange Zeit auf Eis. Für Fans kommt da ein Livealbum gerade recht. Als Doppel-CD mit 19 Songs, quer durch alle Studioalben, mit mächtig Spielfreude machen sie ihrem Namen als rock'n'rollste Band des Rock'n'Roll alle Ehre. (hs) |
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MINUS 8 |
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GLUECIFER Captain Poon und Biff Malibu waren irgendwie seltsame Kinder. Während andere verzückt vorm schrottigen Kinderfernsehen versanken, hörten sie sich lieber AC/DC Scheiben auf 78 Umdrehungen an, bis ihnen schwindelig wurde. In Oslo nennt man das schon verhaltensauffällig. 20 Jahre später hat der Wahnsinn einen Namen und nennt sich GLUECIFER. Seit 94 sind sie in Europa unterwegs. Mit zwei Fingern in der Luft, versteht sich. Der böse Blick ist geübt und das rohe Fleisch steht auf der Cateringliste. Dieses Album ist ein Vorschlaghammer direkt ins Gesicht. Zwischen jedem Riff springt der Gitarrist auf dem Rücken seines Sängers den Salto rückwärts. Tut weh? Ja klar, soll's ja auch. Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen. Man spielt schließlich keinen Rock'n'Roll, man jagt ihn um den Block. Auf 78 Umdrehungen, das versteht sich von selbst! (stb) |
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CHRIS ISAAK |
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TOCOTRONIC Ungewöhnlich viel Zeit gelassen haben sich Tocotronic für ihr neues Album, welches schlicht den Bandnamen im Titel trägt. Schlicht auch das Cover: Wo früher verwackelte Polaroids zu sehen waren, ist heute nichts als Weiß. Die Reduktion auf das Wesentliche - die Band - soll hier wohl zum Ausdruck kommen. Lange (anderthalb Jahre!) wurde an Songs und Sound gearbeitet. Das Resultat ist ein weiter Schritt weg vom gepflegten Dilettantismus, hin zum treibenden, schwelgenden Sound für die Ewigkeit. Auch inhaltlich haben Tocotronic sich neu orientiert. Ihre Texte sind nun mehr ein "Wald aus Zeichen", anstatt der zuvor üblichen T-Shirt-Parolen. Weshalb die Musikpresse bereits einen Diskurs-Hype um Begriffe wie "Empire" oder "Gruppen-Sektor" losgetreten hat. Indes: Es ist einfach Rockmusik. Und eine der besten deutschsprachigen Platten in diesem Jahr! (ks) |
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THE SEER |
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BOWES & MORLEY |
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BAD
RELIGION Punk Rock Songs Epic Nichts Neues vom großem Flaggschiff des kalifornischen Punkrocks, sondern eine schöne Zusammenstellung der Jahre beim Majorlabel Epic. Darunter Songs, die längst zu Klassikern des Genres geworden sind, wie z.B. »21st Century Digital Boy« oder »Punkrock Song«. Das Schöne an BAD RELIGION ist, dass man sie nach einer Platte kennt. Aber das war bei den RAMONES nicht anders. Eingängige Melodien und flotte Punkbeats transportieren die anspruchsvollen Texte von Sänger Greg. Außerdem findet man hier Single B-Seiten und Live-Versionen bekannter Songs, sowie Kooperation mit BIOHAZARD und Campino von den TOTEN HOSEN. Kaum eine andere Band war so stilprägent und wegweisend für all die kleinen Garagenbands. Best of-Alben riechen nach Nachlassverwaltung. Hoffen wir, dass es sich um eine Bestandsaufnahme handelt. (stb) |
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LITTLE AXE PEER GYNT Fairytale Ruf Records Immer wieder gibt es Platten, die landen bei einem auf dem Tisch, schauen harmlos aus, fangen harmlos an und hauen einen dann doch um. Hier ist es wieder mal soweit. Dem Intro und einem Blues-Instrumental folgt mit Song Nummer drei eine echte Überraschung: »Summer Tale«, frischer Bluesrock der Güteklasse A!. Der norwegische Nachwuchskünstler beeindruckt vor allem durch seinen sympatisch-charismatischen Gesang. In seiner Heimat wird er bereits als "King of Mountain Blues" gefeiert. Tatsächlich bringt Peer Gynt endlich einmal Frische in das Blues-Einerlei. Seinen powervollen Bluesrock mixt er nämlich exzellent mit norwegischen Folkelementen. Eine unerwartete, aber gelungene Mischung! Dazu serviert Peer Gynt gleich reihenweise Ohrwürmer. Er meistert sanfte Balladen genauso wie roughe Rocker und kann somit durchgängig ein Klasse-Debütalbum vorlegen. (hs) SKATALITES DIE FALSCHEN FREUNDE Gästeliste Intonation (Zomba) So falsch sind sie gar nicht, diese drei Freunde aus München, die in Wien zur gemeinsamen Musik fanden. Herauskam ein herrlich relaxter Deutsch-Pop, der mehr Stil hat, als alle Hamburger Bemühungen bisher zustande bringen konnten. Angenehm ist das fast britische Understatement, gepaart mit einem unverkrampften Blick auf die Welt und sich selbst. Sicher, man hört ab und zu schon die Anregungen aus der Aufbruchsepoche der NDW oder den besseren Tagen der Hamburger Schule heraus. Doch genauso lässt man dann wieder einen Latino-Groove oder ein kerniges Gitarren-Riff in die luftige Atmosphäre des Albums hereinfliegen. Ungeheuer charmant, da steht man gerne auf der Gästeliste! (lj) DIE HAPPY Beautiful Morning BMG Ähnlich wie EAT NO FISH haben DIE HAPPY das Problem, das man sie viel zu oft mit den GUANO APES vergleicht. Harte Gitarren, Crossoversound, Frauenstimme, deutsche Band - okay, soweit reichen die Parallelen. Doch DIE HAPPY ist alles andere als ein Nachahmer. 1993 begann bereits die Bandhistory, und schon vor dem Durchbruch der APES hatte die Gruppe nicht nur ihren Sound gefunden, sondern auch schon erste Erfolge im Nachbarland Tschechien, Heimat von Sängerin Marta. Nach »Supersonic Speed« war die Band auch hierzulande richtig hip. Das zweite Album legt noch eine Kohle nach: Von ultraheftig bis liebevoll-sanft reicht das Spektrum der Gefühle, und trotzdem ist es richtig schöne Popmusik. Ja, das ist die richtige Musik zum Aufwachen an einem "beautiful morning"! (lj) BIGBANG Frontside Rock'n'Roll WEA Die Norweger darf man zur Rockelite ihres Landes zählen. Dabei sein, alles geben, an beiden Enden brennen: BIGBANG lösen die Versprechen des Rock'n'Roll noch ein! Die Band um Songwritertalent Oystein Greni macht Albumtitel zum Programm: "No digital stuff", ist weiterhin die Devise. Beachtlich was die Minimalbesetzung Gitarre-Bass-Drum an Kraft und Energie ausstrahlt. BIGBANG können allen Retro Vorwürfen zum Trotz behaupten, einen ganz eigenen Stil gefunden zu haben. Einflüsse werden von den 60er bis zu den 90ern verarbeitet. Von LED ZEPPELIN, DEEP PURLE über Curtis Mayfield bis Hüsker Dü. Wer meint, dass alles nicht in seine Lieder packen zu können, wird vom Ergebnis überrascht sein. Live sind BIGBANG ein Erlebnis: energetisch, publikumsnah und völlig natürlich: zu erleben beim einzigen Konzert der Region, am 11.5. in Schrecksbach, oder auch bei Rock am Ring! (hs) SMITH & MIGHTY Life Is... K7 Zusammen mit MASSIVE ATTACK und Tricky gelten Rob Smith und Ray Mighty als Erfinder des »Bristol Sound« - besser bekannt als Dub meets Breakbeat oder zusammengefasst Trip Hop genannt. Doch während ihre Kollegen mit eher melancholischen, apokalyptischen Sounds Weltkarriere machen, wurde das Duo stiefmütterlich links liegen gelassen. Vollkommen zu Unrecht! Mit ihren furiosen Konglomerat aus Dub, Reaggae, Soul und HipHop rückten die beiden halt die basslastigen und härterten Beats in den Mittelpunkt. Auf ihrem neuen Album präsentieren sich SMITH & MIGTHY dagegen entspannter und reifer - massig Bass und Beats sind Gott sei dank immer noch da, dazugekommen ist aber ein mehr an Soul, Groove und Reggae-Einflüssen. Zudem fällt die stärkere Focussierung auf den Einsatz von Vocals auf; die DJs scheinen also endgültig Songschreiber geworden zu sein! (nn) KOTAI Kotai WMF REC. Experimentell zu klingen, ohne mit eindimensionalen Pling-Plang- Geräuschen zu nerven, gelingt nur den wenigen Electro-Klangkünstlern dem Wahlberliner Klaus Kotai schon. Sein gleichnamiger Tonträger besticht durch gradlinige, beat-orientierte Technotracks. Kaum ertönen die ersten minimalistischen Sounds, wird der Hörer mitgerissen. Gegenwehr sinnlos. Der Rhythmus treibt unentwegt nach vorne. Doch hat man es sich auf dem Dancefloor eines dunklen, atmosphärischen Techno-Kellerclubs gerade gemütlich gemacht, kommt »Junesong«, Track vier. Plötzlich und hier unerwartet beherrschen gefühlvolle, sphärische Klangkompositionen die Szenerie. Noch weiter geht der Song »Guardian Angel« ein fast klassisches Songwriterstück mit 80er-Jahre-Pop-Attitüde. Der Beat setzt von neuem ein, weiter geht's im Techno-Sauseschritt. Auch am 5.5. im Kasseler A.R.M.! (nn) NIRGENDWO Hinter den Tannen Rolling Thunder Im zarten Alter von 10 Jahren spielte Nirgendwo-Mastermind "Des" Höcker schon in seiner ersten Band eigene Songs. Inzwischen hat er mit Drummer Chad und Bassist Greg ein Trio gebildet, das sich mit zahlreichen Auftritten in der Region einen guten Namen gemacht hat. Die drei machen da weiter, wo die großen Vorbilder von NIRVANA (das ist ja das indische Wort für »Nirgendwo«) einst endeten. Aus ihrem punkigen Grunge-Sound spricht die gleiche Wut und Entschlossenheit wie bei den Seattle-Kids. Doch die deutschen Texte lassen neben aller Wut auf Hass, Unterdrückung, Kriege und Ungerechtigkeit doch Raum für Hoffnung! Das wird auch auf dem Videotrack »Freiheit« deutlich, den das 8-Song-Album, das bei Tony Sadler in einm Rutsch eingespielt wurde, als Bonus enthält. Kompliment! (lj) ADARO Minnenspiel Steamhammer/SPV Bislang bot ADARO eine einzigartige, fast schon skurrile Mischung aus 70er-Jahre-Progressive-Rock und mittelalterlichen Melodien dar. Beim neuen Album ist davon nur noch wenig zu spüren. Man hat sich deutlich dem Mainstream angenähert: Eingängig und druckvoll rocken ADARO meist direkt nach vorne los. Das erinnert durch den folkigen Unterton ein wenig an die mitreißenden HOOTERS, manchmal auch an BAP. ADARO beweisen dabei, dass das Mittelhochdeutsche mindestens ebenso rock-tauglich ist wie Kölsch. So hat man die Texte von Walther von der Vogelweide und anderen Minnesängern noch nie gehört. Dass es auch was fürs Herz gibt, dafür sorgt Sängerin Konstanze Kulinsky, die dazu auch noch der Jimi Hendrix der Drehleier ist. (lj) WELLE:ERDBALL Die Wunderwelt der Technik SPV Es war Anfang der Achtziger, als in Folge der Punkwelle
ein rauer Rocksound namens "New Wave" zu uns herüberschwappte. Der verband
sich hierzulande auf magische Weise mit Electro-Pop vom Kaliber KRAFTWERK
und einer neuen Lust an deutschen Reimen: die Neue Deutsche Welle. Sie
wurde zum schrullig-fröhlichen Experimentierfeld. Bis die Industrie das
Etikett nahm und die skurrilen Klänge zum neuen deutschen Schlager verkommen
ließ. Alles vorbei? Nein! WELLE:ERDBALL holt die Experimentierlust der
ersten NDW-Tage ins 21. Jahrhundert. Als würden PLAN, DAF und PALAIS SCHAUMBURG
einen Neu-Anfang wagen! Mit Witz, Biss und Freude am Plingplangplong billiger
Elektronik. Pfiffig! (lj) MONTESAS Hipsville Teen Party Kamikaze Die MONTESAS haben schon weit über Kassel hinaus einen guten Namen: Überall, wo die Sixties zu neuem Leben erweckt werden, sind sie dabei. Dabei covern sie nicht die alten Hits, sondern hauchen dem Starclub-Spirit neues Leben ein. Treibende Rhythmen, perlende Gitarre, röhrende Hammondorgel, knackige Bässe und schmeichelnder Gesang - sowas hat in der legendären Beat-Ära schon die Kids vom Stuhl gehauen. Und ehrlich gesagt, heute ist es nicht anders, vor allem, wenn man auch noch den mitreißenden Background-Vocals der »Montesitas« mit ihrem unwiderstehlichen Sex-Appeal ausgesetzt ist. Wem jetzt ganz heftig nach Twist, Limbo, Surf und Shake ist, der sollte sich schleunigst diese CD besorgen! Live im A.R.M. Kassel 30.4.! Bezug: KAMIKAZE, PO-Box 1607, 49114 Georgsmarienhütte. (lj) MARSCHMELLOWS From The Decks Of (SPV/audiopharm) Das Hannoveraner Plattenlabel lancierte schon mit »Brazilelectro« eine erfolgreiche Compilationserie auf dem Musikmarkt. Mit »From the Decks Of« wird nun eine neue Mixreihe aufgelegt, die der erfolgreichen »DJ-Kicks«-Serie (Studio K7) erheblich Konkurrenz machen könnte. Denn auch hier wird der Kritiker wie der "normale" Musikkonsument gekonnt befriedigt: Das für die erste Ausgabe zuständige Frankfurter DJ-Duo Marschmellows stellte eine gelungenen Mischung aus Breakbeats, Nu Jazz und Deep House zusammen, die das tanzfreudige Publikum mit Funk und Groove zum Hüfte kreisen animiert und dem Ganzen mit Reggae-Offbeat und HipHop-Sounds zudem einen Touch "Underground" verleiht. Angenehme, relaxte Mixplatte - für die Tanzfläche, für die Bar, für das Auto, für das Sofa... Superb - dieses Album ist sehr zu empfehlen! (nn) ALANIS MORISSETTE Under Rug Swept WEA Sie gehört zweifelsohne zu den begabtesten und eigenwilligsten
Stars der jüngeren Rockgeschichte. Sensationeller Erfolg, gepaart mit
einem eigenem Kopf geben Alanis Morissette eine gewisse Vormachtsvorstellung.
Zu ihrem dritten, heißersehnten Studioalbum gab es sehr kritische Töne.
Klartext ist, »Under Rug Swept« ist ein beachtliches Stück Musik, wahrlich
zauberhafte Balladen (»Flinch«, »That Particular Time«) finden sich neben
modernen Rockstücken wie »Hands Clean« oder »Precious Illusions«. Dass
Alanis textlich schon immer sehr persönlich wurde, muß nicht immer zum
großen Thema gemacht werden. Die Musikalität von Songs wie »Utopia« oder
»You Owe Me Nothing In Return« spricht für sich. Eine so große Zahl von
Songerwähnungen soll deutlich machen, dass dieses Album voller Höhepunkte
steckt und mit jedem Hören wächst. (hs) DIVERSE Göttingen Auric
CORVUS CORAX Die "Könige der Spielleute" haben sich auf ein gewagtes
Experiment eingelassen: Sie ließen Musiker der unterschiedlichsten Genres
ans Mischpult, um ihre Stücke remixen und bearbeiten zu lassen. Dabei
kamen Rock- und Gothicmusiker wie BLIND PASSENGERS und UMBRA ET IMAGO
ebenso zum Zuge wie der NDW-Überlebende Gaby Delgado (DAF), DJ Stefan
H. (Transsylvania Berlin) und die Technopunker REOX. Das Problem solcher
Alben ist normalerweise, dass fast zwangsläufig ein Sound-Mischmasch entsteht,
da zuviele Köche am Brei stehen. Dank der Erfahrungen mit dem CC-Sideproject
TANZWUT und der klaren Vision der Band entstand trotzdem ein Werk aus
einem Guss. Eine raue, pulsierende Mischung aus Mittelalter und Electro,
wie man sie bislang noch nicht gehört hat! (lj) BIM SHERMAN Bim Sherman hat in seinem viel zu kurzen Leben sowohl
auf Jamaika als auch in England unvorstellbar schöne Titel produziert.
Getragen werden die Stücke vor allem von seiner samtweichen, bezaubernden
Stimme. Posthum versammelt »The Need To Live« seltene, unveröffentlichte
und alternative Versionen, die während der langen Zusammenarbeit mit Adrian
Sherwood entstanden. Neben klassischem Reggae (»Be My Lighthouse«) befinden
sich poppige (»More Is Insane«) wie auch akustisch geprägte Tracks auf
dem Album. Mit »Use Your Head«, »Purify Your Heart« und »No Longer« liegen
gar drei Kleinode vor, die sparsam instrumentiert eine fast sakrale Atmosphäre
erzeugen. Über allem schwebt die schöne Stimme von Sherman, die im Reggae
ihresgleichen sucht. Als Musiker sind u.a. Flabba Holt und Style Scott
dabei. Empfehlenswert! (kf) FATBOY SLIM Ein DJ-Liveset auf CD - eine seltene Sache. Obwohl
sowas bei den Fans sehr beliebt und begehrt ist. Vor allem ältere hr3-Clubnights
oder Mayday-Mitschitte werden hoch gehandelt. Allerdings nur wenige DJs
wagen den Schritt, ihr wahres Können auf einer offiziellen Scheibe zu
veröffentlichen. Auch urheberrechtliche Gründe bergen Probleme. Kein Problem
für eine Größe wie FATBOY SLIM. Ausgefallen und abwechslungsreich waren
die Alben des Briten ja schon immer. Auch dieser Mitschnitt, unterteilt
in 17 Tracks, aufgenommen an Englands Partymeile, dem Brighton-Beach,
glänzt mit einer virtuos zusammengestellten Playlist: mit dabei Dance-Hits
des letzten Jahres unter anderem von BASEMENT JAXX und BLACK & WHITE BROTHERS,
aber auch echte Techno-Klassiker wie »Born Slippy« von UNDERWORLD. Ein
fettes Gute-Laune-Set! Nice! (joh) ELEMENT OF CRIME Romantik? "bring den vorschlaghammer mit wenn du
heute abend kommst, dann hauen wir alles kurz und klein". Sven Regeners
Romantik-Begriff hat nichts mit der verkitschten "Über-allen-Wipfeln-ist-Ruh"-Romantik
zu tun und erst recht nichts mit der Küchenkalender-Romantik eines Caspar
David Friedrich. Romantik ist für ihn die Nachtseite des Lebens, viel
Weltschmerz und gefühlvolle Innerlichkeit: »Romantik« führt fort, für
was ELEMENT OF CRIME schon immer standen: gefühlvolle, melancholische
Lieder mit lakonischen Refrains. Spätestens seit Regeners Roman »Herr
Lehmann« ist klar, ELEMENT OF CRIME stehen insbesondere für die Poesie
des Alltags, für die Beschreibung großstädtischen Lebens und für Sprachkunst,
die es in Texten leider viel zu selten gibt. Der Ww präsentiert ELEMENT
OF CRIME am 18.3. in der Kulturwerkstatt Paderborn. (ks)
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