HAMID
BAROUDI
Sidi
Vielklang/EFA
Er wurde in Algerien geboren, lebte als Straßenmusiker in Paris und wohnt
seit 1984 in Kassel. Er ist immer unterwegs: unter abenteuerlichen Umständen
in Algerien, bei Peter Gabriel in England, bei DJ Krush in Japan - Hamid
ist überall zuhause. Er macht vor keiner Grenze halt - musikalische und
Denkgrenzen inbegriffen. In Interviews betont Hamid, dass ihn als Kind
westliche Radiomusik faszinierte. Und heute? Raï, die populäre "Volks"-Musik
Algeriens, ist die Essenz seiner Songs. Immer gemixt mit Einflüssen aus
anderen Kulturen, hier sind es spanische, ägyptische oder marokkanische
Musik. Aber wie sagte Hamid doch: "Der Rhythmus meines Herzens ist afrikanisch.
Meine Weltanschauung ist digitalisiert, mein Blues ist maurisch." Und
Sidi der Soundtrack für eine bessere Welt! (ks)
VICTOR DAVIES
Victor Davies
Compost Records
Jazz, Rhythm & Blues, Folk, Pop und Latin verbinden sich bei dem Londoner
Musiker Victor Davies auf verführerische Weise. Dabei versteht sich der
Mann in erster Linie als Singer/Songwriter: Im Mittelpunkt steht das Lied
als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Klar, dass das Major Label, das
ihn Anfang der 90er zur Dance-Music nötigen wollte, scheitern musste.
Im besten Sinne kompromisslos ist Davies noch heute: Doch hat er sich
bei aller Zielstrebigkeit einen fast jungenhaften Charme bewahrt. So klingt
seine Musik trotz emsiger Detailarbeit nie angestrengt und gewollt, sondern
frisch und lebendig. Neben allen sängerischen und kompositorischen Qualitäten
ist Davies auch noch ein formidabler Multi-Instrumentalist, der für seine
Aufnahmen fast alle Instrumente selbst spielt. Fein! (lj)
EEL
Souljacker
Motor/Universal
Endlich da: Studioalbum Nummer Vier von "a man called E" und seinen Begleitern!
Nach dem grandiosen Vorgänger »Daisies Of The Galaxy« hätte man es durchaus
für schwer halten können, einen würdigen Anschluss zu finden. Weit gefehlt!
Gekonnt wird der beschrittene Weg fortgeführt und erneut kommen einige
musikalische Farbtupfer hinzu. So wird auf »Souljacker« zum Teil mächtig
gerockt, was der Band nach etlichen melancholischen Einfärbungen vergangener
Tage sehr gut zu Gesicht steht. Einen absoluten Höhepunkt des Albums stellt
»Teenage Witch« dar: leicht verschrobene Vocals, Breakbeats und ein treibender
Rhythmus, der so richtig in die Füße geht! Ruhigere Töne gibt es aber
natürlich auch zu hören, die Klänge zwischen Americana, Pop, Rock und
Singer-Songwritertum liegen ihnen ja geradezu im Blut. E & Co. können
nach wie vor mit erstklassigen Songperlen aufwarten. (kf)
BLUMENTOPF
Eins A
Four Music
Hamburg, Stuttgart, vielleicht noch Frankfurt, Köln, Berlin - die Rollen
im nationalen HipHop-Geschäft sind klar verteilt. Von München ist in diesem
Kontext nicht viel zu hören. Nur die Jungs von BLUMENTOPF halten in diesem
Segment die bajuwarische Fahne hoch. Und das machen sie nicht schlecht:
selbstironisch und nicht ungekonnt im Austeilen gegenüber Rap-Kollegen
freestylen sie ihre Rhymes ins Mic. Die musikalische Begleitung bekommen
die Rapper von DJ Sepalot, der wie gewohnt klasse und liebevolle Beats
bastelt. »Eins A« ist eine gelungene Scheibe über das unerreichbare Wesen
Frau, das intime Innenleben des HipHop-Daseins und politisch-gesellschaftliche
Standpunkte. Aber leider nicht so gut, wie der überragene Vorgänger »Wie
der Handel«. Daher ist die Note »Eins A« vielleicht etwas zu hoch gegriffen
- aber eine »Zwei B« ist es allemal! Am 8.11. in Göttingen live zu erleben!
(nn)
GILRAIN
Rockwise Direction
xxx Records
Dass die Folkrocker GILRAIN nicht nur die Dylan-Tradition
des American Folk aus dem Effeff beherrschen, sondern auch ein ordentliches
Brett vorlegen können, bewiesen sie auf unzähligen Live-Auftritten. Auf
den bisherigen Alben aber bestimmte eher dezenter Acoustic Rock das Klangbild.
Das ist bei »Rockwise Direction« - nomen est omen - ganz anders. Hier
geht's volle Pulle zur Sache, Querflöte und Westerngitarre blieben zuhause,
statt dessen wandelt man auf den Spuren von bluesigen 70er-Jahre-Hardrock-Heroen
wie DEEP PURPLE und LED ZEPPELIN. Das erstaunt zunächst. Nach der ersten
Überraschung aber haut's einem vom Schemel! Vor allem die Extraportion
Blues-Rock tut dem GILRAIN-Sound gut! Bonus: Sogar eine Bläsergruppe wurde
ins Studio eingeladen. (lj)
SERGENT GARCIA
Sin Fronteras
Virgin
Latin Fever allenthalben: Selbst auf dem hintersten Dorfe ist die Latinowelle
angekommen. Doch Sergent Garcia aus Frankreich hängt sich nicht an einen
Trend an, ihm liegt diese Musik im Blut. Schon 1997 nahm er sein Debütalbum
im Alleingang auf, formierte anschließend eine Band und prägte 1999 mit
»Un Poquito Quema'o« den Salsamuffin-Sound. Bei ihm vermischen sich jamaikanische
und afrokubanische Elemente zu einer unwiderstehlichen Mischung, spontan,
wild, aber immer auf den Punkt. Die ungezügelte Spielfreude spielt sich
auch auf »Sin Fronteras« (ohne Grenzen) wieder. Vorwärtstreibende Rhythmen
und punktgenaue Bläser, dazu explosive Vocals, aber auch mal gemütliche
Geigen. Und immer wieder kontrastiert ein cooler Reggaegroove die kubanische
Hitze: Das macht Spaß! (lj)
ELSTER SILBERFLUG
Spés
Silberflug
ELSTER SILBERFLUG auf neuen Wegen: Die Veteranen des Wehende-Kleider-Folks
haben sich nach Abklingen der sanften Müsli-Epoche fest in der Mittelalterszene
etabliert. Doch stehenbleiben wollen sie nicht. Das neue Album beinhaltet
ein faszinierendes Sound-Experiment: Carmina Burana, frühe Kirchenmusik
und mittelalterliche Frühlingslieder wurden mit historischen Instrumenten
einsgespielt, aber um elektronische Sounds, Grooves und Effekte ergänzt.
Dadurch entstehen mal trancige, mal abgedrehte Soundcollagen von archaischer
Power, die trotzdem in einem guten Sinme modern klingen. Die eine oder
andere Nummer ist sogar dancefloor-tauglich. ELSTER SILBERFLUG gehen
noch erheblich weiter als die FREIBURGER SPIELLEYT vor Jahren mit
ihren »Waves Of Vigo«. Ein ansprechendes Werk zwischen Mittelaltermusik
und Ambient, Oldfield, Shanti, ENIGMA und Weltmusik! (lj)
JBO
Sex, Sex, Sex
Virgin
Die Könige des rüden Comedy-Rocks legen ein neues Meisterwerk
des zupackenden Blödsinns vor. Textlich und musikalisch erreichen
sie wieder Zwerchfell und Bauch, manchmal auch tiefere Regionen. Schließlich
verspricht das Album ja »Sex, Sex, Sex«. Allzu ernst sollte
man solche verkaufsfördernden Argumente jedoch nicht nehmen, denn
zu allererst gibt es "Spaß, Spaß, Spaß". Als Texter
schwingen die Jungs eine freche Feder: Wenn man die Perlen der Dichtkunst
genießt, die die Jungs mit scheinbarer Leichtigkeit zu Papier bringen,
wird einem die Holprigkeit und Peinlichkeit der Ergüsse vieler Kollegen
erst bewusst. Musikalisch ziehen sie alle möglichen und unmöglichen
Trends durch den Kakao: vom Hitparaden-HipHop über guten alten Country-Sound
und satanischen Metal bis hin zum Mittelalter-Rock. Bislang die beste
J.B.O.-Scheibe! Live am 11.2. in Baunatal! (lj)
BOXHAMSTERS
Saugschmerle
Bad Moon Records
Gießen ist eine unglaublich hässliche Stadt. In dieser Trostlosigkeit
bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig, als eine Band zu gründen,
um dem Alltag zu entfliehen. Die vier Herren der Kultband BOXHAMSTERS
gehören nach 14 Jahre Bandgeschichte längst zur Speerspitze
des deutschsprachigen Punks. Die Songtexte von Sänger Co zerreißen
Dein Herz und die Gitarren-Overkills finden nichts, was sie aufhalten
könnte. Selber tituliert man sich augenzwinkernd als die Holzkohle
des Punks. Nie hell am brennen, aber stetig am glühen. Diese seltenen
Nager knabbern an allem herum, was sich ihnen in den Weg stellt, probieren
kurz und haben dann schon längst wieder Geschmack an etwas neuem
gefunden. BOXHAMSTER-Platten sind immer kleine, mit Spannung erwartete
Schätze. Diesmal ließen sie sich gleich 4 Jahre Zeit, um nach
einem würdigen Nachfolger für ihre Tupperparty-CD zu suchen.
Nun er ist würdig, er ist großartig. Gut, dass es sie noch
gibt. (stb)
BAMBIX
What's in a name
Vitaminepillen Records
Holländischer Punkrock hat in Deutschland normalerweise einen schweren
Stand. Wenn sich jedoch die charismatische Sängerin und Gitarristin
Willia mit ihrer Bassistin Janneke und dem Schlagzeuger Peter in den Tourbus
setzt, kann sie sicher sein, in Deutschland vor vollem Haus zu spielen.
Längst schon kein Geheimtip mehr, verzaubert ihr leicht melancholischer,
englischsprachiger Punkrock durch schöne Gesangslinien, harte Gitarren
und enorme Geschwindigkeit. Diesmal haben alle Songs Eigennamen. Sie heißen
Frankie oder Maria und sie erzählen Geschichten über diese Menschen
und ihr Leben. Dabei ist das Songwriting noch straighter ausgefallen und
die Experimente der letzten Alben etwas in den Hintergrund getreten. Dadurch
wirkt das Album aber sehr kompakt. Gerade sind sie von einer sehr erfolgreichen
Tour durch Brasilien zurückgekommen. Am 24.2. mit dabei auf dem Vita-Festival
mit Wohlstandskinder und Psycho Gambola im Kasseler Spot. Nicht verpassen!
(stb)
NO RESPECT
Tunes of Decline
Mad Butcher Records
Unglaublich! Nach all den Jahren haben es die linken Göttinger Ska-Punker
endlich geschafft, eine neue Platte aufzunehmen. Das Warten hat sich gelohnt,
das sehr gute Vorgängeralbum »Excuse my smile« wurde
noch übertroffen. Alles wirkt geschlossener und noch besser arrangiert.
Die Bläsersektion ist in Höchstform. Der neue Saxophonist macht
sich positiv bemerkbar und bringt mehr Farbe in die Musik. Goldkehlchen
und Bassist Stevie hat die meisten Gesangsparts übernommen und macht
seine Sache überaus gut, während Gitarrist und Sänger Chris
weiterhin für die rauhen Passagen zuständig ist. Die englischen
Lyrics handeln wie bereits auf dem Vorgängeralbum von Widerstand
gegen alltäglich Faschismus und sozialer Systemkritik. Insgesamt
hat man das Tempo angezogen. Aber die Zeiten werden ja auch immer schneller.
Überaus gelungene Mischung aus Ska, Punkrock und politischen Statements!
(stb)
SPHERICAL
Amusements
Rockwerk
TripHop ist nicht gerade eine Musikrichtung, auf die man sich in Deutschland
spezialisiert hat. Wenn's dann mal jemand probiert, fehlt meist das i-Tüpfelchen:
der richtige Groove meist oder aber auch der Funke, der Fantasie zum Glimmen
bringt. Bei SPHERICAL aus Hamburg ist das ganz anders. Sie hauchen der
Elektronik Leben ein, ihree Musik sprüht über vor Ideen und
Lebenslust, sie lädt ein zu ungewöhnlichen Ausflügen in
Großstadt-Nächte, bei denen man sich trotz aller Gefahren nie
allein und ängstlich fühlt. Punktgenaue Bässe, weite Flächen,
bizarre Synthie-Melodiefragmente, vor allem aber Kristina Bischoffs beseelter
Gesang mit seinem leichten Jazz-Touch: Das ist eine Mischung, wie sie
aus deutschen Landen noch nie auf den Tisch gekommen ist. Live am 19.1.
im Barracuda Kassel. (lj)
NO PALE HAZE
Blue Orange
ZUN Records
Bei unserer Besprechung der Debütveröffentlichung 1998 wünschten
wir den selbsternannten 'Freerockern', entdeckt zu werden. Im ganz großen
Stil ist dies zwar noch nicht passiert, aber immerhin wurde Produzent
Gerold Stiebeling (ebenfalls Schwalmstadt) auf die Band aufmerksam und
nahm sie in seinem Studio unter die Fittiche. Vier der besten Songs aus
dem Debüt wurden soundtechnisch neu eingespielt, darunter das bereits
in '98 hochgelobte »One Reason«. Weitere acht neue Songs zieren
das zweite Album. Auch hier findet sich wieder mit »Graveyards«
ein Prachtstück wieder - hitverdächtige Harmoniegesänge,
die gefallen! Auch steht ihnen smarter Pop-Punk wie »Point Of No
Return« gut zu Gesicht. Nur »Remain« erinnert vielleicht
ein bisschen stark an GUNS & ROSES. Ansonsten Daumen hoch! (hs)
BOXHAMSTERS
Saugschmerle
Bad Moon Records
Gießen ist eine unglaublich hässliche Stadt. In dieser Trostlosigkeit
bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig, als eine Band zu gründen,
um dem Alltag zu entfliehen. Die vier Herren der Kultband BOXHAMSTERS
gehören nach 14 Jahre Bandgeschichte längst zur Speerspitze
des deutschsprachigen Punks. Die Songtexte von Sänger Co zerreißen
Dein Herz und die Gitarren-Overkills finden nichts, was sie aufhalten
könnte. Selber tituliert man sich augenzwinkernd als die Holzkohle
des Punks. Nie hell am brennen, aber stetig am glühen. Diese seltenen
Nager knabbern an allem herum, was sich ihnen in den Weg stellt, probieren
kurz und haben dann schon längst wieder Geschmack an etwas neuem
gefunden. BOXHAMSTER-Platten sind immer kleine, mit Spannung erwartete
Schätze. Diesmal ließen sie sich gleich 4 Jahre Zeit, um nach
einem würdigen Nachfolger für ihre Tupperparty-CD zu suchen.
Nun er ist würdig, er ist großartig. Gut, dass es sie noch
gibt. (stb)
BAMBIX
What's in a name
Vitaminepillen Records
Holländischer Punkrock hat in Deutschland normalerweise einen schweren
Stand. Wenn sich jedoch die charismatische Sängerin und Gitarristin
Willia mit ihrer Bassistin Janneke und dem Schlagzeuger Peter in den Tourbus
setzt, kann sie sicher sein, in Deutschland vor vollem Haus zu spielen.
Längst schon kein Geheimtip mehr, verzaubert ihr leicht melancholischer,
englischsprachiger Punkrock durch schöne Gesangslinien, harte Gitarren
und enorme Geschwindigkeit. Diesmal haben alle Songs Eigennamen. Sie heißen
Frankie oder Maria und sie erzählen Geschichten über diese Menschen
und ihr Leben. Dabei ist das Songwriting noch straighter ausgefallen und
die Experimente der letzten Alben etwas in den Hintergrund getreten. Dadurch
wirkt das Album aber sehr kompakt. Gerade sind sie von einer sehr erfolgreichen
Tour durch Brasilien zurückgekommen. Am 24.2. mit dabei auf dem Vita-Festival
mit Wohlstandskinder und Psycho Gambola im Kasseler Spot. Nicht verpassen!
(stb)
NO RESPECT
Tunes of Decline
Mad Butcher Records
Unglaublich! Nach all den Jahren haben es die linken Göttinger Ska-Punker
endlich geschafft, eine neue Platte aufzunehmen. Das Warten hat sich gelohnt,
das sehr gute Vorgängeralbum »Excuse my smile« wurde
noch übertroffen. Alles wirkt geschlossener und noch besser arrangiert.
Die Bläsersektion ist in Höchstform. Der neue Saxophonist macht
sich positiv bemerkbar und bringt mehr Farbe in die Musik. Goldkehlchen
und Bassist Stevie hat die meisten Gesangsparts übernommen und macht
seine Sache überaus gut, während Gitarrist und Sänger Chris
weiterhin für die rauhen Passagen zuständig ist. Die englischen
Lyrics handeln wie bereits auf dem Vorgängeralbum von Widerstand
gegen alltäglich Faschismus und sozialer Systemkritik. Insgesamt
hat man das Tempo angezogen. Aber die Zeiten werden ja auch immer schneller.
Überaus gelungene Mischung aus Ska, Punkrock und politischen Statements!
(stb)
FAUNA FLASH
Fusion
Compost
Nu-Jazz ist die neuste Trend in Sachen musikalische Spielwiese. Alles,
was im entferntesten mit Jazz zu tun hat und irgendwie mit electronischen
Elementen aufgepeppt wird, fällt in dieses Genre. Nach drei Jahren
Pause haben FAUNA FLASH, die mit als beste Drum & Basser Deutschlands
gelten, ihr neues Album vorgelegt. Der Name ist Programm - hier verschmelzen
die unterschiedlichsten Elemente wie Dub, House, Brazil, HipHop, Breakbeat
und Jazz. Also Nu-Jazz könnte passen. Doch die Münchener hecheln
hier keinem Trend hinterher, "Fusion" ist die konsequente Weiterentwicklung
ihres ersten Albums. "Fusion" bietet relaxte Low-Beat-Arrangements und
hecktische Breakbeat-Nummern und viel Groove. Ein Album wie eine Assoziation
- so stellt man sich einen urbanen Underground vor. Sehr schön! (nn)
DIVERSE
Free The West Memphis 3 - A Benefit For Truth & Justice
Koch Records
Bei dieser außergewöhnlichen Veröffentlichung handelt
es sich um eine Benefit-CD für die US-Teenager Damien Echols, Jason
Baldwin und Jessie Misskelley. Die Drei aus West Memphis/Arkansas wurden
nach Ansicht vieler Amerikaner zu unrecht für den Mord an drei kleinen
Kindern verurteilt. Seit mittlerweile sieben Jahren sitzen sie nun hinter
Gittern, obwohl es scheinbar keine handfesten Beweise gibt. Vorurteile
sollen schließlich ein Hauptgrund für ihre Verhaftung gewesen
sein: In ihrer Gemeinde zählten sie als Außenseiter, hörten
Heavy Metal, trugen schwarze Klamotten und liebten die Storys von Stephen
King. Das Label Aces & Eights Rec. hörten von dieser Sache, wollte
helfen und organisierte diese Benefit-CD. Die Resonanz spricht für
sich: Tom Waits, Eddie Vedder (Pearl Jam) gemeinsam mit den Supersuckers,
Steve Earle, Killing Joke oder L7. Und noch besser: alle Songs exklusiv!
(hs)
AYNSLEY LISTER
Everything I Need
Ruf Records
Der Mann wird immer besser. Echt! Sicherlich ist in jeder Kritik zu lesen:
Noch so jung der Kerl und so ein wahnsinniges Potential, aber es ist eben
so. Lister kann sich getrost neben Jonny Lang und Kenny Wayne Sheperd
einreihen. Der Engländer serviert uns wiedermal feinsten Bluesrock
mit Kickin'Ass Menatlität, mit Gespühr für melancholische
Momente oder mit Sinn für Ohrwurmqualität. Wahrlich kann man
auf Listers vierten Album keinen Durchhänger feststellen, zwar findet
man zwei balladeske Songs die schon auf dem letzten Werk waren, aber deren
Qualität spricht schlechthin für sich. Weiterhin zu finden sind
hitverdächtige Rocker wie: »In The Beginning«, Fetzer
wie »Soundman« oder die wundervolle Ballade »As The
Crow Flies«. Auch hat er mit »Little Wing« seine obligatorische
Hendrix Coverversion dabei. Spitzenleistung Aynsley! (hs)
Erykah Badu
Mama's Gun
MoTown
It's showtime: Welcome, Erykah Badu! Ihrem vielgelobten Debütalbum
»Baduizm« folgt nun »Mama's Gun«. Zart und gefühlvoll
haucht sie "Orange Moon" ins Mikro. Ihre Stimme klingt deswegen nicht
kitschig oder billig. Sie geht tiefer, bewegt zum Nachdenken und Träumen.
Sie schafft eine Stimmung, die über die gesamte Dauer des Albums
nicht abbricht. Nicht monoton, sondern in der Lage, den Hörer in
unterschiedliche Gefühlszustände zu versetzen. Ein Stück
reiht sich nahtlos an das andere. Die Platte stimmt und klingt wie aus
einem Guss. Mrs. Badu verbannt die dröge Studioatmösphäre
von ihrem Album. Teilweise gewinnt man den Eindruck unmittelbar Teil ihrer
Show zu sein. Ihre Musik ist vielfältig und facettenreich. Es geht
nicht nur um Soul. R'n'B-Elemente finden ebenso ihren Platz wie
Jazz-, Hip-Hop- und Reggae-Einflüsse. Unterstützung erhält
sie bei ihrer Show von Stephen Marley, Common und dem Trompeter Roy Hargrove.
(fb)
BIG YOUTH
Natty Universal Dread 1973-1979
Blood & Fire/Indigo
Drei CDs, einundfünfzig Titel mit insgesamt über zweieinhalb
Stunden Musik! Das Ganze wunderschön verpackt mit Schuber und zudem
ausgestattet mit ausführlichem Booklet. Welch Ehrung eines der bekanntesten
DJ's der jamaikanischen Mu-sikszene. Manlay Augustus Buchanan alias
Big Youth war einer der ersten DJ's Jamaikas, der sein "toasting" mit
kulturellen Botschaften verband und daher zu der Ka-tegorie der Cultural-DJ's
zu zählen ist. Big Youth stand für das Aufbegehren gegen das
»Babylon System« und für einen ganz neuen Stil, diese
Inhalte schreiend, singend, winselnd und den Rhythmen von Kinderliedern
ähnlich dem Publikum zu präsentieren. Unterteilt in die Abschnitte
CD 1 »Hot Stock« (1973), CD 2 »Reggae Phenomenon«
(1973-74) und CD 3 »Hotter Fire« (1975-79) präsentiert
diese Veröffentli-chung den bisher umfangreichsten Überblick
über das Schaffen von Big Youth. Be-sonders interessant ist die Kooperation
mit U-Roy bei den zwei Teilen des »Battle of the Giants«.
U-Roy, selbst Vorbild für Big Youth, war zum Zeitpunkt des Erscheinens
der einzige DJ der es mit ihm aufnehmen konnte. Einzigartig wird hier
die hohe Kunst des "toasting" dieser beiden Künstler gegenübergestellt.
(kf)
DIVERSE
Tribal Futures
Echo Beach /Indigo
Rhythmen verschiedener indigener Völker haben schon seit langer Zeit
ihren Ein-gang in die heutige Musik gefunden, speziell in der Dance-,
Trance- oder DubSzene. Auf »Tribal Futures - the way ahead...«,
zur Unterstützung der Organisation Survival International, haben
führende Künstler originale Tracks oder Remixe beigesteuert,
um diesen Völkern ein wenig zurückzugeben. Zion Train, Suns
of Arqa (im Remix von the Orb), Dubtrees u.a. ließen sich dabei
von den Liedern und Rhythmen ganz bestimmter Stämme inspirieren,
so z.B. von den Kogi-Indianern aus Kolumbien oder den Mande-Völkern
aus Westafrika. Entstanden ist dabei ein zeitgemäßer und ausgewogener
Mix angereichert mit Aufnahmen traditioneller Gesäge aus den verschiedenen
Kulturen. Hervorragend ist hier der über neunminütige Letfield
- Remix von Yothu Yindis »timeless land«, der durch seine
tranceartige, atmosphärische Dichte besticht. Zion Train liefern
mit »shaking tent« einen Track in der von ihnen gewohnten
guten Qualität ab. Inspiration und Zitate stammen dabei von den Innu,
einem kanadisches Indianervolk. Die CD ist die erste Station in einer
Reihe von Veröffentlichungen und Aktionen zur Unterstützung
indigener Völker. Mehr Informationen hierzu können unter www.survival-international.org
abgerufen werden. (kf)
DIVERSE
Free The West Memphis 3 - A Benefit For Truth & Justice
Koch Records
Bei dieser außergewöhnlichen Veröffentlichung handelt
es sich um eine Benefit-CD für die US-Teenager Damien Echols, Jason
Baldwin und Jessie Misskelley. Die Drei aus West Memphis/Arkansas wurden
nach Ansicht vieler Amerikaner zu unrecht für den Mord an drei kleinen
Kindern verurteilt. Seit mittlerweile sieben Jahren sitzen sie nun hinter
Gittern, obwohl es scheinbar keine handfesten Beweise gibt. Vorurteile
sollen schließlich ein Hauptgrund für ihre Verhaftung gewesen
sein: In ihrer Gemeinde zählten sie als Außenseiter, hörten
Heavy Metal, trugen schwarze Klamotten und liebten die Storys von Stephen
King. Das Label Aces & Eights Rec. hörten von dieser Sache, wollte
helfen und organisierte diese Benefit-CD. Die Resonanz spricht für
sich: Tom Waits, Eddie Vedder (Pearl Jam) gemeinsam mit den Supersuckers,
Steve Earle, Killing Joke oder L7. Und noch besser: alle Songs exklusiv!
(hs)
AYNSLEY LISTER
Everything I Need
Ruf Records
Der Mann wird immer besser. Echt! Sicherlich ist in jeder Kritik zu lesen:
Noch so jung der Kerl und so ein wahnsinniges Potential, aber es ist eben
so. Lister kann sich getrost neben Jonny Lang und Kenny Wayne Sheperd
einreihen. Der Engländer serviert uns wiedermal feinsten Bluesrock
mit Kickin'Ass Menatlität, mit Gespühr für melancholische
Momente oder mit Sinn für Ohrwurmqualität. Wahrlich kann man
auf Listers vierten Album keinen Durchhänger feststellen, zwar findet
man zwei balladeske Songs die schon auf dem letzten Werk waren, aber deren
Qualität spricht schlechthin für sich. Weiterhin zu finden sind
hitverdächtige Rocker wie: »In The Beginning«, Fetzer
wie »Soundman« oder die wundervolle Ballade »As The
Crow Flies«. Auch hat er mit »Little Wing« seine obligatorische
Hendrix Coverversion dabei. Spitzenleistung Aynsley! (hs)
ERYKAH BADU
Mama's Gun
MoTown
It's showtime: Welcome, Erykah Badu! Ihrem vielgelobten Debütalbum
»Baduizm« folgt nun »Mama's Gun«. Zart und gefühlvoll
haucht sie "Orange Moon" ins Mikro. Ihre Stimme klingt deswegen nicht
kitschig oder billig. Sie geht tiefer, bewegt zum Nachdenken und Träumen.
Sie schafft eine Stimmung, die über die gesamte Dauer des Albums
nicht abbricht. Nicht monoton, sondern in der Lage, den Hörer in
unterschiedliche Gefühlszustände zu versetzen. Ein Stück
reiht sich nahtlos an das andere. Die Platte stimmt und klingt wie aus
einem Guss. Mrs. Badu verbannt die dröge Studioatmösphäre
von ihrem Album. Teilweise gewinnt man den Eindruck unmittelbar Teil ihrer
Show zu sein. Ihre Musik ist vielfältig und facettenreich. Es geht
nicht nur um Soul. R'n'B-Elemente finden ebenso ihren Platz wie
Jazz-, Hip-Hop- und Reggae-Einflüsse. Unterstützung erhält
sie bei ihrer Show von Stephen Marley, Common und dem Trompeter Roy Hargrove.
(fb)
DE LA SOUL
Art, Official, Intelligence
Tommy Boy
Der Titel ist Programm: Kunstvoll vereinen sie verschiedenste Featurings
wie die Beastie Boys, Chaka Khan und Xzibit und produzieren ihre Musik
immer bis ins letzte Detail durchdacht und überlegen. Zu jedem Stück
kann, muss man sogar irgendein Körperteil bewegen. Die ersten beiden
erfolgreichen Singleauskopplungen haben es beweisen: es ist das offizielle
HipHop-Album zum Feiern, Tanzen, Chillen, Spaß haben. Nicht nur
Texte, sondern auch sie selbst scheinen über ein gewisses Maß
an Intelligenz zu verfügen, daß sie es schaffen, über
einen Zeitraum von dreizehn Jahren immer noch gekonnt von sich reden
zu machen und zweifelos zur Upperclass des internationalen HipHop zu gehören.
Heißester Anwärter für das Hip-Hop-Album des Jahres. Kreativ,
originell und absolut hörenswert. (fb)
HALF PINT
Recollection
Renate/Community/Indigo
Nur selten werden Reggaetitel von Bands oder Künstlern aus dem Bereich
der Rockmusik gecovert - noch seltener von so großen Namen wie den
Rolling Stones: aus Half Pints Song »Winsome« machten sie
»Too rude« (auf »Dirty Work«, 1986). »Recollection«
versammelt zum Teil schwer zugängliche Titel dieses Künstlers.
Neben Barrington Levi, Frankie Paul u.a. waren HALF PINT Anfang bis Mitte
der 80er einer der Großen der jamaikanischen Dancehall. Geprägt
war ihre Musik von großer Vitalität, sehr gut tanzbaren Rhythmen,
tiefen Bässen, schönen Melodien und ersten, noch zaghaft eingesetzten
synthetischen Klängen (gut nachvollziehbar gleich beim Opener »Tell
me«). Eine Musik, die für die Tanzflächen produziert wurde
und deren Inhalte in der Regel weit weniger sozial, politisch oder geschichtlich
waren als noch zu Zeiten Marleys. Zur Zeit arbeiten HALF PINT mit den
Long Beach Dub Allstars zusammen. (kf)
JUICE COMPILATION
Masterblaster II
Raid Rec.
Masterblaster die Zweite, eine exklusive Compilation, die die Spreu vom
Weizen trennen soll. 22 zum Teil sehr besondere Tracks aus der deutschen
HipHop-Szenerie. Bekannte Jungs wie die Stieber Zwillinge und Curse, aber
auch Damen wie Fiva MC und Pyranja steuern gewohnt hochwertige Songs bei.
Das Schöne an dieser Zusammenstellung aus dem Hause Raid Records,
sind allerdings die Remixe bereits bekannter Discotheken-Hits, wie »Malaria«
von den Stieber Twins im Twin-Peaks- oder einer von Tomekks Hitparaden-Ohrwürmern
im DJ-Membrain-Mix (!). Diese Masterblaster Doppel CD bietet eine gute
Übersicht über die derzeitige Landschaft des HipHop und ist
qualitativ keine Schlechte. Anhänger des aus Deutschland kommenden
Raps sollten diese Doppel-CD schnellst möglich ihrer Sammlung hinzufügen.
In diesem Sinne: "Ich könnt schwören, Ihr könnt mich hören".
(tg)
JUD
the perfect line
Nois-O-Lution
JUD sind ein einige Tonnen schwerer LKW, der über den nächtlichen
Highway jagt. Schwierig soetwas zum Stehen zu bringen. Ihre Musik rollt
und rollt und verliert sich irgendwo am Horizont. Manche nennen es Stonerrock
und vielleicht haben sie recht. Nicht zu verbergen ist jedoch die Experimentierfreude
der drei Amerikaner, die sich in den schwebenden Arrangements ihrer heavy
Kompositionen wiederfindet. Wenn man Vergleiche bemühen will, so
müssen wohl Namen, wie SOUNDGARDEN oder MOTORPSYCHO herhalten.
Doch JUD sind keine Kopie sondern ein Original. War man in den vergangenen
Jahren durch endlose Touren in Europa und den Staaten ausgebrannt, so
schäumt das neue Machwerk vor Lust am Rocken fast über.
Melancholische Passagen und harte Riffs: Es gibt nichts, was nicht zu
der charismatischen Stimme von Frontmann David passt. Wieder mit dabei:
die charmante Gastsängerin Tina, Besitzerin der "Klampfe" in Witzenhausen,
die den Songs etwas Sphärisches verleiht. (stb)
ASH
Free All Angels
Edel
Tim konnte aufatmen. Der Boom und Hype war zum Glück nicht mehr so
schlimm. Briten sind bei so etwas ziemlich eigen. Wird man erst einmal
zum Star auserkoren, muss man ihn auch spielen, sonst ertrinkt man im
See des Vergessens. Da nützte auch nicht das Argument, dass man bei
Erscheinen des Megaseller-Albums "1977" erst 19 Jahre alt war und eigentlich
nur sehr punkige Popmusik machen wollte. Nun der Pop wird bei ASH noch
immer groß geschrieben und findet nicht zuletzt in den schicken
Plastikhosen und Sonnenbrillen der Band seine Verwendung. Der hübsche
Neuzugang Charlotte an der Gitarre tut dem Sound gut. Die Gitarrenwände
sind schön breit, das typisch britische Songwriting abwechslungsreich
und man ist noch heute nicht "too old for Rock'n'Roll". Zum Glück,
sonst hätte ASH-Kopf Tim bestimmt schon aufgehört. Der ist nämlich
der Meinung, dass man mit 30 für solche Scherze bereits zu alt ist.
Gut, dass er dieses Jahr erst 24 wird. Schönes Gitarrenalbum mit
viel Melodie! (stb)
LAX ALEX CONTRAX
Men on the moon
Valve Records
...4...3...2...1...Zero! Das Raumschiff ist gestartet. An Bord eine neunköpfige
Besatzung die unterwegs zu neuen Welten und Zivilisationen ist, um ihnen
den Offbeat nahezubringen. Das L.A.C. Ska-Spacecraft setzt zum Infiltrieren
und Okkupieren fremder Kulturen immer den gleichen Trick ein: Eine starke
Rhythmussalbe bringt die völlig verunsicherten Eingeborenen aus dem
Häuschen. Die laut tönenden und hynotisierenden Bläser
erwecken die verkümmerten Lebensgeister und beschwören die völlige
Abhängigkeit. Wenn dann jener irdische 80er Jahre Hit »Ghostbusters«
angestimmt wird, ist es für diese armen Kreaturen zu spät. Sie
werden assimiliert. Das hier eindeutig die oberste Direktive verletzt
wird, ist unbestreitbar, stört aber offensichtlich niemanden. Auch
die vereinigte Förderation wurde noch nicht eingeschaltet. Gibt es
noch eine Rettung vor diesen gnadenlose Praktiken dieser Raumfahrer? Landung
am 5.4. im Kasseler Barracuda. Tipp! (stb)
ERIC CLAPTON
Reptile
WEA
Auf fast 40 Jahre musikalische Entwicklung kann Mr. Slowhand mittlerweile
zurückblicken. Und dass er von Mal zu Mal solides Handwerk abliefert,
versteht sich von selbst. Aber nicht jedes Album ist ein Highlight, so
leider auch »Reptile«. Eingeleitet und ausgeblendet wird es
von zwei leichtfüßigen Instrumentals. Clapton bedient verschiedene
Genres: viel Blues, wieder einmal rockigere Klänge bis zu den smoothen
Schmusesongs. Neben Bluesklassikern wie »Got You On My Mind«
über das J.J. Cale Cover »Travellin' Light« bis hin zu
»Don't Let Me Be Lonely Tonight« aus James Taylors Fede, finden
sich die Höhepunkte des Albums. Es sind die etwas rockigeren Stücke
»Ain't Gonna Stand For It« (Stevie Wonder) oder »Superman
Inside«. Wie man der Aufzählung entnehmen kann, besteht »Reptile«
zu einem großen Teil aus Coversongs, Claptons eigene Stücke
sind meist die eher durchschnittlichen Balladen. Im Vordergrund steht
jedoch Claptons romantischer Gitarrensound. Und den macht ihm dann doch
keiner so schnell nach. (hs)
DIVERSE
Afrotronic
SPV
Eine der angesagtesten Compilations, die 2000 in die Plattenläden
kam, hört auf den Namen "Brazilelectro". Zehn angenehm relaxte Clubtracks
im Mambo-, Samba und Ritmo-Style verwöhnten Ohr und Hüfte. Jetzt
gibt es einen würdigen Nachfolger. Diesmal geht die musikalische
Reise Richtung Afrika: "Aftrotronic" bietet 23 Tracks zwischen Nu-Jazz
und Clubmusic, alles mit mitreißendem Afrobeat angereichert. Für
die Zusammenstellung der stilvollen Tracklist, die sich zwischen Raritäten
und Dancefloorbeats (u.a. von BASEMENT JAXX, PEACE ORCHESTER, YUKIHORO
FUKOTOMI) bewegt, zeigt sich erneut Paco de la Cruz verantwortlich, der
auch diesmal wieder das richtige Gespür für den richtigen Mix
bewies. "Afro flavoured club tunes" vom feinsten! (nn)
DAFT PUNK
Discovery
Virgin
Die Erwartungen waren riesig, und sie konnten eigentlich nur enttäuscht
werden. Es ist 1997 und die Clubgänger wie Kritiker liegen den beiden
Franzosen Thomas Banalter und Guy-Manuel de Homem-Christo zu Füßen.
Mit ihrem Debütalbum »Homework» hatten sie ihre Hausaufgaben
brav gemacht - ihr trockener, purer Sound revolutioniert die House-Music.
Auf einmal war French-House das Maß der Dinge und DAFT PUNK erlangten
Kult-Status. Das war, wie gesagt 1997. Jetzt vier Jahre später folgt
»Discovery«, und den beiden Franzosen scheinen die Ideen ausgegangen
zu sein. Kräftig wird auf die Charts geschielt, eingängige Melodien
ringen um Beliebtheit und Vocoder-Stimmen versuchen den Intellekt des
ersten Albums zu vermittelt. Alles ganz nett, doch leider können
nur die wenigsten der 14-Tracks überzeugen, der Rest versinkt im
House-Niemandsland. »Discovery« ist okay, nicht mehr, nicht
weniger! (nn)
HALF PINT
Recollection
Renate/Community/Indigo
Nur selten werden Reggaetitel von Bands oder Künstlern aus dem Bereich
der Rockmusik gecovert - noch seltener von so großen Namen wie den
Rolling Stones: aus Half Pints Song »Winsome« machten sie
»Too rude« (auf »Dirty Work«, 1986). »Recollection«
versammelt zum Teil schwer zugängliche Titel dieses Künstlers.
Neben Barrington Levi, Frankie Paul u.a. waren HALF PINT Anfang bis Mitte
der 80er einer der Großen der jamaikanischen Dancehall. Geprägt
war ihre Musik von großer Vitalität, sehr gut tanzbaren Rhythmen,
tiefen Bässen, schönen Melodien und ersten, noch zaghaft eingesetzten
synthetischen Klängen (gut nachvollziehbar gleich beim Opener »Tell
me«). Eine Musik, die für die Tanzflächen produziert wurde
und deren Inhalte in der Regel weit weniger sozial, politisch oder geschichtlich
waren als noch zu Zeiten Marleys. Zur Zeit arbeiten HALF PINT mit den
Long Beach Dub Allstars zusammen. (kf)
JUICE COMPILATION
Masterblaster II
Raid Rec.
Masterblaster die Zweite, eine exklusive Compilation, die die Spreu vom
Weizen trennen soll. 22 zum Teil sehr besondere Tracks aus der deutschen
HipHop-Szenerie. Bekannte Jungs wie die Stieber Zwillinge und Curse, aber
auch Damen wie Fiva MC und Pyranja steuern gewohnt hochwertige Songs bei.
Das Schöne an dieser Zusammenstellung aus dem Hause Raid Records,
sind allerdings die Remixe bereits bekannter Discotheken-Hits, wie »Malaria«
von den Stieber Twins im Twin-Peaks- oder einer von Tomekks Hitparaden-Ohrwürmern
im DJ-Membrain-Mix (!). Diese Masterblaster Doppel CD bietet eine gute
Übersicht über die derzeitige Landschaft des HipHop und ist
qualitativ keine Schlechte. Anhänger des aus Deutschland kommenden
Raps sollten diese Doppel-CD schnellst möglich ihrer Sammlung hinzufügen.
In diesem Sinne: "Ich könnt schwören, Ihr könnt mich hören".
(tg)
JUD
The Perfect Line
Nois-O-Lution
JUD sind ein einige Tonnen schwerer LKW, der über den nächtlichen
Highway jagt. Schwierig soetwas zum Stehen zu bringen. Ihre Musik rollt
und rollt und verliert sich irgendwo am Horizont. Manche nennen es Stonerrock
und vielleicht haben sie recht. Nicht zu verbergen ist jedoch die Experimentierfreude
der drei Amerikaner, die sich in den schwebenden Arrangements ihrer heavy
Kompositionen wiederfindet. Wenn man Vergleiche bemühen will, so
müssen wohl Namen, wie SOUNDGARDEN oder MOTORPSYCHO herhalten.
Doch JUD sind keine Kopie sondern ein Original. War man in den vergangenen
Jahren durch endlose Touren in Europa und den Staaten ausgebrannt, so
schäumt das neue Machwerk vor Lust am Rocken fast über.
Melancholische Passagen und harte Riffs: Es gibt nichts, was nicht zu
der charismatischen Stimme von Frontmann David passt. Wieder mit dabei:
die charmante Gastsängerin Tina, Besitzerin der "Klampfe" in Witzenhausen,
die den Songs etwas Sphärisches verleiht. (stb)
ASH
Free All Angels
Edel
Tim konnte aufatmen. Der Boom und Hype war zum Glück nicht mehr so
schlimm. Briten sind bei so etwas ziemlich eigen. Wird man erst einmal
zum Star auserkoren, muss man ihn auch spielen, sonst ertrinkt man im
See des Vergessens. Da nützte auch nicht das Argument, dass man bei
Erscheinen des Megaseller-Albums "1977" erst 19 Jahre alt war und eigentlich
nur sehr punkige Popmusik machen wollte. Nun der Pop wird bei ASH noch
immer groß geschrieben und findet nicht zuletzt in den schicken
Plastikhosen und Sonnenbrillen der Band seine Verwendung. Der hübsche
Neuzugang Charlotte an der Gitarre tut dem Sound gut. Die Gitarrenwände
sind schön breit, das typisch britische Songwriting abwechslungsreich
und man ist noch heute nicht "too old for Rock'n'Roll". Zum Glück,
sonst hätte ASH-Kopf Tim bestimmt schon aufgehört. Der ist nämlich
der Meinung, dass man mit 30 für solche Scherze bereits zu alt ist.
Gut, dass er dieses Jahr erst 24 wird. Schönes Gitarrenalbum mit
viel Melodie! (stb)
DAFT PUNK
Discovery
Virgin
Die Erwartungen waren riesig, und sie konnten eigentlich nur enttäuscht
werden. Es ist 1997 und die Clubgänger wie Kritiker liegen den beiden
Franzosen Thomas Banalter und Guy-Manuel de Homem-Christo zu Füßen.
Mit ihrem Debütalbum »Homework» hatten sie ihre Hausaufgaben
brav gemacht - ihr trockener, purer Sound revolutioniert die House-Music.
Auf einmal war French-House das Maß der Dinge und DAFT PUNK erlangten
Kult-Status. Das war, wie gesagt 1997. Jetzt vier Jahre später folgt
»Discovery«, und den beiden Franzosen scheinen die Ideen ausgegangen
zu sein. Kräftig wird auf die Charts geschielt, eingängige Melodien
ringen um Beliebtheit und Vocoder-Stimmen versuchen den Intellekt des
ersten Albums zu vermittelt. Alles ganz nett, doch leider können
nur die wenigsten der 14-Tracks überzeugen, der Rest versinkt im
House-Niemandsland. »Discovery« ist okay, nicht mehr, nicht
weniger! (nn)
MICATONE
Nine Song"
No Zession /Sonar Kollektiv
Unschwer zu erraten, wie viele Titel sich auf dem ersten Longplayer von
Micatone befinden. Neun Mal verbindet die 1999 in Berlin gegründete
Band federnd-groovende, live eingespielte Sounds mit Samples und anderenelektronischen
Elementen. Ausgangspunkt ist dabei unüberhörbar der Jazz ergänzt
um die Liebe zu breakbeats und anderen modernen Clubsounds. Gerade diese
Kombination aus Alt und Neu verleiht der Musik die Würze und bewahrt
sie davor, zur netten Klangtapete zu werden."Still in Time" begrüßt
uns mit einem Intro des Vibraphonisten DavidFriedman um dann zu einem
leicht tänzelnden Spaziergang durch das musikalische Universum der
Band zu werden. Über allem schwebt die sanfte, jazzige Stimme von
Lisa Bassenge, die selbst bei Mid- und Uptempostücken äußerst
selten die Ruhe verliert. Die aus dieser Ambivalenz entstehende Spannung
zieht sich wohltuend durch alle Titel des Debüts. (kf)
SHEELA
Straight Hearted Ones
LBT
War schon das letzte Album »Changes« eine Meisterleistung,
so legt die südhessische Band, die auch in Japan und nun auch in
den USA Erfolge verzeichnet, noch ein Brikett nach. Dabei machen SHEELA
ganz altmodischen Power-Rock mit knallharten Riffs, viel Melodie und grandiosem
Satzgesang. Als Gaststar ist drum auch ein Meister des Genres - Michael
Sadler von SAGA - dabei, dessen markante Stimme sich nahtlos in den Sound
einfügt. Doch trotz einer Coverversion von »Born To Be Wild«
wird hier nicht nur gnaden- und hirnlos abgerockt. Im Gegenteil: Ganz
so, als hätte BEATLES-Soundfuchs George Martin seine Finger im Spiel,
wird produktionstechnisch herumexperimentiert, dass es eine Freude ist:
Gesang per Telefon, eingespielte O-Töne, wilde Stereo-Effekte und
psychedelische Effektbastelein machen das Anhören immer wieder zum
Erlebnis. Da können auch die Klangbastler von der Trance- und Technofront
noch was lernen! SHEELA sind im Mai und Juni auch in der Region auf Tour.
(lj)
NO UNDERGROUND
Burn My Body
Nois-O-Lution
Als 1999 NO UNDERGROUND mit »Free Transform« ihr Debutalbum
veröffentlichten, brachte man die Songs mit ihrer ungewöhnlichen
Mixtur aus Pop, Elektronik, House und TripHop schnell in die stilistische
Nähe von BECK. Mit »Burn My Body« hat man sich nun von
solchen Vergleichen emanzipiert. Relaxte Lounge-Sounds, teilweise psychedelisch
angehaucht, verströmen eine hypnotische Atmosphäre, wie sie
typisch ist, für die musikalische Heimat von NO UNDERGROUND, dem
Berliner »Club Maria« am Ostbahnhof. Bequem in einen Sessel
sitzend, kann man sich der hochkontextuellen Welt der NO UNDERGROUND-Songs
eben am besten hingeben und eintauchen in die Gedankenwelt von NO UNDERGROUND-Cheftheoretiker
Robert Defcon. Und zum Beispiel über die Bedeutung des Songs »Pornostaat«
nachdenken oder die essayistische Auseinandersetzung mit den Begriffen
"Luxus" vs. "Macht" wie sie im Booklet zu finden ist. Entspannter Agitpop
für Kopf-Hörer! (ks)
SEEED
New Dubby Conquerors
Downbeat/Wea
Mit 11 (!) Leuten sind SEEED wahrlich ein großes Projekt aus dem
Großprojekt Berlin! Mit "New Dubby Conqueror" präsentieren
sie ihren ersten Longplayer und versammeln 12 Titel, die irgendwo zwischen
HipHop, Ragga, Dub, Dancehall und vor allem Reggae anzusiedeln sind. Damit
liegen SEEED voll im Trend, wird doch zur Zeit der Reggae von diversen
deutschen Musikern (Jan Delay, Denyo 77 u.a.) neu bzw. wieder entdeckt:
Reggae-Vibes inna german stylee! Doch wirkt es nicht so, als ob die Berliner
blindlings einem Trend folgen. Sie präsentieren eine meist ausgewogene
Melange der verschiedenen Stile, krönen diese mit deutsch-englischen
Texten und gehen souverän und respektvoll mit jamaikanischen Einflüssen
um. So basiert z.B. ihr »We seeed« gekonnt auf einem Riddim
von Lee Perry. »Dickes B« gehört dabei zu den eingängigsten
nicht aber zu den stärksten Titeln des Albums. Macht Spaß!
(kf)
BINTIA
B.I.N.T.I.A.
Def Jam
Diese Dame hat's. Eine größere Öffentlichkeit kennt sie
seit ihrem Gastauftritt bei DEICHKINDs »Weit weg«, Insider
wissen, dass sie einst bei der Girl Group FINESSE dabei war und inzwischen
mit Harris von den SPEZIALIZTZ verheiratet ist. Nun will Bintia es selber
wissen und hat ein mitreißendes Album vorgelegt, irgendwo zwischen
HipHop und Rhythm and Blues angesiedelt, das mit viel Herz und erstaunlich
viel Köpfchen eingesungen wurde. Ein Album von verblüffender
Intensität, das auch heiße Themen (»Groupiez«)
auf ungewohnte Weise anpackt. Lasst Euch mittragen vom Groove - und von
dieser Stimme... Bintia hat's eben! (lj)
EAT NO FISH
Insane
Virgin
Als EAT NO FISH vor gerade mal zwei Jahren die Bühnen der Region
betraten, horchten viele auf. Dass es aber so schnell nach oben gehen
würde, war doch eine Überraschung. Die Einbecker Crossover-Band
ist nun bei Virgin unter Vertrag. Die vier haben es geschafft, ihr starkes
Debüt »Greedy For Life« noch zu toppen. In fünf
Wochen harter, konzentrierter Arbeit wurde in Kassel in Eigenregie ein
Werk produziert, das den ganz großen Erfolg verdient hat. Ebenso
aufwühlend wie mitreißend, ebenso zupackend wie zerbrechlich!
Verrückt? Nein, seltsam klar bei der Reise durch die eigenen Abgründe.
Sicher, die drei Jungs haben den Rock inzwischen ebenso im Blut wie die
Feinheiten der Elektronik, aber der eigentliche Glücksfall für
die Band ist Maria, die sich ganz preisgibt. Und gewinnt, indem sie sich
in der Musik verliert. (lj)
R.E.M.
Reveal
WEA
Viel hat sich getan bei Amerikas Vorzeige Band aus Athens, Georgia. Von
den einstigen Tagen des College Radios hin zu Weltstars und das alles
unter Bewahrung von Glaubwürdigkeit und Anerkennung, selbst bei Kreisen,
die sich bei Erfolg normalerweiser abwenden. Schwer war die Zeit gerade
bei den Aufnahmen zum letzten introvertierten Werk »Up«, so
auch Peter Buck: "Es ist kein Geheimnis, dass der Ausstieg von Drummer
Bill Berry ein Tiefpunkt für die Band war." Umso erstaunlicher, wenn
man das neue Album »Reveal« hört. Geradezu nach
Befreiungsschlag klingt es. R.E.M. sind als Trio wieder zu einer festen
Band gewachsen und lassen die Sonne scheinen. Vor allem die Hitsingle
»Imitation Of Life«, klingt nach besten »Automatic...«-Zeiten.
Aber eigentlich zu schade nur einen Song herauszuheben, alles lässt
sich genießen. (hs)
HALF PINT
Recollection
Renate/Community/Indigo
Nur selten werden Reggaetitel von Bands oder Künstlern aus dem Bereich
der Rockmusik gecovert - noch seltener von so großen Namen wie den
Rolling Stones: aus Half Pints Song »Winsome« machten sie
»Too Rude« (auf »Dirty Work«, 1986). »Recollection«
versammelt zum Teil schwer zugängliche Titel dieses Künstlers.
Neben Barrington Levi, Frankie Paul u.a. waren HALF PINT Anfang bis Mitte
der 80er einer der Großen der jamaikanischen Dancehall. Geprägt
war ihre Musik von großer Vitalität, sehr gut tanzbaren Rhythmen,
tiefen Bässen, schönen Melodien und ersten, noch zaghaft eingesetzten
synthetischen Klängen (gut nachvollziehbar gleich beim Opener »Tell
Me«). Eine Musik, die für die Tanzflächen produziert wurde
und deren Inhalte in der Regel weit weniger sozial, politisch oder geschichtlich
waren als noch zu Zeiten Marleys. Zur Zeit arbeiten HALF PINT mit den
Long Beach Dub Allstars zusammen. (kf)
JUICE COMPILATION
Masterblaster II
Raid Rec.
Masterblaster die Zweite, eine exklusive Compilation, die die Spreu vom
Weizen trennen soll. 22 zum Teil sehr besondere Tracks aus der deutschen
HipHop-Szenerie. Bekannte Jungs wie die Stieber Zwillinge und Curse, aber
auch Damen wie Fiva MC und Pyranja steuern gewohnt hochwertige Songs bei.
Das Schöne an dieser Zusammenstellung aus dem Hause Raid Records,
sind allerdings die Remixe bereits bekannter Discotheken-Hits, wie »Malaria«
von den Stieber Twins im Twin-Peaks- oder einer von Tomekks Hitparaden-Ohrwürmern
im DJ-Membrain-Mix (!). Diese Masterblaster Doppel CD bietet eine gute
Übersicht über die derzeitige Landschaft des HipHop und ist
qualitativ keine Schlechte. Anhänger des aus Deutschland kommenden
Raps sollten diese Doppel-CD schnellst möglich ihrer Sammlung hinzufügen.
In diesem Sinne: "Ich könnt schwören, Ihr könnt mich hören".
(tg)
ASH
Free All Angels
Edel
Tim konnte aufatmen. Der Boom und Hype war zum Glück nicht mehr so
schlimm. Briten sind bei so etwas ziemlich eigen. Wird man erst einmal
zum Star auserkoren, muss man ihn auch spielen, sonst ertrinkt man im
See des Vergessens. Da nützte auch nicht das Argument, dass man bei
Erscheinen des Megaseller-Albums »1977« erst 19 Jahre alt
war und eigentlich nur sehr punkige Popmusik machen wollte. Nun der Pop
wird bei ASH noch immer groß geschrieben und findet nicht zuletzt
in den schicken Plastikhosen und Sonnenbrillen der Band seine Verwendung.
Der hübsche Neuzugang Charlotte an der Gitarre tut dem Sound gut.
Die Gitarrenwände sind schön breit, das typisch britische Songwriting
abwechslungsreich und man ist noch heute nicht "too old for Rock'n'Roll".
Zum Glück, sonst hätte ASH-Kopf Tim bestimmt schon aufgehört.
Der ist nämlich der Meinung, dass man mit 30 für solche Scherze
bereits zu alt ist. Gut, dass er dieses Jahr erst 24 wird. Schönes
Gitarrenalbum mit viel Melodie! (stb)
TRAVIS
The Invisible Band
Epic
Was soll man zur musikalischen Entwicklung in England sagen? Die Großmäuler
von OASIS sind endgültig abgelöst. Und das - fast nicht vorstellbar
- von Klangarchitekten wie RADIOHEAD oder Berufsmelancholikern wie
TRAVIS. Deren Karriere vollzog sich erst heimlich still, leise und langsam,
um sich dann mit der Single »Why Does Always Rain On Me« zu
verselbstständlichen. Erst 15 Monaten nach Veröffentlichung
wurde die Band mit diesem Hit aus dem Erfolgsalbum »The Man Who«
so richtig "groß". Gespannt warten natürlich alle auf das Folgealbum.
Und welch Freude: Travis bleiben sich treu: Herzzerreissende Melancholie-Hymnen,
feinste Popperlen finden sich auch auf »The Invisible Band«.
Gerade Songs wie »Sing« oder »Pipe Dreams« bestechen
mit geradezu perfekten Arrangements. Dies verspricht ein Erfolgsablbum
zu werden.. (hs)
SHAWN MULLINS
Beneath The Velvet Sun
Columbia
Das Album ist zwar schon eine Weile auf dem Markt, die Single »Everywhere
I Go« ist auch schon zum passablen Radiohit avanciert, trotzdem
gibt es keinen besseren Zeitpunkt für die aktuelle Shawn Mullins.
Fängt doch das Album unbeschwert jene Atmosphäre ein, die man
gerne als Gefühl der Freiheit bezeichnet. Ideal also für die
sommerliche Zeit. Mit einem Songwriter Gespühr für große
Gefühle, sowie richtig feine Folkrock Songs die das gewisse Hitpotential
nicht vermissen lassen. Ohne weiteres könnten sich hier vier bis
fünf Hits tummeln. Auch mit seinen Gästen kann Shawn Mullins
sich schmücken, Künstler wie Shelby Lynn oder (in der limitierten
Auflage) gar Elton John wären zwar nicht nötig gewesen, bereichern
aber diese Meisterleistung ungemein. Ebenfalls in der limitierten Auflage
zu finden ist sein erster Riesenhit »Lullaby« in der Akustikversion.
Ein Album ohne einen einzigen Ausfall, vortrefflich! Kann man getrost
schon jetzt als Anwärter für die Platte des Jahres vormerken.
(hs)
BURNING SPEAR
Spear Burning
Pressure Sounds/EFA
Burning Spear produziert kontinuierlich seit mehr als 30 Jahren qualitativ
hochwertige Musik. Zudem ist er einer der wichtigsten Vertreter des Roots-Reggae
und transportiert mit seiner Musik kulturelle und politische Botschaften.
Nachdem er im legendären Studio One seine Karriere begann, gründete
er 1975 sein eigenes "Spear"-Label. Aus dieser Zeit stammen die Aufnahmen,
die auf "Spear Burning" zum ersten Mal auf CD versammelt sind. Die zum
Teil sehr raren Aufnahmen überzeugen durch warme Roots-Sounds gepaart
mit dem einzigartigen, repetitiven Gesang, der durch seine Eindringlichkeit
nahezu hypnotische Qualitäten erlangt. Dieser Veröffentlichung
liegt ein umfangreiches Booklet mit Informationen über Burning Spear
sowie Hintergründen der Rastafari-Bewegung bei. "Spear Burning" kommt
ebenfalls als Doppelvinyl. (kf)
BOXHARP
The Tailored Soldier
Glitterhouse/TIS
Mike Taylor, Kopf von Court and Spark aus San Francisco, und Scott Solter
haben sich zusammen auf eine Hütte in den Tonto National Forest,
Arizona zurückgezogen und dort Songs sowie Soundscapes aufgenommen.
Zurück in San Francisco wurden diese Aufnahmen durch diverse Overdubs
von Musikern aus der Bay Area zu skurrilen Werken, die ihre Inspiration
aus purer Shitkicker-Countrymusic beziehen - inklusive Pedal Steel, Geigen,
Hammond-Orgel und Lagerfeuerromantik. Der Held reitet jedoch nicht alleine
in den Sonnenuntergang der Einsamkeit entgegen, sondern hebt durch Beigabe
diverser psychedelischer Ingredienzien eher sanft vom Boden ab. Mit zauberhaftem
Frauengesang angereichert (u.a. "19 Smoketree Lane") verlieren die Titel
fast gänzlich den Realitätsbezug. "Filming the desert" wird
gar zum Soundtrack eines Rausches. (kf)
TARAXACUM
Spirit of Freedom
MTM-Music
Wenn ex-SQUEALER-Drummer Frank Wolf und EDGUY-Basser Tobias Exxel eine
neue Band ins Leben rufen und dafür unter anderem auch noch die Stimme
von Ausnahmesänger Rick Mythiasin (STEEL PROPHET) dafür gewinnen
konnten, kann man sich auf Musik vom feinsten freuen. TARAXACUM heißt
die neue Band die besonders durch ihre eigenständige Art der Musik,
die am ehesten mit dem Begriff "Melodic Power Metal" umschrieben werden
kann., auffällt. Die Merkmale der Songs aufdem Debütalbum sind
Frische, Emotion, Aggression und ein starker Charakter. Besonders der
Titel "Live goes on" zeigt die Vielseitigkeit der beteiligtenMusiker.
Nur für harte Jungs! (jh)
BOYHITSCAR
Boyhitscar
Wind-up Music
Als besonders einfallsreich erwiese sich die vier Jungs aus Los Angeles
ja nicht gerade als sie ihrem Debütalbum den Name der Band gaben.
Dafür hat es die Musik aber in sich. Eine Stimme die von melodischen
Teilen zu harten hin und her springt und dabei von starken Gitarrenriffs
und double-bass-haltigen Drums unterstützt wird, gibt der Band einen
eigenen Stil, der am ehesten in die Richtung KORN geht. Nicht umsonst
waren die Jungs die mit ganzem Herzen bei der Sache sind Vorgruppe bei
der Amerikatour von PAPA ROACH und standen auch schon mit INCUBUS auf
einer Bühne. Ein Muß für jeden, der auf schnelle, härtere
Musik steht! (jh)
LIFEHOUSE
No Name Face
Motor
Sie waren bereits Vorgruppe bei solch Großen wie Matchbox 20 oder
Pearl Jam und genau wie ein Gemisch aus diesen beiden Bands klingen
sie auch. Keineswegs negativ betitelt: eine Mischung aus kräftigen
Gitarren, charismatischer Stimme die gerne an Eddie Vedders Organ erinnert
und einen ausgesprochenen Sinn für richtige gute Meldodien und spannungsgeladenes
Timing. Was Lifehouse zu vielen Anderen noch so außergewöhnlich
macht: die Buben sind gerade mal um die 20. Bei dem Gespür für
Songwriting welches Sänger und Gitarrist Jason Wade an den Tag legt,
kann man nur Staunen. Endlich mal wieder richtig guter amerikanischer
Rock, wo nicht nur die ruhigen Momente überzeugen, sondern auch die
Kracher stimmen. Bestes Beispiel: »Hanging By A Moment« stürmte
prompt auf No.1 in die Billboard Modern Rock Charts. (hs)
JOSHUA KADISON
Vanishing America
EMI
Schön das er wieder da ist! Anfang der 90er hatte Joshua Kadison
mit seinem vorzüglichen Debüt beachtlichen Welterfolg. Hits
wie »Jessie« oder »Pictures Postcards From LA«
zählten zur Popmusik, wie man sie feiner nicht bekommen konnte. Mit
dem ebenfalls guten Zweitwerk wurde es um den Sänger, Songwriter
und Pianist aus Santa Barbara, Kalifornien ruhiger. Kurze Zeit später
zog er sich dann völligst zurück, um sich dem Studium der Musik
von Klassik und Jazz, von Gershwin, Ellington, Mozart und vor allem Miles
Davis hinzugeben. Ein erstes Lebenszeichen kam 1998: ein selbstverfasster
Roman. Mit »Vanishing America« knüpft Kadison nun nahtlos
an sein erstes Album ran. Traumhafte Songs, herrliche Geschichten. Geradezu
genießerische Ruhe strahlen die balladesken Songs aus. Ideal für
laue Sommerabende. (hs)
APHRODELICS
Enormis
BMG
In Wien geht alles etwas gemächlicher und stilvoller zu - soweit
das allgemeingültige Klischee, das wir uns an dieser Stelle aber
nicht bedienen wollen. Dennoch überrascht der Sound von Aphrodelics.
Mit kraftvollem Rap ausgerechnet aus Österreich haben wir nicht gerechnet,
dass eben jenem elektronische Beats als Grundlage dienen, ist auch nicht
gerade alltäglich. Das dieses Sound-Konglomarat, das erstaunlich
homogen wirkt, mit angenehmen Downbeat/Lounge-Tracks aufgelockert
wird, nimmt man bei Hören schließlich erstaunlich gelassen
hin - als ob es diese Verschmelzung schon immer gegeben hätte. Ursache
der elektronische Vorliebe der drei-köpfigen Rap-Crew ist die Zusammenarbeit
ihres Produzenten Rodney Hunter mit den österreischen Down-Beat-Dub-Weltmeistern
Kruder & Dorfmeister; Peter Kruder war gar direkt an der Produktion
beteiligt. Hochkarätigen Support erhielten Aphrodelics auch von Partrice,
Curse und den Spezializtz! Sehr schön!(nn)
TRAVELLIN' LIGHT
Tamallin
Artists & Acts/Pallas
Einerseits mochte man sie so, wie sie auf ihrem Debüt-Album (damals
noch als AVALON) herüberkamen: rauh, ungeschliffen, pub-kompatibel,
herzlich - Folk vom Feinsten eben! Andererseits ist es schon beeindruckend,
was die Zusammenarbeit mit dem Wildecker Herzbuben Wolfgang Schwalm hier
zutage gefürdert hat: In oft sehr aufwendigen Arrangements landen
die fleißigen Folk-Rocker in Mainstream-Regionen irgendwo zwischen
Chris de Burgh und Paul Simon. Die feinen Satzgesänge kommen perfekt
zur Geltung, dazu gibt es inspirierte Soli, und alles erstrahlt in einer
makellos glatten Produktion. Doch immer spürt man, dass hinter der
blankpolierten Fassade ein echtes Herz schlägt! Live zweimal in Kassel:
am 27.9. in der Alt Berliner Destille, am 29.9. im Dubliner. (lj)
BURNING SPEAR
Spear Burning
Pressure Sounds/EFA
Burning Spear produziert kontinuierlich seit mehr als 30 Jahren qualitativ
hochwertige Musik. Zudem ist er einer der wichtigsten Vertreter des Roots-Reggae
und transportiert mit seiner Musik kulturelle und politische Botschaften.
Nachdem er im legendären Studio One seine Karriere begann, gründete
er 1975 sein eigenes "Spear"-Label. Aus dieser Zeit stammen die Aufnahmen,
die auf "Spear Burning" zum ersten Mal auf CD versammelt sind. Die zum
Teil sehr raren Aufnahmen überzeugen durch warme Roots-Sounds gepaart
mit dem einzigartigen, repetitiven Gesang, der durch seine Eindringlichkeit
nahezu hypnotische Qualitäten erlangt. Dieser Veröffentlichung
liegt ein umfangreiches Booklet mit Informationen über Burning Spear
sowie Hintergründen der Rastafari-Bewegung bei. "Spear Burning" kommt
ebenfalls als Doppelvinyl. (kf)
TARAXACUM
Spirit of Freedom
MTM-Music
Wenn ex-SQUEALER-Drummer Frank Wolf und EDGUY-Basser Tobias Exxel eine
neue Band ins Leben rufen und dafür unter anderem auch noch die Stimme
von Ausnahmesänger Rick Mythiasin (STEEL PROPHET) dafür gewinnen
konnten, kann man sich auf Musik vom feinsten freuen. TARAXACUM heißt
die neue Band die besonders durch ihre eigenständige Art der Musik,
die am ehesten mit dem Begriff "Melodic Power Metal" umschrieben werden
kann., auffällt. Die Merkmale der Songs aufdem Debütalbum sind
Frische, Emotion, Aggression und ein starker Charakter. Besonders der
Titel "Live goes on" zeigt die Vielseitigkeit der beteiligtenMusiker.
Nur für harte Jungs! (jh)
JOSHUA KADISON
Vanishing America
EMI
Schön das er wieder da ist! Anfang der 90er hatte Joshua Kadison
mit seinem vorzüglichen Debüt einen beachtlichen Welterfolg.
Hits wie »Jessie« oder »Pictures Postcards From LA«
zählten zur Popmusik, wie man sie feiner nicht bekommen konnte. Mit
dem ebenfalls guten Zweitwerk wurde es um den Sänger, Songwriter
und Pianist aus Santa Barbara, Kalifornien ruhiger. Kurze Zeit später
zog er sich dann völligst zurück, um sich dem Studium der Musik
von Klassik und Jazz, von Gershwin, Ellington, Mozart und vor allem Miles
Davis hinzugeben. Ein erstes Lebenszeichen kam 1998: ein selbstverfasster
Roman. Mit »Vanishing America« knüpft Kadison nun nahtlos
an sein erstes Album an. Traumhafte Songs, herrliche Geschichten. Geradezu
genießerische Ruhe strahlen die balladesken Songs aus. Ideal für
laue Spätsommerabende! (hs)
More Rockers
Select Cuts 12 Inch Selection
Select Cuts/EFA
Mitte der 90er Jahre galt es wieder einmal, die Genregrenzen der Musik
auszuloten und dem Ekklektizismus Vorschub zu leisten. Rob Smith (Smith
& Mighty) und Peter D (ex-Massive Attack) verstanden es dabei exzellent,
undogmatisch und innovativ vorzugehen. Breakbeats, Jungle sowie Elemente
aus House, Dub & Funk kombinierten sie zu einem einzigartigen Stilmix,
der über Bristol hinaus die Musik nachhaltig beeinflusst hat. Select
Cuts veröffentlicht nun eine Sammlung von insgesamt 15 Maxis des
Künstler- und Labelkollektivs. Absolutes Highlight ist dabei »Badness
= A Madness«, eine Kooperation mit MC Navigator, der einigen durch
seine Mitarbeit bei den Freestylers bekannt sein wird. Sein Ragga-Toasting
wird kombiniert mit extremen Bässen und einem für den Jungle-typischen,
unterbrochenen Rhythmus aus Breakbeats. Fett! (kf)
Davide de Marinis
Quello Che Ho
Staccato Records
Was schon sein Hit »Troppo Bella« versprach, wird auf dem
Album gehalten: Hier ist eine frische, junge Stimme aus Italien, die mit
Witz und Lebensfreude dem leicht angestaubten Italo-Pop neues Leben einhaucht.
Alles ist da: eine unverwechselbare Stimme, Melodien, die ins Ohr gehen,
eine hervorragende Produktion. Nicht zu vergessen ein Aussehen, das die
Frauen- und Mädchenherzen höherschlagen lässt! Der satte
Schuss American Rock, der in den poppigen Mix mit einfloss, tut dem Gesamtsound
genauso gut, wie die stets präsente, vom Sänger höchstpersönlich
geschlagene Westerngitarre. Davide hat nicht das Rad neu erfunden, er
bringt es aber mit viel Spaß wieder auf Touren. Schöner Bonus:
das Video zu »Troppo Bella« ist (inklusive gutem Player) mit
auf der CD! (lj)
JOHN WAITE
Figure In A Landscape
Gold Circle/Inakustik
Immer mehr hört man von der Entscheidung »Superstar goes Back
to the Roots«, nicht unbedingt musikalisch, eher die Befreiung aus
dem Geflecht der Major Plattenfirmen ist gemeint. Auch John Waite, der
mit The Babys, Solo mit Megahits wie »Missing You« oder mit
der Supergroup Bad English phänomenale Erfolge feiern konnte, wählte
diesen Weg. Zurück in die Clubs, keine Stadien mehr. Zurück
zu sich selbst. Und wenn meist Presseinfos vorschwärmen, ab und an
passen auch die Worte, sicher weil hier ein kleines Label mit Gefühl
und Respekt für den Künstler am Werk ist. Liest man "...die
Sorte Kunstwerk, die nur ein Maler hinbekommt, der reichlich Leinwand
zur Verfügung hat", dann ist das aktuelle Solowerk von John Waite
nicht nur wunderbar, sondern auch passend beschrieben. Waite, dem einer
der herrlichsten Stimmen der Rockwelt geschenkt wurden, begeistert mit
diesem Album mit einer herrlichen Songsammlung von klassischen Balladen
bis zu Mainstream-Rockern. (hs)
THE QUIREBOYS
This Is Rock'n'Roll
Sanctuary Records
Mensch - die gibt's noch??? DasA war der erste Gedanke, als die Scheibe
auf den Redaktionstisch landete. Sie gibt es wieder. Wie man heute so
schön sagt: "und das ist gut so!" Angeführt von Sänger
Spike Gray veröffentlichten The Quireboys 1990 ihr fantastisches
Debüt »A Bit Of What You Fancy«. Unter starkem Einfluß
von Rod Stewart und dessen Faces schufen die Engländer geniale Party
Hits wie »Sex Party« oder »7 o'Clock«. Nach Touren
mit Aerosmith oder G'n'R und einem eher enttäuschenden zweiten Album
löste sich die Band auf. Mit der neuen CD, deren Titel hier für
Programm steht, melden sich die Jungs kraftvoll zurück. Stimmungsvolle
Rocksongs wie »Six Degrees« oder dem »C'mon« beweisen
das. Wer über das letzte Black-Crowes-Album enttäuscht war,
sollte hier seinen Spaß wiederfinden. (hs)
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