Wildwechsel-Plattenkritiken
Plattenkritiken aus dem Wildwechsel 2001


HAMID BAROUDI
Sidi
Vielklang/EFA
Er wurde in Algerien geboren, lebte als Straßenmusiker in Paris und wohnt seit 1984 in Kassel. Er ist immer unterwegs: unter abenteuerlichen Umständen in Algerien, bei Peter Gabriel in England, bei DJ Krush in Japan - Hamid ist überall zuhause. Er macht vor keiner Grenze halt - musikalische und Denkgrenzen inbegriffen. In Interviews betont Hamid, dass ihn als Kind westliche Radiomusik faszinierte. Und heute? Raï, die populäre "Volks"-Musik Algeriens, ist die Essenz seiner Songs. Immer gemixt mit Einflüssen aus anderen Kulturen, hier sind es spanische, ägyptische oder marokkanische Musik. Aber wie sagte Hamid doch: "Der Rhythmus meines Herzens ist afrikanisch. Meine Weltanschauung ist digitalisiert, mein Blues ist maurisch." Und Sidi der Soundtrack für eine bessere Welt! (ks)

VICTOR DAVIES
Victor Davies
Compost Records
Jazz, Rhythm & Blues, Folk, Pop und Latin verbinden sich bei dem Londoner Musiker Victor Davies auf verführerische Weise. Dabei versteht sich der Mann in erster Linie als Singer/Songwriter: Im Mittelpunkt steht das Lied als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Klar, dass das Major Label, das ihn Anfang der 90er zur Dance-Music nötigen wollte, scheitern musste. Im besten Sinne kompromisslos ist Davies noch heute: Doch hat er sich bei aller Zielstrebigkeit einen fast jungenhaften Charme bewahrt. So klingt seine Musik trotz emsiger Detailarbeit nie angestrengt und gewollt, sondern frisch und lebendig. Neben allen sängerischen und kompositorischen Qualitäten ist Davies auch noch ein formidabler Multi-Instrumentalist, der für seine Aufnahmen fast alle Instrumente selbst spielt. Fein! (lj)


EEL
Souljacker
Motor/Universal
Endlich da: Studioalbum Nummer Vier von "a man called E" und seinen Begleitern! Nach dem grandiosen Vorgänger »Daisies Of The Galaxy« hätte man es durchaus für schwer halten können, einen würdigen Anschluss zu finden. Weit gefehlt! Gekonnt wird der beschrittene Weg fortgeführt und erneut kommen einige musikalische Farbtupfer hinzu. So wird auf »Souljacker« zum Teil mächtig gerockt, was der Band nach etlichen melancholischen Einfärbungen vergangener Tage sehr gut zu Gesicht steht. Einen absoluten Höhepunkt des Albums stellt »Teenage Witch« dar: leicht verschrobene Vocals, Breakbeats und ein treibender Rhythmus, der so richtig in die Füße geht! Ruhigere Töne gibt es aber natürlich auch zu hören, die Klänge zwischen Americana, Pop, Rock und Singer-Songwritertum liegen ihnen ja geradezu im Blut. E & Co. können nach wie vor mit erstklassigen Songperlen aufwarten. (kf)

BLUMENTOPF
Eins A
Four Music
Hamburg, Stuttgart, vielleicht noch Frankfurt, Köln, Berlin - die Rollen im nationalen HipHop-Geschäft sind klar verteilt. Von München ist in diesem Kontext nicht viel zu hören. Nur die Jungs von BLUMENTOPF halten in diesem Segment die bajuwarische Fahne hoch. Und das machen sie nicht schlecht: selbstironisch und nicht ungekonnt im Austeilen gegenüber Rap-Kollegen freestylen sie ihre Rhymes ins Mic. Die musikalische Begleitung bekommen die Rapper von DJ Sepalot, der wie gewohnt klasse und liebevolle Beats bastelt. »Eins A« ist eine gelungene Scheibe über das unerreichbare Wesen Frau, das intime Innenleben des HipHop-Daseins und politisch-gesellschaftliche Standpunkte. Aber leider nicht so gut, wie der überragene Vorgänger »Wie der Handel«. Daher ist die Note »Eins A« vielleicht etwas zu hoch gegriffen - aber eine »Zwei B« ist es allemal! Am 8.11. in Göttingen live zu erleben! (nn)

GILRAIN
Rockwise Direction
xxx Records
Dass die Folkrocker GILRAIN nicht nur die Dylan-Tradition des American Folk aus dem Effeff beherrschen, sondern auch ein ordentliches Brett vorlegen können, bewiesen sie auf unzähligen Live-Auftritten. Auf den bisherigen Alben aber bestimmte eher dezenter Acoustic Rock das Klangbild. Das ist bei »Rockwise Direction« - nomen est omen - ganz anders. Hier geht's volle Pulle zur Sache, Querflöte und Westerngitarre blieben zuhause, statt dessen wandelt man auf den Spuren von bluesigen 70er-Jahre-Hardrock-Heroen wie DEEP PURPLE und LED ZEPPELIN. Das erstaunt zunächst. Nach der ersten Überraschung aber haut's einem vom Schemel! Vor allem die Extraportion Blues-Rock tut dem GILRAIN-Sound gut! Bonus: Sogar eine Bläsergruppe wurde ins Studio eingeladen. (lj)

SERGENT GARCIA
Sin Fronteras
Virgin
Latin Fever allenthalben: Selbst auf dem hintersten Dorfe ist die Latinowelle angekommen. Doch Sergent Garcia aus Frankreich hängt sich nicht an einen Trend an, ihm liegt diese Musik im Blut. Schon 1997 nahm er sein Debütalbum im Alleingang auf, formierte anschließend eine Band und prägte 1999 mit »Un Poquito Quema'o« den Salsamuffin-Sound. Bei ihm vermischen sich jamaikanische und afrokubanische Elemente zu einer unwiderstehlichen Mischung, spontan, wild, aber immer auf den Punkt. Die ungezügelte Spielfreude spielt sich auch auf »Sin Fronteras« (ohne Grenzen) wieder. Vorwärtstreibende Rhythmen und punktgenaue Bläser, dazu explosive Vocals, aber auch mal gemütliche Geigen. Und immer wieder kontrastiert ein cooler Reggaegroove die kubanische Hitze: Das macht Spaß! (lj)

ELSTER SILBERFLUG
Spés
Silberflug
ELSTER SILBERFLUG auf neuen Wegen: Die Veteranen des Wehende-Kleider-Folks haben sich nach Abklingen der sanften Müsli-Epoche fest in der Mittelalterszene etabliert. Doch stehenbleiben wollen sie nicht. Das neue Album beinhaltet ein faszinierendes Sound-Experiment: Carmina Burana, frühe Kirchenmusik und mittelalterliche Frühlingslieder wurden mit historischen Instrumenten einsgespielt, aber um elektronische Sounds, Grooves und Effekte ergänzt. Dadurch entstehen mal trancige, mal abgedrehte Soundcollagen von archaischer Power, die trotzdem in einem guten Sinme modern klingen. Die eine oder andere Nummer ist sogar dancefloor-tauglich. ELSTER SILBERFLUG  gehen noch erheblich weiter als die  FREIBURGER SPIELLEYT vor Jahren mit ihren »Waves Of Vigo«. Ein ansprechendes Werk zwischen Mittelaltermusik und Ambient, Oldfield, Shanti, ENIGMA und Weltmusik! (lj)

JBO
Sex, Sex, Sex
Virgin
Die Könige des rüden Comedy-Rocks legen ein neues Meisterwerk des zupackenden Blödsinns vor.  Textlich und musikalisch erreichen sie wieder Zwerchfell und Bauch, manchmal auch tiefere Regionen. Schließlich verspricht das Album ja »Sex, Sex, Sex«. Allzu ernst sollte man solche verkaufsfördernden Argumente jedoch nicht nehmen, denn zu allererst gibt es "Spaß, Spaß, Spaß". Als Texter schwingen die Jungs eine freche Feder: Wenn man die Perlen der Dichtkunst genießt, die die Jungs mit scheinbarer Leichtigkeit zu Papier bringen, wird einem die Holprigkeit und Peinlichkeit der Ergüsse vieler Kollegen erst bewusst. Musikalisch ziehen sie alle möglichen und unmöglichen Trends durch den Kakao: vom Hitparaden-HipHop über guten alten Country-Sound und satanischen Metal bis hin zum Mittelalter-Rock. Bislang die beste J.B.O.-Scheibe! Live am 11.2. in Baunatal! (lj)

BOXHAMSTERS
Saugschmerle
Bad Moon Records
Gießen ist eine unglaublich hässliche Stadt. In dieser Trostlosigkeit bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig, als eine Band zu gründen, um dem Alltag zu entfliehen. Die vier Herren der Kultband BOXHAMSTERS gehören nach 14 Jahre Bandgeschichte längst zur Speerspitze des deutschsprachigen Punks.  Die Songtexte von Sänger Co zerreißen Dein Herz und die Gitarren-Overkills finden nichts, was sie aufhalten könnte. Selber tituliert man sich augenzwinkernd als die Holzkohle des Punks. Nie hell am brennen, aber stetig am glühen. Diese seltenen Nager knabbern an allem herum, was sich ihnen in den Weg stellt, probieren kurz und haben dann schon längst wieder Geschmack an etwas neuem gefunden. BOXHAMSTER-Platten sind immer kleine, mit Spannung erwartete Schätze. Diesmal ließen sie sich gleich 4 Jahre Zeit, um nach einem würdigen Nachfolger für ihre Tupperparty-CD zu suchen. Nun er ist würdig, er ist großartig. Gut, dass es sie noch gibt. (stb)

BAMBIX
What's in a name
Vitaminepillen Records
Holländischer Punkrock hat in Deutschland normalerweise einen schweren Stand. Wenn sich jedoch die charismatische Sängerin und Gitarristin Willia mit ihrer Bassistin Janneke und dem Schlagzeuger Peter in den Tourbus setzt, kann sie sicher sein, in Deutschland vor vollem Haus zu spielen. Längst schon kein Geheimtip mehr, verzaubert ihr leicht melancholischer, englischsprachiger Punkrock durch schöne Gesangslinien, harte Gitarren und enorme Geschwindigkeit. Diesmal haben alle Songs Eigennamen. Sie heißen Frankie oder Maria und sie erzählen Geschichten über diese Menschen und ihr Leben. Dabei ist das Songwriting noch straighter ausgefallen und die Experimente der letzten Alben etwas in den Hintergrund getreten. Dadurch wirkt das Album aber sehr kompakt. Gerade sind sie von einer sehr erfolgreichen Tour durch Brasilien zurückgekommen. Am 24.2. mit dabei auf dem Vita-Festival mit Wohlstandskinder und Psycho Gambola im Kasseler Spot. Nicht verpassen! (stb)

NO RESPECT
Tunes of Decline
Mad Butcher Records
Unglaublich! Nach all den Jahren haben es die linken Göttinger Ska-Punker endlich geschafft, eine neue Platte aufzunehmen. Das Warten hat sich gelohnt, das sehr gute Vorgängeralbum »Excuse my smile« wurde noch übertroffen. Alles wirkt geschlossener und noch besser arrangiert. Die Bläsersektion ist in Höchstform. Der neue Saxophonist macht sich positiv bemerkbar und bringt mehr Farbe in die Musik. Goldkehlchen und Bassist Stevie hat die meisten Gesangsparts übernommen und macht seine Sache überaus gut, während Gitarrist und Sänger Chris weiterhin für die rauhen Passagen zuständig ist. Die englischen Lyrics handeln wie bereits auf dem Vorgängeralbum von Widerstand gegen alltäglich Faschismus und sozialer Systemkritik. Insgesamt hat man das Tempo angezogen. Aber die Zeiten werden ja auch immer schneller. Überaus gelungene Mischung aus Ska, Punkrock und politischen Statements! (stb)
 

SPHERICAL
Amusements
Rockwerk
TripHop ist nicht gerade eine Musikrichtung, auf die man sich in Deutschland spezialisiert hat. Wenn's dann mal jemand probiert, fehlt meist das i-Tüpfelchen: der richtige Groove meist oder aber auch der Funke, der Fantasie zum Glimmen bringt. Bei SPHERICAL aus Hamburg ist das ganz anders. Sie hauchen der Elektronik Leben ein, ihree Musik sprüht über vor Ideen und  Lebenslust, sie lädt ein zu ungewöhnlichen Ausflügen in Großstadt-Nächte, bei denen man sich trotz aller Gefahren nie allein und ängstlich fühlt. Punktgenaue Bässe, weite Flächen, bizarre Synthie-Melodiefragmente, vor allem aber Kristina Bischoffs beseelter Gesang mit seinem leichten Jazz-Touch: Das ist eine Mischung, wie sie aus deutschen Landen noch nie auf den Tisch gekommen ist. Live am 19.1. im Barracuda Kassel. (lj)

NO PALE HAZE
Blue Orange
ZUN Records
Bei unserer Besprechung der Debütveröffentlichung 1998 wünschten wir den selbsternannten 'Freerockern', entdeckt zu werden. Im ganz großen Stil ist dies zwar noch nicht passiert, aber immerhin wurde Produzent Gerold Stiebeling (ebenfalls Schwalmstadt) auf die Band aufmerksam und nahm sie in seinem Studio unter die Fittiche. Vier der besten Songs aus dem Debüt wurden soundtechnisch neu eingespielt, darunter das bereits in '98 hochgelobte »One Reason«. Weitere acht neue Songs zieren das zweite Album. Auch hier findet sich wieder mit »Graveyards« ein Prachtstück wieder - hitverdächtige Harmoniegesänge, die gefallen! Auch steht ihnen smarter Pop-Punk wie »Point Of No Return« gut zu Gesicht. Nur »Remain« erinnert vielleicht ein bisschen stark an GUNS & ROSES. Ansonsten Daumen hoch! (hs)

BOXHAMSTERS
Saugschmerle
Bad Moon Records
Gießen ist eine unglaublich hässliche Stadt. In dieser Trostlosigkeit bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig, als eine Band zu gründen, um dem Alltag zu entfliehen. Die vier Herren der Kultband BOXHAMSTERS gehören nach 14 Jahre Bandgeschichte längst zur Speerspitze des deutschsprachigen Punks.  Die Songtexte von Sänger Co zerreißen Dein Herz und die Gitarren-Overkills finden nichts, was sie aufhalten könnte. Selber tituliert man sich augenzwinkernd als die Holzkohle des Punks. Nie hell am brennen, aber stetig am glühen. Diese seltenen Nager knabbern an allem herum, was sich ihnen in den Weg stellt, probieren kurz und haben dann schon längst wieder Geschmack an etwas neuem gefunden. BOXHAMSTER-Platten sind immer kleine, mit Spannung erwartete Schätze. Diesmal ließen sie sich gleich 4 Jahre Zeit, um nach einem würdigen Nachfolger für ihre Tupperparty-CD zu suchen. Nun er ist würdig, er ist großartig. Gut, dass es sie noch gibt. (stb)

BAMBIX
What's in a name
Vitaminepillen Records
Holländischer Punkrock hat in Deutschland normalerweise einen schweren Stand. Wenn sich jedoch die charismatische Sängerin und Gitarristin Willia mit ihrer Bassistin Janneke und dem Schlagzeuger Peter in den Tourbus setzt, kann sie sicher sein, in Deutschland vor vollem Haus zu spielen. Längst schon kein Geheimtip mehr, verzaubert ihr leicht melancholischer, englischsprachiger Punkrock durch schöne Gesangslinien, harte Gitarren und enorme Geschwindigkeit. Diesmal haben alle Songs Eigennamen. Sie heißen Frankie oder Maria und sie erzählen Geschichten über diese Menschen und ihr Leben. Dabei ist das Songwriting noch straighter ausgefallen und die Experimente der letzten Alben etwas in den Hintergrund getreten. Dadurch wirkt das Album aber sehr kompakt. Gerade sind sie von einer sehr erfolgreichen Tour durch Brasilien zurückgekommen. Am 24.2. mit dabei auf dem Vita-Festival mit Wohlstandskinder und Psycho Gambola im Kasseler Spot. Nicht verpassen! (stb)

NO RESPECT
Tunes of Decline
Mad Butcher Records
Unglaublich! Nach all den Jahren haben es die linken Göttinger Ska-Punker endlich geschafft, eine neue Platte aufzunehmen. Das Warten hat sich gelohnt, das sehr gute Vorgängeralbum »Excuse my smile« wurde noch übertroffen. Alles wirkt geschlossener und noch besser arrangiert. Die Bläsersektion ist in Höchstform. Der neue Saxophonist macht sich positiv bemerkbar und bringt mehr Farbe in die Musik. Goldkehlchen und Bassist Stevie hat die meisten Gesangsparts übernommen und macht seine Sache überaus gut, während Gitarrist und Sänger Chris weiterhin für die rauhen Passagen zuständig ist. Die englischen Lyrics handeln wie bereits auf dem Vorgängeralbum von Widerstand gegen alltäglich Faschismus und sozialer Systemkritik. Insgesamt hat man das Tempo angezogen. Aber die Zeiten werden ja auch immer schneller. Überaus gelungene Mischung aus Ska, Punkrock und politischen Statements! (stb)

FAUNA FLASH
Fusion
Compost
Nu-Jazz ist die neuste Trend in Sachen musikalische Spielwiese. Alles, was im entferntesten mit Jazz zu tun hat und irgendwie mit electronischen Elementen aufgepeppt wird, fällt in dieses Genre. Nach drei Jahren Pause haben FAUNA FLASH, die mit als beste Drum & Basser Deutschlands gelten, ihr neues Album vorgelegt. Der Name ist Programm - hier verschmelzen die unterschiedlichsten Elemente wie Dub, House, Brazil, HipHop, Breakbeat und Jazz. Also Nu-Jazz könnte passen. Doch die Münchener hecheln hier keinem Trend hinterher, "Fusion" ist die konsequente Weiterentwicklung ihres ersten Albums. "Fusion" bietet relaxte Low-Beat-Arrangements und hecktische Breakbeat-Nummern und viel Groove. Ein Album wie eine Assoziation - so stellt man sich einen urbanen Underground vor. Sehr schön! (nn)

DIVERSE
Free The West Memphis 3 - A Benefit For Truth & Justice
Koch Records
Bei dieser außergewöhnlichen Veröffentlichung handelt es sich um eine Benefit-CD für die US-Teenager Damien Echols, Jason Baldwin und Jessie Misskelley. Die Drei aus West Memphis/Arkansas wurden nach Ansicht vieler Amerikaner zu unrecht für den Mord an drei kleinen Kindern verurteilt. Seit mittlerweile sieben Jahren sitzen sie nun hinter Gittern, obwohl es scheinbar keine handfesten Beweise gibt. Vorurteile sollen schließlich ein Hauptgrund für ihre Verhaftung gewesen sein: In ihrer Gemeinde zählten sie als Außenseiter, hörten Heavy Metal, trugen schwarze Klamotten und liebten die Storys von Stephen King. Das Label Aces & Eights Rec. hörten von dieser Sache, wollte helfen und organisierte diese Benefit-CD. Die Resonanz spricht für sich: Tom Waits, Eddie Vedder (Pearl Jam) gemeinsam mit den Supersuckers, Steve Earle, Killing Joke oder L7. Und noch besser: alle Songs exklusiv! (hs)

AYNSLEY LISTER
Everything I Need
Ruf Records
Der Mann wird immer besser. Echt! Sicherlich ist in jeder Kritik zu lesen: Noch so jung der Kerl und so ein wahnsinniges Potential, aber es ist eben so. Lister kann sich getrost neben Jonny Lang und Kenny Wayne Sheperd einreihen. Der Engländer serviert uns wiedermal feinsten Bluesrock mit Kickin'Ass Menatlität, mit Gespühr für melancholische Momente oder mit Sinn für Ohrwurmqualität. Wahrlich kann man auf Listers vierten Album keinen Durchhänger feststellen, zwar findet man zwei balladeske Songs die schon auf dem letzten Werk waren, aber deren Qualität spricht schlechthin für sich. Weiterhin zu finden sind hitverdächtige Rocker wie: »In The Beginning«, Fetzer wie »Soundman« oder die wundervolle Ballade »As The Crow Flies«. Auch hat er mit »Little Wing« seine obligatorische Hendrix Coverversion dabei. Spitzenleistung Aynsley! (hs)

Erykah Badu
Mama's Gun
MoTown
It's showtime: Welcome, Erykah Badu! Ihrem vielgelobten Debütalbum »Baduizm« folgt nun »Mama's Gun«. Zart und gefühlvoll haucht sie "Orange Moon" ins Mikro. Ihre Stimme klingt deswegen nicht kitschig oder billig. Sie geht tiefer, bewegt zum Nachdenken und Träumen. Sie schafft eine Stimmung, die über die gesamte Dauer des Albums nicht abbricht. Nicht monoton, sondern in der Lage, den Hörer in unterschiedliche Gefühlszustände zu versetzen. Ein Stück reiht sich nahtlos an das andere. Die Platte stimmt und klingt wie aus einem Guss. Mrs. Badu verbannt die dröge Studioatmösphäre von ihrem Album. Teilweise gewinnt man den Eindruck unmittelbar Teil ihrer Show zu sein. Ihre Musik ist vielfältig und facettenreich. Es geht nicht nur um Soul. R'n'B-Elemente  finden ebenso ihren Platz wie Jazz-, Hip-Hop- und Reggae-Einflüsse. Unterstützung erhält sie bei ihrer Show von Stephen Marley, Common und dem Trompeter Roy Hargrove. (fb)

BIG YOUTH
Natty Universal Dread 1973-1979
Blood & Fire/Indigo
Drei CDs, einundfünfzig Titel mit insgesamt über zweieinhalb Stunden Musik! Das Ganze wunderschön verpackt mit Schuber und zudem ausgestattet mit ausführlichem Booklet. Welch Ehrung eines der bekanntesten DJ's der jamaikanischen Mu-sikszene.  Manlay Augustus Buchanan alias Big Youth war einer der ersten DJ's Jamaikas, der sein "toasting" mit kulturellen Botschaften verband und daher zu der Ka-tegorie der Cultural-DJ's zu zählen ist. Big Youth stand für das Aufbegehren gegen das »Babylon System« und für einen ganz neuen Stil, diese Inhalte schreiend, singend, winselnd und den Rhythmen von Kinderliedern ähnlich dem Publikum zu präsentieren. Unterteilt in die Abschnitte CD 1 »Hot Stock« (1973), CD 2 »Reggae Phenomenon« (1973-74) und CD 3 »Hotter Fire« (1975-79) präsentiert diese Veröffentli-chung den bisher umfangreichsten Überblick über das Schaffen von Big Youth. Be-sonders interessant ist die Kooperation mit U-Roy bei den zwei Teilen des »Battle of the Giants«. U-Roy, selbst Vorbild für Big Youth, war zum Zeitpunkt des Erscheinens der einzige DJ der es mit ihm aufnehmen konnte. Einzigartig wird hier die hohe Kunst des "toasting" dieser beiden Künstler gegenübergestellt. (kf)

DIVERSE
Tribal Futures
Echo Beach /Indigo
Rhythmen verschiedener indigener Völker haben schon seit langer Zeit ihren Ein-gang in die heutige Musik gefunden, speziell in der Dance-, Trance- oder DubSzene. Auf »Tribal Futures - the way ahead...«, zur Unterstützung der Organisation Survival International, haben führende Künstler originale Tracks oder Remixe beigesteuert, um diesen Völkern ein wenig zurückzugeben. Zion Train, Suns of Arqa (im Remix von the Orb), Dubtrees u.a. ließen sich dabei von den Liedern und Rhythmen ganz bestimmter Stämme inspirieren, so z.B. von den Kogi-Indianern aus Kolumbien oder den Mande-Völkern aus Westafrika. Entstanden ist dabei ein zeitgemäßer und ausgewogener Mix angereichert mit Aufnahmen traditioneller Gesäge aus den verschiedenen Kulturen. Hervorragend ist hier der über neunminütige Letfield - Remix von Yothu Yindis »timeless land«, der durch seine tranceartige, atmosphärische Dichte besticht. Zion Train liefern mit »shaking tent« einen Track in der von ihnen gewohnten guten Qualität ab. Inspiration und Zitate stammen dabei von den Innu, einem kanadisches Indianervolk. Die CD ist die erste Station in einer Reihe von Veröffentlichungen und Aktionen zur Unterstützung indigener Völker. Mehr Informationen hierzu können unter www.survival-international.org abgerufen werden. (kf)

DIVERSE
Free The West Memphis 3 - A Benefit For Truth & Justice
Koch Records
Bei dieser außergewöhnlichen Veröffentlichung handelt es sich um eine Benefit-CD für die US-Teenager Damien Echols, Jason Baldwin und Jessie Misskelley. Die Drei aus West Memphis/Arkansas wurden nach Ansicht vieler Amerikaner zu unrecht für den Mord an drei kleinen Kindern verurteilt. Seit mittlerweile sieben Jahren sitzen sie nun hinter Gittern, obwohl es scheinbar keine handfesten Beweise gibt. Vorurteile sollen schließlich ein Hauptgrund für ihre Verhaftung gewesen sein: In ihrer Gemeinde zählten sie als Außenseiter, hörten Heavy Metal, trugen schwarze Klamotten und liebten die Storys von Stephen King. Das Label Aces & Eights Rec. hörten von dieser Sache, wollte helfen und organisierte diese Benefit-CD. Die Resonanz spricht für sich: Tom Waits, Eddie Vedder (Pearl Jam) gemeinsam mit den Supersuckers, Steve Earle, Killing Joke oder L7. Und noch besser: alle Songs exklusiv! (hs)

AYNSLEY LISTER
Everything I Need
Ruf Records
Der Mann wird immer besser. Echt! Sicherlich ist in jeder Kritik zu lesen: Noch so jung der Kerl und so ein wahnsinniges Potential, aber es ist eben so. Lister kann sich getrost neben Jonny Lang und Kenny Wayne Sheperd einreihen. Der Engländer serviert uns wiedermal feinsten Bluesrock mit Kickin'Ass Menatlität, mit Gespühr für melancholische Momente oder mit Sinn für Ohrwurmqualität. Wahrlich kann man auf Listers vierten Album keinen Durchhänger feststellen, zwar findet man zwei balladeske Songs die schon auf dem letzten Werk waren, aber deren Qualität spricht schlechthin für sich. Weiterhin zu finden sind hitverdächtige Rocker wie: »In The Beginning«, Fetzer wie »Soundman« oder die wundervolle Ballade »As The Crow Flies«. Auch hat er mit »Little Wing« seine obligatorische Hendrix Coverversion dabei. Spitzenleistung Aynsley! (hs)

ERYKAH BADU
Mama's Gun
MoTown
It's showtime: Welcome, Erykah Badu! Ihrem vielgelobten Debütalbum »Baduizm« folgt nun »Mama's Gun«. Zart und gefühlvoll haucht sie "Orange Moon" ins Mikro. Ihre Stimme klingt deswegen nicht kitschig oder billig. Sie geht tiefer, bewegt zum Nachdenken und Träumen. Sie schafft eine Stimmung, die über die gesamte Dauer des Albums nicht abbricht. Nicht monoton, sondern in der Lage, den Hörer in unterschiedliche Gefühlszustände zu versetzen. Ein Stück reiht sich nahtlos an das andere. Die Platte stimmt und klingt wie aus einem Guss. Mrs. Badu verbannt die dröge Studioatmösphäre von ihrem Album. Teilweise gewinnt man den Eindruck unmittelbar Teil ihrer Show zu sein. Ihre Musik ist vielfältig und facettenreich. Es geht nicht nur um Soul. R'n'B-Elemente  finden ebenso ihren Platz wie Jazz-, Hip-Hop- und Reggae-Einflüsse. Unterstützung erhält sie bei ihrer Show von Stephen Marley, Common und dem Trompeter Roy Hargrove. (fb)

DE LA SOUL
Art, Official, Intelligence
Tommy Boy
Der Titel ist Programm: Kunstvoll vereinen sie verschiedenste Featurings wie die Beastie Boys, Chaka Khan und Xzibit und produzieren ihre Musik immer bis ins letzte Detail durchdacht und überlegen. Zu jedem Stück kann, muss man sogar irgendein Körperteil bewegen. Die ersten beiden erfolgreichen Singleauskopplungen haben es beweisen: es ist das offizielle HipHop-Album zum Feiern, Tanzen, Chillen, Spaß haben. Nicht nur Texte, sondern auch sie selbst scheinen über ein gewisses Maß an Intelligenz zu verfügen, daß sie es schaffen, über einen Zeitraum von dreizehn  Jahren immer noch gekonnt von sich reden zu machen und zweifelos zur Upperclass des internationalen HipHop zu gehören. Heißester Anwärter für das Hip-Hop-Album des Jahres. Kreativ, originell und absolut hörenswert. (fb)

HALF PINT
Recollection
Renate/Community/Indigo
Nur selten werden Reggaetitel von Bands oder Künstlern aus dem Bereich der Rockmusik gecovert - noch seltener von so großen Namen wie den Rolling Stones: aus Half Pints Song »Winsome« machten sie »Too rude« (auf »Dirty Work«, 1986). »Recollection« versammelt zum Teil schwer zugängliche Titel dieses Künstlers. Neben Barrington Levi, Frankie Paul u.a. waren HALF PINT Anfang bis Mitte der 80er einer der Großen der jamaikanischen Dancehall. Geprägt war ihre Musik von großer Vitalität, sehr gut tanzbaren Rhythmen, tiefen Bässen, schönen Melodien und ersten, noch zaghaft eingesetzten synthetischen Klängen (gut nachvollziehbar gleich beim Opener »Tell me«). Eine Musik, die für die Tanzflächen produziert wurde und deren Inhalte in der Regel weit weniger sozial, politisch oder geschichtlich waren als noch zu Zeiten Marleys. Zur Zeit arbeiten HALF PINT mit den Long Beach Dub Allstars zusammen. (kf)

JUICE COMPILATION
Masterblaster II
Raid Rec.
Masterblaster die Zweite, eine exklusive Compilation, die die Spreu vom Weizen trennen soll. 22 zum Teil sehr besondere Tracks aus der deutschen HipHop-Szenerie. Bekannte Jungs wie die Stieber Zwillinge und Curse, aber auch Damen wie Fiva MC und Pyranja steuern gewohnt hochwertige Songs bei. Das Schöne an dieser Zusammenstellung aus dem Hause Raid Records, sind allerdings die Remixe bereits bekannter Discotheken-Hits, wie »Malaria« von den Stieber Twins im Twin-Peaks- oder einer von Tomekks Hitparaden-Ohrwürmern im DJ-Membrain-Mix (!). Diese Masterblaster Doppel CD bietet eine gute Übersicht über die derzeitige Landschaft des HipHop und ist qualitativ keine Schlechte. Anhänger des aus Deutschland kommenden Raps sollten diese Doppel-CD schnellst möglich ihrer Sammlung hinzufügen. In diesem Sinne: "Ich könnt schwören, Ihr könnt mich hören". (tg)

JUD
the perfect line
Nois-O-Lution
JUD sind ein einige Tonnen schwerer LKW, der über den nächtlichen Highway jagt. Schwierig soetwas zum Stehen zu bringen. Ihre Musik rollt und rollt und verliert sich irgendwo am Horizont. Manche nennen es Stonerrock und vielleicht haben sie recht. Nicht zu verbergen ist jedoch die Experimentierfreude der drei Amerikaner, die sich in den schwebenden Arrangements ihrer heavy Kompositionen wiederfindet. Wenn man Vergleiche bemühen will, so müssen wohl Namen, wie  SOUNDGARDEN oder MOTORPSYCHO herhalten. Doch JUD sind keine Kopie sondern ein Original. War man in den vergangenen Jahren durch endlose Touren in Europa und den Staaten ausgebrannt, so schäumt das neue Machwerk  vor Lust am Rocken fast über. Melancholische Passagen und harte Riffs: Es gibt nichts, was nicht zu der charismatischen Stimme von Frontmann David passt. Wieder mit dabei: die charmante Gastsängerin Tina, Besitzerin der "Klampfe" in Witzenhausen, die den Songs etwas Sphärisches verleiht. (stb)

ASH
Free All Angels
Edel
Tim konnte aufatmen. Der Boom und Hype war zum Glück nicht mehr so schlimm. Briten sind bei so etwas ziemlich eigen. Wird man erst einmal zum Star auserkoren, muss man ihn auch spielen, sonst ertrinkt man im See des Vergessens. Da nützte auch nicht das Argument, dass man bei Erscheinen des Megaseller-Albums "1977" erst 19 Jahre alt war und eigentlich nur sehr punkige Popmusik machen wollte. Nun der Pop wird bei ASH noch immer groß geschrieben und findet nicht zuletzt in den schicken Plastikhosen und Sonnenbrillen der Band seine Verwendung. Der hübsche Neuzugang Charlotte an der Gitarre tut dem Sound gut. Die Gitarrenwände sind schön breit, das typisch britische Songwriting abwechslungsreich und man ist noch heute nicht "too old for Rock'n'Roll". Zum Glück, sonst hätte ASH-Kopf Tim bestimmt schon aufgehört. Der ist nämlich der Meinung, dass man mit 30 für solche Scherze bereits zu alt ist. Gut, dass er dieses Jahr erst 24 wird. Schönes Gitarrenalbum mit viel Melodie! (stb)

LAX ALEX CONTRAX
Men on the moon
Valve Records
...4...3...2...1...Zero! Das Raumschiff ist gestartet. An Bord eine neunköpfige Besatzung die unterwegs zu neuen Welten und Zivilisationen ist, um ihnen den Offbeat nahezubringen. Das L.A.C. Ska-Spacecraft setzt zum Infiltrieren und Okkupieren fremder Kulturen immer den gleichen Trick ein: Eine starke Rhythmussalbe bringt die völlig verunsicherten Eingeborenen aus dem Häuschen. Die laut tönenden und hynotisierenden Bläser erwecken die verkümmerten Lebensgeister und beschwören die völlige Abhängigkeit. Wenn dann jener irdische 80er Jahre Hit »Ghostbusters« angestimmt wird, ist es für diese armen Kreaturen zu spät. Sie werden assimiliert. Das hier eindeutig die oberste Direktive verletzt wird, ist unbestreitbar, stört aber offensichtlich niemanden. Auch die vereinigte Förderation wurde noch nicht eingeschaltet. Gibt es noch eine Rettung vor diesen gnadenlose Praktiken dieser Raumfahrer? Landung am 5.4. im Kasseler Barracuda. Tipp! (stb)

ERIC CLAPTON
Reptile
WEA
Auf fast 40 Jahre musikalische Entwicklung kann Mr. Slowhand mittlerweile zurückblicken. Und dass er von Mal zu Mal solides Handwerk abliefert, versteht sich von selbst. Aber nicht jedes Album ist ein Highlight, so leider auch »Reptile«. Eingeleitet und ausgeblendet wird es von zwei leichtfüßigen Instrumentals. Clapton bedient verschiedene Genres: viel Blues, wieder einmal rockigere Klänge bis zu den smoothen Schmusesongs. Neben Bluesklassikern wie »Got You On My Mind« über das J.J. Cale Cover »Travellin' Light« bis hin zu »Don't Let Me Be Lonely Tonight« aus James Taylors Fede, finden sich die Höhepunkte des Albums. Es sind die etwas rockigeren Stücke »Ain't Gonna Stand For It« (Stevie Wonder) oder »Superman Inside«. Wie man der Aufzählung entnehmen kann, besteht »Reptile« zu einem großen Teil aus Coversongs, Claptons eigene Stücke sind meist die eher durchschnittlichen Balladen. Im Vordergrund steht jedoch Claptons romantischer Gitarrensound. Und den macht ihm dann doch keiner so schnell nach. (hs)

DIVERSE
Afrotronic
SPV
Eine der angesagtesten Compilations, die 2000 in die Plattenläden kam, hört auf den Namen "Brazilelectro". Zehn angenehm relaxte Clubtracks im Mambo-, Samba und Ritmo-Style verwöhnten Ohr und Hüfte. Jetzt gibt es einen würdigen Nachfolger. Diesmal geht die musikalische Reise Richtung Afrika: "Aftrotronic" bietet 23 Tracks zwischen Nu-Jazz und Clubmusic, alles mit mitreißendem Afrobeat angereichert. Für die Zusammenstellung der stilvollen Tracklist, die sich zwischen Raritäten und Dancefloorbeats (u.a. von BASEMENT JAXX, PEACE ORCHESTER, YUKIHORO FUKOTOMI) bewegt, zeigt sich erneut Paco de la Cruz verantwortlich, der auch diesmal wieder das richtige Gespür für den richtigen Mix bewies. "Afro flavoured club tunes" vom feinsten! (nn)

DAFT PUNK
Discovery
Virgin
Die Erwartungen waren riesig, und sie konnten eigentlich nur enttäuscht werden. Es ist 1997 und die Clubgänger wie Kritiker liegen den beiden Franzosen Thomas Banalter und Guy-Manuel de Homem-Christo zu Füßen. Mit ihrem Debütalbum »Homework» hatten sie ihre Hausaufgaben brav gemacht - ihr trockener, purer Sound revolutioniert die House-Music. Auf einmal war French-House das Maß der Dinge und DAFT PUNK erlangten Kult-Status. Das war, wie gesagt 1997. Jetzt vier Jahre später folgt »Discovery«, und den beiden Franzosen scheinen die Ideen ausgegangen zu sein. Kräftig wird auf die Charts geschielt, eingängige Melodien ringen um Beliebtheit und Vocoder-Stimmen versuchen den Intellekt des ersten Albums zu vermittelt. Alles ganz nett, doch leider können nur die wenigsten der 14-Tracks überzeugen, der Rest versinkt im House-Niemandsland. »Discovery« ist okay, nicht mehr, nicht weniger! (nn)

HALF PINT
Recollection
Renate/Community/Indigo
Nur selten werden Reggaetitel von Bands oder Künstlern aus dem Bereich der Rockmusik gecovert - noch seltener von so großen Namen wie den Rolling Stones: aus Half Pints Song »Winsome« machten sie »Too rude« (auf »Dirty Work«, 1986). »Recollection« versammelt zum Teil schwer zugängliche Titel dieses Künstlers. Neben Barrington Levi, Frankie Paul u.a. waren HALF PINT Anfang bis Mitte der 80er einer der Großen der jamaikanischen Dancehall. Geprägt war ihre Musik von großer Vitalität, sehr gut tanzbaren Rhythmen, tiefen Bässen, schönen Melodien und ersten, noch zaghaft eingesetzten synthetischen Klängen (gut nachvollziehbar gleich beim Opener »Tell me«). Eine Musik, die für die Tanzflächen produziert wurde und deren Inhalte in der Regel weit weniger sozial, politisch oder geschichtlich waren als noch zu Zeiten Marleys. Zur Zeit arbeiten HALF PINT mit den Long Beach Dub Allstars zusammen. (kf)

JUICE COMPILATION
Masterblaster II
Raid Rec.
Masterblaster die Zweite, eine exklusive Compilation, die die Spreu vom Weizen trennen soll. 22 zum Teil sehr besondere Tracks aus der deutschen HipHop-Szenerie. Bekannte Jungs wie die Stieber Zwillinge und Curse, aber auch Damen wie Fiva MC und Pyranja steuern gewohnt hochwertige Songs bei. Das Schöne an dieser Zusammenstellung aus dem Hause Raid Records, sind allerdings die Remixe bereits bekannter Discotheken-Hits, wie »Malaria« von den Stieber Twins im Twin-Peaks- oder einer von Tomekks Hitparaden-Ohrwürmern im DJ-Membrain-Mix (!). Diese Masterblaster Doppel CD bietet eine gute Übersicht über die derzeitige Landschaft des HipHop und ist qualitativ keine Schlechte. Anhänger des aus Deutschland kommenden Raps sollten diese Doppel-CD schnellst möglich ihrer Sammlung hinzufügen. In diesem Sinne: "Ich könnt schwören, Ihr könnt mich hören". (tg)
JUD
The Perfect Line
Nois-O-Lution
JUD sind ein einige Tonnen schwerer LKW, der über den nächtlichen Highway jagt. Schwierig soetwas zum Stehen zu bringen. Ihre Musik rollt und rollt und verliert sich irgendwo am Horizont. Manche nennen es Stonerrock und vielleicht haben sie recht. Nicht zu verbergen ist jedoch die Experimentierfreude der drei Amerikaner, die sich in den schwebenden Arrangements ihrer heavy Kompositionen wiederfindet. Wenn man Vergleiche bemühen will, so müssen wohl Namen, wie  SOUNDGARDEN oder MOTORPSYCHO herhalten. Doch JUD sind keine Kopie sondern ein Original. War man in den vergangenen Jahren durch endlose Touren in Europa und den Staaten ausgebrannt, so schäumt das neue Machwerk  vor Lust am Rocken fast über. Melancholische Passagen und harte Riffs: Es gibt nichts, was nicht zu der charismatischen Stimme von Frontmann David passt. Wieder mit dabei: die charmante Gastsängerin Tina, Besitzerin der "Klampfe" in Witzenhausen, die den Songs etwas Sphärisches verleiht. (stb)

ASH
Free All Angels
Edel
Tim konnte aufatmen. Der Boom und Hype war zum Glück nicht mehr so schlimm. Briten sind bei so etwas ziemlich eigen. Wird man erst einmal zum Star auserkoren, muss man ihn auch spielen, sonst ertrinkt man im See des Vergessens. Da nützte auch nicht das Argument, dass man bei Erscheinen des Megaseller-Albums "1977" erst 19 Jahre alt war und eigentlich nur sehr punkige Popmusik machen wollte. Nun der Pop wird bei ASH noch immer groß geschrieben und findet nicht zuletzt in den schicken Plastikhosen und Sonnenbrillen der Band seine Verwendung. Der hübsche Neuzugang Charlotte an der Gitarre tut dem Sound gut. Die Gitarrenwände sind schön breit, das typisch britische Songwriting abwechslungsreich und man ist noch heute nicht "too old for Rock'n'Roll". Zum Glück, sonst hätte ASH-Kopf Tim bestimmt schon aufgehört. Der ist nämlich der Meinung, dass man mit 30 für solche Scherze bereits zu alt ist. Gut, dass er dieses Jahr erst 24 wird. Schönes Gitarrenalbum mit viel Melodie! (stb)

DAFT PUNK
Discovery
Virgin
Die Erwartungen waren riesig, und sie konnten eigentlich nur enttäuscht werden. Es ist 1997 und die Clubgänger wie Kritiker liegen den beiden Franzosen Thomas Banalter und Guy-Manuel de Homem-Christo zu Füßen. Mit ihrem Debütalbum »Homework» hatten sie ihre Hausaufgaben brav gemacht - ihr trockener, purer Sound revolutioniert die House-Music. Auf einmal war French-House das Maß der Dinge und DAFT PUNK erlangten Kult-Status. Das war, wie gesagt 1997. Jetzt vier Jahre später folgt »Discovery«, und den beiden Franzosen scheinen die Ideen ausgegangen zu sein. Kräftig wird auf die Charts geschielt, eingängige Melodien ringen um Beliebtheit und Vocoder-Stimmen versuchen den Intellekt des ersten Albums zu vermittelt. Alles ganz nett, doch leider können nur die wenigsten der 14-Tracks überzeugen, der Rest versinkt im House-Niemandsland. »Discovery« ist okay, nicht mehr, nicht weniger! (nn)

MICATONE
Nine Song"
No Zession /Sonar Kollektiv
Unschwer zu erraten, wie viele Titel sich auf dem ersten Longplayer von Micatone befinden. Neun Mal verbindet die 1999 in Berlin gegründete Band federnd-groovende, live eingespielte Sounds mit Samples und anderenelektronischen Elementen. Ausgangspunkt ist dabei unüberhörbar der Jazz ergänzt um die Liebe zu breakbeats und anderen modernen Clubsounds. Gerade diese Kombination aus Alt und Neu verleiht der Musik die Würze und bewahrt sie davor, zur netten Klangtapete zu werden."Still in Time" begrüßt uns mit einem Intro des Vibraphonisten DavidFriedman um dann zu einem leicht tänzelnden Spaziergang durch das musikalische Universum der Band zu werden. Über allem schwebt die sanfte, jazzige Stimme von Lisa Bassenge, die selbst bei Mid- und Uptempostücken äußerst selten die Ruhe verliert. Die aus dieser Ambivalenz entstehende Spannung zieht sich wohltuend durch alle Titel des Debüts. (kf)

SHEELA
Straight Hearted Ones
LBT
War schon das letzte Album »Changes« eine Meisterleistung, so legt die südhessische Band, die auch in Japan und nun auch in den USA Erfolge verzeichnet, noch ein Brikett nach. Dabei machen SHEELA ganz altmodischen Power-Rock mit knallharten Riffs, viel Melodie und grandiosem Satzgesang. Als Gaststar ist drum auch ein Meister des Genres - Michael Sadler von SAGA - dabei, dessen markante Stimme sich nahtlos in den Sound einfügt. Doch trotz einer Coverversion von »Born To Be Wild« wird hier nicht nur gnaden- und hirnlos abgerockt. Im Gegenteil: Ganz so, als hätte BEATLES-Soundfuchs George Martin seine Finger im Spiel, wird produktionstechnisch herumexperimentiert, dass es eine Freude ist: Gesang per Telefon, eingespielte O-Töne, wilde Stereo-Effekte und psychedelische Effektbastelein machen das Anhören immer wieder zum Erlebnis. Da können auch die Klangbastler von der Trance- und Technofront noch was lernen! SHEELA sind im Mai und Juni auch in der Region auf Tour. (lj)
 

NO UNDERGROUND
Burn My Body
Nois-O-Lution
Als 1999 NO UNDERGROUND mit »Free Transform« ihr Debutalbum veröffentlichten, brachte man die Songs mit ihrer ungewöhnlichen Mixtur aus Pop, Elektronik, House und TripHop schnell in die stilistische Nähe von BECK. Mit »Burn My Body« hat man sich nun von solchen Vergleichen emanzipiert. Relaxte Lounge-Sounds, teilweise psychedelisch angehaucht, verströmen eine hypnotische Atmosphäre, wie sie typisch ist, für die musikalische Heimat von NO UNDERGROUND, dem Berliner »Club Maria« am Ostbahnhof. Bequem in einen Sessel sitzend, kann man sich der hochkontextuellen Welt der NO UNDERGROUND-Songs eben am besten hingeben und eintauchen in die Gedankenwelt von NO UNDERGROUND-Cheftheoretiker Robert Defcon. Und zum Beispiel über die Bedeutung des Songs »Pornostaat« nachdenken oder die essayistische Auseinandersetzung mit den Begriffen "Luxus" vs. "Macht" wie sie im Booklet zu finden ist. Entspannter Agitpop für Kopf-Hörer! (ks)

SEEED
New Dubby Conquerors
Downbeat/Wea
Mit 11 (!) Leuten sind SEEED wahrlich ein großes Projekt aus dem Großprojekt Berlin! Mit "New Dubby Conqueror" präsentieren sie ihren ersten Longplayer und versammeln 12 Titel, die irgendwo zwischen HipHop, Ragga, Dub, Dancehall und vor allem Reggae anzusiedeln sind. Damit liegen SEEED voll im Trend, wird doch zur Zeit der Reggae von diversen deutschen Musikern (Jan Delay, Denyo 77 u.a.) neu bzw. wieder entdeckt: Reggae-Vibes inna german stylee! Doch wirkt es nicht so, als ob die Berliner blindlings einem Trend folgen. Sie präsentieren eine meist ausgewogene Melange der verschiedenen Stile, krönen diese mit deutsch-englischen Texten und gehen souverän und respektvoll mit jamaikanischen Einflüssen um. So basiert z.B. ihr »We seeed« gekonnt auf einem Riddim von Lee Perry. »Dickes B« gehört dabei zu den eingängigsten nicht aber zu den stärksten Titeln des Albums. Macht Spaß! (kf)

BINTIA
B.I.N.T.I.A.
Def Jam
Diese Dame hat's. Eine größere Öffentlichkeit kennt sie seit ihrem Gastauftritt bei DEICHKINDs »Weit weg«, Insider wissen, dass sie einst bei der Girl Group FINESSE dabei war und inzwischen mit Harris von den SPEZIALIZTZ verheiratet ist. Nun will Bintia es selber wissen und hat ein mitreißendes Album vorgelegt, irgendwo zwischen HipHop und Rhythm and Blues angesiedelt, das mit viel Herz und erstaunlich viel Köpfchen eingesungen wurde. Ein Album von verblüffender Intensität, das auch heiße Themen (»Groupiez«) auf ungewohnte Weise anpackt. Lasst Euch mittragen vom Groove - und von
 dieser Stimme... Bintia hat's eben! (lj)

EAT NO FISH
Insane
Virgin
Als EAT NO FISH vor gerade mal zwei Jahren die Bühnen der Region betraten, horchten viele auf. Dass es aber so schnell nach oben gehen würde, war doch eine Überraschung. Die Einbecker Crossover-Band ist nun bei Virgin unter Vertrag. Die vier haben es geschafft, ihr starkes Debüt »Greedy For Life« noch zu toppen. In fünf Wochen harter, konzentrierter Arbeit wurde in Kassel in Eigenregie ein Werk produziert, das den ganz großen Erfolg verdient hat. Ebenso aufwühlend wie mitreißend, ebenso zupackend wie zerbrechlich! Verrückt? Nein, seltsam klar bei der Reise durch die eigenen Abgründe. Sicher, die drei Jungs haben den Rock inzwischen ebenso im Blut wie die Feinheiten der Elektronik, aber der eigentliche Glücksfall für die Band ist Maria, die sich ganz preisgibt. Und gewinnt, indem sie sich in der Musik verliert. (lj)

R.E.M.
Reveal
WEA
Viel hat sich getan bei Amerikas Vorzeige Band aus Athens, Georgia. Von den einstigen Tagen des College Radios hin zu Weltstars und das alles unter Bewahrung von Glaubwürdigkeit und Anerkennung, selbst bei Kreisen, die sich bei Erfolg normalerweiser abwenden. Schwer war die Zeit gerade bei den Aufnahmen zum letzten introvertierten Werk »Up«, so auch Peter Buck: "Es ist kein Geheimnis, dass der Ausstieg von Drummer Bill Berry ein Tiefpunkt für die Band war." Umso erstaunlicher, wenn man das neue Album »Reveal« hört.  Geradezu nach Befreiungsschlag klingt es. R.E.M. sind als Trio wieder zu einer festen Band gewachsen und lassen die Sonne scheinen. Vor allem die Hitsingle »Imitation Of Life«, klingt nach besten »Automatic...«-Zeiten. Aber eigentlich zu schade nur einen Song herauszuheben, alles lässt sich genießen. (hs)

HALF PINT
Recollection
Renate/Community/Indigo
Nur selten werden Reggaetitel von Bands oder Künstlern aus dem Bereich der Rockmusik gecovert - noch seltener von so großen Namen wie den Rolling Stones: aus Half Pints Song »Winsome« machten sie »Too Rude« (auf »Dirty Work«, 1986). »Recollection« versammelt zum Teil schwer zugängliche Titel dieses Künstlers. Neben Barrington Levi, Frankie Paul u.a. waren HALF PINT Anfang bis Mitte der 80er einer der Großen der jamaikanischen Dancehall. Geprägt war ihre Musik von großer Vitalität, sehr gut tanzbaren Rhythmen, tiefen Bässen, schönen Melodien und ersten, noch zaghaft eingesetzten synthetischen Klängen (gut nachvollziehbar gleich beim Opener »Tell Me«). Eine Musik, die für die Tanzflächen produziert wurde und deren Inhalte in der Regel weit weniger sozial, politisch oder geschichtlich waren als noch zu Zeiten Marleys. Zur Zeit arbeiten HALF PINT mit den Long Beach Dub Allstars zusammen. (kf)

JUICE COMPILATION
Masterblaster II
Raid Rec.
Masterblaster die Zweite, eine exklusive Compilation, die die Spreu vom Weizen trennen soll. 22 zum Teil sehr besondere Tracks aus der deutschen HipHop-Szenerie. Bekannte Jungs wie die Stieber Zwillinge und Curse, aber auch Damen wie Fiva MC und Pyranja steuern gewohnt hochwertige Songs bei. Das Schöne an dieser Zusammenstellung aus dem Hause Raid Records, sind allerdings die Remixe bereits bekannter Discotheken-Hits, wie »Malaria« von den Stieber Twins im Twin-Peaks- oder einer von Tomekks Hitparaden-Ohrwürmern im DJ-Membrain-Mix (!). Diese Masterblaster Doppel CD bietet eine gute Übersicht über die derzeitige Landschaft des HipHop und ist qualitativ keine Schlechte. Anhänger des aus Deutschland kommenden Raps sollten diese Doppel-CD schnellst möglich ihrer Sammlung hinzufügen. In diesem Sinne: "Ich könnt schwören, Ihr könnt mich hören". (tg)
ASH
Free All Angels
Edel
Tim konnte aufatmen. Der Boom und Hype war zum Glück nicht mehr so schlimm. Briten sind bei so etwas ziemlich eigen. Wird man erst einmal zum Star auserkoren, muss man ihn auch spielen, sonst ertrinkt man im See des Vergessens. Da nützte auch nicht das Argument, dass man bei Erscheinen des Megaseller-Albums »1977« erst 19 Jahre alt war und eigentlich nur sehr punkige Popmusik machen wollte. Nun der Pop wird bei ASH noch immer groß geschrieben und findet nicht zuletzt in den schicken Plastikhosen und Sonnenbrillen der Band seine Verwendung. Der hübsche Neuzugang Charlotte an der Gitarre tut dem Sound gut. Die Gitarrenwände sind schön breit, das typisch britische Songwriting abwechslungsreich und man ist noch heute nicht "too old for Rock'n'Roll". Zum Glück, sonst hätte ASH-Kopf Tim bestimmt schon aufgehört. Der ist nämlich der Meinung, dass man mit 30 für solche Scherze bereits zu alt ist. Gut, dass er dieses Jahr erst 24 wird. Schönes Gitarrenalbum mit viel Melodie! (stb)

TRAVIS
The Invisible Band
Epic
Was soll man zur musikalischen Entwicklung in England sagen? Die Großmäuler von OASIS sind endgültig abgelöst. Und das - fast nicht vorstellbar - von Klangarchitekten wie RADIOHEAD oder Berufsmelancholikern wie  TRAVIS. Deren Karriere vollzog sich erst heimlich still, leise und langsam, um sich dann mit der Single »Why Does Always Rain On Me« zu verselbstständlichen. Erst 15 Monaten nach Veröffentlichung wurde die Band mit diesem Hit aus dem Erfolgsalbum »The Man Who« so richtig "groß". Gespannt warten natürlich alle auf das Folgealbum. Und welch Freude: Travis bleiben sich treu: Herzzerreissende Melancholie-Hymnen, feinste Popperlen finden sich auch auf »The Invisible Band«. Gerade Songs wie »Sing« oder »Pipe Dreams« bestechen mit geradezu perfekten Arrangements. Dies verspricht ein Erfolgsablbum zu werden.. (hs)

SHAWN MULLINS
Beneath The Velvet Sun
Columbia
Das Album ist zwar schon eine Weile auf dem Markt, die Single »Everywhere I Go« ist auch schon zum passablen Radiohit avanciert, trotzdem gibt es keinen besseren Zeitpunkt für die aktuelle Shawn Mullins. Fängt doch das Album unbeschwert jene Atmosphäre ein, die man gerne als Gefühl der Freiheit bezeichnet. Ideal also für die sommerliche Zeit. Mit einem Songwriter Gespühr für große Gefühle, sowie richtig feine Folkrock Songs die das gewisse Hitpotential nicht vermissen lassen. Ohne weiteres könnten sich hier vier bis fünf Hits tummeln. Auch mit seinen Gästen kann Shawn Mullins sich schmücken, Künstler wie Shelby Lynn oder (in der limitierten Auflage) gar Elton John wären zwar nicht nötig gewesen, bereichern aber diese Meisterleistung ungemein. Ebenfalls in der limitierten Auflage zu finden ist sein erster Riesenhit »Lullaby« in der Akustikversion. Ein Album ohne einen einzigen Ausfall, vortrefflich! Kann man getrost schon jetzt als Anwärter für die Platte des Jahres vormerken. (hs)

BURNING SPEAR
Spear Burning
Pressure Sounds/EFA
Burning Spear produziert kontinuierlich seit mehr als 30 Jahren qualitativ hochwertige Musik. Zudem ist er einer der wichtigsten Vertreter des Roots-Reggae und transportiert mit seiner Musik kulturelle und politische Botschaften. Nachdem er im legendären Studio One seine Karriere begann, gründete er 1975 sein eigenes "Spear"-Label. Aus dieser Zeit stammen die Aufnahmen, die auf "Spear Burning" zum ersten Mal auf CD versammelt sind. Die zum Teil sehr raren Aufnahmen überzeugen durch warme Roots-Sounds gepaart mit dem einzigartigen, repetitiven Gesang, der durch seine Eindringlichkeit nahezu hypnotische Qualitäten erlangt. Dieser Veröffentlichung liegt ein umfangreiches Booklet mit Informationen über Burning Spear sowie Hintergründen der Rastafari-Bewegung bei. "Spear Burning" kommt ebenfalls als Doppelvinyl. (kf)

BOXHARP
The Tailored Soldier
Glitterhouse/TIS
Mike Taylor, Kopf von Court and Spark aus San Francisco, und Scott Solter haben sich zusammen auf eine Hütte in den Tonto National Forest, Arizona zurückgezogen und dort Songs sowie Soundscapes aufgenommen. Zurück in San Francisco wurden diese Aufnahmen durch diverse Overdubs von Musikern aus der Bay Area zu skurrilen Werken, die ihre Inspiration aus purer Shitkicker-Countrymusic beziehen - inklusive Pedal Steel, Geigen, Hammond-Orgel und Lagerfeuerromantik. Der Held reitet jedoch nicht alleine in den Sonnenuntergang der Einsamkeit entgegen, sondern hebt durch Beigabe diverser psychedelischer Ingredienzien eher sanft vom Boden ab. Mit zauberhaftem Frauengesang angereichert (u.a. "19 Smoketree Lane") verlieren die Titel fast gänzlich den Realitätsbezug. "Filming the desert" wird gar zum Soundtrack eines Rausches. (kf)

TARAXACUM
Spirit of Freedom
MTM-Music
Wenn ex-SQUEALER-Drummer Frank Wolf und EDGUY-Basser Tobias Exxel eine neue Band ins Leben rufen und dafür unter anderem auch noch die Stimme von Ausnahmesänger Rick Mythiasin (STEEL PROPHET) dafür gewinnen konnten, kann man sich auf Musik vom feinsten freuen. TARAXACUM heißt die neue Band die besonders durch ihre eigenständige Art der Musik, die am ehesten mit dem Begriff "Melodic Power Metal" umschrieben werden kann., auffällt. Die Merkmale der Songs aufdem Debütalbum sind Frische, Emotion, Aggression und ein starker Charakter. Besonders der Titel "Live goes on" zeigt die Vielseitigkeit der beteiligtenMusiker. Nur für harte Jungs! (jh)

BOYHITSCAR
Boyhitscar
Wind-up Music
Als besonders einfallsreich erwiese sich die vier Jungs aus Los Angeles ja nicht gerade als sie ihrem Debütalbum den Name der Band gaben. Dafür hat es die Musik aber in sich. Eine Stimme die von melodischen Teilen zu harten hin und her springt und dabei von starken Gitarrenriffs und double-bass-haltigen Drums unterstützt wird, gibt der Band einen eigenen Stil, der am ehesten in die Richtung KORN geht. Nicht umsonst waren die Jungs die mit ganzem Herzen bei der Sache sind Vorgruppe bei der Amerikatour von PAPA ROACH und standen auch schon mit INCUBUS auf einer Bühne. Ein Muß für jeden, der auf schnelle, härtere Musik steht! (jh)

LIFEHOUSE
No Name Face
Motor
Sie waren bereits Vorgruppe bei solch Großen wie Matchbox 20 oder Pearl Jam und genau wie ein Gemisch aus diesen beiden Bands  klingen sie auch. Keineswegs negativ betitelt: eine Mischung aus kräftigen Gitarren, charismatischer Stimme die gerne an Eddie Vedders Organ erinnert und einen ausgesprochenen Sinn für richtige gute Meldodien und spannungsgeladenes Timing. Was Lifehouse zu vielen Anderen noch so außergewöhnlich macht: die Buben sind gerade mal um die 20. Bei dem Gespür für  Songwriting welches Sänger und Gitarrist Jason Wade an den Tag legt, kann man nur Staunen. Endlich mal wieder richtig guter amerikanischer Rock, wo nicht nur die ruhigen Momente überzeugen, sondern auch die Kracher stimmen. Bestes Beispiel: »Hanging By A Moment« stürmte prompt auf No.1 in die Billboard Modern Rock Charts. (hs)

JOSHUA KADISON
Vanishing America
EMI
Schön das er wieder da ist! Anfang der 90er hatte Joshua Kadison mit seinem vorzüglichen Debüt beachtlichen Welterfolg. Hits wie »Jessie« oder »Pictures Postcards From LA«  zählten zur Popmusik, wie man sie feiner nicht bekommen konnte. Mit dem ebenfalls guten Zweitwerk wurde es um den Sänger, Songwriter und Pianist aus Santa Barbara, Kalifornien ruhiger. Kurze Zeit später zog er sich dann völligst zurück, um sich dem Studium der Musik von Klassik und Jazz, von Gershwin, Ellington, Mozart und vor allem Miles Davis hinzugeben. Ein erstes Lebenszeichen kam 1998: ein selbstverfasster Roman. Mit »Vanishing America« knüpft Kadison nun nahtlos an sein erstes Album ran. Traumhafte Songs, herrliche Geschichten. Geradezu genießerische Ruhe strahlen die balladesken Songs aus. Ideal für laue Sommerabende. (hs)
 

APHRODELICS
Enormis
BMG
In Wien geht alles etwas gemächlicher und stilvoller zu - soweit das allgemeingültige Klischee, das wir uns an dieser Stelle aber nicht bedienen wollen. Dennoch überrascht der Sound von Aphrodelics. Mit kraftvollem Rap ausgerechnet aus Österreich haben wir nicht gerechnet, dass eben jenem elektronische Beats als Grundlage dienen, ist auch nicht gerade alltäglich. Das dieses  Sound-Konglomarat, das erstaunlich homogen wirkt, mit angenehmen  Downbeat/Lounge-Tracks aufgelockert wird, nimmt man bei Hören schließlich erstaunlich gelassen hin - als ob es diese Verschmelzung schon immer gegeben hätte. Ursache der elektronische Vorliebe der drei-köpfigen Rap-Crew ist die Zusammenarbeit ihres Produzenten Rodney Hunter  mit den österreischen Down-Beat-Dub-Weltmeistern Kruder & Dorfmeister; Peter Kruder war gar direkt an der Produktion beteiligt. Hochkarätigen Support erhielten Aphrodelics auch von Partrice, Curse und den Spezializtz! Sehr schön!(nn)

TRAVELLIN' LIGHT
Tamallin
Artists & Acts/Pallas
Einerseits mochte man sie so, wie sie auf ihrem Debüt-Album (damals noch als AVALON) herüberkamen: rauh, ungeschliffen, pub-kompatibel, herzlich - Folk vom Feinsten eben! Andererseits ist es schon beeindruckend, was die Zusammenarbeit mit dem Wildecker Herzbuben Wolfgang Schwalm hier zutage gefürdert hat: In oft sehr aufwendigen Arrangements landen die fleißigen Folk-Rocker in Mainstream-Regionen irgendwo zwischen Chris de Burgh und Paul Simon. Die feinen Satzgesänge kommen perfekt zur Geltung, dazu gibt es inspirierte Soli, und alles erstrahlt in einer makellos glatten Produktion. Doch immer spürt man, dass hinter der blankpolierten Fassade ein echtes Herz schlägt! Live zweimal in Kassel: am 27.9. in der Alt Berliner Destille, am 29.9. im Dubliner. (lj)

BURNING SPEAR
Spear Burning
Pressure Sounds/EFA
Burning Spear produziert kontinuierlich seit mehr als 30 Jahren qualitativ hochwertige Musik. Zudem ist er einer der wichtigsten Vertreter des Roots-Reggae und transportiert mit seiner Musik kulturelle und politische Botschaften. Nachdem er im legendären Studio One seine Karriere begann, gründete er 1975 sein eigenes "Spear"-Label. Aus dieser Zeit stammen die Aufnahmen, die auf "Spear Burning" zum ersten Mal auf CD versammelt sind. Die zum Teil sehr raren Aufnahmen überzeugen durch warme Roots-Sounds gepaart mit dem einzigartigen, repetitiven Gesang, der durch seine Eindringlichkeit nahezu hypnotische Qualitäten erlangt. Dieser Veröffentlichung liegt ein umfangreiches Booklet mit Informationen über Burning Spear sowie Hintergründen der Rastafari-Bewegung bei. "Spear Burning" kommt ebenfalls als Doppelvinyl. (kf)

TARAXACUM
Spirit of Freedom
MTM-Music
Wenn ex-SQUEALER-Drummer Frank Wolf und EDGUY-Basser Tobias Exxel eine neue Band ins Leben rufen und dafür unter anderem auch noch die Stimme von Ausnahmesänger Rick Mythiasin (STEEL PROPHET) dafür gewinnen konnten, kann man sich auf Musik vom feinsten freuen. TARAXACUM heißt die neue Band die besonders durch ihre eigenständige Art der Musik, die am ehesten mit dem Begriff "Melodic Power Metal" umschrieben werden kann., auffällt. Die Merkmale der Songs aufdem Debütalbum sind Frische, Emotion, Aggression und ein starker Charakter. Besonders der Titel "Live goes on" zeigt die Vielseitigkeit der beteiligtenMusiker. Nur für harte Jungs! (jh)

JOSHUA KADISON
Vanishing America
EMI
Schön das er wieder da ist! Anfang der 90er hatte Joshua Kadison mit seinem vorzüglichen Debüt einen beachtlichen Welterfolg. Hits wie »Jessie« oder »Pictures Postcards From LA«  zählten zur Popmusik, wie man sie feiner nicht bekommen konnte. Mit dem ebenfalls guten Zweitwerk wurde es um den Sänger, Songwriter und Pianist aus Santa Barbara, Kalifornien ruhiger. Kurze Zeit später zog er sich dann völligst zurück, um sich dem Studium der Musik von Klassik und Jazz, von Gershwin, Ellington, Mozart und vor allem Miles Davis hinzugeben. Ein erstes Lebenszeichen kam 1998: ein selbstverfasster Roman. Mit »Vanishing America« knüpft Kadison nun nahtlos an sein erstes Album an. Traumhafte Songs, herrliche Geschichten. Geradezu genießerische Ruhe strahlen die balladesken Songs aus. Ideal für laue Spätsommerabende! (hs)

More Rockers
Select Cuts 12 Inch Selection
Select Cuts/EFA
Mitte der 90er Jahre galt es wieder einmal, die Genregrenzen der Musik auszuloten und dem Ekklektizismus Vorschub zu leisten. Rob Smith (Smith & Mighty) und Peter D (ex-Massive Attack) verstanden es dabei exzellent, undogmatisch und innovativ vorzugehen. Breakbeats, Jungle sowie Elemente aus House, Dub & Funk kombinierten sie zu einem einzigartigen Stilmix, der über Bristol hinaus die Musik nachhaltig beeinflusst hat. Select Cuts veröffentlicht nun eine Sammlung von insgesamt 15 Maxis des Künstler- und Labelkollektivs. Absolutes Highlight ist dabei »Badness = A Madness«, eine Kooperation mit MC Navigator, der einigen durch seine Mitarbeit bei den Freestylers bekannt sein wird. Sein Ragga-Toasting wird kombiniert mit extremen Bässen und einem für den Jungle-typischen, unterbrochenen Rhythmus aus Breakbeats. Fett! (kf)

Davide de Marinis
Quello Che Ho
Staccato Records
Was schon sein Hit »Troppo Bella« versprach, wird auf dem Album gehalten: Hier ist eine frische, junge Stimme aus Italien, die mit Witz und Lebensfreude dem leicht angestaubten Italo-Pop neues Leben einhaucht. Alles ist da: eine unverwechselbare Stimme, Melodien, die ins Ohr gehen, eine hervorragende Produktion. Nicht zu vergessen ein Aussehen, das die Frauen- und Mädchenherzen höherschlagen lässt! Der satte Schuss American Rock, der in den poppigen Mix mit einfloss, tut dem Gesamtsound genauso gut, wie die stets präsente, vom Sänger höchstpersönlich geschlagene Westerngitarre. Davide hat nicht das Rad neu erfunden, er bringt es aber mit viel Spaß wieder auf Touren. Schöner Bonus: das Video zu »Troppo Bella« ist (inklusive gutem Player) mit auf der CD! (lj)
 
JOHN WAITE
Figure In A Landscape
Gold Circle/Inakustik
Immer mehr hört man von der Entscheidung »Superstar goes Back to the Roots«, nicht unbedingt musikalisch, eher die Befreiung aus dem Geflecht der Major Plattenfirmen ist gemeint. Auch John Waite, der mit The Babys, Solo mit Megahits wie »Missing You« oder mit der Supergroup Bad English phänomenale Erfolge feiern konnte, wählte diesen Weg. Zurück in die Clubs, keine Stadien mehr. Zurück zu sich selbst. Und wenn meist Presseinfos vorschwärmen, ab und an passen auch die Worte, sicher weil hier ein kleines Label mit Gefühl und Respekt für den Künstler am Werk ist. Liest man "...die Sorte Kunstwerk, die nur ein Maler hinbekommt, der reichlich Leinwand zur Verfügung hat", dann ist das aktuelle Solowerk von John Waite nicht nur wunderbar, sondern auch passend beschrieben. Waite, dem einer der herrlichsten Stimmen der Rockwelt geschenkt wurden, begeistert mit diesem Album mit einer herrlichen  Songsammlung von klassischen Balladen bis zu Mainstream-Rockern. (hs)

THE QUIREBOYS
This Is Rock'n'Roll
Sanctuary Records
Mensch - die gibt's noch??? DasA war der erste Gedanke, als die Scheibe auf den Redaktionstisch landete. Sie gibt es wieder. Wie man heute so schön sagt: "und das ist gut so!" Angeführt von Sänger Spike Gray veröffentlichten The Quireboys 1990 ihr fantastisches Debüt »A Bit Of What You Fancy«. Unter starkem Einfluß von Rod Stewart und dessen Faces schufen die Engländer geniale Party Hits wie »Sex Party« oder »7 o'Clock«. Nach Touren mit Aerosmith oder G'n'R und einem eher enttäuschenden zweiten Album löste sich die Band auf. Mit der neuen CD, deren Titel hier für Programm steht, melden sich die Jungs kraftvoll zurück. Stimmungsvolle Rocksongs wie »Six Degrees« oder dem »C'mon« beweisen das. Wer über das letzte Black-Crowes-Album enttäuscht war, sollte hier seinen Spaß wiederfinden. (hs)