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BOB MARLEY AND THE WAILERS
Wailers & Friends
Heartbeat
Diese Zusammenstellung besteht aus bekannten, seltenen und unveröffentlichen
Aufnahmen der WAILERS aus den Jahren 1964 - 1966, als sie in dem berühmtem
Studio One in Kingston, Jamaica oft als Backing-Sänger für Freunde
und Nachbarn engagiert waren. So finden sich unter den 18 Songs wahre
Kleinode des Jamaica Ska, jener hochgradig tanzbaren Musik, aus der später
der Reggae wurde, dem Bob Marley seinen Weltruhm verdankt. An den Mikrofonen
tummelten sich neben den WAILERS selber die Stars des Studio One und so
finden sich hier Bob Andy, Delroy Wilson, THE SOULETTES, Jack Sparrow,
Marcia Griffiths, die SKATALITES als Rhythmus-Sektion und auch seine damals
noch zukünftige Ehefrau Rita Marley wieder. Alles in allem eine wunderschöne
Compilation, die einen guten Überblick über die Hits dieser
Ära und das frühe Schaffen Marleys und seiner Freunde gibt.
Mehr davon. (stb)
FELIX DRAESEKE
1.Sinfonie
Naxos
Man muss nicht nur im Ausland suchen, um in Sachen musikalischer Romantik
fündig zu werden. Dem audiophilen Label MDG aus Detmold ist zu danken,
dass der Musikfreund mit der 1. Sinfonie und dem Klavierkonzert von Felix
Draeseke Bekanntschaft schließen kann. Die kraftvolle und virtuose
Musik lässt aufhorchen und belegt wieder einmal, wie lebendig das
kompositorische Leben abseits der großen Stars war. Pianist
Tanski, das Wuppertaler Symphonie-Orchester und der amerikanische Dirigent
George Hanson betätigen sich vortrefflich als musikalische
Schatzgräber, wobei die orchestrale Leistung lediglich beim Klavierkonzert
steigerungsfähig scheint. Dafür ist der Pianist gut in Form.
Gut in Form waren auch die Produzenten: Das Booklet ist mustergültig
informativ und die Aufnahmetechnik tadellos. Ein guter Fund in deutschen
Landen! (gum)
RODGAU MONOTONES
Adrenalin
ULTRAX/eastwest
Sie sind wieder da nach über 5 Jahren Pause. Und sie haben noch immer
Adrenalin im Blut. Lange vor Rödelheim war Rodgau der Nabel des Deutschrock,
mit coolen Texten aus Hessen, immer mit einem Schuss Ironie und Witz.
Der Weggang von Henny Nachtsheim zu BADESALZ vor 9 Jahren war natürlich
schwer zu verkraften. Mittlerweile hat sich die stimmgewaltige Sängerin
Kerstin Pfau aberr glänzend eingelebt. Als echte Rodgauerin singt
sie im Duett mit Peter »Osti« Osterwold, als wär das
schon immer so gewesen. Bereits der Opener »Halldemaldeballflach«
rockt und groovet wie in alten Zeiten! Mit ihrer Stimme begeistert sie
besonders bei der ersten Singleauskopplung »Vielen Dank für
gar nix«, das Lied hat Hit-Qualitäten. Die gesamte CD steht
für Party-Stimmung pur. Volle Lotte los, sofort kaufen und abfeiern!
Die RODGAUS spielen am 15.1. im Chinapark Schwalmstadt. (mm)
RÜDIGER GLEISBERG
elysium
bsc
Wer sich etwa an »The Lamb Lies Down On Broadway« von GENESIS
erinnert weiß, wie verwirrend das Seelenleben sein kann, wenn zig
Türen das beruhigende Ziel verheißen. Gleisberg klinkt sich
ebenfalls ins Seelenleben ein, zeichnet Landschaften gleich innerer Zustände
auf. Kaum Anklänge an esoterische Phantastereien machen sich breit,
sondern viel mehr Reflexionen gleich innerer Spiegel bilden sich ab. Alle
Facetten unseres Innenlebens können in Töne gewandelt wahrgenommen
werden, bieten Raum für eigene Projektionen. Dem Hörer bleibt
es indes unbenommen, ob er sich, dem Titel nacheifernd, an die Griechische
Sagenwelt erinnert fühlt oder eigenen Entwürfen folgt. Die starke
Emotionalität mit der »elysium« daher kommt knüpft
an dieser Jahreszeit an, ob gewollt oder nicht, und lädt ein sich,
vom Sound wegtragen zu lassen. (om)
DIVERSE
Lullaby
ellipsis arts
In unseren Breiten sind sie fast ausgestorben, trugen ehemals Titel wie
»Schlaf mein Prinzchen« oder »Die Blümlein, sie
schlafen«. Gemeint sind die Lieder, von denen am ehesten unsere
Großeltern noch voller Leidenschaft gepaart mit einem Schuß
Scham zu berichten wissen: die Schlafliedchen. In Afrika tragen diese
Lullabys Namen wie »Omo« ("Mein Kind") oder »Webake«
("Schlaf kleines Wesen") und strotzen allesamt vor Schönheit.Die
Intensität ist ungebrochen, vielleicht ist Afrika wirklich die Wiege
der Menschheit. Songs wie Sadio Kouyates »Diriyo Nakana«
weisen aber nicht nur zurück zu den Anfängen, sondern
lassen für einen kleinen Augenblick alles umher in den Hintergrund
treten. Die Aufmachung der CD betont ihrerseits deren Wert: Klappcover
und Schuber! (om)
ANDREAS VOLLENWEIDER
Cosmopoly
Sony/Columbia
Wie Phoenix aus der Asche so taucht in diesen Wochen ein Mann wieder aus
der Versenkung auf der den meisten unter uns aus den 80ern bekannt ist:
Harfinist Andreas Vollenweider. Gegenüber den ersten Alben
- »Behind The Garden...« oder »White Wind« - geht
»Cosmopoly« tatsächlich neue Wege. Vollenweider selbst
redet von einer Ansammlung von Kurzgeschichten. Während Stories wie
»Stella« dabei noch den typischen Sound bieten nimmt sich
Vollenweider in den anderen Titeln ungewöhnlich weit zurück.
Zum ersten Mal bekommt man wirklich mit, wie stark er sich in andere Kulturen
einfühlen kann. Die Spannweite reicht dabei von der Irischen Saga
über Afrikanische Epen bis hin zur Armenischen Trauer in Form von
»Hush, My Heart, Be Still...«. All das klingt wirklich kosmopolitan
und bietet Gästen aus aller Welt, darunter Sangeskünstler Bobby
McFerrin, viel Raum. (om)
ULLI BÖGERSHAUSEN
Sologuitar
Laika
In Bielefeld zählte er einst zu den Lokalmatadoren dessen Konzerte
in Szenekreisen Pflicht waren. Zwar wohnt Ulli Bögershausen immer
noch in Bielefeld, ist aber musikalisch weit über die Stadtgrenzen
hinaus gewachsen. Sein neues Album »Sologuitar« stellt nun
eine Art Rückschau dar, ohne das sie als »Best of...«
verstanden werden darf. Überwiegend sind hier Titel versammelt, die
es bisher nur in Form der guten alten LP zu kaufen gab, gepaart mit vergriffenen
und neuen Titeln. Er hat alles neu eingespielt und scheint direkt im Raum
zu sitzen. Hinzu kommt das seine Titel nicht nur künstlicher
Angelpunkt sonder Aussage sind; höre »Es wäre schön
gewesen«. Ulis Spiel erinnert zwar an YES oder DE GRAS, behält
aber immer eine eigene Note. (om)
LIVE
The Distance To Here
Polydor
LIVE sind eine waschechte Rockband, soviel nur vorab. Nachdem viele Bands
im Rockbereich in den Neunzigern ihre Fusion mit Electronic gesehen haben,
sind die vier aus York, Pennsylvania ihrer Linie strickt treu geblieben,
was aber keinesfalls heißt sie wären in ihrem Schaffensprozess
stehengeblieben. Im Gegenteil: Live verkörpern zum Ende des Jahrtausends
regelrecht modernen, energiegeladenen, melodischen Rock der amerikanischen
Art. In ihrer mittlerweile 15-jährigen Bandgeschichte stellt ihr
vorliegendes viertes Album eine der herausragenden Veröffentlichungen
des vergangen Jahres dar. Neben der Single »The Dolphins Cry«
gesellen sich mindestens drei weitere Singleanwärter, die höchste
Notierungen anstreben könnten, zumindest in den USA, wo das Album
bereits in den Top Ten verweilt. Jeder, der in der nächsten Zeit
einen Plattenladen aufsucht, sollte in das fantastische »They Stood
Up For Love« reinhören. (hs)
MIKOLAJEWICZ
Sven die Gondeln Trauer tragen
Indigo
Nach seinem Austritt aus der Hamburger HipHopCombo FISHMOB, die drohte,
gerade richtig erfolgreich zu werden, nimmt sich der Sven Mikolajewicz
alias der Schreckliche Sven nun Zeit für andere musikalische Projekte.
Vor der Fertigstellung eines Solo-Rap-Albums veröffentlichte er unter
seinen richtigen Namen ein entspanntes Elektro-Album - bereits sein zweites
- auf dem es vorwiegend TripHop zu hören gibt. Garniert wurde die
Scheibe mit einigen Ausflügen in die Area der Housemusic. Einigen!
Denn hier stehen eindeutig die chillig fetten Beats und die atmosphärischen
Sounds im Mittelpunkt. Support bekommt der Hamburger u.a. vom Ortsnachbarn
Mario von Hacht (5-Sterne de Luxe-Produzent), der seine Vorliebe für
elektronische Klänge bereits bei seinem eigenem Projekt VISIT VENUS
unter Beweis stellte. Sehr nett! (nn)
CHRISTINA LUX
Little Luxuries
Flying Dolphin
Das bisschen Luxus gönn' ich mir: Christina Lux bringt den süßen
Hauch des Mondänen ins karge Zimmer. Nein, keine Angst, hier kommt
keine verzogene High-Society-Göre. Ihr gehört die Welt nicht,
sie nimmt sie sich aber - eine elegante Fighterin, die im Alltagsdreck
das Überleben durch Haltung und Stil gelernt hat. Die bewältigten
Kämpfe haben sich tief in diese wunderbare Stimme eingegraben, sie
schmücken die edlen Songperlen mit dem Glanz einer reifen Melancholie.
Ihre Musik trifft den Schnittpunkt zwischen CULTURED PEARLS Pearls und
Susan Vega und beginnt von dort aus mit dem Erzählen ganz neuer Geschichten,
dezent begleitet von sensiblen Gitarren, souligen Chören, Bass und
auch mal Streichern und Percussion. Mitten im hektischen Geschnatter und
Geplärr kann sich Christina Lux stolze Zurückhaltung leisten.
Lange Zeit hat sie in der zweiten Reihe für Jule Neigel, Fury, Edo
Zanki, Jon Lord und viele, viele mehr gesungen - höchste Zeit, dass
sie nach vorne kommt! (lj)
LOU FORD
Sad, But Familiar"
Glitterhouse
Ein wenig ungestüm, aber sicheren Schrittes stapfen sie durch den
Alltag, wobei es gleich ist ob ihrer sich in North Carolina bahn bricht.
Letztlich treibt uns oft der gleiche Wahn, den LOU FORD hier mit leichter
Melancholie in Töne packen. Dabei ist die Instrumentierung superb,
weil präzise dosiert. Mal trägt die Hammond den Song, ein andermal
sind halbakustische Gitarrensounds der Antrieb. Der harmonische bis fragile
Gesang wird durch Gitarren-Feedbacks wieder ins rechte Licht gerückt,
während die Drums einem Dampfross gleich vorantreiben. Bestechend
ist nicht die Möglichkeit eines Vergleichs mit Größen
wie R.E.M , Young oder anderen, sondern die Gradlinigkeit, mit der diese
Platte daherkommt. Erfrischend, ohne sich unnötig zu verbiegen, mit
einer groben Peilung im Bereich Alternative Country, im Info gar als Country-Soul
bezeichnet. (om)
JONNY KAPLAN
California Heart
Glitterhouse
Manchmal sind die Wege des Herren unergründlich, wie auch bei dieser
Scheibe. Ihre Entstehung liegt schon gut drei Jahre zurück, und nur
der Beharrlichkeit der Glitterhouse-Crew ist es zu verdanken, dass dieser
lupenreine Country-Rck den Weg nach Europa finden konnte. In Zeiten wo
die Top-100 den Bestand eines Plattenladens maßgeblich bestimmen
fast schon so etwas wie Artenschutz. Wer also Bock auf einen Sound hat,
der geprägt ist von THE BAND, THE BYRDS und a little bit Tom Petty,
dem sei diese Platte wirklich ans Herz gelegt. Songs wie »My Heart«
oder »Pocket Fulla Nickels« lassen die Ohren spitzen. Alles
in Allem kein Brüller, aber ein schöner Backgroundsound. NEWS:
Johnny hat inzwischen THE LAZY STARS aus der Taufe gehoben, eine Roots
Rock Band die den auf »California Heart« gesetzten Eckpfeilern
treu zu bleiben scheint. (om)
DOVER
Late at night
Alternation
Was passiert, wenn man eine Brise NIRVANA mit einem Schuß METALLICA
versetzt und zum guten Schluß Joan Jett auf einen Drink vorbeischaut?
Ein leicht metalischer Punkrock-Cocktail der Lust auf mehr macht. Eingängige
Melodien, die zum sofortigen Mitsingen verleiten sind das Markenzeichen
der in ihrer Heimat schon als kleine Stars geltenen Spanier. Vergleiche
mit den GUANO APES hinken und sind mehr als überflüssig. Das
Songwriting von Sängerin und Gitarristin Christina und ihrer Schwester
Amparo ist viel zu eigenständig, als daß solche Vergleiche
zu bemühen wären. Ihr '97er Vorgängeralbum erreichte in
Spanien 5-fachen Platin Status. Harte Gitarren-Massaker spielen Dart mit
popigen Grunge-Varianten, Popsongs lächeln während sie uns ins
Herz treffen. Eine durch und durch sympathische Band, die durch ihre natürliche
Ausstrahlung verzaubert. Rock is dead, they said. Long live rock! (stb)
LOU FORD
Sad, But Familiar"
Glitterhouse
Ein wenig ungestüm, aber sicheren Schrittes stapfen sie durch den
Alltag, wobei es gleich ist ob ihrer sich in North Carolina bahn bricht.
Letztlich treibt uns oft der gleiche Wahn, den LOU FORD hier mit leichter
Melancholie in Töne packen. Dabei ist die Instrumentierung superb,
weil präzise dosiert. Mal trägt die Hammond den Song, ein andermal
sind halbakustische Gitarrensounds der Antrieb. Der harmonische bis fragile
Gesang wird durch Gitarren-Feedbacks wieder ins rechte Licht gerückt,
während die Drums einem Dampfross gleich vorantreiben. Bestechend
ist nicht die Möglichkeit eines Vergleichs mit Größen
wie R.E.M , Young oder anderen, sondern die Gradlinigkeit, mit der diese
Platte daherkommt. Erfrischend, ohne sich unnötig zu verbiegen, mit
einer groben Peilung im Bereich Alternative Country, im Info gar als Country-Soul
bezeichnet. (om)
JONNY KAPLAN
California Heart
Glitterhouse
Manchmal sind die Wege des Herren unergründlich, wie auch bei dieser
Scheibe. Ihre Entstehung liegt schon gut drei Jahre zurück, und nur
der Beharrlichkeit der Glitterhouse-Crew ist es zu verdanken, dass dieser
lupenreine Country-Rck den Weg nach Europa finden konnte. In Zeiten wo
die Top-100 den Bestand eines Plattenladens maßgeblich bestimmen
fast schon so etwas wie Artenschutz. Wer also Bock auf einen Sound hat,
der geprägt ist von THE BAND, THE BYRDS und a little bit Tom Petty,
dem sei diese Platte wirklich ans Herz gelegt. Songs wie »My Heart«
oder »Pocket Fulla Nickels« lassen die Ohren spitzen. Alles
in Allem kein Brüller, aber ein schöner Backgroundsound. NEWS:
Johnny hat inzwischen THE LAZY STARS aus der Taufe gehoben, eine Roots
Rock Band die den auf »California Heart« gesetzten Eckpfeilern
treu zu bleiben scheint. (om)
SUCH A SURGE
Der Surge Effekt
Epic
Kawumm! Päng! Krach! Ein Gitarrenhammer droht uns zu erschlagen.
Auf den Spuren der amerikanischen Überväter FAITH NO MORE schlagen
sich die Kölner auf ihrem neusten Album recht wacker durch das ansonsten
leidlich abgegraste Metier des Crossovers. Dezente HipHopklänge versus
skurile Hardcore-Agression versuchen uns das Tanzen, Springen und wilde
Gestikulieren beizubringen. Es wird gerapt, gesungen, geschrien: Man zieht
alle Register des in jahrelangen Tourens erworbenen Könnens. Dabei
verbleiben die textlichen Einblicke weitgehend im Persönlichen und
verdichten sich nur im fulminaten "Tropfen" in aufrüttelnder sozial-kritischer
Lyrik. Kleine Ausflüge in die englische und französische Sprache
runden das Hörerlebnis ab und unterstreichen somit die Spitzen-Stellung
von SUCH A SURGE als einer der innovativsten deutschen Bands. Nicht verpassen,
sie spielen am 27.2. in der Ing-Schule in Kassel.(stb)
TOSCA
Suzuki
K7
Definieren sie Fahrstuhl- bzw. Kaufhausmusik: 1. angenehm, 2. massenkompatibel
und 3. bitte nicht intellektuell überfordernd. Nachdem bereits Bausparer
und Oberlippenbartträger auf Trip Hop-betonten Sound zurückgreifen,
findet vieleicht hier das neue Album von TOSCA seine Verwendung. "Suzuki"
ist so glatt produziert, dass die verschleppten Beats und die dumpf-melancholischen
Klänge an einem vorbeirauscht ohne jegliche Möglichkeit der
Registrierung. Da ist nichts, woran man sich stoßen kann, nichts,
was einem zum Denken animieren könnte. Das Ganze verkommt zu einem
Hintergrundrauschen. Hinter dem Projekt stecken die beiden Wiener Rupert
Huber und Richard Dorfmeister. Letzterer sorgte als Teil des legendären
Remixer-Duos Kruder & Dorfmeister mit für den Ausbruch des TripHops
aus einer Nische in das weite Feld des Mainstreams. Seit dem Release der
K&D-Session werden die einzelnen Tracks von zahlreichen Redakteuren
für ihre Fernsehbeiträge missbraucht. Und das aus guten Grund.
Als Remixer sind die Österreicher Helden, als Produzent hat Dorfmeister
aber versagt. Langweilig! (nn)
SQUEALER
Made for Eternity
AFM Records
Harte Arbeit lohnt sich. Das zeigen SQUEALER mit ihrem neuen Album, mit
dem sie ihrem zupackenden Stil treu bleiben, aber ihn deutlich perfektionieren.
Es ist ihnen gelungen, sowohl harte Gitarrenriffs und wummernde Bässe
als auch wohlklingende Melodien und feine Balladen auf dieser abwechslungsreichen
CD zu vereinen. Im Stile von HELLOWEEN und KREATOR bieten die Power/Speed/Thrash-Metaller
aus Nordhessen einen Sound, der auch international erfolgversprechend
klingt. Auf dem amerikanischen Markt soll es gar nicht so schlecht anlaufen.
Viel Glück! Als Bonus befindet sich auf der Erstauflage dieser CD
mit »People are People« ein gelungenes DEPECHE-MODE-Cover,
an dem sich u.a. Musiker von HELLOWEEN und RAGE AGAINST THE MACHINE beteiligten.
Wer die CD kauft, tut nicht nur sich selbst einen Gefallen: ein Teil der
Einnahmen geht an die Afrikahilfe! (jh)
The Busters liegt als Email vor.
waren letzten Monat im felsenkeller.
SCRAPY
You better wake up!
Black Butcher Records
SCRAPY sind eine quirlige neue Nachwuchs-Band aus dem bayrischen Passau.
Mit ihrer von DR. RING DING & THE SENIOR ALLSTARS Sänger Richie
produzierten Debüt-CD haben sie sich eine gute Start-Position in
der deutschen Ska-Szene geschaffen. Der bunte Haufen aus Punks und Skins
backt Reggae, Ska und Punkrock zu einem lecker schmeckenden Kuchen. Wütende
und kämpferische Texte gegen den alltäglichen Faschismus in
unserer Gesellschaft runden das geschmackliche Party-Erlebnis als Zuckerguß
ab. Sie können richtig rocken und sie können richtig schnell
sein.Ihre Bläsersektion swingt sich locker durch die Arrangements.
Sie haben jedoch stets das Gespür für den Moment, wo der Hörer
eine Atempause braucht. Die momentan allseits beliebte Offbeatmusik ist
um eine Attraktion reicher. 69 is the time when it all began. (stb)
THE HOTKNIVES
Screams, dreams and custard creams
Grover Records
1984 bereits gegründet, gehören die HOTKNIVES zu den bekanntesten
und einflußreichsten Bands der britischen Ska-Szene. Das schlimmste
was ihnen passieren kann, ist immer wieder mit der Legende MADNESS verglichen
zu werden. Verstehen sollte man dieses jedoch als Kompliment. Auf ihrem
neuen Album verstehen die 4 Herren erneut ihren typischen Ska-Sound mit
den Einflüßen der Popmusik der 80er Jahre zu verbinden. Flotte
Beats garantieren gute Laune, eingängige Melodien gehen direkt ins
Ohr und wollen nicht wieder hinaus. Ganz ohne Verstärkung von Blasintrumenten
gelingt es ihnen mit einem Fingerschnippen jeden Anflug von schlechter
Laune wegzupusten. Sehr gelungen auch ihre Version des LED ZEPPLIN
Klassikers "D'yer Maker". Gut, daß sie sich 1992 entschlossen haben
wieder zusammen zu spielen. Am 10.2. im Barracuda in Kassel. Nicht verpassen!
(stb)
LEMONBABIES
Now and forever
Four Music
Erneut auf dem FANTA 4 eigenen Plattenlabel herausgebracht, sind die 4
Berlinerinnen etwas ruhiger geworden. Überraschte das letzte Album
"Porno" außer mit Nackedei-Cover durch experimentelle und moderne
Produktion, so finden sich hier nun viele langsame Songs, die durch getragene
und durchgestylte Arrangements ihre Energie beziehen. Man kann sagen,
daß die Damen dem Begriff Pop wiedermal ein Stück näher
gekommenm sind. Alles ist schön und geschmackvoll: Die Songs, die
Produktion und die Fotos im Coverartwork. Man wandelt auf den Spuren der
BANDITS. Vielleicht zeigen sie genau damit, daß sie verstanden haben,
worum es geht. Man muß sie somit einfach gern haben. Gefangene werden
ohnehin nicht gemacht. Ohrwürmer wie "Wake up" zeigen wozu sie fähig
sind. Wer würde auch nicht gern so geweckt werden? Man muß
sie gern haben, auch wenn das Intro von "Like a slap" von den BEATLES
geklaut ist. (stb)
FAVEZ
Gentlemen START your engines
Sticksister
Favez kommen aus Lausanne in der Schweiz. Sie können mit Gitarren
umgehen und ihre Songs sind kleine Meisterwerke. Am besten trifft der
Vergleich zu ihren Labelkollegen MOTORPSYCHO zu, mit denen sie eine gewisse
Vorliebe für wunderschöne und zerbrechliche Melodien verbindet.
Nicht ganz so experimentell aber mit dem gleichen Gespür für
unterhaltende Melancholie. Produziert von John Agnello, der ansonsten
für den Output von Bands wie DINOSAUR JR. und Patti Smith zuständig
ist, gelang ein athmosphärisches Bild zu zeichnen, das in keinem
Lied der Platte zusammenzubrechen droht. Selbst ein kleines Klavier-Kleinod
webt sich nahtlos in die Kompositionen ein. Dies sind Musiker die etwas
von ihrer Seele gegeben haben und genau solchen Musikern wünscht
man einen Platz im Rock-Olymp. Wer zum Teufel sind OASIS? Klasse! (stb)
EROBIQUE
Erosound
Deck 8
Mensch, denkst du ans Münsterland dann schießen dir unweigerlich
grüne Wiesen, Bauernhöfe, Pferde und natürlich Studenten
und Fahrräder in den Sinn. Das dieser Inbegriff der - durchaus schönen
- Provinz auch die Heimat von mehr oder weniger talentierten Musikern
ist, wissen wir spätestens seit den H-BLOCKX. Kenner könner
dann noch mit Namen wie Gautsch und Lee Buddah um sich schmeißen,
das war es dann aber auch schon. Und aus diesem Dunstkreis kommt EROBIQUE.
Der Mann mit der Orgel legte jetzt mit "Erosound" seinen ersten Longplayer
vor: Und dann die schwierige Frage, wie soll man diese Klänge beschreiben:
ein Electro-Sound, mal mit House-Anleihen, mal ohne, aber immer irgendwie
funky. Und das Instrument mit den Tasten dominiert. Manche Ähnlichkeiten
mit den Franzosen von AIR sind erkennbar, halt nur nicht so perfekt, nicht
ganz so stilvoll und weniger liebevoll, obwohl ja "Erosound" der Klang
der Liebe ist. Auf jeden Fall ist das Ganze schräg, schön und
interessant. Eins sticht aus dem Gesamtkunstwerk der Kompositionen hervor:
das SCORPIONS-Cover "Still loving you", das mit der Bontempi auf Neuzeit-Retro
getrimmt wurde. Cool! (nn)
DOVER
Late at night
Alternation
Was passiert, wenn man eine Prise NIRVANA mit einem Schuß METALLICA
versetzt und zum guten Schluß Joan Jett auf einen Drink vorbeischaut?
Ein leicht metalischer Punkrock-Cocktail der Lust auf mehr macht. Eingängige
Melodien, die zum sofortigen Mitsingen verleiten sind das Markenzeichen
der in ihrer Heimat schon als kleine Stars geltenen Spanier. Vergleiche
mit den GUANO APES hinken und sind mehr als überflüssig. Das
Songwriting von Sängerin und Gitarristin Christina und ihrer Schwester
Amparo ist viel zu eigenständig, als daß solche Vergleiche
zu bemühen wären. Ihr '97er Vorgängeralbum erreichte in
Spanien 5-fachen Platin Status. Harte Gitarren-Massaker spielen Dart mit
popigen Grunge-Varianten, Popsongs lächeln während sie uns ins
Herz treffen. Eine durch und durch sympathische Band, die durch ihre natürliche
Ausstrahlung verzaubert. Rock is dead, they said. Long live rock! (stb)
NEAL CASAL
Anytime Tomorrow
Glitterhouse
Schon mehrfach wurde dieser Ausnahme Singer/Songwriter dem Wildwechsel
Leser empfohlen. Und auch mit dieser Veröffentlichung wird jeder
Höhrer, mit Verständnis für wahre und gute Rockmusik, seine
Freude haben. Der aus New Jersey stammende Neal Casal veröffentlicht
mit >>Anytime Tomorrow<< -Mailorder CDs mal mitgerechnet- sein immerhin
siebtes Album in fünf Jahren! Und das bei gleichbleibender Qualität
von sanftem Rock und schmeichelhaften Balladen. Produziert hat das neueste
Meisterwerk wieder der renommierte Jim Scott (Tom Petty, Wilco). Seine
Studiomitstreiter sind wie bei vorherigen Veröffentlichungen erlesen:
Don Heffington (Emmylou Harris), Bob Glaub (John Fogerty), John Ginty
(Jewel) oder Greg Leisz (K.D. Lang, Joni Mitchell), kann man getrost Weltklasse
Line Up nennen. Fragt sich nur wann Casal mit diesen hervoragenden Songs
endlich der verdiente Erfolg zugute kommt? Musikalisch besinnt sich Casal
bei »Anytime Tomorrow« wieder rockigeren Gefilden. Der Opener
»Willow Jane« könnte auch aus der Feder der BLACK CROWES
stammen. Trotz allem kommen aber seine feinen balladesken Songs mit Gänsehaut-Charakter
auch nicht zu kurz. Ab Mai kommt Casal auf ausgedehnte Europatour und
macht u.a. am 13.5. im Schrecksbacher Mylord halt. (hs)
TOSCA
Suzuki
(Firma????)
Definieren sie Fahrstuhl- bzw. Kaufhausmusik: 1. angenehm, 2. massenkompatibel
und 3. bitte nicht interlektuell überfordern. Nachdem bereits
Bausparer und Oberlippenbartträger auf Trip Hop-betonten Sound zurückgreifen,
findet vieleicht hier das neue Album von TOSCA seine Verwendung. "Suzuki"
ist so glatt produziert, dass die verschleppten Beats und die dumpf-melancholischen
Klänge an einem vorbeirauscht ohne jegliche Möglichkeit der
Registrierung. Da ist nichts, woran man sich stossen kann, nichts, was
einem zum Denken animieren könnte. Das Ganze verkommt zu einem
Hintergrundrauschen. Hinter dem Projekt stecken die beiden Wiener Rupert
Huber und Richard Dorfmeister. Letzterer sorgte als Teil des legendären
Remixer-Duos Kruder & Dorfmeister mit für den Ausbruch des TripHops
aus einer Nische in das weite Feld des Mainstreams. Seit dem Release der
K&D-Session werden die einzelnen Tracks von sämtlichen Redakteuren
für ihre Fernsehbeiträge missbraucht. Und das aus guten Grund.
Als Remixer sind die Österreicher Helden, als Produzent hat Dorfmeister
aber versagt. Langweilig! (nn)
SCRAPY
You better wake up!
Black Butcher Records
SCRAPY sind eine quirlige neue Nachwuchs-Band aus dem bayrischen Passau,
die in letzter Zeit leider des öfteren von herben Schicksalsschlägen
heimgesucht wurde. Mit ihrer durch den Sänger von DR. RING DING &
THE SENIOR ALLSTARS, Richie, produzierten Debüt-CD haben sie sich
trotzdem eine hervorragende Start-Position in der deutschen Ska-Szene
geschaffen. Der bunte Haufen aus Punks und Skins bäckt Reggae, Ska
und Punkrock zu einem lecker schmeckenden Kuchen. Wütende und kämpferische
Texte gegen den alltäglichen Rassismus in unserer Gesellschaft runden
das geschmackliche Party-Erlebnis als Zuckerguß ab. SCRAPY können
richtig rocken und sie können richtig schnell sein. Ihre Bläsersektion
swingt sich locker durch die Arrangements. Sie haben jedoch auch das Gespür
für den Moment, wo der Hörer eine Atempause braucht. Die momentan
allseits beliebte Offbeatmusik ist um eine Attraktion reicher! (stb)
BOLSCHEWISTISCHE KURKAPELLE ROT-SCHWARZ
Tänze
Huch, das sind Verrückte! Anderst kann man sich die wirren Einfälle
dieses irrwitzigen Blasorchesters nicht erklären. Jimi Hendrixs "Purple
Haze"(hier mitwirkend dabei der Kulturexport EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN),
Janis Joplins "Move on", Medleys aus 60's-Beatklasikern und Filmmusiken,
nichts ist diesen Berlinern heilig und wird gnadenlos in leicht schrägen
Addaptionen hauptsächlich instrumental inzeniert. Es wird eine Brücke
geschlagen von THE WHOs "My Generation" zu NIRVANAs "Smells like teen
spirit" und man hat auch das gute Gefühl, daß alles auch Sinn
macht. Diese Interpretationen sind zum einen mehr als gut erzählte
Witze und zum anderen Verbeugungen vor den Klassikern der verschiedenen
Genres. Mehr als unterhaltend deshalb der Nordhessische Nobelpreis für
Durchgeknalltheit. Solch ein Humor fehlt einfach der deutschen Volksmusik.
Mehr davon! (stb)
SCRAPY
You better wake up!
Black Butcher Records
SCRAPY sind eine quirlige neue Nachwuchs-Band aus dem bayrischen Passau,
die in letzter Zeit leider des öfteren von herben Schicksalsschlägen
heimgesucht wurde. Mit ihrer durch den Sänger von DR. RING DING &
THE SENIOR ALLSTARS, Richie, produzierten Debüt-CD haben sie sich
trotzdem eine hervorragende Start-Position in der deutschen Ska-Szene
geschaffen. Der bunte Haufen aus Punks und Skins bäckt Reggae, Ska
und Punkrock zu einem lecker schmeckenden Kuchen. Wütende und kämpferische
Texte gegen den alltäglichen Rassismus in unserer Gesellschaft runden
das geschmackliche Party-Erlebnis als Zuckerguß ab. SCRAPY können
richtig rocken und sie können richtig schnell sein. Ihre Bläsersektion
swingt sich locker durch die Arrangements. Sie haben jedoch auch das Gespür
für den Moment, wo der Hörer eine Atempause braucht. Die momentan
allseits beliebte Offbeatmusik ist um eine Attraktion reicher! (stb)
BOLSCHEWISTISCHE KURKAPELLE ROT-SCHWARZ
Tänze
Huch, das sind Verrückte! Anders kann man sich die wirren Einfälle
dieses irrwitzigen Blasorchesters nicht erklären. Jimi Hendrix' "Purple
Haze"(hier mitwirkend dabei der Kulturexport EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN),
Janis Joplins "Move on", Medleys aus 60's-Beatklasikern und Filmmusiken,
nichts ist diesen Berlinern heilig und wird gnadenlos in leicht schrägen
Addaptionen hauptsächlich instrumental inzeniert. Es wird eine Brücke
geschlagen von THE WHOs "My Generation" zu NIRVANAs "Smells like teen
spirit" und man hat auch das gute Gefühl, daß alles auch Sinn
macht. Diese Interpretationen sind zum einen mehr als gut erzählte
Witze und zum anderen Verbeugungen vor den Klassikern der verschiedenen
Genres. Mehr als unterhaltend, deshalb gibt es den nordhessischen Nobelpreis
für Durchgeknalltheit. Solch ein Humor fehlt einfach der deutschen
Volksmusik. Mehr davon! (stb)
HARRY ROWOHLT
liest die schweinischten Stellen aus dem alten Testament.
HörbuchHamburg
Wer liest schon gern in der Bibel?! Gläubige Christen und berufstätige
Pfarrer, logisch. Aber sonst - niemand! Dabei hat es das Buch der Bücher
in sich. Ja, es gehört teilweise gar auf den Index jugendgefährdender
Schriften! Sex, Gewalt, Mord, Intrigen - alles da! Hin und wieder erstrahlt
es aber auch in wunderschönster erotischer Poesie: "Lass deine Brüste
sein wie Trauben am Weinstock und den Duft deines Atems wie Äpfel;
lass deinen Mund sein wie guten Wein, der meinem Gaumen glatt eingeht
und Lippen und Zähne mir netzt." (Hohelied Salomos, 7,9) Schöner
kann man Liebe und Leidenschaft nicht in Worte fassen. Am schönsten
vorlesen kann indes niemand geringerer als Harry Rowohlt, er hat die göttliche
Stimme - auch für "schweinische" Texte! "... und sie schämten
sich nicht." (1. Moses, 2, 18-35) (ks)
ESTAMPIE
Ondas
Red Moon/Warner
ESTAMPIE sind eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Mittelalterszene.
Bemühten sie sich in der Anfangszeit noch um den - unerreichbaren,
weil ohnehin nicht mehr rekonstruierbaren - "historisch-authentischen"
Klang, so gingen sie immer mehr dazu über, Istrumente wie Drehleier,
Schalmei, Laute, Fiedel oder Portativ in einer kreativen, von vielen modernen
Einflüssen geprägten Weise zu spielen und die mittelalterliche
Melodien in eine völlig neue Umgebung zu setzen. Dabei entstanden
ungewöhnliche Werke wie ihr geniales Kreuzfahrer-Album »Crusaders
in nomine domini«. »Ondas« geht auf diesem Weg weiter:
Die zum Weinen schönen Melodien der Troubadoure werden mit Elementen
aus Jazz, Folk, Minimal Music und Ethno versetzt. Zwischen trancig-meditativ
und perkussiv-vital! Schade nur, dass Deine-Lakaien-Mann Alexander Veljanov
diesmal nicht den markanten Gegenpol zu Syrahs lieblichem Gesang setzt!
Am 17.5. live im Kick Herford! (lj)
CASHMA HOODY
And The Light Within
African Dance Records
Reggae und Ska erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit.
CASHMA HOODY sind aber keine Trittbrettfahrer auf diesem Zug: Sie haben
sich bereits seit Anfang der Neunziger Jahre relaxten Reggae-Klängen
verschrieben, die sie mit zündenden Rock-Rhythmen und mitreißenden
Melodien verbinden. Nach drei Alben in Eigenregie folgte nun der verdiente
Platten-Deal. Das aktuelle Album zeigt eine erstaunliche Bandbreite: Reggae
und Dub, mal funky, mal heftig, mal wunderbar laidback, dann wieder voller
übersprühender gute Laune. Die jamaikanische Musik bietet die
Basis, die mit Elementen aus allen angesagten Stilrichtungen angereichert
wird, wodurch eine oft verblüffende, aber schlüssige Mischung
entsteht. DAS Party-Album der nächsten Monate! (lj)
CLAUS DURSTEWITZ
Traumhaft
Town Music
Er wird als "nordhessischer Pavarotti" gehandelt. Seine PR-Agentur sollte
allerdings schleunigst Abschied nehmen von diesem Etikett, da es an seinen
eigentlichen Qualitäten vorbeigeht. Denn Durstewitz ist kein eitler
Macho-Tenor mit dem dramatischen Elan des großen Luciano. Im Gegenteil:
Mehr noch als Andrea Bocelli, dessen "Time To Say Goodbye" er voller Achtung
zum Ausklang darbietet, ist Durstewitz ein Meister der Zurückhaltung,
der leisen Töne, des sparsamen, aber treffsicheren Ausdrucks. Die
Stimme überzeugt auf ganzer Linie: ein weiches, warmes Timbre, das
vor allem in den geistlichen Gesängen - zu Beginn interpretiert er
gleich drei "Ave Marias" - hervorragend zur Geltung kommt! Was gibt es
sonst noch zu hören? Tenor-Evergreens von »O sole mío«
bis »Caro Mio Ben«, Operettenmelodien und Bernsteins »Maria«.
Schade, dass der Arrangeur nicht die gleiche Zurückhaltung an den
Tag legt wie der Sänger: Peter Staab trägt oft zu dick auf!
(lj)
STEREO MCS
DJ Kicks
K 7
Die DJ-Kicks-Serie des Labels K7 ist bereits jetzt legendär. Angesagte
Turntable-Akrobaten wie Kruder & Dorfmeister oder TERRANOVA gruben
in ihrem Plattenkisten und präsentierten ein Stück Persönlichkeit.
Für die neueste Ausgabe wurden die STEREO MCs gewonnen. Von Englands
ehemals populärsten Heroin-Duo hörte man unter eigenem Namen
das letzte Mal 1992, als sie mit »Connected« einen Club-Klassiker
schufen, der heute noch läuft. Danach wurde es erschreckend ruhig.
Vermutungen eines Drogen-Todes wurden laut. Mit diesem Turntable-Set zeigen
die MCs jedoch, dass es ihnen gut geht. Vor allem aber zeigen sie, welche
Musik sie derzeitig bevorzugen: Old-Skool-HipHop. Die alten Klassiker
frischen sie hier mit aktuellem Sound von Freddy Fresh oder von HERBALISER
auf, so dass für alle etwas dabei ist. Das gesamte Paket ist zwar
nicht richtig spektakulär, aber nett anzuhören. Doch die Hauptsache
bleibt: Hurra, sie leben noch! (nn)
DIE BRAUT HAUT INS AUGE
+ 1 auf der Gästeliste
Firma????
9 Jahre sind ihnen genug. Die Hamburger Allgirl-Band DIE BRAUT hat imneuen
Jahrtausend keine Lust mehr, ihre zahlreichen Fans zu beglücken.
Die 4 Damen mit ihrer herausragenden Sängerin Bernadette hinterlassen
eine Lücke in der intelligenten deutschsprachigen Popmusik, die nicht
ohne weiteres zu füllen sein wird. Titelierungen, wie die deutschen
BANGLES sind nicht ohne Grund gefallen. Als Erinnerung gibt es aber noch
diese Liveaufnahme mit den Hits aus allen 3 Studioalben und ein paar unveröffentlichten
Songs. Das Konzert wurde auf dem ersten Teil ihrer Abschiedstour 1999
in Regensburg aufgenommen und beinhaltet Beat und Rock'n'Roll mit hervorragenden
mehrstimmigen Gesang. Man hängt noch an dieser Braut. Vielleicht
noch ein halbes Leben lang. Von Beileidsbekundigungen bitten wir Abstand
zu nehmen. Eine der letzten Chancen, die BRAUT zu erleben: am 7.5. im
A.R.M. in Kassel - präsentiert vom Ww! (stb)
MILES
Miles
V2
Miles machen alles richtig. Die dritte Platte der Würzburger, bescheiden
»Miles« betitelt, ist ein Beleg dafür, dass Pop konservativ
und innovativ zugleich sein darf. Miles bleiben Miles und arbeiten sich
weiterhin am ultimativen Popsong ab: Irgendwie neu, aber scheinbar doch
längst bekannt. Klar, Popsongs sind immer auch Zitate anderer Popsounds.
So steht die Singleauskopplung »Perfect World« in der Tradition
von den BEATLES und PET SHOP BOYS, »Disco Queen« liegt irgendwo
zwischen Phil Spector und Giorgio Moroder verortet und »Barracuda«
könnte auch von BEN FOLDS FIVE stammen. Oder den BEACH BOYS. Die
Liste der Ähnlichkeiten wäre lang. Sie würde jedoch verdecken,
dass Miles eine der innovativsten Popbands sind, die zurzeit im Indiebereich
Pop und Rock gekonnt auf sich vereinen. Miles and more: elf Songs, elf
Mal Pop, elf Hits - unsterbliche Melodien eben. (ks)
UDO LINDENBERG
Der Exzessor
Berlin/Sony
Uns-Udo kommt in die Jahre. Da tut es dem eigenen Image gut, sich als
einstiger Rebell in Erinnerung zu bringen, als Mann der Gitarren-gegen-Computer-Fraktion,
der als unverwüstlicher »Exzessor« die Nacht zum Tag
macht. Zum Glück schimmert durch solch pseudo-junggebliebene
Angeberei aber schon echte Altersweisheit durch. Eher peinlichen Nummern
wie dem Titelsong, die die Kraft der frühen Jahre simulieren, stehen
tiefsinnige Perlen gegenüber. Allen voran Udos melancholische Adaption
von Rilkes »Panther« und das Duett mit Dorka Kiefer,
das im einzigen modernen Arrangement der CD die Widersprüche einer
ergrauten Liebe auf den Punkt bringt. Ein weiterer Höhepunkt ist
die knackige Mackie-Messer-Adaption. Nicht zu vergessen der Gastauftritt
von Lindenbergs Leibwächter Eddy Kante, der Heintjes »Mama«
im Rammstein-Stil durch den Fleischwolf dreht. (lj)
5 Jahrzehnte Fußball im Originalton
HörbucHHamburg
Klar, man muss ziemlich (fußball-) verrückt sein, wenn man
sich freiwillig durch 375 Minuten Fußballreportagen aus fünf
Jahrzehnten bundesdeutscher Fußballgeschichte hört. Doch die
Aufnahmen sind mehr als bloß Ersatzdroge für Fußballjunkies
an spielfreien Tagen, sie sind Dokument jüngster Sozial- und Zeitgeschichte.
So waren die Länderspiele der Fünfzigerjahre hörbar geprägt
von der internationalen Ächtung Nachkriegsdeutschlandes; das Wunder
von Bern, der Sieg bei der WM von 1954 war somit mehr als ein Weltmeistertitel.
Es war die Rückkehr in die Normalität. Ebenso ist die deutsch-deutsche
Begegnung bei der WM 1974, in der das legendäre Sparwasser-Tor fiel,
weniger Sport, denn Politik gewesen. In den Achtzigerjahren war es die
von Hooligans provozierte Katastrophe im Brüssler Heysel-Stadion,
die den Reporter wie den Sport an seine Grenzen führte. Und heute?
Spannend wird es nur noch, wenn die Trainer ihre Rhetorikkünste darbieten.
In diesem Sinne: Ich habe fertig! (ks)
JIMMY PAGE & THE BLACK CROWES
Live At The Creek
www.musicmaker.com
Falls jemand vergessen hat was waschechter Rock'n'Roll ist, braucht sich
nur gute 107 Minuten diese Doppel-CD zu Gemüte führen und richtig
befreiend aufatmen: Gott, das hat gekickt! Die für ihre Live-Shows
geliebten Black Crowes haben aus ihrer gemeinsamen Tour mit dem noch legendäreren
Led Zeppelin Gitarrero Jimmy Page dieses Doppel Album mit ca. 70%
Led Zeppelin Material veröffentlicht. Das Restprogramm besteht aus
Rockklassikern die nicht unbedingt jedem sofort ein Begriff sind, auch
die Zeppelin Songs bestehen nicht nur aus den großen bekannten Hits
der Band. Spielfreude scheint oberstes Gebot zu sein. Großartig
ist, daß hier einer der einflußreichsten Rockgitarristen aller
Zeiten auf eine der spielfreudigsten Rockbands der heutigen Zeit trifft
und das ganze so mächtigen Spaß macht! Auf eins sollte man
achten: Dieses Album ist ausschließlich im Internet unter obiger
Adresse erhältlich. (hs)
DNL
Die kultivierte Art der Verwüstung
BMG/Lautstark
ModernRock gepaart mit Loops, das klingt seit einiger Zeit schon wieder
ziemlich abgeschmackt, muss es aber nicht, wenns gut gemacht ist. Die
Wuppertaler Elektro-Rocker DNL legen mit ihrer »Kultivierten Art
Der Verwüstung« ein sauberes Stück emotionsgeladenen Rock
des neuen Jahrtausends ab. Schon der Opener »Der erste Tag«
gilt als amtlicher Clubhit und konnte bei den MTV Web Charts Top Ten Notierungen
verzeichnen. Weitere Singleanwärter stehen mit »Würdest
Du mir gehören« oder »Unter meiner Haut« in den
Startlöchern. Zwar kann nicht das gesamte Album den hohen Standard
dieser Songs halten, doch für das Debüt ist die Scheibe
äußerst gelungen. DNLs Art von ModernRock mit Loops und Brettgitarren
konnte erst letztes Jahr beim SUMMERROCK Festival in Schrecksbach richtig
abräumen, dort waren sie die Überraschung. Derzeit gilt es auch
wieder die Augen offen zu halten, denn die Jungs sind wieder auf großer
Deutschlandtour. (hs)
MILES
Miles
V2
Miles machen alles richtig. Die dritte Platte der Würzburger, bescheiden
»Miles« betitelt, ist ein Beleg dafür, dass Pop konservativ
und innovativ zugleich sein darf. Miles bleiben Miles und arbeiten sich
weiterhin am ultimativen Popsong ab: Irgendwie neu, aber scheinbar doch
längst bekannt. Klar, Popsongs sind immer auch Zitate anderer Popsounds.
So steht die Singleauskopplung »Perfect World« in der Tradition
von den BEATLES und PET SHOP BOYS, »Disco Queen« liegt irgendwo
zwischen Phil Spector und Giorgio Moroder verortet und »Barracuda«
könnte auch von BEN FOLDS FIVE stammen. Oder den BEACH BOYS. Die
Liste der Ähnlichkeiten wäre lang. Sie würde jedoch verdecken,
dass Miles eine der innovativsten Popbands sind, die zurzeit im Indiebereich
Pop und Rock gekonnt auf sich vereinen. Miles and more: elf Songs, elf
Mal Pop, elf Hits - unsterbliche Melodien eben. (ks)
JIMMY PAGE & THE BLACK CROWES
Live At The Creek
www.musicmaker.com
Falls jemand vergessen hat was waschechter Rock'n'Roll ist, braucht sich
nur gute 107 Minuten diese Doppel-CD zu Gemüte führen und richtig
befreiend aufatmen: Gott, das hat gekickt! Die für ihre Live-Shows
geliebten Black Crowes haben aus ihrer gemeinsamen Tour mit dem noch legendäreren
Led Zeppelin Gitarrero Jimmy Page dieses Doppel Album mit ca. 70%
Led Zeppelin Material veröffentlicht. Das Restprogramm besteht aus
Rockklassikern die nicht unbedingt jedem sofort ein Begriff sind, auch
die Zeppelin Songs bestehen nicht nur aus den großen bekannten Hits
der Band. Spielfreude scheint oberstes Gebot zu sein. Großartig
ist, daß hier einer der einflußreichsten Rockgitarristen aller
Zeiten auf eine der spielfreudigsten Rockbands der heutigen Zeit trifft
und das ganze so mächtigen Spaß macht! Auf eins sollte man
achten: Dieses Album ist ausschließlich im Internet unter obiger
Adresse erhältlich. (hs)
DNL
Die kultivierte Art der Verwüstung
BMG/Lautstark
ModernRock gepaart mit Loops, das klingt seit einiger Zeit schon wieder
ziemlich abgeschmackt, muss es aber nicht, wenns gut gemacht ist. Die
Wuppertaler Elektro-Rocker DNL legen mit ihrer »Kultivierten Art
Der Verwüstung« ein sauberes Stück emotionsgeladenen Rock
des neuen Jahrtausends ab. Schon der Opener »Der erste Tag«
gilt als amtlicher Clubhit und konnte bei den MTV Web Charts Top Ten Notierungen
verzeichnen. Weitere Singleanwärter stehen mit »Würdest
Du mir gehören« oder »Unter meiner Haut« in den
Startlöchern. Zwar kann nicht das gesamte Album den hohen Standard
dieser Songs halten, doch für das Debüt ist die Scheibe
äußerst gelungen. DNLs Art von ModernRock mit Loops und Brettgitarren
konnte erst letztes Jahr beim SUMMERROCK Festival in Schrecksbach richtig
abräumen, dort waren sie die Überraschung. Derzeit gilt es auch
wieder die Augen offen zu halten, denn die Jungs sind wieder auf großer
Deutschlandtour. (hs)
GROUPIE
Minigolfen
Enola records
Charmant, charmant. Songs über das einzige was die Männerwelt
am Ende doch wirklich interessiert: die Liebe. Die Hamburg-Hannover Connection
GROUPIE schreibt wunderschöne deutschsprachige Popsongs mit harten
Gitarrenkanten, die ab und dann durch die melancholischen Songstrukturen
aufblitzen. Diese führen von ganz allein dazu, daß man
sich dabei ertappt, wie man gerade mit dem Fuß unter dem Tisch versucht
mitzustampfen. Eine Scheibe für den Sommer und für die Zeit
wenn die Liebe irgendwie schon wieder begraben wurde. Die 5 Jungs geben
einen Eindruck was aus den Spacken TOCOTRONIC einmal werden könnte,
falls sie irgendwann ihre Instrumente beherrschen sollten. Dezente Keyboards
weben sich unaufdringlich in die Visionen von Sänger und Songwriter
Thomas Esser ein und ab und zu spürt man eine sanfte Brise NIRVANA,
die aus dem gleichen den Jungs bei den Aufnahmen über die Schulter
geschaut haben. Allerdings Nena's "Nur geträumt" auf Country - dafür
muß man schon reichlich bekloppt sein.(Stb)
THE INCITERS
Doing fine
Elmo Records
Wow! Es groovet, es swingt, es hat Seele und seine eigene läuft man
dabei ständig Gefahr vor lauter Überschwenglichkeit zu verlieren.
Die INCITERS kommen aus San Francisco und haben sich mit aller Hingabe
dem Nothern-Soul verschrieben. Mit nicht weniger als 11 Leuten ausgestattet,
entfachen sie ein 60's Feuerwerk, daß lediglich aufgrund der professionellen
Produktion erahnen läßt, daß es sich hier nicht etwa
um alte bisher unentdeckte Perlen handelt, sondern um eine hervorragende
Retroband. Wenn von den insgesamt 4(!) Sängern die drei Damen zum
Zug kommen, fühlt man sich an die glämorösen Zeiten der
legendären Motown-Legende SUPREMES errinnert. Aber auch Sänger
Bill entlockt seinem angerauten Organ eine Athmosphäre, die begleitet
von dem 4 köpfigen Bläsersatz fast schon beängstigent authentisch
wirkt. Einfach klasse. Doing fine? Yes, you did! (stb)
IDLEWILD
100 broken windows
EMI
Da gab es 1995 einmal 4 junge Typen, denen war es in der schönen
Stadt Edinburgh sowas von langweilig, daß sie sich in ihren Übungsraum
zurückzogen und sämtliche wichtigen Grungeplatten rückwärts
hörend nach satanischen Versen abhörten. Nur die handvoll R.E.M.
Scheiben, die der
schüchterne Sänger Roddy verstohlen mit einem Dackelblick aus
seinem Gitarrenkoffer zauberte, wurden richtig herum angehört. Von
nun an versuchten sie die Geräusche und Kulissen von intelligentem
Pop und Jugendrevolution auf ihren Instrumenten nachzuahmen. Wichtig ist
jedoch,
dabei niemals böse drein zuschauen, höchstens gelassen. Auf
ihrem zweiten Album schaffen die Schotten eine schönen Spaziergang:
Sie holen ASH zum Tee ab, fragen bei SONIC YOUTH noch mal nach dem Weg
und fahren ansonsten mit Sonnenbrillen durch das nächtliche London.
Gebe es mehr Bands wie IDLEWILD wäre der Bergriff Brit-Pop nicht
zu einem Schimpfwort verkommen, sondern zu einem Gütesiegel geworden.
Hausaufgaben gemacht. Note 1- (stb)
DIPSOMANIACS
Braid of knees
Stickman Records
Ringo hatte schon immer viel Sinn für Humor. Er klopfte Oyvind auf
die Schulter, lächelte verschmitzt und gab ihm folgende Worte mit
auf den Weg. "Weißt du, wenn die anderen nicht dauernd rumzicken
würden, geb's uns schon längst wieder. Falls wir es irgendwann
gebacken bekommen, werden wir Dir eine John Lennon-Maske aus Latex aufziehen
und Du bist dabei!" Das war vor 8 Jahren. Leider verlor Ringo bei dem
anschließenden norwegischen Saufgelage Oyvinds Nummer, so daß
er sein Versprechen nie einhalten konnte. Leicht frustiert, aber mit Ideen
aus sämtlichen BEATLES Alben gedopt, veröffentlicht der Trondheimer
Querkopf ein geniales Psychedelic-Beat-Pop-Gittaren-Meisterwerk, wo einem
die Spucke wegbleibt. Schlimmer noch, Noel Gallagher ist beleidigt. Gebe
es SIE noch, würden sie heute so klingen. Kein Plagiat, sondern Genialität
im ehrfürchtigen Spirit. Ringo gibt mir recht und fragt mich nach
der Nummer. (stb)
GROUPIE
Minigolfen
Enola records
Charmant, charmant. Songs über das einzige was die Männerwelt
am Ende doch wirklich interessiert: Die Liebe. Die Hamburg-Hannover Connection
GROUPIE schreibt wunderschöne deutschsprachige Popsongs mit harten
Gitarrenkanten, die ab und dann durch die melancholischen Songstrukturen
aufblitzen. Diese führen von ganz allein dazu, daß man
sich dabei ertappt, wie man gerade mit dem Fuß unter dem Tisch versucht
mitzustampfen. Eine Scheibe für den Sommer und für die Zeit
wenn die Liebe irgendwie schon wieder begraben wurde. Die 5 Jungs geben
einen Eindruck was aus den Spacken TOCOTRONIC einmal werden könnte,
falls sie irgendwann ihre Instrumente beherrschen sollten. Dezente Keyboards
weben sich unaufdringlich in die Visionen von Sänger und Songwriter
Thomas Esser ein und ab und zu spürt man eine sanfte Brise NIRVANA,
die aus dem gleichen den Jungs bei den Aufnahmen über die Schulter
geschaut haben. Allerdings Nena's "Nur geträumt" auf Country - dafür
muß man schon ein reichlich bekloppt sein.(Stb)
THE INCITERS
Doing fine
Elmo Records
Wow! Es groovt, es swingt, es hat Seele und seine eigene läuft man
dabei ständig Gefahr vor lauter Überschwenglichkeit zu verlieren.
Die INCITERS kommen aus San Francisco und haben sich mit aller Hingabe
dem Nothern-Soul verschrieben. Mit nicht weniger als 11 Leuten ausgestattet,
entfachen sie ein 60's Feuerwerk, daß lediglich aufgrund der professionellen
Produktion erahnen läßt, daß es sich hier nicht etwa
um alte bisher unentdeckte Perlen handelt, sondern um eine hervorragende
Retroband. Wenn von den insgesamt 4(!) Sängern die drei Damen zum
Zug kommen, fühlt man sich an die glämorösen Zeiten der
legendären Motown-Legende SUPREMES errinnert. Aber auch Sänger
Bill entlockt seinem angerauten Organ eine Athmosphäre, die begleitet
von dem 4 köpfigen Bläsersatz fast schon beängstigent authentisch
wirkt. Einfach klasse. Doing fine? Yes, you did! (Stb)
IDLEWILD
100 broken windows
EMI
Da gab es 1995 einmal 4 junge Typen, denen war es in der schönen
Stadt Edinburgh sowas von langweilig, daß sie sich in ihren Übungsraum
zurückzogen und sämtliche wichtigen Grungeplatten rückwärts
hörend nach satanischen Versen abhörten. Nur die handvoll R.E.M.
Scheiben, die der schüchterne Sänger Roddy verstohlen mit einem
Dackelblick aus seinem Gitarrenkoffer zauberte, wurden richtig herum angehört.
Von nun an versuchten sie die Geräusche und Kulissen von intelligentem
Pop und Jugendrevolution auf ihren Instrumenten nachzuahmen. Wichtig ist
jedoch dabei niemals böse drein zuschauen, höchstens gelassen.
Auf ihrem zweiten Album schaffen die Schotten eine schönen Spaziergang:
Sie holen ASH zum Tee ab, fragen bei SONIC YOUTH noch mal nach dem Weg
und fahren ansonsten mit Sonnenbrillen durch das nächtliche London.
Gebe es mehr Bands wie IDLEWILD wäre der Bergriff Brit-Pop nicht
zu einem Schimpfwort verkommen, sondern zu einem Gütesiegel geworden.
Hausaufgaben gemacht. Note 1- (stb)
DIPSOMANIACS
Braid of knees
Stickman Records
Ringo hatte schon immer viel Sinn für Humor. Er klopfte Oyvind auf
die Schulter, lächelte verschmitzt und gab ihm folgende Worte mit
auf den Weg. "Weißt du, wenn die anderen nicht dauernd rumzicken
würden, geb's uns schon längst wieder. Falls wir es irgendwann
gebacken bekommen, werden wir Dir eine John Lennon-Maske aus Latex aufziehen
und Du bist dabei!" Das war vor 8 Jahren. Leider verlor Ringo bei dem
anschließenden norwegischen Saufgelage Oyvinds Nummer, so daß
er sein Versprechen nie einhalten konnte. Leicht frustiert, aber mit Ideen
aus sämtlichen BEATLES Alben gedopt, veröffentlicht der Trondheimer
Querkopf ein geniales Psychedelic-Beat-Pop-Gittaren-Meisterwerk, wo einem
die Spucke wegbleibt. Schlimmer noch, Noel Gallagher ist beleidigt. Gebe
es SIE noch, würden sie heute so klingen. Kein Plagiat, sondern Genialität
im erfürchtigen Spirit. Ringo gibt mir recht und fragt mich nach
der Nummer. (Stb)
IDLEWILD
100 broken windows
EMI
Da gab es 1995 einmal 4 junge Typen, denen war es in der schönen
Stadt Edinburgh sowas von langweilig, dass sie sich in ihren Übungsraum
zurückzogen und sämtliche wichtigen Grungeplatten rückwärts
hörend nach satanischen Versen abhörten. Nur die handvoll R.E.M.
Scheiben, die der schüchterne Sänger Roddy verstohlen mit einem
Dackelblick aus seinem Gitarrenkoffer zauberte, wurden richtig herum angehört.
Von nun an versuchten sie die Geräusche und Kulissen von intelligentem
Pop und Jugendrevolution auf ihren Instrumenten nachzuahmen. Wichtig ist
jedoch, dabei niemals böse drein zuschauen, höchstens gelassen.
Auf ihrem zweiten Album schaffen die Schotten eine schönen Spaziergang:
Sie holen ASH zum Tee ab, fragen bei SONIC YOUTH noch mal nach dem Weg
und fahren ansonsten mit Sonnenbrillen durch das nächtliche London.
Gebe es mehr Bands wie IDLEWILD wäre der Bergriff Brit-Pop nicht
zu einem Schimpfwort verkommen, sondern zu einem Gütesiegel geworden.
Hausaufgaben gemacht. Note 1- (stb)
SUGAREEN
Ready, steady, go!
Enola Records
Karin hatte nichts mehr zu verlieren. Sie packte ihre Sachen, kaufte sich
ein Ticket nach Deutschland und ließ New York weit hinter sich.
In Göttingen gestrandet, fand sie ein paar lustige Typen, die Lust
auf auf Pop hatten, trashigen Pop mit einer Brise B-52's. Unter dem Namen
CELESTIAL DAFFODILS schrammelte man sich durch einen Mikrokosmos von schrulligen
Melodien, Beat-Akkorden und einer spacigen Orgel. Dann gewann man den
Local Heroes Wettbewerb und wusste einfach zu bezaubern. Nun kam ein Brief
von den CRANBERRIES in dem stand, sie sollten endlich aufhören, bessere
Musik als sie zu machen. Das würde ganz schön nerven. Um nicht
als Zielscheibe von Briefbomben zu enden, tauchten sie unter und operieren
fortan unter neuem Namen. Der Trash ist ein wenig gewichen und bricht
nur noch selten durch. Es bleibt mehr Raum für ausgearbeitete Kompositionen
und Karins schöne Stimme. Jetzt haben die Iren den Betrug mitbekommen
und sind ganz schön sauer. Was soll's? (stb)
NO BOUNDS
Get_what_you_deserve
Enola Records
"Gib mir das Mikrofon!" Michèle hatte die Nase voll. Bei diesem
Karaoke-Wettbewerb waren bisher nur Pappnasen am singen. Sie wählte
»Weak« von SKUNK ANANSIE und brachte den Pöbel zum Schweigen.
Danach wollte niemand mehr singen und der DJ stand nur noch ratlos hinter
seinen Reglern. Die gewonnene Flasche Sekt köpfte sie noch an der
Theke und trank sie mit drei nett dreinschauenden Jungs. Später beschlossen
sie ab sofort die Ungläubigen auf der Welt mit hartem Crossover und
guten Melodien zu bekehren. Sie hatten von einer Band namens GUANO APES
gehört, die konnten das ganz gut. Zwei Jahre nach diesem Abend steht
ein kleines Mädchen auf der Strasse in Ratingen und ruiniert sich
die Ohren mit der auf einem Diskman bei voller Lautstärke laufenden
Scheibe von NO BOUNDS. "Ich will auch mal so gut singen können!"
sagt sie. Dann schließt sie verzückt die Augen und verschwindet
tanzend in der Dunkelheit. (stb)
LACK OF LIMITS
Doubtfool
Eigenvertrieb
Das Whiskey-Glas war noch nicht ganz leer, da wurde schon die nächste
Runde bestellt. Diese Folk-Rocker waren wirklich hart im nehmen. Seit
vier Stunden ging das nun schon so. Vor allem aber die zierlich aussehende
Geigerin, die trank alle unter den Tisch. Auf dem Fernseher in der Kneipe
lief gerade ein Musikvideo der LEVELLERS. Die Horde stimmte fröhlich
in den Song ein. Danach standen alle auf, nahmen ihre Instrumente und
spielten was das Zeug hält. Der Saal verwandelte sich in eine Tropfsteinhöhle,
in der die tanzende Menge noch nicht mal bemerkte, daß der Sänger
in Sandalen auf die ehrenwerte Bühne ihrer Biker-Kneipe gestiegen
war. Eigentlich ein Skandal, aber es hat ja niemand gesehen. Statt dessen
sangen sie zusammen Irische Traditionals bis in die frühen Morgenstunden.
Wer danach noch stehen konnte, musste sich mit der Band beim anschließenden
Drink-Contest messen. Gegen sechs Uhr war niemand mehr außer den
Oldenburgern bei Bewußtsein. Sie schrieben dem Wirt "Bis nächstes
Jahr" auf einen Bierdeckel und fuhren heim. (stb)
CREMATORY
Believe
Nuclear Blast
CREMATORY wurde 1991 gegründet und avancierten innerhalb kurzer Zeit
zu einer der erfolgreichsten Gothic-Metal Bands Deutschlands. Nach fast
zehnjährigem Bestehen haben sie sich auch im Ausland etabliert. Ihre
Musik animiert zum wilden Hüpfen und "Headbangen", sie entführt
den Hörer in eine andere Welt. Diese meist sehr langen Tracks sind
atmosphärisch. Die CD bietet neben »Fallen«, wozu bereits
ein Videoclip produziert wurde, andere unvergessliche Stücke, wie
»Endless«, »Take« oder »Time for Tears«.
Der Eingangstrack »Redemption of Faith« ein deutscher Text
gesungen mit einer rauchig düsteren Stimme erinnert an die Musik
von RAMMSTEIN, doch die CD hat weit mehr zu bieten: Viele Songs
werden mit heiterer ruhiger Stimme oder Klavier- und Streicherklängen
eingeleitet. Der Übergang in den schroffen Gesang und die harten,
schnellen Gitarrenklänge ist perfekt gelungen. Diese Musik lebt von
ihren Gegensätzen. Nicht nur die Stilrichtungen, sondern auch die
Sprachen werden reizvoll kombiniert, wie bei »Take«. Der unvergessliche
englische Männergesang erinnert zeitweise an die Musik von BLIND
GUARDIAN. »Believe«, das neue Meisterwerk von CREMATORY
ist ab dem 11. September im Handel erhältlich. Das Album ist sicherlich
ein Vergnügen sowohl für CREMATORY-Fans als auch für Hörer,
die die Band bisher nicht kannten. Die Albumveröffentlichung wird
unterstützt von der großen Nuclear Blast European Festival-Tour
zusammen mit (Großschreibung:) Destruction, Hypocrisy, Raise Hell
& Kataklysm! (vb)
JOHN WILLIAMS
The Patriot Original Motion Pictures Score
Centropolis Records
John Williams, der erfolgreichste Soundtrack-Komponist (»Star Wars«,
»E.T.«) und mehrfache Oscar-Preisträger, hat auch die
Musik zum Kinofilm »Der Patriot« geschrieben. Es war die erste
Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Regisseur Roland Emmerich und Williams.
Die Musik ist von der ersten bis zur lezten Sekunde aufwendig und atmosphärisch.
Schon im Eingangstrack lädt die gefühlvolle Streicher-Musik
zum Träumen ein. Die Musik unterstreicht die Stimmung im Film sehr
gu: Mal ist die Musik siegessicher und selbstbewußt (wie in
»Preparing for Battle«), dominiert von Fanfaren und Trommelschlägen,
welche die Schlacht ankündigen, mal leise und schleichend wie Feuer
bei »Burning of the plantations«. Am stärksten ist der
Tack »Martin vs. Tavington«. Der Soundtrack macht Lust auf
den Film, denn jedes Stück scheint nicht nur gemacht, um eine Filmszene
zu untermalen, sondern um diese zu erzählen. Es ist nicht nur Musik
für die große Leinwand, sie macht auch Vergnügen zu Hause.
Nach dem Resultat zu urteilen, war es hoffentlich nicht die letzte. Sicher
hat sich John Williams mit dieser CD für weitere Grammies oder Golden
Globe Awards qualifiziert. (vb)
RYKER'S
From the cradle to the grave
Century Media Records
Kid D. hatte eine Idee. Er tippte seinen Kumpanen auf die Schulter und
schaute einmal böse und alles war klar. Damals wußte noch niemand,
daß diese Geste ausreichte, um zu Europas führenden Export-Artikel
in Sachen Hardcore zu werden. Seit 1992 bemühen sich die vier Kasseler
nun stätig mit jedem Konzert erneut ihre Instrumente zu Kleinholz
zu verarbeiten und sich die Seele aus dem Leib zu brüllen. Nach 5
Studio-Cds erscheint nun ein Best of Live-Album, aufgenommen bei
Konzerten im April 2000 in Holland. Mit dabei außerdem eine Multimedia-CD
mit neuen Songs, Videos und Coverversionen von AC/DC bis ACCCEPT. Dieses
energiegeladene Dokument wird das letzte Lebenszeichen der Band sein.
Man hat sich entschlossen die Gruppe auf dem Höhepunkt des Erfolgs
aufzulösen, um nicht an Qualität zu verlieren. Ein Abschied,
der schmerzt und eine große Lücke hinterlassen wird. Aber Kid
D. hat eine Idee und er schaut schon wieder böse. (stb)
ELLIOT SMITH
Figure 8
Dreamworks Records
Der Regen schlug gegen die Windschutzscheibe. Sie musste den Scheibenwischer
eine Stufe höher stellen, um gegen dieses Unwetter überhaupt
noch anzukommen. Zurück würde sie bestimmt nicht fahren. Nicht
zurück in diese Leben und erst recht nicht zurück zu ihm. Aus
dem Radio fragte jemand: "Wouldn't Mama be proud?" Eine behutsame Stimme
wie John Lennons verschollener Bruder, ein Song der in den BEATLES-Archiven
vergessen wurde, ein Gefühl einen alten Freund getroffen zu haben.
Sie fuhr an den Straßenrand und hörte den Song zu Ende. Dann
konnte sie die Tränen nicht länger zurückhalten. Das war
mit Sicherheit der schwärzeste Tag in ihrem Leben und dieses das
schönste Lied, daß sie seit Jahren gehört hatte. Der Sänger
hieß Elliot und kam aus Portland/Oregon. Wunderschöner Gitarrenpop
mit Hang zur Melancholie. Sie nahm ihr Telefon und wählte ihre Nummer.
"Mum? Ich bin..." (stb)
THE WEAKERTHANS
Left and leaving
B.A. Records
Kanada ist ein verflucht großes Land. John tourte sich seit Jahren
den Ar... ab mit seiner Punkkapelle PROPAGANDHI. Jeden Abend ein wilder
Mob vor der Bühne und jeden Abend die Gefahr, daß sich irgendein
Verrückter Dich als Opfer ausgesucht hatte. Davon abgesehen hatte
er die Nase von Holzfäller-Hemden echt gestrichen voll. John brauchte
Luft. Er brauchte das Gefühl zu leben. Fortan zog er mit drei Freunden
durch die Welt und spielte, was er am besten kann: Sehr britischen Gitarrenrock
mit einer Brise WANNADIES, der zwar ab und zu wild ausbricht, um sich
Gehör zu verschaffen, dann aber wieder so ruhig und zerbrechlich
klingt, daß man vor Ehrfurcht den Atem anhält. Da waren dann
sogar TOCOTRONIC sprachlos und es blieb ihnen nichts anderes übrig,
sie im vergangenen Jahr als Support zu verpflichten. Vielleicht sollten
all diese arroganten Britpop-Bands nach Kanada auswandern oder Johns Gitarren-Fernschule
besuchen. Was lernen können sie allemal. (stb)
DJ KOZE
Music is okay
(Yo Mama)
"Music is okay" - DJ KOZE ist gut, sogar richtig gut.
Der Hamburger, der als DJ und Rapper der Hamburger HipHop-Spass-Combo
FISCHMOB zum ersten Mal medien-wirksam in Erscheinung trat, zeigt uns
auf seinem Solo-Album, das er neben HipHop auch massiv mit elektronischer
Musik umgehen kann. KOZE, der letztes Jahr zum DJ des Jahres der SPEX-LESER
ernannt wurde (zu recht), legt mit "music is okay" seine Bestandsaufnahme
der Zeit ohne Fischmob vor, in der vor allem für die Hamburger Musik-Szene
zahlreiche Remixe anfertigte - und genau diese sind auf dem Langspieler
zu hören: Tocotronic, Egoexpress, Fünf Sterne Deluxe, Rocko
Schamoni, Visit Venus in the mix - die Orginale gehen quer durch alle
Musikstile, bei Koze sind sie vor allem elektronische Gewänder gehüllt
worden. Und wenn selbst Blumfelds ruhiges "Tausend Tränen tief" mit
tiefen Bässen von Steve Bugs "Loverboy" passend beschleunigt wurde,
weiß der Hörer, in Hamburg geht alles. Kaufen! (nn)
DIVERSE
Hi-Fidelity Dub Sessions: Chapter 2
Guidance/EFA
Dem Dub wird kontinuierlich auf exzellenten Samplern gehuldigt. Gerade
erst versammelte das sechste Kapitel der King Size Dub-Reihe (Echo Beach)
nette Häppchen ausgewählter Dub-Arrangeure. Jetzt setzt Guidance
seine Hi-Fidelity Dub Sessions mit einigen sehr interessanten Tracks der
neueren Dub-Szene fort. Rootical Sound, Kieser Velten, I:Cube, Indian
Ropeman, Dubphonic und andere haben gebastelt, was das Zeug hält.
Doch bei all der Tüftelei bleiben die meisten der 12 Titel auf dem
Teppich und verlieren sich nicht in beliebigen Spielereien. Auffallend
ist zudem, dass Traditionen des jamaikanischen Roots-Dub eher ihren Eingang
in die Kompositionen gefunden haben als drum&bass-Loops. Dennoch kann
von Retro-Dub ganz und gar nicht die Rede sein. Vielmehr werden Wege gesucht,
den Dub standesgemäß ins 21. Jahrhundert zuFCberführen.
Herausragend sind dabei »Liberation Dub« von der Groove Corporation,
»Chocolate Elvis« von Tosca aus Wien und das Uptight Sound
System mit ihrem »Righteous Dub«. Ein Tipp für alle Dubheads!
(kf)
ELLIOT SMITH
Figure 8
Dreamworks Records
Der Regen schlug gegen die Windschutzscheibe. Sie musste den Scheibenwischer
eine Stufe höher stellen, um gegen dieses Unwetter überhaupt
noch anzukommen. Zurück würde sie bestimmt nicht fahren. Nicht
zurück in diese Leben und erst recht nicht zurück zu ihm. Aus
dem Radio fragte jemand: "Wouldn't Mama be proud?" Eine behutsame Stimme
wie John Lennons verschollener Bruder, ein Song der in den BEATLES-Archiven
vergessen wurde, ein Gefühl einen alten Freund getroffen zu haben.
Sie fuhr an den Straßenrand und hörte den Song zu Ende. Dann
konnte sie die Tränen nicht länger zurückhalten. Das war
mit Sicherheit der schwärzeste Tag in ihrem Leben und dieses das
schönste Lied, daß sie seit Jahren gehört hatte. Der Sänger
hieß Elliot und kam aus Portland/Oregon. Wunderschöner Gitarrenpop
mit Hang zur Melancholie. Sie nahm ihr Telefon und wählte ihre Nummer.
"Mum? Ich bin..." (stb)
THE WEAKERTHANS
Left And Leaving
B.A. Records
Kanada ist ein verflucht großes Land. John tourte sich seit Jahren
den Ar... ab mit seiner Punkkapelle PROPAGANDHI. Jeden Abend ein wilder
Mob vor der Bühne und jeden Abend die Gefahr, daß sich irgendein
Verrückter Dich als Opfer ausgesucht hatte. Davon abgesehen hatte
er die Nase von Holzfäller-Hemden echt gestrichen voll. John brauchte
Luft. Er brauchte das Gefühl zu leben. Fortan zog er mit drei Freunden
durch die Welt und spielte, was er am besten kann: Sehr britischen Gitarrenrock
mit einer Brise WANNADIES, der zwar ab und zu wild ausbricht, um sich
Gehör zu verschaffen, dann aber wieder so ruhig und zerbrechlich
klingt, daß man vor Ehrfurcht den Atem anhält. Da waren dann
sogar TOCOTRONIC sprachlos und es blieb ihnen nichts anderes übrig,
sie im vergangenen Jahr als Support zu verpflichten. Vielleicht sollten
all diese arroganten Britpop-Bands nach Kanada auswandern oder Johns Gitarren-Fernschule
besuchen. Was lernen können sie allemal. (stb)
FÜNF STERNE DELUXE
Neo.Now
Yo Mama's Recordings
Das 97-Debütalbum »Sillium« und die beiden aktuellen
Vorab-Singles » Ja,Ja...Deine Mudder« und »Die Leute«
haben Lust auf neuen Stoff aus Hamburg-City gemacht, auf respektlosen
Spaß-HipHop von den FÜNF STERNEN. Nun liegt das Album vor,
und ich weiß eigentlich nicht genau, was ich damit machen soll.
Eine obskure Mischung haben hier der Tobi und das Bo mit ihren Leuten
zusammengestellt: Nach guter alter Hamburger-HipHop-Schule wird hier zwischen
geschnackt oder auch kurze Joint-Hymnen (»I like to smoke«)
zwischen den einzelnen Tracks platziert - doch richtig lustig ist das
Ganze auch nach mehrmaligen Hören nicht. Nur wenige Nummern erreichen
das Niveau der Single-Auskopplungen (»Ja,Ja...« hier in einem
coolen DJ Punk-Roc RMX). Schade! Leider diesmal nur Mittelmaß: Hamburg,
fünf Punkte! (nn)
THE BUTLERS
Fight Like A Lion
Grover Records
Diese Dinger können ganz schön heiß werden... Wanja heulte
kurz auf als er sich die Finger an der Röhren-Orgel verbrannte.
Doch keine Zeit zum Jammern. Der Mob tobte und er mußte zurück
nach vorn ans Mikro. Der schweißdurchtränkte, klebrige Haufen
Fleisch vor der Bühne schrie und tanzte nach Ska und den sollte er
auch bekommen. Der Bläsersektion fegte sich durch die Roots-Kompositionen
und verhalf einem unmittelbar vor der Bühne stehenden Halbtauben
wieder zu Hörgenuß. Er grinste und war erleuchtet. Nächser
Song Up-Tempo. Irgendein Spaßvogel riß einen Leuchter beim
Springen von der Decke und benutzte ihn anschließend als imaginäre
Tanzpartnerin. Bei Bob Marleys »Soul Rebel« drehte er schließlich
völlig durch und sprang nackt durch den Raum. Nachdem er später
den Schadenersatz beim Wirt bezahlt hatte und aufgebrachte Jungs beruhigt
wurden, blieb gerade noch genug Geld für das neue Album der 8 Berliner.
Jetzt reißt er zuhause immer die Strahler von der Decke. Seine Nachbarn
wissen jetzt auch was Ska ist. Gerüchten zu folge wollen sie nächstes
mal sogar mitgehen. (stb)
THE SUICIDE MACHINES
The Suicide Machines
Hollywood Records
Ryan trommelte erst seit kurzem in der Band. Die anderen drei hatten ihn
praktisch von vor der Bühne auf die selbige verpflichtet. Er konnte
es gar nicht richtig fassen. Die Detroiter Punker waren schon immer seine
absoluten Favourites. Jetzt war er sogar schon mit ihnen im Studio. Auf
die alten und ausgetretenen Wege hatten die anderen keinen Bock mehr und
so schlugen sie eine Richtung ein, die mehr nach britischen Pop-Punk klang
als nach dem skalastigen Material der beiden Vorgängeralben. Eine
Freundin hat er jetzt auch, sie verliebte sich bei dem wunderschönen
»Extraordinary« Hals über Kopf in ihn, als er das 20
Mann-Orchester dirigierte. Als schließlich der Hund von Bassist
Royce krank wurde, schrieb dieser einen Song für ihn: »Sometimes
I don't mind«. Wer kennt schon Hunde für die Hitsingles geschrieben
werden? Royce schien keine Freundin zu haben. Dem Hund geht's übrigens
wieder bestens... (stb)
THE WALLFLOWERS
Breach
Interscope
Spätestens nach dem zweiten Album »Bringing Down The Horse
«, dürfte wirklich der allerletzte Kritiker mit dem gerne angeführten
Vermerk "Sohn von Bob Dylan" verstummt sein. Jakob Dylan hat es selbst
geschafft. Zwei, mehr als gute Gründe, waren sicherlich »One
Headlight« oder »6th Avenue Heartache «, Rocksongs ohne
Verfallsdatum. Der Stoff, aus dem Klassiker gemacht sind! Dass Dylan nicht
auf jedem Album solche Sahnestücke versteckt, ist zu erwarten. Trotz
allem darf »Breach « als hervoragende Rockplatte bezeichnet
werden. Dylan hat es vorgezogen, jeden Song auf Akustikgitarre oder Piano
selbst fertigzustellen, um sie dann mit der Gruppe ins Bandkonzept zu
bringen. So sagt er auch sinngemäß: Egal wie hart die Band
gearbeitet hat, die Songs können auch wegen der Vorarbeit für
sich alleine stehen. Und das merkt man. Besonders bei Songs wie »Some
Flowers Bloom Dead« oder »Sleepwalker «, die nach mehrmaligen
Hören geradezu zu Ohrwürmern mutieren. Auch mit seinen Gastmusikern
wie Elvis Costello bei »Murder 101«, Frank Black von den Pixies
im Opener oder Mike Campbell, Tom Pettys Gitarrenwegbegleiter bei den
HEARTBREAKERS, gelingt Dylan hier ein ausgeruht klassisches Rockalbum.
(hs)
ETIENNE DE CRECY
Tempovision
V2
French House rules! Seit Jahren beweisen unsere Nachbarn, wie einfach
es für sie ist, gute und extrem tanzbare Musik zu machen. Mit verantwortlich
für die Flut von guten House-Tracks ist der Electro-Pionier Etienne
de Crecy, der seit gut zehn Jahren - meist hinter den Kulissen - an den
Reglern dreht. Auf sein Konto gehen u.a. die Compilation-Reihe Super Discount
und einige Werke seines langjährigen Weggefährten Alex Gopher.
Doch nun hat sich dieser Mann selbst mal in den Vordergrund getraut. Und
mit seinem Erstlingswerk TEMPOVISION, auf dem ein breites Spektrum an
elektronischen Einflüssen und Stile gekonnt zusammengebastelt wurde,
braucht er sich auch nicht zu verstecken: House Grooves, Jazzsamples,
Blues und Soul - hier regieren keine kühlen elektronischen Signale,
sondern Wärme und Gefühl, und das alles in relaxter Stimmung.
Die mit so etwas wenig anfangen können, werden mit dem obligatorischen
House-Burner »Am I wrong« verwöhnt. Die anderen werden
diese Platte stetig im Einsatz haben, auf dem Sofa liegend für kalten
Wintertage und für das rhythmische Popo-Kreisen auf dem Dancefloor!
(nn)
KREIDLER
Kreidler
Wonder/EFA
Irgendetwas tickt und klimpert in meinem Player vor sich hin. Was beim
ersten Hören noch als unwirkliches elekronisches Klangwirrwarr, als
plinkernde Töne abgetan wurde, kristallisiert sich erst nach und
nach als feine Songs, als durchdachte Kompostionen heraus. Die Herren,
die hier am Werk waren, hören auf den Namen KREIDLER und werden zusammen
mit den elektronischen Übervätern KRAFTWERK und anderen Gruppen
wie LA DÜSSELDORF in die musikalische Schublade Krautrock gesteckt.
Aber das Einzige, was die Klangtüftler neben elektronischen Tönen
gemeinsam haben, ist wahrscheinlich die Rheinmetropole als Heimatstadt.
KREIDLER haben mit ihrem gleichnamigen Album keinen Meilenstein gesetzt,
sie haben Musik gemacht. Und das ist für ein elektronisches Klangkonglomarat,
das man beim ersten Hören noch als Rumklimperei abgewertet hat, ein
Kompliment. Zaghafte, melancholische Melodien, Klangflächen und leiche
Housebeats sind in das Repertoire mit aufgenommen worden, verschmelzen
hier zu einer intelligenten Mischung. Interessant! (nn)
THE BUTLERS
Fight Like A Lion
Grover Records
Diese Dinger können ganz schön heiß werden... Wanja heulte
kurz auf als er sich die Finger an der Röhren-Orgel verbrannte.
Doch keine Zeit zum Jammern. Der Mob tobte und er mußte zurück
nach vorn ans Mikro. Der schweißdurchtränkte, klebrige Haufen
Fleisch vor der Bühne schrie und tanzte nach Ska und den sollte er
auch bekommen. Der Bläsersektion fegte sich durch die Roots-Kompositionen
und verhalf einem unmittelbar vor der Bühne stehenden Halbtauben
wieder zu Hörgenuß. Er grinste und war erleuchtet. Nächster
Song Up-Tempo. Irgendein Spaßvogel riß einen Leuchter beim
Springen von der Decke und benutzte ihn anschließend als imaginäre
Tanzpartnerin. Bei Bob Marleys »Soul Rebel« drehte er schließlich
völlig durch und sprang nackt durch den Raum. Nachdem er später
den Schadenersatz beim Wirt bezahlt hatte und aufgebrachte Jungs beruhigt
wurden, blieb gerade noch genug Geld für das neue Album der 8 Berliner.
Jetzt reißt er zuhause immer die Strahler von der Decke. Seine Nachbarn
wissen jetzt auch was Ska ist. Gerüchten zu folge wollen sie nächstes
mal sogar mitgehen. (stb)
THE SUICIDE MACHINES
The Suicide Machines
Hollywood Records
Ryan trommelte erst seit kurzem in der Band. Die anderen drei hatten ihn
praktisch von vor der Bühne auf die selbige verpflichtet. Er konnte
es gar nicht richtig fassen. Die Detroiter Punker waren schon immer seine
absoluten Favourites. Jetzt war er sogar schon mit ihnen im Studio. Auf
die alten und ausgetretenen Wege hatten die anderen keinen Bock mehr und
so schlugen sie eine Richtung ein, die mehr nach britischen Pop-Punk klang
als nach dem skalastigen Material der beiden Vorgängeralben. Eine
Freundin hat er jetzt auch, sie verliebte sich bei dem wunderschönen
»Extraordinary« Hals über Kopf in ihn, als er das 20
Mann-Orchester dirigierte. Als schließlich der Hund von Bassist
Royce krank wurde, schrieb dieser einen Song für ihn: »Sometimes
I don't mind«. Wer kennt schon Hunde für die Hitsingles geschrieben
werden? Royce schien keine Freundin zu haben. Dem Hund geht's übrigens
wieder bestens... (stb)
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