Alte Ww-Plattenkritiken (Teil 2)
Plattenkritiken aus dem Wildwechsel bis 1996


ACKERBAU & VIEHZUCHT
Neue Ernte
5 mal Punkwave mit einprägsamen, melodiösen deutschen Texten. Gut geeignet zum Mitgrölen bei schlechter Laune sowie zum Frust-Ablassen!  (vr)

AEROSMITH
Pandora's Toys
Sony
Ein Ableger der Pandora's Box ist der aktuelle Hitsampler der Luftschmiede. Wer den Backkatalog von Steven und Co. noch nicht kennt, liegt hier genau richtig!

ALAN PARSONS
Try Anything Once
Arista
Nach sechsjähriger Pause meldet sich Alan Parsons zurück - Kenner bemerken sofort, daß der Zusatz "Project" diesmal fehlt. In der Tat, der britische Sound-Bastler hat sich erstmals ohne seinen Partner Eric Woolfson ans Werk gemacht. Weiterhin fällt beim Blick aufs Cover sofort der Bezug auf alte PINK-FLOYD-Plattenhüllen auf - der Toningenieur von »Dark Side Of The Moon« möchte also "back to the roots". Kein Wunder, die 70er sind voll in Mode! Wenn man davon absieht, daß man alles in ähnlicher Form schon von Floyd, Oldfield, Genesis, Tull und natürlich Parsons kennt, ist das Werk das Beste, was man seit »Pyramid« vom Meister gehört hat. Die gähnende Langeweile der »Don't answer me«-Ära scheint endgültig abgelegt. Dazu trägt vor allem ein Mann bei: Der 10cc-Sänger Eric Stewart, der dem tiefgängig-behäbigen Parsons ab und zu mit einer kräftigen Prise britischem Humor auf die Sprünge hilft. Anspieltip: »Wine From The Water«. Empfehlung: Die Platte unter Kopfhörer genießen - am meisten versteht Klang-Zauberer Alan Parsons, der in diesem Jahr auch in Deutschland auf Tour geht, immer noch vom Mischen! (lj)

ALANNAH MYLES
A-LAN-NAH
Atlantic
Nach dem Superhit »Black Velvet« ist es ziemlich still um die aparte Hardrockerin geworden. Ihr zweites Album »Rockinghorse« (1992), das mit »Song Instead Of A Kiss« eine der poetischsten Rockballaden überhaupt enthielt, verschwand unverständlicherweise in der Versenkung. Jetzt ist sie mit einem hervorragenden dritten Album auf dem Markt, mit dem ihr nun hoffentlich die Annerkennung zuteil wird, die ihr eigentlich gebührt. Denn ihre Stimme hat hohen Wiedererkennungswert, ihre Songs sind perfekt, vielleicht zu glatt arrangiert. Aber es ist nicht nur der Starter »Mistress Of Erzulie«, der hinreißend in die Tanzbeine geht, sondern auch die Balladen und Bluesnummern, die beweisen, wieviel kompositorische Substanz hinter den Oberflächenreizen steckt und so die CD sogar als Alannahs bisher beste auszeichnet. (pw)

ALEXANDER HACKE
Filmarbeiten
RTD
Alexander Hacke, Gitarrist der Einstürzenden Neubauten, legt mit den Filmarbeiten sein erstes Soloalbum vor, das Überblick über sein Engagemant im Film gibt. Wie nicht anders zu erwarten ist Hackes Musik sperrig, besteht aus ungewöhnlichen Collagen, die sich zu Musik fügen. Gelingt es seinem Kollegen FM Einheit diese Collagen völlig stimmig zu produzieren, so schleicht sich bei Hacke manchmal ein etwas alberner Beigeschmack ein, den man wohlwollend auch als Selbstironie bezeichnen kann. Trotzdem, wenn man sich darauf einläßt, ist Hackes Musik nicht nur Filmmusik sondern auch für Musik für Filme im Kopf, und diese sind abwechslungsreich und ungewöhnlich.

ALIEN SEX FIEND
Open Head Surgery
spv
Sie wären gern die schlechteste Band der Welt, nein: des Universums, und inszenieren sich selbst stets gern in exzessiver Merkwürdigkeit. Die Veteranen der "Gothic"-Music haben aber genug spirituelle Power und elektronisches Know-How, um ihre überdrehte Mystik ein weiteres Album lang zu halten! Dabei fehlt glücklicherweise der blutige Ernst von Fields und Konsorten. Im Gegenteil - voll Selbstironie widmen sich die Jungs eine eigenartige Hymne namens "Alien Sex Fiend". Fazit: Im bewährten Stil geht's weiter, die Alien Sex Friends wird's freuen.Marilyn L.

ANNIHILATOR
King Of The Kill
Music for Nations/Rough Trade
Nach diversen Querelen hat ANNIHILATOR-Mastermind JEFF WATERS seine gesamte Mannschaft gefeuert. Auf seinem vierten Longplayer hat er nicht nur bis auf die Drums alles alleine eingespielt, sondern erstmals seit seligen Demotagen wieder selbst gesungen. Und das macht er bravourös - Hut ab! Die Songs stammten eh immer aus seiner Feder, und so enthält auch »King Of The Kill« alle Elemente, die für Jeff gute Musik ausmachen, in wohlausgewogener Mischung: Power (»Hell Is A War«, »21«), Melodie (»Catch The Wind«!), Aggressivität (»The Box«, »Fiasco«) und Gefühl (»Only Be Lonely« - leider nur auf dem Japan-Import enthalten). All diese Qualitäten vereint mein Favorit »Second To None« auf's Gelungenste, gekrönt vom besten Solo des Albums. Gerade diese Sahnekomposition zeigt überdeutlich, daß Mr. Waters, der live keinen Blick auf das Griffbrett seines Paddels verschwendet, nicht nur ein Spitzenmusiker ist, sondern auch ein begabter Schreiber und exzellenter Arrangeur. Fazit: Durch besagte Mischung und Jeffs Anspruch, in einem Song nie zweimal dieselbe Notenfolge zu spielen, sind und bleiben ANNIHILATOR die einzige Band, die auch bei Nicht-Speedfreaks Begeisterungsstürme auslösen kann. Jeff Waters sei Dank! (ms)

APHEX TWIN
Selected Ambient Works Vol. II
Rough Trade/WARP
»Treten Sie näher, meine Damen und Herren, nur keine Angst. ...Entspannen Sie sich und vergessen Sie am besten alles, was Sie bis heute an Musik gehört haben. Denn dies ist die Welt des APHEX TWIN. Hier gehen die Uhren anders,...«, so die Einleitung zum Presse-Info. Eine bessere Formulierung fiel mir zu dem neuen Werk des Techno-Stars APHEX TWIN alias Richard James auch nicht ein. »Selected Ambient Works Vol. II« ist in jeder Hinsicht eine Ausnahmeproduktion: es gibt keine Titel, sondern nur Symbole, obwohl James' Heimat der Techno ist, findet sich kein Beat in den Stücken. Kein Wort erreicht unsere Ohren. Ein weiteres Merkmal betrifft den unglaublichen Umfang dieser Arbeit. Fast drei Stunden können wir uns in der Welt von APHEX TWIN bewegen. Während unseres Aufenthaltes in diesem Kosmos von Klängen und Geräuschen werden unserer Fantasie Flügel verliehen. Richard James erzeugt mit den teils selbstgebastelten Instrumenten Sounds, um die ihn so mancher Science-Fiction-Autor beneiden würde. Obwohl es ein Fluß zu sein scheint, der durch unseren Kopf fließt, so kommt nicht eine Sekunde der Langeweile auf. Wer bisher geglaubt hat, die Arbeiten eines Brian Eno seien nicht zu übertreffen, der sollte unbedingt seinen Horizont mit dieser Doppel-CD oder dem 3-LP-Set erweitern. Bitte das Rauchen einstellen (??), anschnallen und zurücklehnen. (om)

ARLID ANDERSON
If You Look Far Enough
ECM
Arlid Anderson hat sich mit seinem naturalistischen Bass-Spiel in der Jazzszene bereits einen festen Platz gesichert. Grund genug, eine Soloproduktion in Angriff zu nehmen. Während der Konzeptionsphase jedoch traf Anderson mit Ralph Towner, Audrun Kleive und Nana Vasconcelos zusammen. Aus diesen Treffen entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit, die schließlich Eingang in Andersons CD fand. Die Musiker bieten ein reichhaltiges Programm, daß von schwimmenden Soundgebilden bis zu vollständigen Songs reicht. Vor allen Dingen die atmosphärischen Stücke haben ihren Reiz, was nicht heißt, daß der Rest der CD reizlos wäre. So ergeben sich zwischen den lyrischen Basstönen Andersons und den Percussions Vasconcelos Freiräume, die der Gitarrist Ralph Towners gekonnt melodisch auszufüllen versteht. Selten nur fällt die Spannungskurve ab, gleitet die Musik ins Seichte. Die Musiker bieten zwar nichts umwerfend neues, dafür schöne Musik, die dem aktuellen Akustiktrend folgt. Das Ganze ist sehr audiophil produziert, einen solch trockenen und lebendigen Kontrabassound hat man selten gehört.

ARUNA
Thousand Names Of The Divine Mother
Lichthaus Musik
Christian Bollmann ist aus der Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken. In den vergangenen 10 Jahren hat er sich zu einem der profiliertesten Obertonmusiker unserer Zeit entwickelt. Sowohl seine Arbeiten als "Leiter" des Oberton-Chores Düsseldorf, als auch seine Projekte bzw. Solo-Produktionen fanden internationale Anerkennung. Mit großem Erfolg hat er gerade seine dritte Komposition »Con-Sequenzen« für den Oberton-Chor uraufgeführt. Der Oberton-Chor Düsseldorf ist einer von zwei solcher existierenden Ensembles und Bollmann studierter Musiker und Komponist, ist wohl der erste Komponist, der in diesem Bereich konsequent arbeitet. ARUNA ist die jüngste Veröffentlichung, an der Bollmann mitgewirkt hat. Wie schon auf »Evolution« spielt er hier mit dem Obertonmusiker MICHAEL REIMANN zusammen. Dritte im Bunde ist die indische Sängerin ARUNA SAYEERAM. Seit einer Begegnung bei einem Konzert hat sich eine fruchtbare Zusammenarbeit ergeben. Wie auch »Evolution« ist »Aruna« in der Benedektinerabtei Meschede entstanden. Die einzigartike Akkustik dort ist ein idealer Ort, das schillernde Spiel der Obertöne zur Geltung zu bringen. ARUNA zeigt drei Musiker, die sich eines Vokabulars der Stille bedienen, die scheinbar aus dem Nichts Harmonien erzeugen. Da wird Ruhe verdichtet zu Tönen, die sich schwerelos ausbreiten, wie mit einer selbstverständlichen Übereinkunft zwischen den Musikern. Auch dem, der (wie ich) den esoterischen Hintergrund dieser Musik nicht teilt, wird diese (wie andere Bollmann Produktionen) CD eine beeindruckende Ruhe vermitteln und Ausflüge in ungeahnte Gefilde ermöglichen. (ce)

AVALON
Free Your Mind
Butlers Records
Die in unserer Region recht bekannte Folkformation AVALON bringt mit »Free Your Mind« nun ihre erste CD-Produktion auf den Markt. Mit Akustikgitarren, spärlichen Percussions und vor allem dem mehrstimmigen Gesang gelingt dem Quartett ein ungemein positives Album. Es erfrischt und gibt einem neue Kraft. Hört man zwar in manchen Passagen Anleihen an PETER, PAUL & MARY oder ein klein wenig SIMON & GARFUNKEL heraus, weist die Platte gerade für eine Erstproduktion eine sehr hohe Professionalität auf. Wer handgemachte, ehrlich Musik mag, dürfte an dieser Platte seinen Gefallen haben, zudem der Titeltrack des Albums von seiner Aussage und der Stimmung her auch 1969 hätte Woodstock eröffnen können - »Free Your Mind«! (hs)

BADESALZ
Alles Gute Von Badesalz
Sony Music
Wer kennt sie nicht, die beiden hässischn Laberköpp von Flatsch und den Rodgau Monotones (Gerd Knebel und Henni Nachtsheim)? Auf ihrem neuen Album ist wirklich alles Gute drauf: 36 mal mundartlicher Schwachsinn, immer am Abgrund der Dummheit. Zusätzlich zu den Sahnestückchen von BADESALZ gibt's fünf neue Stücke, die der Öffentlichkeit bisher noch nicht zugemutet wurden. Das zischt wie Abbelsaft! (sh)

BAP
Pik Sibbe
Electrola
Nach drei Jahren veröffentlichte Deutschlands Kölschband Nr.1 ihr elftes Album. Textlich äußert sich W.Niedecken diesmal ziemlich pessimistisch und richtet sich mit "Widderlich" scharf und eindeutig gegen unfähige Politiker. Musikalisch bleiben BAP ihrer Linie treu: Rock und R&B prägen wieder ihr Album, das mit den Songs "Wofür" und "Queen vun dä Ihrestrooss" aber auch Folk- bzw. Jazz-angehauchte Stücke enthält. "Pik Sibbe" eignet sich gut zum Entspannen und Frustablassen... (ome)

BAP
Wahnsinn - Die Hits von 79-95
EMI
Es ist mir wohl nicht vergönnt, mich mit dieser »Best of BAP« anzufreunden, denn es ist eben nicht nur einfach Rockmusik. Alle Platten von BAP transportieren eine Stimmung, auch wenn es mit den letzten Veröffentlichungen in dieser Hinsicht nicht allzuweit her war. Die mir vorliegende Zusammenstellung ist mir eine Nummer zu kühl, zu lückenhaft, zu chaotisch. Auch, wenn diese CD über 70 Minuten Spielzeit bietet, wird sie dem Gesamtwerk von BAP nicht gerecht, macht zu große Sprünge, läßt zu viele alte Highlights vermissen. 16 Jahre BAP-History sollte schon eine Doppel-CD wert sein. Na, es ist halt bald Weihnachten und da will man eben noch das eine oder andere Milliönchen auf den Gabentisch bekommen. (om)

BAREFOOT SERVANTS
Barefoot Servants
Sony
Mein Wunsch war es schon immer, in einen Musikclub zu kommen und dann eine Liveband zu hören, die so klingt wie die Musik der CD, die sich gerade im Laufwerk dreht. Laute Slidegitarren und eine Power-(Whiskey)-Röhre, die zum abtanzen einlädt. Was die Amerikaner BAREFOOT SERVANTS auf ihrer gleichnahmigen CD servieren ist einfach guter Blues Rock. Gleich der Opener »Jealous Man« würde jeder Open Air Party am Lagerfeuer einen Hauch aus den Südstaaten beigeben. Tonnenschwerer Blues Rock und dann wieder diese einfühlsamen Balladen! Für mich das absolute Highlight der CD ist das in einem Take aufgenommene »Blackbird«, eine Ballade, die verträumt, aber auch richtig aufbrausend in die Gehörgfänge geht! Ohne große Durchhänger kann man diese CD jedem Musikfan aus dem Bereich Blues bis melodiöser Hardrock ans Herz legen. Ideal für Feten!!! (hs)

BE-ZET
Blue lllusion
Eye-Q-Records
Steve Be-Zet, als Producer und Remixer aus Frankfurter Gefilden wohlbekannt, hat hier "old school france" allererster Güteklasse produziert. Klangvolle, voluminöse Flächen, die Dich wegschieben bzw. wegblasen, schließt Du zu lange die Augen beim Hören.

BEASTIE BOYS
Ill communication
Capitol
Mit Hits wie »Fight For Your Right« und no »No Sleep Till Brooklyn«, die auf dem Erfolgsalbum »Licensed To Ill« 1986 erschienen, sind die BEASTIE BOYS wahrscheinlich jedem hinreichend als weiße Rap-Band bekannt. Obwohl die Band seit ihrem Erstling mittlerweile zwei weitere Alben herausbrachte, konnte sie bislang keine ähnlichen Erfolge erziellen. Ihr neues Werk knüpft nahtlos an den Vorgänger »Check Your Head« an und läßt eine positive Entwicklung erkennen. Die New Yorker haben einen harten, zum Teil  aggressiven Sound auf ihr Album gebracht, und arbeiten mit einer Vielzahl von Instrumenten. Beim Anhören dieser sehr lebendigen Musik spürt man regelrecht, welchen Spaß die BEASTIE BOYS bei der Produktion von »Ill Communication« hatten. (ar)

BECK
One Foot In The Grave
semaphor/Klp
Mit »I'm A Loser Baby, So Why Don't You Kill Me« enterte er unerwartet die Charts der Welt. Dem Debütalbum »Mellow Gold« folgt nun eine Scheibe, die allen eventuellen Vorwürfen der Kommerzialisierung entgegensteht. Da wird mit verstimmter Gitarre der Blues gezupft oder mit minimalistischen Mitteln ein phantastisches »Sleeping Bag« gesungen. Nichts scheint Beck Hansen heilig, und so hagelt es nur so musikalische Zitate. Dieser kreative Hang zum Dilettantismus ist eine längst überfällige Erfrischung für die vor sich hin lullende Rockwelt. (om)

BELPHEGOR
The Last Supper
INCANATION
Mortal Throne Of Nazarene
Nuclear Blast
Kaum, daß das Hardcoreding in der Metalszene unübersehbare Spuren hinterläßt, bildet sich schon eine Gegenbewegung: extremer satanistischer "No Fun" Death Metal. Zwei Exemplare dieser besonderen Form der Ambient Music sind BELPHEGOR und INCANATION. BELPHEGOR kommen aus Österreich. Ihr »Last Supper« fand seinen Weg aufs Band im Bühner Stage One Studio. Tiefschwarze Brühe, mal schnell, mal langsam gerührt, gelegentlich stockt die Soße mächtig, um dann so richtig ins Rotieren zu geraten, was der Sänger (sonst eher in gutturalen Grunzegefilden aktiv) meist mit frostigen Schreien quittiert. Hat was und ist sowohl für Gelegenheitssatanisten als auch für Fanatiker ein heißer Tip. INCANATION kommen aus New Jersey, sie nahmen »Mortal Throne Of Nazarene« in den Exello Studios in New York auf und wurden dabei von Garris Shipon verarztet, der auch schon BRUTAL TRUTH und COC versorgte. Hier dominieren sengende und zermalmende Gitarren, die sich auch immer wieder zu eigenartigen Melodien versteigen, der Sänger bleibt seiner Dickdarmtonlage treu, und überhaupt geht alles sehr schnell. Mächtiges Geratter, hart dran am Chaos und wunderbar blasphemisch. (ce)

BIOHAZARD
Urban Discipline
Roadrunner
Schon mit ihrem Debut war klar, daß Biohazard die kommende Metalcore Band ist. Mit Urban Discipline stellen sie dies noch einmal eindrucksvoll unter Beweis. Die Songs von Biohazard führen einem plastisch vor Augen was die vier Musiker bewegt, eindrucksvolle Songs uber den Verlust von Freunden, über Rassismus, über den Ärger mit Plattenfirmen, und natürlich über Brooklyn. Das ganze ist musikalisch wahnsinnig mitreisend verpackt, so geniale Grooves und Mitgrohl-Refrains gibts sonst nirgendwo. Geniales Teil!!!

BITTY MCLEAN
Just To Let You Know
Intercord
"... denn das ist alles nur geklaut". Frei nach den Prinzen die kurze Inhaltsangabe eines ansonsten ordentlich produzierten Albums mit viel Gefühl in der Stimme.

BJÖRK
Post
Polydor
Björk ist die Ausnahmemusikerin der 90er, postmodern bis zum Abwinken, ihrer Zeit um Meilen voraus. Mit ihrer Mischung aus Techno, Dancefloor-Jazz und fabrikgrauer Synthie-Avantgarde hat sie den Nerv heutigen Zeitgeistes derart getroffen, daß selbst Pop-Größe MADONNA verzweifelt ihre innovativen Sounds zu kopieren sucht. Dabei erfindet sich die kluge Isländerin ständig neu, die Presse hetzt ihrem blumenreichen, stupsnasigen, haarknotigen Erscheinungsbild rat- und erfolglos hinterher mit Bezeichnungen wie "Troll", "Kindfrau", "Pumuckl des Pop", ohne jedoch jemals ihr clever ersonnenes Image einzufangen. Ihre zweite Platte unterscheidet sich von dem 1993 erschienenen »Debut« durch vielseitigere Sounds und Songs, lebt aber wieder vom produktiven Kontrast zwischen sterilen Synthie-Rhythmen und einer Stimme, die von Flüstern bis hin zu wildestem Kreischen jede Nuance menschlicher Gefühle glaubwürdig zum Ausdruck bringt. Björk: ein hilfloser Schrei nach menschlicher Wärme in einer anonymen technisierten Welt. Ihre neue CD ist schon jetzt ein Klassiker! (pw)

BLINK
Original Soundtrack
Milan/BMG
Der Soundtrack ist mir eine ganze Ecke zu lasch, so daß die einzigen Lichtblicke die Songs der Indi-Band »The Drovers« sind. Leider sind aber nur drei Stücke dieser Folk-Rock-Formation auf der Platte zu finden, so daß ich eher den Longplayer dieser Band empfehlen würde. Mag sein, daß die Musik, nachdem man den Film gesehen hat, besser kommt, aber bis dahin.. (om)

BOB DYLAN
The Born Again Music
Flashback
Was wäre die Rockszene ohne den näselnden Großmeister Bob Dylan. FLASHBACK veröffentlichte mit dieser Doppel-CD einen Mitschnitt aus dem Jahr 1980, auf dem die starke Verbundenheit Dylans zum christlichen Glauben belegt wird. So hält sich Dylan während dieser über 130 minütigen Konzertaufzeichnung auffallend stark zurück, was schon zu Beginn eher den Eindruck eines gelungenen Gospelkonzerts mit Dylan als Gaststar aufkommen läßt. Qualitativ auf jeden Fall empfehlenswertes Material. (om)

BOBBY McFERRIN
Paper Music
Sony
Aufgepaßt! Hier können sich Jazz-Fans leicht verkaufen. Zwar ist der vielseitige Sänger stets für ein Experiment gut, das hat er originell auf der 1992er CD »Hush« zusammen mit dem klassischen Cellisten Yo-Yo Ma nachgewiesen. Mit seiner neuen CD ist er nun aber endgültig ins E-Musik-Fach hinübergewechselt. Seine Stimme tritt auffällig zurück; dafür betätigt er sich erstmals als Dirigent. Und so findet sich plötzlich auf der vermeintlichen Jazz-CD Mozarts »Eine kleine Nachtmusik«; oder ein Menuett von Boccherini mit Gesangseinlage frei nach McFerrin. Und die klingt dann - gerade im letztgenannten Stück - noch so, als ob unsereiner die »Königin der Nacht« in der Badewanne intoniert. Zugegeben: Nach mehrmaligem Abspielen gewinnt der aufmerksame Hörer vielleicht auch diesem merkwürdigen Grenzgang zwischen U- und E-Musik noch etwas ab, mein Wunsch für '96 aber lautet: Bobby, komm zurück zum Jazz! (pw)

BOLTTHROWER
 ...For Victory
Earache
Sie verstehen es immer noch am besten, Pathos und donnernde Dynamik zu akustischen Szenarien epischer Schlachten zu kombinieren. Hammerscheibe! *****

BRICOLEURS
Welcome To The World Of ...
Butlers Records
Ursprünglich sollte diese CD so gar nicht erscheinen, geplant war nur, zwei Exemplare zu pressen, um einfach die Stücke zusammenzutragen, welche das Frankfurter Duo Erbel und Schmidt Eggert in den letzten Jahren produziert hatten. Auf massiven Widerstand der Fans erschien nun doch eine komplette Auflage. Musikalisch bewegen sich Bricoleurs im Indiependent-Pop-Rock-Bereich, von schräg bis liebevoll. Überwiegend ruhigere Stücke bestimmen die CD, mit Verzicht auf sämtliche Drums oder Percussion gelingt es Ihnen, in jeden Song Atmosphäre zu stecken. Besonders gelungen ist Ihnen das bei dem Stück »Drowning«, (Pink Floyd meets The Cure). Eine wahrhafte Indiepop-Perle! (hs)

BRIGHTSIDE
Face The Truth
Lost & Found
Eigentlich tue ich mich ja schwer bei der Besprechung von Hardcoreplatten. Es liegt mir einfach nicht, was nicht heißt, daß ich Hardcore nicht mag. Ich finde ihn sogar saumäßig geil. Er bezieht politisch Position, hat Neues ins Brachialmusikgenre gebracht und ist vor allen Dingen hervorragende Unterhaltung. Bei Hardcoreplatten muß man sehr genau aufpassen, was man sagt und dementsprechend besteht die typische Hardcoreplattenrezension (einer guten Platte) aus folgenden Floskeln: Beim ersten Anhören wollte die Scheibe noch nicht so richtig zünden, aber es hat dann nicht lange gedauert, bis das Teil mein Auto-Tape blockiert hat. Saugeilen HC liefert die Band, mit Brett und Melodie, vor allem getragen durch lebendiges Riffing und effektives, groovendes Drumming. Die Chemie der Band stimmt. Fette, zehrende Riffs, Melodien und Abgehparts stehen in geilem Verhältnis, ein paar Übergänge kommen noch nicht ganz so locker daher. Nach dem mittelmäßigen Opener (geiler Text aber) gibt's Brett, das in die Beine geht und Songs, die im Ohr bleiben etc. etc.. Das alles trifft auch auf BRIGHTSIDE zu. Die Band kommt aus der Warburger Umgebung und legt mit »Face The Truth« ihr Debüt vor. Und es hat alles, was eine gute HC-Scheibe ausmacht. Wenn BRIGHTSIDE das live bringen würde, was sie auf der Platte abfackeln, dürfte es kein Halten mehr geben. Unter Beweis stellen werden sie das hoffentlich auf ihrer anstehenden Eurotournee (so schnell geht das) mit den Detroiter HC Recken PITBULL, die auch schon den RYKERS aus Kassel als Karrieresprungbrett gedient haben. Wenn das so weitergeht (ich seh' COUNTERPOINT am Horizont, BARTS REVENGE sind auch da), haben wir bald einige Prachtstücke der HC-Szene vor der Haustür! Support Your Local Scene!! (ce)

BRIGHTSIDE
Punchline
Lost&Found
"Oops, Schnellschuß", hätte ich beinahe gesagt. Knapp anderthalb Jahre ist es her, daß BRIGHTSIDE ihre Debüt-Mini-CD »Face The Truth« veröffentlichten und gleich anschließend mit Detroits Hardcore-Helden Pitbull auf Tour gingen. Binnen zwei Monaten hatten sich BRIGHTSIDE als zweiter großer Hoffnungsträger der Kassler Hardcoreszene etabliert, die gerade mit den Ryker's eine überragende Band ausgespuckt hatte. »Face The Truth« war eine kleine feine HC-Scheibe, gerade die richtige Mischung aus Brett, Groove und diesen netten Melodien, die das Ganze so eingängig machten. Genau das aber bringt »Punchline« nicht. Klar, hier geht's zur Sache. Old School HC mit 90ies Frischzellenkur. Viel Message, viel Groove, geht ins Blut und an den entsprechenden Stellen wird Mitgrölen leicht gemacht. But, where's the melody? Wo ist diese augenzwinkernde Mitsummgeschichte von »Face The Truth«? Immerhin 'ne gute Scheibe, aber vielleicht sind BRIGHTSIDE den Ryker's doch ähnlicher als man denkt. Deren erste komplette LP war auch nicht so genial wie sämtliche Singles und Mini-CDs vorher und nachher. (ce)

BRUCE COCKBURN
Dart to the Heart
Sony Music
Auf innovativen Bahnen bewegt er sich nicht gerade, der sanfte kanadische Riese mit der poetischen Ader. Auf seiner neuen Platte finden sich 12 markante Songs im Spannungsfeld von Folk, Chanson und Rock'n' Roll. Dennoch ist es erstaunlich, wie abwechslungsreich diese Mischung präsentiert werden kann. Grooved noch der Starter ganz im Stil der besseren DIRE STRAITS, zeigt sich Cockburn schon ab dem zweiten Lied  von der zahmen Seite: Der Liebesballade "All The Ways I Want You" und dem noch gefühlvolleren "Bone In My Ear" gebührt sicher ein Ehrenplatz in der Kuschelecke. Dagegen erinnert "Southland Of The Heart" sowohl stimmlich als auch vom Bläserarrangement her an Van Morrisons beste Zeiten. Mit zwei beachtenswerten Instrumentals bewährt sich Cockburn darüber hinaus als Meister des Fingerpickings vom Rang eines Stefan Grossman oder Leo Kottke. Die Gitarrenarrangements der übrigen Lieder sind bis ins Detail ausgefeilt. Auch die Texte sind poetische Sonderklasse. Die häufig aus der Natur entlehnten Metaphern zeigen Cockburns Sensibilität für deren Schönheit und Bedrohtheit zugleich, eine Sensibilität, die ihre konsequente Verlängerung in seiner Mitarbeit bei den "Friends Of The Earth" findet, einer Organisation, die sich für den Erhalt der Ozonschicht einsetzt. Bei allem Lobenswerten wird man allerdings das dumme Gefühl nicht los, daß dieses Album mindestens 15 bis 20 Jahre zu spät kommt.  Trotzdem: Eine gute Platte kommt zu jeder Zeit recht. (pw)

BRUCE SPRINGSTEEN
The Ghost Of Tom Joad
Sony
Heimlich still und leise (wie auch das Album), bringt unser aller Bruce, ohne riesigen Werbefeldzug, sein neuestes Album auf den Markt. Springsteen schlägt wieder einmal einen Brückenschlag - nicht die rockigen E-Gitarren haben Oberhand, sie finden sich überhaupt nicht wieder. Begleitet mit Akustikgitarre zeigt uns der American Hero sein persönlichstes Werk. Still, leise, nachdenklich, sehr einfühlsam. Beim Titelstück lies sich Bruce von John Steinbecks Novelle "Früchte des Zorns" beeinflußen. Durchgängig kann man dieser Platte zuhören, entspannen und dahin träumen! (hs)

BRUTAL TRUTH
Perpetual Conversion
RTD
Mit ihrer Debüt Lp "Extreme Conditions Demand Extreme Responses" handelten sich Brutal Truth völlig zurecht den Ruf ein, eine der extremsten Noisecore Bands zu sein. Die vorliegende EP darf als Nachschlag betrachtet werden, und enthält einige Schmankerln. Zunächst das Titelstück "Perpetual Conversion", ein wohlfeiles Stück NY Deathcore. Selbiges liegt auch in einer Techno Rave Version vor (ich weiß, macht jetzt jeder, vor allem Dingen auf Earache), doch diese Version ist die einzige die mir
wirklich gefällt, eine genial brutale Techno Death Fusion. Das dann folgende "Walking Corpse" kennt man schon vom Debütalbum, mit abstand der schnellste Song den es gibt. Oberschmankerl ist allerdings die  Coverversion des Black Sabbath Songs " Lord of this world". Das Teil erhält wirklich eine ganz eigene Note, die Riffs dröhnen in den untersten Frequenzbereichen, ziehen einen regelrecht unter die Erde, nen üblen Blastbeat in der Mitte und Mr Lommi verliert den Glauben an die Menschheit, böse, böse. Den Abschluß bildet "Bedshet" (mixed by the Cannabis activated hands of Danny Lilker), eine abgefahrene Mischung aus immer wiederkehrenden Housegrooves und komischen Expiditionen in psychedelische Gebiete (klingt wie ein Trip durch die Klospülung einer Hip Hop Disco). Fünf Facetten einer Band die vorschnell Platz in einer Schublade gefunden hat, bedenkenlos zugreifen. 7-93

BUFFALO TOM
Big Red Letter Day
SPV/Beggars Banquet
Elf große rote Briefe schicken uns Buffalo Tom auf ihrem neuen Album. Manchen Liedern hört man an, daß sie mit Blut geschrieben sind. Blut, Tränen und Kirschlikör mischen sie zu bitter-süßen Klängen. Instrumentiert mit Gitarre, Baß, Schlagzeug, Chor und Orgel rühren Buffalo Tom an deinen verschütteten Gefühlen herum und ermöglichen einen tiefen Blick in die Seele. Du mußt nur zuhören. Vorbei am Mainstream von SOUL ASYLUM, die Exzentrik von Dinosaur Jr. belächelnd spielen sie eine ruhigere Struktur, der Horizont aber ist weiter. So weit wie das Nirgendwo, wohin die Kleine mit dem großen Kopf auf der Hülle blickt. Empfindsam, lieb, dann wieder explosiv. Bill Janovitz kann außerdem im Gegensatz zu den vielen Bands mit Gröhl- und Gurgelgeräuschen richtig singen. Was für's Herz! Hübsche Hülle auch. Auch vier Monate nach der Veröffentlichung. (tb)

BUFFALO TOM
Let Me Come Over
spv
Nach MTV-Euphorie und supersofter "Akustik - Sitzung" bei John Peel erscheint das dritte Album des Trios BUFFALO TOM mit dreizehn Stücken und 50 Minuten Spielzeit. Das erste Album wurde noch von Ober-Dinosaurier J. Maslis produziert und auf diesem Vinyl klangen sie wie Epigonen erster Wahl. Im zweiten Lied auf der ersten Seite der dritten LP fühlte sich der Sänger wie ein Dinosaurier, singt er - wie weit sich das sensorisch und psychisch bewerkstelligen läßt, steht im Zweifel, zumal es auch Verwechslungen mit dem Sitz des Gehirns geben könnte... Die Gruppe hat durch den Indiefleischwolf ihr amerikanisches Gitarrenfleisch verloren, schafft jetzt durch expressive Melancholie höchstens noch Blumenkohl al dente. Einige fiepelige Overdubs tönen ganz nett, trotzdem fällt die Mischung mager aus. Zwei Känguruhs. Matti "steady nöhling" Bachmann

CANDLEBOX
Candlebox
Warner
Obwohl bereits 1993 erschienen und 1994 mit der Hitsingle »Far Behind« vor allem in den USA durchgestartet, kennt doch immer noch nur der größere Insiderkreis die aus Seattle stammende Band CANDLEBOX. Keine Angst: Nicht alles, was aus der neuen Musikmetropole Seattle stammt, spielt Grunge. Candlebox kick ass wäre die einfachste Umschreibung ihrer Musik. Ehrlicher Rock, der gleichermaßen in Beine und Bauch geht. Fast berauschend, wenn sich ihre Balladen in unendliche Rocksongs steigern. Beispiele gibt's genug, da wäre »You«, die Smash Single »Far Behind« oder das blues-durchdrängte »Rain«, bei dem man sich anfangs zurücklehnen möchte, doch dann aus dem Sessel gerissen wird, um seinen plötzlichen Tanzanfall zu stillen. Neben diesen Songs sind weiterhin grundsolide Rockstücke zu finden, bestes Beispiel der Opener »Don't You«. Bei dieser Songauswahl auf dem Album ist es kein Wunder, daß sich CANDLEBOX schon über 50 Wochen in den Billboard-Charts tummeln und mittlerweile zurecht auch mit Platin belohnt wurden. Man wird sicherlich noch mehr von ihnen hören. (hs)

CARCASS
Heartwork
Rough Trade
Traurig, nur noch Monster-Metallica Sound, vorbei die Zeiten von "Genital Grinder" und anderem phatologischen Gemetzels, leider irgendwie edel.

Dillon
CHERALEE DILLON
Pull
Glitterhouse
Qualitätsmäßig gefährlich in TORI AMOS-Nähe, kommt Cheralee ohne Piano aus und singt auch viel wütender ihre eigenen Melodien, die mit der Musik nur scheinbar nichts zu tun haben. Ein Wechselbad der Gefühle von traumhaft bis traumatisch.

CHRIS CACAVAS AND JUNKYARD LOVE
New Improved Pain
Normal
Für die Ewigkeit eingebrannt hat sich Cacavas schon 1983, als er und seine Mitsteiter Chuck Prophet, Dan Stuart u.a. unter dem Bandnamen GREEEN ON RED die völlig abgedrehte Psycho-Folk-Rock-Scheibe »Gravity Talks« auf den Markt brachten. Während GREEN ON RED immer stärker in seichtere Gewässer abdrifteten, blieben die Solo-Trips von Chris der Gemeinde um GRAVITY TALKS treu. Ein bißchen Nils Lofgren, etwas Crazy Horse, so wie die Wildheit und Intensität von Chris Cacabas & Junkyard Love lassen auf »New Improved Pain« ein kleines Feuerwerk der Gefühle explodieren. Ein kleiner Tip am Rande: Live is das alles noch viel verrückter. (om)

CHRIS DE BURGH
Beautiful Dreams
A&M Records
Chris goes Classic. Mit 4 neuen und 9 alten Hits bewegt er sich hart an der Grenze zur Schnulze, und rutscht auch nicht selten ab in jene schmalzigen Regionen, in denen die geneigte Zuhörerin dann unweigerlich zum Taschentuch greifen muß, um sich die viel beschworene Träne der Rührung zu verdrücken. Auch wenn Chris selbst sich damit einen langgehegten Wunsch erfüllt hat, so kann doch der abgebrühteste Fan spätestens nach dem 5. Song nicht länger umhin, eine der alten Platten auszupacken, um endlich mal wieder mit einer seiner hinreißenden Rocknummern gegen diesen Rührungs-Dauer-Streß anzustinken. Es mag ja anerkennenswert sein, daß Chris die Platte in nur 10 Tagen sozusagen "live" mit dem Londoner Session Orchestra eingespielt hat: ich hätte diese Platte lieber auf 10 andere verteilt gesehen. Tut mir leid, Chris, gut gemeint ist manchmal eben das Gegenteil von gut. (pw)

CHRIS DE BURGH:
This Way Up
A&M Records
Mittlerweile ist es amtlich: Der irische Rocksänger Chris de Burgh ließ sich für seinen Hit »Blonde Hair, Blue Jeans« von seinem Kindermädchen Merrissa inspirieren, die ihn im Februar über den beinahe tödlichen Reitunfall seiner Frau hinwegtröstete. Daß dies nachts und hautnah zuging und er sich in alter Macho-Manier vornahm, sie am nächsten Morgen um mehr betteln zu lassen, läßt sich schwarz auf weiß im Beiheft seiner neuen CD nachlesen, wird aber vermutlich den Genesungsprozeß seiner Frau kaum beschleunigt haben. Inzwischen hat er über die Presse ("Sun") dieser Beziehung abgeschworen und seine »Lady In Red« bußfertig um Verzeihung gebeten. Der Qualität des Songs sowie der ganzen CD hat dieser Seitensprung zumindest nicht geschadet. Auch wenn das Cover recht altväterlich geraten und seine Stimme schon immer Geschmackssache gewesen ist, die drei Balladen - besonders »Here Is Your Paradise« - sind so gefühl- und gehaltvoll, wie man es nur von irischen Balladen kennt. Chris de Burgh beschreibt in seinen Songs ungebrochene Gefühle wie zärtliche Liebe, freundschaftliche Treue und Wut über sensationsgeile Nachrichten. Alles paßt bei ihm zusammen: redet er in »Oh My Brave Hearts« kämpferischem Patriotismus das Wort, spricht er in »Up Here In Heaven« als gewissenhafter Kriegsgegner. Ebenso abwechslungsreich wie seine Emotionen und Überzeugungen sind aber - abgesehen vom durchgängig klotzig-brachialen Schlagzeug - auch die Arrangements seiner allesamt hörenswerten Songs. Also: Alles klar auf dem "Weg nach oben" für den sympathischen Ehebrecher! (pw)

Bollmann
CHRISTIAN BOLLMANN
Drehmomente
zweitausendeins/Network
CHRISTIAN BOLLMANN ist neben Michael Vetter der wohl renommierteste deutsche Obertonmusiker. Seit 20 Jahren beschäftigt er sich mit der faszinierenden Welt der Obertöne. Bekannt geworden ist Bollmann vor allen Dingen mit dem Obertonchorprojekt Düsseldorf, mit dem er zwei CDs veröffentlichte. Obertonmusik ist etwas, das die wenigsten kennen dürften. Diese Musik konzentriert sich darauf, mit Hilfe der in jedem Ton enthaltenen Obertöne Melodien zu erzeugen - ein Obertonsänger ist in der Lage, mit mehren Stimmen gleichzeitig zu singen. Man kann das schlecht beschreiben, man muß diese Musik einfach gehört haben, um den Zauber zu begreifen. Obertongesang erinnert an gregorianische Choräle, ist aber wesentlich facettenreicher. Mit »Drehmomente« liegt nun die erste Soloproduktion von Bollman vor. Nur mit Hilfe seiner Stimme und einigen archaischen Instrumenten gelingt es ihm, einen unvergleichlich dichten Klangteppich zu flechten.Es ist einfach faszinierend, was man mit der menschlichen Stimme machen kann. Zeitweise hat man den Eindruck, ein ganzes Orchester würde spiel en. Aber Drehmomente faszieniert nicht nur durch das riesige und ungewöhnliche Klangspektrum, sondern vor allem durch Bollmanns wunderschöne Kompositionen. Reinhören lohnt sich wirklich für jeden. Fedor: bitte in 3-93 abdrucken   (ce)

CHRISTIAN BOLLMANN
Echoes Of Ladakh
audio/Bauer Musikverlag
Mit seiner letzten Platte »Evolution« hatte CHRISTIAN BOLLMANN den endgültigen Beweis angetreten, das "Medidationsmusik" ( so könnte man Bollmanns Musik bezeichnen) nicht leeres Geleier für Fluchtbedürftige sein muß, sondern eine musikalisch und vor allem emotional gehaltvolle Alternative zum allgemeinen Musiktreiben sein kann. "Musik zur Ruhe" eben in der Lage einen eigenen Raum, eine eigene Stimmung zu erzeugen, der Gelegenheit bietet, zur Ruhe zu kommen, ohne eingelullt zu werden (von den "psychonautischen" Aspekten ganz zu schweigen). Groß also die Erwartung an »Echoes of Ladakh« und leider bin ich ein wenig enttäuscht, denn diese CD erreicht icht die immense Dichte, die »Evolution« hatte oder auch seine Produktionen mit dem Oberton-Chor Düsseldorf hatten. Der Opener »Prayer« vermag zwar mühelos alles, was heutzutage unter dem Namen "Ambient" läuft in den Schatten zu stellen, der Rest allerdings nicht. Etwas substanzlos fließt die Musik dahin, freilich nicht ohne schöne Momente, oder ohne dann und wann den Blick freizugeben in eine Tiefe, die zum Fallenlassen einlädt. »Echoes« wirkt nicht so hochaufgeladen mit Ruhe, als das diese überspringt, aufgeladen ist sie sicherlich mit Erinnerungen BOLLMANNS, stellt »Echoes« doch eine Remenizens an seine Hochzeitsreise in den Tibet dar (dort entstanden auch die Aufnahmen), dem Hörer jedoch bleibt diese Ebene (naturgemäß) weitgehend verschlossen. Wer BOLLMANN kennt, sollte ein Ohr riskieren, doch empfehle ich eher den Griff zu »Evolution« oder »Rise My Soul«, obendrein erscheint bald BOLLMANNS nächste CD »Aruna« und was da kommt, klingt wirklich vielversprechend. (ce)

CHRISTIAN BOLLMANN & MICHAEL REIMANN
Evolution
Zweitausendeins/Network
Die beiden Koryphäen der Obertonmusik haben mit »Evolution« ihre erste gemeinsame Aufnahme vorgelegt. Um einen möglichst komplexen Klang zu erzielen, fanden die Aufnahmen, für Bollmann altbekannt, im Turm der Benediktiner Abtei Meschede, der einen natürlichen Nachhall von 12 Sekunden aufweist, ihren idealen Standort. Enstanden bei dieser denkbar interessanten Produktion ist ein scharfer Kontrast zur disharmonischen Kultur der Musik unserer Gegenwart. Bollmann und Reimann verstehen es wie von selbst, das klangliche Potential des Turmes auszuloten, der Hall wird zum unsichtbaren Dritten. Zu hypnotischem Gesang finden exotische Harmonien ststt, ein Digeridoo wetteifert mit der Faszination sprudelnder Quellen. Esoterik projeziert sich in den Perlen des klaren Wasser, »Evolution« von Entspannung und Meditation. Die Suche nach innerer Ruhe wird zu einer Reise durch tiefe Täler unkontrollierter Konzentration. Verselbstständigung des gemachen Geistes, unvorstellbare Macht einer befriedigten, durch und durch satten, perfekten Komposition von Schwindel. Die Kraft der Ruhe fordert ein andächtiges Schweigen. Ein Fest der Sinne zum Training der Wahrnehmung. Das Persönliche der Kunst für entspannten Seelenfrieden und geschluckte Obertöne für abgespacte Psychonauten.(tb)

CHRISTIAN BOLLMANN & MICHAEL REIMANN
Evolution
Zweitausendeins/Network
Die beiden Koryphäen der Obertonmusik haben mit »Evolution« ihre erste gemeinsame Musikaufnahme vorgelegt. Aufnahmeort war wieder der Turm der Benedektiner Abtei Meschede, der 12 Sekunden natürlichen Nachhall aufweist. Neben dem Obertongesang finden hier verschiedene archaische Instrumente Verwendung (u.a. ein Digeridoo der Aborigienes). Ein scharfer Kontrast zum Alltag, ein scharfer Kontrast zur Musikkultur unserer Tage. Musik zur Ruhe, unwirkliche Harmonien, die man von Menschen unserer Zeit nicht erwartet. Bollmann und Reimann produzieren abseits vom allem esoterischen Kitsch meditative Klänge, die ein tieferes Verständnis von Musik verraten und an verloren geglaubte Gefühle appelieren. »Evolution« fesselt und entspannt zugleich. Die Musiker verstehen es, das klangliche Potential des Turmes auszuloten, der Hall wird zum unsichtbaren Dritten im Spiel: Klänge perlen ab, steigen auf, lassen den Hörer glauben, selbst der riesige Resonazraum zu sein. Wunderschöne Melodien entstehen aus dem Zusammenspiel zwischen Musik und Raum. Eine faszienierende Platte, für wahre Psychonauten! (ce)

COWBOY JUNKIES
200 More Miles
BMG
Kalte Monate, ruhige Musik. Zum zehnjährigen Bestehen der Junkies fanden die Amerikaner um Sängerin Margo Timmins, es sei Zeit, ein Livealbum zu veröffentlichen. Die Zweitzeile des Albumtitels verrät, was Programm ist: »Live Performances 1985 - 1994«. Aufnahmen von den ersten Clubgigs bis zu den großen Hallen (die Cowboy Junkies sind in den USA um Längen berühmter als bei uns) beschert die Doppel-CD. Wer auf feinen, ruhigen Rock und dezenten Blues, auf Cranberries oder Sinead O' Conner steht, dürfte getrost die Cowboy Junkies für sich entdecken. Steht Margo Timmins stimmlich, Dolores oder Sinead in Sachen Feingefühl und Zerbrechlichkeit in nichts nach. Beide CD's jedoch am Stück durchzuhören wirkt auf die Dauer etwas langatmig, trotz Covers von Lou Reed, Hank Williams oder John Lee Hooker. (hs)

CREME 21
Creme 21
Sony
Das Quartett aus Oberursel gießt subtile Bosheiten und skurrile Beobachtungen in raffiniert gefertigte Ohrwürmer. Dabei wird schamlos geklaut, wenn das hilft, die jmeist ironisch überspitzte "message" herüberzubringen. Egal, ob bei John Lennon oder den Prinzen, bei der Neuen Deutschen Welle oder den inzwischen schon legendären Nirvana! Teen Spirit   la CREME 21 ist die fettig-heiße Anti-Vegetarier-Hymne »Tiere«; Kostprobe: "Sojaburger machen nicht satt. Ich eß nur, was ein Gesicht hat."  Der schräge Humor ist fast schon britisch und erinnert manchmal an  die legendären 10 cc. Egal, ob sie sich der "Liebe in den 90ern" zuwenden, ob der Sänger ein schmachtendes Liebeslied auf sich selber singt oder ob es  um die »Traumfrau« geht: diese Creme hat ihre ganz eigene Würze. Kostprobe: 17.10. Spot! (lj)

CROSBY, STILLS AND NASH
After The Storm
Atlantic
Da sind sie wieder, pünktlich zum 25jährigen Jubiläum von Woodstock, und trotz des süßlichen Mehrstimm-Gesangs so rockig wie noch nie. Nicht nur die 4 Stills-Kompositionen erfrischen mit erdiger Rhythmik, auch Crosby bringt 2 markige Rocksongs   la »Long Time Gone« bei. Nash sorgt für die harmonisierenden Balladen, die aber meist durch Stills wühlende E-Gitarre klug am Kitsch vorbeiklingen. Insgesamt ist ein reifes und sehr abwechslungsreiches Album entstanden, das nicht mehr nach den frischen 68ern klingt, nicht mehr klingen will. Es ist in jeder Beziehung ein Album "nach dem Sturm". Da sind selbst 180 -ige Kehrtwendungen möglich: Nicht mehr Freie Liebe (»Love The One You're With«) ist das Motto von Stills, sondern Treueschwüre wie »Only Waiting For You«. Wie sich die Zeiten doch ändern, wenn man älter wird... Trotzdem: Beachtlich, was die Väter des kalifornischen Rock noch alles zu bieten haben! (pw)

CROWDED HOUSE
I Take The Weather With Me
Flashback
Daß Crowded House aus Australien nicht umsonst zu den besten Bands auf diesem Erdball zählen, belegt diese Liveaufzeichnung des FLASHBACK-Labels. Auf über 67 Minuten wird hier ein toller Auftritt im Tinley Park in Chicago dokumentiert, der im September '91 dort stattfand. Erste Sahne! (om)

CYPRESS HILL
III - Temples Of Boom
Ruffhouse/Columbia
Der Joint als Allheilmittel für eine kranke Gesellschaft? Auch beim neuen Album der beiden Hispano-Amerikaner von CYPRESS HILL dreht sich wieder alles um die Kraft des Grases. Von vielen schon als das beste Hip-Hop Album des Jahres '95 gelobt, kommt »III - Temples Of Boom« aber nicht an die Originalität der Debüt-Scheibe »Cypress Hill« ran. Doch die quälend nasale Stimme von Freese - unverwechselbares Markenzeichen der Kiff-Hopper aus L.A. - verfehlt auch diesmal ihre Wirkung nicht. Sie nörgelt sich ins Ohr und geht nicht mehr raus. Vor allem, wenn man der Forderung des letzten Stückes nachkommt. »Everybody Must Get Stoned« könnte auch als Motto über dem Gesamtwerk stehen. Musikalisch fällt besonders der sphärische Klang einer Sitar auf, jenem indischen Saiteninstrument, das jede Bluba-Romantik perfekt macht. Als kleine Dreingabe gibt es außerdem noch auf einer Extra-Scheibe einen »Buddha-Mix« der besten Stücke der letzten LP.
 

DAVID DARLING
Dark Wood
ECM
Schön, und so traurig. Ein Cello und die Bearbeitungsmöglichkeiten eines Tonstudios dienen dem Cellisten DAVID DARLING als Ausgangspukt, um ein dichtes Gespinst traumatisch ruhiger Stimmungen zu weben. Die Melodiestrukturen sakraler Musik (gregorianischer Choräle etwa) bilden den musikalischen Hintergrund der 14 Stücke und DARLINGS Kompositionen leben von dem "ergreifenden" Aspekt solcher Musik. Der Hörer befindet sich schnell in einer Art Raum, den die Musik aufbaut. DARLING gibt diesem Weite, haucht den Atem vo Stücken wie »Beginning« in die Ferne. Verdichtet ihn aber auch in zehrenden Streicherfiguren, die sich unvermittelt erheben zu heftigen Strömen anzuschwellen vermögen. Fein gestrichenes braust auf zu kreisenden Strudeln und versinkt wieder in Stille, die plötzlich gezupfte Melodien preisgibt, auf denen sich wiederum schreitende Figuren entfalten (Medieval Dance). Dunkel, fast schwarz, sind die Farben, die DARLING "verstreicht", doch versteht er es nicht, übertrieben rumzukleckern, vielmehr legt er Schattierungen an, zeichnet Verläufe, kurz, sich simplen Nihilismus zu verschreiben, liegt ihm fern. DARLING gelingt das Kunststück, den Hörer dicht bei der Musik zu halten, ihn mitzunehmen, in das Auf und Ab seiner melancholischen Träumereien. Der Lust an Einsamkeit und Besinnlichkeit vermag die CD einen Raum bieten, in dem sich intensiv fühlen läßt, keine Platte allerdings, die man in depressiven Momenten hören sollte, denn hinter der dichten Wolke von »Dark Wood« kann der letzte Sonnenschein zu verschwinden. (ce)

DE/VISION
Unversed In Love
Strange Ways Records
In der Waver-Szene sind die drei Bensheimer Jungs mittlerweile bestens bekannt. Ihr melodischer, etwas düsterer Synthie-Sound begeistert vor allem die Fans aus Depeche-Mode-Kreisen. Mit »Unversed In Love« legt das Trio ein Konzeptalbum über die Liebe vor. Zwischenmenschliches, Mensch und Umwelt und alles, was damit zu tun hat, wird in anspruchsvolle Klänge verpackt. Alles andere also als seicht dahinplätschernder Schmalzpop mit triefenden Texten. Spätestens mit dem neuen Album haben DE/VISION bewiesen, daß sie absolut professionell sind. Ihre Stücke sind einfach toll arrangiert, klingen ergreifend düster aber trotzdem sanft und warm. »Unversed In Love« ist eine Mischung aus eingängigen poppigen Dance-Beats und melancholisch-gruftigen Klängen: Musik zum stillen Genießen und zum Tanzen gleichermaßen. Gelungen! (sh)

DEAD CAN DANCE
Into The Labyrinth
Rough Trade/4AD
Die nunmehr 12 Jahre währende Zusammenarbeit von Brendan Perrys und Lisa Gerrard als DEAD CAN DANCE scheint noch fruchtbarer zu werden. Das läßt zumindest "Into The Labyrinth" vermuten, ihr inzwischen sechstes Album.  Heute beschreiten Dead Can Dance mehr denn je einen schmalen Grat zwischen mittelalterlicher Liedkunst, um es nicht eine Art Folklore zu nennen, und fast meditativen PopKompositionen. Während uns Perrys Stimme oft in die Dunkelheit zu führen scheint, vermag uns die glasklare Gesangskunst von Lisa Gerrard förmlich ins Sonnenlicht zerren zu wollen und durch die Kontinente vergangener Tage zu führen. Alles in allem eine Platte, die nur bei genauem Hinhören ihre volle Pracht entfalten kann! (om)

DEAD CAN DANCE
Toward The Within
Rough Trade Records
Das ist genau das Richtige, um sich zurückzulehnen, zu relaxen, zu träumen. Fremde Instrumente mit Namen wie "yang ch'in" oder "irish bouzouki" zaubern ungewohnte, orientalisch anmutende KIänge hervor. Man denkt an fremde Kulturen, Einsamkeit und Morgenröte. Sogar die englischen Texte klingen exotisch, dank der klaren, atmosphärischen Stimmen von Lisa Gerrard und Brendan Ferry. "Toward The Within" ist ein ganzheitliches Klangerlebnis, obwohl es auf seine Art abwechslungsreich ist. Wer es lieber etwas spritzig hat, wird sich bei 15 Songs und einer Spieldauer von insgesamt fast 68 Minuten aber schnell langweilen. Die Stimmung muß schon passen, und die Zeit muß da sein, wenn man dieses Werk genießen will, denn es bietet alles andere als Fastfood-Musik. Auch wenn man eigentlich keine Anspieltips geben kann, "Don't Fade Away" setzt dem Ganzen die Krone auf, finde ich. (sh)

DEAD WORLD
The Machine
Nuclear Blast
Endlich - eine Fusion aus dem klaustrophobischen Medienwahnsinn   la G.G.F.H und dem rollenden Industrial-Grunge   la SCORN: für Beobachter des Genres ein logischer Schritt, für Außenstehende erklärungsbedürftig. DEAD WORLD ist keine Death-Band und auch keine DEAD WORLD
The Maschine
Nuclear Blast
Endlich, eine Fusion aus dem klaustrophobischen Medienwahnsinn   la G.G.F.H und dem rollenden Industrial-Grunge   la Scorn, für Beobachter des Genres ein logischer Schritt, für Außenstehende erklärungsbedürftig. Dead World ist keine Death-Band und auch keine elektronische Wave-Combo, sondern irgendetwas dazwischen, das den logischen Zusammenschluß der beiden Gebiete leistet. Tonnenschwere Todesgitarren mahlen über pumpende Elektronik-Beats. Industriell monotone Gerauschkulissen wirken stimmungsbildend, gehen nahtlos über in horrormoviemäßige Soundtracks. In der Endkontrolle gibt es bei DEAD WORLD leider Beanstandungen, nicht immer ist die Stimmung homogen und fangend, monotone und dumpfe Momente treten auf. DEAD WORLD sind ein hörenswerter Wegweiser, der ahnen läßt, was kommen mag. (ce)

DEAD WORLD
The Machine
Nuclear Blast
Nah an der Fusion von Industrial Grunge und Industrial-EBM bewegen sich DEAD WORLD, tief mahlende Gitarren, monotone Drumcomputergrooves und dichte Stimmenwirbel beschwören eine Klausrophobie herauf, die das Zeitalter der Information als Zeitalter der Konfusion entlarvt. Ein längst überfälliger Genremix wird angedeutet, aber leider nicht immer konsequent durchgezogen; atmosphärische Löcher tun sich auf, und Spannung will sich nicht immer einstellen, da einzelne Songparts zu lange aus den Boxen quellen. Furios sind die Soundtrack-artigen Passagen, spährisch Flächen öffnen sich, die Peripherie ist mit Angst besetzt, Haltlosigkeit wird zur bestimmenden Erfahrung, und wenn plötzlich Wasser gluckernd ins Geschehen tritt, scheint auch der letzte Rest Luft zu schwinden. Insgesamt bleibt das Bild gespalten, DEAD WORLD haben zweifellos Potential, doch ihre Intensität ist vom Maximum noch ein gutes Stück entfernt. (ce)

DEAD WORLD
The Machine
Nuclear Blast
Nah an der Fusion von Industrial Grunge und Industrial-EBM bewegen sich DEAD WORLD, tief mahlende Gitarren, monotone Drumcomputergrooves und dichte Stimmenwirbel beschwören eine Klausrophobie herauf, die das Zeitalter der Information als Zeitalter der Konfusion entlarvt. Ein längst überfälliger Genremix wird angedeutet, aber leider nicht immer konsequent durchgezogen; atmosphärische Löcher tun sich auf, und Spannung will sich nicht immer einstellen, da einzelne Songparts zu lange aus den Boxen quellen. Furios sind die Soundtrack-artigen Passagen, spährisch Flächen öffnen sich, die Peripherie ist mit Angst besetzt, Haltlosigkeit wird zur bestimmenden Erfahrung, und wenn plötzlich Wasser gluckernd ins Geschehen tritt, scheint auch der letzte Rest Luft zu schwinden. Insgesamt bleibt das Bild gespalten, DEAD WORLD haben zweifellos Potential, doch ihre Intensität ist vom Maximum noch ein gutes Stück entfernt. (ce)

DEBILE MENTHOL
Emile A La campange
RecRec
Zappa Fans aufgepasst, DEBILE MENTHOL (welch Name), sieben Schweizer, machten sich Mitte der 80er auf, mit unglaublicher Spielfreude und der festen Überzeugung, daß Humor zur Musik gehört, ähnlich skurriles auf Band zu bannen wie es der selige Meister zu Lebzeiten mit seinen Mothers tat. Drei Gitarren, zwei Bässe, Schlagzeug, Violine, Sax, Clarinette, Percussion und Piano kommen zum Einsatz, ohne daß die Übersichtlichkeit in dieser Melange aus Zitaten und eidgenössischen Exotica verlorengeht. Trotz aller Respektlosigkeit ist das Ganze bloße Posse, DEBILE MENTHOL haben musikalisch das Zeug, Hörer moderner Ensemblemusik in ihren Bann zu ziehen. Einige Stücke erinnern gar an Industrial und Verwandtes, was umso mehr verwundert, da diese DoCD, eine Wiederveröffentlichung von '86 ist. (ce)

DEBORAH HENSON CONANT
Naked Music
Laika Records
Sätze wie: "Die Nr 1 der Jazz Harfe" machen erstmal skeptisch, man erwartet hochvirtuoses Tongeplänkel, das zumeist schwer zugänglich ist. Doch Naked Music ist mehr, Musik eben, die hochbesetzt mit Stimmung ist, in der Virtuosität selten um ihrer selbst willen verwandt wird. Frau Henson macht Musik, die schön ist, die man genießen kann, als Musiker, als Harfenfan, als Jazzer oder einfach als jemand, der sich zurüchlehnen möchte, um sich auf eine Reise durch swingende und perlende Melodien zu begeben. Einige Songs begleitet Frau Conant mit Gesang, über den man sich streiten kann, zugegeben irgendwie kitschig, aber Schnulzbienen   la Mariah Carey immer noch meilenweit überragend und stellenweise frappierend an Hair erinnernd, vermögen gerade diese Songs Menschen, die mit Instrumentalmusik nichts anfangen können, zu fesseln. Am 8.6 wird Deborah Henson Conant in Immenhausen zu sehen sein, man darf gespannt sein.

DEEP PURPLE
Purpendicular
BMG
Der Stern des einstigen Flagschiffs des Rock scheint immer mehr zu sinken. Nach einer enttäuschenden Tour (noch mit Satriani) liegt nun das neueste Werk der Band vor, die einst Klassiker an der Zahl geschrieben hatte. Diesmal mit Art-Rock Gitarrero Steve Morse, der zweifellos einer der größten seines Faches ist, aber leider nicht so richtig zu Purple passen will. »Purpendicular« klingt auf langen Strecken viel zu glatt, was auch an den zu sauberen Gitarrenläufen liegt. Mittelmäßige Songs mit altbekannten Riffs beherrschen das Bild. Keines der Stücke kann vergangenen Standard erfüllen. Einmal hätte es trotzdem fast geklappt: das balladeske »Sometimes I Feel Like Screaming« wird dann jedoch durch den Hauruck-Refrain völlig zerrissen. Schade, wenn sich die Rockdinosaurier selbst ihren Legendenstatus zerstören! (hs)

DEF LEPHARD
Vault
Mercury
Für gewöhnlich sind Best Of's nur dazu gut, die Wartezeit bis zum nächsten Studioalbum zu überbrücken. Bei den "Tauben Leoparden" greift dieses Argument nicht. Ihr neues Werk (Arbeitstitel: »Slang«) ist seit Juli im Kasten. Diese 16-Track-CD ist vielmehr als Ende eines Abschnitts und Sprung (»Vault«) in eine neue Dekade zu verstehen. Der dokumentarische Wert allein rechtfertigt einen Kauf nicht, und musikalisch ist »Vault« nur für Neulinge und Komplettisten mit viel Geld interessant. Alle anderen sind mit der Maxi-CD des einzigen neuen Songs »When Love And Hate Collide« weit besser bedient. Die nur dort erhältlichen Remixes von ROCKET und ARMAGEDDON H machen den kleinen Silberling im Gegensatz zum großen zu einem Muß. (ms)

DEL AMITRI
Twisted
A&M Records
Ihr Hit »Nothing Ever Happens« ist noch jedem im Ohr. Seither haben DEL AMITRI bewiesen, daß sie Songs schreiben können, Folk-Rocksongs von einer melancholisch-melodischen Schönheit, wie sie niemand sonst im ganzen Königreich komponiert. Das neuste Album der Schotten aus Glasgow setzt den Trend fort, ist jedoch nicht ganz so glatt arrangiert wie seine Vorgänger. Es scheint als wollte das bewährte Songwriter-Team Currie/Harvie bei den zwei Eingangstiteln auf den Grunge-Modezug aufspringen: verzerrte Gitarren, durch einen Vocoder geschickter, stark angerauhter Gesang, daß man glaubt, sein CD-Player müßte mal zur Kur. Ab »Here And Now« jedoch geht es - zum Glück - im gewohnten Schottenrock weiter. Die cleveren Gitarrenlicks von Ian Harvie und David Cummings sind hier präsenter und abwechslungsreicher denn je, erinnern an die BYRDS (»Roll To Me«), die EAGLES, manchmal an die frühen TASTE. Curries Gesang kommt manchmal weich und süffig wie Baileys Milk Cream und manchmal schneidend herb wie ein Teachers Whiskey, immer aber originell und mit einem hohen Wiedererkennungswert. Aber Vorsicht: nach mehrmaligem Hören dieses Albums besteht hochgradig Suchtgefahr! (pw)

DEL THE FUNKY HOMOSAPIEN
No Need For Alarm
Elektra
Hip-Hop für die Trüben unter den Fröhlichen und die, die Musik hören, damit sie nicht merken, daß sie genau am großen Highway wohnen, mit einem Schnitt von 100 Autos pro Minute. Ein stagnierender Groove wälzt sich über 60 Minuten verlorengegangene Spielfreude und saugt mit einer Kraft von 1000 Watt den Funk aus dem Körper in die Dose. Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. (tb)

DEPECHE MODE
Songs of faith and devotion
Mute Records
Mit neuem Lebensmut des Daddys Martin Gore, neuem Glauben und neuer Liebe starten die vier Jungs ihre Tour diesen Monat und stellen die 10-Song-starke Platte vor. Erstmals spielen sie mit einem Gospel-Chor zusammen und distanzieren sich somit ein wenig von der Elektronik - unerwartet, von den coolen Musikern soviel Leidenschaft zu spüren. Auch wenn die Wuppertaler Band Diesel Christ von Depeche Mode Klänge wie vor 2 Jahren erwartet haben mab, das neue Album ist ungewohnte Spitze! Übrigens: Diesel Christ hat eine 6-Song-lange Synthie-Coverversion neuer Depeche-Stücke auf den Markt gebracht. Auch nicht schlecht!
(vr)

DES'REE
I Ain't Movin'
Sony Music
So mancher, der ihr ästhetisch faszinierendes Video von »You Gotta Be« gesehen und sich dabei an Tasmin Archer erinnert gefühlt hat, wird wie ich auf die CD gespannt gewesen sein. Aber schon das Wiederhören des Hits, der immerhin Englands Top 20 erreichte, enttäuscht. Offensichtlich war der visuelle und nicht der musikalische Eindruck das Entscheidende. Dabei hätte ich ja gewarnt sein sollen: Schon die Debüt-CD »Mind Adventures« hielt nicht, was der gleichnamige Hit versprach. Nicht anders beim neuen Album: Die ansprechende Aufmachung täuscht wieder einmal über die musikalische Schwachbrüstigkeit hinweg. Das scheint an der Kompositionsmethode zu liegen. Des'ree legt wohl die Melodien und die Texte vor, und erst dann versieht die versierte Studiocrew um Ashley Ingram den Song offensichtlich mit einem zugegebenermaßen vielseitigen instrumentalen Background, wie man an den 2 Versionen des Titelstücks erkennen kann. Aber schon Des'rees begrenzter Alt-Stimmumfang legt diesem Unternehmen starke Zügel an. Zwar entstehen manchmal auf diese Weise jene unnachahmlich beschwörenden und eingängigen Melodien, oft genug geraten sie aber auch monoton (besonders schlimm im Song »Trip On Love«). Immer dort, wo musikalische Grenzgänge gewagt werden, wie z.B. in »Little Child« ins Lateinamerikanische oder bei »Love Is Here« ins Balladeske, gewinnt ihre Stimme jenen gurrend-exotischen Reiz, den auch ihre Hits haben. Des'ree ist wahrscheinlich eine der Künstlerinnen, die erst auf einer »Best of«-Platte so richtig zur Geltung kommen. (pw)

DIAMANDA GALAS
JOHN PAUL JONES
The Sporting Life
Intercord
Irgendwie macht die Scheibe des Led Zep Bassers Jones und der Avantgarde-Sängerin Galas (3 Oktaven) den Eindruck eines kalkulierten Marktgangs, haben beide doch schon Beeindruckenderes vorgelegt. ****

DIAMANDA GALAS
Vena Cava
Intercord
Komich, komich, das Teil, welches mir da ins Haus flog. Infernalisch zerstörerisches und zugleich unglaublich anmutendes (ekelerregendes) vokalistisches Manöver, Futter für tausend neue Halluzinationen und einzige Verbindung zwischen Hörspiel und den verbalen Attacken einer besessenen Orgienfrontfrau. Eine Platte, die zugleich Euphorie und Schnelligkeit vermittelt, Depressionen heraufbeschwört und krank macht (weil sie krank ist), unmittelbar anregt zum angespannten Zuhören. Eine strapaziöse Ergebnissuche beginnt: Was hat diese Platte für 'ne Message und was ist das überhaupt? Mutig erweist sich die Musik GALAs, denn gegenüber anderen Vertretern des Genres wie CHRISTIAN WOLZ erleben wir hier den nackten Gesang. Voll von Angst und Wut, mit irgendwie disharmonisch wirkender Harmonie, tauchen Interpret und Hörer ein in die Kunst, aus der Stimme ein Instrument zu machen (Vocal-Art). Das Spiel mit Echo und Hall läßt die Sängerin zeitweise mitten im Raum stehen oder auf einem Hügel eben in Sichtweite; Unbeteiligten erscheint die Sangeskunst Galas fast wie eine Unterhaltung. Eine Untermalung durch diverse Instrumente fehlt gänzlich, lediglich ein Herz (!) klopft zur Begleitung der Akustikorgien. (tb)

EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN
Tabula Rasa
Die Einstürzenden  Neubauten liefern mit ihrer 13ten Lp gleich zwei Beweise ab. Erstens nämlich das sie auch jetzt noch spannend und innovativ sind ohne sich ständig selbst zu kopieren, und zweitens daß eine kommerzialisierung nicht mit einem Niveauverlust einhergehen muß. Textlich bewegt sich "Tabula Rasa" zwischen Politischen und dem Blixa Bargeld typischen Egotrips. Vorbei jedoch die Zeiten der total Ichzentrierten Texte, den neuen Bargeld versteht man auch ohne Vorkenntnisse. In"12305 Nacht" seziert Bargeld distanziert und kühl sein Leben, hinterlegt wird das ganze mit einer ungewohnt ruhigen Klangcollage. Doch neben politischem und persönlichen bietet "Tabula Rasa" aber auch zwei ungewöhnlich schöne Liebeslieder.In diesen Songs gelingt es Bargeld weg vom einfachen Sprechgesang zu kommen, und seiner Stimme Ausdruck zu verleihen. In Kombination mit den eindrucksvollen Texten und der harmonisch schönen Musik erweisen sich diese beiden Songs als ware Kleinodien. Aber auch der Rest von "tabula Rasa" braucht sich nicht zu verstecken, das Niveau der Stücke ist durchweg hoch. Schon allein die Neubauten typischen Klangforschungen und die wie immer ungewöhnliche Instrumentierung lohnen den Kauf dieses Werkes.

DIE ALLERGIE
Psalm in Blei
Spin Records/EMI
Sogar einer wie ich, für den Trends nichts weiter sind als eine Krücke für phantasielose Spinner ohne eigenen Geschmack, muß erkennen: »Die Allergie« sind das nächste große Ding! Spin Records aus München haben einen goldenen Riecher bewiesen, auch wenn sich die "Betroffenen" selbst nicht erklären können, wie sie gleich mit ihrem Debüt bei einem Unterlabel der EMI gelandet sind. Die Musik der Schwäbisch Haller geht einem nicht so schnell auf den Sack wie die anderer angesagter Kapellen; dennoch haben mich die Texte zuerst fasziniert. »Psalm in Blei« besteht aus 11 lyrisch hochbrisanten Versen. So läßt »Paß auf (Selbstjustiz)« vordergründig auf eine "Rübe ab!"-Einstellung zum Thema Kindesmißbrauch schließen. In Wahrheit wollte Drummer Vlocky die erste Reaktion eines verzweifelten Vaters beschreiben, ohne eine Wertung vorzunehmen. Hut ab, der Bursche kann echt gut mit Worten umgehen! Auch beim Selbstverständnis seiner Gang trifft er den Nagel ohne Schwierigkeiten auf den Kopf: »Mit Worten und mit Reimen werden wir euche exekutieren!« Dies ist das wahre Abenteuerland - verstörend, betörend, hundsgemein, faszinierend, gefährlich, schön. Im März mit »Napalm Death« (Hi, ce!) und »Crowbar« auf Tour! (ms)

DIE BRAUT HAUT INS AUGE
Was nehm ich mit?
RCA
Der Name täuscht: Hier kommt keine wüst um sich schlagende Girliehorde und schon gar keine feministische Kampftruppe. Auch die zweite Vermutung ist falsch: Die »Braut« ist kein Blödelverein, der den zweitausendsten badegesalzenen, mief-miefigen Katzenklo-Aufguß eingespielt hat. Die vier Damen beherrschen zwar auch die witzige Tour, dosieren ihre Gags aber eher sparsam. Viel eher beherrscht ein nachdenklich-melancholischer Ton die raffinierten Beat-Miniaturen, die musikalisch vor allem von Karen Dennigs Doors-angehauchtem Orgelspiel geprägt werden. Nicht zu vergessen natürlich der subtil und abwechslungsreich eingesetzte Gesang, bei dem sowohl die Thematik als auch die Interpretation entfernt an Ulla Meinecke erinnern. Und dann verschiebt sich die Perspektive plötzlich ganz weg von poppigen Gefilden, hinein in die Welt von Edith Piaf und Jacques Brel. Die Beat-Chansons der vier sind manchmal so wahr und so voll der süßen Melancholie, daß man weinen möchte... (lj)

DIE GOLDENEN ZITRONEN
das bißchen Totschlag
Sub Up Records
Die ZITRONEN gelten als Mitbegründer des bierseligen Fun-Punks, fühlen sich aber gründlich mißverstanden. Damals wollten sie die Bierseligkeit deutscher Festzelte persiflieren, stattdessen erreichten die feuchtföhlichen Punk-Sauforgien selbst Jahrmarktniveau. »das bißchen Totschlag« geht neue Wege: Es ist eine wütende Abrechnung mit dem Rechtstrend in der Bundesrepublik, musikalisch rauh, aber klug durchdacht, einfallsreich und auf der Höhe der Zeit. RAGE AGAINST THE MACHINE treffen TON, STEINE, SCHERBEN. Nein, nicht nur ein fantasieloses Gerotze zusammengehauner Aggressivtexte. Stattdessen eine Klangcollage aus Geräusch- und Medienschnipseln, Schlagerzitaten, schmutzigen Gitarren und Orgeln, funkigen Grooves und gerappten, deklamierten, herausgeschrienen und im persiflierenden Tonfall gesungenen Kommentaren zur Lage der Nation. Das interessante Album aus deutschen Landen seit langem - wird mit Sicherheit Kult in der linken Szene!
(lj)

DIVERSE
A Mission Into Drums
EYE-Q/Warner
Immer kürzer werden die Zwischenräume, in denen ich ohne die nächlichen Ausflüge in fremde Galaxien auskomme. Diesmal begleitet vom Sound des EYE-Q Sublabels »Recycle Or Die«. »A Mission Into Drums« nennt sich der Sampler, der auf rhythmische Weise einige Arbeiten aus dem Hause EYE-Q vorstellt. An Bord befinden sich Stevie Be Zet, Oliver Lieb  und Ralf Hildenbeutel, die allesamt als Vertreter der Ambient-Scene gelten. Relaxen ist deshalb auch das oberste Gebot. Schweb!!
(om)

DIVERSE
Artificial Intelligence II
warp/rtd
Nur wenige Sekunden nach Einlegen des Datenträgers »Artificial Intelligence II« öffnet sich die Tür zum Warp-Weltraumbahnhof und eine freundliche Gestalt (Mark Franklin) nimmt die Begrüßung vor (»Release to the System«). Über 75 Minuten lang habe ich nun die Chance, mir dieses phantastische Gebilde zu betrachten. Kaum aklimatisiert erfolgt z.B. schon eine Führung durch das künstliche Biotop (The Higher Intelligence Agency), welches mit allerlei seltsamen Wesen gefüllt ist. Wem das nicht zusagt, der kann sich auch direkt in das Zentrum der Kommunikation bewegen (Link), obgleich es viel stimulierender ist, den Wegweisern der Besucherkarte zu folgen. Schlag auf Schlag werden dem Besucher Sounds und Bilder ins Hirn projiziert, die bewirken, daß nicht eine Sekunde lang so etwas wie Langeweile aufkommt. Grüße aus dem space shuttle! (om)
 

DIVERSE
BritPop (Vol. 1)
Sony
Nachdem OASIS es nun endlich geschafft haben, wirkt der BritPop-Hype ein wenig glaubwürdiger. Um die englische Musikszene nach jahrelangem Dahindümpeln in der Welt wieder zu etwas zu machen, dienen dann auch solche Sampler. Diesen kann man aber aus zwei Blickrichtungen betrachten. Auf CD 1 findet man zwar noch die jungen Brit-Pop-Bands der Stunde (OASIS, BLUR, ECHOBELLY oder ELASTICA), auf CD 2 hingegen findet man Gruppen mit Hits aus vergangenen Tagen (EMF, JESUS JONES, SHAMEN oder NEW ORDER), die mit der heutigen BritPop-Bewegung reichlich wenig zu tun haben. Aufgrund der wirklich guten Zusammenstellung der Songs, mit Hits, die man schon immer mal auf einer Scheibe haben wollte, kann man aber über den »Ausverkauf« hinwegsehen! (hs)

DIVERSE
Celtic Circle Sampler
semaphore
Noch unausgereifte Tracks junger Combos im Entwicklungsstadium gesellen sich zu hochkarätigen Songs bereits etablierter Bands wie LACRIMOSA, GOETHES ERBEN oder DAS ICH, um die beiden CD's des düsteren Celtic Circle Labels mit spannungsreichem Elektro zu füllen. Leider bleibt es aber bei wenigen wirklich hörenswerten Tracks. Äußerst simpel stukturierte Songs bilden das Gros der Platte, wirken peinlich und behäbig und lassen dich die Skip-Taste ganz fest durchdrücken. Jedoch, fast jedes Stück trägt diesen düsteren Schleier, blauer Nebel ist real und mag die Eingeweide zuschnüren - atmosphärisch einfach so, wie ein Wave-Sampler sein muß, den Tod celebrierend. (tb)

DIVERSE
CELTIC CIRCLE SAMPLER
semaphore
Noch unausgereifte Tracks junger Combos im Entwicklungsstadium gesellen sich zu hochkarätigen Songs bereits etablierter Bands wie LACRIMOSA, GOETHES ERBEN oder DAS ICH, um die beiden CD's des kleinen Celtic Circle Labels mit spannungsreichem Elektro zu füllen. Leider bleibt es aber bei wenigen wirklich hörenswerten Tracks. Äußerst simpel stukturierte Songs bilden das Gros der Platte, wirken peinlich und behäbig, und lassen dich die Skip-Taste ganz fest durchdrücken. Jedoch, fast jedes Stück trägt diesen  düsteren Schleier, blauer Nebel ist real und mag die Eingeweide zuschnüren - atmosphärisch einfach so, wie ein Wave-Sampler sein muß, den Tod celebrierend. (tb)

DIVERSE
Global Celebration
ellipsis arts/veraBra, 4-CD-Box
"Global Celebration" hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen, da diese Sammlung schon fast meiner Wunschvorstellung entspricht. Nachdem das erste Set "Global Meditation" in der Mehrzahl die Stars der World-Beat-Scene auf ebenfalls vier CDs präsentierte, wodurch es sich dem Einsteiger anbot, bewegt sich "Global Celebration" stark Richtung Roots. Auch diesmal hat man sich bei ellipsis arts für eine Themenaufteilung mit je einer Platte entschieden: »Dancing with the Gods«, »Earth Sprit«, »Passages« und »Gatherings«. Die Vielfalt, die dabei zustande kam, ist kaum zu beschreiben. So folgen den Gesängen der Hopi-Indianer Szenen aus einem Irish Pub, werden alte Inka-Gesänge von marrokanischen Opferungsgebeten abgelöst, oder es folgt nach balinesischer Folklore Musik aus Mozambique. Alles bildet eine Gefüge und strahlt selbst über die Konserve noch Wärme aus, so daß der Reise durch die Kontinente nichts im Wege steht. Auch hier liegt übrigens wieder ein ausführliches booklet bei, in dem die Geschichte jedes einzelnen Titels nachzulesen ist. Ein kleiner Wehmutstropfen ist dennoch vorhanden. Obwohl das Label ellipses arts auf seine Mitgliedschaft in der "Rainforest Alliance" verweist und auch ein teil des Verkaufserlöses zu dessen Gunsten gehen, werden die CDs in 08/15 CD-Hüllen ausgeliefert. Ob das dem Regenwald wohl so gefällt? (om)

DIVERSE
In The Name Of The Father
Original Motion Soundtrack
Island Records
Der Soundtrack zu dem überaus gelungen Polit-Film »In the Name of the Father«, der bei der diesjährigen Berlinale überraschend den Goldenen Bären gewann, serviert ein Querschnitt alter Hits, aber genau solche, die man schon immer im Schrank haben wollte, z.B. »Voodoo Chile« vom Altmeister Hendrix und Stücke von Bob Marley, den KINKS oder THIN LIZZY. Die eigens für diesen Film geschriebenen, neuen Songs steuert TREVOR JONES mit seinen Instrumentalwerken bei sowie der schmerz-fühlende Song von Sinead O'Connor. Das Titelstück geht aus dem Duett des U 2-Sänger Bono mit Gavin Friday hervor. Ein ebenfalls schmerzbeladenes Stück, welches sich im Mittelteil stark des irischen Folks bedient. Eindeutig ein Highlight der Scheibe! Ein weiteres Duett der beiden klingt wesentlich pop-orientierter, ein Mix aus dem Rhythmusgefühl der STEREO MC`S mit einer Affäre der Zooropa-Sessions. Fazit: Diese CD ist nicht nur ein Aufhorchen der U2-Fans wert. (hs)

DIVERSE
Kiss My Ass
Phonogram
"Aus alt mach neu": Unter diesem Motto hat sich eine Legion von Musikern zusammengefunden, um eine Band zu ehren, die sie in ihrem musikalischen Werdegang beeinflußt, ja sogar geprägt hat. Die Rede ist nicht von den BEATLES, den STONES oder von den DOORS, nein, KISS sind gemeint. Es versteht sich von selbst, daß 12 höchst eigenwillige Interpretationen herauskommen, wenn sich Musiker wie Lenny Kravitz (im Duett mit Stevie Wonder), ANTHRAX, THE LEMONHEADS, DIE ÄRZTE, EXTREME oder THE GIN BLOSSOMS an den Stücken der Altmeister versuchen. Besonders Lenny Kravitz (Gesang) und Stevie Wonder (Harmonica) gelingt es meisterhaft, die guten alten 70er aus dem KISS-Klassiker »Deuce« herauszukitzeln. Viel härtere Töne schlagen ANTHRAX bei »She« an. Auch SHANDIS ADDICTION (bestehend aus Musikern von RAGE AGAINST THE MACHINE, FAITH NO MORE und TOOL) drücken dem Ur-Alt-Kiss-Song »Calling Dr. Love« ihren typischen Industrial-Stempel auf. Andere Ländere, andere Sitten: DIE ÄRZTE verewigen sich mit einer wortwörtlich übersetzten Version von »Unholy« (Unheilig) auf dem Sampler, und last but not least befleißigt Garth Brooks, seines Zeichens Country- und Western-Guru, seine Slide-Guitar, um die Ballade »Hard Luck Woman« zum richtigen Trucker-Schmachtfetzen zu mutieren. Ganz außergewöhnliche Blüten scheint das KISS-Revival in Japan zu treiben. Klassik-Star Yoshiki arrangierte den KISS-Knaller »Black Diamond« für Orchester und Klavier. Wenn das Mozart wüßte! (ps)

DIVERSE
My Generation Rockin' Through The 80's
Intercord
Mit Samplern ist das ja immer so eine Sache... Oft kauft man sie wegen 5 oder 6 guter Stücke und der Rest der CD ist dann entweder ganz nett oder der allerletzte Schrott. Das genaue Gegenteil davon ist ein Sampler aus dem Hause Intercord, der ungelogen das Beste vom Besten aus den 80er Jahren von der Musikgattung Rock präsentiert. 33 fast ausnahmslos gute Stücke auf der Doppel-CD bringen mehr als 2 1/2 Stunden Rock pur. Ein kleiner Auszug aus dem Inhalt: TOTO »Hold The Line«, ASIA »Heat Of The Moment«, FOREIGNER »Urgent«, BOSTON »More Than A Feeling«, EUROPE »The Final Countdown«, HOOTERS »All You Zombies« und SNIFF'N'THE TEARS »Driver's Seat«. O.k., DM 45,- sind eine Menge Geld, doch bei dem Inhalt dieser Doppel-CD gut angelegt. Wer noch auf der Suche nach ein paar Stücken für seine Sammlung ist, der ist mit diesem Sampler gut bedient. (cr)

DIVERSE
Naive
Earache
Billig-Sampler des Earache Labels. Je 2 Songs von 7 progressiven Earache Bands (u. a. PAINKILLER, FUDGE TUNNEL, SCORN). Lohnt sich!!
 
 
 

DIVERSE
Pop
Do we not like that?
too pure/rtd
Noise-Pop, Gitarren- oder Spacerock bis hin zur Avantgarde, so läßt sich die Vielseitigkeit des too pure-Labels umschreiben. Anläßlich der Vertriebsübernahme durch Rough Trade gibt es einen Sampler, der die Bandbreite recht gut aufzeigt, und Leckerbissen wie etwa MOUSE ON MARS mit ihrem Renner »Frosch« enthält .

DIVERSE
Spirit Of `73
Sony
The Nineties meet the Seventies. Daß das nicht nur Neil Young und Pearl Jam vermögen, zeigen die hier versammelten Songs, die allesamt aus dem Jahr 1973 stammen, z.B. von den Bee Gees, den Bangles, Patti Smith oder Joni Mitchell. "Gecovert" wurden sie von z.Z. aufstrebenden amerikanischen Frauenbands und Sängern wie LETTERS TO CLIO, INDIGO GIRLS, THAT DOG, L7 oder SARAH McLACHLAN. Nach mehrmaligem Hören erstaunt die musikalische Geschlossenheit des Albums, daß es immerhin fertigbringt, so unterschiedliche Musikstile wie Disco, Soul, Rock und Folk im typischen Sound der 90er zu vereinen: Grunge-Gitarren neben Unplugged-Sounds, stampfendes Schlagzeug neben subtil gebrochenen Stimmen. Besondere Leckerbissen sind SOPHIE B. HAWKINGS schauderhaft-schöne Version von »The Night They Drove Old Dixie Down« (auch als »Conny Kramer bekannt«) und PETs melancholischer Ohrwurm "Have You Ever Been Mellow". (pw)

DIVERSE
Techno Trax Vol. 10
Zyx Music
Die Serie der »Techno Trax« scheint nicht abzureißen. Wir befinden uns mittlerweile bei Vol. 10: Mehr als 145 Min. Musik zum "Abraven".

DIVERSE
The Jefferson Family
BMG
Was hier im Gewand einer Best-Of-Zusammenstellung daherkommt, ist in Wirklichkeit eine überaus aufschlußreiche Darstellung der musikalischen Spannbreite der Gruppen und Musiker, die irgendwie und irgendwann einmal im Zusammenhang mit der Westcoast-Rockband JEFFERSON AIRPLANE zu tun hatten. In San Francisco galten sie dank ihrer politisch engagierten Texte als die Stimme der Love-Generation, bereits 1967 hatten sie zwei Singles in den Top Ten Amerikas. JEFFERSON AIRPLANE, das waren vor allem Grace Slick, Amerikas Rock-Röhre Nr.1 der späten 60er, Sänger und Hippie-Poet Paul Kantner und Jorma Kaukonen, einer der damals genialsten Gitarristen. Natürlich auch Papa John Creach, der mit seinem funkigen Gefiedel den Sound der späten JEFFERSON AIRPLANE nachhaltig prägte. Die vorliegenden Aufnahmen wollen nun belegen, wie vielseitig die musikalischen Aspirationen der Gruppe und ihrer Mitglieder waren. Von Kaffeehausmusik über gepickten Folk, gezeterten Blues, unerträgliches Hippie-Harmoniegesülze, dreckigen Funk und biederen Country-Song bis hin zum kommerziellen STARSHIP-Absahner "Sarah" (1985) ist alles vertreten. Natürlich auch dabei: die beiden typischen AIRPLANE-Klassiker »Somebody To Love« und »Have You Seen The Saucer«. Auf diesem einzigartigen Zeitdokument ist alles vertreten, was an musikalischen Experimenten bis zur Mitte der 80er vorstellbar ist. Ein originelles Denkmal für eine noch zu entdeckende Legende der Rock-Musik! (pw)

DIVERSE
The Moon Revisited
Magna Carta/Road Runner
Es wird eng auf dem Mond: Nachdem die 3 übriggebliebenen Pink-Floyd-Veteranen um den feisten David sich seit Jahren wieder und wieder zur dunklen Hälfte aufmachen, macht sich nun auch der Nachwuchs auf zum Erdtrabanten. CAIRO, SHADOW GALLERY, ROB LAVAQUE, ENCHANT, ROBERT BERRY und einige andere Freunde der einstigen Kult- und späteren Bombast-Truppe haben das Raumschiff bestiegen, um »Dark Side Of The Moon« neu einzuspielen. Leider, leider haben die Psycho-Youngsters viel zuviel Respekt vor den alten Herren! Die ersten vier Stücke sind bemüht, Ton für Ton die Original-Atmosphäre von einst einzufangen. Das gelingt bis auf das mißglückte Frauenstimmen-Solo ganz gut, doch: Wozu das ganze? Schließlich liegt das Original doch inzwischen in einer excellenten Digital-Abmischung auf CD vor! Erst MAGELLAN machen mit einer swingenden Cover-Version von »Money« deutlich, daß es auch mit Witz und Ideen gegangen wäre. ENCHANT machen dann aus »Us And Them« eine respektable Depri-Pop-Nummer. Dann gibt es noch ein zu Herzen gehendes All-Star-Chor-Finale - doch reicht das alles, um diesen teuren Trip ins All zu rechtfertigen??? Nein: Eine »Money«-Single hätte gereicht! (lj)

DIVERSE
Wo ist zu Hause, Mama # 1
trikont/indigo
Perlen deutschsprachiger Popmusik verspricht der Untertitel dieser Zusammenstellung, und das trifft ausnahmsweise genau ins Schwarze. Was der Schriftsteller Franz Dobler (u.a. "Tollwut", "Bierherz", "jesse james und andere Westerngeschichten") hier zusammengestellt hat, birgt eine Überraschung nach der anderen in sich. Allein der Titelsong "Wo ist zu Hause, Mama", die digitalisierte Originalversion aus dem Jahr 1959 von Johnny Cash, ist schon fast Grund genug zum Kauf dieser Scheibe. Einfach klasse! Aber, wie schon erwähnt, es geht Schlag auf Schlag weiter. Da sind DIE STERNE mit »Es möchte echt sein«, oder F.S.K., die sich mit ihrem folkigem »Dieseloktoberfest« fast wie die legendären TELLER BUNTE KNETE anhören. Aber auch die Stars der Scene, wie ELEMENT OF CRIME oder die FLOWERPORNOES, fehlen nicht. Doch lassen wir uns lieber überraschen, etwa von DANNY DZIUK mit "Männer unter sich" oder FANNY VAN DANNEN und seinem »Nana Mouskouri« (oberschräg). Alles in allem eine Bandbreite die vom Pop über Folk bishin zum Punk keinen Wunsch offen läßt. Zusätzlich gibt's Texte, die das Hirn in Bewegung versetzen, und nich lähmend wirken. Endlich! Dobler zitiert im Booklet Karl Bruckmaier mit: "Etwas besseres als das Gute haben wir nicht im Kampf gegen die Verblödung." So isses. (om)

DIVERSE
yo mama's nature
yo mama rec./ewm
CUNNY WILLIAMS, REALITY BRO-THERS oder POETS OF PEEZE sind nur einige Namen, um die unsere Musikszene bereichert wurde, seit es das Yo Mama Label in Hamburg gibt. Yo Mama stehen für erstklassigen Acid-Jazz und feinsten Hip Hop, für guten Raggae-Stuff sowie wunderbaren seventys Funk. Wer alles das liebt oder aber erste Schritte in diese Richtung unternehmen möchte, für den führt kein Weg an YO MAMA'S NATURE vorbei. (om)

DOORS
An American Prayer
wea Elektra
Endlich ist sie da, die Versilberung der LP "An American Prayer" von JIM MORRISON. Fast zwanzig Jahre ist es her, daß die Vinylversion mit aufwendigem Klappcover auf den Markt kam. Auch für die CD-Version haben sich Manzarek, Krieger und Densmore einiges einfallen lassen. So gibt es 3 bisher unveröffentlichte Titel. Außerdem wurde ein Großteil des Materials von den DOORS-Musikern neu überarbeitet, was eine erstaunliche Qualität zur Folge hat. Verwendet wurdenGedichte und Songvorlagen, die Jim vor seinem Tod im Studio aufgezeichnet hatte. Über eine wunderschöne Collage der DOORS-Songs wurde einfühlsam die Stimme von Jim Morrison gelegt. »An American Prayer« entstand vier Jahre nach dem Tod von Jim Morrison, der am 25. April `74 in Hollywood an einer Überdosis Heroin starb, und wirkt, als habe er seinen eigenen Nachruf produziert. (om)

DORAN, STUDER, MINTON, BATES, ALI
Play The Music Of Jimi Hendrix
vera Bra/Call It Anything
"Hendrix-Coverversion, die hundertste...", könnte man meinen. Trotzdem bringt die Scheibe etwas ganz Neues. Haben sich schon viele, aus dem Bereich der Rock-Musik, mit dem Ausnahme-Gitarristen beschäftigt, so warten hier versierte Jazzer mit Hendrix-Interpretationen auf. Kompetente Musiker waren am Werk: Gitarrist Christian Doran, Drummer Fredy Studer, Amin Ali am Bass, Django Bates an den Keyboards und Vokalist Phil Minton. Aufgegriffen wurden mehr oder weniger die bekanntesten Stücke von Hendrix. Die improvisatorischen Behandlungen gehen aber des öfteren ihre eigenen jazzigen Wege, welches ja eine Eigenart der Jazz-Musik ist. Da kommt es schon vor, daß aus dem jeweiligen Thema eine ganz neue Interpretation heraus kommt. Eine interessante Platte die aber für den normalen Hörgenuß etwas zu weit in die Jazz-Ecke geht. Der eingefleischte Fan der Gitarristen-Legende sollte vor dem Kauf lieber eine Hörprobe machen, um nicht später enttäuscht zu sein. Trotzdem eine gelungenes Werk mit einem interessanten Ansatz für ein musikalisches Konzept, das Entwicklungsmöglichkeiten offen läßt. (jü)

DORO
Machine II Machine
Mercury/Phonogram
Mit gehöriger Skepsis vernahm ich, daß auf dem neuen Werk von Deutschlands bekanntester (nicht bester!) Rocksängerin Industrialeinflüsse zu finden sein würden. DORO goes Trend, oder was!? Mit entsprechend angelegten Ohren ging ich an »Machine II Machine« heran. Doch schon bei den ersten Takten von »Tie Me Up« gerieten selbige gewaltig ins Rotieren. Obgleich bei weitem nicht der stärkste Track des Albums, nimmt der neue Sound der Düsseldorferin sofort gefangen und läßt für mehr als 70 (!) Minuten nicht wieder los. Okay, sammeln wir Pluspunkte: Natur- und Computerklänge wurden aufs Vortrefflichste verknüpft, daß selbst beinharte Traditionalisten diese Platte lieben müssen. Besonders angetan haben es mir die afrikanischen Rhythmen, die regelrecht süchtig machen. Und da Exotik stets mit Erotik zu tun hat, singt DORO sexy - über Sex! Das kam bisher nur von außen, für die zierliche Blondine war das so direkt nie ein Thema. Doch die Dreißigjährige ist deutlich gereift: »The Want«, das den lyrischen Stein ins Rollen brachte, klingt zu keiner Sekunde billig   la LITA FORD. DORO's Interpretation ist dem Standard angemessen. Der Wahl-New Yorkerin geht es darum, Gefühle rüberzubringen und auszulösen; Reime sind auf »M II M« eher spärlich vertreten. Für die Tour im Herbst hoffe ich, daß DORO Meistergitarrist Earl Slick (DAVID BOWIE, JOHN WAITE) bezahlen kann, trägt er doch maßgeblich dazu bei, daß die 14 bzw. 15 Songs wie in Eisen gegossen dastehen, DORO's Neunte zu ihrer Besten machen - neben dem ultrapersönlichen »True At Heart« von 1991. (ms)

DUB WAR
Dub War
Earache/Intercord
Für Earache etwas ungewöhnliche Töne produzieren DUB WAR aus England. Nicht das übliche Ultrageschmetter oder sonstwie finstre Ergüsse finden sich auf diesem Debüt, sondern ein orgineller Mix aus Club-Beats, soll heißen so Raggamuffin-, Hip Hop-, Jungle-,  irgendwas-Grooves und Trashriffs. Garniert ist das Ganze mit 'nem Haufen Sampels und ruhelosen Vocals, die mal gerappt, mal gesungen und mal sonstwie daherkommen. Keine einfach zu beschreibende Scheibe, aber 'ne originelle, die in eine Richtung geht, die noch gar nicht richtig gedacht ist, aber 'ne Menge verspricht. DUB WAR halten das Versprechen nicht ganz, einige Songs haben Längen, einige wirken unausgegoren. Vieleicht wird das näxte Album so richtig geil, bis dahin sollte man aber DUB WAR schon mal gehört haben. (ce)

DWHAL KHUL
Schächtungskind
Antiphon/Apollyon
Schon seit geraumer Zeit beherbergt Kassel Apollyon Records, deren Releases immer wieder die Zillo-Rezensionsseiten besiedeln. Eines der Projekte, das über Apollyon den Weg dorthin fand, ist DWAHL KHUL, deren CD »Victim Or Murderer« vor drei Jahren noch unreife Gehversuche im Land des dunklen Industrials beinhaltete. Anders »Schächtungskind«, die neueste Geburt der beiden namenlosen Kassler Soundmonteure. DWAHL KUHL ist es diesmal gelungen, einen eigenen Ort zu besetzen, zwischen Scorn und G.G.F.H., zwischen Foetus und SPK. Manchmal nah dran am Techno, doch immer mit genug Abstand, um nicht hineinzugeraten in die arglose Partylaune dieser Szene. Vielmehr legt »Schächtungskind« tiefe Schichten frei, bringt sie in Bewegung, bis der Hörer erfaßt wird, in einen 55-minütigen Strudel gerät, der immer weiter hinabführt. Dabei den Dingen ihre Schönheit raubt, nur Groteskes und Bizarres stehenläßt. 13 mal finden dunkle Farben neue Formationen in DWAHL KHULS Kaleidoskop der Grausamkeit. Menschen, die Endzeitstimmungen huldigen, liefert die CD zweifelsfrei ein Faszinosum. (ce)

EARTH
Earth 2
Subpop
Einige werden austöhnen, wenn sie sehen, daß EARTH auf Subpop erscheint. Doch aufgepaßt: EARTH entsprechen nicht unbedingt dem, was man von Subpop gewöhnnt ist, ihre Musik ist kein Grunge und auch kein Retro-Rock. Dennoch gehört die Band auf Subpop, weil sie kompromißlos die Stimmung erzeugt, die Subpop und den Seattle-Sound prägen: dichte, düstere regen- und smogverhangene Melancholie und Klaustrophobie, kompromißlos und gnadenlos. Das fängt schon bei der Besetzung der Band an - EARTH bestehen aus einem Gitarristen und einem Bassisten, deren Maxime lautet: so langsam wie möglich spielen. Earth, das ist ein dichtes, fettes schleichendes Feedback-Dröhnen, das entsteht, wenn Speedmetalriffs bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, so langsam wie möglich gespielt werden. Die 73 Minuten lange CD besteht aus drei Stücken, bei jedem Stück werden weniger Töne benutzt, der letzte Song besteht aus nur einem dichten klaustrophobisch dröhnendem Ton, der sich zwanzig Minuten lang in jede Ritze drückt. "Earth" ist eine Stimmungsmaschine, die keine Ausetzer kennt, stoisch weiter arbeitet...(ce)

EARTH NATION
Terra Incognita
Eye-Q Records
Der Frankfurter Ralf Hildenbeutel, der vor allem mit seinen Produktionen für Sven Väth Erfolge feierte, veröffentlicht nun den zweiten Longplayer seines Projektes EARTH NATION. Im Gegensatz zum Ersten wird hier fast völlig auf Gesang und ausgefallene musikalische Experimente verzichtet und ein reines, zum Tanzen mitreißendes Techno-Album präsentiert. Entgegen dem im Trend liegenden Minimalismus ist es allerdings äußerst aufwendig produziert. Mit immer wieder übereinandergelegten sphärischen Klängen und mitreißenden Rhythmuselementen werden komplexe, oft bombastisch wirkende Spannungsbögen erzeugt, die zwar den sagenumwobenen Trance-Effekt beim Tanzen eventuell eintreten lassen, zu Hause hingegen aber schnell "totgehört" werden könnten. (md)

EINHEIT, BRÖTZMANN
Merry Christmas
RTD
Zwei Avantgarde-Koryphäen beim Versuch zu musiziren, irgendwie über meinem Horizont, bzw. nichts geworden, einige Sounds für sich sind interessant, die Songs an sich unhörbar, da Krach, dem Koordination fehlt (danke Andy), der nicht fließt oder fesselt, sondern vor sich hin mutiert, ohne Sinn, und Struktur, der interessante Namen hat, vielleicht das eine oder andere Aha oder Oho provoziert, irgendwie nervt und langweilt und kein Ende findet, genau wie dieser Satz.
 
 
 
 
 

ELOY
Chronicles I
spv
ELOY verbanden verträumten Synthie-Rock vom Schlage PINK FLOYD mit der ganzen Schwere der deutschen Seele. Sie waren geradezu die idealtypischen Exponenten von dem, was man nicht immer besonders freundlich gemeint als "Kraut-Rock" bezeichnete. ELOY hatten damit aber im Gegensatz zu vielen Kollegen Ende der siebziger Jahre auch auf internationalem Terrain beachtliche Erfolge. Rund 2 Millionen Mal gingen ihre Alben mit so ehrfurchtsgebietenden Titeln wie »Silent Cries And Mighty Echoes«, »Ocean« oder »Time To Turn« über den Verkaufstisch. Da im Moment wehmütig auf die Siebziger zurückgeblickt wird und die Aufnahmetechnik das Recyclen alter Aufnahmen in digitaler Klangqualität möglich macht, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich Bornemann & Co. ihrer Sternstunden erinnerten. Nun kommen sie also, die »Chronicles« - ausgedehnte Epen im Stil der guten alten Zeit knallen und schwimmen im Sound der neuen aus den Boxen. Nostalgikern sei die geschmackvoll zusammengestellte Chronik durchaus ans Herz gelegt. Wer diese Musikrichtung allerdings wirklich liebt, ist mit den wesentlich originelleren und spieltechnisch brillanteren Frühwerken von YES, FLOYD und GENESIS weit besser bedient. Die ganz Hartgesottenen können sich schon auf »Chronicles II« freuen, die mit Sicherheit folgen soll. (lj)

ENERGY ORCHARD
Shinola
Essential Records
ENERGY ORCHARD aus Irland haben sich dem handfesten Blues-Rock verschrieben. Kennzeichnend für die Band sind der virtuose Gitarrist Paul Toner, die rauchige Stimme von Bap Kennedy sowie die überall zu findenden Hammond-Sounds des Keyborders Kevin Breslin. Während die Mid-Tempo Songs eher unauffällig sind, gehen das schnelle »Atlantic City« und die Ballade »In My Room« mit Background-Chor ins Ohr. Absolute Highlights der Scheibe sind jedoch die Irish Folk-Stücke »The Star Of The County Down« und »I`m No Angel«, wo E.O. ihre irische Heimat offenbaren. Der Klang der Platte ist an sich o.k., stellenweise hätte er ein bißchen dynamischer ausfallen können. Alles in allem aber eine überaus empfehlenswerte Platte. (mr)

ENIGMA
The Cross Of Changes
Virgin
Sicherlich wird vielen noch das erste Enigma-Album mit seiner besinnlichen Gregorianik in Erinnerung sein. Immerhin verkaufte der clevere Klangzauberer Michael Cretu von dieser Scheibe weltweit über sieben Millionen Exemplare. Nun folgt mit "The Cross Of The Changes" Teil 2 der schier unendlichen Erfolgsgeschichte. Besonders deutlich wird auf dem neuen Werk der Einfluß der Bombast-Veteranen Pink Floyd, was aber nicht negativ zu hören ist. Ebenfalls kommt ganz deutlich heraus, daß Cretu einen offensichtlichen Hang zur Mystik hat. Zwar hat der Musiker diesmal nicht die Gregorianik geplündert, doch bedienen sich die Texte samt und sonders der Esoterik und teilweise auch der Religion. Neben mittelalterlichen Motiven finden sich auf dem Album auch einige hörenswerte Elemente aus dem Bereich der ethnischen Musik. Der ein oder andere Titel wird mit ziemlicher Sicherheit wieder in den Charts auftauchen. Denn Cretu hat es geschafft, Klang-Collagen aus sphärischen Tönen und aktuellen Dance-Grooves homogen zu mischen. (jü)

ERASURE
I Say, I Say, I Say
Intercord
...und wieder der Beweis, wie wichtig Strom aus der Steckdose ist. Andy Bell und Vince Clarke knüpfen an ihre bekannte Disco-Tradition an. Der Computer ist und bleibt eben ihr liebstes Instrument!!!

ERIC BURDON & BRIAN AUGER BAND
Access all Areas - live
spv
Nachdem der Ex-Animals-/War-Boß und Mr. 60's-Organ zueinandergefunden hatten, war es nur eine Frage der Zeit, daß dieses Ereignis auf CD dokumentiert werden mußte. Hier kommt die Doppel-CD der beiden alten Herren mit Live-Aufnahmen vom zurückliegenden Sommer. Da sind sie wieder, die zeitlosen Klassiker: "When I Was Young", "Tobacco Road", "River Deep Mountain High", "Spill The Wine" - und natürlich das unvermeidliche "House Of The Rising Sun" (in 11-MinutenVersion, mit 2-minütigem Gitarren-Intro). Ehrlich gesagt stelle ich es mir ja etwas trist vor, jahrzehntelang die selben alten Schinken hoch- und runterdudeln zu müssen. Während Brians Finger allerdings gelenkig und virtuos wie eh und je die Läufe heruntersprudeln und den manchmal etwas monoton-klobigen Songs Burdons einen jazzigen Kick verpassen, kann der Meister selbst die Jahre nicht mehr verleugnen. Einst klang er wie ein Jagger mit tiefschwarzem Timbre. Sicher, irgendwie hat er noch den Blues, aber es klingt nur noch traurig und abgefuckt - heute glaubt man kaum noch, daß das strahlende Timbre seiner Stimme die Lautsprecher zum Strahlen und die Herzen zum Schmelzen bringen konnte. Da nützt es auch nichts, daß er ab und zu auf Louis Armstrong macht. Wer allerdings bis zum Schluß durchhält, wird mit einer funkig angehauchten Studio-Version des Working-Blues-Klassikers "Sixteen Tons" entschädigt, bei der Eric noch einmal fast zur alten Form aufläuft. Erwähnt werden muß auch noch die originelle, ja skurrile Reggae-Version von "Don't let me be missunderstood". Ansonsten: aufgewärmte Hausmannskost! (lj)

ERIC CLAPTON
From The Cradle
Reprise Records
Nach »Unplugged« hätte man es ja eigentlich ahnen können... Aber welcher noch so eingefleischte Clapton-Kenner, bitte, hätte vorauszusagen gewagt, daß Mister Slowhand je den Mut zu einer derartigen Konsequenz aufbringt: rückhaltlose Rückkehr zur Wiege des Blues... - nichts weniger mutet uns der Gitarrengott mit seiner neusten Platte zu: 16 verstaubte Blues-Titel, darunter keiner von Clapton selbst geschrieben - das ist schon, was man eine ausgewachsene Sensation nennen darf. Eine Huldigung an den Blues mitten in den Techno-90ern, die mich fassungslos mit der Frage zurückläßt, welche Überraschung uns die lebende Rocklegende das nächste Mal servieren wird. Zur Platte selbst: Das Konzept, bei den Aufnahmen weitestgehend auf Overdubs oder Gesampeltes zu verzichten, also alles mit der Band in einem Durchgang - sozusagen "live" -  einzuspielen, verleiht dem Blues den notwendigen "dreckigen" Sound, der dem Swing und dem Feeling der meisten Bluesnummern am ehesten gerecht wird. Erstaunlich, was Clapton dabei selbst so abgelutschten Blues-Klassikern wie »Hoochie Coochie Man« oder Dixons »Groaning the Blues« abzugewinnen vermag, besonders was seinen früher vielgescholtenen Gesang betrifft. Freilich werden bei 16 Bluestiteln in Folge selbst die Hörgewohnheiten des gutwilligsten Hörers arg strapaziert. Bin gespannt, wie die CD in den Charts abschneidet. Nach dem Tode von Alexis Korner ist Clapton mit diesem Album jedenfalls vorerst erster Anwärter auf den Erbtitel "King of the Blues". (pw)

EXUMA
Do Wah Nanny/Snake/Reincarnation/Life
Buddah Rec./Castle Communication
Bei Castle Communication-Deutschland sind jetzt vier Platten der afroamerikanischen Percussionband EXUMA erschienen, die Anfang der 70er Jahre bei Buddah/Kama Sutra-Records
erstveröffentlicht wurden. Obwohl beispielsweise Do Wah Nanny/'71 ihre meistverkauften LPs in Venezuela waren, handelt es sich hier nicht um EXUMA's stärksten Scheiben, die unter "Obeah Man" Tony McKay entstanden. Der Erstling "EXUMA" und der Nachfolger II, beide bei Mercury erschienen, werden dagegen auch heute noch in einem Atemzug mit den besten und auffälligsten Platten der 70ger genannt. Außer, daß ich diesen CD-Veröffentlichungen schon lange entgegengefiebert habe, zähle ich diese Platten immer noch zu den schönsten aus den Anfängen dessen, was heute unter "Weltbeat" kursiert. Vielleicht erwacht man ja bei Mercury auch noch. (om)

EYEHATEGOD
Take As Needed For Pain
spv
Ziemlich langweiliger doomiger Aufguß des ersten Werks. Industrial und Hardcore - Zeichen unserer Zeit -hielten auch hier Einzug in die spannungslosen, teils tristen Kompositionen einer Band ohne Format.

FANTASYY FACTORYY
Ode To Life
Ohrwaschl Rec.
Hendrix wird nie sterben. Zu groß war sein Einfluß auf die Rockszene! Auch bei den Paderborner Psychedelic-Rockern von FANTASYY FACTORYY  hat das Gitarrengenie seine Spuren hinterlassen - große Spuren: "Watching You" könnte spieltechnisch wahrlich aus Jimis flinken Fingern stammen. Soll aber noch lange nicht heißen, daß "Ode To Life" ein weiterer Hendrix-Abklatsch ist. Das in den Londoner Sun Dial Studios aufgenommene Album entpuppt sich als eine interessante Psychedelic-Scheibe. Fans dieser Spartenmusik dürfte es auf jeden Fall ein Aufhorchen wert sein, auch Liebhaber von Pink Floyd aus früheren Tagen sollten ihm ruhig mal ein Ohr leihen ("Spooky"). Einziges Manko: der Gesang Alan Teppers ist stellenweise doch gewöhnungsbedürftig. (hs)

FEAR FACTORY
Soul Of A New Machine
Roadrunner
Hölle, Hölle die "Angst Fabrik" macht ihrem Namen alle Ehre, die Double Base drückt dich an die Wand, die Gitarren fräsen sich gnadenlos den Weg frei, der verzehrte Bass bohrt sich ins Schmerzzentrum, und die Hasserfüllte Stimme von Burton C. Bell (Dry Lung Vocal Matyr, sagt das Cover) gibt zu denken: "Every 25 Seconds someone is brutally violated", doch dann schwebende Sounds, langsame Grooves und Mr Bell zeigt sein anderes Gesicht, eine Engelsgleiche Stimme! Hat man sich gerade auf die unverhofften Harmonien eingelassen, gibts gleich Rache, mitten im Abschweben trifft einen die Double Bass wie Atllerie in die Fresse. Was die vier Jungs aus ihren (mit bedacht) total verstimmten Instrumenten rausholen ist wohl die härteste und brutalste Musik die es zur Zeit gibt, aber die immer wieder eingeschobenen spährischen Parts (einfach genial) zeigen das die vier auch anders können. Kaufen! (Übrigens, ende April bringen Fear Factory eine 5 Track Mini-CD, mit 5 hammerharten Dancefloor Titeln, kanns kaum erwarten)

FRANK BLACK
The cult of Ray
Sony Music
Welch exzellentes Werk! Der Ex-Pixies-Frontman Frank Black hat sein zweites Solo-Album vorgelegt - und überzeugt mit einer sägenden Mischung aus frühem Punk, postmodernen Independent und progressiven Metal. Kühn konstruiert und dennoch mit einer ungestümen Extremität schleppen sich 13 Songs dahin, die ganz im Zeichen der straighten und starken Vocals von Frank Black stehen. Aufreizend langsam zerbröseln anfangs die Akkorde, um dann in einen stoisch-wilden Gitarren-Sound zu verfallen - beispielsweise bei »Kicked in the taco«. Nicht genug: die ruhigen Songs auf dem Album (»The creature craling«, »I don't want to hurt you«) sind so wunderschön egozentrisch, daß sie schon fast Ruhe und Entrücktheit ausstrahlen. Ein Album, das mal butterweich, dann wieder steinhart ist. Mit Finesse gebastelte Arrangements zeigen Reife statt Lärm, die Songs sind geprägt von dem spontanten und scheinbar unfertigen Charme eines schrammeligen Garagen-Rocks. Turn up the volume! (tl)
 

FRANK ZAPPA
The Yellow Shark
Intercord
Lang haben wir diskutiert: Ist ZAPPA jetzt ein Spinner, der sich ein Denkmal setzen will, oder ist er ein Genie? Ich plädiere für letzteres, denn was ZAPPA auf "The Yellow Shark" zusammen mit dem renommierten ENSEMBLE MODERN präsentiert, mag zwar sperrig klingen und unbedarfte Hörer zunächst einmal verschrecken, offenbart aber ein tiefes, mit Humor gesegnetes Verständnis für Musik. Die  virtuos-komplexe Komposition ist polystilistisch, ein erkenntnisreicher Trip durch die musikalische Gegenwartskultur, die schwanger geht mit den Traditionen europäischer und amerikanischer Musik. »The Yellow Shark« zu hören bedeutet Arbeit für den Kopf, jedoch ohne die klassische Anstrengung und Mühe. Man lauscht ZAPPAs Geschichten voller Interesse, verfällt launischen Tempo- und Themenwechseln und sucht sich ein harmonisches Ende, bis man, bedingt durch den einsetzenden Beifall, aus allen Wolken fällt. "The Yellow Shark" offenbart nicht nur ZAPPAs kompositorisches Talent, sondern zeigt einmal mehr das ungemeine Können des ENSEMBLE MODERN, dem es trotz aller technischen Schwierigkeiten gelingt, die Musik sehr emotional zu interpretieren. (ce)

FRED FRITH
String Quartets
RecRec
Seit FRED FRITH Anfang der achtziger Jahre auf der Bildfläche der Avantgarde aufgetaucht ist, hat er an unzähligen Projekten unterschiedlichster Couleur mitgearbeitet. Koryphäen wie John Zorn begleitete er in seinem Schaffen ebenso, wie er Rocktheater mit 40 arbeitslosen Musikern organisierte (Helter Skelter). Er ist ein postmoderner Musiker im besten Sinne, versteht es, in verschiedenen Stilen souverän zu wirken. Mit solchem Können gesegnet liegt es nicht fern, sich ans Komponieren zu wagen (bringt ja auch 'ne Menge Reputationen). Frith komponierte insgesamt 20 "Stücke", zehn für ein Streichquartett und zehn für ein Gitarrenquartett, in dem Frith selbst mitspielt. Auf der CD machen die Stücke des Streichquartetts den Anfang, ein Auf und Ab von Melodien und Noises, mal spannend, mal enervierend, Spezialisten des Genres sollten mal ein Ohr riskieren. Die zweite Hälfte der CD nimmt das Gitarrenquartett ein, und dieser Teil begeistert mich immer wieder. Hier werden die vielfältigen Klangnuancen der E-Gitarre in einen spannenden Klangkörper verwandelt. Stimmungsvoll und überraschend, zwischen zarten Melodien und gewaltigem Krach (in kleinen Dosen) bewegt sich das Quartett spielerisch. Fans von Sonic Youth und Artverwandten ist diese Scheibe wärmstens zu empfehlen. (ce)

FRIGG
Dönerfressing Woman
99 Records
Ist der Titel nun politisch korrekt oder nicht, was ist das überhaupt für 'ne Platte aus Berlin von 'ner Band namens FRIGG - obendrein mit Klarinette, Cello, Bass, Schlagzeug und Gitarre? Schenkt man, dem Titel zum Trotz, »Dönerfressing Woman« das Ohr, so wird man, nicht gerade schmerzlos, mit Jazz-Rock konfrontiert. Nein, nicht dieser abgegriffene Dudel-Jazz-Rock aus den 70ern, der heute allenfalls noch für die Kaufhausberieselung brauchbar ist. Eher eine rockigere Variante von New Yorker Avantgarde Jazz, überzeugend, montiert aus John Zorn, Bill Frisell und ECM-Jazz   la Gabarek, John Abercrombie und Paul Montain. Eine Schnittmenge also, aus allem, was in den 80ern gut und teuer war und in den 90ern hochgelobt wird. Von Plagiat muß keine Rede sein, auch wenn sich schnell Assoziationen zu genannten Musikern einstellen. Es ist erfrischend und rockig, was FRIGG da zaubern, ein wenig gitarrenlastig vielleicht. Das mag den Jazzer stören. (Grunge-)Rock-Freunden fällt es dafür wahrscheinlich um so leichter, mit »Dönerfressing Woman« ihren Horizont zu erweitern. (ce)

FRONT 242
Live Code
Play It Again Sam Records
Im ersten Moment ist die Vorstellung etwas seltsam, die doch eher sterilen Klänge von 242 mit Liveatmosphäre zu verbinden, aber die Stimmung kommt gut rüber und ist absolut unaufdringlich. Nicht das Publikum steht im Vordergrund, wie bei so manch anderem Live-Album, sondern einzig und allein die Musik. Für Freunde melodiöser eingängiger Musik wird »Live Code« wahrscheinlich ziemlich schnell nervend und so aufdringlich wie die grellgelbe Hülle werden. Aber gerade der treibende, aggressive Sound macht FRONT 242 aus. Bei genügender Lautstärke packt es einen. Am Besten macht man dann nur noch die Augen zu und läßt sich von der Musik schütteln. »Live Code« hat das Potential, einen in Trance zu versetzen. Wenn man sich erstmal darauf einläßt, kann man sicher auch als Nicht-Fan den Zugang finden. Vor allem die Intros sind teilweise ziemlich geil - trancig, sphärisch, spacig. Die völlig unsphärische Stimme des FRONT-Frontmanns ist allerdings ein krasser Gegensatz dazu und führt das Ganze wieder in eine völlig andere Richtung. Strange. (sh)

FUDGE TUNNEL
Creep Diets
RTD
Fudge Tunnels Debüt Album "Hate Songs in E Minor" wird oft mit Nirvanas "Bleach" verglichen und das auch nicht zu Unrecht, doch schon damals machten Fudge Tunnel klar, das es mit einfachem Grunge nicht getan ist. Das ganze war doch wesentlich härter und, der Name ist Programm, Hasserfüllter. Mit der neuen LP verhält es sich ähnlich wie von Nirvanas"Bleach" zu "Nevermind", die Scheibe ist etwas harmloser geworden, in diesem Fall heißt das etwas weniger Death mäßig. Trotzdem, Fudge Tunnel schmieren den Grunge mit ihren megatonnenschwerem Gitarrenlärm einfach in die Fuge, aber leider nicht mehr so intensiv wie beim ersten mal. Das ganze klingt, für meine Ohren, etwas schlapp, hat Längen. Irgentwie haben sich die Jungs zu sehr am Erfolg Nirvanas orientiert.Grunge und Nirvanafans sollten dem Album trotzdem Gehör schenken, aber nicht erschrecken.

FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE
The Hearing And The Sense Of Balance
spv
Mit 12 neuen Songs präsentieren sich FURY I.T.S. endlich wieder in guter Form. In dem ansprechenden Papp-Cover verbergen sich melodische Stücke, die zwar etwas kommerzieller als früher klingen, dafür aber umso eingängiger sind - viel Schräges ist da nicht mehr dabei. Der Gehörgang in variierter Gestaltung auf dem Cover und im Inlet ist wohl symbolisch zu verstehen, denn die Musik geht wirklich ins Ohr - nicht unbedingt zum Tanzen, aber ideal als unaufdringliche Hintergrundmusik. Wer hinter dem Titel »Hang The DJ« eine Coverversion von THE SMITHS erwartet, wird wohl enttäuscht sein, denn außer dem Namen haben die Songs nicht viel gemeinsam. Dafür gestehen die Jungs aber: "THE POLICE is the only kind of police we like". »Next To You« ist ziemlich gut gespielt, Stings Stimme zu imitieren klappte aber nicht so gut, wodurch das Stück doch etwas von dem alten Zauber verliert. »Dancing In The Sunshine Of The Dark« ist mit 5:07 min. nicht nur längster Song, sondern auch als Auskopplung erhältlich - es ist allerdings nicht unbedingt das Highlight der Platte. Ein besonderes Bonbon für alle, die sich die Texte gern durchlesen: Unter jedem Song steht eine Widmung, Warnung, Aufforderung oder Lebensweisheit der Furies. »Rainy April Day« ist zum Beispiel eine traurige Widmung an Kurt Cobains Tochter Frances Bean Cobain. Leider haben uns die Jungs all ihre Gedanken in englisch mit auf den Weg gegeben - warum nur?! (sh)

G. G. F. H.
Disease
RTD
G. G. F. H.  das steht für Global Genocide Forget Heaven, genauso krank wie der Titel ist auch die Musik der beiden Musiker aus San Francisco. Kategorien für diese Musik müssen erst noch gefunden werden, G. G. F. H. lassen sich wohl am besten mit Psycho Ultra Trance Industrial Techno beschreiben, wobei das Psycho groß geschrieben ist. Was Brian Walls und Ghost( nennt sich echt so) zusammensampeln, mit Effekten garnieren und genialen Grooves unterlegen ist so ziemlich das abgefahrenste was es zur Zeit gibt, und dürfte für einige Zeit zur Meßlatte werden. Expititionen zwischen blubbernden Ölteppichen, quatschenden TV-Sendern und gespenstisch groovenden Drumcomputern, atmospharisch, abgefahren. Electronic, Techno, Trance etc Fans, aber auch alle anderen die irgendwie auf der Schattenseite stehen sollten reinhören das Teil ist Genial!

GANZ SCHÖN FEIST
Pille Palle
Rough Trade
Wer Freude hat an den Konzerten des Göttinger Trios, wird sicher auch diese CD mögen. Obwohl die "Feisten" hier ein wenig den Versuchungen der Studiotechnik erlegen sind, indem sie ihren minimalistischen Pop mit allerhand Effekteschnickschnack aufpolieren. Das verkleinert den Abstand, den die live höchst originellen Drei zum Rest der Pop-Welt haben! Wie dem auch sei: Sie beweisen stets Geschmack und Stil, wenn sie die schrägen Seiten unserer Gesellschaft ins Visier nehmen. Egal, ob's um Gummipuppen-Liebe, Kiffer-Debilität, Tablettensucht oder Sektensumpf geht - man findet zu allen Themen frotzelnde Verse im dezenten Arrangement. Wut, Verzweiflung oder Aggressivität schleichen sich allerdings nie in Musik und Texte ein. Man bewahrt sich eine freundlich lächelnde Distanz zum Rest der Welt! So richtig unter die Haut geht es deshalb auch nur beim Thema Nummer 1: Mit »Sieben lange Jahre« gelingt ihnen das bittere Psychogramm einer gescheiterten Beziehung, mit »Der, der den Honig sammelt« setzen sie dem bindungsunfähigen Verführer sein lang verdientes Denkmal. (lj)

GARY FLOYD
World of Trouble
Glitterhouse
Der Sister Double Happiness-Leader präsentiert das brutalste Akustik-Album, das ich je gehört habe. Eigentlich logisch. Denn: "Die Seele dieser Platte ist Punk."
DROM: The Final Corporate Colonization Of Uncouncios
Dream- and Drone-Trancetrips aus den unbewußten Untiefen globaler Computernetze, hochgradig psychoaktiv und entspannend, komischerweise in Kassel an die Oberfläche geholt und aufgenommen.
 

GERD KÖSTER
Alles im Griff
BMG
Kölsche Lebens- und Binsenweisheiten, die Gefühle des Rocks und des Blues: irgendwie schmierig, das Ganze. *

GILRAIN
Hallelujah
Autonom
Die Kasseler Band GILRAIN weiß jetzt etwas genauer, wo's hingehen soll: "Folk? Rock? Folk-Rock!" wurde ganz programmatisch auf den Silberling aufgedruckt. Auf diesem Tonträger klingen die Jungs, die auch live immer wieder für prima Stimmung sorgen, als hätten sich die HOOTERS zu einer Session mit BOB DYLAN verabredet. DYLAN ist unüberhörbar das Vorbild des Sängers, bei dem er sich dann auch mit einer Cover-Version von »Farewell Angelina« bedankt. »Hallelujah« kommt locker und erfrischend originell über die Boxen. Eine Gute-Laune-Platte, um morgens auf Touren zu kommen! Ab und zu weht dann noch ein Hauch Melancholie durch die Melodien. Die Produktion kommt allerdings recht ungeschliffen daher - doch was macht's angesichts der vielen blitzblank aufpolierten Digital-Kacke. (lj)

GOLDIE
Timeless
Metalheads/FFRR
"GOLDIE wird der erste Superstar der Hardcoreszene...", schrieb Ende letzten Jahres das Szeneblatt "Frontpage". Egal, ob man es nun Hardcore, Breakbeat oder Jungle nennen will, fest steht, daß der Engländer mit dem Goldzahn über den Underground hinaus die Dance-Szene mit diesem Album nicht nur aufrüttelt, sondern ihr eine nötige "Innovationsspritze" verpaßt. Natürlich gibt es diese komplizierten, wilden Drum- & Bassrhythmen, sogenannte Breakbeats in England schon seit dem Ende der kurzen Acid House Bewegung 1989 (Smiley-Boom). Sie wurden allerdings schon lange nicht mehr so interessant präsentiert und bieten eine Abwechslung zum ewigen 4/4-Stakkato der üblichen Techno-Musik. Die scheinbar unmögliche Verbindung zwischen den brutalen Beats und Trance-typischen Flächen, zusätzliche die ungewöhnlich häufigen Vokals machen den Hardcore/Jungle angenehm, ohne ihm besonders an Härte zu nehmen. Ein geniales Werk, das sicherlich nicht ohne Einfluß auf die Dancefloor-Szene bleiben wird. (md)

GOREFEST
False
(Nuclear Blast/SPV)
"Kommt echt brachial" stand in der Presseinfo. Kein Wort zuviel versprochen, brachial ist wohl der Begriff, der auf die neue Gorefest am besten zutrifft. Die Band errichtet mächtige "schwarze" Soundwälle, mit druckvollen, fast megatonnenschweren Drums. Dazu gibt es ordentlichen Leichenfledderergesang und dicke, fette Rhythmusgitarren. Gut durchgebreakt und mit dieser und jener Melodie versehen ist das Ganze obendrein. Ein geiles Teil, vor allen Dingen nicht so langweilig wie das übliche Deathgeballere - doch keine Angst, die Songs sind ordentlich schnell! (ce)

GOREFEST
False
Nuclear Blast/SPV Incubator  Mc Gillroy The Housefly  SPV/ West Virginia
Genial, was da im Bördekaff Bühne, 200 Meter von der Dorfkirche, verbraten wurde!
Psychedelischer Death'nDoom Metal erster Güteklasse. Wabernde, düstere Gitarrenriffs und Melodien, groovender Bass und Drums, dazu ein Sänger der vom tiefen Grunzen bis zu hohem psychedelischen Gesang alles Beherscht, ein wahnsinniges, atmosphärisches Gebräu. Dabei driftet das ganze aber nie in Geknüppel oder Gezanke ab. Die Texte von" Mc Gillroy The Housefly"  befassen sich mit den (Drogen ? ) Fantasien des Sängers. Den fünf Musikern gelingt es hervorragend die zugrundeliegende, morbide, wahnsinnige Stimmung zu fangen. Es mag ja vermessen, sogar blasphemisch klingen, aber für mich hat diese Musik eine ähnliche Dimension wie die der Doors.

GOREFEST
The Eindhoven Insanity
Nuclear Blast
So ziemlich jeder Freak aus der Region war vom 29. bis 30. Mai letzten  Jahres in Eindhoven anzutreffen - ich hab mich fast schon verfolgt gefühlt! Aber egal, den meisten dürfte GOREFEST in Erinnerung geblieben sein. Neben FEAR FACTORY waren sie wohl der härteste Act on Ground. Nebenbei haben sie auch einen hervorragenden Gig abgeliefert, der jetzt als CD vorliegt. Der Sound ist okay, und sogar einige kleine Verspieler sind dokumentiert. Im Booklet steht ein Märchen über den Drummer, der angeblich 2 Tage vor dem Gig an der Hand operiert worden ist, aber das müssen wir ja nicht glauben, auch so sind die Jungs ganz schön hart. Fazit: Wer im Mai dabei war, sollte sich die CD als Andenken gönnen, für GOREFEST-Fans ist das Teil eh ein Muß, liegen doch die besten Stücke hier live vor. (ce)

GOREFEST
The Eindhoven Insanity
Nuclear Blast
So ziemlich jeder Freak aus der Region war vom 29. bis 30. Mai dieses Jahres in Eindhoven anzutreffen - ich hab mich fast schon verfolgt gefühlt! Aber egal, den meisten dürfte GOREFEST in Erinnerung geblieben sein. Neben FEAR FACTORY waren sie wohl der härteste Act on Ground. Nebenbei haben sie auch einen hervorragenden Gig abgeliefert, der jetzt als CD vorliegt. Der Sound ist okay und sogar einige kleine Verspieler sind dokumentiert. Im Booklet steht ein Märchen über den Drummer, der angeblich 2 Tage vor dem Gig an der Hand operiert worden ist, aber das müssen wir ja nicht glauben, auch so sind die Jungs ganz schön hart. Fazit: Wer im Mai dabei war, sollte sich die CD als Andenken gönnen, für GOREFEST-Fans ist das Teil eh ein Muß, liegen doch die besten Stücke hier live vor. (ce)

GREAT WHITE
Sail Away + Anaheim Live (DoCD)
BMG
Die vor einigen Jahren besonders in den USA sehr erfolgreichen GREAT WHITE landeten mit ihrem letzten Album einen Riesen-Flop. Mit neuer Plattenfirma soll nun alles anders werden, man zielt wieder auf die großen Erfolge vergangener Tage. Neuland betreten die US-Rocker mit ihrer aktuellen Scheibe zwar nicht, doch ist sie trotzdem anders als alle früheren LP's. Das Material besteht fast ausschließlich aus Balladen, teils akustisch, teils mit rockendem Gitarrensound unterlegt. Wollen GREAT WHITE nun noch in den letzten Wagen des längst fahrenden Unplugged-Zuges aufspringen, um die Kurve zum Erfolg wieder zu kriegen? Zwar sind die Hardrocker allgemein in Balladen fast immer stark, doch diesmal fehlen irgendwie die Ideen. Nicht mehr zeitgemäß nennt man das wohl? Gut hingegen ist das gelegentlich auftauchende Saxophon. Wer sich beeilt, der erhält die Scheibe als Doppel-CD. Denn die Erstauflage enthält zusätzlich eine Live-CD, aufgenommen in Anaheim/ USA. Dort kann man wieder hören, welch gute Liveband GREAT WHITE sind. Vor allem bei dem tollen  LED ZEPPLIN-Cover »Babe, I'm Gonna Leave You«. (hs)

GREEN DAY
Insomniac
Reprise
Der Aufsteiger des letzten Jahres, die beste Mischung zwischen BEATLES, WHO und SEX PISTOLS, die es je gab, hat zum zweiten Schlag ausgeholt. Schon der Opener läßt keinen Zweifel zu: Selten ist es einer Band gelungen, eine so gradlinige Verlängerung ihres Vorgängers hinzulegen. Schon dort wiederholten sich die Fun-Punk-Riffe, Born-to-be wild-Akkordfolgen und Mitgröl-Melodien ständig, bis sie - und MTV verstärkte durch permanente Ausstrahlung ihrer Songs diesen Trend - aus den Gehörgängen nicht mehr wegzulöschen waren. Immerhin: die Variation des immer Gleichen gelingt dem Kopf der Gruppe, Billie Joe Amstrong, auch auf "Insomniac" perfekt - und das ist keine geringe Kunst! Also ein programmierter Millionenseller mit totsicherer Erfolgsgarantie, als dessen ambitionierteste Kompositionen wohl "Panic Song" und "Brain Stew" gelten dürfen. (pw)

GRIP INC.
Power Of Inner Strength
Steamhammer/SPV
"Wenn es nach den Pressereaktionen ginge, müßten wir schon Millionen verkauft haben." Gitarrist Waldemar Sorychta ist geknickt. Zuletzt als Komponist und Musiker maßgeblich an Philip Boas Metal-Projekt »Voodoocult« beteiligt und als Produzent gefragt (VC, TIAMAT), muß er wie jeder Musiker feststellen, daß Talent in Deutschland weit hinten rangiert. Sollte sich wider Erwarten Qualität auf Dauer doch durchsetzen, haben GRIP INC. jedoch allerbeste Chancen. Die ewigen Vergleiche mit SLAYER sind freilich total daneben. Natürlich drückt deren Ex-Drummer DAVE LOMBARDO »Power Of Inner Strength« seinen krachenden Stempel auf. Das Ganze ist aber viel rhythmischer als bei den exzentrischen Totschlägern, quasi ein Lehrbuch für intelligentes Powerdrumming. Daß die Songs über jeden Zweifel erhaben sind, ist ebenso ein Verdienst von Shouter Gus Chambers. Seine Lyrics gehören zu den besten, die ich dieses Jahr lesen durfte: Nicht eine nichtssagende Zeile. Bravo! In punkto Ausdruckskraft ist noch mehr drin, doch für den Anfang ist die Interpretation vollauf gelungen. Doppelbravo! Ein Granitblock von einem Album, dessen animalischer Anziehungskraft auch zahlreiche Fans gemäßigterer Klänge erliegen werden. (ms)

GRÖNEMEYER
Cosmic Chaos
EMI
Herbert Grönemeyer ist immer zu Experimenten bereit. Diesmal hat er ausprobiert, wie seine Lieder im Techno-Arrangement klingen. An den Stücken seines Chaos-Albums durften sich erfahrene Remixer wie Felix J. Gauder, Matiz/AC 16, Alexx Antaeus und Tony Catania/Ingo Kays versuchen. Besonders angetan hat es den Technoten die Ballade »Morgenrot«: Gleich 4 Versionen dieses Stückes sind auf der CD enthalten. Daneben gibt es noch »Chaos«, »Land unter« und »Die Härte« mit abgefahrenen Synthie-Sounds, wildem Gezirpe, herrlichen Klangflächen und durchlaufenden Bass-Drums. Insgesamt knapp 50 Minuten Herbie, wie man ihn noch nicht kennt! Wer's gerne durch die Boxen knallen und zischen läßt, um sich den ultimativen Adrenalin-Kick zu geben, liegt goldrichtig: die Mischung stimmt nämlich. Einige Remixe sind zudem recht lang ausgefallen! Der Höhepunkt steht gleich am Anfang: Felix J. Gauders Trance-Mix von »Morgenrot« läßt einem die wohligen Schauer nur so den Rücken herunterfließen. (lj)

GURU
Jazzmatazz
Chrysalis
Rapper Guru alias Keith E von GANG STARR hat illustre Jazzer ins Studio gebeten, um eine Fusion von Jazz und Hip-Hop jenseits des schnellen Sample-Zitats zu wagen. Neben vielen anderen schauten Spitzenmusiker wie Donald Byrd, Roy Ayers und Zachary Breaud sowie der französiche Star-Rapper MC Solaar beim Ober-Guru vorbei. Der gab meist lediglich einen coolen Groove vor und dann hieß es: Bühne frei zur Improvisation. Die Mixtur irritiert und stimuliert zugleich - perlende Vibraphonläufe und virtuose Bläserausbrüche über monoton treibenden Beats und nüchternen DJ-Kommentaren. Da wird deutlich, daß die Grundform des Rap im amerikanischen Talking Blues bereits vor Jahrzehnten gelegt wurde - oder war's gar vor Jahrhunderten bei Onkel Tom? Die schwarzen Wurzeln beider Stile treten deutlich zutage. Ein Cross-Over, das Sinn macht! (ml)
HAL RUSSEL NRG ENSEMBLE
The Hal Russel Story
ECM
Ist es nun der wohlverdiente Erfolg der Hal Russel posthum zuteil wird, oder ist es wieder einmal die übliche kommerziele Leichenflederei, wenn ECM eine Art musikalische Autobiographie Russels 1 Jahr nach seinem Tod veröffentlicht? Guten Gewissens kann man "The Hal Russel Story" als endlich erfolgte Würdigung eines Jazz-Musikers verstehen, der Zeit seines Lebens im Schatten jener Größen (u.a. Miles Davis u. John Coltrane) gestanden hat, deren Erfolg er als ungemein vielseitiger Multiinstrumentalist begleitet hat. Russel hatte Ende 92 sein Soloalbum "Hals Bells" vorgestellt, das ihm zum ersten Mal breitere Aufmerksamkeit zuteil werden ließ. Gleich in Folge stellte er sein NRG Ensemble zusammen, dessen erstes Projekt eine Art Reise durch das musikalische Leben Russels war. Kurz nach Abschluß der Aufnahmen verstarb Russel. Sein musikalisches Testament ist ein schriller Trip durch die Epochen des Jazz, die Russel mitgestaltet hat. Russels Humor und Spielfreude läßt es allerdings nicht zu bloßer Reminiszens treiben, vielmehr balanciert er geschickt Kitsch, Kunst und Verballhornung. Die hektischen Bläserarrangements und die Verwendung kurioser Instrumente stellen jenen Phatos und jene Ernsthaftigkeit in Frage, die Intellektuelle dem Jazz immer unterstellen, darüber hinaus offenbart sie Russels Respektlosigkeit vor den Dogmen des Jazz.

HAL RUSSELL
Hal`s Bells
(ECM)
Traurig, daß manche Künstler erst nach ihrem Tod bekannter werden. Hal Russell war gerade dabei aus dem Schatten der Jazzgrößen (Miles Davis, John Coltrane, etc) mit denen er gespielt hatte, herauszutreten, als er starb. Die traurige Nachricht erreichte die Plattenfirma gerade bei der Europaveröffenlichung seiner  neuen CD Hal`s Bells. Auf seiner ersten und wohl auch letzten Soloproduktion profiliert sich Russell als humoriger Multiinstrumentalist. Sämtliche Instrumente (Sax, Trompete, Drums, Percussion etc, etc) wurden von ihm selbst gespielt. Russell tritt gekonnt mit sich selbst in Dialog, pflicht dichte Soundteppiche ohne sich in Spielerreien zu verlieren. Traurig das es seine letzte Scheibe ist. (A. D.)

HALBTROCKEN
Good Morning
ADD
Am Anfang scheint es so, als sei der CD-Player kaputt. Ist er aber nicht, ist nur eine Spielerei der ulkigen Göttinger Jungs mit verzerrten Gitarrenklängen, die per Pitch-Regler stufenlos von langsam auf schnell gezogen werden. Dann klingt es ein wenig nach DYLANS oder CHARLATANS, sprich: Der Doors-Einschlag ist unüberhörbar! Nur hört sich das auf den 6 Stücken der Einstiegs-CD von HALBTROCKEN wesentlich rauher an als bei den Heroen der ravigen Sixties-Revival-Sounds. Mit Studio-Schnickschnack haben sie nicht allzuviel im Sinn, mit glatter Spieltechnik auch nicht. Das klingt sympathisch frisch - der Titel »Good Morning« verspricht nicht zuviel, hier sind echte Muntermacher am Werk. Fazit: Für ein Debüt gar nicht so übel, allerdings hätte noch ein bißchen mehr Spielwitz der live wirklich umwerfenden Combo in die Studioproduktion einfließen können. (lj)

HAMID BAROUDI
City No Mad
Vielklang
Kenner aus dem Kasseler Raum werden Hamid Baroudi noch von den DISSIDENTEN her kennen. Jetzt hat er ein beachtliches Solo-Debüt vorgelegt. Ganz im Stil der DISSIDENTEN sind noch die typisch afrikanisch-algerischen Melodien, die aber - klug in moderne Sound-Gewänder gekleidet - durchaus hitverdächtige Qualitäten besitzen. Die wortwörtlich internationale Besetzung - Musiker aus 8 verschiedenen Ländern rechtfertigen das Label "World Music" - läßt keinen Zweifel daran aufkommen, daß hier arabische und europäische Klangwelten zu einer gelungenen, ja, genialen Synthese verarbeitet worden sind. So braucht Baroudi in den meisten Songs seiner Produktion keineswegs Vergleiche mit MTV-Preisträger Youssou N'Dour (»7 Seconds«) zu scheuen. Wenn auch sein auf dem Beiblatt dreisprachig abgedruckter Werdegang stark nach einem orientalischen Märchen klingt, so ist doch unverkennbar, daß Hamid Barudi in seinen Texten gewagt kritische Töne hinsichtlich der politischen Entwicklung seines Vaterlandes anschlägt, so z.B. in dem Song für den von algerischen Fundamentalisten ermordeten Politiker Boudiaf. Seine politischen und musikalischen Visionen sind allemal hörenswert, zumal man sich den magischen afrikanischen Rhythmen, die einen Peter Gabriel schon immer fasziniert haben, kaum entziehen kann. (pw)

HANS SÖLLNER
Grea Göib Roud
Trikont/Indigo
Ein alter Reggae-Freak ist er, daher auch der farbige Titel. Ehemals tourte Söllner mit BAYERMANN VIBRATION durchs Land und gab den ersten Bayern-Reggae zum besten. Immer schon hat er sich Gegner und Freunde gleichermaßen durch sein freches Mundwerk geschaffen, hat sich die intensive Fürsorge des Verfassungsschutzes gesichert. Jetzt, mit seiner Soloscheibe »Grea Göib Roud« steigt er auf aus dem bayerischen Underground, präsentiert sich als erstklassiger Mundart-Liedermacher des Südens mit anarchistischer Ader. »He was is« oder »Wos kon i mera verlanga« sind nur zwei von 15 teils zynischen, humorvollen, nachdenklichen und immer wieder direkten Song. Klasse! (om)

HAPPY CADAVRES
Seelenbinder
EFA
Nachdem das "Autumn" Debüt in Eigenproduktion überzeugender als so mancher vielbeworbener "Highseller" eine große Fangemeinde mit seiner ungeschliffenen charmanten Direktheit
gewinnen konnte, ist die Meßlatte hoch, die sich die Magdeburger Gitarrenformation um die stimmgewaltige Heike Seipel selbst gesetzt hat. "Seelenbinder" glänzt durch unerschöpflichen Ideenreichtum von Klang und Komposition, Dynamik und Ausdruck. Die mal rotzig lärmende, mal sanft einlullende Stimme kennt nur die Grenzen der eigenen Intimität, kanalisiert die Ängste und Schwächen ungekünstelt. Dumpf rollende Drumsequenzen phrasieren die kompakte und kraftvolle Gitarren- und Bass-Sektion, die die eindrucksvolle Homogenität dieser Combo untermauert. Ultimatives Crossover aus Sentiment und Härte, irgendwo zwischen Siouxie und Sonic Youth. tb
 
HARDFLOOR
Mr. Anderson - Fish & Chips
Harthouse
Wer hätte es gedacht, endlich nochmal eine HARDFLOOR, die sich von ihren letzten üblichen 303- und 909- (Bezeichnungen von Roland Drumcomputern, mit denen herrliche ACID-Sounds erzeugt werden) Tracks oder Remixen deutlich abhebt. Der Anfang erinnert ein wenig an Jaydee's "Plastikdream" (Sommerhit '93), was sich aber nach kurzer Zeit schlagartig ändert. Langsam baut sich da was mit kreisenden Hi-Hats auf, die sich mit ineinander aufpeitschenden Acidgewittern verbinden. Die B-Seite braucht man daher auch gar nicht zu besprechen, weil die A-Seite sowieso schon zum Kauf verpflichtet. (pb)

HEINER GOEBBELS
Shadows, Landscape With Argonauts
ECM
Schon zu Zeiten, in denen es noch keine Sampler gab, montierte HEINER GOEBBELS aus Fetzen der akustischen Umwelt Klangkollagen. Damals, in den Achtzigern, operierte er noch im avantgardistischen Untergrund, von wenigen Kennern geschätzt erarbeitete er sich einen wohlverdienten Kultstatus. GOEBBELS' Beiträge zur akustischen Erfassung und zur Kartographierung der Medienzivilisation beschränkten sich nicht nur auf Klänge, auch Lyrik und Prosa fanden immer wieder Niederschlag in seinen Werken, was ihm die Aufmerksamkeit von Literaten wie Heiner Müller bescherte. So ergab sich eine Zusammenarbeit, deren neueste Frucht die vorliegende CD ist, die zudem auf dem renommierten Jazzlabel ECM erschien. GOEBBELS verarbeitete Texte von Heiner Müller und Edgar Allen Poe zu einer Art musikalisch-akustisch unterlegtem Hörspiel. Doch die umfangreichen Texte werden nicht von professionellen Sprechern vorgetragen, sondern hundert willkürlich gewählte Passanten auf Bostoner Strassen wurden gebeten, jeweils einen Teil vorzutragen. Diese Episoden werden von Musik- und Noise-Collagen unterbrochen. Spannung entsteht schon allein dadurch, wie unterschiedlich die Texte vorgetragen werden. Heiner Müllers Text ist reich an Metaphern und Anspielungen, eine Fundgrube, die Kleinodien aus Mythologie, Menschheitsgeschichte und Psychoanalyse enthält. Dazu gesellt sich die ungewöhnliche Musik. Der orientalische orientierte Gesang Sussan Deihims ist von ergreifender Intensität und streckenweise beneidenswerter Leichtigkeit. Sie wird von einer Band begleitet, die auf gefällige Art sperrige Musik macht und dabei tierisch groovet. Keine Scheibe, die nach dem ersten Hören abgehakt ist, aber auch keine, die ihre Klasse sofort verrät. (ce)

HELLOWEEN
Chameleon
Sieh da, sieh da, auch die gibt's noch. Nach langer Pause melden sich die Jungs zurück. »Chameleon«!! Treffender kann man ihren Wandel gar nicht beschreiben... Die neue HELLOWEEN ist softer, melodiöser und ausgefeilter geworden. Ein paar alte Fans werden wohl enttäuscht die CD verachten, aber dafür wird es mit Sicherheit viele neue Freunde geben. Es war wohl auch nach dem Flop mit »Bubbles« Zeit für einen Wechsel und neue Ideen. Diese Stimmung schlägt sich in »Revolution now« und »I believe« nieder. Die Kürbisse haben sich zusammengerauft und präsentieren einen excellenten Mix an Rock, Balladen und unverwechselbarem HELLOWEEN-Sound. Helloweenial! Warnung: Nichthören wird mit einer Strafe nicht unter 10 Kürbissen belegt! (mk)

HELMET
Betty
Atlantic Records
Mit »Meantime« holten sie Gold. Spätestens seit diesem Zeitpunkt kennt jeder Freund des groovenden Metals die bestechenden Merkmale der Musik, die HELMET kreiert: kurze Songkonstruktionen, die sowohl vom brachialen Sound der Rhythmusgitarre als auch von extrem harten Schlagzeugrhythmen leben. Um den Erwartungen der Fans gerecht zu werden, mußten sich HELMET für ihren Neuling schon etwas Neues einfallen lassen. Doch die aktuelle Produktion der New Yorker übertrifft sämtliche Erwartungen. Neben den weiter vorhandenen Markenzeichen haben es HELMET geschafft, songinterne Melodiebögen zu spannen, die aus den zusammengesetzten Rhythmusfiguren richtige Lieder machen. Page Hamiltons Gesang hat sich ebenfalls stark verbessert. Wie beim Vorgänger ist HELMET auch bei »Betty« eine harte und druckvolle Produktion gelungen. Ein herausragendes Werk, das jedoch noch nicht das Endstadium der Fähigkeiten der Musiker zeigt. (ar)

HELTER SKELTER
Same
Freibank
Helter Skelter, das ist eine "Oper" die aus der Zusammenarbeit von Theaterregisseur Francois-Michel Pesenti und dem Jazz, No Wave Musiker Fred Frith entstand. 5 Monate arbeiteten die Musiker von den Schauspielern getrennt, erst zwei Wochen vor der Premiere traf man sich um die Zusammenarbeit zu koordinieren. Ursprünglich aufgeführt in Brüssel, liegt nun die Musik dieser eigenwilligen "Oper" auf CD vor. Für die Musik war natürlich Fred Frith zuständig, zusammen mit 16 arbeitslosen Rockmusikern und drei außergewöhnlichen Sängerinnen arrangierte er ein Konglomorat sämtlicher Stile, die Musik steckt voller Wiederspruche, hat Risse, Narben, wechselt ständig ihr Gesicht. Selbst wenn man sich reingehört hat, wenn es gelungen ist die wiedersprüchlichen Fragmente zusammenzusetzen, wird man immer wieder überrascht, neue Details tun sich auf neue Brüche offenbaren sich, und immer wieder der Schreck wenn eine der Sängerinnen erschossen wird. Diese CD braucht Zeit, man muß der Sperrigkeit der Musik mit viel Geduld begegnen, nur dann wird man Helter Skelter schätzen lernen.

HEMPELS UNTERM SOFA
Knapp daneben
Twin
Na also, es geht doch: knackiger Blues-Rock mit bissigen deutschen Texten. Egal, ob es um Autobahn-Raser, Muttersöhnchen, frustrierte Altkommunisten, larmoyante Selbsthilfegruppen oder gar die deutsche Einheit geht - die HEMPELS begegnen dem Zeitgeist mit gnadenlosem Witz genau dort, wo er "knapp daneben" liegt. Dabei können sie ihre Herkunft aus'm Ruhrpott nie verleugnen - solch ein abgeklärter Blick auf unser Land gedeiht wohl nur zwischen Schalke, Currywurst, Fabrikschloten und sozialdemokratischen Dauermief. Und obwohl die Gruppe viel zu sagen hat, kommt sie niemals so message-schwanger oder aufklärungs-bemüht auf den CD-Teller wie die Freunde von der Liedermacher- oder Polit-Rock-Front. Das Werk explodiert vor Spielfreude - vorwärtreibende Groove, fetziger Chorgesang und zupackende Gitarren-Soli. Die Plattenfirma hatte der Gruppe drei Monate Pult und Tape in den Probenraum gestellt -der Produktionsprozeß ohne Zeitdruck macht sich positiv bemerkbar. (lj)

HOLGER CZUKAY
Moving Pictures
SPV
Can waren eine der erfolgreichsten und besten deutschen Rockbands, Holger Czukay gehörte auch dazu, seit etlichen Jahren ist er auch Solistisch aktiv. Moving Pictures erhebt den Anspruch Musik für Filme im Kopf zu sein, für solche die noch nicht gedreht worden sind. Diesem Anspruch wird die Scheibe auch gerecht, Moving Pictures nimmt einen an die Hand und entführt in imaginäre Landschaften, ohne zu Langweilen. Czukay hat es nicht nötig zu erschrecken, (doch aufgepasst auf die Schritte), seine Klanggemälde sind fast schon gefällig, stets harmonisch und auch faszinierend vom Anfang bis zum Ende. Nicht unbedingt Meditativ aber nahe dran. Außerdem gibt es reichlich Zitate und Remisenzen an die Geschichte der Psychedelischen Musik. Ein Panoptikum, für jeden selbst zu entdecken. 7-93

Czukay
HOLGER CZUKAY
Moving Pictures
SPV
CAN waren eine der erfolgreichsten und besten deutschen Kraut-Rockbands der 70er, Kenner haben noch ihre geniale Musik zu Durbridge- und Tatort-Krimis im Ohr. Holger Czukay gehörte maßgeblich zur experimentierfreudigen Kölner Combo. Seit etlichen Jahren ist er auch solistisch aktiv. Sein neues Werk »Moving Pictures« erhebt den Anspruch, Musik für Filme im Kopf zu bieten. Für solche, die noch nicht gedreht worden sind. Diesem Anspruch wird die Scheibe voll gerecht: »Moving Pictures« nimmt einen an die Hand und entführt in imaginäre Landschaften. Czukay hat es nicht nötig, zu erschrecken - doch aufgepaßt auf die Schritte -, seine Klanggemälde sind fast schon gefällig, stets harmonisch. Doch sie langweilen nie, bleiben faszinierend vom der ersten bis zur letzten Minute. Nicht unbedingt meditativ, aber nahe dran! Der Elektronik-Veteran geizt darüberhinaus nicht mit Anspielungen an die Geschichte der psychedelischen Musik. Ein interessantes Panoptikum fürs Hirn-Kino! (ce/lj)

HOLY MOSES
No Matter, What's The Cause
SPV
Vergeßt alles, was ihr bis jetzt von HOLY MOSES gehört habt, »No Matter...« ist anders. Den Part des Bassisten übernahm kein geringerer als S.O.D./BRUTAL-TRUTH-Mitglied Danny Lilker, ergänzt durch Ausnahmedrummer Meff, hauptberuflich bei den RYKERS tätig (allein schlagzeugmäßig ist das Ganze schon 'ne gute Jazzscheibe). Für die Gitarren war wie immer Andy Claasen zuständig, der erstmals neben Sabina auch einen Großteil der Vocals bestritt. »No Matter...«, das ist präzise kalkulierte Brutalität in teilweise irrsinnigen Geschwindigkeiten, fast schon in Sichtweite der Chaosgrenze. Doch die irgendwie fesselnden Grooves, die diese Scheibe prägen, sorgen dafür, daß diese Grenze nie passiert wird. »No Matter...« ist keine Musik, die im Hintergrund läuft, man ist gezwungen zuzuhören, das Album beansprucht sämtliche mentalen Kapazitäten, und obwohl »No Matter...« strapaziert, entwickelt man neuen Hunger auf diesen Mahlstrom aus Beats, Grooves, Riffs und "Ich-spring-dir-ins-Gesicht-"Grunts. Diese Scheibe zeigt, was fähige Musiker aus dem Vokabular der Brachialmusik machen können, ohne dabei die Basis, die Brutalität, auch nur einen Millimeter zu verlassen. Trotzdem keine frickelige progressive Scheibe für Spinner, Brillenträger und Musikjournalisten, "No Matter..." ist Post-Industrial-, Post-Hardcore-, Post-Death-Metal. Nicht zu vergessen: die beiden grandiosen Coverversionen auf der Scheibe - »Hate Is Just A Four Letter Word« von SHOCK THERAPY ist den "Vieren" einmalig gelungen (Lilker spielt Piano). Jeder, der das Orginal kennt, wird beeindruckt sein. Den Abschluß bildet »Bomber« von Motörhead, ebenso grandios getroffen. Ein solches Werk hat man von MOSES wohl nicht mehr erwartet, aber »Just Because« zeigt, daß die "Band" mehr als ein Wörtchen mitzureden hat in der Szene der Brachialmusikanten. Anspieltip: »Acceptance«. (ce)

HOLY MOSES
Reborn Dogs
SPV
Mit ihrer neuen LP machen Moses da weiter, wo sie bei der letzten aufhörten: Death mit Trash- Anteilen. Dabei haben sie ihren eigenständigen Stil weiter verfeinert, was nicht zuletzt an der Stimme Sabinas liegt, die ihrem Organ wirklich Beeindruckendes entlockt. Auch Andys Rhythmusgitarre weiß wieder zu überzeugen. Reborn Dogs bietet 10 Songs aus der Feder der Band und obendrein, in alter Moses Tradition, ein geiles Cover. Diesmal vom D. R. I. Song "Five Year Plan". Die eigenen Songs dampfen mächtig los, gelegentliche Doom Parts lockern das Ganze auf! Hoffentlich kommt diese Power auch am 17. im Spot rüber!  (ce)

HUBERT VON GOISERN UND DIE ALPINKATZEN
Wia die Zeit vergeht
BMG Ariola
Ein Live-Album als Abschiedsgabe der bayrischen Kultband, die die erstaunlich glaubwürdige Kombination von Ländler und Rock, Jodler und Blues, Ziehharmonika und Zerrgitarre zuwegebrachte: mal erfrischend schräg, mal so richtig zu Herzen gehend, doch niemals kitschig. Man bedauert das Ende der unkonventionellen Combo schon; vor allem der kernige zweistimmige Gesang von Sabine Kapfinger und Hubert von Goisern klingt stets zupackend. Selbst politische Anspielungen wie im kernigen Steirer »Iawaramoi«, der auf den Krieg in Jugoslawien Bezug nimmt, kommen bei Goisern und den Katzen nie peinlich belehrend daher. Wenn Sabinchen dann auch noch engelsgleich das Deutschlandlied anstimmt, bis es in punkigen Soundgewittern untergeht wie weiland der »Star Spangled Banner« im Hendrix-Gitarrenbombardement, dann geht jedem, der sein Vaterland soa richtig liab hat, das Herz auf! (lj)

HYPOCRISY
The Fourth Dimension
Nuclear Blast
Hypocrisy werden erwachsen, die Band - sonst eher mit pubertärem Aggressionshabitus und kopflosen Knüppelorgien aufgefallen - produziert jetzt durch Doom, Gothic und Mystic gezeichneten Deathmetal. Echt gut gemacht!

ICE CUBE
Lethal Injection
BMG
Nachdem ICE CUBE  auf der 91 erschienen Scheibe »Death Certificate« in drastischer Weise gegen Schwule und Koreaner mobil machte, hat er sich auf dem gerade erschie-nenen neuen Werk eine andere Minderheit (?) ausgesucht. Diesmal erklärt er allen hellhäutigen Frauen den Krieg. In dem Stück "Cave Bitch" warnt er diese Damen, ihm bloß nicht zu nahe zu kommen. Für einen Afro-Amerikaner kämen nur schwarze Frauen in Frage. Diese nennt er zwar auch wenig liebevoll "bitches", rühmt aber im selben Atemzug ihr Händchen im Umgang mit seinem besten Freund! Jaja, da lacht das Sexisten-Herz, und die Rassisten-Fraktion kann sich wieder gemächlich zurücklehnen und ihre dicken Bäuche streicheln. Der überwiegende Teil seines neuen Albums handelt auch wieder von Gangstern hier, Huren dort und Ice Cube immer vorneweg. Trotzdem unterscheiden sich zwei Stücke vom Gros der übrigen Songs. In "When I Get Heaven" setzt sich der sonst so rabiate Rapper mit religiösen Vorstellungen auseinander. Und in dem Stück "Bob Gun" bekennt er sich zum weißen Mann im Weißen Haus. Irgendwie hat aber der rüde Reimer nicht begriffen, daß dumpfe Texte den Spaß am Groove verderben. (sw)

INCUBATOR
Hirnnektar
spv
Nach ihrem Doom-Metal-Film »Mc Gillroy The Housefly« liefern uns INCUBATOR in neuer Bandbesetzung nun ihr 3. Werk. Vollkommen mutierter Sound präsentiert sich in gewohnter Brillanz! INCUBATOR experimentieren in den verzwicktesten Verästelungen des Hardcore und in allen vom Metal geborenen Genres (Anspieltip: "SKS - Syndrome" - Only Incubatorcore!), spielen mit Fragmenten aus Jazz und Weltmusik, bleiben dabei aber eine Hardcore-Metal-Combo - doch mit Anspruch und Sinn für Kultur und Humor. Hirnnektar sickert nur langsam an die richtigen Stellen, entfacht dafür aber eine umso größere Halbwertszeit. Als Schmankerl bieten uns INCUBATOR eine völlig abgefahrene Version des PINK-FLOYD-Klassikers "Set The Control For The Heart Of The Sun": einem Trip in ungeahnte Atmosphären, die verschleiertes Sonnenlicht resorbieren, um die Mondgöttin mit unerforschten Dimensionen der Psychedelia zu speisen. Kim pumpt einen taumelnden Ölfaß-Groove, und Sven bedient Gitarren, die es gar nicht gibt. Aber da ist nicht nur Sonne im Leben. Durch das individuelle Crossover erscheinen einige wenige Parts der Platte irgendwie gestelzt, man strauchelt ein wenig bei dem Versuch, Unmengen von Ideen zu verarbeiten. Das musikalisch freie Assoziieren müssen die vier in dieser Besetzung noch üben, um das Meisterwerk abzuliefern, das sie ständig andeuten. Trotzdem, "Hirnnektar" ist eine Hammerscheibe die die Mühe des Hörens spätestens nach dem dritten mal reich belohnt! (tb/ce)

INSTANT KARMA
Grammy
BMG
Der abgewandelte "Buy British" Aufkleber am Cover zeigt daß die Osnabrücker Briten einen ausgeprägten Humor haben. Könnten doch gerade sie von der Gitarrenpop-Welle aus Great Britain profitieren. Die ausgewanderten Gebrüder Ivison (gleich 3!) präsentieren überdurchschnittliches Songmaterial mit dem letzten fehlenden Quentchen zum Hit. Groovepotential hingegen ist genügend vorhanden, welches besonders bei Livekonzerten ständig zum Tanzen auffordert. Ihre Livequalitäten  konnten sie erst kürzlich in Texas mit SELIG und RAUSCH unter Beweis stellen. Würde auf "Grammy" eine echte Hitsingle vertreten sein, würden INSTANT KARMA andere Weihen zu Gute kommen! Jeder der dem Britpop zugeneigt ist, sollte mindestens mal reingehört haben. Anspieltips? "Tattoo", "Silver Whale" oder "Invertebrate". Mehr Infos gibts im web: http://www.rock.de\karma\karma.htm  (hs)

JAN GABAREK GROUP
Twelve Moons
ECM
Mit "Twelve Moons" liegt die 500. ECM-Produktion vor, eine Scheibe, die den hohen Anspruch des Jazz-Labels dokumentieren sollte. Der Jan Gabarek Group, ihre 20. Scheibe übrigens, gelingt es auf ihre Art. Twelve Moons bezaubert mit melancholischem Jazz, die Band hat es aber nicht nötig, in virtouse Spielereien abzuschweifen. Die Scheibe ist deshalb auch für Nicht-Jazzer gut zugänglich, wird aber auch die Freaks begeistern. Unheimlich schöne Melodien wachsen aus zunächst nur angedeuteten Tönen, verlieren sich, setzen zu solistischen Höhenflügen an und finden sich unverhofft wieder zusammen. Gerade Gabarek gelingt diese Aufgabe, sein voller, nie scharfer Ton begibt sich dabei immer wieder in den Vordergrund, ohne die anderen Instrumente zu verdrängen (hervorragende Produktion auch). Hier ist vor allem der Drummer Manu Katche zu erwähnen. Mit sparsamen Mitteln, ohne die Dynamik des Drumsets zu strapazieren, untermalt er mit erdigen, getragenden Grooves das Geschehen. Eine Meisterleistung auch von den beiden Enuit (Eskimo) Sängerinnen, die Traurigkeit mit einer unglaublichen Intensität vermitteln können, dabei aber mit der Band wunderbar harmonieren. Musik, die sich Kategorien widersetzt, aber sonst alle Qualitäten auf ihrer Seite hat. Dem Zauber dieser Platte wird sich kaum jemand entziehen können. (ce)

JAN SCHABERG
Zauber und Zunder
Long Island
JAN SCHABERG ist eine arme Sau. Der Mann hat Talent, doch das zählte noch nie weniger als heute. Wenn SCHABERG und WESTERNHAGEN nebeneinander im Regal stehen, kauft der Durchschnitts-MTV-Zombie MARIUS' Neue lieber zweimal, als einmal den Newcomer zu entdecken. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, daß man ihm sein Bekenntnis »Ich tu' was ich will« weit eher abnimmt als Phrasendrescher MARIUS. Der brachte Ähnliches vor einer halben Ewigkeit auch mal glaubhaft rüber, gibt sich heute jedoch damit zufrieden, hartnäckig Volksnähe zu heucheln und Kohle zu raffen. Da kann JAN noch soviel Herzblut in seine Songs voll Seele und Tiefe packen. Zumindest in diesem Teil der Republik hört ihm keiner zu, egal was ich schreibe. »Was soll's«, geht »Zauber und Zunder« eben nur mir »unter die Haut«! (ms)

A.D.
Rage Records
Jazz-Basser Melvin Gibbs (jetzt ROLLINS BAND) tut's dem Herrn Laswell gleich und gründet sein eigenes Label "Rage Records". Ziemlich progressiv soll das Ganze sein, und das erste Release hält, was man verspricht. A. D. - das sind vier New Yorker Musiker (zwei schwarz, zwei weiß), die eine einzigartige Fusion aus Hardcore und Hip Hop, Grunge und Rap, Blues und Street-Groove zustande bringen. Allen voran Rapper Anthony Demore, dessen Initialen auch für American Dream stehen könnten. Diesen demontiert Demore jedoch, indem er anschaulich und überzeugend Facts und Paradoxien des amerikanischen Alltagslebens in seinen Versen verarbeitet. Demore beschränkt sich nicht nur auf Rap, auch einfühlsamen Gesang (mal eher bluesig, mal eher rough) hat er in seinem Repertoire. Demore sinniert, denkt nach und wenns in packt missioniert er. Stilistisch ebenso variabel ist der Gitarrist, der sich der Sounds der modernen Gitarre bedient. Bluesmelodien illustrieren Grunge und Metalriffs, dazu gesellt sich Funkiges. Zu Rap gehört Groove, und den serviert die Rhythm-Section (no Drum-Machine). Funkig treibende Bassparts und packende Streetgrooves, aber auch polyrhythmisch Jazziges, in einer Stimmigkeit, die atemberaubend ist und einen unweigerlich zum Tanzen treibt! Das Ganze ist eher laidback als treibend, man wird von den Grooves getragen, fällt in sie hinein. Eine Band, die irgendwie in den Dunstkreis von RAGE AGAINST THE MACHINE und RED HOT CHILLI PEPPERS gehört, aber mehr als eigenständig ist! (ce)

JERRY GOLDSMITH
Bad Girls
Milan
BAD GIRLS ist ein Western, und zwar einer, in dem die Frauen einmal den Spieß umdrehen. Vier Huren steigen aus und legen die um, die ihnen ans Leder wollen. Der Soundtrack zu diesem ungewöhnlichen Western stammt aus der Feder von JERRY GOLDSMITH, der auch schon zu Filmen wie POLTERGEIST, DAS OMEN oder STAR TRECK die Musik lieferte. Kaum eine Sekunde vergeht, in der Langeweile aufkommt. Die typischen Westernthemen wirken nicht einfach kopiert, sondern frisch. Auch ohne den Film läuft hier ein Western ab, der wirklich Klasse hat. (Original Soundtrack) (om)

JETHRO TULL
Nightcap
Chrysalis
Nicht jedermanns Sache bzw. Tasse Tee, aber ein lang gereifter, exquisiter Schlaftrunk für eingeschworene Tull-Fans. So faßt Ian Anderson die Herausgabe des unveröffentlichten Songmaterials der Jahre 1973 - 1993 selbst zusammen. Und in der Tat: Wer den Werdegang der Gruppe ein wenig verfolgt hat, für den wird dieses Doppelalbum einen spannenden Blick hinter die Kulissen bereithalten. Dies gilt besonders für die erste CD, den sogenannten "Chateau D'Isaster Tapes", eine Vorstufe des 1974 herausgegebenen Konzeptalbums "A Passion Play", wie unschwer an dem Song "Critique Oblique" zu erkennen ist. Die im Steuerexil Frankreich entstandenen Aufnahmen wurden aus diversen Gründen abgebrochen und später nicht mehr fortgesetzt. Zwar klingen die Aufnahmen allesamt recht zahm: Da explodiert nichts, es fehlt der Pep, der später in "Passion Play" durch die unzähligen Tempowechsel, Breaks und ulkigen Interludien erzielt wurde. Aber hörenswert sind die Aufnahmen schon durch hervorragende Klangqualität und die für Fans der Gruppe leicht zu erkennenden, später verwerteten Ideen und Themen. Das gilt auch für die zweite CD, die "Unreleased Rare Tracks", die meist den veröffentlichten Songs zu ähnlich oder aber zu unähnlich waren und deshalb zurückgehalten wurden. Insgesamt ein durchweg hörenswertes Doppelalbum, dessen Erlös zudem einem Museum für schottische Folkmusic und dem "Animal Health Trust" zukommen soll. (pw)

JOACHIM-ERNST BERENDT
Chöre der Welt
Zweitausendeins, 3-CD-Box
Dieses über zweieinhalb Stunden umfassende Hörwerk von J.-E. Berendt bietet dem Hörer einen einmaligen Einblick in die Chormusik der Welt. Dabei bleibt es dem Zuhörer überlassen, sich entspannt zurückgelehnt zu genießen oder sich des 72-seitigen Beihefts zu bedienen, um sich mit der jeweiligen Entstehungsgeschichte auseinanderzusetzen. Egal, wofür man sich letztlich entscheidet, eine Bereicherung ist diese Zusammenstellung von über 30 Chören auf jeden Fall. (om)

JOAN ARMATRADING
What's Inside
RCA/BMG
Sie ist um Längen vielseitiger als Tracy Chapman, um einiges ernsthafter als Tasmin Archer. Ihre Songs sind ehrliche Bekenntnisse, niemals anmaßend, weder musikalisch noch hinsichtlich der Texte. Da mag mancher verächtlich die Nase rümpfen und einwenden, daß sie noch nicht einen einzigen wirklich bedeutenden Song abgeliefert hat. Mag sein. Ihr eigentliches Geheimnis ist Unaufdringlichkeit. Ihre Songs wühlen sich eben nicht rücksichtslos in die Gehörgänge, um deren Besitzer tagelang mit Klang-"Mief" zu quälen, sondern sperren sich geradezu gegen den harmlosen Konsum. Wer sie entdecken will, der muß sich "Aufmerksamkeit nehmen" für die leisen Nuancen ihrer heiseren Stimme, ihres exzellenten Sologitarrenspiels (das in »Lost in Love« lässig den Standard Claptons erreicht), der muß sich die dezent gesetzten Metaphern öfter auf der Zunge zergehen lassen. Selbst ihre illustren Studiogäste z.B. (STONES-Aushilfe) Darryl Jones, das Kronos-Quartett, der langjährige STING-Drummer Manuel Katche fügen sich entsprechend unauffällig in die schlichten Arrangements ihrer Songs ein. Offensichtlich weiß JOAN ARMATRADING: Sie wird nicht die erste und auch nicht die letzte Songwriterin sein, aber diejenige, an die man sich erinnert. (pw)

JOAN JETT
Pure And Simple
SPV
Meine Güte! Vor »Pure and Simple« würden selbst die RAMONES den Hut ziehen. Joans bestes Album seit mindestens 5 Jahren. Dieser Baß! Diese Grooves! Bravo, JJ!
 
 
 

JOHNNY HEARTSMAN & THE BLUES COMPANY
Made in Germany
Inak
Ich zähle nun wirklich nicht zu den eingefleischten Bluesfans, sondern neige eher dazu, die ewig wiederkehrenden Themen beim Blues zu bemäkeln. Was jetzt jedoch mit »Made In Germany« von JOHNNY HEARTSMAN & THE BLUES COMPANY auf den Markt kam, ist einfach top. Daß Johnny Heartsman laut Info in frühen Tagen häufiger Gastgeber und Jam-Partner von Jimi Hendrix war, geht mir ziemlich am Hintern vorbei. Zu solch platten Hinweisen sollte sich Inak-Rec. nun wirklich nicht verführen lassen, da es sich hierbei ohne Frage um einen der Besten seines Genres handelt. Johnny Heartsman nutzt neben der Gitarre auch noch die Querflöte, Orgel und den Gesang, um seine Interpretationen von »Cold Cold Feeling« (Albert Collins) oder »I Don't Want No Woman« von Junior Parker rüberzubringen. Immer wieder hört es sich an, als seien die Stücke aus seinem Leben. THE BLUES COMPANY nimmt bei diesem Konzertmitschnitt den Platz ein, den eine einfühlsame Begleitband einzunehmen hat. Sie stellt das Gerüst, auf dem sich Johnny Heartsman austoben kann, und das erledigt sie verdammt cool. (om)

JOSHUA KADISON
Deliah Blue
EMI
Eines der Überraschungs-Debüts des letzten Jahres war eindeutig »Painted Desert Serenade« von Shooting Star JOSHUA KADISON. Der Beautyboy, der immer wieder Erinnerung an Elton John weckt, aber zum Glück nicht soviel Schmalz in seine Songs legt, bringt nun sein Nachfolgewerk auf den Markt. Und - ehrlich gesagt - mit solch einem ausgereiften Longplayer hätte wohl niemand gerechnet. Musikalisch ist »Deliah Blue« tief im Soul verwurzelt, keine Hitsingles a la »Jessie«, die sofort jedem Teenie ins Ohr hüpfen, sondern Songs, die zum Zuhören auffordern. Joshua zaubert mit Piano, dem hervorragenden Gospelchor und seiner unverkennbaren Stimme eine unheimlich warme Atmosphäre zum Genießen. Der Titelsong entpuppt sich nach mehrmaligem Hören als eine wahre Pop-Perle. Daß er kein One-Hit-Wonder war, beweist er hier mehr als eindeutig! Man wird in den nächsten Jahren noch viel von ihm hören! (hs)

Oliver Kalkofe
Onkel Hottes 10 kleine Glatzenköpp
FSR
Onkel Hotte vom Bremer "Frühstyxradio" hat eine Maxi-CD zugunsten der Organisation SOS-Rassismus produziert. Der musikalische Teil des Ganzen wird bestimmt von einer umgedrehten Version des rassistischen Kinderliedes "Zehn kleinen Negerlein" - statt der Schwarzen sind es hier "10 kleine Glatzenköpp", die sich aus lauter Dummheit und Streitsucht nach und nach selbst dezimieren. Von diesem Song gibt zu Anfang eine spärlich instrumentierte Version mit Banjo und Gitarre, aber auch einen MultiKultiPogoRaveWaveLatinAfro-Mix mit Drum-Groove, wilden Bläsern und noch wilderen Tieren. Zwischen den beiden Versionen erzählt Onkel Hotte das "Märchen vom kleinen Skinhead", welches der aufmerksamen Zuhörerschar das Motto "Wer wirklich Arbeit sucht, findet auch welche" nahebringt. Als Zugabe folgt noch eine nicht ganz zum Thema passende Episode: Das Märchen von "Dudel, der Drecksau", deren Lebenstraum sich erfüllt, als sie als Spanferkel beim Sommerfest der Jungen Union endet. Wer sich die Wut auf die braunen Blödmänner von der Seele lachen möchte, liegt hier richtig. Erkenntnis oder Tiefgang hat man von Onkel Hotte eh nicht erwartet! (lj)

KATE BUSH
The Red Shoes
IBM
Eines vorweg: Ich mußte dies Album einige Male hören, bevor es mir seine Reize enthüllte. Dann aber - langsam und gewaltig - haben mich die 12 neuen Songs gefangengenommen. Ganze 4 Jahre hat Kate Bush daran gearbeitet! Inzwischen halte ich ihr Album für das herausragende Ereignis dieses Herbstes. Wie experimentell kommerzielle Pop-Musik sein kann, kann bei ihr ein weiteres Mal gelernt werden. Paradestücke dafür: "Big Stripey Lie" und Titelstück "The Red Shoes". Dagegen kann ich die fünf lyrischen Balladen allesamt nur wärmstens für die nächste Kuschelrock-Zusammenstellung empfehlen. Kate Bushs hingehauchte flehende Seufzer zu zauberhaft melancholischen Tonfolgen bestricken und werden sicher so manchem Zuhörer die eine oder andere Gänsehaut entlocken. Das liegt nicht zuletzt an so prominenten Gastmusikern wie Eric Clapton, Jeff Beck und Prince. Letzterer arrangierte zusammen mit Kate Bush einen merkwürdigen Song über Jesus: "Why should I love you?". Mag dieser eher Geschmacksache sein, so ist "And So Is Love" mit Eric Claptons genialen E-Gitarren-Einwürfen ganz sicher ein Anwärter für einen zweiten Hit nach "Rubberband Girl". Originell ist neben der Musik übrigens auch das Beiheft: Beim Auseinanderfalten entsteht ein kleines Poster mit einladenden Fruchtlandschaften. (pw)

KRISTIN HERSH
Hips and Makers
Rough Trade
Melancholie ist "in". Nach REMs neustem Album scheint sich Kristin Hersh, eine weitere Vertreterin der neuen weiblichen Singer-/Songwritergeneration aus Amerika, diesem Motto völlig verschrieben zu haben. Wen wundert es da, das REMs Sänger Michael Stipe sich als zweite Stimme bei ihrer Single-Auskopplung "Your Ghost" zu ihr gesellt hat. Kristin Hershs leicht brüchiger, mitunter auch bis zu einem Viertelton neben der Melodie liegender Gesang trägt neben der minimalistisch gemeinten, häufig jedoch nur stupide geratenen Gitarrenbegleitung dieser Absicht vorzüglich Rechnung. Wer immer also sich gern in Trauerorgien ergeht, ist mit diesem Album bestens bedient. In Grufti-Kreisen könnte jedes ihrer Lieder es zu einer Hymne bringen. Dem Durchschnittshörer wird bereits nach wenigen ihrer einlullenden Lieder nach etwas Handfestem, Abwechslungsreicherem zumute sein. Zumal es der Songwriterin eindeutig an unterstützenden Musikern und Abwechselung der Instrumente mangelt. Der Klang ihrer Collings Akustikgitarre, so kristallklar er auch sein mag, vermag die Hörer nicht auf Dauer zu fesseln. Daneben kommen gerade einmal ein Klavier und ein Cello zum recht seltenen Einsatz. Bei der Cover-Version des Folksongs "Cuckoo" wird sich so mancher sehnsuchtsvoll an die entsprechende PENTANGLE-Version erinnert fühlen. In England allerdings scheint sich kaum jemand an ihrer selbst auferlegten musikalischen Kargheit zu stören. Da hat ihr Album bereits die Top-10 erreicht... (pw)

KROKUS
To Rock Or Not To Be
Steamhammer/SPV
Bis auf den heutigen Tag sind KROKUS die erfolgreichste Schweizer Hardrockkapelle, die bis Mitte der Achtziger in den USA Arenen füllte. Beim Versuch einer völligen Anpassung an den dortigen Markt brach sich die Gruppe dann aber den Hals, was eine jahrelange musikalische Irrfahrt zur Folge hatte. 1995 sind KROKUS, wer hätte das gedacht, in alter Frische wieder da. Von der Originalbesetzung fehlt nur Chris "Ein Name, ein Körperteil" von Rohr. Für ihn zupft der frühere ASIA-Gitarrist Many Maurer die vier dicken Saiten. Meiner Meinung nach wird sein Talent hier etwas unter den Scheffel gestellt. Kein laues Lüftchen, um nochmal abzusahnen, und schon gar nicht ein zweiter Frühling welker Schweizer Blüten. Vielmehr ein ausgereiftes Heavy-Album voller Saft und Kraft, das die Jungspunde der Rockwelt in tiefe Verzweiflung stürzt. (ms)

KYOTO JAZZ MASSIVE
Kyoto Jazz Massive
99 Records
Mit Musik aus Japan verbindet man allgemein blutjunge Klassikvirtuosen oder Bubblegum-Pop. Freaks kennen vielleicht noch die Boredoms oder andere Noise-Expediteure. Es scheint, als hatte das Land zwar allerlei Skurilitäten zu bieten, doch so richtig ernstzunehmendes? Fehlanzeige! Weit gefehlt, die Japanische Musikszene, vor allem die Popszene sucht an Kreativität und Unverbrauchtheit ihresgleichen. Hierzulande stolpert man in angesagten Großstadtclubs immer öfter über ein extrem tanzbares Produkt japanischer Unbefangenheit und Kreatitvät: Acid Jazz. Musik, die im besten Fall so richtig musiziert ist, Lust an Melodie hat, vor Lebensfreude sprüht und absolut tierisch grooved. Genau wie bei KYOTO JAZZ MASSIVE, einer Musiker-Kooperative aus »Kyoto«, die auf diesem "Sampler" (eigentlich ist es keiner, denn hier musiziert jeder mit jedem) ihren Arbeitsstand dokumentiert. Ein Trip durch die Nuancen des Acid-Jazz:. Songs wie »The Habit« tendieren in die HipHop Ecke bei »Mas Que Nada« wird einem wirr im Kopf vor lauter Musikalität, warm ums Herz vor lauter Meldoie (geniales Piano) und obendrein ist das so tierisch tanzbar. Selbiges trifft auf »City Folkore« zu, während »Sleep Walker« geradezu melancholisch daherkommt. Bei all dem Jazz gibts hier keine Virtuosen-Exzesse oder anstrengend antonale Experimente, irgendwie hat diese Scheibe den "goldenen Schnittt". Es ist einfach für jeden was dabei und vor allen dingen macht die CD auch zuhause tierisch Laune, meinen CD-Player blockiert sie jedenfalls schon seit Wochen. (ce)

LA FLOA MALDITA
Dedication! Separation!
EFA/Kodex
Sphärenklänge und Melancholie aus Marburg: Enya meets Dead Can Dance. Was die Marburger Gruppe hier auf CD gebannt hat, steckt voll süßer Magie und lädt ein zum Chill-Out auf der Frühlingswiese. Schwebende Klangflächen treffen auf archaische Melodik. Die wechselweise englisch und französisch gehaltenen Texte pinseln darüber wunderschöne Silbengemälde von fließender Kraft. Doch nicht nur das: Die Songs sind konzeptionell miteinander verbunden, spinnen die Fäden des besonders in Frankreich erfolgreichen Debütalbums »The Concealed Spell« weiter und sprechen von unerfüllter Liebe, von Trennung und Neuanfang. Das Ganze wurde auch noch ausgezeichnet produziert und in ein bildhübsches Cover gepackt. Jetzt wissen wir, daß Romantik im Computerzeitalter noch Chancen hat. Und daß es in unseren Breiten verdammt originelle Musik gibt! (lj)

LACRIMOSA
Inferno
eastwest
Nach wie vor Dark Sounds auf der inzwischen 4. CD: Bombastischer Artrock wie die ganz frühen GENESIS, symphonische Elemente aus spanischer und russischer Klassik, »Quadrophenia«- und Mike Oldfield-Einsprengsel bis zum Abwinken, Gitarrengeschrammel, das eher für Pfadfinder beim Lagerfeuer taugt - das alles ist ja noch ganz anhörbar. Aber welch ein Gebrummel - von Gesang kann man ja nicht ganz reden -, was für Texte? Düstere Pseudo-Metaphern verbinden sich zu merkwürdig archaischen Wendungen wie z.B. in »Versiegelt glanzumströmt«. Wahrscheinlich besteht der Kundenstamm von LACRIMOSA aus verkappten Satanisten, sind seine CDs die Hintergrundmusik, die zu schwarzen Messen läuft. Jedenfalls ist das Inferno, das Texter/Komponist T. Wolff heraufbeschwört, kein gewaltiges, sondern ein vor Tragik triefendes SynthieErlebnis in Moll, in das sich Engelsgesang und schmalzige E-Gitarren-Soli verirrt haben, getragen vom schleppenden Rhythmus eines Schlagzeugs, das nur höchst selten einmal in schnellere Gangarten wechselt (z.B. in »Copycat«). Selbstbeweihräuchernder Genuß am Untergang: hier wird er musikalisch vorgeführt. Tut mir leid, Leute, nichts für mich. (pw)

LASSIE SINGERS
Sony
Wer behauptet, daß es heute keine gute deutsch singende Frauenband gibt, der hat immer noch nichts von den Lassie Singers gehört. Die 3 Mädels aus Berlin, die von zwei Männern am Schlagzeug und der Gitarre unterstützt werden, labern und plappern munter über ihre Alltagsprobleme, Katastrophen und Schicksalsschläge (Beispiel: Mein zukünftiger Ex-Freund"). Sie singen deutsche Popsongs, die hauptsächlich im Tourbus entstanden. So spiegeln ihre Texte Tourneelust und -frust (Beispiel: "Hamburg", "Leben in der Bar") wieder. Wer also den freien Lauf der Gedanken bevorzugt, sollte sich die Platte anhören und ein gogo sein.  (vr)
1-93

LIMINAL
Nosferatu
Knitting Factory Works
Jeden Montag im New Yorker Avantgarde Jazz-Schuppen »Loud Music - Silent Film«; ein Stummfilm wird gezeigt und live spielen bekannte Größen der Szene-Musik dazu. Ein Podukt einer solchen Performance ist die vorliegende CD. Zu F.W. Murnaus Stummfilmklassiker »Nosferatu« (1922) spielte die NYer Ambientband um den Lounge Lizards Gitarristen Danny Blume eine 70 Minuten lange psychoaktive Tonkonserve ein. Klarer Fall, daß hier kein Weichspül-Ambient abgefahren wird, aber »Nosferatu« ist keineswegs stressig, eher auffordernd. Der Hörer wird in einem angenehmen Schwebezustand zwischen Aufmerksamkeit und Zurücklehnen gehalten, ständig tauchen da Sounds auf, machen neugierig, was das ist, wo es herkommt, wo es hinfließt. Alles ist Bestandteil des Flows, der Fließbewegung dieser Musik. »Nosferatu« ist keineswegs eine Horrorscheibe, sondern Ambient, wie er sein sollte: anregend und entspannend zugleich. (ce)

LISA LISA
LL 77
EMI
Schon lange vor Gloria Estefan und Sheila E. war Lisa Lisa mit ihrer Band CULT JAM Identifigationsfigur und Superstar der jungen US-Hispaniacs. Doch schon kurze Zeit nach dem Erfolg brach die Band auseinander. Mit dem neuen Album »LL 77« hat sich Lisa Lopez alleine aufgerafft und zu ihrer alten Form zurückgefunden. Ihre Stimme ist im Laufe der Zeit weiter gereift und hat nichts an der Erotik verloren, die sie ausstahlt. Die Texte auf der Platte sind dezent doppeldeutig. Die ebenfalls verschollen geglaubte Funk-Lady Nona Hendryx sowie House-DJ Junior Vasquez lieferten der Latin-Loverin adäquates Songmaterial. Dabei handelt es sich in erster linie um Funk. (sw)

LORIAN
Virginal Mind
Tricolor/Edel
Stolze 2 Jahre gingen ins Land, bis diese fabelhafte CD endlich das Licht der Welt erblickte. Für »Lorian« brachte das Vertragsdilemma immerhin den Vorteil, daß alle Songs nochmal gründlich überarbeitet werden konnten, so daß beim Ergebnis der Begriff "Perfektion" angemessen ist. hier sitzt jeder Part, jedes Break, jede Note - jede Sekunde hat ihre Berechtigung. Auf »Virginal Mind« stimmt einfach alles von vorne bis hinten, Schwachstellen lassen sich nichtmal mit der Lupe und viel bösem Willen ausmachen. Abgerundet wird das Hörvergnügen durch anspruchsvolle, verträumte Texte, ein Spitzencover und einen kristallklaren Sound, der alles zunagelt. Moderne Rockmusik in Vollendung. Schon lange sind mir 65 Minuten nicht mehr so kurz vorgekommen. Kontakt: Christian Göwert, Am Waldessaum 10B, 49811 Lingen. Tel. 0591-76686. (ms)

LOST LYRICS
Rotzlöffel
Hulk Räckorz
Die LOST LYRICS sind mutig: Nachdem sie mit ihrem letzten Album ein durch und durch rundes Werk hingelegt hatten, wagen sie sich mit »Rotzlöffel« in stilistisches Neuland vor.
Gleich geblieben ist das geschliffene Zusammenspiel im ungeschliffenen Sound, wie's der Punker gern hat. Soundschmankerl wie raffiniert eingesetzte Feedbacks und Fingersnaps setzen das Sahnehäubchen obendrauf. So weit, so gut. Neu ist vor allem die deutsche Sprache. Die moralisierenden Statements zum täglichen Elend markieren eine bislang noch unbekannte Stilrichtung, die man als "Liedermacher-Punk" bezeichnen könnte. Und tatsächlich grüßt bei »Hier, heut und jetzt« Hannes Waders »Heute hier, morgen dort« unüberhörbar vom Lagerfeuer herüber. Die von Akustikgitarren dominierte »Pin Up Lady« verläßt ganz die Punk-Regionen und bietet mit Gaststars Thomas Möse (Geige) und Elke (Gesang) eine nette Neuauflage von 70er-Jahre-DDR-Rock. Der nur zur Gitarre gesungene Rausschmeißer »Das Arschloch der Woche« geht dann schon gefährlich weit in Richtung Mike Krüger. Was das ganze mal werden könnte, wenn die Band endlich die verlorene Lyrik findet und ihre Texte in den musikalischen Fluß bekommt, läßt das Stück »S.O.S.« ahnen: Melancholie und Härte. Am besten klingen die LYRICS aber dort, wo's ans letzte Album erinnert: »Sidekick Radio« geht gnadenlos gutgelaund nach vorne los. Ist aber ein Fremdkörper auf dem Album - von wegen »Rotzlöffel«: Die LOST LYRICS sind die Gymnasiasten des Punk! (lj)

LUCHTEN
Was?
Butler's
Jazzig groovender Funk-Rock, meist tierisch vorwärtstreibend, manchmal aber auch relaxed oder melancholisch zurückgenommen: das sind LUCHTEN aus Berlin, auch in unseren Breiten bereits bestens bekannt durch furiose Live-Konzerte. Die Musik des experimentierfreudigen Quintetts klingt auf dem aktuellen Album abwechslungsreich und trotzdem wie aus einem Guß. LUCHTEN scheuen sich nicht, ganz tief in der Kiste zu graben und alles, was in den 80ern, vor allem aber den 70ern gut klang, zu recyclen und mit aktuellen Trends und Grooves zu verbinden. Doch hier gibt es nicht den siebenhundertsten Aufguß derselben abgestandenen Soße, dazu sind LUCHTEN viel zu eigenständig - vor allem die irren Breaks und der grelle Spielwitz sorgen für Freude beim Hören. Dazu gibt es deutsche Texte, die sich nur selten an Bedeutung klammern, sondern vor allem klangliches Material liefern, das der wilden Mischung den letzten Kick gibt. Aufpassen müssen LUCHTEN nur, wenn sie der Moralische überkommt: Da lauern nämlich die Untiefen der Perlenfischer unter sieben Brücken. Sicher, Berlin lag mittendrin im Mutterland der PUHDYS - doch dieser weinerliche Ton paßt einfach nicht zum Rest! (lj)

LUNAR
Lunar
Horny Hell Records
Bis vor kurzem war die Region, musikalisch gesehen, ein toter Fleck auf der Landkarte, und jetzt schießen sie wie Pilze, die Bands. LUNAR stammen aus der Provinz zwischen Kassel und Warburg. Anfang letzten Jahres stellten sie mit dem Song »Goose Flesh« das Highlight auf dem »What Is Wrong With Modern Youth?« Sampler des Kassler Labels Horny Hell Records. »Goose Flesh«, das war eine trippige Jamsession durch Sonic Youth Gefilde. Den damals eingeschlagenen Weg setzen LUNAR auf ihrem selbstbetitelten Debüt fort. Sonic Youth tauchen allenthalben auf, allerdings auch fette Riffs, die das Ganze eher zu Sonic Youth-Core mutieren lassen. Diese ständige Nähe zu den New Yorkern ist wohl das einzige Manko, das man der Band anhängen kann, denn irgendwie hat LUNAR was. Da kommen einige Songs (leider nicht alle) daher, die von thigthen Riffs und dronigen Gitarren, von verlorenen bis wütenden Vocals und groovenden Drums leben, die in sich stimmig sind und Appetit auf mehr machen. Die Songs stellen eine gelungene Mischung aus Noise und (Hard-) Core dar, trotz der teilweise heftigen Breaks und zornigen Gitarren überwiegt die bittersüße Melancholie des Noise. Auch soundmäßig ist das stimmig, Lo-Fi mit Punch! »Goose Flesh« ist wieder dabei, leider nicht ganz so abgespaced wie beim letzten Mal, dafür sind »Mescalin Dream« und »I Hate Hate« umso geiler. Gute Songs sind das Potential von LUNAR, das auf Weiterentwicklung hoffen läßt; deutlich mehr Abstand zu den Vorbildern ist gefragt. Aber vielleicht präsentiert sich die Band demnächst so, wie sie es jetzt schon verspricht! (ce)

M. WALKING ON THE WATER
La Louisianne
EMI
Ach, sie läßt einen einfach nicht los, diese merkwürdige Musik. Süffig und sumpfig wie das schwärzeste Bayou soll's wohl klingen, doch in M.'s Adern pulsiert viel mehr vom irischen Folk als vom amerikanischen - warum also nicht La Dublienne oder Le Belfastien? Wohl, weil das Studio, wo das bislang beste M.-Album entstand, nun mal in Louisianna steht und diesen merkwürdigen Namen in Erinnerung an einstige französische Immigranten trägt. Und obwohl es im Mutterland des Showbiz liegt und die Mastertapes in der Pop-Metropole London ihre endgültige Form erhielten, klingt dieses Album weder glattgeschliffen noch geradegebügelt. Nein, es klingt, als wäre es eigentlich überhaupt irgendwie produziert. Diese Folk-Punk-Truppe ist so mit Kneipenluft und Fußgängerzone verwachsen, daß sie im sterilsten Aufnahmeraum noch nach Rauch, Bier und Straßenstaub klingt. Immer gerade so angeschrägt, daß es noch schön ist - M.'s Ohrwürmer formen eine ganz eigene Kunst, die direkt in die Seele zielt. (lj)

MANDRAGORA
Temple Ball-Live 94
Mystic Stone/Fire Engine
Und wieder etwas für Mondsüchtige, die des Nachts lieber im Milchstraßensystem herumstreunen statt zu schlafen. MANDRAGORA haben ihre Wurzeln in der selben Scene wie OCZRIC TENTACLES, die in Großbritanien und Holland schon Kultstatus haben. Simon Williams gründete MANDRAGORA 1984 mit einigen Freunden, die allesamt heiß darauf waren, in Stonehenge aufzutreten. Was als Sessionband begann, nahm immer professionellere Formen an. Auf der aktuellen CD bieten MANDRAGORA einen phantastischen, farbenprächtigen Spacerock. Selten gibt es Bands, die eine so gelungene Mixtur aus Space, Jazz, Reggae und Ethnic zusammenbringen, ohne auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln. Nach dem spirituellen Einsteiger TEMPLE BALL bewegt sich alles sehr schnell in Richtung Rock. Es scheint, als würden Sci-Fi-Filmdialoge eingespielt. Nach drei überwiegend instrumentalen Stücken kommt die erste große Überraschung: Caroline Davey durchbricht mit ihrer Stimme in »This is...« den Himmel. Im Anschlußtrack »Jazz Message From The Mothership« scheint das legendäre Mahavishnu Orchestra wieder aufzuerstehen, und Ron Williams gibt sich zudem alle Mühe, an Miles Davis zu erinnern. Alles scheint, als würde man beim Gläserrücken Kontakt zu einer vergangenen Welt aufnehmen. (om)

MANIC EDEN
Manic Eden
SPV
DAS erwartet man todsicher nicht von alten WHITESNAKE-Recken: Statt Perfektion und Kalkül gibt's Power und Groove satt mit etlichen Songperlen. Wurde in Japan bereits vergoldet - zu Recht!

MARILLION
Brave
EMI
MARILLION kehrt mit ihrem siebten Album zu den Wurzeln der Rockmusik zurück. Auch ohne den einstigen Sänger Fish will die britische Band wieder für Aufmerksamkeit sorgen. Das Konzeptalbum »Brave« behandelt textlich vor allem die Thematik der Kommunikationsverweigerung. Steve Hogarth, Sänger und kreativer Kopf der Band liest einen Zeitungsartikel: "27.11.1988; Polizei greift auf der Autobahnbrücke ein umherirrendes Mädchen auf. Auf Fragen antwortet die junge Frau mit Schweigen und bleibt auch sonst regungslos. Sie wird in ein Krankenhaus eingeliefert, ist weder taub, stumm oder sonstwie körperlich krank. Sie leidet unter Depressionen." Diese Geschichte fesselt die Band. Sie geht mit ihrem Produzenten Dave Meegan in eine zweimonatige Klausur. In einem kleinen Schloß im französischen Bordeaux entstehen elf epische, atmosphärisch-dichte Songs, die fließend ineinander übergehen. Ein Opus, das unsere Welt kritisiert, Ursachen für jugendliche Kommunikationsverweigerung sucht und findet. Dazu Steve Hogart selbst: "Seit meiner Geburt bin ich stetig mit einer Unmenge von Informationen bombardiert worden, doch es hat nicht das bewirkt, was man sich eigentlich davon erhoffte, nämlich das ich daraus etwas lernen sollte. Ich denke, daß wir mehr und mehr mit der Gefahr konfrontiert sind, unseren Glauben in alles und jeden zu verlieren, und die Songs von Brave handeln vor allem von diesem Glaubensverlust." Diese CD, eine musikalische Reise, die Gefahren und Höhepunkte menschlichen Lebens mit größter Sensibilität instrumental und gesanglich umsetzt, erfordert Muße und Zeit zur Auseinandersetzung. Übrigens: Im Frühjahr startet die Deutlandtour 19.03. Hannover, 05.04. Neu Isenburg. (bm)
 
ENIGMA
The Cross Of Changes
Virgin
Sicherlich wird vielen noch das erste ENIGMA-Album mit seiner besinnlichen Gregorianik in Erinnerung sein. Immerhin verkaufte der clevere Klangzauberer Michael Cretu von dieser Scheibe weltweit über sieben Millionen Exemplare. Nun folgt mit "The Cross Of The Changes" Teil 2 der schier unendlichen Erfolgsgeschichte. Besonders deutlich wird auf dem neuen Werk der Einfluß der Bombast-Veteranen Pink Floyd, was aber nicht negativ zu hören ist. Ebenfalls kommt ganz deutlich heraus, daß Cretu einen offensichtlichen Hang zur Mystik hat. Zwar hat der Musiker diesmal nicht die Gregorianik geplündert, doch bedienen sich die Texte samt und sonders der Esoterik und teilweise auch der Religion. Neben mittelalterlichen Motiven finden sich auf dem Album auch einige hörenswerte Elemente aus dem Bereich der ethnischen Musik. Der ein oder andere Titel wird mit ziemlicher Sicherheit in den Charts wieder auftauchen. Denn Cretu hat es geschafft, Klang-Collagen aus sphärischen Tönen und aktuellen Dance-Grooves homogen zu mischen. (jü)

MARK KNOPFLER
Screenplaying
Phonogramm
Eine ganz andere Seite des Dire- Straits-Gitarristen ist auf diesem neuen Sampler zu hören. Auf der neuen Scheibe »Screenplaying« finden sich ausschließlich Film-Musiken. Geboten werden über 70 Minuten selbstkomponierte Musik aus den Filmen »Cal«, »Local Hero«, »The Princess Bride« und »Last Exit Brooklyn«. Einige der Tracks gefallen durch Knopflers filigranes Gitarrenspiel, andere zeigen den Musiker als orchestralen Komponisten, ganz ohne die geliebte Gitarre. Wer die Filme gesehen hat, weiß wie eindrucksvoll die Musik Handlung und Bilder untermalt. Aber auch ohne bewegte Bilder verbreitet "Screenplaying" eine überaus schöne und ruhige Atmosphäre, die zum Entspannen und Träumen einlädt, ohne die sonst üblichen "Klings" und "Klongs". Wer den typischen Dire-Straits-Sound liebt, wird hier allerdings vergeblich danach suchen. (tr)

Frey
MATTHIAS FREY
Liquid Crystal
Inak
Recht leichte Kost serviert uns der Pianist MATTHIAS FREY mit seiner aktuellen Produktion »Liquid Crystal«. Unter Mitwirkung so renommierter Kollegen wie dem Saxophonist Büdi Siebert oder dem Perkussionist Rameh Shotham entstand eine lockere Mixtur aus Jazz, Folk und Klassik. Anspieltip: »Caravan Of Dreams« (om)

MEAT LOAF
From Hell To Paradise
RSM
Der Fleischklops gab am Broadway im letzten September sein furioses Comeback-Konzert. Dieser Bootleg-Mitschnitt vereinigt sieben ausgedehnte Songs - Länge zwischen 8 und 15 Minuten -, darunter »Bat Out Of Hell«, »You Took The Words Right Out Of My Mouth« und natürlich den letzen Superhit »You Took The Words Right Out Of My Mouth«. Kurzum: die besten Nummern aus Steinmans Feder und Meat Loafs Kehle - in frappierend guter Tonqualität! Man spürt den Einsatz des Sängers und seiner Truppe zu einem Zeitpunkt, als noch nicht ganz absehbar war, ob das Comeback-Konzept wirklich aufgeht! So hat man die spontane Unmittelbarkeit und das fiebrige Feeling eines echten Konzertereignisses in ungefilterter Form. So etwas gönnen einem eitle
Rock-Stars, detailbesessene Produzenten und risikoscheue Plattenfirmen auf regulären Live-CD's fast nie. Das ganze kommt dann noch in  wirklich schöner Klangqualität auf den CD-Player  - keine Ahnung, wie die Jungs von RSM das bewerkstelligt haben! Bleibt das schlechte Gewissen, weil die Urheber vom Erlös nichts abkriegen. Doch - ausnahmsweise - trotzdem kaufen! (lj)

MEATHOOK SEED
Embedded
RTD
Napalm Death scheinen ein erhebliches Reservior an kreativen Musikern zu beherbergen, entstanden doch Bands wie "Painkiller", "Scorn", "Terrorizer", "Godflesh" und weiß ich noch wer aus dem Umfeld der Band. Diesmal hat NP Gitarrist Mitch Harris das Kind aus der Taufe gehoben um seinen eigenen Ideen besser nachgehen zu können, getauft hat er das ganze "Meathook Seed" und zur Seite stehen ihm zwei hochkarätige Mitstreiter, namentlich Trevor Perez (voc) und Ronald Tardy (drums) die Hauptberuflich bei Obituary beschäftigt sind. Beste Voraussetzungen also und Meathook Seed entäuschen den geneigten Hörer auch nicht. Die drei machen mit dem Hardcore das was "Fudge Tunnel" mit dem Grunge machen, sie ziehen ihn in den Dreck, gnadenlos. Unterwegs wird der Grindcore Generator angeschmissen, auch die Industrial Hölle wird nicht ausgelassen, nicht zu vergessen die ständige Kreuzung des düster Psychedelischen Gebiets. Alles nichts neues könnte man behaupten, stimmt auch, "Embedded" stellt keinen Meilenstein der Rockgeschichte dar, dafür ist es aber eines der Intensivsten Alben der letzten Zeit. Die Krönung wäre gewesen wenn die Jungs nen Song von Biohazard gecovert hätten, doch man kann ja noch Hoffen. Also Reinhören und Abfahren!

MELISSA ETHERIDGE
The Power In Me
Flashback
Das Cover spielt auf wenig geschmackvolle Weise auf Bruce Springsteens Album "Born In The U.S.A" an. Wer aber jemals einen der mit- und hinreißenden "Live"-Auftritt MELISSA ETHERIDGEs erlebt hat, ahnt schon, daß diese CD dennoch etwas besonderes sein muß: ein Klassiker in "Best-of"-Qualität. Trotz Bootlegging solide Tonqualität und gediegene Songauswahl! Tatsächlich fehlt keines ihrer Highlights, bis auf - leider! - "Like The Way I Do". Dafür gibt es Cover-Versionen von Kristoffersons "Me And Bobby McGee" und Rod Stewarts "Maggie Mae". Letzteren Song singt sie allerdings - wie auch "Bring Me Some Water" - mit Höchstpower ohne die nötigen feinen Nuancen, die für langsam sich vorbereitende Emotionsausbrüche stets nötig sind. Dieses Live-Album beweist erneut die Klasse von Melissa Etheridge! (pw)

KEVIN COYNE
The Adventures Of Crazy Frank
Rough Trade
Original KEVIN COYNE - Musiker, Zeichner, Schriftsteller - hat ein Konzeptalbum vorgelegt: Das Leben des drittklassigen Sängers namens Crazy Frank zwischen Suff und miesen Gigs zieht an uns vorbei. In einer wahrhaft einzigartigen Mischung aus schrägem Country und rauhem Blues nöhlt, röhrt und quengelt COYNE sich durch seine Szenerie. Mal klingt es amerikanisch-folkig wie beim alten Dylan, dann wieder hört man den frühen Bowie heraus. Dem Thema angemessen ist das Ganze gnadenlos underproduced und schrappt in seiner Genialität manchmal nur um Haaresbreite am Abgrund der Peinlichkeit vorbei: Der Sound billiger Hotelzimmer wird voll lebendig. COYNE droht, das Ganze auch als "Musical" aufzuführen. Der Broadway wimmert um Gnade. (lj)

MELISSA ETHERIDGE
Yes I am
Island
Das Gerücht hat's, daß Melissa Etheridge sich inzwischen als lesbisch geoutet haben und mit  der langjährigen Nummer 1 des Damen-Tennis, Martina Navratilova, zusammenleben soll. In der Tat lesen sich die Texte ihres bislang 4. Albums als die Geschichte einer Selbstbefreiung aus traditionellen Verboten, Erziehungsstrickmustern und Hemmungen. Besonders treffend ist ihr das in dem Song "The Silent Legacy" (Das stille Erbe) gelungen, der sich mit den unausgesprochenen moralischen Regeln auseinandersetzt, die uns alle bis heute unbarmherzig piesacken. Musikalisch aber bieten die Songs nichts Neues: Das bekannte Repertoire an Akkorden wird leicht variiert abgespult, die Gitarren-Riffs werden vielen Melissa Etheridge-Kennern bekannt vorkommen. Von einem gleichzeitigen Ausbruch aus musikalischen Strickmustern ist also bei "Yes I am" nichts zu spüren; die Arrangements sind eher noch glatter, ganz im Gegensatz zu dem bewußt bruchstückhaft gehaltenen Layout des Beihefts. Was bleibt, sind ein paar eingängige Songs wie "I'm The Only One", "Come To My Window", "All American Girl" und die Hoffnung auf ein musikalisches Outing, das den leidenschaftlichen, kraftvollen Texten zu wünschen wäre. (pw)

MELISSA ETHERIDGE
Your Little Secret
Island
Das Schlüsselloch-Cover ist mit Sicherheit das originellste des Jahres. Und die Musik? Auch hier verdient die musikalische Verpackung Anerkennung: Nie zuvor waren die Gitarrenarrangements und Spannungsbögen der einzelnen Songs so ausgefeilt. Mit völlig ausgewechselter Crew und einem explodierenden John Shanks an der E-Gitarre fühlt man sich an zuweilen angenehm an U2 oder ROD STEWART (Maggie Mae) erinnert. Wenn auch Melissas Songmaterial selbst nicht durchgängig auf der Höhe seines Dekors ist, so ist »Your Little Secret« immer noch um Längen besser als Melissas letzte CD »Yes I Am«. Nie zuvor waren ihre Songs so profilgenau auf die Charts zugeschnitten: »Your Little Secret« hat mit seinen eingängigen Riffs bereits Amerikas Top 30 erreicht. Und »I Could Have Been You"« hat ganz das Zeug zu einem Kultsong im Stil von NIRVANAs »Smells Like Teen Spirit«. (pw)

Members of Mayday
The Judgement Day
Hammer! Der Track zeigt das Westbam immer noch die Nase vorne hat und auf wundersame Weise Techno und House meisterhaft in Einklang bringt! Weiter so!

MERCURY REV
Boces
SPV
Mercury Rev wollen die Nachfolge der großen 70ties Psychedelia Bands antreten, ihr Debüt "Yerself is Steam" war auch ein vielversprechender Anfang. Die Band, mit drei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Querflöte fett besetzt, verstand es einen abheben zu lassen. Der Nachfolger "Boces" entäuscht allerdings. Klar gibt es auch hier massenweise Abgefahrene Songs mit heftigen Space Faktor, aber irgentwie hat die Scheibe einen verdammt albernen Touch. Da nüzt es auch nichts wenn man Songs in einem Labor der Nasa aufnimmt. Obendrein haben die Songs längen, und werden allzuoft zu verspielten Langeweilern. Die Band hat unzweifelhaft Potential, aber diesmal sind die wohl auf 'nem Lachflash hängengeblieben.

MERCURY REV
Yerself Is Steam, Lego My Ego
(SPV)
Im Zuge des schleichenden Seventies Revival lebt auch die Psychedelia auf. Mercury Rev ist eine der Bands, die diesem Trend vorauseilen. Ihre Musik liegt irgendwo zwischen PINK FLOYD, BUTTHOLE SURFERS, SONIC YOUTH etc.. Den sechs Musikern (3 Gitarren, eine Flöte, ein Bass, ein Schlagzeug) gelingt es auch, mächtig abgefahrene Songs voll wummernder Töne, zwitschernder Laute und blubbernder Sounds zu schaffen. Das Ganze hat zwar durchaus seinen Reiz, doch hier und da wird doch allzu heftig zitiert. Trotzdem - wer auf Psychedelia steht, sollte reinhören, gibt es doch eine Doppel-CD zum Preis von einer. sb

MESZADA
Anepigrapha
Blue Noise Records
Sanfte Jungs mit düsterem Art-Wave, das sind MESZADA. Seit gut vier Jahren waven die fünf Jungs aus Paderborn im eigenen Proberaum - der "Hölle". Und als Kunst-Wave kann man die melodischen Darkwave/Gothicmischung der Paderborner Waver durchaus einordnen. Nach zwei Demobändern (»Traum der Vernunft erzeugt Ungeheuer« - 1991 und »Der Illusion beraubt« - 1993) haben MESZADA nun ihre erste CD publiziert: »Anepigrapha« (Schriften ohne Titel). Ein Debüt-Album mit acht Tracks, das trotz des Low-Budget eine dem Industriestandard entsprechende Tonqualität vorzeigen kann. Die Thematik der Songs beschreiben extreme Situationen menschlichen Zusammenlebens. Mal sehr persönlich - mal kritisch beobachtend. Der Mensch, »Aus Psyche gebaut« erzählt von der zerstörenden Vergangenheit, die einen jeden einholt. »Liquid thinking«, ein Stück vom alten Demo, handelt von der allgemeinen Orientierungslosigkeit in sozialen Bereichen. »Dictator's good bye« greift zerrend den gewünschten Liberalisierungsprozeß des politisch umbrochenen Kuba auf. Untermalt sind die acht Tracks mit sphärischen Klängen vibrierender Synthesizertöne, die manchmal an Michael Cretu's Enigma erinnern. Vibrierend, verzerrend und aus dem Klischee des Tonhaltens ausbrechend, ist auch die Stimme des Sängers und Songwriter MARKUS KURSCHEID. Hell, aber expressiv, jongliert der Tonleiterngesetzbrecher mit seinen Worten. Lang gezogen ist der »Abschied«, das abschließende Stück der titellosen Schriften. Fast 21 Minuten zieht der Synthesizer den Hörer in die Welt der verlorenen Liebesseelen, die schmachtend, frustrierend den Abschied der Liebsten düster betrauern. Spielerisch und weit ab von der manchmal monotonen Indiemusik bewegt sich der Art-Wave von MESZADA. Wave-Balladen, die sich auch durch ihre dreisprachigen intellektuellen Texte (deutsch, französisch und englisch) von der herkömmlichen Indiemusik absetzen. (mcb)

MICHAEL JACKSON
HIStory
Epic (Do-CD)
Größenwahnsinnig war er ja schon immer. Nun präsentiert er uns nicht nur riesige Statuen in den Großstädten der Welt, nein, ER will uns gar in biblischer Gottes-Schreibweise SEINE Geschichte offenbaren. Klein-Michael glaubt offensichtlich, die durchgemachten Qualen aufgrund der liebevolle Hinwendung zu seinen kleinen Jüngern stelle ihn in direkte Nachfolge von Jesus Christus. Gelitten unter TV und Times, gekreuzigt von Moralisten und Familienvätern, auferstanden am dritten Tage? Haltet ein, ihr Apostel, mit der Auferstehung ist es so eine Sache. Zwar liefert ER uns SEINE Geschichte auf der ersten CD mit einer beeindruckenden Greatest-Hits-Compilation in satter Tonqualität. Nichts gegen »Dirty Diana« und »Billy Jean«, SEIN Wirken auf unserer armseligen Erde war nicht vergebens. Doch, ihr Engel des Herren, ich frage Euch: Wo war Euer Beistand bei den Aufnahmen zur CD 2 mit neuen Stücken aus SEINER Feder? Klagegesänge einer gestörten Seele, das hat schon so oft zu brtillanter Musik geführt - warum ausgerechnet bei IHM nicht? Obwohl die Rhythmen knallen und die Schnulzen nach allen Regeln zu Herzen gehender Sangeskunst dargeboten werden, stehen unterm Strich nur Selbstplagiate mit weinerlichen Texten. Nein, das ist nicht UNSER Michael, weiß Gott! Da muß wohl doch der Satan, bzw. die Scientologin die Hand im Spiel gehabt haben - Jesus wußte eben, warum ER nicht geheiratet hat! (lj)

MIKE OLDFIELD
Elements
Virgin (EMI)
Nach der spielfreudig-lebendigen Tour im Frühjahr jetzt also logischerweise der Sampler mit "The Best Of Mike Oldfield" - appetitliche Häppchen aus den 20 Jahren von "Tubular Bells" bis "Tubular Bells II"! Schön, daß hier die Hit-Singles mal zusammen sind - "Shadow On The Wall", "Five Miles Out" und "Family Man" peppen wie eh und je, "To France" und "Moonlight Shadow" wecken wehmütige Erinnerungen an Maggie Rileys glockenhellen Gesang, "Portsmouth" und "In Dulci Jubilo" bieten folkige Pub-Atmosphäre. Auf Entgleisungen wie das müde "Islands" (mit Bonnie Tyler) und das dümmliche "Foreign Affair" hätte man verzichten können - statt dessen fehlen kitschig-schöne Klassiker wie "On Horseback", "Pictures in the Dark" und vor allem "Mike Oldfield's Single" mit der einschmeicheld sanften Version des Tubular-Bells-Themas. Und wo ist der Disco-Fetzer "Guilty"??? Eine Schwierigkeit stellt es auch dar, ausgedehnte Werke von "Ommadawn" bis "Amarok" in Kurz-Ausschnitten vorzustellen, schließlich leben sie von weitgespannten musikalischen Bögen! Trotzdem: Nett-bunte Kollektion von echten Perlen und manchem Modeschmuck! (lj)

MIKE OLDFIELD
Tubular Bells II
(WEA)
Originell ist die Idee ja: 20 Jahre später noch einmal nach dem selben Schema ein Album aufnehmen - gleicher Ablauf, gleiche Sounds, nur Themen und Motive variieren, umspielen, verfremden. Mike Oldfield tut's! Der Mega-Seller "Tubular Bells" dient dem Meister der schmeichelnden Klangfarben und des folkig angehauchten Kitsches als Vorlage für ausgedehnte Sessions mit sich selbst. Schon das Röhrenglocken-Cover im peppigen Gelb-Blau signalisiert: Hier wurde Altbekanntes neu eingefärbt. Und doch, die Differenz zum Original ist überdeutlich! Damals war Oldfield ein unbekannter Musiker voller verträumter, versponnener und witziger Ideen, der alles auf eine Karte setzte (und nebenbei die Home-Recorder-Bewegung begründete). Seine auf fast allen Instrumenten selbst im Mehrspur-Heimstudio eingespielte Musik fiel so aus dem Rahmen, daß niemand sie herauszubringen wagte - bis die Kleinfirma Virgin einstieg und damit den großen Durchbruch hatte! Heute ist Oldfield Multimillionär mit Zeit und Cash, Trevor Horn produziert und Warner Brothers verlegt sein Werk. Doch wie viele, die reich, satt und selbstzufrieden geworden sind, rennt er nur noch den verlorenen Ideen - und Idealen? - seiner Jugend nach. Perfekt gemacht, angenehm zu hören - weckt aber vor allem die Sehnsucht nach dem Original. Und den alten Zeiten... lj
 

INCUBATOR
Hirnnektar
spv
Nach ihrer letzten Scheibe "Mc Gillroy The Housefly" (einer vom Wahsinn geschwängerten Doom-Metal Definition), liefern uns INCUBATOR mit neuer Bandbesetzung nun ihr drittes Werk "Hirnnektar". Zu Chris (Voices, Grunts, Howls, Cries) und Sven (Guitar) gesellten sich Marcel (Bass) und Kim (Drums, Rythmic Noises) - entstanden ist eine Platte, die eigenständig neben den ersten beiden steht, aber ebenso brillant ist. INCUBATOR experimentieren in den verzwicktesten Verästelungen des Hardcore und mit sämtlichen jemals vom Metall geborenen Genres - spielen förmlich mit Fragmenten aus Jazz und belangloser (weird Hawaiguitars will haunt you) Weltmusik - schaffen es bei alldem aber eine Hardcore-Metal-Combo zu bleiben, anspruchsvoll, mit einem ausgeprägten Sinn für Kultur und Humor. Hirnnektar sickert nur langsam an die richtigen Stellen, entfacht dafür aber eine umso größere Halbwertszeit. Als Schmankerl bieten uns INCUBATOR zum Schluß eine völlig abgefahrenen Version des PINK FLOYD Klassikers "Set the control for the heart of the sun", einem Trip in ungeahnte Atmosphären, die verschleiertes Sonnenlicht resorbieren um die Mondgöttin mit unerforschten Dimensionen der Psychedelia zu speisen. Kim pumpt einen taumelnden Ölfassgroove, und Sven bedient Gitarren die es gar nicht gibt. Obwohl man sich strikt an die kultige Vorlage hielt, trägt das Ding den INCUBATOR-Stempel, so psychedelisch wie FLOYD in den besten Tagen. Aber es gibt nicht nur Sonne im Leben. Durch das individuelle Crossover erscheinen einige wenige Parts der Platte irgentwie gestelzt/unfertig, man strauchelt bei dem Versuch Unmengen von Ideen zu verarbeiten. Das musikalisch freie Assoziieren müßen die vier in dieser Besetzung noch üben, um das Meisterwerk abzuliefern das sie ständig andeuten. Außerdem vermisse ich Chris' brainstorming Grunt-Akrobatics (Kult, Kult) die noch die McGillroy prägten und zu einem psychedelischen Meisterwerk machten. (Legt Morrison ne Platte ins Grab) Aber auch ohne Grunts fasziniert ein schreiender Chris, der sich mit jedem Stück erneut in deine Seele katapultiert, dir verbal hammerhart in die Fresse tritt. Haßerfüllter Hardcoregesang, ängstliches Wimmern, Industrial-Appelle, schüchterner Gesang, der Themen von Wahnsinn und Politik, von Tot und Leben mal mit dem INCUBATOR typischen Surrealismus (Taste Yourself) und mal ganz konkret (SKS Syndrome) illustrieren. Man kommt nicht los vom Groove, der die Beine mit Blut und Speichel füllt, und das Hirn aktiviert. INCUBATOR kategorisiert sich selbst am Besten: "INCUBATORCORE". (tb/ce)

MINIMAL MAN: Treatment Feel (VS-Vinyl Solution)
"...you feel so good" - einziges weibliches Vocalsample, beendet mit einem tiefen Jauchzer, reißt jeden mit. Tiefe Drums, abwechslungsreiches Hi-Hat-Gespiele lassen dieses Stück nach einem Wirbelsturm aussehen. Besser noch: purer Sex!

MINIMAL MAN: Treatment Feel (VS-Vinyl Solution)
"...you feel so good" - einziges weibliches Vocalsample, beendet mit einem tiefen Jauchzer, reißt jeden mit. Tiefe Drums, abwechslungsreiches Hi-Hat-Gespiele lassen dieses Stück nach einem Wirbelsturm aussehen. Besser noch: purer Sex!

MISS SAIGON
Dt. Originalaufnahme
Polydor
Nachdem das Musical von Claude-Michel Schönberg in Stuttgart gut angelaufen ist (Tickets: 0180-54444), gibt es nun auch die CD-Fassung in der Übersetzung von "Brille" Heinz-Rudolf Kunze: Orchester-Pomp und Herz-Schmerz-Schmalz nach allen Regeln der Webberschen Kunst! Leider fehlt die eigene, unverwechselbare Handschrift. Gleiches gilt für die Handlung: Puccinis "Madame Butterfly" wurde in die Zeit des Vietnamkrieges verpflanzt - GI liebt Asiatin und läßt sie mit einem Kind sitzen! Angesichts des dramatischen Hintergrundes bleibt das Stück aber sehr an der Oberfläche. Trotzdem gibt es starke Momente: an erster  Stelle die Chöre des befreiten Volkes! Die Auftritte des raffgierigen "Chefs im Ring" entfalten  bösen Witz. Und in lyrischen Momenten nähert sich Miß Saigon Aura Deva fast schon ihrem Vorbild Angelika Milster. (lj)

MOON MARTIN
Bad News Live
Fnac Music
Er sieht aus wie eine unvorteilhafte Mischung aus Andy Warhol und Woody Allan, seine Stimme dagegen klingt wie eine gelungene Synthese aus Bryan Adams und Curtis Stigers. Seine Songs aber - obwohl sehr populär in den USA - sind so originell wie die letzten Scheiben der Stones. Das alles gab's schon zweihundertmal und um etliches besser! Immerhin: Zum Tanzen dürfte die CD ganz geeignet sein. Sorry, Moon, deine recht gute Stimme allein macht's leider noch nicht... (pw)

MOTÖRHEAD
Sacrifice
Steamhammer
Die Zeit der Balladen ist vorbei. Auf dem neuen Album schlagen MOTÖRHEAD wieder in altbewährter Speed-Metal-Manier zu und legen sogar noch einen drauf. Gleich der Titelsong »Sacrifice« zeigt, wo's langgeht: schnelle Riffs, rasende Beats, Double Bass und Lemmy's Röhre in ganz neuer Konstellation - MOTÖRHEAD goes Thrash! Dennoch, im Verlauf der Scheibe zeigen die Engländer wieder, aus welcher Ecke sie kommen. Der gute alte Rock'n' Roll läßt sie nicht in Ruhe - auf eine ganz eigene Art. »Sex And Death« und »Don't Waste Your Time« sind die besten Beispiele dafür, wie man aus einer Chuck Berry-Gitarre, einem Elvis-Beat und einem Piano einen potentiellen Motörhead-Knaller machen kann. Mit »Fade To Black« und »Over Your Shoulder« zeigen sie einmal mehr, daß der kultige MOTÖRHEAD-Sound nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt hat. Lemmy und Konsorten bleiben sich treu, obwohl sie auch neue Elemente ihrem "Way of Rock and Roll" unterwerfen. In dieser Form werden sie wohl auch noch in zwanzig Jahren die Kultfiguren des Schraddel-Speed sein. (ps)

MOTORPSYCHO
Mountain (EP)
Die dänischen MOTORPSYCHOS präsentieren die erste Auskopplung ihres aktuellen Albums »Demon Box«. Sofort gefiel mir die Platte, geprägt von lockeren Hippie-Attitüden, individuell, interessant und abgefahren.
Melodie und Melancholie verschmelzen zu einem wahren Seventies-Revival, werden verfolgt, gefoltert von dumpf rollenden Bassequenzen. Feedbacks schultern manische Vibes in einer Landschaft voller zerriebener Substanzen unter der Herrschaft des Overcross. Eine Mixtur aus Psychedelic-Grunge und Industrial-Melodic-Rock'n`Roll, die unendlich weich erscheint. Zur Krönung des Ganzen gibt es zum Schluß mit "Sister Confusion" eine bittersüße Ballade, die dann doch brutal die eigens erzeugte unschuldige Atmosphäre sprengt. (tb)

MOTORPSYCHO: Mountain (EP) (semaphore)
Melodie und Melancholie verschmelzen zum 70's-Revival, Baß-Sequenzen zwischen Himmel und Endzeitvisionen schultern manische Vibes in einer Landschaft voller zerriebener Substanzen unter der Herrschaft des Overcross. Eine Mixtur aus Psychedelic-Grunge und Industrial-Melodic-Rock'n'Roll, die unendlich soft erscheint und dann mit ungeahnter Macht brutal die unschuldige Atmosphäre sprengt.

Oberton Chor Düsseldorf
Rise My Soul
Network
Der Oberton Chor Düsseldorf ist ein Projekt des Oberton Musikers Christian Bollmann,mit dem er bereits eine CD veröffentlicht hat. Der Obertonchor besteht aus einer wechselnden Zahl von Sängern die sich unter bollmanns Regie zusammenfinden. Diesmal wurde die CD im Sakralturm der Benedektiner Abtei Meschede aufgenommen. Der Turm ist 32 Meter hoch und hat einen natürlichen Nachhall von 12 Sekunden. Dieser enorm lange Nachhall stellt ein ideales Betätigungsfeld für den Chor da, der die Akustik des Turms auch virtous zu benutzen weiß. Die Kompositionen lassen die naturliche Schonheit und Vielfalt der menschlichen Stimme voll zur Geltung kommen. Obendrein sind sie unheimlich schön, laden ein zum Träumen, zum Abschweben. Dabei gleiten die Stücke, die großtenteils fliesend ineinander übergehen, niemals ins Spannungslose ab, im gegenteil die minimalistischen Kompositionen offenbaren immer neue Überraschungen, vermögen Emotionen zu erregen, reißen mit, werden aber niemals hektisch. Den genau das wollen die Musiker verhindern, ihre Intention heißt "Musik zur Ruhe", als Gegenpol zum hektischen Alltagsleben. Für die meisten klingt das Abschreckend, aber man sollte Reinhören, es lohnt sich.

NAILBOMB
Point Blank
(Roadrunner)
Willkommen an der Front. Ich hoffe ihr seid nur als Besucher hier (mit viel Bauch und Strandkorb in Südafrika). Alex Newport, Sänger und Gitarrist der Combo FUDGE TUNNEL und Max Cavalera, seines Zeichens Front(!)mann bei SEPULTURA, fanden sich im Hause Cavalera in Brasilien ein, um gemeinsam ihren Frust auf Vinyl zu kotzen, denn Haß ist das Lebenselixir dieser beiden Gentlemen, Leichen die Droge, nach der man täglich verlangt, um die Coolness eines Metallmannes zu bewahren. Wir prügeln und ackern und machen Krach. Eine Kiste randgefüllt mit schaumiger Hefeware ist genau das, was die Bauherren dieses Hammersplits vor ihrem geistigen Auge (sowie blubbernd in der Blutbahn) gehabt haben müssen, als sie begannen, im Kinderzimmer der Cavaleras jenes brachiale Bombardement zu kreieren. Das Gewitter und Gedonner dieser tragischen Flugzeugträger-im-Pazifik-Atmosphäre weckt auch tatsächlich eine gewisse "Sauflust". So richtig geil sind dann auch erst die Parts, die weder nach FUDGE TUNNEL noch nach SEPULTURA klingen. Dann gibt es die Breitseite der Bauschüppe und satte Haß-injektionen. Ein kannibalischer Monstergroove hippt und bollert blasphemisch, dazu bemerkt man die Eingebungen des FEAR FACTORY-Gitarristen Cazares, der es gut versteht, das Ganze mit blutrünstigen und gefrusteten Bilder zu bespicken (Anspieltip: »24 Hours Bullshit«). Ergo ist das ganze ein bißchen an sich selbst zugrunde gegangen, denn die beteiligten Musiker (fünf an der Zahl) hatten zweifelsohne mehr Spaß als Ideen. (tb)

NAPALM DEATH
Diatribes
Intercord
Da ist sie, die neue ND, nach der letzten Scheibe »Fear, Emptiness ...« war die Erwartung groß, wie es weiter gehen würde, denn sie hatte einen Richtungswechsel angekündigt. ND waren plötzlich vertrackt, verschachtelt, rhythmisch unberechenbar, aber immer am Groove dran. Die Stimmung war von kopfloser Raserei zu Nachdenklichkeit umgeschlagen, und es gab sogar Sonic Youth Einflüsse. Man durfte also hoffen, daß die Band auf »Diatribes« ihr innovatives Potential auslebt, das sonst nur in Projekten wie »Meathook Seed« (genial!!!) Ausdruck fand, bzw. zum Tragen kam, wenn die Musiker ihr eigenes Teil durchzogen (SCORN, GODFLESH, CATHEDRAL). Eigentlich ist das auch passiert, »Diatribes« gleicht musikalisch keiner anderen ND, und ist nah dran am Extrem. Aber hier werden die Riffs doch irgendwie zu locker hingebrettert, die Songs haben nicht den letzten Kick, das ganze klingt trotz aller Ideen nicht mehr von der eigenen Sache überzeugt. ND haben eine neue Richtung gefunden, es lohnt sich auf jeden Fall, das Ergebnis anzuhören. Doch ob die Band selbst damit zufrieden ist, ist fraglich. Ich mache mir Sorgen über die Zukunft von ND. (ce)

NAPALM DEATH
Fear, Emptiness, Despair
Intercord
Kaum eine Band hat das Metalgenre mehr beeinflußt als NAPALM DEATH, entsprechend hoch war die Erwartungshaltung an die neue Scheibe, vielerorts vernahm man Enttäuschung, verächtlich war von Hardcore die Rede, doch die Enttäuschung teile ich nicht. Vielmehr beweisen ND mit »Fear, Emptiness, Despair«, daß sich dieser Zustand nicht auf die Musiker bezieht, sondern daß ND nach wie vor die Alchemisten des Extremmetal sind. Die aktuellen Trends haben Spuren in der Musik NDs hinterlassen, doch viel augenfälliger ist der Stimmungswechsel, den die Musik durchgemacht hat - vom gnadenlosen Ausleben pubertärer Aggressionshemmungen, vom wilden, hemmungslosen Sich-einen-Weg-Bahnen hat sie zur Tragik gefunden. ND klingen erschüttert und traurig, sinnloses Metzeln hat sich als sinnlos erwiesen, jetzt besinnt man sich auf die Nachdenklichkeit, was sich am stärksten in den leider kurzen Momenten zeigt, in denen ND Sonic Youth-artige Melodien (ja Melodien) weben. Die restlichen Momente bewegen sich mindestens im Up Tempo-Bereich, ND sind weiterhin der Brutalität verpflichtet und erodieren die Gefühlswelt ihrer Hörer, bis nichts als verzweifelter Haß übrigbleibt. Kein Monument, aber ein reifes Spätwerk, das seine Klasse nicht sofort verrät. (ce)

NARO
Press Play
Interplanet Music
Für mich ist die kanadische Musikszene die beste der Welt. 2,5 Nasen pro Quadratkilometer - und nicht eine schlechte Band! Vor allem der Melodic Rock bescherte uns in den letzten Monaten etliche Perlen, die hierzulande jedoch durchweg vor den Säuen landeten. NARO werden wohl dasselbe Schicksal erleiden, aber das ist zum Glück Euer Verlust, nicht meiner! Ich werde mich weiterhin am typischen, undefinierbaren Canadasound von »Press Play« erfreuen; einem Album, das mit zunehmender Spieldauer immer mehr in Fahrt kommt. Mit »I Am The Reason« und »Sweat Better In The Dark« finden sich gleich zwei sichere Anwärter für mein »Best of 1995«-Tape auf dieser tollen CD. Die Refrains verfolgen mich seit Tagen bis in meine tiefsten Träume. Die 12 durch originelle Spielereien aufgelockerten Stücke besitzen reichlich Hitpotential, das sich mal früher, mal später entfaltet und »Press Play« im Schacht Eures CD-Players festnagelt. Für Musikliebhaber ein Mußkauf ohne Wenn und Aber. Canada rules! (ms)

NARO
Press Play
Interplanet Music
Für mich ist die kanadische Musikszene die beste der Welt. 2,5 Nasen pro Quadratkilometer - und nicht eine schlechte Band! Vor allem der Melodic Rock bescherte uns in den letzten Monaten etliche Perlen, die hierzulande jedoch durchweg vor den Säuen landeten. NARO werden wohl dasselbe Schicksal erleiden, aber das ist zum Glück Euer Verlust, nicht meiner! Ich werde mich weiterhin am typischen, undefinierbaren Canadasound von »Press Play« erfreuen; einem Album, das mit zunehmender Spieldauer immer mehr in Fahrt kommt. Mit »I Am The Reason« und »Sweat Better In The Dark« finden sich gleich zwei sichere Anwärter für mein »Best of 1995«-Tape auf dieser tollen CD. Die Refrains verfolgen mich seit Tagen bis in meine tiefsten Träume. Die 12 durch originelle Spielereien aufgelockerten Stücke besitzen reichlich Hitpotential, das sich mal früher, mal später entfaltet und »Press Play« im Schacht Eures CD-Players festnagelt. Für Musikliebhaber ein Mußkauf ohne Wenn und Aber. Canada rules! (ms)

NATIONALGALERIE
Meskalin
Sony
Seit ihrer letzten CD »Indiana« (1993) kursieren die Berliner in der Szene als todsicherer Geheimtip. Sucht man Vergleiche, muß man sich schon international umschauen. NATIONALGALERIE als allemanische NIRVANA, SIMPLE MINDS oder U2 - und das mit deutschen Texten. Deren besonderes Kennzeichen: kühne Metaphern, die manchmal Kitsch, manchmal Genialität streifen, manchmal in Westernhagen-Manier nach dem Motto "Hauptsache dämlich!" zusammengestoppelt sind, z.B. "...der Präsident um sein Leben rennt". Immerhin: Originalität und Einprägsamkeit muß man den lyrischen Ergüssen allemal bescheinigen. Oder liegt das vielleicht an der stets originellen Phrasierung von Niels Freverts Gesang, der mal cool knarrend, mal erotisch raunend, mal rotzend und kotzend oder auch schreiend und tobend daherkommt? Fest steht: seit BAP und SPLIFF hat mir keine andere deutschsprachige Band so verfänglich in den Ohren gelegen. Dazu kommt, daß NATIONALGALERIE eine der wenigen deutschen Bands ist, die nach der zweiten Platte einen erkennbaren musikalischen Stil ausgeprägt haben, ohne daß die Vielseitigkeit der Kompositionen darunter litte. Fazit: Diese CD ist ein glühend heißer Anwärter auf die deutsche Platte des Jahres. (pw)

NE ZHDALI
Whatever Happends, Twist!
Rec Rec
Estland, kein Ort, dessen musikalische Ausgüsse Plattenschränke bevölkern. Das könnte sich bei einigen Leuten demnächst ändern. Zumindest liefern NE ZHDALI gute Gründe, den polyglotten Charakter der CD-Sammlung zu stärken. Hinter dem Namen, der übersetzt "das haben sie nicht erwartet" bedeutet, stehen fünf Musiker aus dem kleinen Land an der Ostsee. Ihr musikalischer Werdegang ist bisweilen abenteuerlich, da tauchen Militärkapellen, Feuerwehrorchester, Staatstheater und klassische Ausbildungen auf. Genauso abenteuerlich klingen NE ZHDALI auch, ein kunterbuntes Auf und Ab durch Jazz, Hardcore, Polka, Twist, Don Kosaken und was die Musik sonst noch so hergibt. Kunterbuntes aber irgendwie rockig und bestimmt nicht schlechtgelaunt. Man hat das Gefühl, als müßten die gerade erst an den westlichen Kulturbetrieb Angeschlossenen im Fast Forward die gesamte Entwicklung der Musik nachholen. Daß sie bisweilen dabei stolpern bzw. nicht immer den geraden Weg gehen, das macht NE ZHDALI so liebenswert. Eigentlich sind die fünf die wahren LENINGRAD COWBOYS! (ce)

NEIL YOUNG
(feat. PEARL JAM)
Mirror Ball
Reprise
Eins vorweg: Es ist keine Platte von PEARL JAM. Alle Songs sind von Neil Young geschrieben, Eddie Vedder kommt auf dem Album so gut wie nicht vor. Bleibt also die Frage, was PEARL JAM überhaupt anderes haben einbringen können als Youngs Abonnementmusiker von CRAZY HORSE. Grunge bleibt es ja ohnehin, nur daß es (Forever-) Youngs Enkelkinder sind, die hier in einer viertägigen Jamsession Großväterliches begleiten. Eins steht fest, PEARL JAM haben in ihrem Leib- und Magenstudio in Seattle das Tempo hochgeschraubt, keine Unplugged-Sounds zugelassen (abgesehen von einer höchst ungewöhnlichen Drehorgel) und Youngs Gesang gehörig heruntergemischt. Zuweilen leuchtet mal ein flüssiges Gitarrensolo von Mike McCready neben Youngs Gestümpere auf, manchmal klingen die Drums von Jack Irons etwas präsenter als gewohnt, aber das war's auch schon. Kein schlechtes Album, Neil - aber es gab auch schon Besseres von Dir. (pw)

NEIL YOUNG AND CRAZY HORSE
Sleeps With Angels
Reprise Records
Wer NEIL YOUNG noch nie leiden konnte, sollte nicht meinen, ihn auf der neuen CD für sich entdecken zu müssen. Seine unverkennbar wimmernde Stimme hat sich so wenig verändert wie seine genial gestümperten Gitarrensoli. Überraschend ist, daß NEIL YOUNG nach über zwei Jahrzehnten ununterbrochenen schöpferischen und produktiven Schaffens nicht die geringsten Ausfallerscheinungen erkennen läßt. Im Gegenteil: Wer die neue CD hört, muß anerkennend feststellen, daß seine Kompositionen unverbraucht und abwechslungsreich klingen, ja, er parodiert sogar munter drauflos wie z.B. bei »Piece Of Crap«, einer wilden Mischung aus typischen Rolling Stones-Riffs und Post-Punk-Gesang. Ähnlich bei »Blue Eden«, einem futuristisch verfremdeten Nebelhorn-Blues! Ansonsten aber greift die Platte konsequent auf Altbewährtes zurück. So könnten »My Heart« und »Trans Am« direkt der 15 Jahre zurückliegenden LP »Zuma« entnommen sein, während »Driveby« der Heart-Of-Gold-Ära entstammen könnte. Das gleiche gilt für »Change Your Mind«, ein 15-Minuten-Stück, das im Wesentlichen aus endlosen Soli über die Akkorde A-Moll und F-Dur besteht, mithin ein Zwillingsbruder von dem 1972er »Harvest«-Klassiker »Words«. Neu ist, daß NEIL YOUNG höchst ungewohnte Instrumente zum Einsatz kommen läßt, so z.B. eine avantgardistisch schräge Flöte, eine Marimba, ein uralt-verstimmtes Barklavier. Insgesamt klingt die Platte wie eine gut zusammengestellte "Best Of"-Kompilation ohne ein einziges der alten Stücke. Ein Album, das unter Neil Young-Anhängern Klassiker-Status anmelden darf. Besonderer Service: Textbeilage in deutscher Übersetzung. (pw)

NENA: Und alles dreht sich (RMG)
Nichts mehr mit 99 Luftballons. Statt dessen 12 eher ruhige Songs, die Single-Auskopplung »Hol mich zurück« ist noch das peppigste. Trotzdem werden Nena-Fans nicht enttäuscht sein...

NEW CHARMS
The Perfect Mistake
Eigenvertrieb
Ausgerechnet die NEW CHARMS, ein Projekt des Paderborner Gitarristen Fred Franger, werden von der örtlichen Presse als Hoffnungsschimmer am Firnament gesehen. Warum das verwundert? Nun, es ist eben kein neuer Trend, der hier angehimmelt wird, sondern beste Handarbeit. Während viele mit ihrer Art der Rückbesinnung auf Größen a la Hendrix und Co. reichlich Kohle machten, siehe Kravitz, wirkte ihr Sound oft nur aufgesetzt. Ganz anders ist das bei den NEW CHARMS und ihrer Scheibe »The Perfect Mistake«. Kein technischer Schnickschnack, der hier zur kühlen Perfektion führt, keine musikalischen Zitate, die nicht auch gelebt wurden. Déj -vu-Erlebnisse ergeben sich für Seventies-Fans zu Hauf. So kommt einem die Urbesetzung von TYRANNOSAURUS REX in den Sinn, kommen wohlige Erinnerungen an EXUMA (»Brother Fred's Rising Song«) mit ihrem unverwechselbaren Voodoo-Sound oder an Werner Herzogs Klangzauberer POPOL VUH (Love) ins Spiel. Die NEW CHARMS sind ein Genuß in ihrer unverblümten Verspieltheit. (om)

NIK TURNER
Prophas of Time
Cleopatra
Altmeister "Captain" Nik Turner, Ex- HAWKWIND- und GONG-Mitspieler, wollte sich angesichts des letzten HAWKWIND-Erfolges wohl nicht lumpen lassen und brachte »Prophas of Time heraus«. Wer allerdings schon beim Drücken der Play-Taste einfachen Abklatsch erwartet, sieht sich schnell eines Besseren belehrt. »Prophecy« dient mit seinem Psychedelic-Sound als guter Opener, während der Nachfolger »Watching The Grass Grow« an beste HAWKWIND-Zeiten erinnert. Weitere 13 Titel bringen größten Einfallsreichtum zu Gehör. Wer sich also für Hippie-Psychedelic-Spacerock begeistern kann, ein Musikstil, der seit geraumer Zeit fast alle Clubs Englands erobert, der sollte nicht zögern, zum Recordshop zu stiefeln. (om)

NIRVANA
Unplugged in New York
Geffen
Lange angekündigt, nun ist sie endlich da, die wohl letzte NIRVANA CD. Um bei dieser Scheibe die richtige Stimmung einzufangen, sollte man sein Zimmer abdunkeln, ein paar Kerzen aufstellen und dieses einmalige Unplugged-Konzert genießen. Zusätzlich zu dem MTV Gig findet man hier noch zwei Stücke, die nicht über den Bildschirm gingen. Wünderschöne Versionen der Antistars des Grunge sowie sauber ausgesuchte Coverversionen anderer Künstler wie David Bowies unvergängliches »The Man Who Sold The World«  werden von Kurt Cobain mit einer Melancholie und einem Weltschmerz vorgetragen, daß einem in den Sinn kommt, Cobain hätte den Freitod-Gedanken schon lange in sich getragen. Hier merkt man ganz deutlich, welcher Ausnahme-Musiker der Rockwelt verlorengegangen ist. Wir werden Dich vermissen! (hs)

NRK
NRK
Magnetition Records
Klangkrebs wuchert, die Depression ist der einzig gültige Gemütszustand, raunendes Tieftonfeedback nimmt die Luft zum Atmen. Auf Endzeitschrott werden uralte Rituale rhythmisch begleitet. Siebzig Minuten lang zerfasert die CD den Lebenswillen ihrer Hörer konsequent. Die Kasseler Band NRK macht schwere, schleichende Musik, die Assoziationen weckt. Dröhnendes Feedback von unglaublicher Dichte breitet sich aus den Boxen aus. Über dem Ganzen hämmert Schrottpercussion, mit schamanischen Grooves scheint sie das Klanggebilde langsam, unaufhaltsam auf sehnlichst erwartete erlösende Höhepunkte zuzutreiben. Doch die kommen nicht. Ein Spiegel Kasseler Gefühlswelten, ein Gefühlsgenerator ohne zu stocken. Kaufen und die Schlaftabletten außer Reichweite bringen! (ce)

NUMB
Fixate
plan x
Flippt und zappelt Raves, it's frosted. NUMB breitet sich aus wie eine Herde Küchenfliegen, doch die stürzen sich nur auf Essensreste, NUMB ätzt sich in jede Faser deiner Eingeweide und beginnt mit der langsamen Zersetzung deines Körpers nach den Theorien des Wahnsinns. Trotzdem spürst du Freude am Leben, ohne dabei chronisch grinsen zu müssen, deine Glieder zucken wild, der Hipe hinterläßt Risse in deinem Gesicht. Inmitten einer Ohnmacht aus Schwerelosigkeit und Trance vergißt du vollends deinen Wasserverlust. Aktivität strudelt in alle Himmelsrichtungen und ein ~WirrwarrWasserrfaalll~ verhält sich ähnlich anstrengend wie die Küchenfliegen. Doch dann... Die Beats verlieren Tribe, verschieben sich gar ganz hinter schwadigen, kristallenen, fiebrigen Wahnen, die dich wirbelnd in Ozonlochnähe bringen. Du siehst dir alles von oben an, Sightseeing lost in space. Dein Motorbike grast in Lichtjahren die saftigsten Mondlichter. In Zeitlupe setzten sich sackweise monumentale Gestalten in zwielichter Manier auf deinen Schoß und irgendwie bekommst du Angst. Leider ist die Platte nicht allzu lang und so landest du unsanft auf einer kahlen blauen Wiese, mit nichts als dir selbst. Erst hier florieren deine Ängste, und du bist allein. Eine merkwürdige akustische Realität erfüllt dich mit Unbarmherzigkeit, du suchst und findest. Geräuschsträucher, Lebensdialoge, den Ursaft technotischen Terrors. And then, NUMB will haunt you again. (tb)

OLIVER SERANO
Sterntaler
Sattva-Music
Phantasiegebilde, angelehnt an die östlichen Mythen und Sagenwelten, gepaart mit Schlüsselwörtern wie Licht und Frieden, zieren die Platten-, CD- und Kassettenhüllen. Hat man diese Musik früher nur in Esoterikläden oder auf Festivals gefunden, so führt sie heute fast jeder gut sortierte Platten- bzw. CD-Shop. Es ist unsere Sehnsucht nach einer heilen, beseelten Welt, die mit dazu beiträgt, daß ein Mann wie OLIVER ALVE SERANO alias Oliver Shanti heute eine führende Kraft im Esoterikbreich ist. Seine letzte Arbeit, »Tai Chi«, unbestritten ein Meisterstück der Weltmusik, hat meine Neugierde geweckt. Geht es nur ums Geld? Wie glaubwürdig, wie ehrlich ist Seranos Losung bezüglich seines Labels Sattva Art Music: »Instrument zur unmittelbaren Verbesserung der Wirklichkeit?« Geht es um seine oder unsere Wirklichkeit? Wirtschaftliche Nöte treiben ihn sicherlich nicht. Mit 14 Jahren, im Jahre '62, auf Weltreise gegangen, von '63 bis '69 alle Metropolen der Welt abgegrast, drei Jahre Studium der traditionellen arabischen Musik im Mittleren Osten. Aufenthalte in Pakistan, Nepal und Indien, wo er ein Entwicklungshilfeprojekt leitete und indische Ragas studierte. Erst 1980 treibt es ihn wieder nach Europa, um '83 seine Sattva Unique Sound Studios und sein erstes Bandprojekt »Inkarnation« ins Leben zu rufen. Im Jahr 1987 folgt die erste Platte unter dem Namen OLIVER SHANTI & FRIENDS, um einen flexibleren Rahmen bei der Wahl der Musiker zu haben. Heute kann OLIVER SHANTI auf insgesamt neun Veröffentlichungen zurückblicken, die unter seiner Regie entstanden sind, allesamt hörenswerte Arbeiten, die der Losung gerecht werden. (om)
 

OLIVER SHANTI & FRIENDS
Tai Chi
Sattva Music 1994
Selten geschieht es, daß mich Musik schon aus der Ferne so begeistert, wie es mir bei Oliver Shanti alias Oliver Serano-Alve passierte. Während des sonntäglichen Frühstücks bekam ich aus einer Nachbarwohnung fernöstliche Klänge zu hören, die in mir Erinnerungen an die Arbeiten von Andreas Vollenweider hervorriefen. Jetzt dreht sich der Silberling in meinem Player und belehrt mich eines besseren. Oliver Shanti & Friends, 27 Musiker aus 7 Ländern, bieten uns über die Musik von »Tai Chi« die Möglichkeit, eine Reise in den fernen Osten zu machen. Was diese Platte so außergewöhnlich macht, ist die extrem umfangreiche instrumentale Bestückung. Um eine der fernöstlichen Tradition adäpuate Atmosphäre zu schaffen, fanden auf dieser CD neben herkömmlichen Musikinstrumenten wie  Saxophon oder Synthesizer vor allem in China, Japan oder Korea beheimatete Instrumente Verwendung. Im einzelnen sind das so fantastische Gerätschaften wie die japanische Wölbbrettzither Koto, die chinesische Violine erh-hu, die seit dem 8. Jahrhundert bekannte Bambus-Kerbflöte Shakuhachi und die koreanischen Kodo-Drums mit ihrem unnachahmlichen Klang. Gekrönt wird diese Arbeit in den beiden Stücken "Chenresie, Flame Of Peace And Compassion" sowie "Tara Mantra" durch Dechen Shak Dagsay, deren erstklassiger Gesang für wohlige Schauer sorgt. Weitere gesangliche Unterstützung erhält Oliver Shanti durch den Himalaya Mountain Chor. Eine Produktion, die es verdient, nicht nur in den Charts der New Age-Hörer aufzutauchen. Wer Probleme haben sollte, diese Platte im CD-Fachhandel zu erhalten, der kann sie in Esoterik-Fachgeschäften oder direkt bei Sattva Music, P.O.Box 33 06 44, 80066 München, Tel.: 089 / 260 38 14 bestellen. (om)

Shanti
OLIVER SHANTI & FRIENDS
Well Balance
Sattva Music
Sein bisher größter kommerzieller Erfolg trägt den Namen »Tai Chi«, der den Zuhörer staunend in das Land des Lächelns entführt. Grenzüberschreitend führte OLIVER SERANO-ALVE auf dieser Platte die Traditionen Chinas, Japans, Koreas und Vietnams zusammen und schuf somit eine einzigartige Symbiose unter Einbeziehung gemeinsamer Wurzeln. Schon längst hat sich das mittlerweile zehn Jahre junge Lable Sattva Music aus den Schatten der Großen hervorgehoben, um nun mit »Well Balance« ein weiteres Kunstwerk zu präsentieren. Nicht einfach gesamplete Tondokumente, gepaart mit modernen Soundcollagen, sind der Inhalt dieser Arbeit, sondern neue Einspielungen, unter Mitwirkung von Musikern aus dem indianischen Kulturkreis, prägen diese Veröffentlichung. Auch wenn mancher Song in seiner Schönheit etwas kitschig klingt, so bietet sich uns doch ein gelungener Trip auf der Suche nach neuen Verständigungsformen an. Der Lebensphilosophie von OLIVER SHANTI ist indes nichts weiter hinzuzufügen: "Leben bedeutet Balance mit Mutter Erde - nicht nationales Gegeneinander, sondern globales Miteinander". (om)

ONKEL HOTTES MÄRCHENSTUNDE TEIL II
Spiel mir das Lied vom Zwerg
Rough Trade Records
Er ist aufgetaucht, der verlorengeglaubte zweite Teil von Onkel Hottes Märchenstunden-Trilogie. Leider!!! Oliver Kalkofe hat es sich nicht nehmen lassen, uns wieder einmal einen Sack Ordinäres zuzumuten. Er soll ja Fans haben und findet sich selber bestimmt auch ganz toll, aber was er da mal wieder von sich gibt, ist bodenlos niveaulos, ekelhaft, geschmacklos, schlecht und billig - das ist zwar alles beabsichtigt und soll typisch sein, ist dabei aber völlig (sprach)witzfrei. Wer auf grunzende und furzende Männer steht und sich gerne dummes Zeug anhört, soll es sich reinziehen oder eine Nacht in einer Ausnüchterungszelle verbringen. Selten so wenig gelacht! (sh)

OVERKILL
W.F.O. (Wide Fucking Open)
Atlantic Records
OVER KILL sind seit Mitte der achtziger Jahre eine der etabliertesten Speed-Metal-Bands. Aus dem Quartett, das damals für sehr geradlinige Musik bekannt war, ist mit steter Entwicklung ein Quintett geworden, das jetzt mit »W.F.O.« einen weiteren Schritt in die Geschichte des Heavy-Metal geht. Die Songstrukturen der elf neuen Stücke sind sehr komplex und gut arrangiert. Dazu kommt, daß OVERKILL wie immer enorm viele Ideen, welche sowohl die Rhythmik als auch den melodischen Aufbau der Stücke betreffen, entwickelt haben. Das neue Werk ist wie auch der Vorgänger »Horrorscope« mit einem extrem satten Sound produziert worden. Beim Neuling hat der Bass jedoch eine völlig neue Rolle bekommen, denn D.D. Verni steht jetzt mit seinem Instrument weitgehend deutlich im Vordergrund und gibt den Songs einen noch tieferen, röhrenden Charakter. Eine Neuerung in diesem Musikstil, die sich nach meinem Erachten auszahlt. Sänger Bobby Ellsworth erweitert mit seiner ausgefallenen Stimme eindrucksvoll die Melodien, die von seinen Bandkollegen geschaffen werden. Insgesamt eine hochwertige Produktion, die wahrscheinlich nicht nur von absoluten OVERKILL-Fans gekauft wird. (ar)

OZRIC TENTACLES
Arborescence
Dovetail Rec./Rough Trade
Aufgewachsen auf den Free-Festivals des britischen Königreichs, nicht selten von der Polizei verjagt, zählen die OZRIC TENTACLES schon lange zur Cr`eme de la Cr`eme der Elektronikszene. Sie kennen ihre Vorbilder nicht nur von Platten her, sondern spielen noch heute mit Bands wie HAWKWIND oder GONG auf den Festivals.  Zwölf Alben sind das Ergebnis der zurückliegenden 11 Jahre. Die nun vorliegende 13. Scheibe »Aborescence« verfolgt den eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Auch wenn vieles an die Vorgänger erinnert, so wird ihnen doch so schnell keine Band den Thron streitig machen. (om)

PAGE PLANT
No Quarter
Phonogram
Als die Sensation des Musikjahres angekündigt: Die zwei Köpfe der legendären LED ZEPPELIN haben sich nach über 14 Jahren wieder zusammenraufen können, um gemeinsam wieder eine Bühne zu besteigen. Jimmy Page und Robert Plant haben zehn alte Led Zep Songs in neue Soundgewänder verpackt, zusätzlich befinden sich vier neue Stücke der CD. Daß PAGE schon immer einen Hang zur arabischen und afrikanischen Musik hatte, weiß man ja von älteren Alben der Zeppeline, hier jedoch wird dem Zuhörer eine Menge zugemutet. Man musizierte u.a. mit einem ägyptischen Ensemble oder Musikern in Marrakesch. Was im Fernsehen bei MTV noch seinen Reiz hatte - in Afrika mit den verschiedensten Musikern zu spielen -, hört sich auf CD doch sehr gewöhnungsbedürftig an. Aber ein Dank an die alten Herren, den Song »Thank You« nicht vergessen zu haben, war es doch unfaßbar, eines der besten Stücke von LED ZEPPELIN nicht auf der »Remasters« CD-Box zu finden. Hört erstmal rein! (hs)

PAINKILLER
Buried Secrets
(Roughtrade)
Bei Painkiller handelt es sich um eine der zur Zeit intressantesten Bands, treffen in ihr doch mit John Zorn (Sax) und Bill Laswell (Bass) zwei der innovativsten Jazz-Musiker auf den wohl besten Grindcore Drummer der Welt: Mick Harris. Laswell, Zorn und Harris verschmelzen extremen Advantgarde-Jazz mit extremen Grindcore zu wahnwitzigen, eklektischen "Songs", die vor Innovation, Spannung und Atmosphäre nur so strotzen. Extrem ist ein Begriff, der bei dieser Musik nicht greift, Painkiller ist so ungewohnt, daß es lange dauert, bis man sich "reingehört" hat, doch selbst dann offenbaren sich jedesmal neue Facetten. Gegenüber der EP hat Painkiller eindeutige Fortschritte gemacht, ihr Zusammenspiel ist flüssiger, der Sound durchsichtiger. Auf 2 Stücken erhalten sie Verstärkung von Justin Broadrick und G. C. Green (Godflesh). Einen Kritikpunkt gibt es trotzdem, die CD ist mit 27 min. etwa so lang wie eine Maxi, kostet aber den vollen Preis.  (ce)

PAINKILLER
Buried Secrets
(Roughtrade)
Bei Painkiller handelt es sich um eine der zur Zeit intressantesten Bands, treffen in ihr doch mit John Zorn (Sax) und Bill Laswell (Bass) zwei der innovativsten Jazz-Musiker auf den wohl besten Grindcore Drummer der Welt: Mick Harris. Laswell, Zorn und Harris verschmelzen extremen Advantgarde-Jazz mit extremen Grindcore zu wahnwitzigen, eklektischen "Songs", die vor Innovation, Spannung und Atmosphäre nur so strotzen. Extrem ist ein Begriff, der bei dieser Musik nicht greift, Painkiller ist so ungewohnt, daß es lange dauert, bis man sich "reingehört" hat, doch selbst dann offenbaren sich jedesmal neue Facetten. Gegenüber der EP hat Painkiller eindeutige Fortschritte gemacht, ihr Zusammenspiel ist flüssiger, der Sound durchsichtiger. Auf 2 Stücken erhalten sie Verstärkung von Justin Broadrick und G. C. Green (Godflesh). Einen Kritikpunkt gibt es trotzdem, die CD ist mit 27 min. etwa so lang wie eine Maxi, kostet aber den vollen Preis.  (ce)

PAPA BRITTLE
obey, consume, marry, reproduce
Network
Im drittklassigen Cover, das einen schon davon abhalten kann, die Platte überhaupt anzuhören, steckt dann doch eine bessere zweitklassige Band. PAPA BRITTLE versuchen Hip Hop/Techno-infizierte Drumcomputer-Grooves und irgendwie Grunge/Noise-geschwängerte Hardrockriffs zu amalgieren. Obendrein ist das Ganze mit gesungen/gerappten offensiv politischen Texten versehen und schimpft sich Agit/Pop Rap. Musik, deren Ursprung man in den USA vermutet, die aber aus England kommt. Ziemlich interessant ist das schon, und es kann noch viel interessanter werden; man sollte mal reinhören, denn abfahren kann man auf PAPA BRITTLE, aber man wird das Gefühl nicht los, daß diese Art von Musik noch besser sein könnte. So gesehen geben PAPA BRITTLE einen Ausblick auf das, was kommen mag. (ce)

PAPA BRITTLE
obey, consume, marry, reproduce
Network
Im drittklassigen Cover, das einen schon davon abhalten kann, die Platte überhaupt anzuhören, steckt dann doch eine bessere zweitklassige Band. PAPA BRITTLE versuchen Hip Hop/Techno-infizierte Drumcomputer-Grooves und irgendwie Grunge/Noise-geschwängerte Hardrockriffs zu amalgieren. Obendrein ist das Ganze mit gesungen/gerappten offensiv politischen Texten versehen und schimpft sich Agit/Pop Rap. Musik, deren Ursprung man in den USA vermutet, die aber aus England kommt. Ziemlich interessant ist das schon, und es kann noch viel interessanter werden; man sollte mal reinhören, denn abfahren kann man auf PAPA BRITTLE, aber man wird das Gefühl nicht los, daß diese Art von Musik noch besser sein könnte. So gesehen geben PAPA BRITTLE einen Ausblick auf das, was kommen mag. (ce)

PARADISE LOST: Icon (inter)
PARADISE LOST produzieren keinen zwanghaften Metal mehr! Zwar könnte man den Sound unweigerlich mit Metallica in Verbindung bringen, doch klingt alles düster-verhangen und irgendwie gar nicht mal soo übel. Der Anfall gothischer Verwirrtheit ist durchaus spürbar. Weiter so, PARADISE LOST, vielleicht wird doch noch `ne gute Dunkel-Combo aus euch: Wie wär's mit Paradise Goth?

PARMESAN
Volle Deckung
Long Island
In Süddeutschland gut angesagt, hat der Rest der Republik bislang kaum Notiz von diesem talentierten Quintett genommen. Dies könnte sich mit der zweiten CD von Grund auf ändern, denn verstecken müssen sich PARMESAN »Volle Deckung« ganz und gar nicht. Von wegen Käse - hier geht's ab! Frech, witzig, rockig. Und das Schönste: Die Balinger sagen zwar, was sie meinen ("Der schwarze Theo dreht gnadenlos am Steuerrad"), lassen dabei aber den Zeigefinger unten. Selbstverfreilich lassen sich Ähnlichkeiten mit etablierten Deutschrock-Artisten heraushören, aber was ist daran schlecht? Die Jungs ziehen herrlich unbekümmert ihr Ding durch und scheren sich einen Dreck darum, was angesagt ist. Spaßfaktor und Spielfreude sind so groß, daß der Funke sofort überspringt und dem Hörer die wenig abwechslungsreichen Refrains zunächst gar nicht auffallen. Anspieltips gibt's viele; insgesamt 13. Z.B. »Wirtschaftswunder«, wo sperrige Versmelodien auf einen ultraeingängigen Refrain prallen. Oder wie wäre es mit dem bösen »Harte Zeiten«? PARMESAN können aber auch anders. Die Balladen können sich ohne weiteres mit PUR messen. Ich fürchte jedoch, daß die Fünf für PUR-Anbeter nicht trendy genug sind, um »Volle Deckung« anzutesten. Mir egal, so muß ich die Platte wenigstens nicht mit allzu vielen teilen. Wer die Thronfolger der RODGAU MONOTONES kennenlernen will, sperre seine Ohren weit auf! (ms)

PASCAL COMELADE
Danses Et Chants De Syldavie
Les Disques Du Soleil Ez De L`Acier/ 99 Record
Was fällt dem Musikinteressierten ein, wenn er das Beiheft einer CD aufschlägt und folgendes zur Instrumentierung liest: Großes Piano, Spielzeug-Piano, Plastik-Gitarre und reduziertes Orchester? Meine Gedanken bewegen sich dann zuerst in die flachen Gefilde der Unterhaltungs- und Blödelmusik   la Gebrüder Blattschuß, um dann vielleicht noch auf ein Genie wie Holger Czukay (ehem. CAN) zu stoßen. Der zuvor genannten Arbeitsgeräte bedient sich in diesem Fall jedoch der Franzose Pascal Comelade, der ebenso wie Czukay einen großen Hang zum Minimalismus sowie zur humoristischen Form von Musik hat. Auf dem  Silberling "Danses Et Chants De Syldavie" befinden sich lauter Mikro-Coverversionen, meist nicht länger als eine Minute, die eine Menge Schmunzler auslösen. So beispielweise das völlig schräge, weil mit Spielzeugklavier und -trompete gespielte "Honky Tonk Women", das im Walzertakt gespielte "It's All Over Now" oder das mit Spielzeugklavier und Plastikgitarre vergewaltigte "Brand New Cadillac". Wer Humor hat und seine Lieblingssongs in einer der wohl verrücktesten Interpretationen überhaupt erleben möchte, dem empfehle ich die Scheibe wärmstens. Übrigens, die Wahrscheinlichkeit, einen seiner Lieblinge aus der Pop-und Rockwelt auf diesem Werk wiederzuentdecken ist hoch, denn es werden derer fast 30 zur Auswahl angeboten. (om)

PATRICIA KAAS
Je te dis vous
Columbia
Diese CD läuft seit einer Woche Tag für Tag in der Ww-Redaktion heiß. Patricia Kaas trifft den Schnittpunkt zwischen Chanson, Blues und Rock mit Bravour: erstklassige Songs, nuancierte Interpretation, abwechslungsreiche Arrangements. Mal mit dem Schmerz einer Piaf, dann mit dem Feeling einer Janis Joplin oder gar der Schnoddrigkeit eines Westernhagen. Im Ernst: Die Frau schreckt sogar vor einem Cover von "Ganz und gar" ("Glaubst du deiner Mutter - sie steht auf gute Butter") nicht zurück. In drei Sprachen, mit Gefühl und Sinnlichkeit behauptet sie sich in "a man's world" und liefert ihre Bearbeitung des James-Brown-Klassikers gleich mit. Einfach alles verwandelt sich unter ihren Händen und ihrer ausdrucksstarken Stimme zu Gold! Übrigens gibt Chris Rea beim Blues-Klassiker "Out Of The Rain" ein kleines Gitarren-Gastspiel. (lj)
PCP - Frankfurt Authem
startet bei 188 BPM und endet mit 1000 BPM. PCP sprengen alle Grenzen und beweisen aufs neue, daß sie die härtesten Tracks der Welt produzieren.

PEACE, LOVE AND PITBULLS: Red Sonic Underwear (Play It Again Sam)
EBM meets Starkstromgitarren: nach dem Debüt nun ein Nachfolger, der keine Entwicklung erkennen läßt.

PEARL JAM
Dissident (Maxi-CD)
Sony
Warum eine Maxi als CD-Besprechung? Ganz einfach: Diese Auskopplung besitzt fast die Spieldauer einer gesamten CD! Und ist ein absolutes Schmankerl für alle PEARL JAM Fans, denn die Seattler Kult-Grunger haben sich etwas ganz Besonders einfallen lassen. Auf eine Single-Auskopplung noch sechs (!) Livestücke mit draufzupacken. Das Gleiche wird bei den nächsten beiden Singles folgen. Somit hat man dann das komplette Atlanta Concert vom  April 94! Wahrscheinlich werden sich alle Kritiker wieder zu Wort melden, um Eddie Vedder und seine Jungs anzukreiden, sich jetzt doch dem Kommerz auszuliefern. BULLSHIT!!! Freut sich doch jeder Fan, wenn er auf einer Maxi ein unveröffentlichtes Stück seiner Lieblingsband findet. Folglich ist diese Idee doch ein tolles Geschenk an alle Anhänger. Mit über einer halben Stunde Spielzeit stimmt auch noch das Preis-Leistungsverhältnis. Die nächsten beiden Maxis sollen dann im Spätsommer erscheinen, wobei schon eine Auskopplung aus dem demnächst erscheinenden Longplayer dabeisein wird. Spätestens dann werden sie wohl auch endlich wieder unsere Hallen füllen, um Ihre zweite Europatour zu absolvieren. PEARL JAM, wir können's kaum noch erwarten! (hs)

PETE TOWNSHEND
Psychoderelict
Atlantic
Der kreative Kopf der legendären britischen Rockband THE WHO hatte schon immer einen Hang zum Gesamtkunstwerk - siehe "Tommy" und "Quadrophenia". Nun hat er das Hörspiel entdeckt: Es geht ums "Psycho-Wrack" Ray Highsmith, einen abgehalfterten Rock-Star um die 50. "Das einzige, was er noch schreibt, sind große Schecks an seinen Fuselhändler", so spottet seine Gegenspielerin, die abgebrühte Journalistin Ruth. Sie steht auf SM und treibt's mit Rays Manager, während Ray neue Kraft daraus gewinnt, ein Rock-Teeny namens Rosalind zu fördern. Ruth macht daraus einen schlüpfrigen Skandal - und ruckzuck verkaufen sich Rays alte Platten. Die Story ist eine Kritik an den Mechanismen des Show-Biz und an Rock-Opis, die's nicht lassen können. Doch so richtig von der Stelle bewegt sich auch Mr. "Face The Face" nicht: Musikalisch durchstreift er altbekannte Regionen, schreckt auch vor Who-Zitaten nicht zurück. Am Schluß steht die berechtigte Frage: "Was ist mit der Wahrheit passiert? Was ist mit dem Traum geschehen? Was wurde aus dem ganzen schönen Hippie-Shit?" (lj)

PETER FRAMPTON
Relativity Records
"An seine früheren Alben reicht die nicht ran", war der Kommentar des CD-Verkäufers eines bekannten Kassler Plattenladens. "Seine Stimme ist'n bißchen kratziger geworden. Das kommt ganz gut." Mag die letzte Feststellung noch einigermaßen zutreffen, so möchte ich bei der ersten vehement widersprechen. Nicht nur, daß ich meine, daß dies Peter Framptons beste Studio-Platte überhaupt ist, ich behaupte sogar, daß hier eine neue Gitarrengröße vom Range eines Eric Clapton heranwächst bzw. langsam erwachsen wird. Jeder Ton sitzt bei ihm goldrichtig, seine Soli sprudeln vor Ideen und, was mir das Wichtigste scheint: Peter Frampton ist vielseitig. Da brilliert er in dem hitverdächtigen »Day In The Sun« mit seinen Bottleneckkünsten, macht im Anschluß an »It All Comes Down To You« eine Minute lang eben mal auf Jazz, gibt einem die klassischen Bluesschauer bei seinen punktgenauen Einwürfen in »Can't Take That Away« und nimmt einen bei den übrigen 9 Songs mit auf eine Reise durch den Mainstreamrock der 70er und 80er Jahre. Zugegeben, er erschließt mit dieser Platte keine neuen musikalischen Welten, aber wen kümmert's, wenn sich einem bei jedem seiner Songs das Gefühl einstellt, es mit einem Rockklassiker zu tun zu haben. Und seine Soli, die sind eben erste Sahne. Das wird ihm auch Eric Clapton neidlos zugestehen müssen. (pw)

PETER HORTON
Oceans Inside
Kreuz Verlag
»Meditative Musik für Gitarre« lautet der Untertitel treffend. In knapp 55 Minuten Spielzeit wandert der einst auch als Schlager- und Chansonsänger erfolgreiche geniale Gitarrist gekonnt auf dem steilen Grat zwischen Jazz, Minimal- und Meditationsmusik, entführt uns von diesen Höhen aus aufs Meer unserer eigenen Innenwelt, in der wir rhythmisch atmend die Einsamkeits-Farben des Mondes, die Stille der Wüste, die knisternd kitschige Atmosphäre eines Sonnenuntergangs am Hafen der spanischen Metropole Barcelona oder Granada heraufbeschwören können. Erstaunlich ist der unbestreitbare Erholungswert der CD, die man am besten nach einem gestreßten Tag im Büro, der Schule oder wo auch immer bei angenehmen Temperaturen in der Badewanne, auf einem dicken Baumwollteppich oder schlicht im Bett liegend entspannt hören sollte. (pw)

PINK FLOYD
Pulse
EMI (Do-CD)
Dieses Live-Album der Herren Gilmour, Mason und Wright - plus hochkarätigen Background-Musikern, versteht sich - bündelt noch einmal in eiskalter Präzision die größten Erfolge der einstmals innovativsten Rockband der Welt. Alles ist da: die Original-Zuspielbänder mit allerlei Geräuschwerk, die blubbernden und zirpenden Synthieschleifen, die perlenden und zupackenden Gitarrensoli, die in den Bauch zielenden Heavy-Rhythmen, die Frauenchöre und -schreie und die elegischen Orgeln und Pianos, imposant wie eh und je. Und die Fans kennen die Texte so gut, daß aus einem zerbrechlichen Akustikgitarren-Song wie »Wish you were here« ohne Problem eine regelrechte Fußballer-Hymne wird! Das hat sicher Größe, Pomp, Drive und dreifach-digitale Präzisions-Power. Und doch führt uns die Volkswagen-Werbegemeinschaft nur eindrucksvoll vor, daß eben alles nichts ist, wenn der klitzekleine göttliche Funke fehlt. So besingt Gilmour als gealterter Zyniker gelangweilt den Soundtrack seiner verlorenen Jugend. Schön muß es gewesen sein, damals... (lj)

PINK FLOYD
The Division Bell
(BMI)
Offensichtlich war die letzte Platte doch nicht nur »A Momentary Lapse of Reason«. Mit ihrem neuen Werk läuten PINK FLOYD unter ungeheurem Werberummel eine weitere Runde aufgewärmter Kost aus früheren Tagen ein. Es scheint, als sollte Roger Waters, Ex-Bassist und Sänger der Band, mit seiner Befürchtung Recht behalten, daß jede neue Platte unter dem alten Label dem Mythos von PINK FLOYD schade. Tatsächlich sind weite Teile dieser Platte geeignet, in nicht allzu ferner Zeit als Beruhigungsmusik für die bis dahin im Altersheim gelandeten 68er zu dienen. PINK FLOYD wäre gut beraten, genau zu überlegen, ob sie nicht mit ihren sphärischen Klängen und entstressenden Harmonien ins Meditationsfach überwechseln sollten. Dies hat seinen Grund insbesondere darin, daß der neuerdings erwachte Profilierungsdrang der Herren Gilmore & Wright sich nicht mit dem kreativen Potential deckt, das noch einem Roger Waters zur Verfügung stand. Gilmore, der für das Gros der Titel verantwortlich ist, kopiert mehr schlecht als recht die Einfälle und Arrangements früherer Alben. Aber auch die Masse seiner Gitarrensoli hat die Klasse einstiger prägnanter Wendungen verdrängt. Zu häufig sind Anleihen spürbar, beispielsweise im Titelstück bei Eric Claptons »Layla« oder in »Marooned« bei Pete Townshends »Quadrophenia«-Ouvertüre. Bei "Take it Back" z.B. muß man schon genauer hinhören, um festzustellen, daß es sich hier nicht um U2 handelt. Mitunter allerdings sind seine Kompositionen, z.B. bei dem womöglich programmatisch zu verstehenden Track "Coming Back To Life" nicht mehr als labbriges bis peinliches Pop-Geplemper. Was bleibt? Wer immer an soften Sphärenklängen als Hintergrundmusik Freude hat, könnte Spaß mit diesem Album haben. Pink Floyd-Fans sind mit den alten Platten besser bedient. Forget Rich Rock (pw)

PITCH SHIFTER
Desensitized
rtd
Post-Hardcore Metal Vol.II: Gebannt lauschend auf die Boxen gaffend, in Anbetracht des ersten Longplayers und der Beiträge auf dem Naive Sampler sehe ich in PITCH SHIFTER eine Combo, welche mittels ihres fesselnden Sounds ein nervöses Kribbeln in meine Füße zaubert und meinen Kopf zahlreichen Implosionen aussetzt. Tausend wilde Gedanken jagen mir durch Kopf und Bauch - ich fühle mich hilflos, finde mich im Zentrum der Apokalypse. Ich sehe meine Rettung in einem Gummiboot jenseits des großen grünen Meeres. Wasser dringt ein in meine Seele. Wahrscheinlich wird sie endgültig ertrinken. Wahrlich: Overcross voller Algen und blinder Augen, kann nicht schwimmen (»Seeing is believing - I see blind«). Leider kann »Desensitized« meine Psyche nicht stürzen wie es der erste Teil der PITCH-SHIFTER-Verdammnis mit seiner psychedelischen zwar stimmungsvollen, aber mordlustigen Gewalt immer und immer wieder zu tun pflegte. Ich vermisse das Brainstorming mahlender Klampfen und den Zerstörungsgroove mit Flügeln auf PITCH SHIFTER Part II, der irgendwie beiläufiger und logischer klingt als das erste Werk. (tb)

PORNO FOR PYROS
Porno For Pyros
wea
Wem schrille pink-farbigeSounds Gehörgangorgasmen und mentale Glücksgefühle bereiten, der sollte von der neuen Formation um Ex-JANE'S-ADDICTION-Frontmann Perry Farrell kosten. Könnte man doch mit den Augen des Meisters sehen und sich mitten in die Zentrale seiner paradoxen Klangwelt beamen, eine andere Welt täte sich auf! Sex, Drugs und diese durchdringende, im Ohr und Kleinhirn wirbelnde Musik sind mittendrin, hebeln dich aus, tragen dich fort. Das »peace, love and happiness«-Feeling ist allgegenwärtig, richtungsweisend - niemand spricht vom Federverlust der Friedenstaube. Ein  trance-ähnlicher Zustand stellt sich ein, erzeugt durch die Melancholie der unerforschbaren Sounds und dahinfließenden Stimmen lächelnder Frauen mit Telefonsexerfahrung. Ein Feeling wie die zärtliche Reibung von warmer Haut an warmer Haut! Farrell duldet keine Grenzen, läßt sich nicht kanalisieren vom alltäglichen chaosähnlichen Zustand gesellschaftlicher Schwerkraft und Gebundenheit. Der Hörer erfährt immer wieder neue stimulierende Hymnen an den instinktiven Glauben an Ideale und ewiges Glück. Eine Platte, die das Gute in dir weckt.Packt die Friedenspfeife aus! (tb)

POWER
Dedicated To The World Revolution
Play It Again Sam
Endlich, der Hip-Hop-Industrial-Cross- over. Geiler, fetter Flow, breite Gitarren und radikal treffende Analysen und Forderungen aus dem Ghetto - get it.

PROFOUND EFFECT
Lashing Out
Lost and Found
Hier wird derart penetrant auf den Power-Akkorden herumgeritten, daß nur gutwilligste Harcorefans nach den glücklicherweise nur 30.02 Minuten nicht hemmungslos um Gnade wimmern werden. Insbesondere nervt das Gorillakampfgebrüll aus New Yorks dichtestem Urwald, letzteres immerhin sozialkritisch gefärbt. Da wird hemmungslos gegen Todesstrafe und gegen Anpassung an die Normen der Wettbewerbsgesellschaft angedröhnt. RAGE AGAINST THE MACHINE und SICK OF IT ALL haben fulminante Verstärkung bekommen: Hier geht's um die Tiefenwirkung des Hasses und des Aufbegehrens. Krieg wird ausgerufen gegen die machtgeile Gesellschaft, die einen "töten" will. Klingt allerdings stimmlich und textlich oft ganz so, wie hierzulande die Bands aus der ultrarechten Ecke, obwohl die Stoßrichtung  genau in die umgekehrte Richtung gehen soll. (pw)

PSYCHO MOTEL
State of Mind
Castle/Edel
Mit seinem eigenen Projekt »A.S.a.P.« fiel Adrian Smith 1989 böse auf die Nase. Das Album »Silver And Gold« hatte zwar seine Momente, wirkte insgesamt aber einfach zu unentschlossen. Adrian zog sich nach diesem Flop 2 Jahre lang völlig aus der Szenen zurück, bis er durch Jamie Stewart (Ex-»The Cult«) wieder Spaß am Musizieren fand. »Psycho Motel« und ihr Erstling »State of Mind« dokumentieren einen beeindruckenden Reifeprozeß. Adrian, der bei »Iron Maiden« stets introvertiert, ja schüchtern wirkte, hat mächtig Selbstbewußtsein getankt, was dazu führt, daß selbst die schwächsten Titel, »World's On Fire« und »Rage«, das haben, was »Sag« über weite Strecken abging: Dynamik! Bezeichnend, daß z.B. das schwere »Time Is A Hunter«, nach dem sich andere die Finger lecken würden, längst nicht die stärkste Nummer ist. Dieses Prädikat bleibt dem Rausschmeißer »Excuse Me« vorbehalten. Das Ding ist meisterhaft arrangiert, die Refrainzeile »Miss Delilah, where's my heart and home?« geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Könnte mein Song der Neunziger werden! (ms)

PUNGENT STENCH
Dirty Rhymes and Psychotic Beats
SPV
Ja also ähm, also erst mal das Cover, da gibt man sich wirklich Mühe in Rekordzeit zensiert zu werden. Wieder mal ein gelungener Versuch sämtliche Tabus zu brechen, echt eklig. Die Texte folgen diesem Schema, da ist alles dabei um Otto Normalverbraucher auf die Barrikaden zu bringen. Ob diese Provokationen unbedingt nötig sind, oder ob es sich hier nicht um "geschicktes" Marketing handelt, daß sei dahingestellt. Ach ja die Musik, die hatte ich fast vergessen. Ich hatte eigentlich übelsten Knüppelcore erwartet, mit Gitarren die wie moduliertes statisches Rauschen klingen, dazu das übliche Drumgeholze und halt nen paar fiese Grunzer zwischendurch. Doch weit gefehlt, was Pungent Stench als musikalische Untermalung zu ihren Perversionen anbieten paßt in keine Schublade mehr. Mal ist es Grindcore, mal ist es Technolike (kein Scheiß), mal Deathmäßig, mal Psychotisch.Die Scheibe klingt nicht nach krampfhaften Crossover, sämtliche Songs erscheinen in sich geschlossen und haben ihren Reiz. Das Beste aber sind die Songs die wie eine Nintiesversion (nach der Deathexplosion) von AC/DC klingen, da gehts wirklich zur Sache, kein Geknüppel oder so, sondern einfach tierischer Rock. Pungent Stench Fans werden sich wundern wie vielseitig die Band sein kann, aber keine Angst ihr werdet nicht entäuscht sein! Allen anderen sei gesagt, daß man sich nicht vom Cover abschrecken lassen soll (gibts eh nicht mehr lange), sondern Anspielen ist Pflicht.

R.E.M.
Monster
WEA
Es muß Glatzkopf Michael Stipe doch furchtbar genervt haben, mit den beiden letzten Megaalben »Out Of Time« und »Automatic For The People« in die Softrock-Ecke gedrängt worden zu sein. Also werden die verzerrten Gitarren wieder ausgepackt und der gesamten Weltpresse erzählt, daß es bei R.E.M. wieder wild zugeht! Aber Jungs, so heftig ist das neue Werk nun auch wieder nicht. Nach 3 Knallern, darunter das geile »What's The Frequency, Kenneth?«, wird Monster schon wieder etwas ruhiger, sogar richtig mystisch, melancholisch (»I Don't Sleep I Dream«). Die Ballade »Strange Currencies« erinnert zwar etwas an »Everybody Hurts« von AUTOMATIC, hat aber ihre Berechtigung auf der Scheibe. Ein absoluter Höhepunkt ist »Bang And Blame«, eine Art Halbballade mit kräftigen Schuß Rock pur. Textlich geht es diesmal nicht um den Tod, sondern laut Interviews von Stipe um Sex. Das kann man beim bloßen Hören nicht immer sagen, hat der Frontmann doch die lästige Angewohnheit, viele Silben einfach zu verschlucken. Eine starke Alternativ-Scheibe, die wie immer bei R.E.M. für Qualität bürgt! Man kann sich schon jetzt auf die seit Jahren sehnsüchtig erwarteten Livekonzerte freuen. Nächstes Jahr ist es endlich soweit. (hs)

RACHEL PORTMAN
Sirens/Die Drei Sirenen
Milan
Ohne Frage hat die Komponistin RACHEL PORTMAN gute Arbeit geleistet. Eingängige Orchestereinlagen wechseln sich mit folkloristischen Titeln ab und bilden somit sicherlich eine schöne Untermalung für eine von Erotik geprägte Sittenkomödie. Leider ist es nur so, daß durch die häufige Wiederholung des Leitthemas die ganze Platte wie eine überlange Maxi wirkt. (Original Soundtrack) KinoSTART: 15.09.94! (om)

RAINBIRDS
In a different light
Phonogramm/Mercury
Es ist schon faszinierend, was Katharina Francke und Ulrike Haage auf ihrer aktuellen Rainbirds-CD »In a different light« zum Besten geben. Ganze 13 Titel wurden auf dieser Scheibe zu einem Musikteppich von über 50 Minuten verwoben. Die Pop-Perlen, umrankt von dezenten Soundeffekten und weltmusikalischen Klangcollagen, befriedigen auch anspruchsvollere Gemüter. Von tanzbar bis träumerisch ist alles vertreten, ohne auch nur einmal an anglo-amerikanischen Abklatsch zu erinnern. (om)

RED HOT CHILLI PEPPERS
One Hot Minute
Warner
Sänger Anthony Kiedis kann sich noch gut erinnern: "Jahrelang zogen Flea und ich durch die Stadt und wußten nicht, wie wir etwas zum Mittagessen bekommen sollten". Diese Zeiten sind bei den PEPPERS wohl spätestens seit »Blood Sugar Sex Magic« endgültig vorbei. Denn mit dem 1991 erschienenen Album sind sie in die Riege der absoluten Superstars aufgestiegen, fast könnte man sagen, auch dank MTV, die ihre Songs in endloser Heavy Rotation spielten. Mit ihrem sechsten Album bleiben abgedrehten die Funkrocker ihrer musikalischen Linie treu: Funkrhythmus meets Punkattitüde. »One Hot Minute« bietet ein Spektrum von roh (»Warped«) bis zuckersüß, wie mit »Falling Into Grace«. Hier kann man blind zugreifen. Partypflichtmusik! (hs)

RED SUN/SAMULNORI
Then Comes The White Tiger
ECM
Jazz, aber was für welcher. Keine selbstverliebten Virtuoseneskapaden, auch keine krampfhaften Polyrhythmiken oder ähnliches, was im Regelfall nur Spezialisten zu Beifall bewegt. Doch auch diese werden an dieser Platte Gefallen finden, auf der das vierköpfige koreanische Percussionensemble SAMULNORI mit RED SUN, der Band um Saxophonist Wolfgang Puschnig, musiziert. Rhythmik und Melodie nehmen einander an, bestimmen diese Platte. Bassist Jamaaladeen Tacuma übernimmt energetisch die Rhythmen der Samulnori, Gitarrist Iannacone und Puschnig am Sax weben daraus Melodien, und der Gesang Linda Sharrocks ist keine Präsentation von Vokalakrobatik, sondern subtil, sensibel, ...fesselnd. Eine durchgehend atmosphärische Platte, die richtige Songs enthält und auch nach x-maligem Hören noch überrascht und weitere Traumstellen offenbart (und ohne es zu wollen psychedelisch ist). Eine gelungene pankulturelle Arbeit, in der alle involvierten Kulturen ihre Berechtigung haben und nicht bloß exotisches Beiwerk sind. "Then comes...", ist meine Herbst/Winter Platte 94 ! (ce)

LOU REED
Magic And Loss
(Warner Brothers)
Der WILDWECHSEL-"Chef vom Dienst" hat mir immer noch nicht meine MC von "New York", LOU REEDs bislang genialster Platte (1989), zurückgegeben. In der Zwischenzeit hat der ehemalige Sänger der Sixties-Kult-Combo VELVET UNDERGROUND tatsächlich schon zwei weitere Meisterwerke abgeliefert. Nach seiner Ode an Andy Warhol ("Songs For Drella") kommt nun mit "Magic And Loss" der besinnliche Gegenpol zum anklagenden "New York": Gedanken zum Sterben, zum Tod und zum Weiterleben nach dem Verlust geliebter Menschen. In wirklich magischen Songs verarbeitet er den Tod zweier Freunde. Musikalisch herrscht auch diesmal ein Minimalkonzept, in dem neben Reeds charakteristisch-sonorem Gesang der Fretless-Baß Rob Wassermanns und die Synthie-Gitarre Mike Rathkes Glanzpunkte setzen. Auch textlich wirkt das ganze nie weinerlich, teilweise gibt es sogar einen ironischen Unterton, wenn Lou Reed Beerdigungsrituale oder die moderne Medizin aufs Korn nimmt! (Marilyn L.)

REEF
Replenish
Sony
Alternativ-Rock, Independent oder Underground heißen die Zauberworte. Alle Welt fährt zur Zeit drauf ab, jeder will ihn spielen, keiner weiß überhaupt genau, welche Musikrichtung jetzt das eine oder andere ist. Das ist auch das Schöne daran. Die Schublade ist groß, man darf ausprobieren über Grenzen schreiten. Reef toben sich so richtig aus! Viel Eigengewächs, Ausgeliehenes von Led Zeppelin bis Aphrodites Child. Wild rockend bis psychedelisch abgedreht. Mit dieser Mischung schaffen sie es bei mir zum Geheimtip des Monats! Mit einem Produzenten wie Clive Martin (Echobelly,  Les Negresses Vertes) und als Support von Paul Weller könnten sie es schaffen. Anspieltip: »Good Feeling« und »Choose To Live«. (hs)

Reiser
RIO REISER
Über alles
Columbia/Sony
Tja, was soll ich mehr dazu schreiben, als daß diese Platte von Annette Humpe produziert wurde und 12 Titel umfaßt? Vielleicht, daß Rio der Textkunst immer noch mächtig ist oder daß Titel wie »Wart's Ab« oder »Neun99Zig« wirklich hörbar sind. Aber sonst? Eventuell bin ich als alter Scherben-Fan einfach zu stark vorbelastet, denn Liebeslieder gibt es nun wirklich genug und Ausrutscher   la »Nimmst Du mich mit« sowie die »NEUfassung« von »Irrenanstalt« hätten nun wirklich ins Archiv gehört. Schade nur, daß ausgerechnet in Zeiten öffentlich ausgekochter Scheiße ein Rio Reiser in seichten Gewässern planscht. Um's mit Rio zu sagen: »Der Traum ist aus.« (om)

RIOT
The Brethren Of The Long House
Rising Sun/Semaphore
Unter den Power-Metallern sind RIOT die Eingängigsten und Melodiösesten, was ihr neu(nt)er Output nachhaltig unter Beweis stellt. Inspiriert von Michael Manns Neon-Version von »Der letzte Mohikaner« schufen Ausnahmegitarrist Mark Reale und seine Gang ein brillantes Konzeptalbum über die Eroberung des amerikanischen Kontinents. Zwar wird keine zusammenhängende Story erzählt, doch die differenzierte, um Subjektivität bemühte Betrachtung beider Seiten verdient allemal Anerkennung. Zwischen Ohrwurmriffs - die entgegen der Arbeitsweise der meisten Bands immer erst nach den Melodien entstehen - und indianischen Rhythmen plazieren RIOT den Gary Moore-Hit »Out In The Fields«. Darin geht es zwar um den Bürgerkrieg in Irland, aber wie bemerkte Mark so treffend: "Jeder Krieg ist gleich verrückt. Nur die Schlachtfelder wechseln." In limitierter Auflage übrigens als Doppel-CD mit zusätzlichem Live-Album, das es sonst nur als höllenteuren Japan-Import gibt. Take it! (ms)

RIOT: Nightbreaker (SPV)
Power-Metal alter Schule in zeitgemäßem Gewand, wie (nicht nur) das Remake des DEEP PURPLE-Klassikers »Burn« beweist. Klassisch.

RÖDELHEIM HARTREIM PROJEKT
Direkt aus Rödelheim
MCA/BMG
Wie jeder Süchtige haben auch wir Musikjunkies unsere Dealer, die uns auf Edelsteine der Tonkunst hinweisen, welche uns ohne sie durch die Lappen gingen. Zum härtesten Stoff der letzten Monate, den er mir eben in meine Injektionsmaschine stopfte, ist ohne Frage das RÖDELHEIM HARTREIM PROJEKT zu zählen. Auch wenn der Titel »Direkt aus Rödelheim« es nicht vermuten läßt, diese Scheibe enthält Deutsch-Rap härtester Gangart. Wer hierbei an die FANTASTISCHEN 4 denkt, sei gewarnt, denn was Martin Haas und Moses Pelham in den Frankfurter U.S.P.-Studios zusammenreimten, ist nichts für die 4. Dimension. Hier macht keiner Urlaub am Meer, hier wird ein Teil der Wirklichkeit in Form von Dunkelheit, Blut, Haß und Wahnsinn sowie verworrener Liebesqualen durch die Boxen in den Raum projeziert. Es gibt fast nichts, was an dieser Produktion nicht stimmt: allerfeinste Texte an der Grenze zur FSK, beste Samples, gekrönt durch ein hervorragend gestaltetes Cover und Booklet. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt jedoch, da ich den Texten nicht die politische Herkunft und Zielrichtung entnehmen kann. Wer weiß, was die "Neue Rechte" zu leisten im Stande ist, der wird verstehen, wovon ich rede. (om)

RODGAU MONOTONES
Eukalyptus Now
MMS
Bis heute war ich alles andere als ein fanatischer RM-Anhänger. Ehrlich gesagt ist »Eukalyptus Now« die erste vollständige CD, die ich von ihnen höre. Und die ist so...so...GEIL! Der Titel, das Cover, die Songs - einfach alles! Solche Songwriterqualitäten hätte ich den Deutschrockern nie zugetraut. Wahnsinn! Ganz egal, ob man sich das zum Brüllen komische »Der endgültige Blues«, das ernste »Mach' meinen Kumpel nicht an« (hier zeugen gerade die humorigen Spitzen von großer Sensibilität) oder das kultige »Sorry, isch bin Hesse...« antut: Alles 1a! Die größte Stärke der MONOTONES aber sind bitterböse Nackenschläge   la »Guten Appetit« oder »Dumm gelaufen«. Im Moment pendle ich zwischen letzterem, schwer hitverdächtigem Stück und der ergreifenden Ballade »Ganz egal«, von Kerstin Pfau intensivst interpretiert, hin und her. Ihr Gesang knallt diesem 20-Track-Straßenfeger das Tüpfelchen auf's i, macht »Eukalyptus Now« zum besten deutschen Produkt seit EXTRABREIT'S »Hotel Monopol«. Watch out for the Koala-Krieger! (ms)

ROLLING STONES
Stripped
Virgin
Unplugged oder was? Nee, nee! Auf Barhocker in einer Reihe sitzen, da stehen die Stones überhaupt nicht drauf, so Jagger. Aus diesem Grunde werden zwar die alten Songs in neuer, abgespeckter Version zu Gehör gebracht, aber den Stöpsel haben sie noch lange nicht gezogen. Auf einigen Stücken tauchen zwar nur Akustikgitarren auf, aber es wird auch noch gerockt. Nur, der Stadionbombast ist abgestreift worden. Ergebnis: die Songs auf diese Weise klingen zu lassen, kommt einer Frischzellenkur gleich. Man merkt förmlich die Freude, die die Rockväter bei den Aufnahmen hatten. Für PC Besitzer birgt die CD doppelte Freuden, zeigt sie im CD ROM Laufwerk zwei Videos der Band, wie auch andere Voodoo Lounge Häppchen. Im Radio schallt es gerade wieder: "Like A Rolling Stone". Den alten Dylan Klassiker, den die Stones zu neuen Charts Ehren geführt haben. (hs)

ROUGH SILK: Walls Of Never (Mausoleum/MMS)
Schneidige Gitarren, ausdrucksstarker Gesang, eine Hammerproduktion und eine ganze Wagenladung affengeiler Songs. Noch Fragen?

Roverbeats
ROVERBEATS:
She's The One
(Butler-Records)
Ganz im Trend der Zeit liegen sie ja, die nordhessischen ROVERBEATS. Immerhin sind Anspielungen auf die - goldenen? - Sechziger "in" wie schon lange nicht mehr. Schön, daß es eine Gruppe, bei der immerhin zwei Leute aus Hofgeismar mitspielen, auf eine beachtliche CD gebracht hat: Fröhliche, druckvolle Rock-Songs mit Beat- oder Country-Touch - einfach erfrischend! Mir als Fan von Gitarren-Zauberer Andreas Behle (ehemals STUART-MAC-BAND) kommt dieser begnadete Saitenzupfer aber in den Arrangements zu kurz. Und beim Anhören der druckvollen Drums fragt man sich unwillkürlich: "Ist er's denn nun wirklich, der gute alte Thomas Bayer?" Der mit Effekten vollgepackte Sound und die reduzierte Spielweise deuten eher auf einen Drum- Computer hin! Und der Mix stimmt nicht ganz: Die höhenreichen, eher dreckigen E-Gitarren passen kaum zum zeitgeistig aufgepeppten Drum, die Background-Vocals sind - bei allem Respekt - doch etwas daneben. Schließlich fehlt Fredy Haas, der ein prima Songwriter ist, der letzte Pfeffer bei den Leadvocals! Trotzdem: Die ROVERBEATS bieten genau die richtige Dröhnung, um morgens gut aus dem Bett zu kommen!
(Lothar J. )
 

RUBY
Salt Peter
Sony
Magisch monotone Grooves, quängelnde Gitarren, nervöser Frauengesang - hier legt der Plattengigant Sony jedenfalls reichlich Ungewöhnliches auf den CD-Teller. Mark Walk und Lesley Rankine produzieren Klänge, als hätte man Joni Mitchell auf eine Folterbank gespannt und Brian Eno die Schneidearbeit überlassen. Nicht zu vergessen die angesagtesten Grooves aus dem schwärzesten Ghetto, die irgendjemand mit dem entsprechenden -Blaster aus dem Hintergrund dazugibt - wahrscheinlich mit einem Billigmikro abgenommen. Mal wird gewinselt, dann genörgelt, dann wieder auf so unvollkommen dilettantische Art dann doch wieder irgendwie schön gesungen. Dazu gibt es Effekte en masse, Botschaften aus Höhlen, Unterwasserstationen und intergalaktischen Zentren: plingplangplong, bipbipbip, jaijaja. So etwas Merkwürdiges und auf archaische Art Anrührendes hat man seit »Neandertal Man« der HOT LEGS nicht mehr gehört. Wahrscheinlich zu abgedreht für den großen Erfolg, aber heiß zu empfehlen für alle mit offenen Ohren, großem Herzen und aufnahmefähiger Seele. (lj)

RÜDIGER GLEISBERG
Chronicle 1986-93
ARDEMA-Musik
Er zählt zu den beständigen Größen der Elektronikscene, und dies über unsere Landesgrenzen hinaus. Rüdiger Gleisberg, Konstrukteur einer Klangwelt, die mit der Leichtigkeit eines Kinderliedes daherkommt und doch oftmals mit Schwermut beladen ist, lädt uns ein zu einer kleinen Reise in seine surrelistische Welt der Phantasie. Durch die Bestädigkeit seines Tuns ist »Chronicle 1986 - 93« keine lieblos zusammengezimmerte »Best-of«-Geschichte, sondern vielmehr eine in sich geschlossene Essenz seiner Arbeit. Für alle, die mal ausspannen möchten. (om)

RUN DMC:
Down with the King
Profile
Die neue Platte des Rap-Trios aus Queens/N.Y. verspricht viel: Mit ihrer neuen Scheibe versuchen Run DMC, aus der ihnen so vertrauten Ghettoblaster-Area herauszukommen. Nach ihrem Single-Erfolg mit "Walk this way" zusammen mit Aerosmith versuchen die drei, an frühere Erfolge anzuknüpfen. Und wie's im Moment aussieht, wird diese CD ein Renner unter Rapfreaks! Ganz im Gegensatz zu ihren Kollegen, wie z.B. Ice-T, bleiben Run DMC auf der gesamten CD recht seriös. Sie haben es halt nicht nötig, mit abgegriffenen Ausdrücken   la "Motherf..." Aufmerksamkeit zu erregen! Manche Texte der drei überzeugen sogar durch durchdachte Hintergründe. Bei RUN DMC hat sich viel verändert - wer sich das Cover der neuen CD genau betrachtet, wird bemerken, daß nicht mehr drei schmuddelige Boys mit viel zu großen Klamotten zu sehen sind, sondern drei smarte Erscheinungen in schwarzer Kluft. Ebenso läßt sich auch die Veränderung in ihrer neuen Musik beschreiben: Der überwiegende Teil der CD-Titel zeigt ernstgemeinten Rap, der nicht nur auf dem Rassismus-Problem herumhackt, sondern ganz locker irgendwelche Begebenheiten beschreibt. Selbst die Bauart der Stücke geht von reinem Sprechgesang über Hip-Hop bis hin zu reggaeartigen Kompositionen. Alles in allem eine Scheibe, die nicht nur Rapper begeistern dürfte!!! (ja)

RYKER'S
Ground Zero
WEA
Das Major Debüt der RYKER'S ist da: Kassels heißester Hardcore-Act, hat es geschafft, in die Oberliga aufzusteigen. In den vergangenen drei Jahren haben die RYKER'S vom rapide wachsenden Hardcore Underground profitiert. Was in den Jugendzentren als Alternative zum überteuerten und überlebten (Metal) Musik Business begann, findet jetzt seinen Weg in den Big Business. Hoffen wir, daß die Szene es überlebt. Den RYKER'S zumindest hat es (noch) keinen Abbruch getan. »Ground Zero« ist eine großartige Platte, 16 kompakte 2-Minuten-Statements jagen einander, lassen keine Zeit zum Luftholen. Songs wie »Prove Yourself«, »Ground Zero« oder »Loose Ends« dürfen ohne weiteres als Meisterwerk der Brachial-Standpunktvertonung bezeichnet werden. Trotz oder gerade wegen des neuen Gitarristen Grobi präsentieren sich die vier als präzise ineinandergreifende Wuchtmaschine. Basser Luft und Drummer Meff sind wohl die eingespielteste Rhythmsection dieser Hardcore-Hemisphäre. Untrennbar verzahnt kriechen ihre Grooves in Beine und Nacken - Beißen und Totschütteln lautet die Devise. Einziges Manko: Der Sound kommt nicht mehr so fett und wuchtig wie noch auf der letzten RYKER'S EP »First Blood«. Aber bei dieser Scheibe gerät das spätestens nach dem ersten Song in Vergessenheit. (ce)

RYKER'S
Brother Against Brother
Lost and Found
Vor etwa einem Jahr gaben die RYKERS ihr Debütkonzert in Immenhausen, damals als Support der Bostoner HC-Legende SLAPSHOT, die sie mühelos an die Wand spielten. Danach ging es mit Riesenschritten vorwärts - Konzerte mit SICK OF IT ALL, eine Eurotournee mit PITBULL - die Band etablierte sich als einzig ernstzunehmende Antwort auf die Flut der Ami-Combos. Auf Platte allerdings machten sich die RYKERS rar, lediglich zwei EP's sind erhältlich, die »Kickback«-EP, ihr Debüt, ist schon zum Sammlerteil avanciert, »Payback Time«, der Nachfolger, war auch nur appetitanregend. Zeit also für die langerwartete LP; zwölf Tage Studioaufenthalt waren angesetzt, am ersten Tag waren Bass und Schlagzeug im Kasten, die Gitarren brauchten nochmal drei bis vier Tage, und Kid D nahm sich nochmal einen Tag, um die 14 Songs (!) einzusingen. Lange Rede, kurzer Sinn, »Brother Against Brother« ist ein Hammer. "Hardcore as it should be", sagt Basser Chris, und er hat Recht, bei jedem Song spürt man die unzähligen Live-Auftritte, die die Band zu einer Einheit werden ließen. Brachialität und fetten Groove unterstellt man jeder besseren Band, bei den RYKERS findet man diese Attribute in unvergleichlich optimierter Form. »Brother Against Brother« läßt einen nicht stillsitzen, die Platte packt und schüttelt einen, macht Hunger auf Liveauftritte, auf Slamdance-Orgien. Trotzdem, ich sehe schon die selbsternannten Sittenwächter der lokalen Hardcoreszene perplex dreinschauen, nicht jeder von ihnen wird mit »Brother Against Brother« glücklich werden, denn als hervorragende Musiker geben sich die RYKERS nicht mit den üblichen Klischees zufrieden. (ce)

RYKER'S
First Blood
Lost & Found
Die RYKERS haben in die Hände gespuckt und 'ne EP in den Kasten geknüppelt. Endlich wieder mit dem gleichen Feuer und der gleichen Kompromißlosigkeit wie bei der legendäre "Kickback" Debüt Single. Packender, groovender NY-Style Hatecore wirkt wie 'ne pure Adrenalininjektion, pumpt den Groove in fetten Wellen durch den Leib...macht Spaß. Dazu kommt die superfette Produktion, ein Hammersound, mit dem sonst nur amerikanische Produktionen aufwarten! Das steht einer Band wie den RYKERS, die klares Superstarpotential am Hardcorehimmel hat, ausgezeichnet. Und mit etwas reiferem Gesang kommen sie da auch noch hin, verdient haben sie es! (ce)

SARAH K.
Tell me I'm not dreamin'
Chesky Records
Um es gleich vorwegzunehmen: Diese brillante Sängerin aus New Mexico darf man sich getrost merken. Auch wenn sie mit ihren Songs und ihrer Stimme klar an die Joni Mitchell der Mittsiebziger erinnert, unterscheidet sie sich von ihr ebenso deutlich durch den Blues in ihrer Stimme, den man sonst nur von schwarzen Sängerinnen wie Nina Simone oder Aretha Franklin kennt. Wie sie in moderner Unplugged-Manier Greg Allmans »Whipping Post« interpretiert, das kann sich allemal hören lassen. Allerdings: einen Bärenanteil an der eindringlichen Wirkung der 13 Songs hat der geniale Gitarrist Bruce Dunlap, der mit ebenso einfühlsamen wie jazzig-swingenden akustischen Gitarrenarrangements dieser CD eine Aura verleiht, die sie zu einem unverwechselbaren Diamant für jede Plattensammlung macht. (pw)

SARGANT FURY
Turn The Page
Fresh Fruit/SPV
Schon bei der ersten Hörprobe wird klar: SARGANT FURY sind erwachsen geworden, was ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zur Kenntnis nehme. »Little Fish«, das letzte Werk von HANNOVER'S FINEST, tat ich mir immer wieder rein, nur um mich an den unglaublichen Refrains zu ergötzen. Vor diesem Hintergrund bin ich traurig, daß sich auf »Turn The Page« die Prioritäten ein wenig verschoben haben. Nicht mehr ganz so heavy tönt's, obgleich die Scheibe etliche knackige Abgehnummern zu bieten hat. Zweieinhalb Balladen, so toll sie auch sein mögen, sind ein bißchen viel des Guten. Übertreibt's nicht, Jungs! Der einzige Schwachpunkt der CD ist die unglückliche Plazierung der beiden Coverversionen (Pos. 7 und 10). Andererseits ist die eine das größte Plus von »Turn The Page«: Nach ABBAs »Eagle« haben die FURIES das Kunststück geschafft, erneut eine Klasse besser zu sein als das Original, in diesem Fall von MICHAEL SEMBELLO. »Maniac« hat mit der klebrigen Synthie-Grütze   la »Flashdance« überhaupt nichts mehr gemein - Wahnsinn auf Kufen! Das lehrt uns, daß manche Disco-Fuzzies mitunter echt starkes Zeug schreiben. Aber kann mir mal jemand erklären, warum sie sich anschließend alles selbst wieder kaputtkleistern?! (ms)

SASS JORDAN
Rats
Impact/EMI
»Trust In Me«, ihr Duett mit Joe Cocker, krönte den Bodyguard-Soundtrack. Trotz dieser hochkarätigen Liaison ist der Name Sass Jordan dem Gros der Musikfreunde kein Begriff. Sollte er aber sein. Die zierliche Kanadierin, die mit Größen wie Tina Turner, Melissa Etheridge oder eben Josef Koch verglichen wird, zieht mit ihrem rauchigen Organ jeden in ihren Bann. Textlich geht es auf ihrem dritten Album »Rats« sprichwörtlich um "Ratten im Keller". So beschreibt mein Anspieltip »Pissin' Down« das Scheitern einer Beziehung an den Drogenproblemen des Partners. Man sieht, Sass hat in den letzten Jahren einiges durchgemacht und verarbeitet dies entsprechend. Zum Glück sind sie und ihr Gitarrist Stevie Salas ein perfekt eingespieltes Songschreiberteam, so daß selbst Kracher wie »Damaged« nie in stumpfes Gehacke ausarten. Einfach kerniger Rock mit sensiblen Zwischentönen (»Sun's Gonna Rise«), sozusagen die Ergänzung zur neuen Peter Frampton. Oh, und der Vorgänger »Racine«, der mir sogar noch einen Tick besser gefällt, wird jetzt endlich offiziell in Deutschland veröffentlicht. Wohl getan, EMI! (ms)
 

SATCHEL
EDC
epic-sony music
Grunge, Rock, Heavy, Acid-Jazz oder gar Jazz? Man kriegt die Schublade nicht zu, egal wo die Scheibe von SATCHEL rein soll. So viele Merkmale wollen einfach nicht stimmen. Da ist zum einen die unübliche Stimmlage von Shawn Smith oder zum anderen die romantischen Klavierparts, die einfach nicht ins Bild passen wollen. Und dann wieder ist es das völlige Abdrehen in experimentelle Gefilde, was den Reiz dieser Scheibe ausmacht. Einfach unbeschreiblich und doch klasse. (om)

SAVATAGE
Handful Of Rain
Bullet Proof/IRS
Am 17. Oktober 1993 wurde der hochbegabte SAVATAGE-Gitarrist CRISS OLIVA von einem besoffenen Truckdriver in Fetzen gefahren. Vielleicht ist das der Grund dafür, daß auf »Handful Of Rain« das epische Element stärker als sonst im Vordergrund steht. Finde ich toll; darin sind SAVA einzigartig. Mit dem Opener »Taunting Cobras« und »Nothing's Going On« gibt's natürlich auch stilvoll auf die Glocke, aber bei der gigantischen Arie »Chance« können auch Nicht-Metaller nur ergriffen lauschen. Zwar enthält fast jeder Titel opernkompatible Passagen, aber hier kommt's echt geballt. Man kann darüber streiten, ob Alex Skolnick, vormals Paddelschwinger bei TESTAMENT, der einzige adäquate Ersatz für Criss ist, jedenfalls hat er auf diesem Rundling hervorragende Arbeit geleistet. Ich hoffe zutiefst, daß SAVATAGE, die seit ihrer Gründung 1978 unbeirrt ihren eigenen Stil pflegen, mit »Handful Of Rain« endlich die längst überfällige Anerkennung zuteil wird. Wer kann schon von sich behaupten, bei acht Outputs sieben Klassiker hervorgebracht zu haben? (ms)

Scorn
Deliverance
Scorn, das ist die Ur Napalm Death Besetzung, haben schon eine geniale Lp (Vae Solis) veröfentlicht. Auf "Deliverance", einer 40 Minuten langen Singel, machen Scorn da weiter wo der zweite experimentelle Teil ihrer Lp aufhörte. Gespenstisch groovende Dub Noise Excursionen die mit ihren Napalm Death Wurzeln nichts mehr zu tun haben. Vielmehr proflieren sich Mick Harris und Co als geniale Sampel und Electronic Tüftler. Die Musik auf Deliverance lebt von ihren vielschichtigen Collagen, von ihren unerwarteten Kehrtwendungen, vom versinken im Echoland, vor allen Dingen aber von ihren genialen Grooves die Napalm Death Drummer Harris zaubert. Hier werden sich die Techno und Sample Freaks wohl die eine oder andere Scheibe abschneiden. Deliverance ist eine geniale Abfahrplatte, aber vorher Reinhören ist Pflicht.

Scorn
White Irises Blind
RTD
Kaum haben uns Scorn mit der "Deliverance" EP bewiesen das sie die Grandmaster des düsteren EBM Beats sind, schieben sie die nächste EP nach. Auch diesmal regieren die Drumcomputer das Feld, allerdings meisterhaft programmiert vom Herrscher der Grooves Mick Harris (ex Napalm Death). Gitarren finden nur sparsam Verwendung, bleiben dann auch im Hintergrund. Eine Rückkehr zum Industrial Grunge wie auf dem ersten Album steht wohl erst mit der neuen LP "Colossus" ins Haus. "White Irises" besteht aus düster Groovenden Industrial Klanggemälden, vollelektronisch und monoton. Leider schleichen sich  spannungslose Momente in den ersten beiden Titeln (White Irises Blind u. WIB Mix) ein, die letzten beiden Titel dagegen (Drained, Host of Scorpions) erweisen sich als qüalend langsame, klaustrophobische Industrialtrips, die einen Gefangennehmen. Keine vollständige Entschädigung für den Anfang denoch lohned. Scorn ist sicherlich nicht jedermans Sache, doch wer auf dunkle Trips steht sollte zuschlagen. 7-93

SCORN
Evandesence
RTD
Es ist wohl endgültig, SCORN haben sich dem Ambient Dub, dieser düsteren Variante des Dancefloorsounds, die reichlich Stoff fürs Hirnkino produziert, verschrieben. Angefangen hatte alles mit »Vae Solis«, dem furiosen Debüt dieser Band, die aus der Urbesetzung der ersten Napalm Death LP Scum besteht. Schon »Vae Solis« hatte mit dem imposanten kopflosen Geholze von »Scum« wenig zu tun. SCORN, und das heißt vor allen Dingen Drummer Mick Harris, brachten unglaubliche Massen in elastisch brachiale Bewegung. Nach »Vae Solis« folgten einige Maxis und der Longplayer »Colossus«, die alle ohne Zutun des Godflesh Gitarristen Justin Broadrick enstanden. Hier regiert Drum, Drumcomputer und Bass, Sampels wirken stimmungsbildend, und alles groovt so einmalig drängend. Trotz dieser Einmaligkeit und der Stimmungsdichte habe ich mir immer gewünscht, »Vae Solis« 2 zu hören, doch das brachiale Brett braucht Harris wohl nicht mehr, er experimentiert mit Rhythmen und Stimmungen, versucht seine düsteren Visionen tanzbar zu machen. Und in der Tat - »Evandesence« pulsiert, die schwarz-weißen Bilder im Kopf finden ihren Weg in die Beine. Getrieben tanzen kann man zu »Evandesence« nicht, wohl aber gemächlich in Wallung geraten, der evozierten Sentimentalität ritenhafte Bewegungen entgegensetzen, die irgendwie befreiend wirken. (ce)

SECT
Telekinetic
(Roadrunner)
Vancouver, Brutstätte akustischer und visueller Elektronik. Fruchtbare Szene, Ambiente in verlaufenden Farben und Signalen. FRONTLINE ASSEMBLY, SKINNY PUPPY, Techno, House, Industrial - Vancouver. SECT, schleichend & beunruhigend, dringt nicht nur durch die Lauschlappen in die Zentrale für psychedelische Umstände, sondern verteilt sich vorerst unheimlich im Raum. Das Sprachorgan klemmt, Münder bewegen sich in Stille, der SECT hemmt. Gewisserweise, man edelt die monotonen Handbewegungen in verrauchten Anti-Rauchhaus-Kommunen, zollt sich der SECTsche Trance als Opposition zur Sprache, Blicke bespritzen sich einander mit der Feuchte der Hornhaut und Füße scharren Striemen in die großen, schweren Metallplatten der zahlreichen Factories, denn auch Schweigen ist Kommunikation. (Sogar wohltuende, wenn man bedenkt, wozu unsere Sprache mutiert.)  Doch man könnte SECT auch anders betrachten. Movies wie AKIRA oder BLADE RUNNER drängen sich ungerufen in den Geist und SECT schleicht durch die Wege der Apocalypse im gelockerten Schneckentrab auf zum absehbaren Ende. Futuretrance, absolut desillusionierend und wahrscheinlich, Perfektionisten und Seher aus Vancouver und der Zukunft. (tb)

SELIG
Selig
Sony Music
Nun ist es endlich passiert. Mit ihrer gleichnamigen Scheibe bringen SELIG die deutsche Antwort auf den Seattle-Rock in die Charts. Man kann es kaum glauben, aber SELIG haben es geschafft, mit ihrem ersten Album eine professionelle deutschsprachige Produktion auf den Markt zu bringen, die meines Erachtens nach locker mit den deutschen Größen des Rock-Business mithalten kann. Die Musik der Fünf zeichnet sich durch in sich geschlossene, teils balladenartige Stücke aus, die zwar einprägsame, aber keineswegs nervige oder eintönige Melodie- und Rhythmikstrukturen aufweisen. Die Lieder erscheinen einerseits schwermütig und andererseits wieder witzig und frech, so daß das Gesamtbild des Albums eine ausgewogene Mischung an Stimmungen darbietet. Die Stimme des Sängers Jan Plewka paßt ebenfalls gut in das gesamte Klangbild. Über 14 Songs hinweg demonstriert er eindrucksvoll, wie lebhaft und doch weich man die deutsche Sprache in den musikalischen Hintergrund einbetten kann. Er schafft es mit geschicktem Betonen, den meist sehr mutigen Texten das richtige Feeling zu geben. Wer es satt hat, sich deutsche Rockmusik anzuhören, bei der man durch extremen Dialekt oder Sprachstörungen des Künstlers sowieso kein Wort versteht, sollte sich die neue »Selig« holen. (ar)

SELIG:
Hier
Epic
Deutschsprachiger Nuschel-Rock ist in wie lange nicht mehr: Jetzt also auch eine neue Scheibe von SELIG. Musikalisch ein echter Hammer, der groovet und knallt in einer Ecke irgendwo zwischen Seattle und Woodstock. Wie bei so vielen aktuelle Bands mag man die DOORS gerne, auch seinen Hendrix hat man studiert. Schade, daß der Gesang gegen die Gitarrenwände keine Chance hat - hier fehlen aber auch Stimmvolumen und Artikulation. Wovon die Texte handeln, kann man deshalb nur ahnen. Nur soviel: sehr glücklich ist der Sänger nicht.So entfaltet die Scheibe eine magische Monotonie, die bravourös den Herbst einläutet... (lj)

SHARON STONED
License To Confuse
Snoop Records
Vorsicht! Wer diese Scheibe noch nicht kennt, sollte erst die Lautstärke runterfahren und dann auf Play drücken! Verzerrte Gitarren, Rückkopplungen und andere "lntros", die einem die Haare zu Berge stehen lassen, gehören zum Repertoire. Aber nicht nur die, SHARON STONED sind so originell wie ihr Name. Insgesamt klingt die Musik nach britischem (isser aber nich) Independent: schrammelige Gitarren, nölige Stimmen. Teilweise erinnern sie ein bißchen an die Lemonheads oder an Blur, dann klingen sie aber wieder ganz anders. Zur lockeren Mischung trägt zum Beispiel so eine Art Heimorgel bei, die zweimal zum Einsatz kommt. Aber auch Gags wie bei "Special Plans" (das Stück fängt zweimal an!) tragen dazu bei, daß das Hören Spaß macht. Mal schneller, mal langsamer steuern Sharon Stoned auf das "furiose Finale" zu. Bei "Shrug" angelangt (zu deutsch: Achselzucken), fiel den Jungs wohl nix mehr ein, und sie wollten noch mal was Neues ausprobieren. Was herausgekommen ist, mutet etwas technomäßig an. Aber is ja au geil! Zu guter Letzt klingt die Platte, die wirklich die Lizenz zum "konfusieren" verdient, mit einem live-haftigen Stück aus: »Johanna«. Es hat sich gelohnt! (sh)

SIELWOLF
Nachtstrom
Whats So Funny About
"Jäger und Sampler" schrieb die Spex und traf ins Schwarze. SIELWOLF streifen durch die Nacht, greifen den allgegenwärtigen akustischen Abfall der Zivilisation auf und ordnen ihm den einzig logischen Sinnzusammenhang zu: der Brutalität. "Der Müll, die Stadt und der Tod" hieß Faßbinders viel umstrittenes Stück - ein Titel, der das SIELWOLF-Feeling illustriert: Überangebot, Überforderung, Resignation, letztendlich Todessehnsucht. Harte, peitschende Beats zerfasern den letzten Halt, den man in den brodelnden Sampels sucht. Alles ist mit diesem undefinierbaren Rauschen umgeben, das eigentlich gar nichts ist und doch mit unglaublicher Intensität Angst und Konfusion vermittelt. Texte, die sowohl an den Grundfesten des Lebens als auch der Zivilisation nagen - Sielwolf ist ein musikalischer Fleischwolf. (ce)

SILENT POETS
words and silence
bellissima/99
Schon bei »La Vie«, dem zweiten Titel auf der CD, drängen die Beats den Körper zur Bewegung. »The Children Of The Future«, ein Stück mit eindeutiger Roots-Reggea Ambitionen, verstärkt diesen Effekt. Schier unerschöpflich scheinen die Kombinationsmöglichkeiten der verwendeten Stilrichtungen. Besonders auffällig und gekonnt werden Dub-Reggae-Elemente eingesetzt, die den Stücken eine intensive Räumlichkeit verschaffen. Alles in Allem ein fesselndes Gemisch aus Cool-Jazz, Hip-Hop und Reggae, mit dem die Sessionmusiker aus Tokio, Paris und London namens SILENT POETS eindeutig auf Erfolgskurs sind. (om)

SILENT POETS: Potential Meeting (99 Records)
Unterkühlter Jazz, ein bißchen Neotraditional, aber kein Klischeerecycling, sondern fähige Musiker, die swingen. Ideal für zurückgelehntes, entspanntes und dennoch aufmerksames Hören.

SIMPLE MINDS
Good News From The Next World
Virgin Records
Inzwischen scheint auch in der Pop-Szene Personal-Abbau Mode geworden zu sein: Sänger Jim Kerr und Gitarrist Charlie Burchill haben Bassist und Schlagzeuger gefeuert und versuchen ihr Glück nun mit diversen Studiomusikern. Fraglich bleibt bei mehrmaligem Hören, ob das ihrer Musik nach dem vorzüglichen letzen Album »The Real Life« gut getan hat. Zwar gehen die kontrastreichen, manchmal geradezu hektischen Rhythmen noch immer sofort in die Beine, und Jim Kerrs raunende Stimme, die bei jedem Song herauspowert, was sie zu bieten hat, ist ganz unverändert die alte. Auch Burchills groovende Gitarren- und Keyboardarrangements sind gewohnt solide gearbeitet. Dennoch wirkt das alles zusammen recht gleichförmig und - nach mehrmaligem Hören - ziemlich langweilig. Ehemals mitreißender New Wave verplätschert nurmehr harmlos am Strand der Konventionen, wenn auch mit viel Schaum. Aber das scheinen die Fans zu mögen. Die Platte hat überall in Europa Spitzenplätze erobert, nicht zuletzt wegen der eingängigen SIMPLE MINDS typischen Single »She's A River«. Weiterhin hitverdächtig: »Great Leap Forward« und »And The Band Played On«. (pw)

SIMPLY RED
The Colour Red
Flashback
Neben Jazzgrößen bietet das Jazz-Festival Montreux auch denen ein Forum, die im Bereich der Pop- und Rockmusik durch besondere Live-Qualitäten überzeugen. Zweifellos ein Grund, Mick Hucknall und seine Band SIMPLY RED zu engagieren, die durch besten Soul-Pop überzeugen. Gäbe es nicht Bootleg-Label wie FLASHBACK, so wüßten wir allerdings nur vom "Hören-sagen" von diesem erstklassigen Konzert, das 1986 in Montreux stattfand und hier in Form einer Doppel-CD namens "The Colour Red" (94:22) vorliegt. Wirklich gute Qualität! (om)

SLINT: Eponymus (EFA)
Instrumental-EP der Band, die sowohl Nirvana als auch den Rest der Schrammel- und Grunge-Fraktion bedeutend beeinflußt hat: nettes, ruhiges Teil mit Deprotouch. ****

SLOT: Slot (copycat)
CD-Debüt der Göttinger: routinierter und gefälliger Pop-Rock mit Hip-Hop- und Jazz-Einsprengseln. Nette Produktion mit bildschönen Gitarren- und Sax-Parts.  Wermutstropfen: Schwächen im Drum-Sound und -Groove, wenig mitreißender Gesang!

SMASHING PUMPKINS
Mellon Collie And The Infinite Sadness
Virgin
Ein Doppelalbum mit über zwei Stunden guter Musik? Das allein wäre schon beachtenswert. Aber der Nachfolger des »Siamese Dream« stellt ohne Zweifel den Höhepunkt im kreativen Schaffen des Billy Corgan und seiner Kollegen dar. Der Despot mit der schweren Kindheit hat fast im Alleingang 28 Stücke produziert, die vor allem im ersten Teil »Dawn To Dusk« vom eigentümlichen Gegensatz seiner Stimme zu den harten Gitarrenriffs leben. Er singt, als stünde er unter Psychopharmaka, die aber seine Wutausbrüche nicht immer unterdrücken können. (»Despite of my rage I am still just a rat in a cage«). Die erste Scheibe »Dawn To Dusk« macht da weiter, wo »Siamese Dream« aufgehört hat. Die zweite Scheibe »Twilight To Starlight« ist insgesamt ein wenig ruhiger und überrascht mit sonst so verpönten Instrumenten wie Samplern oder Drum-Computern. Man darf gespannt sein, wie die PUMPKINS dieses umfassende Monumentalwerk noch übertreffen wollen.

SOPHIE B. HAWKINS
Whaler
Sony Music
"Whaler" bedeutet Walfänger. Offenbar soll mit vorliegendem Album der ganz dicke Fisch, sprich kommerzieller Erfolg, an Land gezogen werden. Das Ergebnis: Die insgesamt recht fade Klangsuppe schmeckt im wesentlichen nach einem dünnen Aufguß von Madonna, gewürzt mit einer Prise Nena (!), Carly Simon, Sade, Edith Piaf und Josephine Baker. Alles große Namen, zugegeben. Aber herausgekommen sind billige Kopien, die sich vielleicht in der deutschen Schlagerbranche ganz gut ausnehmen würden. Selbst die glatten Arrangements ihres Produzenten Stephen Lipson können nicht über die oft bis zur Peinlichkeit abgenutzten Texte ("only love can set us free/only love can bring us peace"), die selbst bei den Reimen kein Klischee scheuen (worry/hurry), hinwegtäuschen. Lipsons blutleere, wenn auch munter hüpfenden Synthiepop-Sounds decken die wenigen passablen Kompositionen eher zu und sind nur dort ein Gewinn, wo sie sich selbst zu ironisieren vermögen, z.B. in »Let Me Love You Up«, dem wahrscheinlich ersten Song, der einen Reggae mit Hilfe eines französischen Akkordeons zu parodieren versucht. Ansonsten können aber Lipsons Künste kaum die kompositorischen Brüche kitten, die durch Sophie B. Hawkins Ehrgeiz zu imitieren entstehen. Sie hätte  besser an einem eigenen Stil gearbeitet. Vielleicht gelingt ihr dies mit den nächsten Alben. Für alle, die nach ihrem vielversprechenden Debüt-Album »Tongues and Tails« und »Damn I Wish I Was Your Lover« etwas Vergleichbares erwarteten, muß diese CD eine böse Enttäuschung bleiben. (pw)

SOUNDTRACK
Dead Man Walking
Sony
Einer der herausragendsten Filme dieses Jahres lief im April mit »Dead Man Walking« in unseren Kinos an. Der Ausnahmeregisseur Tim Robbins zeigt einen bedrückenden Film über den letzten Gang eines zum Tode verurteilten Mörders zum elektrischen Stuhl. Wie die schauspielerischen Leistungen von Sean Penn und Susan Sarandon zeugt auch der Soundtrack von oberster Qualität. Liedermacher (im weitesten Sinne) wie SPRINGSTEEN, TOM WAITS, JOHNNY CASH, PATTI SMITH, SUZANNE VEGA oder EDDIE VEDDER ließen sich von dem Film inspirieren und steuerten dem Streifen bisher unveröffentliche Songs bei. Das Ergebnis ist beachtlich: Die Songs bringen die beklemmende Stimmung des Films auf den Punkt. PEARL JAMs Eddie Vedder treibt den Zyklus seiner  Klagelieder im Duett mit dem arabischen Musiker NUSRAT FATEH ALI KHAN gar auf die Spitze. Ein dickes Lob geht an LYLE LOVETT und TOM WAITS - einfach klasse Arbeit! (hs)

SPIN DOCTORS
Turn It Upside Down
Sony Music
War ihr erstes Album »A Pocket Full Of Kryptonite« von fetzigen Rock'n Roll-Stücken geprägt, so haben sich die New Yorker "Wirbel-Ärzte" diesmal schwerpunktmäßig auf Funk verlegt. Die swingende Single-Auskopplung »Cleopatra's Cat« ist da eher ein untypischer Track. Zudem wird sie - trotz unverkennbarer Anklänge an GOLDEN EARRINGS Megahit »Radar Love« - in Europa wohl kein Chartrenner werden, ist doch der vertrackte Wortwitz für den Durchschnittshörer kaum zugänglich. Dennoch: Was die Einzigartigkeit der chaotischen Pop-Philosophen ausmacht, die auf jeder Fete ein Muß geworden sind, sind ja auch nicht die Texte, sondern die zündenden Gitarrenriffs von Eric Schenkmann, der hibbelige Gesang von Sänger Chris Barron und die variantenreichen, treibenden Rhythmen von Schlagzeuger Aaron Comess. Die gibt's auf diesem Album zwar wieder reichlich; überraschend sind für mich aber besonders die letzten eher ruhigen 7 Stücke, in denen bei mir wehmütig-liebe Erinnerungen an den Westcoastrock der 70er (z.B. GREATFUL DEAD, JEFFERSON AIRPLANE, BYRDS u.ä.) wach werden. Hier zeigt sich ein gewichtiger Unterschied zum Debüt-Album, den man beim Kauf berücksichtigen sollte: Die SPIN DOCTORS dürfen noch immer als die erfrischend geistreichen Anarchisten der Pop-Szene gelten, aber nicht nur an der Covergestaltung, sondern auch musikalisch läßt sich ein Trend zu weniger Spontaneität und mehr Übersichlichkeit erkennen, eine - wie ich finde - positive Entwicklung, die das Album zwar nicht für die oberen Regionen der Charts, um so mehr aber als echten Klassiker für jeden Plattenschrank qualifiziert. (pw)

SPUNK:
Zwischen Gefühl und Verstand
Miracle-Records
SPUNK machen deutlich, warum soviele deutsche Gruppen vor deutschen Texten zurückschrecken: Es ist nun mal ein Vabanque-Spiel, bei dem man leicht abstürzen kann. Die mutigen 5 Knaben aus dem Ruhrgebiet stehen irgendwo zwischen Puhdys, Pur und Purple Schulz. Ihre erste CD enthält 4 recht lange Stücke, in denen die besinnlichen und zärtlichen Töne dominieren. Das Ganze wurde in den FRANZ-K.-Studios sauber produziert und streift manchmal leider die Bereiche Schlager und Stilblüte. Trotzdem, ein Anspiel-Tip: Der Rausschmeißer "Vorbei" beeindruckt durch seine rauhe Intensität! (lj)

STATION 17
Genau So
EFA
Schon vor zwei Jahren verschaffte uns Kai Boysen mit der ersten STATION-17-LP einen Einblick in den musikalischen Gefühlsreichtum und die Kreativität der Patienten der 17. Station. Mittlerweile ist die Gruppe der Mitwirkenden auf 50 Personen angewachsen, die vorliegende CD zeigt Auschnitte aus dem Schaffen dieses nicht als "Musiktherapie" verstandenen Projektes. Diese Auschnitte sind schlichtweg faszinierend, zeigen unglaubliche Gefühlswärme. Die teilweise spährischen, teilweise polyrythmisch groovenden Stücke, zeugen von einem völlig anderem Zeit und Harmonieverständnis. Die Musik ist avantgardistisch im guten Sinne des Wortes - sie klingt zwar ungewöhnlich, ist aber trotzdem gut zugänglich. Und wenn die Mitglieder der Station mit einfachen aber fesselnden Worten ihr Leben beschreiben, dann ist das schlichtweg bezaubernd! "Genau So" blockiert meinen CD-Player seit Wochen, sie ist mit Abstand die schönste CD der letzten Zeit. Also: Kaufen und nebenbei ein hervorragendes Projekt unterstüzen! (ce)
 

STEIN
Steinzeit
Rough Trade
Stein, das ist ein Projekt von FM Einheit ( Einstürzende Neubauten) , Katharina Franck  (Rainbirds) und Ulrike Haage. Theatermusik war das Anliegen der vier, was dabei herauskam, liegt nun auf CD vor. Samples aller möglichen Geräusche, Pianoklänge, das Zertrümmern von Steinen und der herzzerreißende Gesang Katharina Francks. Das alles fügt sich zu Soundtracks für Stücke von Brecht bis Jelinek. Hochintellektueller Stoff also. Trotz aller Bedenken: Die Musik funktioniert auch ohne direkten Bezug zum Theater. Beim Hören kam mir mehr als einmal der Wunsch, bei der Aufführung der Stücke dabeigewesen zu sein. Ein gelungenes Projekt also, vor dessen künstlerischem Anspruch man nicht zurückschrecken sollte.

STEIN
Königzucker
RTD
Schon zweimal beglückten mich Katharina Francke (ja die wunderbare Rainbirds-Sängerin, deren "Blueprint" noch in den Ohren klingt), Ulrike Haage, ihres Zeichens Jazzpianistin (und mehr!), und FM Einheit, die Schlagwerkkoryphäe der Einstürzenden Neubauten, mit CDs, die unter dem gemeinsamen Namen "STEIN" erschienen. STEIN, das war und ist Theatermusik, allerdings keine seichte, notwendige Untermalung des auf der Bühne Dargebotenen, sondern ein Kaleidoskop an Musik und Stimmungen, das auch ohne die Bühne funktioniert. Mit "Königzucker" liegt das erste reinrassige Studioalbum von STEIN vor. Wieder einmal ein anregungsreicher und bedeutungsschwangerer Trip, durch die unbeackerten Weiten des Industrial-Chansons. Dessen Wege sind von Büchner, Brecht und Weill gesäumt, treffen auch mal auf Polanski, und an deren Horizont lauern immer tragisch-skurille Schatten. Eine Art multimorbide Dreigroschenoper, instrumentiert mit Piano, Schlagwerk Gesang und Zuckerguß, überhaupt spielt der Zucker allenthalben eine Rolle, ohne daß allerdings klar wird, warum. »Königzucker« ist nicht ganz so dicht wie der Vorgänger »Steinzeit«, »Königzucker« ist eine Platte zum hören und denken, zum lauschen und rätseln, eine Platte mit garantiert hoher Halbwertszeit. (ce)

DÍVERSE
Step To Another World Music
RecRec
Zum fünfzehnten Geburtstag veröffentlicht RecRec einen Sampler, der das breit gefächerte Programm des Labels zeigt. Skurriles in skurriler Zusammenstellung erwartet den Hörer, neben Fred Frith, Bill Laswell (mit MASSACRA) und anderen Koryphäen der postmoderen Musik findet man hier Bands wie CAMBERWELL NOW, die jeden Liebhaber lieblichen Schrammelpops faszinieren dürften, oder THE EX, eine Punk-Band, die mit dem Cellisten Tom Cora zusammenarbeitet. Dazwischen trifft man auf musicalähnliche Beiträge, auf spacige Electronic Trips, auf Weltmusik, die im Niemandsland zwischen den Grenzen der Genres entsteht. Aus den 27 Titeln wird man früher oder später seine Favoriten ermittelt haben und trotzdem immer wieder auf Interessantes stoßen. »Step To Another...« ist nicht nur als Einstiegsdroge in die Welt der anderen Weltmusik zu empfehlen, auch gestandene Polystilisten können hier noch was entdecken, zumal das Ganze zum Preis einer Maxi-CD zu haben ist.  (ce)

STEREO COCKTAIL
Plattenmeister
Daß Norddeutsche einen merkwürdigen Humor haben, das bekomme ich hier in Bremen täglich zu spüren. Gott (oderwemauchimmer) sei Dank, können sie dabei auch noch über sich selber lachen, was zuweilen merkwürdige Resultate zeitigt. In Tonträgerform ist das letztes Jahr nicht nur im Norden, sondern in der ganzen Republik bekannt geworden. FISCHMOB aus Hamburg bzw. Kiel besorgten verdrehte Beine mit fettem Hip Hop. Das Hirn, Zwerchfell und Gesichtsmuskulatur verdrehten sich ob der Texte. Ähnliche Folgen produzierten FLUGSCHÄDEL, irgendwie auch assoziiert mit der ganzen Fischmob-Blase. Allerdings gab's hier volles Gitarrenbrett dazu. Tja, und dann ist da noch ADOLF NOISE mit »Wunden,s. Beine offen«, deren Chill-Out-Ambient-"Ich plündere das kulturelle Kitschbewußtsein meiner Kindheit"-Abfahrscheibe auch nicht zu vergessen ist (genial, unbedingt reinhören). Was das alles mit STEREO COCKTAIL zu tun hat? STEREO COCKTAIL ist eine Easy Listening Compilation, zusammengestellt durch den Projörktor, ein Flugschädel-Mitglied. Hier gibt's 70 Minuten die Musik, die vor 30 Jahren im Kaufhaus lief, die keinem wehtut, dahereiert und einfacht nichts sagt - genau deswegen hört man sie dann, weil man keinem weh tut, dahereiert und einfach nichts mehr zu sagen hat. In diesem Sinne "Tööro"! (ce)

STEVE LUKATHER: Candyman (SONY)
Zweite Solo-Schleife des besten Studio-Gitarristen der Welt. Außer Rock gibt's hier alles, wofür bei Steves Stammformation TOTO kein Platz ist: Blues, Jazz und Obskuritäten. Überragend, natürlich.

STEVE MARTLAND
Patrol
Catalyst/BMG
Der englische Komponist STEVE MARTLAND wandelt auf den Spuren der Minimal Music Stars PHIL GLASS, STEVE REICH und TERRY RILEY. Auf »Patrol« versammelt er seine Erfolgswerke aus den letzten Jahren: Die streng vom Rhythmus dominierten Stücke »Danceworks« und »Principia« wurden mit seiner eigenen Band eingespielt, die vor allem von Saxophonen, Blechbläsern und Pianoklängen bestimmt wird. Wobei »Principia« seinen besonderen Reiz dadurch gewinnt, daß ein typisches Rock-Drumset den konsequenten Aufbau minimalistischer Strukturen mitvollzieht. Bei aller bewundernswerter rhythmischer Stringens und punktgenauer Musizierweise hätte ein wenig Mut zur Improvisation oder zur fantasievollen Ausschweifung den Stücken mehr Leben eingehaucht. Anders als bei STEVE REICH hört man hier vor allem die Kompositionsweise und weniger die Musik: hörbare Mathematik, deren Rhythmik einen aber trotzdem packt. Im Kontrast dazu steht das meditative Streichquartett »Patrol«, das hier vom SMITH QUARTET eingespielt wurde: Das Werk, das mal archaisch und mal hypermodern klingt, lädt ein zu Sphärentrips und quälerischer Selbstbespiegelung. (lj)

STEVE VAI
Sex & Religion
Relativity
Steve Vai - früher wurde mir warm um's Herz, wenn ich diesen Namen hörte, selig die Zeiten um 84/85, VAI hatte gerade Zappa verlassen und avancierte durch erste eigene Produktionen zum Geheimtip. Höhepunkt war das Bootleg »An Evening Of Indulgent Guitar Music«. Mit unnachahmlicher Spielfreude und viel Humor drang VAI in die Tiefen von Musik und Stimmung vor, am Ende stand eine Version "Star Sprangeld Banner", wie man sie seit Hendrix nicht mehr gehört hatte. Doch seit Zeiten mit Whitesnake und Alice Cooper steht VAI mit beiden Füßen fest auf der Basis des Mainstream, hat 'nen wirren Kopf und flinke Finger. Aus Mainstream-Perspektive avantgardistisch, aber mehr auch nicht. Außerdem hat STEVE wohl den Image-Berater gewechselt. Jetzt trägt man Piercings und Texte über Peace, Love and Happiness müssen Platz machen für Schmerz und Pein. Passende Staffage dazu ist ein von einer "Industrialband" ausgeliehener Sänger. Bleibt zu hoffen, daß STEVE sein Talent bald wieder für mehr verwendet. (ce)

STILTSKIN
The Mind's Eye
Virgin
Wozu doch ein Werbespot gut sein kann... Dank Levi's Promotion-Gag stürmte die völlig unbekannte nordenglische Gruppe STILTSKIN bereits im Mai dieses Jahres mit ihrer Single »Inside« die Spitze der britischen Charts. Melancholische Melodiefetzen wechseln mit explosionsartigen Rockausbrüchen, daß die Wände wackeln. Stimmig das Ganze, und eingängig wie SIMPLE MINDS, NIRVANA oder U2, die bei dieser Band offenbar Pate gestanden haben. Gitarrist Peter Lawler hat neben dem Hit noch weitere knallhart zündende Riffs zu bieten, eingebettet in Ray Wilsons raunend-beschwörendenden Gesang, der an Intensität dem Jim Morrisons kaum nachsteht. Allerdings wiederholt sich dieses Muster gnadenlos - und nicht nur in den ersten drei Songs. Daneben gibt's noch zwei angefolkte Songs und beinahe 4 Minuten langes nichtssagendes Synthesizer-Geplätscher. Ein bißchen mehr hätte man von einem derart hochpromoteten Debütalbum, das gerade mal 40 Minuten umfaßt, schon erwarten können. (pw)

STONE TEMPLE PILOTS
Purple
EMI Virgin
Die neue LP der STONE TEMPLE PILOTS spiegelt eindrucksvoll die momentane Entwicklung moderner Rockmusik auf Grunge-Spuren wieder. »Purple« hört sich durchweg angenehm an und wird der Band wahrscheinlich viele neue Fans bescheren. Eine ausgefallene Stimme, gute Melodien, ein paar extravagante Schlagzeugrhythmen - und schon hat man eine verkaufsfähige Produktion: eine gelungene Mischung aus gefühlvollen Songs und peppigen Stücken, die mit einer gut verzerrten Gitarre gespielt werden! Eine Überraschung der besonderen Art haben sich die PILOTS noch mit dem letzten Song einfallen lassen. Viel Spaß! (ar)

STONEHANGE
Death Is The Crown Of All
(SPV)
STONEHANGE dürfte einige von euch besonders Intressieren, klingen sie doch wie eine bösartige Mischung aus BLACK SABBATH und MINISTRY. Sehr dunkeler, sehr böser, schleppender Doom trifft auf treibende Technodrums ala Ministry. Jedoch kommt hier kein Drumcomputer zun Einsatz, sondern ein echter Drummer, was das ganze etwas lebendiger macht. Die Songs, deren Riffs teilweise echte Ohrwürmer sind,glänzen durch fiese Breaks und gleiten immer wieder in schwebende Gefilde ab. Diese spärischen Parts finden jedoch häufig ihr jähes Ende durch die unvermittelt einsetzenden Drums. Auch gesanglich hat man einige Perversionen zu bieten, die Texte sind komplett zensiert und mit tiefer Gänsehautstimme vorgetragen. Hervorzuheben ist Andy Claasens kristallklare Produktion. Eine echte Abfahrplatte, nichts für schwache Gemüter.  bitte in 3-93 abdrucken ce
 
 
 
 
 
 
 

STONEHANGE dürfte einige von euch besonders Intressieren, klingen sie doch wie eine bösartige Mischung aus BLACK SABBATH und MINISTRY. Sehr dunkeler, sehr böser, schleppender Doom trifft auf treibende Technodrums ala Ministry. Jedoch kommt hier kein Drumcomputer zun Einsatz, sondern ein echter Drummer, was das ganze etwas lebendiger macht. Die Songs, deren Riffs teilweise echte Ohrwürmer sind,glänzen durch fiese Breaks und gleiten immer wieder in schwebende Gefilde ab. Diese spärischen Parts finden jedoch häufig ihr jähes Ende durch die unvermittelt einsetzenden Drums. Auch gesanglich hat man einige Perversionen zu bieten, die Texte sind komplett zensiert und mit tiefer Gänsehautstimme vorgetragen. Hervorzuheben ist Andy Claasens kristallklare Produktion. Eine echte Abfahrplatte, nichts für schwache Gemüter.  (ce)

SUBWAY TO SALLY
MCMXCV
EFA
"Der Schädel knirschend spaltet sich, zwei Hälften Hirn für Dich und mich. Kein Galgen auf der weiten Welt ernährt uns wie das weite Feld." Was klingt wie ein Auszug aus den Kinderbüchern Freddy Krügers, stammt von einer der wohl ungewöhnlichsten und vielseitigsten neuen deutschen Bands. Und so auch die CD. Textlich schwankt das Ganze von deftig bis lyrisch, vertont wurde das Werk mit Dudelsäcken, Schalmeien, Violinen und Mandolinen. Aber keine Angst, auch Bass, Drums und Co. kommen zum Zuge. Einordnen läßt sich »MCMXCV« allerdings nicht, am ehesten ist die Scheibe wohl als mittelalterlicher Psycho-Folkrock zu bezeichnen. Auf jeden Fall 12 Stücke, die musikalisch absolut frisch und interessant klingen und deren Texte zeigen, daß die deutsche Sprache nicht mit dem Schlager unterging. Noch 'ne Kostprobe: "Hat Dein Mann kein' Zahn im Maul, und schielt auf fremde Brüste, tu ihm was in den Kaffee und fort sind die Gelüste." (mgs)

Suicidal Tendencies "Art Of Rebellion"
Midtempo-Songs und Balladen, noch einen Schritt weg vom Hardcore zum Trash.
Langweilig!

SUN
XXXX
Gun/BMG
German Grungerock? Mit deutschen Texten hat es uns SELIG doch überraschender und dabei noch guter Weise gezeigt, daß auch dies möglich ist. Im englischen Sprachgewand tritt SUN heran. Doch so ganz alternativ grungig klingen sie nicht immer. Heftige Gitarren lassen beim Opener schon an die etwas seichtere Form PANTERAS denken. Die markante Stimme von Jörg Schröder, die teilweise nörgelnd, meist aber kräftig, bissig durch die Boxen dröhnt, steht immer einen Tick über den dominanten Gitarren. Sein Organ liegt irgendwo zwischen dem STONE TEMPLE PILOT Chris Weilands Stimmbändern und deren von SOUNDGARDENS Chris Cornell. Dort fühlen sich SUN auch musikalisch gar nicht falsch, ist die überaus gute Ballade »Discharge« doch sehr von den Pilots beeinflußt. Beim letzten stark angehauchten Psychedelic Stück »Family Affairs« standen denn die Überväter von LED ZEPPELIN Pate. Doch die findet man ja auch in unzähligen Amibands als Vorbild. Eine deutsche Band, die mit diesem Album durchaus auch international gemessen werden kann. (hs)

Vega
SUZANNE VEGA
99,9 F
(A & M) Zum vierten Mal kommt ein Album der unterkühlt-weichen Folk-Sängerin auf den Markt. Die Tatsache, daß ihr bislang größter Hit - »Tom's Diner« - erst im raffiniert aufbereiteten Dance-Mix zur Nr. 1 wurde, hat ihr offensichtlich zu Denken gegeben. Zwar ist auch 99,9 F ein eigenwilliges Album mit nachdenklichen Balladen und intensiv-lebensfrohen Songs voller Hintergründigkeit. Doch spielt die rhythmische Komponente eine weit größere Rolle als bei früheren Platten - wenn der Groove sich mit Tiefgang mischt, dann bleibt wenig zu wünschen übrig! Dreizehn neue Songs, die den Fankreis der Amerikanerin weiter vergrößern werden. (lj)

SWIMMING THE NILE
Into Temptation
WEA
Was kann Pop-Musik auch schön sein! Neben schnulzigem, tristen Pop bietet diese Band eine willkommene Abwechslung. Sie war bereits 1991 Vorgruppe von den "Furies". Bereits da zeigten sie ihre Stärke und Können. Jetzt erschien ihr zweites Album, das noch ausgefeilter klingt. Ihr Bekanntheitsgrad nimmt langsam durch kleinere Konzerte, Auftritte in "Elf 99" und Open-Air-Festivals zu. Bleibt zu hoffen, daß sie weiter an sich arbeiten und nicht in den Alltagspop abgleiten. (mk)

SWOONS
Klein und faul
Langstrumpf
Willkommen im Land der Hobby-Punks und Schoko-Vampire: Die SWOONS holen uns ab zu einer verspielten Reise unter dem Motto »Klein und faul«. 16 Songs lang, von klitzekleinen High Lights wie »Tom tonk blues« (War Cotton Eye Joe ein Punker?) und »French Dressing« (ah oui) bis hin zum ausgedehntem Concept-Punk der Abschlußhymne »Moonlight« (klingen da tatsächlich Geigen?). Punktgenaues Gedresche und Gedröhne mit mal süßlichem, mal arg angeschrägten Girliegesäusel: so naiv, hart und herzlich mag man die Wolfhager Pracht-Combo. Zumal kleine ironische Brüche und nette Soundwechsel die Arrangements würzen! SWOONS hören, das ist wie saure Drops lutschen, die Beine baumeln lassen und auf den Sommer warten. Kein Wunder, daß die Pflicht-Cover-Version Rudi Carells "Wann wird's mal wieder richtig Sommer" gewidmet ist: Da stimmen in diesen naßkalten Zeiten alle gern mit ein! Bei den SWOONS scheint aber eine bonbonrosa Sonne ohnehin das ganze Jahr und schenkt uns Wärme und Spaß. Ach, könnte eine derart ausgelassene, quirlig wilde Jugendzeit doch ewig dauern - also los: Freie Limonade für die Rock'n-Roll-Kids! (lj)

TAKARA: Eternal Faith (Long Island)
Mit seinem neuen Projekt erreicht Meistersänger Jeff Scott Soto nicht ganz den sonst von ihm gewohnten Standard. Trotzdem eine starke Scheibe mit einigen AOR-Juwelen. Anspieltip: »Restless Heart«.

TALISMAN:
Genesis
(Biem)
Die schwedische Gruppe TALISMAN stellt sich mit "Genesis" vor -  doch trotz vieldeutig künstlerisch gestalteten Covers und Triobesetzung haben die Drei mit der Musik der britischen Supergroup gar nichts im Sinn. Ihre Wurzeln liegen vielmehr im kompromißlosen Hardrock vom Kaliber Deep Purple (Marke "Burn") und Whitesnake. Keyboards gesellen sich allerdings nur ausnahmsweise hinzu, dafür dröhnen die Marshalls umso lauter, und der Solo- und Satzgesang fetzt nach allen Regeln der Kunst. Gute Arbeit, zweifellos; nur fehlt der Band das Einzigartige, das sie aus der Masse heraushebt. Und: Ich bin ja auch ein großer Freund von Zerrgitarren - aber daß sie manchmal soweit im Vordergrund stehen, daß Schlagzeug und Gesang kaum noch zu hören sind, muß ja nun auch nicht sein! Man freut sich jedenfalls, wenn das erste Mal ein Klavier zur obligatorischen Ballade ansetzt und die E-Gitarre kurz Pause macht. (lj)

TALISMAN: Humanimal (Polydor)
Mit neuen Einflüssen vermischter Melodic Rock, garniert mit tollen Hooklines und sattem Klang. Ein Kulleraugenmacher. Haben!

TATTOO RODEO
Skin
Mausoleum/MMS
Hinter einem Cover, das nach nichts aussieht, hart an der Grenze zur Häßlichkeit, verbirgt sich ein heimliches Highlight der Saison. Logo, Sir Arthur Payson, der einzige mir bekannte adlige Produzent und ebenso vielseitig wie qualitätsbewußt, verschwendet seine Zeit nicht mit Dilettanten. TATTOO RODEO weisen Parallelen zu THUNDER auf, vor allem Sänger Dennis Churchill-Dries erinnert an einen gut aufgelegten Danny Bowes. Doch während die Briten stadionkompatibel sind, kann ich mir TR eher in einem verrauchten Club vorstellen. »Too Daze Gone« markiert einen gelungenen Einstieg, ist jedoch gemessen an dem, was noch kommen soll, nur ein (freilich äußerst schmackhafter) Appetizer. »Feels Like Love« steht ganz in der Tradition von LED ZEPPELIN - ergreifend! Im Gegensatz zu 99,9% aller Bands sind die RODEOS jedoch am besten, wenn sie Eigenständigkeit beweisen. Bei »Chamber Of Mary's Gun«, »Charity«, »Sure Enough« und »Waiting For You« zerplatzen dicke Bluesperlen, in denen sich alle Farben des Regenbogens in gleißendem Licht spiegeln, um im nächsten Augenblick noch größer, noch schillernder wieder aufzutauchen. Letztgenannter Titel wäre bei einer bekannteren Kapelle ein Mörderhit, Soul in seiner ganzen Intensität. Wie schleichendes Gift, geil für Kopf und Bauch. An diesem Meisterwerk zeitlos schöner Rockmusik stört nur die dürftige Spielzeit von 39.15 Minuten. Ich will mehr, mehr, mehr!!! (ms)

TENEBRA
Tenebra
D & S
Trashcore, wie TENEBRA ihren Stil nennen, ist nicht unbedingt die Musik, die ich mir 24 Stunden am Tag einfahre. Und, zugegeben, zuerst habe ich das Scheibchen nur deshalb immer wieder aufgelegt, weil es mich freut, in dieser musikalischen Einöde eine Band zu entdecken, die unbeirrt ihr eigenes Ding durchzieht. Natürlich ist das Bielefelder Quartett noch lange nicht perfekt, aber die Ansätze sind äußerst vielversprechend. Vor allem die technischen Fertigkeiten und das routinierte Zusammenspiel stechen heraus. Beim Songwriting hapert es dagegen noch; zuviele der 12 Songs sind nur Durchschnitt. Dazu gibt es, von einzelnen Passagen abgesehen, ununterbrochen auf die Glocke. Recht eintönig, wie die Gruppe mittlerweile selbst erkannt hat, so daß es schwerfällt, die Platte bis zum Ende durchzuhören. Auch der Gesang könnte variabler sein, obwohl es bei dem Tempo schwierig ist, vertrackte Melodien zu singen. Doch zumindest »Hurt«, »Mother's Gate« und »Lost« sollte jeder Freund harter Klänge gehört haben. Angeblich klingen die neuen Sachen wesentlich differenzierter. Sollte mich freuen, denn wenn sich TENEBRA in die »Hurt«-Richtung weiterentwickeln, kann man von den Jungs noch Sonne und Mond erwarten. Sollte diese als erste Visitenkarte sehr beachtliche CD im Laden nicht zu finden sein, sende man DM 25,- (plus P + V) an Heiko Schröer, Neuhäuser Str. 48, 33102 Paderborn. (ms)

TERMINAL POWER COMPANY: Red Skin Eclipse (spv)
Low-budget EBM ohne Faszinationsfaktor.

Hoax
TERRY HOAX
Splinterproof
Metronome
TERRY HOAX, die Dritte! Glaubt man manchen Kritikern, ist die dritte CD einer Band der Scheideweg zwischen Durchbruch oder dem weiteren Dahindümpeln! Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel! Um es gleich vorwegzunehmen: TERRY HOAX hätten mit »Splinterproof« die besten Chancen, in Deutschlands oberste Rockliga aufzusteigen. Die mittlerweile MTV-erprobten Hannoveraner, die mit dem DEPECHE MODE-Cover »Policy Of Truth« oder »Insanity« von ihrer genialen »Freedom Circus«-CD den Sprung in die "Heavy Rotation" schafften, legen mit ihrem neuen, wesentlich weiterentwickelten Album solch geniale Songs vor wie das Independent-angehauchte »Grashopper« (1. Single-Auskopplung), die groovige Halbballade »Living On My Back« oder das überaus powervolle »Pale Soul« (heißester Anwärter zum Liveklassiker). Eben kein 08/15-Hardrock! Beim ersten Hinhören gibt die Scheibe ihre Qualität noch nicht ganz preis, bei jedem weiteren Mal wächst das Album. Kein Rock für's Stadion, eher für den Club! Das bewiesen die Jungs kürzlich auch mal wieder im Felsenkeller! (hs)

DIE ZWIEBELBAUERN
Mist
08/15
DIE ZWIEBELBAUERN, die sich bereits 1987 zu einer 5-köpfigen (damals) Cover-Band zusammengefunden haben, beweisen mit ihrer Debüt-CD »Mist«, daß die Zeiten, in denen man nur Stücke der Toten Hosen oder Goldenen Zitronen nachspielte, endgültig vorbei sind. Die Formation hat ihren ureigenen Stil gefunden: Wenn der stimmgewaltige Hafensänger Missing zu den herrlich unbeholfenen Versuchen des musikalischen Begleitquartetts das Mikrofon ergreift, kommt zu 100% der Spaß rüber, den die Combo nun schon seit 7 (!) Jahren beim Spielen hat. Ohrwürmer wie »Karussel« oder »Mein Müll« garantieren Partystimmung, ebenso geht »die Pest ab«, wenn die Essener Kultfigur »Thomas Schwab« besungen wird. Klare Worte zu »Skinheads« findet die Band in einer äußerst gelungenen Version von Westernhagens »Dicke«. Ob nun der Inhalt jedoch die Erwartungen der auf der Verpackung mit »Mist« deklarierten Ware erfüllt, bleibt fraglich. (pm)

THE CASSANDRA COMPLEX
Work 1.0
Play It Again Sam Records
Nachdem CASSANDRA COMPLEX seit fast zehn Jahren existiert, wenn auch in verschiedenen Besetzungen, dokumentiert "Work 1.0" - Best-Of-Compilation und zehntes Album - nun den Werdegang der Band mit allen wichtigen Highlights. Vom ersten Album "Grenade" (1986), z.B. vertreten mit "March 86", bis zu "Sex & Death" (1994), von dem u.a. "Mouth Of Heaven" stammt, ist die Band ihrem Stil treu geblieben. Die 15 Songs beweisen aber, daß dabei keine Langeweile aufkommen muß. Rodney Orpheus und seine wechselnde Besatzung variierten ihren Stil immer wieder. Düstere, treibende ElectricBeats, manchmal fast mystisch beschwörend, dazu diese leicht gequält klingende Stimme... Die neueren Stücke zeigen, daß sogar die sogenannte "elektronische Musik" richtig heavy klingen kann. Nichts für Freunde seichter Popmusik also, dafür aber ein echter Leckerbissen für treue Fans! (sh)

THE ALLMANN BROTHERS BAND
Where It All Begins
Epic
Wie? Eine neue Scheibe der ALLMAN BROTHERS? Die gibt's immer noch? Sicher nur eine von diesen Reunions, die die Kassen ehemaliger Helden wieder füllen soll. Doch dann, beim ersten Anhören, springt der Funke sofort wieder über: diese Nonstop-Virtuosität, die geniale Mischung aus tiefschwarzem Blues und weizenblonder Country-Folklore! Mit der von ihnen kreierten Variante der Rockmusik, dem Southern Rock, starteten die Allman Brothers 1969 ihren Siegeszug mit Hits wie »Jessica« und »Ramblin Man« von Jacksonville/Florida aus um die ganze Welt. Nach unglücklichen Todesfällen, Drogen, viel Zank und Streit und nicht immer geglückten Comebacks erscheint pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum das neue Machwerk. Mit Dicky Bett, Gregg Allman, Jaimoe und Butch Trucks sind alle noch lebenden Gründungsmitglieder wieder an Bord. Und sie zeigen alles, was ihren Southern Rock schon früher ausmachte: jede Menge Slide- und Rhythmusguitars, Hammond B3 Organ und drei (!) Drums, die einen dermaßen komplexen Rhythmusteppich erzeugen, daß alle Gedanken an die Geld-Reunion sofort wieder verblassen! Herausragend sind »Change My Way Of Living« mit herrlichen Slideguitars,  »Soulshine«, gesungen von Gregg Allman, und der Dauerbrenner auf AFN »No Where To Run With«. Neueinsteiger dieser Band sind wohl mit dem genialen »Live At Filmore East« von '71 etwas besser bedient, zählt diese LP doch noch heute zu den besten Live-Alben aller Zeiten. Junge Bluesrock-Bands wie BAREFOOT SERVANTS, CRY OF LOVE oder PRIDE & GLORY, die sich alle am Southern der Allmans orientieren, zeigen doch auch, daß diese Musikrichtung wieder stark im Kommen ist! Und da kommt das Album der Väter ja zur richtigen Zeit! (aw)
 
 

THE AUTOMANIC
The Automanic
Bellaphon
Nachdem die Frankfurter Hard-Rocker THE AUTOMANIC 1993 den Bundes-Rockwettbewerb gewannen und schon bei der Vorausscheidung im AKKU Immenhausen durch ungeheure Bühnenpräsenz beeindruckten, liegt jetzt die erste CD der Gruppe um den Wirbelwind Niedereichholz vor. Der stets korrekt mit Anzug und Schlips gekleidete Lead-Vocalist verfügt über eine Rock-Röhre allererster Güte. Bass, Drum und Gitarre legen unter die erlittenen Gesänge ein massives Powerfundament, bis die Songs in geradezu hymnischen Refrains zu sich selbst finden. Wüste Breaks und überraschende Wendungen geben dem Ganzen eine ganz eigene Qualität. Leid, aber auch Lust des Großstadtlebens werden von THE AUTOMANIC hektisch und aggressiv auf den Punkt gebracht. Und das ganz ohne modisches Grunge-Geröhre! Die rohe Urgewalt der Musik und die direkte Produktion kann sich aber durchaus mit Seattle-Qualitäten messen. Eine ungeschliffene Perle von wilder Schönheit! (lj)
 
 

THE BACKBEAT BAND:
Backbeat (Original Soundtrack)
Virgin
Nun ist er da, der etwas andere BEATLES-Film, ganz aus der Sicht des unbekannten fünften Beatles Stuart Sutciffle. Die Songs hingegen sind nicht unbekannt, aber »irgendwie anders«. Zum Glück griff man nicht zu den alten Beatlesschinken, sondern schickte einige junge Grunger ins Studio, um ein explosives Rockalbum einzuspielen. Außer den altbekannten BEATLES-Faves finden sich auch andere Rockklassiker auf dem Album wieder. THE BACKBEAT-BAND, so der Projektname, ziert so bekannte Namen wie: Dave Pirner (SOUL ASYLUM), Mike Mills (R.E.M.) oder Dave Grohl (NIRVANA). Der Soundtrack fiel um einiges rockiger (»dreckiger«) aus als die Tralala-Songs der vergangenen BEATLES-Tage, was wahrscheinlich daran liegt, daß die Studiosongs komplett live eingespielt wurden. Gerade um das Aufbruchsfeeling der vergangenen Tage einzufangen, wurden die jungen Wilden der Grungeszene wohl engagiert. Live haben sie auch schon ganz groß abgeräumt, wie man bei den MTV Movie Awards 94 sehen konnte. Insgesamt ein Album, das jede Party retten dürfte. (hs)

THE BATES
The Bates
Virgin Records
Na bitte. Die Bates zeigen mit ihrem Debüt bei Virgin, daß einheimische Bands durchaus noch lukrative Deals an Land ziehen können und wie man obendrein ein Album macht, das man vorn bis hinten durchhören kann, ohne irgendwelche vermeintlich schlechten Songs zu überspringen; es gibt nämlich keine. Packend, mitreißend, wunderbar abgefahren und angenehm kurzweilig! Als wären alle Stücke an einem Tag eingespielt worden, eben wie aus einem Guß. Die Jungs pflegen ihren gewohnt poppig-punkigen Stil und bleiben durch ruhige, manchmal fast melancholische Einschübe erfrischend abwechslungsreich; Herz, was willst Du mehr? 12 Songs, darunter Coverversionen von Morricone, dem Mundorgel-Kanon "Heo, spann den Wagen an" und "Hello" von Shakespeare's Sister. Letzteres in einer mitreißenden Mitgröhl-Version, die inzwischen als Singele ausgekoppelt wurde. Auch die Eigenkompositionen lassen keine Wünsche offen (Anspiel-Tips: "Off", "Bubblegum Trash", "No Place to go"). Weiter so! (mgs)

THE BLACK CROWES
Amorica
American Rec.
Sie laufen nicht nur so rum wie in den Siebzigern, sie zelebrieren auch den Sound dieser Ära vom Feinsten. Die BLACK CROWES legen mit ihrem dritten Werk ein gnadenlos gutes Rockalbum vor. Bedient wird sich fleißig bei den alten Vorbildern, aber nichts klingt so, daß man sagen müßte: »Schon tausendmal gehört!«. Die schwarzen Krähen verstehen es perfekt, alle Einflüsse in ihre Musik aufzunehmen und es so verschmelzen zu lassen, daß man glauben möchte, die Jungs veröffentlichen hier ihr 20. Album! Zu den beiden Vorgängern ist »Amorica« um einiges ruhiger, nur wenige Rocker, wie die 1. Single »A Conspiracy« sind zu finden. Einige Midtempo Stücke und Balladen halten hier die Oberhand. Klingt die CD beim ersten Mal noch sehr kantig, wächst sie bei mehrmaligem Hören in einen regelrechten Rock'n-Roll Genuß. Diese CD hat mehr Groove als sich manch alte Herren der Rockliga bei sich selbst wünschen würden! Wer übrigens die CROWES noch nicht live erlebt hat, sollte sie im Januar auf ihrer Deutschland Tour auf keinen Fall verpassen. (hs)

THE CHARLATANS
Between 10th And 11th
spv
"The Only One I Know" war noch ein erfrischender Start in ungewohnte Gewässer - SPOT kürte das Stück zur "Single des Jahres 90" -, und ihre Debüt-LP "Some Friendly" stürmte die britischen LP-Charts im Nu. Ungewöhnlich genug für eine Band aus dem Indie-Sektor! Wohl, weil die CHARLATANS als Trendsetter der Rave-Welle galten und einen großen Schritt zur Neuaneignung der Sixties-Traditionen wagten. Leider ruht sich die Band aus Manchester auf diesen Lorbeeren aus - die Single "Weirdo" ist noch das überzeugendste aus dem 2. Album. Ein paar nett-schmutzige Hammond-Orgelsounds, ansonsten Wiederholungen zuhauf, der Kahn hat sich schon festgefahren im Sumpf abgestandener Beat-Revival-Klischees. Ausschau halten nach neuen Ufern! Marilyn L.

THE CONNELLS
Ring
TVT Records/Intercord
Hätten Simon and Garfunkel ehedem zur E-Gitarre gegriffen und in einer lauen Sommernacht eine Session mit einer dieser Indie-Gitarren-Bands von der britischen Insel gespielt, dann wären die CONNELS wahrscheinlich schon einige Jahre früher aus der Taufe gehoben worden. Weil aber trotz Toyota-Werbung nicht alles unmöglich ist, mußten die US-Musiker ihr Schicksal schon selbst in die Hand nehmen. Und das hat ganz offensichtlich funktioniert. Ihr Debüt-Album »Ring« liegt seit Wochen in den Läden, die Single-Auskopplung »74-75« katapultierte sie im Nu in die MTV-Charts. Zweifelsohne ist die Ballade eines der besten Stücke auf dem Longplayer, sie zeigt aber beileibe nicht alles, was die Band zu bieten hat. Treibende Gitarren wechseln sich ab mit bestem "Unplugged"-Sound, dazu ein Schuß Folk-Rock und allem voran die markante Stimme von Sänger MIKE CONNEL - melodiöse Musik für den Sonnenschein, egal ob zu zweit oder allein. Für Freunde guten Rocks der etwas langsameren Gangart allemal empfehlenswert. Und man darf seinen Hut
darauf verwetten, daß »Slackjawed« als nächstes ausgekoppelt wird. Weitere Anspieltips: »Burden«, »Logan Street«, »Any Day Now« - kontrastreicher geht's kaum noch. (tl)

THE CONVENT
Tales From The Frozen Forest
strange ways/indigo
Bitte, Freunde der Sisters, Héroes, Armys und wie sie alle heißen, hier kommt Independent für's Volk, die Band für Euch! Sensible Songs voll spannender Kraft, mit fesselnder Intensität und in leidenschaftlicher Atmosphäre versprühen süße Sagen, lockeres Grinsen und Vertrauen in die Dunkelheit. THE CONVENT vereinen eine weite stilistische Bandbreite, innovativ und in jedem Song auf's Neue, aber mit der simplen Eingängigkeit von Popmusik. Mindestens fünf der dreizehn Stücke könnten bei verschiedenen Bands zu EP-Ehren gelangen, da sie so differenziert strukturiert sind, daß man jeweils eine andere Band vermuten würde. Sodann avanciert »King Of Rain« zu der Düsterkelle schlechthin - DAS »San Diego« des kommenden Jahres! »Tales From The Frozen Forest« offenbart gewaltiges Potential und Ideenreichtum, auch wenn ich Perfektion im Detail noch vermisse. Ebenso könnte alles noch mehr harmonieren, vielleicht liegt es an der Produktion oder der Spielweise, irgendwas machen die Jungs noch falsch. Trotzdem kaufen! (tb)
 

THE CURE
Show/Paris
Metronome
Einige Wochen nach Veröffentlichung der Doppel-CD »Show« kam nun mit »Paris« ein weiterer Livemitschnitt zur Vervollständigung einer hörenswerten 3-CD-CURE-Livedokumentation. Während auf »Show« größtenteils Stücke der letzten CURE-Werke »Disintigration« und »Wish« in obergeiler Soundqualität Beachtung fanden und tosenden Beifall ernteten (man hört die kleinen Mädchen förmlich in Ohnmacht fallen), präsentiert die Band in erneut bombastischer Spiellaune auf »Paris« ihre Hymnen wie "One Hundred Years" oder "Close To Me" aus längst vergangenen Tagen. Eigentlich spricht alles für sich selbst. Die Frage über das Kommerzielle an der Sache lassen wir am besten gleich unter den Tisch fallen. Die Songs, das Drum und Dran und die Qualität strotzen vor etwas arroganter Perfektion. Zu beanstanden hätte ich höchstens, daß der Höhepunkt eines jeden CURE-Gigs, Smith schließt die Augen und verkauft seine Seele als Zugabe den Klängen von "Faith", nicht berücksichtigt wurde. Obergeile Kommerzkacke! (tb)

THE CURE
The Laughing Soup Dish
Flashback
Nach dem Lob gleich ein Tadel für die selbe Firma: Veröffentlichungen wie "The Laughing Soup Dish" der Firma Flashback dürften maßgeblich für den schlechten Ruf von unautorisierten Live-Mitschnitten verantwortlich sein. Weder die Spielzeit von über 140 Minuten der beiden CD`s noch die Aktualität der '92er-Touraufnahme von THE CURE kann über die schlechte Qualität dieser Bootleg-Aufzeichnung hinwegtäuschen. Haarsträubend! (om)

THE DICE: Dawning Day (Koch)
Stimmungsvoller Marburger Gitarren-Beat mit Doors-Feeling und gitarristischen Glanzlichtern. Im Gegensatz zum aktuellen Live-Line-Up des Rock'n-Region-Siegers mit Orgel-Tupfern, die den Sound abrunden. Gelungene Debüt-Produktion!

THE DOORS WITH EDDY VEDDER
Maxi - live 1993
The Swinging Pig
Fast hatte ich das Label Swinging Pig schon abgeschrieben, da flatterte mir ein neues Newsletter ins Haus. The Doors - live 1993 - mit Eddie Vedder als Sänger? Diese Zeilen zu lesen ist schon fast unglaublich, aber die Mini-CD zu hören ist noch viel unglaublicher. Manzarek, Krieger und Densmore spielen, als hätten Sie nie pausiert, und ein Eddie Vedder singt, daß Jim seine Freude haben dürfte. Vedder (Pearl Jam) scheint fast wie ausgewechselt, energiegeladen und mit einer Morrison-typischen Aggression ausgestattet. Oh, ihr dämlichen Plattenmultis, und so etwas straft ihr mit Ignoranz? Eine Gänsehautscheibe erster Güte? Gott sei Dank, daß das Schwein wieder tanzt. (om)

THE HITCHIN POST
Death Valley Junction
Glitterhouse Records
Die heimliche Platte des Monats kommt aus, ich hätte es selbst nicht geglaubt, Hann Münden. Einfühlige Gitarrenmusik, irgendwo verloren zwischen Folk und Country, zwischen den Nits und Crosby, Stills Nash and Young und all denen, die die Sehnsucht nach Weite, das Gefühl des nie Ankommens in diese kleinen, doch irgendwie schönen Songs verpacken, die im Ohr bleiben und den Mut zum weitermachen geben. Irgendwie auch sehr britisch, aber was rede ich, geht hin, kauft Euch "Death Valley Junction" und geniest die Musik an regnerischen Tagen und bei sonnigen Autoausflügen. (ce)

THE HITCHIN' POST
Roadmap
Glitterhouse Rec.
Die Hann. Mündener schlagen wieder zu. Nach ihrem überaus gelungenen Debüt »Death Valley Junction« liegt nun das Folgewerk in den Läden. Schön arrangierte Country-Rock Titel, teils mit einem Schlag Alternative als Zutat. Spiegelte sich im Debüt noch die Eindrücke ihres US-Aufenthaltes wieder, klingt »Roadmap« wesentlich euroäpischer. Kritische Texte und einfach schöne Titel zum Zuhören, könnten den Erfolg erahnen lassen. Leider fehltder Scheibe nur ein Hit, um auch die größere Masse auf sich aufmerksam zu machen. Getrost kann aber hier der Country Freak genauso zupacken, wie auch der Hardrocker mit Toleranz in andere Musikrichtungen! Gute Musik braucht keine Schublade! (hs)

THE JAMES BLOOD ULMER BLUES EXPERINCE
Live at the Bayerischen Hof
IN+OUT Rec.
Endlich mal wieder eine Scheibe, bei der der Titel wirklich Programm ist. Der Gitarrist Jams "Blood" Ulmer selbst zu seiner Veröffentlichung: "Es ist das erste Live-Album innnerhalb von zehn Jahren und ich bin Glücklich darüber, denn in dieser einen Nacht im Bayrischen Hof in München war die Band in einer großartigen Form." Und daß kann ohne umschweife bestätigt werden. Funk, Blues und Jazz gehen, wie es sich gehört, eine untrennbare Fusion ein. In einem spielt Ulmer klare, saubere Jazzläufe, um im nächsten Moment das komplette Stück mit verzerrten Riffs zu sezieren. (om)

THE LONGJOHNS
Auri Sacras Fames
(Alibi SPV)
Ihre Wurzeln liegen in den 60ern und in England, Liverpool läßt grüßen. In Süddeutschland, ganz speziell in ihrer Heimatstadt Mannheim, sind sie ein angesagter Act mit ihren eingängigen Pop 'n' Roll Melodien und dem vierstimmigen Harmoniegesang. Für wahr kein leichtes Unterfangen, aber jeder einzelne Musiker verfügt über eine klassische Ausbildung und über handwerkliches Können. Die Musik lebt von ihren gradlinigen Melodien, vom phantasievollen Einsatz der Gitarren und von der leichten Eingängigkeit der einzelnen Songs. Von den Longjohns könnte man demnächst noch einiges hören. (ksch

THE RIVER BOYS: Twilight Moon (Eastwest/Warner)
Gesanglich sind sie etwa dort einzuordnen, wo auch die Rembrandts zuhause sind. Musik der etwas ruhigeren Art entgegen allen wüsten BPM's. »Dont't Fear The Reaper« ist sicherlich das Zugpferd des Albums«.

THE SWOONS
Klaus is dead
MC (Kontakt)
"James Brown is dead" folgt nun "Klaus is dead": Titelstück der gleichnamigen ersten SWOONS-Kassette. Aber keine Angst, außer dem Titel gibt es keine Ähnlichkeiten. In Wolfhagen gehören SWOONS schon lange zu den Live-Geheimtips. Zum Tape: einmal abgespielt, geht der Kinski-Vermächtnis-Song direkt ins Ohr. Bestechend neben dem typischen Trash-Noise-Pop sind die Stimmen von den "Neuzugängen" Christina Reitze und Tanja Schultz. Dieser Hart-Weich-Kontrast gibt dem Song Leben. Ein Ohrwurm. Weiterer Anspieltip: "No Time". Neben den Sängerinnen kommt hier auch die eindrucksvolle Stimme von Songwriter Stefan Becker zu Tage, früher alleiniger Vokalist. Mit einem langsamen Part versehen, entwickeln die vier SWOONS-Songs im Refrain ihr eigentliches Tempo, ohne ins Punkklischee abzurutschen. 15 Minuten ideenreicher Speedmusik, die Lust auf mehr machen. Stefan B.

THE TEA PARTY
Splendor solis
EMI
Da gibt die Plattenindustrie Hunderte von Millionen für die Rockopas aus, während sie Geniestreiche wie diesen im Regal versauern lassen. Straighter Art-Rock, der wie in alten Tagen vom akustischen Gitarrensound  getragen wird. Stück für Stück gespickt mit vertrackten Rhythmen, gepaart mit heavy groovenden E-Gitarren, ergänzt durch einen wirklich erstklassigen Gesang. Schon allein das Cover wäre im Vinylzeitalter ein Kaufargument gewesen. Was soll ich noch schreiben: LED ZEPPELIN, ROBERT PLANT, JADE WARRIOR? Alles Namen, die diesem Album nicht gerecht werden und doch verwandt sind. Hört's Euch an, bevor das Album wieder verschwindet. Anspieltips: »Midsummer Day«, »In This Time«, »Raven Skies« oder das wunderbare »Haze On The Hills«?! Oder einfach alle. (om)

THE VISION
Instrumental Healing
Fünfundvierzig
Ausgezeichnet produzierten, erstaunlich frischen und vitalen Dubreggae präsentieren THE VISION auf ihrer letzten CD »Instrumental Healing«. Die Band aus Hannover existiert seit 1987 und wird musikalisch auf nunmehr sechs eigenen Produktionen vom Rootsreggae der späten 70er Jahre und der britischen Dubszene beeinflußt. Der letzte Streich besteht zum Teil aus Dub-Versionen von Titeln der vorangegangenen »Mental Healing« CD, welche verwähnten Ohren auch gleich nahegelegt sein (vor allem das exzellente »Chill Out«!). So wird »Fire & Ice« zu »Dub Fire«, »No Comment« zu »Comment Roots« und »Mental Healing« zu »Instrumental Healing«. Letzteres mag als charakteristisch für die Produktion gelten: die Vocal-Parts treten zurück und lassen den Instrumenten mehr Raum. Ergänzt um einige Effekte breiten sich diese zu einem 72-minütigen Klangteppich aus. Insgesant ist Natalie, Felix und Boffy eine Dub-Reggae-Produktion vom Feinsten gelungen! Anspieltips »Reaction Dub« (!!!) und »Seeking Dub«. (kf)

THE YOUNG GODS
Only Heaven
Play It Again Sam
Über diese Platte kann man eigentlich nur sagen, was sie nicht ist, weil sie irgendwie zuviel ist. Zumindest ist sie kein Industrial, obwohl sie stark dahin tendiert. Sie ist auch kein Ambient, auch wenn sie manchmal so klingt. Sie ist kein Independent-Rock, trotzdem wird sie die Indie-Charts anführen, auch ist sie kein Doom-Rock, obwohl sogar Black Sabbath Fans an ihr Freude haben dürften, genausowenig hat sie was mit U2 zu tun, was sie nicht daran hindert, mächtig von »Achtung Baby« inspiriert zu sein. Sie mit Pink Floyds Frühwerken zu vergleichen, wäre vermessen und trotzdem nötigt sie den Hörer dazu. Genau wie sich der Gedanke an Trip-Hop und PORTISHEAD aufdrängt, obwohl das auch unzutreffend ist. Man könnte die Liste unendlich weiterführen und man würde »Only Heaven« nicht gerecht. Diese Platte birgt unglaublich viel in sich, ohne auch nur einmal das Gefühl zu vermitteln, ein Plagiat zu sein. Hier ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile und das Ganze ist erhaben, gibt der Welt, die es verarbeitet hat, seine eigene Perspektive. Bleibt festzuhalten, das »Only Heaven« das souveränste Stück (Pop-?!?)Musik ist, das in den letzten zwei Jahren das Licht der Welt erblickt hat. (ce)

THOMAS BRECKHEIMER/FRANK DOES
Oasis
Aurilli
Harfe und Gitarre im Duett - eine ungewöhnliche Kombination. Der Aachener Harfenspieler THOMAS BRECKHEIMER, dessen Können bereits mit der CD »O' Carolan's Celtic Harp« (1991) deutlich wurde, wagte sich 1992 mit der CD »Secret Service Project« auf das Gebiet von Jazz und Avantgarde vor. Nach der Zusammenarbeit mit TOM WAITS beim Stück »Alice«, das im Thalia-Theater Hamburg aufgeführt wurde und bundesweit Schlagzeilen machte, ist es diesmal der Neusser Gitarrist FRANK DOES, mit dem sich BRECKHEIMER zusammengetan hat, um mit ihm ihren Instrumenten berückend meditative Klänge zu entlocken, die irgendwo zwischen Jazz, Folk und Avantgarde eingeordnet werden können. Die beiden nehmen den Hörer bei ihren akustischen Reisen tatsächlich mit in oasengleiche Klangwelten: Im Titelstück beschwören perlende Klangmyriaden beinahe konventionell arabische Stimmung. Zwischen weißgekalkten Häusern sehen wir Kamele gravitätisch liegen, versenken uns in das sternbesäte flackernde Himmelsgewölbe Libyens, erleben bedrohliche Fremdheit ebenso wie One-World-Euphorie. In »Sighwater« tränt dumpf-wohlige Melancholie in heißen Wüstensand, dagegen irren in »Doppelaraber« zwei brüchige morgenländische Melodiefetzen ziellos durch die stechende Tunis-Mittagssonne und finden sich erst 4 Stücke später in »Lydia II« wieder. Ein durchweg anheimelndes und zugleich exotisches Album für den kommenden Winter, das einen einsamen (oder zweisamen) Nachmittag bei einer gemütlichen Tasse Tee zum relaxten Erlebnis machen kann. (pw)

THROW THAT BEAT IN THE GARBAGECAN
Cool
(EMI)
Kinderzimmer-Pop zum Vierten: Jedes der drei Vorgängeralben hat die Nürnberger Combo -zum leichteren Verständnis von ihrer Firma kurz TTB genannt - ein Stück erwachsener werden lassen. "Cool", ihr aktuelles Werk setzt noch eins drauf, ganz besonders, was die spielerische Selbstverständlichkeit angeht. Einfache und eingängige Beat-Pop-Songs, immer mal wieder den Altmeistern abgeknüpft, aber durch überraschende Breaks mit aktuellen Klängen zu originellen Songs verarbeitet. Nach ihren Erfolgen als Support-Act während der letzten Phillip Boa-Tour müßte mit "Cool" (14 Songs = 14 Hits) jetzt der Durchbruch gelingen.   (K. Sch.)

TIAMAT
Wildhoney
SPV
Als PINK FLOYD der 90er lassen sie sich vermarkten: TIAMAT aus Schweden! In der Tat erwarten uns Geräuscheinspielungen, schwerfällige Rhythmen und schwerblütige Chöre, wie wir sie seit »Atom Heart Mother« und »Dark Side Of The Moon« nicht mehr vernommen haben. Eigentlich erstaunlich, daß man sich erst in letzter Zeit wieder verstärkt an die längst noch nicht ausgespielten Stilmittel der 70er wagt! Das ganze wird gut verquirlt mit mahlenden Metalgitarren und gruftigem Grunge-Geröhre, zwischendurch blitzen zarte Akustikklampfenklänge auf! Das ganze klingt mal gruselig, mal spacig, mal meditativ und ist genau das Richtige für dämmrig durchwachte Nächte. Die müde Gilmour-Veteranentruppe von 1994 spielen TIAMAT problemlos an die Wand. Sonderlich innovativ ist das Ganze allerdings nicht - doch ist es nicht schon nett, mal wieder eins dieser unnachahmlichen Crumar-Strings zu hören, deren Sound genau am Schnittpunkt zwischen Rasierapparat und Streichorchester liegt? (lj)

TOM COCHRANE
Ragged ass Road
Emi
Keine Ahnung, ob dieser Mann einmal mit Tom Petty in einer Wiege gelegen hat, oder ob er vielleicht der Schwager von Rod Stewart ist? Des letzteren Stimme scheint man hier und da zu hören, obwohl die rauchige Kehle eigentlich zu TOM COCHRANE gehört. Und die Gemeinsamkeiten mit Tom Petty sind nicht zu überhören, sowohl vom musikalischen Stil als auch vom Gitarrenspiel betrachtet. Den Ohrwurm »Life is a highway« noch im Ohr - dieser hat's sogar auf die in diesem Jahr erschienene Harley-Davidson-Compilation gebracht - wird der Silberling hoffnungsvoll in den CD-Player gelegt. Doch, oh weh! Der Highway-Cowboy scheint eine Ausfahrt erwischt zu haben, zumindest steckt er im Stau. Besseres Mittelmaß - mehr mag man dieser Scheibe nicht zuschreiben. Doch, es sind schöne Gitarrenballaden drauf, schöner US-Folk, fetzige Rhythmen und guter Rock'n' Roll mit untergemischtem Mundharmonika-Blues - aber ohne neue Ideen, als hätte man's irgendwo schon mal gehört. Wie bei Tom Petty eben - nicht mehr, allerdings auch nicht weniger. Anspieltips und Höhepunkte: »Just scream« und »Best waste of time«. (tl)

TOM WASINGER AND JIM HARVEY Track To Bumbliwa
SILVERPLANET / 99 Rec.
Wieder eine dieser Scheiben, die uns die Widersprüchlichkeit unseres Handelns vor Augen führt. In klarsten Tönen bringt uns dieses Ding, gelesen und korrigiert durch einen hochintegrierten Rechner mit Laseraugen, Geräusche aus dem tiefsten Inneren unseres Heimatplaneten zu Gehör. Das aus dem Ast eines Eukalyptusbusches gefertigte Didjeridoo sorgt für die Intensität der einzelnen Stücke, während die feinfühlig eingesetzte Technik alles zu einer Einheit verschmelzen läßt. Tom Wasinger und Jim Harvey bieten uns eine dreiviertel Stunde lang die Möglichkeit, zurückgelehnt an wohl längst vergangene Tage zu denken, um uns das "Hier und Jetzt" machbarer zu gestalten. (om)

TORI AMOS
Boys For Pele
eastwest/Atlantic
Gewöhnlich ist es die dritte Platte, an der sich ablesen läßt, ob ein(e) Künstler(in) genügend Substanz hat, oder ob die Schaffenskraft ausgeschöpft ist. Diese Probe besteht Tori Amos mit Bravour, ja, sie liefert uns gar einen 70-minütigen (!) schlagenden Beweis ihrer Songschreiber- und instrumentalen Qualitäten. So subtil, zugleich düster waren ihre Kompositionen noch nie. Aber ohne das blasphemisch-perverse Element in ihrer Persönlichkeit ("Father Lucifer") wären ihre - übrigens vorzüglich produzierten - Songs nur halb so interessant. Dennoch: Ein kommerzieller Erfolg wird diesem introvertierten Album wohl kaum beschieden sein, dazu sind die Refrains nicht eingängig, die Rhythmen nicht zwingend genug. »Boys For Pele« erschließt sich erst nach intensivem Hören, die leisen Klänge ihres Bösendorfer-Flügels hallen dafür aber umso länger nach. (pw)

TORI AMOS
Under the Pink
eastwest
Beim ersten Anhören meint man, eine laue Mischung aus Kate Bush, Joni Mitchell, Sam Brown und Melanie Safka vor sich zu haben. Allerdings unter fast völligem Verzicht auf eingängige Rhythmen und nicht nur sparsam, sondern geradezu ärmlich instrumentiert! Kaum ein Schlagzeug, erst recht kein Drum-Computer sorgen für den üblichen Drive, das gängige Kompositionsschema "nach 2 Strophen ein fetziger Refrain" wird nur selten bemüht. Bei mehrmaligem Wiederhören schlägt diese eigenartige, geradezu zauberhafte Musik trotzdem unfehlbar in Bann. Sind es die rätselhaft-mystischen Texte? Da werden Metaphern und Bilder assoziativ gekoppelt, verdichtet und bilden mit den betörenden Melodien eine merkwürdig funktionierende Einheit. Die leise, ausdruckstarke  Stimme und die in allen Klangfarben virtuos gemeisterten Klavierthemen versetzen in angenehm meditative, aber auch heiter-melancholische Stimmungen. Daß da häufig Anklänge an Joni Mitchells frühe Platten zu hören sind, stört nicht. Tori Amos hat sich mit diesem zweiten eigenwilligen und unkonventionellen Album bereits als neuer selbständiger Stern am internationalen Liedermacherhimmel etabliert. Daß ihr mit der Single "Cornflake Girl" der Sprung in die Top-20 der englischen Charts gelungen ist, ist ihr mehr als zu gönnen. Ihren Namen wird man sich merken müssen! (pw)

TOWNES VAN ZANDT
Road Songs
Bmg/Chlodwig
Niemals hätte ich gedacht, mich einmal mit Country/Folkmusik zu beschäftigen, dafür saß mir der Truck Stop-Schrott einfach zu sehr im Kopf. Was uns häufig als Country verkauft wird, habe ich immer mit unserer jetzigen "Volksmusik" verglichen, bei der es sich nur noch um den schunkelnden Kommerz mit einhergehender Verdummung dreht. Natürlich ist es schwierig, im Jahr 9 vor der Jahrtausendwende echte Märchenerzähler oder umherreisende Arbeiter zu finden, die erfahrenes Leid und überkommende Freude in Worte kleiden. Aber wenn sich schon einer der Vertonung von Volksweisen beruflich widmet, dann bitte so wie Townes van Zandt. Ihm nimmt man schon nach dem ersten Stück "Ire Hayes" den Titel seiner Platte "Road Songs" ab. Seit Jahren schon zählt van Zandt zu den Geheimtips in den USA, und immer mehr Country- und auch Rockgrößen wie Emmelou Harris oder die Go-Betweens greifen auf das Repertoir des eigenwilligen Songwriters zurück. Jetzt hat van Zandt den Spieß umgedreht und seinerseits Songs bekannter Songwriter aufgenommen, die ihn auf seinen Wegen durch die Staaten begleitet haben. Weder Lighnin' Hopkins noch Joe Ely oder T.C. Ashley hätten einen besseren Interpreten für ihre Songs finden können. (om)

TRUE VISION
Man of A Thousand Dreams
Blue Triangle Records
Hinter TRUE VISION verbirgt sich Ludger Kreutzheide aus Paderborn, der für sein Debütalbum »Man Of A Thousand Dreams« fast 30 Musiker um sich versammelte. Gemeinsam mit Komponist Detlef Blanke und Produzent Matthias Mersch entwarf der "Paderborner Parsons" in anderthalbjähriger Kleinarbeit seine Vision eines intelligenten und gefühlvollen Pop-Rock. Bemerkenswert ist die abwechslungsreiche Instrumentation: Fetzige Bläser, verträumte Pianos, singende Zerrgitarren, klangschöne Background-Chöre, ja selbst klassische Gitarren und barocke Flöten illustrieren die englischsprachigen Songs um Sehnsucht, Hoffnung und Träume. Kreutzheide gestaltet aus Elementen, die er mit Vorliebe der Rockmusik der 70er entlehnt, geradezu liebevolle Sound-Gemälde voller Melancholie und orchestraler Weite. Positiv schlagen die Qualität der Musiker und die Sorgfalt bei Arrangement und Mix zu Buche: Da paßt jedes Element zum anderen! TRUE VISION - das ist die richtige Musik, um an langen Winterabenden die Seele baumeln zu lassen. Krönung des ganzen: die Ballade "Hold on me" mit ihrem zeitlos schönen Gitarren-Intro und der raffinierten Steigerung! (lj)

TYPE O' NEGATIVE: Bloody Kisses (Roadrunner)
Der zweite Longplayer des berüchtigten neo-barbarischen Metal-Clubs. Der Sound der "BLOODY KISSES" bezeichnet ein eher romantisches Gemälde und läßt dich in herzzerreißenden Frauengeschichten absaufen. Leidenschaft wird reflektiert in melancholischen Gesangsparts, die Combo streift das Gebiet des Gothic auf ihrer Reise durch die Welt zeitgenössischer Metal-Klang-Skulpturen.

UFO:
Highstakes And Dangerous Men
(Essential)
Prince Kajuku's back in town! Die Jungs von UFO haben es noch nicht verlernt, deshalb wollen sie wieder mitmischen: Ehrlicher Hard-Rock, bei dem ab und zu auch ein kleiner poppiger Kitzel im Arrangement aufhorchen läßt! Neben der Pflicht - erdige Riffs und schnelle, vorwärtstreibende Soli - bietet Gitarrist Laurence Archer auch eine unerwartete Kür mit interessanten Phaser-Pickings oder Slide-Einlagen, die den Brachial-Sound auflockern. Clive Edwards' Drums und Pete Ways Baß sitzen goldrichtig, doch hier schadet der neue Studioglanz eher: Das - unvollkommene? - Gescheppere und Gedröhne auf den unvergessenen Frühwerken tat dem Ufo-Sound besser. Abgerundet und zusammengehalten wird die fliegende Untertasse nach wie vor durch Phil Moggs kernig-psychedelische Lead Vocals. Da stimmt man am Schluß gerne ein: "Oh, oh, oh, let the good times roll..."
(Lothar J.)

ULLI BÖGERSHAUSEN
Ageless Guitar Solos
Laika
Da sind sie endlich: »The Greatest Hits of Guitar Pickings«. Ulli Bögershausen hat sie alle versammelt, ob das nun Klaus Weilands »Loch in der Banane« ist oder Davy Grahams »Angie«, Leo Kottkes »The Fisherman« oder Mason Williams »Classical Gas«. Zwar sind die Standards in sklavischer Werktreue interpretiert worden, aber zugleich flüssig und mit brilliantem Gespür für die jeweiligen Nuancen der verschiedenen Pickingtechniken und -stile. Ulli Bögershausen mag vielleicht nur als Epigone der Picking-Gründerjahre Anerkennung finden, aber er hat mit dieser Sammlung zeitloser »Best of«-Solos sein Meisterstück abgeliefert. Sein zwei eigenen Stücke lassen die Hoffnung zu, daß von diesem ungekrönten Gitarrenkönig noch einiges an spannenden Klängen zu hören sein wird. (pw)

ULTRAHIGH
Albern, was sich die members von ULTRAHIGH unter Trance vorstellen, was man bei dem Namen und Zustand der armen Irren vielleicht entschuldigen kann, denn nach so ultravielen Blubbers kommt einem Kitschiges schon mal tierisch witzig vor, und vielleicht sind sie sich Ihres Abklatsches gar nicht bewußt. Wie das beim Techno halt so ist, pocht das dann permanent, und bollert, und die Samples ändern sich dann und wann, wenn denn mal einer der beiden zufrieden grinsend abläßt von seinem Lieblingsinstrument, um die nächsten Sequenzen zu aktivieren und sich danach wieder seinen lieben kleinen Kinderchen zu widmen. So wird das dann noch schön eingepackt, Logo drauf, und schon kann man sich wieder zurückziehen, und bei Kerzenschein genießen, und auf die Früchte der "Arbeit" warten. Denkste! Bis auf den Namen ersäuft die Band im Riesenrummel der monotonen Trommler, es trancet nicht, es nervt. Nichts scheint auch nur annähernd neu oder wenigstens originell. Ich denke an eine Spule, und so mitten in den Gedanken überholt mich mein Lieblings-GSI-Fahrer, die getönte Scheibe sportlich geöffnet, und sein Alpine schreit mich an: "08/15, schlag mich tot, 08/15 schlag mich tot". Doch die wahren kahlen Raver werden mich für Judas halten, und sich am geklonten Sound zu erlaben wissen. "Gib mir mehr von dem was ich habe und bin!" - "No, fuck off! Ecstasy your own." (tb)

US 3
hand on the torch
blue note
Blue Note, das wohl renommierteste Jazzlabel hält die Fackel hoch (der Freiheitsstatue?), die einzig überzeugende Fusion von Hip Hop und schwarzem Jazz, irgentwie cool und soo groovy! Mit dabei "Cantaloop" das in der "Schweppes" Werbung Geschichte machte.

DIVERSE
Notes
Indigo
Sampler sind eigentlich selten etwas wert, außer man möchte den ganzen Einheitbrei als Konzentrat der Charts im Ragal horten. Wie gesagt, eigentlich Gott sei Dank, gibt es auch noch Ausnahmen wie die neue Serie des INDIGO-Tonträgervertriebs "Notes Vol. 1" beweist. Für schlappe 4,95 DM gibts geballte 60 Minuten Querbeat durch das Indigo-Repertoire. Auf dem Erstling steht somit neben KNIG TUBBY gleich DIGIDUB, findet der geneigte Hörer den Liedermacher HANS SÖLLNER genauso wie den Funk & Soul-Star CUNNIE WILLIAMS des Hamburger Top-Labels Yo Mama. Die ausführlichen Info's im Booklet werden zudem oft in der hauseigenen, kostenlos ausliegenden Zeitschrift gleichen Namens (NOTES) weiter vertieft. Wer keinen vernünftigen Plattenladen in der Nähe hat, der kann gegen einen geringen Betrag beides im Verbund abonieren. Ein großes Lob an INDIGO in Hamburg. (om)
 

VARIETY PAC
Laber mir kein Ohr
Riw And Raw
Direkt aus der Mainmetropole kommen VARIETY PAC mit ihrem ureigenen Stil der Hip Hop Beats, Jazz Effects und Reality Lyrics, kombiniert mit Einflüssen aus verschiedenen Kulturen. Die Formation besteht aus den Rappern FAST H (als Sohn marokkanischer Eltern in Deutschland geboren) und TRUMPET (in Zaire zur Welt gekommen) sowie dem aus Griechenland stammenden DJ RELEASE, der bei VARIETY PAC's Liveauftritten an den Plattenspielern steht. Der erste VARIETY PAC Longplayer läßt sich in keine Schublade stecken und bringt Reimkunst mit einfacher Rhythmik (Einflüsse: Gang Starr, Ice Cube) zusammen, rauh und klar kicken FAST H. und TRUMPET Lyrics. "Bum Bang, wir kicken Frankfurt Slang" ist das Motto, Tracks wie »Brüder Schwestern«, »Gib Dir richtig« oder »Laber mir kein Ohr« sprechen für sich. Als Gäste sind Rapper EBONY PRINCE (»Gib mir das Mikrophon«), CODX (»Direkt aus der Frankstadt«) und Sängerin ESTHER dabei. Reggae und Dancehall vibes (»Girl You Lie«, »Respect«) kommen von den Jamaikanern MARION B. und KING CHAIRMAN. (pk)

DIVERSE
Weltfestival der Laute
Network
Dieses 3-CD-Set trägt den Untertitel "Eine Raum-Zeit-Reise durch die Welt der Laute" - eine Bezeichnung, die kaum noch einer Ergänzung bedarf! Die Aufzeichnungen entstanden in Zusammenarbeit mit dem Radiosender "Deutsche Welle" während der "3. Internationalen Lautentage". Dieses Festival fand im August 1992 in der Alten Oper zu Frankfurt statt und dauerte vier Tage. In dieser Zeit fanden sich Künstler aus Persien, Afghanistan, Indien, China, Japan, Ägypten, Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien, England und aus den Niederlanden ein, die "auf höchstem Niveau den langen Weg der Laute durch die Welt bis nach Europa" veranschaulichten. Auch wer erstmalig seine Ohren in Richtung Weltmusik lenkt, wird über das Beiheft bestens informiert und braucht somit keine Scheu zu haben. Kaum, daß diese Aufnahme auf CD erschienen ist, hat sie den "Preis der Deutschen Schallplattenkritik" erhalten.  (om)

DIVERSE
Stone Free - A Tribute To Jimi Hendrix
Reprise
Als mir vor 23 Jahren einer meiner Freunde erschüttert mitteilte, daß Jimi Hendrix tot sei, zuckte ich damals nur verständnislos mit den Schultern. Inzwischen kommt kein Rock-Gitarrist mehr an ihm vorbei, der auch nur das Geringste auf sich hält. Im Dezemberheft 1993 der Musikzeitschrift "Musikexpress/Sounds" findet sich im Rahmen einer Zusammenstellung der 100 Meisterwerke der Rockmusik Jimi Hendrix gleich mit drei (!) Platten auf dem Siegertreppchen vertreten. Jetzt haben es Hendrix-Kenner John McDermott und Warner-Produzent Jeff Gold geschafft, illustre Namen auf einem bezaubernden Album zusammenzubringen: Gitarristen von Rang und Namen wie Eric Clapton, Jeff Beck, Slash, Pat Metheny, Buddy Guy, Mike McCready von PEARL JAM, aber auch so merkwürdig kontrastierende Bands wie THE CURE, PRETENDERS, SPIN DOCTORS oder BODY COUNT, ja, sogar das "enfant terrible" der Klassik-Violine Nigel Kennedy - alle geben sich ein hörenswertes Stelldichein! Erstaunlich, wie offenbar nicht nur Hendrix' Gitarrenspiel, sondern auch seine Stimme und Songs mit unverkennbarem, wenn auch stets experimentell erweitertem Sound prägend gewirkt haben! Wie einfallslos werktreu (BODY COUNT, Clapton, PRETENDERS) oder wie genial verfremdend (CURE, Nigel Kennedy, P.M.DAWN) sich die Künstler in ihren Interpretationen auch immer mit Hendrix auseinandergesetzt haben, herausgekommen ist ein Denkmal, daß weit mehr hält, als das unscheinbare graue Cover verspricht. (pw)

DIVERSE
White Cloud
White Cloud/Aris
Auf dieser 1993 zusammengestellten Compilation stellt sich das gleichnamige Label White Cloud nun auch im deutschen Lande vor. Das aus Neuseeland stammende Label hat sich vorgenommen, positive Beiträge zu unserem Dasein zu liefern. Wer jetzt allerdings belanglosen Einheitsbrei erwartet, der sieht sich enttäuscht. Der überwiegende Teil des Samplers präsentiert Künstler wie JOHN MARK oder CELIA BRIAR, die Ihre Roots in der Folklore haben. Daneben gibt es noch PETER PRITCHARD, der mit seiner harmonischen Art des Klavierspiels oftmals an THILO VON WESTERNHAGEN erinnert. DAVID ANTONY CLARK, DAVID DOWNES und auch PETER BLAKE gehören zur Elektronikfraktion des Labels. Sie samplen Elemente der verschiedensten Stilrichtungen zu oftmals "relaxenden" Sounds. Alles in allem handelt es sich bei dieser Zusammenstellung um eine der schönsten, die bisher in meinem Player landeten. (om)

DIVERSE
Musiques Pour Les Plantes Veretes
F Communications
Der Titel dieses musikalischen Experiments des französischen Labels von Star-DJ Laurent Garnier ist etwas irreführend, da es sich hier nicht um Musik für Pflanzen handelt (oder wurden in Gen-Labors etwa schon hörende Pflanzen entwickelt?), sondern um die Idee, Musik den Pflanzen gleich Teil der Wohnungseinrichtung werden zu lassen. Diese CD soll also ständig abgespielt werden, um einem Raum neben Beleuchtung, Möbeln und Farben ein bestimmtes Ambiente zu verschaffen. Die Idee ist interessant, ob das Experiment gelingt, ist eher fraglich, denn wir sind es doch gewohnt, ab und zu auf die Musik zu achten und sie nicht ausschließlich unterbewußt als Stimmung wahrzunehmen. Vielleicht ist es aber nur deshalb so schwierig, weil die verschiedenen französischen Musiker aus der Technoszene, die hier beauftragt wurden, oft nur nervendes Geklimpere statt beruhigender Ambient-Klänge zu bieten haben. Melancholie oder Fröhlichkeit ist zwar hier und da zu spüren, es mangelt aber einfach an musikalischer Qualität. Da gibt es wesentlich bessere Ambient-Platten, die Stimmungen erzeugen oder widerspiegeln. (md)
 

VERSTÖRTE KIDS
Frischmilch
Langstrumpf Records
Endlich wieder Frischmilch für alle Flaschenkinder der trinkfreudigen Punk-Szene: Die VERSTÖRTEN KIDS aus Brilon schlagen zu. Da gibt es deutschsprachigen Punk in feinster HOSEN- und FEHLFARBEN-Tradition genauso wie punkige Ausflüge ins HipHop-Land und locker eingestreute Kurz-Zitate aus Pop, Rock, ja sogar Jazz. Nicht nur ihr frischer, zupackender und trotzdem abwechslungsreicher Stil besticht - auch die exzellente Produktion: dreckig genug, um Dampf abzulassen, sauber genug, um alle Nuancen herüberzubringen. Das wurde oft probiert und gelang selten genug! Die Texte verlassen die ausgelatschten Pfade von Fun- und Protest-Punk-Klischees, sind verspielt, ironisch und vieldeutig. So ist »Frischmilch« nicht nur eine Quelle reinster Pogo-Lust, sondern auch Stoff zum Sich-treiben-Lassen, Mit-Hören, Nach-Denken. Neben den deutschsprachigen Eigenkompositionen gibt es auch eine englische Cover-Version von »Think small« der Tall Dwarfs. Dabei erstaunt der für Punk ungewöhnlich schöne Gesang zweier im Oktavabstand gefühlvoll intonierender Stimmen und der spannungsreiche Aufbau. Aber vor der Aufnahme gezupfter Passagen sollte man doch die E-Gitarren mal nachstimmen, oder? Ansonsten kann man nur noch über die viel zu kurze 27 Minuten Spielzeit meckern: Milch macht müde Männer munter! (lj)

VICIOUS RUMOURS: Word of Mouth (SPV)
Das wahrscheinlich abwechslungsreichste Power-Metal-Werk des Jahres. 12 begeisternde Arien im Stil der vier Jahreszeiten: Jeder anders als der andere, dabei trotzdem eine Einheit bildend. Muß man hören, um's zu glauben.

VIRGIN STEELE
The Marriage Of Heaven And Hell - Part 1
T&T/Rough Trade
Mit »Noble Savage« schufen VIRGIN STEELE 1986 ein wegweisendes bis heute unerreichtes Album und zugleich eine neue Musikrichtung: Symphonic Metal. War ihr letzter Streich »Life Among The Ruins« eine abenteuerliche Reise zu den LED ZEPPELIN-Rock'n'Roll-Wurzeln der Band, braucht »The Marriage...« nur eine Fußbank, um an »NS« heranzukommen. Überragend wie immer der kleinwüchsige Sänger DAVID DE FEIS mit inbrünstigem Pathos und seinen unmenschlichen Schreien. Bei »Last Supper«, einer kongenialen Vertonung des Letzten Abendmahls, verdrehten sich mir die Augen vor Wonne. Und so geht das über 70 Minuten!!! Mehr über dieses Spitzenprodukt zu schreiben ist verlorene Zeit. Vom Lesen habt ihr nichts, Anhören bringt viel mehr! (ms)

VIRGIN STEELE
The Marriage Of Heaven And Hell Pt. 2
T&T/Modern Music
Was ich nie für möglich gehalten hätte, ist doch tatsächlich eingetreten: Die Fußbank, die dem ersten Teil zum Klassiker »Noble Savage« fehlte, kickt der Nachfolger in hohem Bogen in die Ecke. Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, was auf dieser Superscheibe abgeht. Aber eins weiß ich sicher: Diese beiden Alben sind die Verwirklichung einer Vision. Leider ist David DeFeis nicht nur ein Dreieinhalb-Oktaven-Rambo, sondern hat obendrein Komposition studiert. So können 99% aller Konsumenten mit den »Marriage«-Zwillingen nichts anfangen. Für das verbleibende 1% gibt es beide Platten auch als streng limitierte Doppel-CD. Der fehlen zwar die hintergründigen Texte, aber dafür wird die Geschichte und Philosophie von VIRGIN STEELE äußerst anschaulich erklärt. Man erfährt dort z.B., daß Metallica und Queensryche zu den dienstältesten VS-Fans zählen. Auch ein Verkaufsargument! (ms)

VOYAGE
Kelimdance
Blue Flame
VOYAGE, drei Musiker aus dem Hause Blue Flame, ordnen ihre Arbeiten unter "world percussion" ein. Und sie versprechen nicht zuviel. Auf ihrer aktuellen CD gibt es daher auch Rhythmen aus allen Teilen der Welt zu hören. Sie selbst sehen ihre Spielweise durch orientalische, afrikanische, andalusische, japanische, ballinesische und indische Klänge beeinflußt. Besonderer Pluspunkt der Blue Flame-Veröffentlichungen sind die deutschsprachigen Booklets, in denen zu jedem Titel eine kleine Geschichte auftaucht. (om)

WARPATH
Against Everyone
SPV
Maßstäbesetzend und hitverdächtig ist sie geraten, mittendrin in der Region, in Andy Claasens Stage One Studio in Bühne, ist sie enstanden, die dritte Warpath-CD. Mit "Against Everyone" erfinden die vier Hamburger den Heavy Metal neu, sie benutzen dazu, auf unverschämt eigenständige und unverwechselbare Art, das Brachialmusikvokabular der Neunziger: Death, Hardcore und Trash. Damit teilen sie uns das mit, was den Heavy Metal seit jeher ausmacht: Hass, Aggression und die ultimative Fuck-you-, leave-me-alone- and care-about-your-own-shit-Einstellung. Wahnsinnig fett und brutal und teilweise mächtig schnell, dann aber wieder abgrundtief doomig, trotzdem immer eingängig und mit hohem Mitgröhlpotential sind die Songs, zu denen man gemeinsam "Against Everyone" sein kann. Die Heavys werdens lieben und die Hardcorekids, denen man das Teil unterjubelt, werden sich wundern (heimlich werden sie es mögen müssen). (ce)

WARPATH
When War Begins, Truth Disappears
(SPV)
Das Bühner WVR-Label hat in seinem Programm einige wirkliche Juwelen vorzuweisen. Ein besonders glänzendes Juwel ist WARPATH, die man getrost als eine der besten Newcomerbands des letzten Jahres bezeichnen kann. Die Band besteht aus fünf Musikern, allen voran der Sänger "Dicker", dessen kraftvoller, emotionsgeladener Gesang den hohen Wiedererkennungswert der Band sichert. WARPATH bieten kraftvollen Power-Trash, der einem wirklich an die Eingeweide geht. Ausgefeilte Riffs und mächtige Grooves, gepaart mit dieser gewaltigen Stimme, die ein wenig an Pete O`Stele (TYPE O`NEGATIVE) erinnert, das ist Warpath. Unbedingt 'reinhören! Anspieltip: Wardance (etwas länger laufen lassen). ce

WARPATH
Against Everyone
SPV
Maßstäbesetzend und hitverdächtig ist sie geraten, mittendrin in der Region, in Andy Claasens Stage One Studio in Bühne, ist sie enstanden, die dritte Warpath-CD. Mit "Against Everyone" erfinden die vier Hamburger den Heavy Metal neu, sie benutzen dazu, auf unverschämt eigenständige und unverwechselbare Art, das Brachialmusikvokabular der Neunziger: Death, Hardcore und Trash. Damit teilen sie uns das mit, was den Heavy Metal seit jeher ausmacht: Hass, Aggression und die ultimative Fuck-you-, leave-me-alone- and care-about-your-own-shit-Einstellung. Wahnsinnig fett und brutal und teilweise mächtig schnell, dann aber wieder abgrundtief doomig, trotzdem immer eingängig und mit hohem Mitgröhlpotential sind die Songs, zu denen man gemeinsam "Against Everyone" sein kann. Die Heavys werdens lieben und die Hardcorekids, denen man das Teil unterjubelt, werden sich wundern (heimlich werden sie es mögen müssen). (ce)
 

WEEP NOT CHILD
From Hoyerswehrda To Rostock
indigo/buback
WEEP NOT CHILD ist der Name einer jungen antirassistischen Band, die in ihren Raps die Geschehnisse von Rostock und Hoyerswehrda bitter verurteilt (»One Racist, One Bullet«). Der Faschistenhaß läßt sich sehr jazzig nieder und wird musikalisch zumeist durch ein gemaches Feeling illustriert. Das mieseste Cover seit Jesse James -komisch blau und öde - und lächerliche 20 Minuten Spielzeit lassen das Ganze allerdings nicht gerade wichtig erscheinen. Sehr schade, denn der Sound hätte allemal mehr support verdient. Aber auch ohne interessantes, geschmackvolles, besonders brutales oder wenigstens hübsches Cover groovt der Sound und rennt in Windeseile davon. Auch die langsamen Parts, die gelegentlich etwas an Gangstars Jazzmatazz erinnern, ziehen sich andächtig von einem Kanal zum anderen, haben aber immer die richtige Länge und klingen nach drei Boys von der Sonne, die ihre Instrumente beherrschen und damit fröhliche (aber ernstzunehmende) Musik machen. No drum-machine is used here! Only handmade sounds. (tb)
 
 

WESTERNHAGEN: Affentheater (wea)
Marius reitet wieder: die guten alten Klischees vom schmutzigen Rock'n-Roll-Loser. Wer nimmt das dem Multi-Millionär noch ab??? Viele, viele, viele. Ein Mega-Seller war's schon, bevor irgendein Müller-Jünger auch nur einen Ton kannte. Erdige Rock-Riffs, schnodd'rige Songs sind einfach unersetzbar als Background verrauchter Kneipen und Feten.

WITTHÜSER & WESTRUPP
Die W & W CD-Collection
OHR/ZYX-RECORDS
Die dritte Jahreszeit ist für viele der Beginn langer Abende, die sich vortrefflich zur Erholung von den Sommerstrapazen eignen. Während die einen sich vor die Glotze hängen, ist für andere die Zeit der Berichte aus vergangenen Tagen gekommen, die uns in Königshäuser (»Das Märchen vom Königssohn«), Fabeln (»Karlchen«/»Der Rat der Motten«) oder Traumwelten (»Tripponova«/»Illusion 1«) führen. Zu vorgerückter Zeit, so zwischen Knecht und Krippe, sollte dann so mancher einmal »Der Jesuspilz« auflegen und W & W's »Musik aus dem Evangelium« lauschen. Wem der Sinn allerdings nicht nach »Erleuchtung und Berufung« oder dem »Bekenntnis« steht, wer der dunklen Welt und dessen Treiben zugetan, dem sei Bernd Witthüser's Erstling »Lieder von Vampiren, Nonnen und Toten« an die erblaßte Brust gelegt. Hier saugt »Dracula« die weiße Schöne an, preist man »Das stille Grab«, läßt Verblichene (»Ich bin dahin«) erzählen, während ein Mönch vergangene Schönheiten in seine Klosterkammer ruft (»Die Beschwörung«). Für ewig Unentschlossene sowie Neugierige gibt es als Kostprobe eine 75-minütige »W & W - CD-Collection«, während die Fans sich schon jetzt auf die baldige CD-Veröffentlichung von »Live '68-'73« freuen dürfen. Also, schöne Abende! (om)

WOLF MAAHN
Direkt ins Blut
(Un)plugged
(EMI Elektrola)
Man mag ja mittlerweile über dieses ganze "Unplugged-Ding" denken wie man möchte, aber doch gerade hier beweisen viele Künstler ihr ganzes musikalisches Können - wie zum Beispiel Eric Clapton, um nur einen zu nennen. Wobei Wolf Maahn sich keineswegs vor Veröffentlichungen seiner Akustik-Kollegen verstecken muß. "Direkt ins Blut" nennt sich sein (halb)-akustisches Werk, denn es wird stellenweise durch eine E-Gitarre mit kleinem Kofferverstärker bereichert. "Das gehört halt zum Rock'n'Roll", so Wolf Maahn. Zusätzlich verbreitet Ashley Reed mit seinem Geigenspiel ein ganz besonderes Flair. Aufgenommen im Dierks-Studio vor 70 Leuten ist "Direkt ins Blut" (und das kann man wörtlich nehmen) ein erstklassiges Live-Album, das eine Atmosphäre versprüht, die ihresgleichen sucht. Man hat das Gefühl, direkt mit auf der Bühne zu sitzen. Über 76 Minuten pure Leidenschaft in Songs wie "Fieber", "Rosen im Asphalt", dem Reggae "Deine Küsse" und den emotionalen Balladen "Schiffe ohne Häfen" und "Total verliebt in Dich". Man kann Wolf Maahn nur gönnen, daß er mit diesem Album endlich so viel Beachtung geschenkt bekommt wie manche seiner deutschen Kollegen. Ach ja, bleibt nur noch eins: Zurücklehnen, zwei Kerzen anzünden, Kopfhörer auf und GENIESSEN. (hs)

WOLF MAAHN
Libero
Emi Electrola
Eins vorweg. Nach dem über jede Kriktik erhabenen Unplugged-Album ist dies Wolf Maahns beste Scheibe! Frisch, peppig, mitfühlend, mit anspruchsvollen Texte: Die Themen sind Ausländerfeindlichkeit, das Entfliehen im Technorausch oder das einmalige Loblied auf Bremen - wie schon seinerzeit Herbert Bochum hochleben ließ!. Wolf gibt sich wieder rockiger, beeinflußt vor allem von den Stones. Bei "Fuck Off" jedoch, hat der Kölner zu offentsichtlich geklaut. Zusammengeschustert aus "Friday On My Mind", Furys "Every Generation" und zum guten Schluß ein Deep-Purple-Abspann, kann man bei diesem Stück geteilter Meinung sein, es hat trotzdem noch was. Insgesamt bleibt es ein geiles deutsches Album. Unser aller Marius sollte auch mal besser Back to the Roots gehen. An Libero kann er sich gleich zwei Scheiben abschneiden! (hs)

DER TOBI & DAS BO
Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander
Yo Mama Records
Der Titel trifft's! Manchmal klingen sie wie irgendeine x-beliebige Schüler-Blödel-Band, aber: alles Absicht. Daß sie in der Szene nicht unbekannt sind, spricht für ihr Können. Die Jungs haben einfach Spaß an sich selbst und beweisen, daß Hip Hop auch witzig sein kann. In regelmäßigem Wechsel geben sich Jokes und grooviger Sound die Klinke in die Hand (so kommen sie am Ende auch auf 27 (!) Stücke!). Fernab jeglicher Mother-Fucker-Mucke widmen sie sich lieber Texten wie: "Mitdemfischanderwandindenputz...". Allerdings nicht immer, teils lassen sie auch ernste Klänge hören - die bleiben jedoch eindeutig in der Minderheit. Ihre eingespielten Texte älterer medialer Werke, ihre Interview-Fragmente und auch andere Kleinigkeiten mögen vielleicht manche an die frühen Fantastischen Vier erinnern, aber den TOBI & das BO sollte man nun wirklich nicht mit anderen in einen Topf werfen. Sie sind eigenständig, einzigartig. Es haben sich zwar schon einige am deutschen Hip-Hop-Humor versucht, aber nicht viele haben es geschafft. Mit dabei sind übrigens auch "liebe Gäste" von FETTES BROT - das spricht für sich! (sh)

YADA YADA
Subculture
99 Records
»Subculture« ist eine von den Platten, die einen zunächst einladen, einen Ausgang aus der Realität zu finden, einen mittels Groove an die Hand nehmen und dabei beständig melodische Vibes in Hirn pumpen. Da trudelt man zwischen swingendem Easy Listening und Acid Jazz hin und her, wird von Santana-artigen Samba Sounds umwabert und findet sich unvermittelt zwischen dezenten Techno-Beats wieder - so ganz selbstverständlich. Warm und strömend! »Subculture« fängt ein, versetzt in swingende Rhythmen, mal gelassen, mal fordernd aber harmoniebedürftig. Schuld an solchen Zuständen sind Mick Talbot und Chris Bangs, beides bekannte Gesichter in der Clubszene. Talbot kann auf Zusammenarbeit mit STYLE COUNCIL und GALLIANO zurückblicken und GALLIANO war auch eine von Bangs' Karrierestationen. »Subculture« ist ihr erstes gemeinsames Werk, und es ist fast rundum gelungen. Nur der Anfang der CD ist ein wenig dürftig. Doch nach spätestens zehn Minuten hat man das vergessen und ist mittendrin im Fluß von gelassenstem Ambient Acid Jazz. (ce)

Yaki Kandru
Music From The Tropical Rainforest And Other Magic Places
(Network/zweitausendeins)
Yaki Kandru, das ist eine Gruppe mit wechselnder Besetzung um den als Tenor ausgebildeten Jorge Lopez, die sich zur Aufgabe gemacht hat das Musikalische Erbe der indianischen Kulturen Amerikas zu erhalten. Yaki Kandru bedeutet "Ich habe Hunger" und der Hunger nach neuer intressanter Musik wird mit dieser Aufnahme nicht gestillt sondern eher angeregt. Denn was Lopez an Klangwelten zusammengetragen hat ist atemberaubend. Die Musik der amerikanischen Ureinwohner erweist sich als ungeheuer Vielseitig, allein schon die Instrumentierung und die Sounds auf dieser Scheibe sind mehr als hörenswert. Die Stücke sind bis auf wenige Ausnahmen (Hochzeits und Kriegstänze) atmospharisch, mehr noch hypnotisch getragen und offenbaren immer wieder neue Facetten. Musik die eine Ruhe und Harmonie vermittelt die geworden selten ist. Schön! Die CD gehört zu einer Serie von 14 CDs die unter Regie des WDR zusammengetragen worden sind. Auf jeder dieser CD wird eine andere Kultur vorgestellt, eine akustische Weltkarte. Wer Intresse hat sollte den Network Katalog anfordern, es lohnt sich.

YO LA TENGO
Painful
city slang/efa
Irgendwie hat mir diese Ohrenlektüre voller lieblicher wunderschöner Klanggedanken die Ohren verschmalzt und vorerst voll und ganz die Sprache verschlagen. Früh notiertes Gedankengut las sich  schrammelig und war für Rezensionen schlicht unbrauchbar. Zur Musik: Da ist es wieder, das Problem, einen verständlichen Text zu Sounds zu verfassen, die man wohl niemals anhand von Sprache illustrieren kann. Lest meine Gedanken, Leute! rrrhozuplfyxvbejfanaziler po,defolunnetsihcsafhupsbackwardnegalhcsrez Ernsthaft (...) SONIC YOUTH-orientiert, aber dennoch anders, zeichnen YO LA TENGO die wunderschönsten Harmoniebögen ans Himmelreich, die mich seit den "DOORS" zu Tränen gerührt haben. Monotonie wird zur Kunstform, diese Musik braucht weder Gesang noch Groove, Feedbacks werden neu entdeckt und formieren sich zu traumtänzelnden Einschlafgeschichten einer liebenden Mutti am Bett eines 5-jährigen. Glück und Trauer suchen den gemeinsamen Nenner, Melancholie und mehr geben dem Kind einen süßen Schlaf und lassen hoffen auf ein Erwachen im Land, wo Milch und Honig fließen. Außerdem finde ich es immer wieder abgefahren, zu dieser Platte Sex zu haben. Noch Fragen? (tb)

MARK KNOPFLER
Screenplaying
Phonogramm
Eine ganz andere Seite des Dire- Straits-Gitarristen ist auf diesem neuen Sampler zu hören. Auf der neuen Scheibe »Screenplaying« finden sich ausschließlich Film-Musiken. Geboten werden über 70 Minuten selbstkomponierte Musik aus den Filmen »Cal«, »Local Hero«, »The Princess Bride« und »Last Exit Brooklyn«. Einige der Tracks gefallen durch Knopflers filigranes Gitarrenspiel, andere zeigen den Musiker als orchestralen Komponisten, ganz ohne die geliebte Gitarre. Wer die Filme gesehen hat, weiß wie eindrucksvoll die Musik Handlung und Bilder untermalt. Aber auch ohne bewegte Bilder verbreitet "Screenplaying" eine überaus schöne und ruhige Atmosphäre, die zum Entspannen und Träumen einlädt, ohne die sonst üblichen "Klings" und "Klongs". Wer den typischen Dire-Straits-Sound liebt, wird hier allerdings vergeblich danach suchen. (tr)

YOKO ONO
Rising
Capitol Records
Eines vorweg: Singen kann sie nicht. Dafür sind Yokos Stimmeruptionen so vielseitig wie die Kompositionen ihrer CD. Mal stöhnt sie genüßlich ("I'm just doing it!") und lautstark, dann wieder lamentierend, anklagend, verzweifelt kämpfend. Insgesamt aber überwiegt Sprechgesang - der bestenfalls an Grace Jones erinnert - in den mal funkigen, mal punkigen, mal auch schlicht stinklangweiligen Tonstücken (besonders beim 11-minütigen Titelsong). Es ist, als würde Yoko Ono den ganzen Frust ihrer letzten Jahre ohne John Lennon herauskotzen, von sich stoßen. Dabei ist aber dennoch die musikalische Bandbreite bemerkenswert: Die Teenie-Band ihres Sohnes Sean (»IMA«) zaubert erstaunlich vielseitige und durchdachte Arrangements hervor, ja, hier liegt sogar die eigentliche Stärke des ganzen Albums, das insgesamt durch Intensität und Originalität zu bestechen versteht. (pw)

ZAM HELGA
Zolo In Zulu
Deshima/spv
Ganz gleich, ob es sich um eine Ballade oder eine geradlinige Rocknummer handelt, immer wieder fasziniert die Stimme des Ex-Helga Pictures-Frontmannes ZAM HELGA. Hier wird kein gängiger Abklatsch verbraten, sondern moderne Rockmusik in Verbindung mit deren Wurzeln geboten. Ohne ein billiges Plagiat zu bilden, erkennt man ZAM'S Begeisterung für den Art-Rock   la Marillion oder Genesis, findet der Hörer Bruchstücke aus den 70's in den Nummern. Räumliche und atmosphärische Dichte wurde zudem durch Verwendung eindrucksvoller Samples realisiert, die auch Ausflüge in ethnische Gefielde beinhalten. Es sind Träumereien und Phantasien, die der "moderne Spiritualist" ZAM HELGA auf »Zolo In Zulu« zum Besten gibt und die wieder hoffen lassen. Wer sich live von ZAM HELGA überzeugen möchte, der sollte dies am 2.9. in der Kulturwerkstatt in Paderborn tun. (om)
 

DIVERSE
Buy British
Sony
SUEDE, TEENAGE FANCLUB, OASIS,... - die englischen Schrammelgitarren haben längst die Herzen deutscher Fans erobert. So mancher Hit der Briten ist mittlerweile radiofähig. Die Aufforderung "buy british" muß da nicht allzu oft ausgesprochen werden. Damit sich auch der kleine Geldbeutel an den Prototypen der "fine contemporary british pop and rock music" erfreuen kann, gibt's die als gesammelte Werke auf einer Doppel-CD. Mit dabei sind auch die MANIC STREET PREACHERS, PRIMAL SCREAM, MISSION, JAMIROQUAI und viele andere. Eine harmonische Mischung, durch und durch britisch - auch bei kritischem Publikum partyfähig! (sh)

ZENTRIFUGAL
Poesiealbum
Indigo
Das Bremer Duo ZENTRIFUGAL begibt sich auf die Spuren der deutschsprachigen Hip-Hop-Elite. Und tatsächlich, zwischen Fanta 4 und Rödelheim liegen noch einige unerforschte Regionen! Großes Plus: satter Sound, abwechslungsreiche Arrangements und originelle Samples aus dem Repertoire des Hörfunks. Schätze des Bildungsbürgertums vom sonoren Kommentar bis zum ergriffenen Gedichtvortrag werden einer neuen Verwendung zugeführt. Auch die Covergestaltung macht Freude: Das Album ist wirklich ein Poesiealbum, nicht nur alle Texte sind in Schönschrift abgedruckt, auch an ein Bändchen als Lesezeichen wurde gedacht. Ein gelungenes Debüt also, keine Frage! Verbesserungswürdig ist allerdings die Vortragsweise: der Rap-Tonfall variiert zuwenig, das wirkt auf die Dauer ein wenig ermüdend. Auch hätte man sich mehr Wortwitz gewünscht und dafür etwas weniger Moralisieren und Lamentieren. Doch ZENTRIFUGAL haben Potential ohne Zahl, ideal, keine Wahl: hey, das hört man noch einmal... (lj)

ZODIAC MINDWARP
One More Knife
Fresh Fruit/SPV
Zody is back! Der Schlingel ließ sich bereits sein bestes Stück be-ringen, als das Wort »Piercing« noch keiner gehört hatte. Auch musikalisch scheint er seiner Zeit voraus zu sein, denn sein letzter Streich »Hoodlum Thunder« wurde 1991 böse verrissen und floppte fürchterlich. Keinen Blassen, wieso; das Teil hatte Pep und war obendrein tanzbar. Egal auch, mit »One More Knife« greift Zody nochmal an - und wie! Seinen eigenen Stil kann dem Burschen niemand absprechen, und den kultiviert er fleißig weiter. Dazu gehören auch Samples, mit denen er es manchmal allerdings übertreibt. Dadurch wirkt die Musik etwas steril, so daß es einige Zeit braucht, um mit der Platte warm zu werden. Nimmt man sich diese, bleibt einem die Klasse solcher Kracher wie »Storm Of Steel« oder »Cleopatra Rising« nicht lange verborgen. Zudem ist »One More Knife« mit mehr Biß ausgestatt als der Vorgänger. Das erleichtert den Einstieg. Trotzdem gewöhnungsbedürftig. Aber der Schritt zur Sucht ist ein kurzer... (ms)
 

ZZ TOP
Antenna
(RCA)
Zurück zu den Wurzeln, weg von Disco- und Maschinenbeats, so die aktuelle Richtung des texanischen Trios ZZ TOP. Auf ihrer neuen Scheibe »Antenna« frönen die Drei wieder dem Sound der frühnen Tage. Zeitweise verknüpften sie in letzter Zeit die fast schon legendäre Spielweise alter Nummern mit den technisch raffinierten Tricks ihrer LP »Eliminator«, ohne dabei an Bodenständigkeit zu verlieren. Doch Bassist Dusty Hill sagt inzwischen: "Uns ist klar geworden, daß Gitarren und Verstärker im Grunde voll und ganz ausreichen, um unsere Musik zu machen, nämlich Rock'n Roll!" Damit scheint auch sicher zu sein, daß die drei Amerikaner ihren Ruf als Top-Adresse in der großen weiten Rock'n-Roll-Landschaft weiter festigen wollen. Bewußt schlicht die Texte, in denen sich wieder einmal alles um schnieke Girls und schnelle Autos auf dem "Pacific Coast Highway" dreht. Neben fetzigen Rock'n-Roll-Nummern findet man mit "Cover Your Rig" auch ein Ballade im Geiste von Robert Johnson und Howlin' Wolf. Insgesamt ein klasse Scheibe - Boogie, Blues und Rock'n Roll pur! (jü)

VIRGIN STEELE
The Marriage Of Heaven And Hell Pt. 2
T&T/Modern Music
Was ich nie für möglich gehalten hätte, ist doch tatsächlich eingetreten: Die Fußbank, die dem ersten Teil zum Klassiker »Noble Savage« fehlte, kickt der Nachfolger in hohem Bogen in die Ecke. Es fällt mir schwer, in Worte zu fassen, was auf dieser Superscheibe abgeht. Aber eins weiß ich sicher: Diese beiden Alben sind die Verwirklichung einer Vision. Leider ist David DeFeis nicht nur ein Dreieinhalb-Oktaven-Rambo, sondern hat obendrein Komposition studiert. So können 99% aller Konsumenten mit den »Marriage«-Zwillingen nichts anfangen. Für das verbleibende 1% gibt es beide Platten auch als streng limitierte Doppel-CD. Der fehlen zwar die hintergründigen Texte, aber dafür wird die Geschichte und Philosophie von VIRGIN STEELE äußerst anschaulich erklärt. Man erfährt dort z.B., daß Metallica und Queensryche zu den dienstältesten VS-Fans zählen. Auch ein Verkaufsargument! (ms)

BRIGHTSIDE
Punchline
Lost&Found
"Oops, Schnellschuß", hätte ich beinahe gesagt. Knapp anderthalb Jahre ist es her, daß BRIGHTSIDE ihre Debüt-Mini-CD »Face The Truth« veröffentlichten und gleich anschließend mit Detroits Hardcore-Helden Pitbull auf Tour gingen. Binnen zwei Monaten hatten sich BRIGHTSIDE als zweiter großer Hoffnungsträger der Kassler Hardcoreszene etabliert, die gerade mit den Ryker's eine überragende Band ausgespuckt hatte. »Face The Truth« war eine kleine feine HC-Scheibe, gerade die richtige Mischung aus Brett, Groove und diesen netten Melodien, die das Ganze so eingängig machten. Genau das aber bringt »Punchline« nicht. Klar, hier geht's zur Sache. Old School HC mit 90ies Frischzellenkur. Viel Message, viel Groove, geht ins Blut und an den entsprechenden Stellen wird Mitgrölen leicht gemacht. But, where's the melody? Wo ist diese augenzwinkernde Mitsummgeschichte von »Face The Truth«? Immerhin 'ne gute Scheibe, aber vielleicht sind BRIGHTSIDE den Ryker's doch ähnlicher als man denkt. Deren erste komplette LP war auch nicht so genial wie sämtliche Singles und Mini-CDs vorher und nachher. (ce)

LORIAN
Virginal Mind
Tricolor/Edel
Stolze 2 Jahre gingen ins Land, bis diese fabelhafte CD endlich das Licht der Welt erblickte. Für LORIAN brachte das langwierige Vertragsdilemma immerhin den Vorteil, daß alle Songs nochmal gründlich überarbeitet werden konnten, so daß beim Ergebnis der Begriff "Perfektion" angemessen ist. Hier sitzt jeder Part, jedes Break, jede Note - jede Sekunde hat ihre Berechtigung. Auf »Virginal Mind« stimmt einfach alles von vorne bis hinten, Schwachstellen lassen sich nichtmal mit der Lupe und viel bösem Willen ausmachen. Abgerundet wird das Hörvergnügen durch anspruchsvolle, verträumte Texte, ein Spitzencover und einen kristallklaren Sound, der alles zunagelt. Moderne Rockmusik in Vollendung. Schon lange sind mir 65 Minuten nicht mehr so kurz vorgekommen. Kontakt: Christian Göwert, Am Waldessaum 10 b, 49811 Lingen. Tel. 0591-76686. (ms)

DIVERSE
BritPop (Vol. 1)
Sony
Nachdem OASIS es nun endlich geschafft haben, wirkt der BritPop-Hype ein wenig glaubwürdiger. Um die englische Musikszene nach jahrelangem Dahindümpeln in der Welt wieder zu etwas zu machen, dienen dann auch solche Sampler. Diesen kann man aber aus zwei Blickrichtungen betrachten. Auf CD 1 findet man zwar noch die jungen Brit-Pop-Bands der Stunde (OASIS, BLUR, ECHOBELLY oder ELASTICA), auf CD 2 hingegen findet man Gruppen mit Hits aus vergangenen Tagen (EMF, JESUS JONES, SHAMEN oder NEW ORDER), die mit der heutigen BritPop-Bewegung reichlich wenig zu tun haben. Aufgrund der wirklich guten Zusammenstellung der Songs, mit Hits, die man schon immer mal auf einer Scheibe haben wollte, kann man aber über den »Ausverkauf« hinwegsehen! (hs)

RIOT
The Brethren Of The Long House
Rising Sun/Semaphore
Unter den Power-Metallern sind RIOT die Eingängigsten und Melodiösesten, was ihr neu(nt)er Output nachhaltig unter Beweis stellt. Inspiriert von Michael Manns Neon-Version von »Der letzte Mohikaner« schufen Ausnahmegitarrist Mark Reale und seine Gang ein brillantes Konzeptalbum über die Eroberung des amerikanischen Kontinents. Zwar wird keine zusammenhängende Story erzählt, doch die differenzierte, um Subjektivität bemühte Betrachtung beider Seiten verdient allemal Anerkennung. Zwischen Ohrwurmriffs - die entgegen der Arbeitsweise der meisten Bands immer erst nach den Melodien entstehen - und indianischen Rhythmen plazieren RIOT den Gary Moore-Hit »Out In The Fields«. Darin geht es zwar um den Bürgerkrieg in Irland, aber wie bemerkte Mark so treffend: "Jeder Krieg ist gleich verrückt. Nur die Schlachtfelder wechseln." In limitierter Auflage übrigens als Doppel-CD mit zusätzlichem Live-Album, das es sonst nur als höllenteuren Japan-Import gibt. Take it! (ms)

FANTASYY FACTORYY
Ode To Life
Ohrwaschl Rec.
Hendrix wird nie sterben. Zu groß war sein Einfluß auf die Rockszene! Auch bei den Paderborner Psychedelic-Rockern von FANTASYY FACTORYY  hat das Gitarrengenie seine Spuren hinterlassen - große Spuren: "Watching You" könnte spieltechnisch wahrlich aus Jimis flinken Fingern stammen. Soll aber noch lange nicht heißen, daß "Ode To Life" ein weiterer Hendrix-Abklatsch ist. Das in den Londoner Sun Dial Studios aufgenommene Album entpuppt sich als eine interessante Psychedelic-Scheibe. Fans dieser Spartenmusik dürfte es auf jeden Fall ein Aufhorchen wert sein, auch Liebhaber von Pink Floyd aus früheren Tagen sollten ihm ruhig mal ein Ohr leihen ("Spooky"). Einziges Manko: der Gesang Alan Teppers ist stellenweise doch gewöhnungsbedürftig. (hs)

INSTANT KARMA
Grammy
BMG
Der abgewandelte "Buy British" Aufkleber am Cover zeigt, daß die Osnabrücker Briten einen ausgeprägten Humor haben. Könnten doch gerade sie von der Gitarrenpop-Welle aus Great Britain profitieren. Die ausgewanderten Gebrüder Ivison (gleich 3!) präsentieren überdurchschnittliches Songmaterial mit dem letzten fehlenden Quentchen zum Hit. Groovepotential hingegen ist genügend vorhanden, welches besonders bei Livekonzerten ständig zum Tanzen auffordert. Ihre Livequalitäten  konnten sie erst kürzlich in Texas mit SELIG und RAUSCH unter Beweis stellen. Würde auf "Grammy" eine echte Hitsingle vertreten sein, würden INSTANT KARMA andere Weihen zu Gute kommen! Jeder, der dem Britpop zugeneigt ist, sollte mindestens mal reingehört haben. Anspieltips? "Tattoo", "Silver Whale" oder "Invertebrate". Mehr Infos gibts im web: http://www.rock.de\karma\karma.htm  (hs)

HAREM SCAREM
Voice Of Reason
Wea
Bei keiner der bisher 3 Veröffentlichungen dieser außergewöhnlichen Kanadier weiß man vorher, was einen erwartet. War das Debüt eine klassische AOR-Scheibe (aber sooo gut!!), ging's auf dem Nachfolger »Mood Swings« erheblich heftiger zur Sache. Nun hat das Quartett seine Markenzeichen in ein leicht düsteres Gewand gehüllt, diese zugleich jedoch so verfeinert, daß Musiker und Zuhörer noch rechtzeitig die Kurve kriegen. Der Harmoniegesang hat eine Perfektion erreicht, die mehr als einmal QUEEN-eske Dimensionen annimmt. Überhaupt die Vocals: Was Ideenreichtum und Raffinesse betrifft, könnten z.B. DIE PRINZEN von diesen Arrangements eine Menge lernen. So schleicht sich irgendwann jeder Song langsam, aber umso sicherer in die Gehörgänge. HAREM SCAREM's zweiter Trumpf ist Gitarrist Peter Lesperance, ein Monster bei den Soli (»The Paint Thins«!), ein vorwitziger Lausbub bei den zahllosen Gags zwischendurch. Die sind das Salz in der Suppe, da stets zum Wohle des jeweiligen Titels. Es gibt immer wieder neue Details hörend zu entdecken. Klasseteil! (ms)
 
BE
Bold
EMI
Da endlich ist das Album, auf das wir so lange warten mußten: Die 90er reichen ihre Hand zum Brückenschlag in die 70er. Sicher, die Zeit war überreif für BE, dieses ultimative Crossover aus Hannover. Knallharter HipHop, cool relaxter Acid Jazz und satte Samples saugen an süffigen Sounds, Hendrix-Soli und irrisierenden Mustern voll Melancholie und Magie. Shout-Raps und DJ-Scratches krallen sich Seventies Funk und dröhnige Gitarren-Riffs. Dazwischen blitzt eine sanft gedämpfte Miles-Davis-Trompete auf, oder Pappa Zappa läßt grüßen: Das ist der Stoff, der süchtig macht. Schon der Opener »Black Rain« zwingt in seiner abgeklärten J.J.Cale-Coolness über psychedelischen Piano-Repetitionen und treibenden Grooves zum dauernden NeuSTART. Das Ganze ist abwechslungsreich bis zum Zweifel, ob es sich hier nicht um eine Best-Of-Crossover-Compilation handelt. Schließlich wagt man sich gar an den Klassiker »Castles Made Of Sand« heran: Ja, covert der gute alte nöhlige Bob Dylan hier Hendrix mit Pearl Jam als Begleitband??? Ist schon das Album ein Geniestreich, so sollen BE mit irrem Outfit und explosiver Show live noch einen draufsetzen. Don't dream it, BE it! (lj)

GHOSTHOUSE
Thing Called Life
Semaphore
Man werfe HOOTIE AND THE BLOWFISH und die WALKABOUTS in einen Topf, gebe eine ganz leichte Prise R.E.M. hinzu und rühre das Ganze ein wenig. Zum Abschmecken noch einen Hauch Country, und fertig ist ein schmackhaftes Hauptgericht namens GHOSTHOUSE. Eine amerikanische Neofolk-Formation, die zwar nicht viel neues auf "Thing Called Life" bietet, uns aber dafür mit zeitlos schönen Ohrwürmern beschenkt. Folkrock wie er in den - meist trendsetzenden - US-College-Radios rauf und runter gespielt wird. Nur GHOSTHOUSE halt nicht! Absolut fraglich, warum Majorfirmen bei dem jetztigen Boom von Neofolkmusik eine solch begabte Band einfach übersieht! Wahrscheinlich bleibt auch diese Scheibe wieder unendeckt. An potentiellen Hitsingles kann es hingegen nicht scheitern. Überzeugt Euch selbst: "Quicksand", "Confession Of A Killer" oder dem Titelsong spreche ich höchste Radiotauglichkeit zu. (hs)

KISS
MTV Unplugged
Mercury
Die amerikanischen Großmäuler proben den Aufstand! Die 70er Jahre Glam-Hardrocker sind doch tatsächlich der Meinung, es wäre Zeit für ihre Reunion. Sie wollen es jeder kleinen Möchtegern-Band nochmal zeigen, so Langzunge Simmons. Mit den verschollenen Frehley und Criss und natürlich mit Masken und diesen Kostümen   la Gary Glitter werden sie erneut auf Welttournee gehen. Um wieder in aller Munde zu kommen, nutzte man die Unplugged Serie auf MTV. Dieser Gig liegt jetzt als Album vor. Leider! Ohne ihre Riesenbühnenshow und den Bombast-Hardrock kann man diese abgespeckte Version ihrer Songs schlicht als katastrophal, plump und ohne jegliche Atmosphäre bezeichnen. Dabei hätten sie doch nur auf ihrem eigenen Tributalbum nachschauen können, um zu sehen, was man aus einem "Rock And Roll All Nite", gespielt von TODD THE WET SPROCKET, machen kann. Legt erst mal wieder ein gutes Rockalbum vor, um so 'ne dicke Lippe zu riskieren! (hs)

SCORPIONS
Pure Instinct
eastwest
Jawoll, es gibt sie immer noch! Und sie wollen partout nicht aufhören! Deutschlands erfolgreichster Exportschlager in Sachen Rockmusik, einst trendsetzend (sogar in den USA), legt heuer mehr Wert darauf, sich selbst zum x-ten Mal zu kopieren! Nicht nur, daß Hardrock   la SCORPIONS längst megaout ist (trotzdem kann er  ja immer noch gut sein), aber die Hannoveraner geben dem Genre nicht mal den Hauch eines Impulses. Geschielt wird nur auf Hitsingles in Balladenform. Dem Phil-Collins-Konsumenten fällt's nicht auf. Der Ausverkauf im eigenen Haus. Schrecklich! (Vom Cover ganz zu schweigen.) Wie beginnt doch gleich der Text der ersten Singleauskopplung »You And I«, da beginnt Meine zu summen: "I lose control...", unweigerlich wandert der Finger auf die Stopptaste, und im Gedankengang schwirrt der Satz vorbei: Das Gefühl hab' ich auch! (hs)

T.C.A.
Vendetta
Day-Glo
Die T.C.A. Microphone Mafia ist da! »Vendetta« ist angesagt, wenn die viersprachigen Rapper loslegen. Doch keine Angst, hier wartet nicht eine neue Spielart unerträglichen Gangsta Raps mit brutaler Macho-Attitüde und gezogenem Colt. Im Gegenteil: T.C.A. spielen voll Satire und Witz mit den bekannten Mafia-Klischees. Da wird in einem aberwitzigen Räuber-und-Gendarm-Spiel persifliert und zitiert, daß es eine wahre Freude ist. Musikalisch gibt es dazu eine groovige Mischung mit Zitaten aus Ethno- und Filmmusik, die aber auch den im Genre eher ungewöhnlichen Sound knallig angezerrter E-Gitarren nicht scheut. Gerapt wird in deutsch, englisch, türkisch und italienisch, und das mit einer solchen Musikalität und einem Gefühl für Rhythmus und Stil, wie es in der boomenden German Hip Hop Szene mehr als selten ist. Grandios! (lj)