Alte Ww-Plattenkritiken (Teil 1)
Plattenkritiken aus dem Wildwechsel bis 1996


DIE JÜNGER
Komm ins Glück
Sony

Wenn eine Gruppe mit ihrem Debüt gleich bei einem Major landet, ist Vorsicht geboten. Kommando zurück - in diesem Fall kann man getrost Entwarnung geben. Die JÜNGER sind intensiver, atmosphärischer und vielschichtiger, als es SELIG je sein werden. Einen Großteil ihrer Wirkung verdanken die Nürnberger ihrem Frontmann Jörg Bauer, dessen hypnotischer Gesang Dich packt und fesselt und nicht mehr losläßt. Die vier Jungs haben auch ohne Hype das gewisse Etwas, das sie aus der dumpfen Masse heraushebt. Mögen sie sich dieses erhalten! (ms)

DIVERSE
Summer Jam History
The Legend Lives On
Polymedia

Seit nunmehr 10 Jahren findet das wohl bedeutendste Reggae- und Worldbeat-Festival Europas statt. Grund genug, um zum Jubiläum des Summer Jam Events eine Doppel-CD vorzulegen, die einen guten musikalischen Querschnitt über die Festivalsund die komplette Welt der Reggae- und Worldmusik bietet. Neben Klassikern der Reggae-Szene wie ISRAEL VIBRATION, THE WAILERS BAND und CULTURE werden auch die Dub-Poeten MUTABARUKA und LINTON KWESI JOHNSON sowie AFRICAN HEAD CHARGE und ZION TRAIN aus dem Bereich der neueren Dub-Musik präsentiert. ANDREW TOSH, ZIGGY MARLEY und die MYSTIC REVEALERS vertreten die aktuelle jamaikanische Musik. Aus Deutschland ist neben RHAPSODY die Hannoveraner Band THE VISION mit von der Partie. YOUSSOU N'DOUR, SALIF KEITA, ANGELIQUE KIDJO und andere lesen sich wie das "Who is who" der Worldmusic. Positiv fällt auf, daß weitgehend neuere Titel der beteiligten Bands zusammengetragen wurden und nicht, wie bei vielen anderen Samplern aus diesem Bereich, auf altbewährtes Material zurückgegriffen wurde. Ein wenig erstaunlich ist, daß nicht  eine einzige Liveperformance zu finden ist, soll doch das 10-jährige Jubiläum eines großen Festivals gefeiert werden. Dennoch ist der Sampler zu empfehlen, da ein sehr breites Spektrum des Reggae und der Worldmusic präsentiert wird! (kf)

DIVERSE
Underwood
sub rosa

Das belgische Label sub rosa hat sich mittlerweile zum Geheimtip in der electronic listening Szene entwickelt. Schräges, Unkonventionelles, Dinge, die abseits der ausgetrampelten Ambient-, Dub- und Industrialpfade liegen, finden sich hier - oft, um dann später als das neue Ding gefeiert zu werden! So könnte es einigen der auf diesem Sampler versammelten "Bands" auch gehen, auf der 100 (100.???) sub rosa Veröffentlichung finden sich die Stars und Geheimtips des Labels. Da wären MOUSE ON MARS, ein deutsches Projekt, in England längst Stars, hier leider noch kaum bekannt oder SCANNER, die die Schattenseiten des Dub ausloten. BILL LASWELL dagegen ist wohl so etwas wie eine Koryphähe. Überall dort, wo etwas Neues passiert, taucht dieser unermüdliche Musiker auf, der eigentlich aus dem Jazz kommt. »Faktura« heißt sein Beitrag, Breakbeat with a difference. Genauso DAVID SHEA, Sampelmann des Avantgarde Jazzers JOHN ZORN, der hier einen traumhaften East-Orient-meets-Techno-Song beisteuert oder Ex-NAPALM-DEATH und -SCORN-Drummer Mick Harris mit seiner Ambient Dub Vision oder die ISLAMIC DIGGERS mit »Burroughs Don't Play Guitar« oder..., kurzum ein appetitanregendes Samplerteil eines Labels, das man sich merken sollte. (ce)

DIVERSE
The Ultimate Mix
Malboro Musik

»The Ultimate Mix - Featuring The Godfather Of Rap« ist das neueste Werk von Produzenten Axel Kroell. Diesem gelang eine kleine Sensation, indem er Grandmaster Flash, Kurtis Blow, Afrika Bambaataa und Mele Mel im Tonstudio musikalisch vereinte. Das Ergebnis dieses Projekts ist der Sound, der zu den Ursprüngen des Hip Hop zurückführt, dem Funk. Der Funk in den 90ern ist eine Reise in die Vergangenheit, aber auch ein Blick in die Zukunft. Es paaren sich auf der neuen Scheibe dieser Pioniere Klänge von House und Hip Hop mit viel Drum & Bass. Eine gute Mischung aus neun Titeln mit feinsten, funkigen Rhythmen, die Laune machen. Außerdem gibt es einen nennenswerten interaktiven Beitrag, der zehnte Titel läßt nur die Vocals ertönen, dazu können sich Musikbegeisterte ihren eigenen Sound kreieren. Übrigens:  »The Ultimate Mix« basiert auf der Idee eines Kult-Comics, das 1986 erschienen ist. (sv)

NEIL YOUNG
Broken Arrow
Reprise/Warner

Broken Arrow nannte sich das Label, unter dem Neil seine allerersten Songs bei BUFFALO SPRINGFIELD und CSN&Y veröffentlichte. An die ersten Songs erinnert so manches: die unter verzerrte E-Gitarrenklänge gemischte Stimme, die sich wieder in ätherische Höhen verliert, die Eingängigkeit der Kompositionen, die schrägen Soli. Ansonsten möchte Vielschreiber Young wohl ins Guinness-Buch als produktivster Rock-Musiker aller Zeiten eingehen: Dies ist immerhin seine 4. Platte innerhalb von nur 2 Jahren. Böse Zungen behaupten folgerichtig, daß dies wohl der Grund dafür sein müsse, daß die Einfältigkeit mancher seiner Melodien nur noch von Kinderliedern wie »Backe, Backe Kuchen« übertroffen werden könne (z.B. in »Scattered«). Und diesen Liedern wird ja heute auch Klassikerstatus eingeräumt. Jetzt muß Neil Young seine wahre Berufung (als Kinderliedermacher) nur noch selbst entdecken! (pw)

SPIN DOCTORS
You've Got to Believe in Something
Sony/Epic
Er soll sich als Boß aufgespielt haben und wollte unbedingt den Sound bestimmen. Da warfen sie ihn raus. Die Rede ist von Star-Gitarrero Eric Schenkman, der mit seinen zündenden, vor Genialität sprühenden Riffs, Licks und Soli den Erfolg der Band maßgeblich verantwortet haben dürfte. Der neue Saitenmasseur heißt Anthony Krizan und ist ein fähiger Handwerker. Aber daß den SPIN DOCTORS etwas fehlt, hört man vom ersten Takt an. Zwar sind sie alle noch da, die Funk-Rock, Rhythm'n-Blues- und White-Soul-Stücke, aber selbst der atmosphärisch dichteste Track »Dogs on a Doe« - noch verräterischer ist ein Vergleich von »If Wishes Were Horses« mit »Jimmy Olson's Blues« - klingt recht bemüht und lustlos. Insgesamt ist die CD durchaus anhörbar, zeigt aber, wie sehr die ersten beiden der SPIN DOCTORS echte Ausnahmealben waren. (pw)
 
 
 
 
 
 
 
 
 

SUBLIME
400z. To Freedom
Skunk Rec./Community
Wenige Tage nach Veröffentlichung dieser CD starb SUBLIME-Sänger Bradley James Nowell an einem tödlichen Cocktail aus Schmerztabletten und Alkohol. Nach Auskunft der Plattenfirma handelt es sich weder um Selbstmord noch um einen durch Sucht ausgelösten Drogentod, doch dieses traurige Ereignis macht »400z. To Freedom« unbestreitbar zu einem besonderen Album. SUBLIME werden zwar als Punkband promotet, aber zumindest diese Scheibe ist mehr Reggae als irgendetwas anderes. Gut, »New Thrash« geht als US-Beach Punk durch, aber in den 24 Songs/73 Minuten kommen Ska, Rap, Scratching, ja sogar Hundegebell weit häufiger vor. Beim »Secret Track« (Nr. 21) ist dann alles klar... (ms)

DIVERSE
12 Years In NOISE
Noise/Modern Music
Gerade in letzter Zeit schieden sich manche Bands im Unfrieden von Noise - KREATOR, RUNNING WILD, SKYCLAD -, doch das ändert nichts an der Bedeutung des Berliner Labels nicht nur für den einheimischen Heavy Metal. Kein Wunder, daß in diesen 136 Minuten Qualität Trumpf ist. Getreu dem Untertitel »Metal & Beyond« ist die erste CD traditioneller (u.a. die HELLOWEEN-Rarität »Oernst Of Live«!), während CD 2 experimentellen Combos wie CELTIC FROST, VOIVOD oder meinen ewigen Faves MORDRED (RIP) ein Forum bietet. Für Neueinsteiger und Fans von Achtziger-Metal eine runde Sache. (ms)

DIE JÜNGER
Komm ins Glück
Sony
Wenn eine Gruppe mit ihrem Debüt gleich bei einem Major landet, ist Vorsicht geboten. Kommando zurück - in diesem Fall kann man getrost Entwarnung geben. Die JÜNGER sind intensiver, atmosphärischer und vielschichtiger, als es SELIG je sein werden. Einen Großteil ihrer Wirkung verdanken die Nürnberger ihrem Frontmann Jörg Bauer, dessen hypnotischer Gesang Dich packt und fesselt und nicht mehr losläßt. Die vier Jungs haben auch ohne Hype das gewisse Etwas, das sie aus der dumpfen Masse heraushebt. Mögen sie sich dieses erhalten! (ms)

DIVERSE
Underwood
sub rosa
Das belgische Label sub rosa hat sich mittlerweile zum Geheimtip in der electronic listening Szene entwickelt. Schräges, Unkonventionelles, Dinge, die abseits der ausgetrampelten Ambient-, Dub- und Industrialpfade liegen, finden sich hier - oft, um dann später als das neue Ding gefeiert zu werden! So könnte es einigen der auf diesem Sampler versammelten "Bands" auch gehen, auf der 100 (100.???) sub rosa Veröffentlichung finden sich die Stars und Geheimtips des Labels. Da wären MOUSE ON MARS, ein deutsches Projekt, in England längst Stars, hier leider noch kaum bekannt oder SCANNER, die die Schattenseiten des Dub ausloten. BILL LASWELL dagegen ist wohl so etwas wie eine Koryphähe. Überall dort, wo etwas Neues passiert, taucht dieser unermüdliche Musiker auf, der eigentlich aus dem Jazz kommt. »Faktura« heißt sein Beitrag, Breakbeat with a difference. Genauso DAVID SHEA, Samplemann des Avantgarde Jazzers JOHN ZORN, der hier einen traumhaften East-Orient-meets-Techno-Song beisteuert oder Ex-NAPALM-DEATH und -SCORN-Drummer Mick Harris mit seiner Ambient Dub Vision oder die ISLAMIC DIGGERS mit »Burroughs Don't Play Guitar« oder..., kurzum ein appetitanregendes Samplerteil eines Labels, das man sich merken sollte. (ce)

DIVERSE
The Ultimate Mix
Marlboro Musik
»The Ultimate Mix - Featuring The Godfather Of Rap« ist das neueste Werk von Produzenten Axel Kroell. Diesem gelang eine kleine Sensation, indem er Grandmaster Flash, Kurtis Blow, Afrika Bambaataa und Mele Mel im Tonstudio musikalisch vereinte. Das Ergebnis dieses Projekts ist der Sound, der zu den Ursprüngen des Hip Hop zurückführt, dem Funk. Der Funk in den 90ern ist eine Reise in die Vergangenheit, aber auch ein Blick in die Zukunft. Es paaren sich auf der neuen Scheibe dieser Pioniere Klänge von House und Hip Hop mit viel Drum & Bass. Eine gute Mischung aus neun Titeln mit feinsten, funkigen Rhythmen, die Laune machen. Außerdem gibt es einen nennenswerten interaktiven Beitrag, der zehnte Titel läßt nur die Vocals ertönen, dazu können sich Musikbegeisterte ihren eigenen Sound kreieren. Übrigens:  »The Ultimate Mix« basiert auf der Idee eines Kult-Comics, das 1986 erschienen ist. (sv)

SUPERBILK
Superbilk
Trocadero Records
SUPERBILK dürfte die innovativste deutsche Gruppe seit IDEAL sein. Die 3 Musiker um die Sängerin Wicki Wehrmeister aus Düsseldorf haben auf ihrem Debut-Album ihren eigenen Stil schon dermaßen entwickelt, daß man auf die nächsten Alben hochgespannt sein kann. Kleine Zugeständnisse an den Zeitgeist sind die Ausnahme bei den 14 beinahe experimentell zu bezeichnenden Stücken, die zwischen "Neuer deutscher Welle", Pychedelic, Punk, und Art-Rock lavieren. Das Besondere aber sind die poetisch abgedrehten Texte, die Sängerin Wicki W. meist eher schreiend skandiert als singt. Aber auch die Begleitcombo weist erstklassige Musiker auf, besonders hervorzuheben: Gerrit Nowatzki am Bass, der mit seinen eigenwilligen Läufen an Chris Squire (YES) erinnert. Toller Einstand! Mehr davon! (pw)

MOLLY HATCHET
Devil's Canyon
SPV Recordings/CBH Records
Schon der Name der Band, erst recht das martialische Cover verweisen auf aggressiven urwüchsigen Südstaaten-Rock. Molly Hatchet (17. Jh.) ließ nämlich - ähnlich der Schwarzen Witwe - ihre galanten Begleiter nach vollbrachtem Liebesdienst eiskalt köpfen. Ähnlich kompromißlos kommen auch die donnernden Gitarrenorgien von Bobby Ingram und Bryan Basset daher, ein Ohrenschmauß für den Fan von Bands wie JETHRO TULL, DEEP PURPLE und Konsorten. Songs wie »Rolling Thunder« oder »Eat your Heart out« gehen sofort ins Ohr und in die Beine. Dabei stand das Album unter einem denkbar schlechten Stern: Sänger Danny Joe Brown, der schon länger an Diabetes erkrankt war, fiel während der Aufnahmen aus; Phil McCormack, seine perfekte Mimikry, sprang ein. Resultat: ein Album, an dem kein Hardrock-Fan vorbeigehen sollte. (pw)

Petty
TOM PETTY AND THE HEARTBREAKERS
She's The One
Warner
Die Zusammenarbeit scheint zu lohnen: Tom Petty im Dienst des gleichnamigen Films. Auf diese Weise promotet man sich gegenseitig ein bißchen... Nach dem lauwarmen Starter ist man überrascht: "Petty goes Grunge" - ganze 4 langatmige Songs lang. Als wollte er Neil Young imitieren, werden Songs dahingeklotzt, grob und kantig arrangiert, ja, bei »Climb That Hill« möchte man gar Young lieber selbst singen hören. Danach geht's zum Glück in gewohnter Petty-Manier weiter. Genial mischt der Pop-Epigone BEATLES-Arrangements neu auf, bei »Hung Up and Overdue« sogar mit Ringo Starr am Schlagzeug. Bei »California« ist er dann ganz bei sich selbst - oder vielleicht doch bei Dylan??? Jedenfalls ist der Song schwer hitverdächtig - wie letztlich das ganze Album. Ob der Film da mithalten kann??? (pw)
 

SURRENDER DOROTHY
Serum
MCA
Nach drei selbstfinanzierten Europatourneen und einer vielbeachteten 4-Song-Maxi, die merkwürdigerweise von der Plattenkette WOM finanziert wurden, kommt auf MCA nun das Debütalbum. Die Band aus Toronto bietet Alternative Rock ohne Wenn und Aber, ohne überflüssiges Schnickschnack und mit einem Sound, der den Digitalplayer das Fürchten lehrt. Aus welch unendlichen Tiefen holen die nur ihre Bässe? Die Gitarrist bietet neben sattem Seattle-Wah-Wah sogar Ausflüge in Blues-Regionen, der Schlagzeuger brettert los wie einst nur der unsterbliche John Bonham. In Fels gemeißelte Gitarrenriffs auf dampfender Grunge-Erde, darüber mal kieksenden, mal klagenden, mal kratzenden, mal kernig-coolen Gesang von Frontfrau Rehgina: Ein klares Wasser muß durch einen tiefen Stein! Denn erst diese Stimme hebt die Gruppe aus dem Umfeld Tausender und Abertausender Pearl-Jam- und Nirvana-Epigonen heraus: Hier legt eine ihre Seele in die Kehle! (lj)

FUNNY VAN DANNEN
Basics
Trikont
Unvorstellbar, daß man ein ganzes Album zu verstimmtem Lagerfeuer-Gitarren-Geschrammel vollsingen kann, ohne daß der Zuhörer durchdreht. Unfaßbar, daß man einen Live-Mitschnitt in mittelmäßiger Qualität auf CD preßt und keiner sucht den Ausschalter. Funny van Dannen, der zu seinen rudimentären Gitarrenkünsten noch nicht mal besonders gerade singt, fesselt Hirn und Herz trotzdem mit seinem über alle Kritik erhabenen Sprachwitz, seinen bei aller vorgespielten Naivität und Spontaneität tiefsinnigen Gedanken. Funny geht nicht nur zeitlosen Phänomenen wie jungen Christen und Fruchtfliegen ("wir kriegen euch alle") auf den Grund. Vor allem ist »Basics« in seiner Schlichtheit die Antwort auf alles überkandidelte Gegenwartsgetue: Versatzstücke aus unserer aufgeblasenen, hektischen, unglaublich dämlichen Medien- und Alltagswelt treffen auf perfekte Schnappschüsse von Deutschland Mitte der 90er Jahre. Witzig und lässig, böse und skurril, und meilenweit entfernt von allen Doofen und sonstigen Comedyanten! Obwohl er manchmal ähnlich unerwartete Wendungen, Scheindilettantismen und Tabubrüche wie Helge Schneider wagt, hat er auch mit dem Spaß-Anarcho wenig gemein. Van Dannen hat Geist und Würde und weiß noch, was er tut, wem er wehtut und warum. (lj)

BRADLEYS
Freaky Listening
Slaughterhouse/Mad Butcher
Gute-Laune-Punk ist ja in wie nie zuvor: Die BRADLEYS zeigen, daß es wider Erwarten auch dieser Musik nicht schadet, wenn man sie gerade und sauber spielt. Neben mitreißenden Refrains, oft vom Ska beeinflußten Rhythmen, Tempo und Spielwitz gibt es bei den ihnen ab und zu sogar die in der Szene so verpönten Gitarrensoli, die mit ihrer satt verzerrten Power auch in der Schweinerock-Branche für Freude sorgen würden. Ein paar eingestreute deutschsprachige Songs dagegen gehören heute ebenso zum guten Ton wie Cover-Versionen. Die BRADLEYS erweisen hier Men At Work und den Box Tops Tribut. Ehrgeizig - immerhin hat man sich nicht schlappe Schnulzen oder dümmliche Abzocker vorgenommen, sondern zwei Spitzentitel der Rock-History: Während »Down Under« unter der Einpunkung nicht leidet, aber auch nicht unbedingt gewinnt, ist »The Letter« ein Knaller geworden. Kurz, prägnant, und mit soviel Dampf, daß Joe Cocker bestimmt gerne einstimmen würde! Insgesamt ein klasse Debüt, das mit dem witzigen Cover und einem herrlich ekligen Currywurst-und-Pommes-Foto auf dem Silberling weitere Pluspunkte sammelt! (lj)

DIVERSE
MOM - Music For Our Mother Ocean
Surfdog/Interscope/MCA
Das ist er: Der ideale Sommersampler! Die amerikanische Surfrider Foundation kann auf prominente Unterstützung zählen, weiterhin für die Erhaltung und Sauberkeit der Meere zu kämpfen: PEARL JAM, PENNYWISE, SILVERCHAIR, PRIMUS, HELMET (Björk-Cover) oder SOUNDGARDEN: Zum größten Teil unveröffentlichte Songs. Nicht  nur die Creme des Alternativlagers gibt sich die Ehre, Reggae darf natürlich ebenso wenig fehlen. Desweiteren eine obergeile Version des Surfguitarklassikers "Whipeout", ein verrotztes "California Sun" der RAMONES, verträumtes von 7 MARY 3 und der wohl abgefahrenste Song der BEASTIE BOYS aller Zeiten. Pflichtalbum, zumal noch mit gutem Zweck. Höchstnote! (hs)

THE BLACK CROWES
Three Snakes And One Charm
American Rec./BMG
Nach drei Meisterwerken des Südstaaten-Retro-Bluesrock schaffen es die schwarzen Krähen doch tatsächlich das vierte Meisterwerk ihren treuen Fans vorzulegen! Mit "Three Snakes..." spielen die Gebrüder Robinson und Co. noch harmonischer als je zuvor zusammen, gar nicht so selbstverständlich nach den vielen Trennungsgerüchten im letzten Jahr. Sie haben sich wieder zusammengerauft und solch atmosphärische Balladen wie "Girl From A Pawnshop" oder Groovesahnestückchen wie "Nebakanezer" geschrieben. Wie sagt Gitarist Rich Robinson gegenüber dem Metal Hammer so schön: "Die Schwierigkeit ist es Freiräume zu schaffen und die Musik atmen zu lassen." Das ist den Südstaatlern bestens gelungen. (hs)

NONPLACE URBAN FIELD
Raum Für Notizen
incoming!/Indigo
Immer wieder gibt es Produktionen, die sich standhaft einer eindeutigen Kategorisierung entziehen, so auch das neue mimi Album "raum für notizen" von NUF. "Jazzy electro dub'n'bass" steht in der Ankündigung, doch was heißt das schon. Der Kölner Bernd Friedmann, der gleichzeitig auch als Kopf und Bauch von Drome und Some more Crime (u.a. vertreten auf der CD zur "surfing systems"-Ausstellungen des Kassler Kunstvereins) fungiert, präsentiert hier eine abgedrehte Mischung verschiedener Genres (Dub/Dub'n' Bass/Ambient...), zitiert Reggae, Breakbeat und Funk und überrascht durch seltsame Taktarten (3/4; 7/4 oder 9/8) sogar den geistreichen Musikfan. Dabei sind die sieben Titel der CD extrem reduziert produziert und lassen auf der experimentellen Klangreise viel "raum für notizen". Wer vor dem Kauf unbedingt in die Produktion hineinhören will, sollte seine Aufmerksamkeit dem "not enuf remix" widmen...(K.F.)

SISTER CAROL
Lyrically potent
heartbeat/CRS
"I am what I am" ließ eine frühere Veröffentlichung von Sister Carol selbstbewußt  verkünden. Und sie hat allen Grund, selbstbewußt zu sein, zählt sie doch inzwischen zu einem der bedeutensten weiblichen Reggae-Acts. Auf "Lyrically potent", ihrer aktuellen Produktion, präsentiert sich Sister Carol wiedereinmal ausgesprochen vital. Die Titel des Albums bewegen sich gekonnt zwischen klassischem Roots-Reggae (so z.B. im Duett mit Sugar Minott auf "Sell Out") und Hip-Hop beeinflußten Songs, wie "Dread Natty Congo" (dessen Intro mit einem alten Titel der Skatalites unterlegen ist) oder "Can't stop Reggae". Letztere Titel sind dabei sehr eingängige Dancefloor-Nummer, bei denen es schwer fällt, ruhig an der Schreibmaschine zu sitzen, um diese kurze Kritik auf's Papier zu bringen.(K.F.)

DIVERSE
12 Years In NOISE
Noise/Modern Music
Gerade in letzter Zeit schieden sich manche Bands im Unfrieden von Noise - KREATOR, RUNNING WILD, SKYCLAD -, doch das ändert nichts an der Bedeutung des Berliner Labels nicht nur für den einheimischen Heavy Metal. Kein Wunder, daß in diesen 136 Minuten Qualität Trumpf ist. Getreu dem Untertitel »Metal & Beyond« ist die erste CD traditioneller (u.a. die HELLOWEEN-Rarität »Oernst Of Live«!), während CD 2 experimentellen Combos wie CELTIC FROST, VOIVOD oder meinen ewigen Faves MORDRED (RIP) ein Forum bietet. Für Neueinsteiger und Fans von Achtziger-Metal eine runde Sache. (ms)

DIE JÜNGER
Komm ins Glück
Sony
Wenn eine Gruppe mit ihrem Debüt gleich bei einem Major landet, ist Vorsicht geboten. Kommando zurück - in diesem Fall kann man getrost Entwarnung geben. Die JÜNGER sind intensiver, atmosphärischer und vielschichtiger, als es SELIG je sein werden. Einen Großteil ihrer Wirkung verdanken die Nürnberger ihrem Frontmann Jörg Bauer, dessen hypnotischer Gesang Dich packt und fesselt und nicht mehr losläßt. Die vier Jungs haben auch ohne Hype das gewisse Etwas, das sie aus der dumpfen Masse heraushebt. Mögen sie sich dieses erhalten! (ms)

DIVERSE
The Ultimate Mix
Marlboro Musik
»The Ultimate Mix - Featuring The Godfather Of Rap« ist das neueste Werk von Produzenten Axel Kroell. Diesem gelang eine kleine Sensation, indem er Grandmaster Flash, Kurtis Blow, Afrika Bambaataa und Mele Mel im Tonstudio musikalisch vereinte. Das Ergebnis dieses Projekts ist der Sound, der zu den Ursprüngen des Hip Hop zurückführt, dem Funk. Der Funk in den 90ern ist eine Reise in die Vergangenheit, aber auch ein Blick in die Zukunft. Es paaren sich auf der neuen Scheibe dieser Pioniere Klänge von House und Hip Hop mit viel Drum & Bass. Eine gute Mischung aus neun Titeln mit feinsten, funkigen Rhythmen, die Laune machen. Außerdem gibt es einen nennenswerten interaktiven Beitrag, der zehnte Titel läßt nur die Vocals ertönen, dazu können sich Musikbegeisterte ihren eigenen Sound kreieren. Übrigens:  »The Ultimate Mix« basiert auf der Idee eines Kult-Comics, das 1986 erschienen ist. (sv)

SUPERBILK
Superbilk
Trocadero Records
SUPERBILK dürfte die innovativste deutsche Gruppe seit IDEAL sein. Die 3 Musiker um die Sängerin Wicki Wehrmeister aus Düsseldorf haben auf ihrem Debut-Album ihren eigenen Stil schon dermaßen entwickelt, daß man auf die nächsten Alben hochgespannt sein kann. Kleine Zugeständnisse an den Zeitgeist sind die Ausnahme bei den 14 beinahe experimentell zu bezeichnenden Stücken, die zwischen "Neuer deutscher Welle", Pychedelic, Punk, und Art-Rock lavieren. Das Besondere aber sind die poetisch abgedrehten Texte, die Sängerin Wicki W. meist eher schreiend skandiert als singt. Aber auch die Begleitcombo weist erstklassige Musiker auf, besonders hervorzuheben: Gerrit Nowatzki am Bass, der mit seinen eigenwilligen Läufen an Chris Squire (YES) erinnert. Toller Einstand! Mehr davon! (pw)

TOM PETTY AND THE HEARTBREAKERS
She's The One
Warner
Die Zusammenarbeit scheint zu lohnen: Tom Petty im Dienst des gleichnamigen Films. Auf diese Weise promotet man sich gegenseitig ein bißchen... Nach dem lauwarmen Starter ist man überrascht: "Petty goes Grunge" - ganze 4 langatmige Songs lang. Als wollte er Neil Young imitieren, werden Songs dahingeklotzt, grob und kantig arrangiert, ja, bei »Climb That Hill« möchte man gar Young lieber selbst singen hören. Danach geht's zum Glück in gewohnter Petty-Manier weiter. Genial mischt der Pop-Epigone BEATLES-Arrangements neu auf, bei »Hung Up and Overdue« sogar mit Ringo Starr am Schlagzeug. Bei »California« ist er dann ganz bei sich selbst - oder vielleicht doch bei Dylan??? Jedenfalls ist der Song schwer hitverdächtig - wie letztlich das ganze Album. Ob der Film da mithalten kann??? (pw)

SURRENDER DOROTHY
Serum
MCA
Nach drei selbstfinanzierten Europatourneen und einer vielbeachteten 4-Song-Maxi, die merkwürdigerweise von der Plattenkette WOM finanziert wurden, kommt auf MCA nun das Debütalbum. Die Band aus Toronto bietet Alternative Rock ohne Wenn und Aber, ohne überflüssiges Schnickschnack und mit einem Sound, der den Digitalplayer das Fürchten lehrt. Aus welch unendlichen Tiefen holen die nur ihre Bässe? Die Gitarrist bietet neben sattem Seattle-Wah-Wah sogar Ausflüge in Blues-Regionen, der Schlagzeuger brettert los wie einst nur der unsterbliche John Bonham. In Fels gemeißelte Gitarrenriffs auf dampfender Grunge-Erde, darüber mal kieksenden, mal klagenden, mal kratzenden, mal kernig-coolen Gesang von Frontfrau Rehgina: Ein klares Wasser muß durch einen tiefen Stein! Denn erst diese Stimme hebt die Gruppe aus dem Umfeld Tausender und Abertausender Pearl-Jam- und Nirvana-Epigonen heraus: Hier legt eine ihre Seele in die Kehle! (lj)

DIVERSE
MOM - Music For Our Mother Ocean
Surfdog/Interscope/MCA
Das ist er: Der ideale Sommersampler! Die amerikanische Surfrider Foundation kann auf prominente Unterstützung zählen, weiterhin für die Erhaltung und Sauberkeit der Meere zu kämpfen: PEARL JAM, PENNYWISE, SILVERCHAIR, PRIMUS, HELMET (Björk-Cover) oder SOUNDGARDEN: Zum größten Teil unveröffentlichte Songs. Nicht  nur die Creme des Alternativlagers gibt sich die Ehre, Reggae darf natürlich ebenso wenig fehlen. Desweiteren eine obergeile Version des Surfguitarklassikers "Whipeout", ein verrotztes "California Sun" der RAMONES, verträumtes von 7 MARY 3 und der wohl abgefahrenste Song der BEASTIE BOYS aller Zeiten. Pflichtalbum, zumal noch mit gutem Zweck. Höchstnote! (hs)

THE BLACK CROWES
Three Snakes And One Charm
American Rec./BMG
Nach drei Meisterwerken des Südstaaten-Retro-Bluesrock schaffen es die schwarzen Krähen doch tatsächlich das vierte Meisterwerk ihren treuen Fans vorzulegen! Mit "Three Snakes..." spielen die Gebrüder Robinson und Co. noch harmonischer als je zuvor zusammen, gar nicht so selbstverständlich nach den vielen Trennungsgerüchten im letzten Jahr. Sie haben sich wieder zusammengerauft und solch atmosphärische Balladen wie "Girl From A Pawnshop" oder Groovesahnestückchen wie "Nebakanezer" geschrieben. Wie sagt Gitarist Rich Robinson gegenüber dem Metal Hammer so schön: "Die Schwierigkeit ist es Freiräume zu schaffen und die Musik atmen zu lassen." Das ist den Südstaatlern bestens gelungen. (hs)

NONPLACE URBAN FIELD
Raum Für Notizen
incoming!/Indigo
Immer wieder gibt es Produktionen, die sich standhaft einer eindeutigen Kategorisierung entziehen, so auch das neue mimi Album "raum für notizen" von NUF. "Jazzy electro dub'n'bass" steht in der Ankündigung, doch was heißt das schon. Der Kölner Bernd Friedmann, der gleichzeitig auch als Kopf und Bauch von Drome und Some more Crime (u.a. vertreten auf der CD zur "surfing systems"-Ausstellungen des Kassler Kunstvereins) fungiert, präsentiert hier eine abgedrehte Mischung verschiedener Genres (Dub/Dub'n' Bass/Ambient...), zitiert Reggae, Breakbeat und Funk und überrascht durch seltsame Taktarten (3/4; 7/4 oder 9/8) sogar den geistreichen Musikfan. Dabei sind die sieben Titel der CD extrem reduziert produziert und lassen auf der experimentellen Klangreise viel "raum für notizen". Wer vor dem Kauf unbedingt in die Produktion hineinhören will, sollte seine Aufmerksamkeit dem "not enuf remix" widmen... (kf)

SISTER CAROL
Lyrically potent
heartbeat/CRS
"I am what I am" ließ eine frühere Veröffentlichung von Sister Carol selbstbewußt  verkünden. Und sie hat allen Grund, selbstbewußt zu sein, zählt sie doch inzwischen zu einem der bedeutensten weiblichen Reggae-Acts. Auf "Lyrically potent", ihrer aktuellen Produktion, präsentiert sich Sister Carol wiedereinmal ausgesprochen vital. Die Titel des Albums bewegen sich gekonnt zwischen klassischem Roots-Reggae (so z.B. im Duett mit Sugar Minott auf "Sell Out") und Hip-Hop beeinflußten Songs, wie "Dread Natty Congo" (dessen Intro mit einem alten Titel der Skatalites unterlegen ist) oder "Can't stop Reggae". Letztere Titel sind dabei sehr eingängige Dancefloor-Nummer, bei denen es schwer fällt, ruhig an der Schreibmaschine zu sitzen, um diese kurze Kritik auf's Papier zu bringen. (kf)

SUBLIME
400z. To Freedom
Skunk Rec./Community
Wenige Tage nach Veröffentlichung dieser CD starb SUBLIME-Sänger Bradley James Nowell an einem tödlichen Cocktail aus Schmerztabletten und Alkohol. Nach Auskunft der Plattenfirma handelt es sich weder um Selbstmord noch um einen durch Sucht ausgelösten Drogentod, doch dieses traurige Ereignis macht »400z. To Freedom« unbestreitbar zu einem besonderen Album. SUBLIME werden zwar als Punkband promotet, aber zumindest diese Scheibe ist mehr Reggae als irgendetwas anderes. Gut, »New Thrash« geht als US-Beach Punk durch, aber in den 24 Songs/73 Minuten kommen Ska, Rap, Scratching, ja sogar Hundegebell weit häufiger vor. Beim »Secret Track« (Nr. 21) ist dann alles klar... (ms)

CATHEDRAL
Supernatural Birth Machine
Earache
CATHEDRAL sind für den "Metal" das, was die BLACK CROWS für den Rock sind. So wie die BLACK CROWS den Seventies Southern Rock in die Neunziger beamen, transferieren CHATEDRAL den Black Sabbath in die Jetztzeit. Natürlich kommt das ganze im entsprechend fetterem Sound daher, auch groovetechnisch sind zwanzig Jahre vergangen, aber eigentlich ist es immer noch Sabbath. Schlechte Black Sabbath Kopien gab es schon immer, gute waren eher die Ausnahme (SLEEP waren eine, sollte man sich unbedingt mal reintun). CATHEDRAL allerdings muß man zugestehen, daß sie das Sabbathvokabular originell und mit Feuer verbraten, so nen zwischengeschobenes Helmetriff ist da eher ein guter Witz. Und wenn sie so richtig loswollen könnten sie AC/DC auch mal vor sich herscheuchen, "Fireball Demon" läßt jedenfalls solche Gedanken aufkommen. Alles in allem 'ne richtig nette Scheibe. (ce)

EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN
Ende Neu
Rough Trade
Da ist sie nun, der Vorzeigeartikel deutschen Schaffens, die neue NEUBAUTEN, heißt "Ende Neu" und wird den Ruf als Land der Dichter und Denker sicherlich gerecht werden sollen. "Ende Neu" ist übrigens mit Komma zu lesen, den die alten NEUBAUTEN sind am Ende und neue gibts auf dieser Scheibe zu hören. Prof. Bargeld hat seine egozentrischen Texte deutlich leichter verdaulich gestaltet, soundmäßig regiert häufig der vier Viertel, sperrige Klangeskapaden haben Quotenregelung und Gitarrist Hacke hat Chansonette Meret Becker geehelicht, auf daß jetzt alle Salons offenstehen. Tja und Mark Chung hatte als Plattenboß wohl keine Zeit mehr für Mucke machen. Insgesamt geht also alles seien Gang "Ende Neu" wird die erfolgreichste NEUBAUTEN aller Zeiten werden - leider hat sie es nicht verdient - aber kann gut sein, daß früher oder später nen Bundesverdienstkreutz abfällt. Fehlt eigentlich nur noch das die Band zu nem Majorlabel geht. Bis dahin hör ich mir die alten Scheiben an, und die letzte "Tabula Rasa" war ja auch nicht schlecht. (ce)

TYPE O NEGATIV
October Rust
Roadrunner
Wird nen Hit, kommt davon, wenn ein Chauvi, Rassist und was sonst noch alles nicht so PC ist einfach sein Ding macht, allerdings nen großes Maul hat und bei Gelegenheit auch mal im Playgirl poset. Musikalisch jedenfalls tut diese Scheibe höchstens noch Hypochondern weh, so richtige Songs, die man auf MTV laufen lassen kann. Entsprechend abgestimmt die Texte, keine Kraftausdrücke, aber wohldosiert eindeutig Zweideutiges auf das sich die puritanischen Sittenwächterinnen in Amiland wieder aufregen und die nötige Publicity produzieren. Dazu auch noch nen paar Balladen , die fast Kuschelrock-kompatibel sind, hinten dran drei vier eher kräftige Songs damit die alten Carnivotefans so gerade eben noch zufrieden sind, fertig ist die Laube, äh Villa. (ce)

SOULWAX
Leave the story untold
Play it again sam
Sollte wohl die Antwort auf PEARL JAM werden, ist auch nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut. Kann man der kleinen Schwester geben, wenn sie mal wieder die eigene PEARL JAM haben will. (ce)

DREAM PARADISE
Wonderland
DFR
Die Scheibe "Wonderland" aus der Dream Paradise-Serie liegt voll im momentanen Trend der trancigen Sythesizer-Musik. Die Wurzeln dieses Genres könnte man Mitte der 80iger Jahre suchen, den schon Joan Michel Jarre wurde mit Syntesizer Klängen bekannt. Wurde früher eher die spacige Schiene eingeschlagen, so geht der heutige Synthi-Trend eher ins träumerisch-mystische. Aufgepeppt wird das Ganze durch den Einfluß von Techno und House, welche den teils harten Baß liefern. Auch Meister des Trance Robert Miles läßt grüßen und ist mit seinem neusten Werk "Fable" auf der "Wonderland" vertreten. Abschließend ist zu sagen, daß sich die Songs zwar sehr ähneln, aber insgesammt nett anzuhören sind. Besonders geeignet zum träumen und relaxen, zu mehr allerdings auch nicht. (sv)

DIVERSE
Moving House
SSR
"Free zone" proudly presents "Moving House"! Diese Art der Musik ist eindeutig dem großen Bereich des "easy listening" zuzuordnen. DJ Geoffroy stellte diesen Sampler zusammen und vereinte Musiker wie DJ Asssassin, Jonny Fiasko u.v.a. musikalisch miteinander. Das Ergebnis ist eine Sammlung vom rythmischem House, der mal mit mehr, mal mit weniger Baß versetzt ist. Aber auch jazzige Rhythmen finden auf "Moving House" ihren Platz. Ein musikalisches meeting, das Stimmung bringt, zum moven einläd und für House-Liebhaber sicherlich ein Genuß sein wird. (sv)

ROCKERS HI-FI
mish mash
wea
Rockers Hi-Fi gibt es schon seit zweieinhalb Jahren, spätestens jetzt begegnet ihr Name uns überall. Und das mit Recht. Ihre eigenwillige Kombination verschiedener Stile - mish mash halt - läßt einen einfach mitswingen und geht unter die Haut. Trotzdem ist die neue Platte weniger was zum Abtanzen, sondern vielmehr zum relaxen. Rockers Hi-Fi werfen alles Schöne in einen Topf: Dub, House, softe Ambient-Klänge, ganz coole Drums, brummende Bässe, manchmal ein bißchen Hip Hop, dazu wenig Gesang. Das Ganze klingt absolut cool und lässig, niemals hektisch oder aggressiv. Nicht nur die Stücke sind ein kunstvolles Gemisch aus allerlei Anleihen unterschiedlicher Musik-"Genre", die ganze Platte ist abwechslungsreich, läßt einen immer wieder aufhorchen, kann immer wieder überraschen. Von der ersten bis zur letzten Minute keine Sekunde Langeweile. Klasse! (sh)

DISAPPEAR FEAR
Seed In The Sahara
Rounder Records
Über diese Band weiß ich zu meiner Schande nicht das geringste! Hat immerhin den Vorteil völlig wertfrei an das runde Stück Musik ranzugehen. Laut Infos aus dem Cover scheint es die vierte Veröffentlichung dieses amerikanischen Quartetts zu sein. Spärlich instrumentierter PopRock mit hauchdünnem Folkeinschlag, lässt ausreichend Spielräume um die Musik atmen zu lassen. Frontfrau Sonia erinnert stimmlich an eine Mischung aus Melissa Etheridge und Dolores von den Cranberries.  Nur das DISAPPEAR FEAR mit "Seed In The Sahara" ein besseres Album abliefern, wie das letzte Werk um Dolores. Schlicht schöne Balladen, kleine Popperlen und den ein oder anderen Rocksong machen das gesamten Album zum Hörgenuß. Wie steht so schön im Cover: If you really like this music, please buy it for a friend. Werd ich tun! (hs)

MORGOTH
Feel Sorry For The Fanatic
Century Media
MORGOTH erkennen die Zeichen der Zeit: Metal ist Tod, hingegen hält Veränderung die Musik am Leben. Der kleinste Schritt der deutschen Metaller: sie verabschieden sich von dem so typischen Metalschriftzug, der Große: Techno als Einfluß in den Metal. Damit klingt "Feel Sorry..." so was von erfrischend, wie schon lange keine Metalscheibe mehr. Mystische Keyboardpassagen, gewaltige Gitarren, atemberaubender Gesang und die Feinheiten von Technomixverschmelzung, zeigen eine Art, in welche Richtung das Metalgenre gehen kann, um weiterhin überleben zu können. Immer noch hart, aber anders. Selbst ein reiner Technotrack fand den Weg auf das Album, wohl einmalig! Mit der Schwärmerei aus dem Presseinfo, ein bahnbrechendes Album veröffentlicht zu haben, hat man keineswegs den Mund zu voll genommen. Hitpotential für Rockclubs ist ebenfalls genügend vorhanden. Kaufen! (hs)

R.E.M.
New Adventures In HI-FI
Warner
Nach dem ach so gewaltätigen "Monster" geht es für die korrekten Vorzeigemusiker Amerikas wieder in baladeskere Zeiten a'la "Automatic For The People", jedoch einen Tick unkommerzieller. Sämtliche Songs wurden während der letzten Tournee geschrieben und sofort aufgenommen, sei es beim Soundcheck, Backstage oder in diversen Studios: R.E.M. liesen die Aufnahmemaschinen laufen, wo sie  gingen und standen. Immerhin bewahrt das eine gewisse Spontanität. "New Adventures..." ist u.a. ideal zum Autofahren:  es sättigt genau das Verlangen, welches man schon nach einigen Minuten Hören des quälenden Formatradios bekommt. Stipe & Co. schaffen es mit Leichtigkeit, dem Höhrer zu ihrer Musik sein eigenes Roadmovie im Kopf ablaufen zu lassen. Absolut Hörenswert: der Überflieger-Song "Leave". Korrektes Album! (hs)

DIVERSE
A night out at the front
Broken Beats Rec.
Super DJ Boris Dlugosch und viele andere namhafte Djs, wie Ruffneck ( mit der Coverversion von Everybody be sombody) oder Serena sind auf "Front - The complication Vol.1." vertreten. Die CD mit dem metallischem Outfit gehört zwar zweifellos zu der Rubrik "easy listening". Trotzdem oder gerade deswegen ist ein Stück besser, als das andere. Ein Leckerbissen für alle, die es so richtig housig und groovig lieben. Aber in der Hinsicht sind die Geschmäcker ja bekanntlich verschieden. Ein special gibt es noch: Die Zusatz-CD enthält nur Master of House Boris Dlugosch's Mixes. Er kreiert am Mischpult seinen "Megablast", der zwar teilweise aus den gleichen Stücken, wie die CD 1 besteht, aber trotzdem genial ist. (sv)
 
DIVERSE
12 Years In NOISE
Noise/Modern Music
Gerade in letzter Zeit schieden sich manche Bands im Unfrieden von Noise - KREATOR, RUNNING WILD, SKYCLAD -, doch das ändert nichts an der Bedeutung des Berliner Labels nicht nur für den einheimischen Heavy Metal. Kein Wunder, daß in diesen 136 Minuten Qualität Trumpf ist. Getreu dem Untertitel »Metal & Beyond« ist die erste CD traditioneller (u.a. die HELLOWEEN-Rarität »Oernst Of Live«!), während CD 2 experimentellen Combos wie CELTIC FROST, VOIVOD oder meinen ewigen Faves MORDRED (RIP) ein Forum bietet. Für Neueinsteiger und Fans von Achtziger-Metal eine runde Sache. (ms)

THE BLACK CROWES
Three Snakes And One Charm
American Rec./BMG
Nach drei Meisterwerken des Südstaaten-Retro-Bluesrock schaffen es die schwarzen Krähen doch tatsächlich das vierte Meisterwerk ihren treuen Fans vorzulegen! Mit "Three Snakes..." spielen die Gebrüder Robinson und Co. noch harmonischer als je zuvor zusammen, gar nicht so selbstverständlich nach den vielen Trennungsgerüchten im letzten Jahr. Sie haben sich wieder zusammengerauft und solch atmosphärische Balladen wie "Girl From A Pawnshop" oder Groovesahnestückchen wie "Nebakanezer" geschrieben. Wie sagt Gitarist Rich Robinson gegenüber dem Metal Hammer so schön: "Die Schwierigkeit ist es Freiräume zu schaffen und die Musik atmen zu lassen." Das ist den Südstaatlern bestens gelungen. (hs)

NONPLACE URBAN FIELD
Raum Für Notizen
incoming!/Indigo
Immer wieder gibt es Produktionen, die sich standhaft einer eindeutigen Kategorisierung entziehen, so auch das neue mimi Album "raum für notizen" von NUF. "Jazzy electro dub'n'bass" steht in der Ankündigung, doch was heißt das schon. Der Kölner Bernd Friedmann, der gleichzeitig auch als Kopf und Bauch von Drome und Some more Crime (u.a. vertreten auf der CD zur "surfing systems"-Ausstellungen des Kassler Kunstvereins) fungiert, präsentiert hier eine abgedrehte Mischung verschiedener Genres (Dub/Dub'n' Bass/Ambient...), zitiert Reggae, Breakbeat und Funk und überrascht durch seltsame Taktarten (3/4; 7/4 oder 9/8) sogar den geistreichen Musikfan. Dabei sind die sieben Titel der CD extrem reduziert produziert und lassen auf der experimentellen Klangreise viel "raum für notizen". Wer vor dem Kauf unbedingt in die Produktion hineinhören will, sollte seine Aufmerksamkeit dem "not enuf remix" widmen... (kf)

SISTER CAROL
Lyrically potent
heartbeat/CRS
"I am what I am" ließ eine frühere Veröffentlichung von Sister Carol selbstbewußt  verkünden. Und sie hat allen Grund, selbstbewußt zu sein, zählt sie doch inzwischen zu einem der bedeutensten weiblichen Reggae-Acts. Auf "Lyrically potent", ihrer aktuellen Produktion, präsentiert sich Sister Carol wiedereinmal ausgesprochen vital. Die Titel des Albums bewegen sich gekonnt zwischen klassischem Roots-Reggae (so z.B. im Duett mit Sugar Minott auf "Sell Out") und Hip-Hop beeinflußten Songs, wie "Dread Natty Congo" (dessen Intro mit einem alten Titel der Skatalites unterlegen ist) oder "Can't stop Reggae". Letztere Titel sind dabei sehr eingängige Dancefloor-Nummer, bei denen es schwer fällt, ruhig an der Schreibmaschine zu sitzen, um diese kurze Kritik auf's Papier zu bringen. (kf)

SUBLIME
400z. To Freedom
Skunk Rec./Community
Wenige Tage nach Veröffentlichung dieser CD starb SUBLIME-Sänger Bradley James Nowell an einem tödlichen Cocktail aus Schmerztabletten und Alkohol. Nach Auskunft der Plattenfirma handelt es sich weder um Selbstmord noch um einen durch Sucht ausgelösten Drogentod, doch dieses traurige Ereignis macht »400z. To Freedom« unbestreitbar zu einem besonderen Album. SUBLIME werden zwar als Punkband promotet, aber zumindest diese Scheibe ist mehr Reggae als irgendetwas anderes. Gut, »New Thrash« geht als US-Beach Punk durch, aber in den 24 Songs/73 Minuten kommen Ska, Rap, Scratching, ja sogar Hundegebell weit häufiger vor. Beim »Secret Track« (Nr. 21) ist dann alles klar... (ms)

CATHEDRAL
Supernatural Birth Machine
Earache
CATHEDRAL sind für den "Metal" das, was die BLACK CROWS für den Rock sind. So wie die BLACK CROWS den Seventies Southern Rock in die Neunziger beamen, transferieren CHATEDRAL den Black Sabbath in die Jetztzeit. Natürlich kommt das ganze im entsprechend fetterem Sound daher, auch groovetechnisch sind zwanzig Jahre vergangen, aber eigentlich ist es immer noch Sabbath. Schlechte Black Sabbath Kopien gab es schon immer, gute waren eher die Ausnahme (SLEEP waren eine, sollte man sich unbedingt mal reintun). CATHEDRAL allerdings muß man zugestehen, daß sie das Sabbathvokabular originell und mit Feuer verbraten, so nen zwischengeschobenes Helmetriff ist da eher ein guter Witz. Und wenn sie so richtig loswollen könnten sie AC/DC auch mal vor sich herscheuchen, "Fireball Demon" läßt jedenfalls solche Gedanken aufkommen. Alles in allem 'ne richtig nette Scheibe. (ce)

SOULWAX
Leave the story untold
Play it again sam
Sollte wohl die Antwort auf PEARL JAM werden, ist auch nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut. Kann man der kleinen Schwester geben, wenn sie mal wieder die eigene PEARL JAM haben will. (ce)

DREAM PARADISE
Wonderland
DFR
Die Scheibe "Wonderland" aus der Dream Paradise-Serie liegt voll im momentanen Trend der trancigen Sythesizer-Musik. Die Wurzeln dieses Genres könnte man Mitte der 80iger Jahre suchen, den schon Joan Michel Jarre wurde mit Syntesizer Klängen bekannt. Wurde früher eher die spacige Schiene eingeschlagen, so geht der heutige Synthi-Trend eher ins träumerisch-mystische. Aufgepeppt wird das Ganze durch den Einfluß von Techno und House, welche den teils harten Baß liefern. Auch Meister des Trance Robert Miles läßt grüßen und ist mit seinem neusten Werk "Fable" auf der "Wonderland" vertreten. Abschließend ist zu sagen, daß sich die Songs zwar sehr ähneln, aber insgesammt nett anzuhören sind. Besonders geeignet zum träumen und relaxen, zu mehr allerdings auch nicht. (sv)

DIVERSE
Moving House
SSR
"Free zone" proudly presents "Moving House"! Diese Art der Musik ist eindeutig dem großen Bereich des "easy listening" zuzuordnen. DJ Geoffroy stellte diesen Sampler zusammen und vereinte Musiker wie DJ Asssassin, Jonny Fiasko u.v.a. musikalisch miteinander. Das Ergebnis ist eine Sammlung vom rythmischem House, der mal mit mehr, mal mit weniger Baß versetzt ist. Aber auch jazzige Rhythmen finden auf "Moving House" ihren Platz. Ein musikalisches meeting, das Stimmung bringt, zum moven einläd und für House-Liebhaber sicherlich ein Genuß sein wird. (sv)

DISAPPEAR FEAR
Seed In The Sahara
Rounder Records
Über diese Band weiß ich zu meiner Schande nicht das geringste! Hat immerhin den Vorteil völlig wertfrei an das runde Stück Musik ranzugehen. Laut Infos aus dem Cover scheint es die vierte Veröffentlichung dieses amerikanischen Quartetts zu sein. Spärlich instrumentierter PopRock mit hauchdünnem Folkeinschlag, lässt ausreichend Spielräume um die Musik atmen zu lassen. Frontfrau Sonia erinnert stimmlich an eine Mischung aus Melissa Etheridge und Dolores von den Cranberries.  Nur das DISAPPEAR FEAR mit "Seed In The Sahara" ein besseres Album abliefern, wie das letzte Werk um Dolores. Schlicht schöne Balladen, kleine Popperlen und den ein oder anderen Rocksong machen das gesamten Album zum Hörgenuß. Wie steht so schön im Cover: If you really like this music, please buy it for a friend. Werd ich tun! (hs)

MORGOTH
Feel Sorry For The Fanatic
Century Media
MORGOTH erkennen die Zeichen der Zeit: Metal ist Tod, hingegen hält Veränderung die Musik am Leben. Der kleinste Schritt der deutschen Metaller: sie verabschieden sich von dem so typischen Metalschriftzug, der Große: Techno als Einfluß in den Metal. Damit klingt "Feel Sorry..." so was von erfrischend, wie schon lange keine Metalscheibe mehr. Mystische Keyboardpassagen, gewaltige Gitarren, atemberaubender Gesang und die Feinheiten von Technomixverschmelzung, zeigen eine Art, in welche Richtung das Metalgenre gehen kann, um weiterhin überleben zu können. Immer noch hart, aber anders. Selbst ein reiner Technotrack fand den Weg auf das Album, wohl einmalig! Mit der Schwärmerei aus dem Presseinfo, ein bahnbrechendes Album veröffentlicht zu haben, hat man keineswegs den Mund zu voll genommen. Hitpotential für Rockclubs ist ebenfalls genügend vorhanden. Kaufen! (hs)

R.E.M.
New Adventures In HI-FI
Warner
Nach dem ach so gewaltätigen "Monster" geht es für die korrekten Vorzeigemusiker Amerikas wieder in baladeskere Zeiten a'la "Automatic For The People", jedoch einen Tick unkommerzieller. Sämtliche Songs wurden während der letzten Tournee geschrieben und sofort aufgenommen, sei es beim Soundcheck, Backstage oder in diversen Studios: R.E.M. liesen die Aufnahmemaschinen laufen, wo sie  gingen und standen. Immerhin bewahrt das eine gewisse Spontanität. "New Adventures..." ist u.a. ideal zum Autofahren:  es sättigt genau das Verlangen, welches man schon nach einigen Minuten Hören des quälenden Formatradios bekommt. Stipe & Co. schaffen es mit Leichtigkeit, dem Höhrer zu ihrer Musik sein eigenes Roadmovie im Kopf ablaufen zu lassen. Absolut Hörenswert: der Überflieger-Song "Leave". Korrektes Album! (hs)

DIVERSE
A night out at the front
Broken Beats Rec.
Super DJ Boris Dlugosch und viele andere namhafte Djs, wie Ruffneck ( mit der Coverversion von Everybody be sombody) oder Serena sind auf "Front - The complication Vol.1." vertreten. Die CD mit dem metallischem Outfit gehört zwar zweifellos zu der Rubrik "easy listening". Trotzdem oder gerade deswegen ist ein Stück besser, als das andere. Ein Leckerbissen für alle, die es so richtig housig und groovig lieben. Aber in der Hinsicht sind die Geschmäcker ja bekanntlich verschieden. Ein special gibt es noch: Die Zusatz-CD enthält nur Master of House Boris Dlugosch's Mixes. Er kreiert am Mischpult seinen "Megablast", der zwar teilweise aus den gleichen Stücken, wie die CD 1 besteht, aber trotzdem genial ist. (sv)
 
SUPERBILK
Superbilk
Trocadero Records
SUPERBILK dürfte die innovativste deutsche Gruppe seit IDEAL sein. Die 3 Musiker um die Sängerin Wicki Wehrmeister aus Düsseldorf haben auf ihrem Debut-Album ihren eigenen Stil schon dermaßen entwickelt, daß man auf die nächsten Alben hochgespannt sein kann. Kleine Zugeständnisse an den Zeitgeist sind die Ausnahme bei den 14 beinahe experimentell zu bezeichnenden Stücken, die zwischen "Neuer deutscher Welle", Pychedelic, Punk, und Art-Rock lavieren. Das Besondere aber sind die poetisch abgedrehten Texte, die Sängerin Wicki W. meist eher schreiend skandiert als singt. Aber auch die Begleitcombo weist erstklassige Musiker auf, besonders hervorzuheben: Gerrit Nowatzki am Bass, der mit seinen eigenwilligen Läufen an Chris Squire (YES) erinnert. Toller Einstand! Mehr davon! (pw)

NONPLACE URBAN FIELD
Raum Für Notizen
incoming!/Indigo
Immer wieder gibt es Produktionen, die sich standhaft einer eindeutigen Kategorisierung entziehen, so auch das neue mimi Album "raum für notizen" von NUF. "Jazzy electro dub'n'bass" steht in der Ankündigung, doch was heißt das schon. Der Kölner Bernd Friedmann, der gleichzeitig auch als Kopf und Bauch von Drome und Some more Crime (u.a. vertreten auf der CD zur "surfing systems"-Ausstellungen des Kassler Kunstvereins) fungiert, präsentiert hier eine abgedrehte Mischung verschiedener Genres (Dub/Dub'n' Bass/Ambient...), zitiert Reggae, Breakbeat und Funk und überrascht durch seltsame Taktarten (3/4; 7/4 oder 9/8) sogar den geistreichen Musikfan. Dabei sind die sieben Titel der CD extrem reduziert produziert und lassen auf der experimentellen Klangreise viel "raum für notizen". Wer vor dem Kauf unbedingt in die Produktion hineinhören will, sollte seine Aufmerksamkeit dem "not enuf remix" widmen... (kf)

DIVERSE
A night out at the front
Broken Beats Rec.
Super DJ Boris Dlugosch und viele andere namhafte DJs, wie Ruffneck ( mit der Coverversion von Everybody be sombody) oder Serena sind auf "Front - The complication Vol.1." vertreten. Die CD mit dem metallischen Outfit gehört zwar zweifellos zu der Rubrik "easy listening", trotzdem oder gerade deswegen ist ein Stück besser als das andere. Ein Leckerbissen für alle, die es so richtig housig und groovig lieben. Ein special gibt es noch: Die Zusatz-CD enthält nur Master of House Boris Dlugosch's Mixes. Er kreiert am Mischpult seinen "Megablast", der zwar teilweise aus den gleichen Stücken wie die CD 1 besteht, aber trotzdem genial ist. (sv)

MIKE OLDFIELD
Voyager
WEA
Wer aufgrund des Titels ein Anknüpfen an den Megaseller »Discovery« mit dem Superhit »To France« erwartet, wird mehr als enttäuscht. Goldkehlchen Maggie Riley durfte genauso zuhause bleiben wie Superdrummer und -producer Simon Phillips. Nein, Herr Oldfield kann's ja allein! Wirklich? Früher vielleicht! Denn trotz des ehrenwerten Gedankens, einmal die keltischen Ursprünge seiner Musik herauszustellen und deshalb echte Folk Songs und der Tradition Nachempfundenes neu zu arrangieren, macht sich auf »Voyager« galaktische Langeweile breit. Nur manchmal blitzt im digitalen Endlosgewaber eine Fiedel, eine Flöte, ein Dudelsack auf, der Hörinteresse wecken kann. Ansonsten schweben süßliche Melodien substanzlos in fantasielosen Standardarrangements - keine Spur der klanglichen Raffinesse, die Oldfield auf »Tubular Bells II« noch einmal unter Beweis stellte. Einziger Track, der ein wenig Abwechslung und Dynamik bietet, ist das orchestral-pompöse Finale »Mont St. Michel«. Ansonsten folkig eingefärbter New-Age-Kitsch für die Chill-Out-Area! (lj)

Crow
SHERYL CROW
Sheryl Crow
A&M Records
Sie scheint einiges als Background-Sängerin bei MICHAEL JACKSON gelernt zu haben... Nicht nur die extrem eingängigen Refrains, auch die rhythmisch clever ausgefeilten Arrangements bewirken, daß man schon beim zweiten Hören wie unter Zwang körperbetont mitwippt und in die swingenden Refrains einstimmt. Was beim ersten Ohreindruck als ganz nett empfunden wurde, nutzt sich auch nach mehrmaligen Wiederhören kaum ab, vielmehr wächst der Respekt vor dieser fragilen Person und ihren genial zwischen Folk, Country, Rhythm'n Blues und Rock'n Roll angesiedelten Songs wie z.B. »Change«. Ein Preis für neue musikalische Experimente wird ihr zwar ebenso versagt bleiben wie BRYAN ADAMS, aber ihre Songs sind großartig einfache Hymnen in komplizierter Zeit. Wer möchte da nicht gern mitsingen... (pw)

TRACY BONHAM
The Burdens Of Being Upright
Island
Ob richtig oder nicht, der Begriff "Hype" ist äußerst negativ besetzt. Wenn jemand in sämtlichen Medien präsent ist, ist demnach Vorsicht geboten. Bei TRACY BONHAM sind die Lobeshymnen - wie, seien wir ehrlich, beim Gros der Sängerinnen - jedoch gerechtfertigt. Obwohl ich Alternative-Kram ätzend finde und hier an allen Ecken NIRVANA hervorlugen: die abgehackten Rhythmen, die schrammelige Klampfe, ja selbst die Art des Gesangs. Den überschätzten Idolen hat Fräulein Bonham mindestens 3 Dinge voraus: Aussehen, Stimme und fesselnde bis hypnotische Melodien, die mal früher, mal später zünden und einen regelrecht verfolgen. Definitiv kein "One Hit Wonder". (ms)

SCHRÖDERS
Schwer Scheff!
WEA
Gut gelaunt, locker und funky. Das sind die Schröders, Punk-Rock mit deutschen Texten, die aus dem Leben kommen, kein steriler Einheitsbrei, sondern Lieder mit einem 100%igen Partyfaktor. Auf der letzten Scheibe riefen sie noch: "Laß uns schmutzig Liebe machen", und dies war in jeder Hinsicht gewagt, doch wer wagt gewinnt und so war der Song auch lange Zeit in den Charts plaziert. Auf der neuen CD huldigen Sie der NDW mit Ihrer Abgehversion des Hits »Goldener Reiter«, und der 60's-angehauchte Song »Sommerzeit« ist genau das richtige Mittel, um die langen Herbstabende gutgelaunt zu überstehen - man schließt die Augen und denkt, es wäre megaheiß! Selbst ein stinknormales »Liebeslied« wird zu einem regelrechten Knaller ohne Schmalz und Schmerz, sondern mit einer geballten Power wie frisch verliebt! Übrigens haben alle, die Schröder oder Schmidt heißen, bei der Tour der Schröders FREIEN EINTRITT. (mm)

FIONA APPLE
Tidal
Sony
Tja, Björk läßt sich eben nicht kopieren. Immerhin: Das Album dieser New Yorker Newcomerin steht so erfrischend melancholisch da, so als hätte Ingrid Bergman in »Casablanca« singen gelernt oder als hätte Ingmar Bergman endlich die passende Filmmusik gefunden. Gut möglich, daß Miss Apple Björk erst gar nicht imitieren wollte, aber wirklich innovative Sängerinnen gibt es so wenige, daß einem kein besserer Vergleich einfällt. Stimmlich zwischen Tanita Tikkaram und Suzanne Vega einzuordnen, sind die meisten ihrer Songs dem Slow Fox bzw. dem angejazzten Bar-Blues entsprungen, drücken jedenfalls beträchtlich aufs Gemüt. Wenigstens »Criminal«, der einzig annähernd hitverdächtige Titel, rollt massiv in die Gehörgänge und könnte ihr zuletzt doch noch das bescheren, was dieses phantastische Debüt eigentlich mehr als verdient hätte: Erfolg! (pw)

PE WERNER
Etepetete
Intercord
Vom Kabarett kommend, steht Pe Werner textlich für waghalsige Wortneuschöpfungen und spitzfedrige Wortspiele, musikalisch aber für platten und glatten Mainstream-Pop. Daran hat sich auch auf ihrem inzwischen 4. Album nichts geändert. Bei Jule Neigel geht einfach die Post rockiger ab und die Gefühle kommen straighter rüber. Selbst bei Ulla Meinecke harmonieren Message und Musik schlicht besser. Und wenn Pe dann auch noch klassisch kabarettistisch Zeitkritik übt, wie z.B. in »Goldgräber in Berlin«, dann ist das nurmehr peinliche Metaphern-Reiterei. Und wo ich schon mal beim Mäkeln bin: Wieso nur muß ich bei den von ihr kritisierten stets gestreiften Krawatten zu Weihnachten ausgerechnet an das denken, was sie seit 4 Platten aus ihrer ansonsten sympathischen Stimme gemacht hat? (pw)

SHEELA
Changes
LPT Rec.
Das zweite Album von SHEELA liegt vor: endlich einmal wieder ein Hard-Rock-Kracher, der richtig Freude macht. Hier trifft die Deep-Purple-Tradition auf amerikanische Einflüsse - ein Quentchen Kansas-Satz-Gesang hier, ein leichter Funk-Einschlag dort, ansonsten die volle Dröhnung nach guter alter Art, allerdings brillant produziert und abwechslungsreich arrangiert. Grundlage bildet ein solides Fundament von kernigen Riffs, krachenden Snares und präzisen, manchmal aber auch ganz schön ausgefuchsten Rhythmen. Dazu gibt es meist blues-eingefärbtes Shouting frei nach David Coverdale, aber auch gesangliche Ausflüge in genre-untypische Bereiche vom affektierten Billy-Idol-Habitus bis zum bierseligem Folkgesang, selbst durch die Effektbatterie jagt man die Vocals, um dann wieder bei strahlenden Chorsätzen im Refrain anzukommen. Als Sahnehäubchen gibt es stilsichere Gitarrensoli und interessante Keyboardtupfer, die sich aber nie in den Vordergrund legen. Live treten SHEELA oft mit dem algerischen Maler Ibara auf, der auch ihre Cover gestaltet - die Band allein ist am 15.11. im Treibhaus Frankenberg zu erleben. (lj)

COUNTING CROWS
Recovering The Satellites
BMG
Mit "Mr. Jones" wurden sie weltberühmt. Ende'93 veröffentlichenten die Amerikaner ihr bis dato 8,5 Millionen Mal verkauftes Debutalbum mit obigem Superhit. Die neue Scheibe klingt nun einiges kraftvoller. Grund: Die schwermütige Melancholie des Debuts ist teilweise verschwunden. Zwar sind immer noch einige Songs mit Tiefgang vertreten, doch der Weg weißt mehr in Richtung Collegerock. Zur Zeit könnte man die Crows gar zum  Inbegriff des Collegerock bezeichnen. Rauhe Rockkracher ("Angels Of Silence") wechseln sich hier mit wuderschönen  Balladen ("Millers Angels"). Würde mich in keinster Weise wundern, wenn "Recovering The Satellites" ebenfalls die 9 Millionen Marke antesten würde. Ein durchweg gutes Rockalbum. (hs)

IRON MAIDEN
The Best Of The Beast (EMI)
Ihre Zeit ist schlicht gesagt vorbei. Da kann eine 'Best Of' schon mal zur falschen Zeit kommen. Selbst beinharte Fans könnten problemlos auf diese CD verzichten, der brandneue Song "Virus" lohnt jedenfalls den Kauf nicht. Kennt man die einzelnen Studio CDs, als jeweils feste Einheit und in sich auf ihre eigene Art perfekt, klingt diese Zusammenstellung irgendwie völlig zerhackt. Übrigens: Wo ist eigentlich Paul Di'Anno? (hs)
 

DIVERSE
Querbeet (Arcade)
Der Untertitel des Samplers sagt alles aus: The Best Of German Alternativ Music, ganz im Sinne unserer Aktion 'Deutsch Rockt Gut'. Hier beweist sich die Qualität neuer deutscher Bands. Viele Bekannte wie SELIG, FANTA 4, H-BLOCKX, BATES oder DIE STERNE, reihen sich neben aufstrebende Acts, wie HUMUNGOUS FUNGUS oder die geilen FISCHMOB. Nur: Was hat FURY mit dieser Pseudokommerzballade auf dieser CD zu suchen? (hs)

THE SOFT PARADE
Little Red Book (Rough Trade)
Die beste DOORS-Coverband der Welt veröffentlicht zum ersten Mal eigene Songs. Und das Ergebnis der 4-Track-Maxi ist gar nicht mal schlecht. Zwar klingt der Titelsong noch ziemlich hölzern,  "Wallet" jedoch könnte jeden DOORS-Fan überzeugen. Und das dürfte ja wohl klar sein: Die amerikanische Kultband hat hier kräftige Spuren hinterlassen. Könnte mal eine interessante eigenständige Band werden. (hs)

TILL & OBEL
Uns Kann Keiner (BMG)
Auf Tonträger schlägt das Comedytrio fehl! Einfach nicht witzig! Schwache Songversionen mit dumpfen Texten lassen die Spritzigkeit der Liveauftritte zum Stillstand kommen. Klingt alles wie gewollt, aber nicht gekonnt. (hs)

THE TREBLE SPANKERS
Hasheeda
Polydor
Pulp Fiction hat ihn wieder aufleben lassen: den mittlerweile wieder obercoolen Surfsound. Zum Großteil bewegen sich auch die holländischen TREBLE SPANKERS auf den Faden Dick Dales, dem Mastermind des Surfsounds. Mit beachtlichen Erfolg: recht ansehnliche Plattenverkäufe in ihrer Heimat, sowie eine feste, kleine Fangemeinde in Deutschland können sie mittlerweile vorweisen. Man darf die TREBLE SPANKERS jedoch nicht blind in die Surfecke stecken. Viele Einflüße aus dem Westernbereich  lassen die Songs nach einer gewissen 'Weite der Freiheit' klingen. Auch der orientalische Einflüße mit Gastsänger Abdellatif (einziges Stück mit Gesang auf der Instrumental-CD) zeigt die Vielseitigkeit der SPANKERS in dieser engen Sparte von Musik. (hs)

UNITONE HIFI
"Boomshot" incoming!
Indigo
Getreu dem Motto »May We Adjust Your Dread...« von incoming! präsentieren UNITONE HIFI nach der Maxi CD »Foxy Frotter« nun mit »Boomshot« ihr neuestes Longplay-Album auf CD und Vinyl. Bei aller Experimentierfreudigkeit im Genre des NeoDub läßt dieses Projekt dabei die jamaikanischen Ursprünge nicht aus den Ohren (Tubby läßt grüßen!), verzichtet jedoch darauf, die gängigen Roots-Klischees zu bedienen. Warme, meist schleppende Bässe ziehen sich durch alle 12 Titel von »Boomshot« werden umringt von etlichen präzise eingesetzten Effekten, diversen Samples, einigen Vocalparts und interessanten Rhythmen (auf "Natural Progression" ist sogar eine Djembe zu hören, wenn mich meine Ohren nicht täuschen), ohne dabei die Produktion überladen wirken zu lassen. Alles zusammen wird laut Labelinfo als "Big Bud DubHop Beats Stil" bezeichnet, was für die praktizierte Überschreitung von Genregrenzen stehen mag und Insidern einen kleinen Hinweis auf die eingeschlagene Richtung geben könnte. »Boomshot« sei allen Dub- und Ambient-Fans wärmstens ans Herz gelegt. (kf)

J-FUNK EXPRESS
This Is Rare Groove
99 Records
Japanische Exzentriker gibt's wohl auf jedem Gebiet. Gerade was Musik angeht, stellen japanische Platten ein wahres Skurrilitätenkabinett dar. Daß das nicht unbedingt schlecht sein muß, beweist David Matthews mit seinem J-FUNK EXPRESS, mit dem er sich auf »This is....« zum zweiten Mal daran macht, James Brown seine Verehrung auszusprechen, indem er ihn in die Neunziger übersetzt. Exzentrisch daran ist die Detailversessenheit, mit der Matthews und seine Truppe den Seventies-Sound nachbilden wollen, so wurden nur Schlagzeugsamples von 70er Platten benutzt, da heute wohl kein Tonmeister mehr weiß, wie man damals die Mikros hinstellte. Leider ist bei dieser Akribie die Musik ein wenig auf der Strecke geblieben. Allzu steif wirkt das "Schlagzeug". Da helfen auch die großartigen Bläser aus JB's Original-Band nichts. Allerdings als fette Acid-Jazz-Scheibe kann J-FUNK EXPRESS ordentlich Punkte machen, also, James Brown Fans und Urban Jazzer sollten mal reinhören. (ce)

BLIND MELON
Nico
(spin/EMI)
Am 21. Oktober 1995 verstarb Shannon Hoon, Sänger der über Nacht berühmt gewordenen BLIND MELON, an einer Überdosis Drogen. Wer erinnert sich nicht an den damaligen Sommerhit »No Rain« mit der kleinen Biene im Video. Gut ein Jahr nach Shannon's Tod veröffentlichen die verbliebenen BLIND MELONs den definitven Schlußstrich der Band. Gerade Fans dürfen sich freuen:  Mit viel Liebe trugen sie u.a. 12 unveröffentliche Songs, incl. Alternativ- und Coverversionen aus den Jahren 91 bis 95 zusammen. Unter anderem sind John Lennons »John Sinclair«, STEPPENWOLFs »The Pusher« oder eine schräge Version des größten Hits »No Rain« zu finden. Die Multimedia-CD bietet ferner Videosequenzen der Band und einen Bildschirmschoner für den PC. Das Vermächtnis wurde übrigens nach Shannons kleiner Tochter Nico benannt. (hs)

DIVERSE
Planets Of The Universe 2
Pikosso Records
Der Weltraum, unendliche Weiten - die Seele, unendliche Tiefen: Astronauten in Raum, Zeit, Herz und Hirn sind wieder unterwegs! Das sphärische Doppelalbum schlägt die Brücke zwischen den Klangbastlern der 70er   la Tangerine Dream, Klaus Schulze, Michael Rother, Rick Wakeman und Eroc und aktuellen Spezialisten der Dream House und New Age Szene wie Pegasus, Ron Boots, Brainwork und Eimear Quinn. Fast zweieinhalb Stunden lang führen uns 32 Interpreten aus dem Alltag weit hinaus in unerwartet neue oder aber ganz, ganz alte Gefilde. Auffällig ist der große Anteil an Folk-Einflüssen: Gleich zu Beginn zeigt New-Age-Top-Star Oliver Shanti den weg ins »Sacral Nirvana« mit betörendem Wohlklang und archaischer Magie. Gar nicht weit davon - obwohl 20 Jahre älter - steht Mike Oldfield mit der grandiosen Eingangssequenz von »Ommadawn«: Schade, daß der Ausschnitt aus diesem Meisterwerk mit so kurz ausgefallen ist. (lj)

MOTORBASS
Pansoul
Play It Again Sam
Die Presseinfo, die Spexbesprechung, der ganze Pressehype um diese Platte stimulieren die Neugier. So richtig Geniales, Ungehörtes, aus dem Dance-Universum abgezapft, soll auf dieser Platte vorliegen. Und Dancefloormucke regt ja auch zum Nachdenken an - was man daraus alles machen könnte! Vielleicht hat's hier ja jemand wieder geschafft querzudenken, wie PRODIGY oder DROME das auch schon getan haben. Zumindest die PR ließ diesen Eindruck aufkommen, tummeln sich hier doch illustre Gestalten der französischen DJ-Szene, die mit MC Solaar, Björk und weiß ich noch wem schon mal rumgemacht haben, doch leider Fehlanzeige. Eigenwillig wird hier zwar mit Housevocabeln über Disco und Hip Hop "gesprochen", doch bleibt es bei einfachen Sprechübungen. Allzu sehr klebt man am simplen Beat, und zum Geschichtenerzählen mit Spannungsaufbau und so reicht's noch nicht. Also fleißig weiter pauken. (ce)

KREIDLER
weekend
kiff
Dreimal Kleingeschriebenes, von unten nach oben: kiff heißt ein neues Electronic Listening Label, das Lauschwillige mit akustischen Kaleidoskopen der Sonderklasse versorgt (DROME!) - weekend: diese CD erzeugt sozusagen ein geistiges Wochenende - und kreidler heißt eine Mopedfirma, die in meiner Jugend bei den Großen Kult war, äh, heißt die Düsseldorfer Combo, die hier ihr Debüt vorlegt. Schön ist er geworden, dieser milde Aufguß aus Ambient und Electronic Listening mit leichten Postrock-Nuancen unterlegt. Beim zurückgelehnten Hören entfalten sich langsam Klanggestalten, die an akustische Nachbilder von Clubwochenenden erinnern, aber weit mehr sind als nur das Hintergrundrauschen von Raver-Hirnen. Krautrock-Infusionen und sanftes Würzen mit Ethno- und Industrialpartikeln gibt »weekend« seinen runden, keineswegs schalen Geschmack. Digitalen Feinschmeckern sei dieses klingende »Wochenende« empfohlen. (ce)
 

UNDERWOOD
Diverse
sub rosa
Das belgische Label sub rosa hat sich mittlerweile zum Geheimtip in der electronic listening Szene entwickelt. Schräges, Unkonventionelles, Dinge, die abseits der ausgetrampelten Ambient-, Dub-, Industrialpfade liegen, finden sich hier - oft, um dann später als das neue Ding gefeiert zu werden! So könnte es einigen der auf diesem Sampler versammelten "Bands" auch gehen, auf der 100 sub rosa Veröffentlichung finden sich die Stars und Geheimtips des Labels. Da wären MOUSE ON MARS, ein deutsches Projekt, in England längst Stars, hier leider noch kaum bekannt oder SCANNER, die die Schattenseiten des Dub ausloten. BILL LASWELL dagegen ist wohl so etwas wie eine Koryphähe. Überall dort, wo etwas Neues passiert, taucht dieser unermüdliche Musiker auf, der eigentlich aus dem Jazz kommt. »Faktura« heißt sein Beitrag, Breakbeat with a difference. Genauso DAVID SHEA, Sampelmann des Avantgarde Jazzers JOHN ZORN, der hier einen traumhaften East Orient meets Techno Song beisteuert oder Ex- NAPALM-DEATH und -SCORN-Drummer Mick Harris mit seiner Ambient Dub Vision oder die ISLAMIC DIGGERS mit »Burroughs don't play guitar« oder..., kurzum ein appetitanregendes Samplerteil eines Labels, das man sich merken sollte. (ce)

JOE MANERI, JOE MORRIS, MAT MANERI
Three Men Walking
ECM
Eine Platte für manchmal, für manchmal, wenn der Kopf frei und klar ist, wenn die Neugier hungrig macht, wenn Turbulenzen zur Ruhe führen und man vor allem Zeit hat sich einzulassen. Andernfalls vielleicht würde man kapitulieren vor den Tonbergen und Klüften, den Verwinkelungen und Verschränkungen dieser CD. Eine Strapaze wäre »Three Men Walking« dann, anstrengend und undurchschaubar. Die ganze Palette der Farben und Strukturen dieser CD, ihre Themen ziehen vorbei, sind gar nicht da - außer in manchen Momenten, in denen man hier lesen kann wie in einem schwierigen Buch, um jedesmal ein bißchen mehr zu verstehen und eine neue Frage zu stellen. »Three Men...«, das ist das CD Debüt des fast 70-jährigen Musikprofis JOE MANERI, Mitbegründer eines mikrotonalen Systems (72 Töne pro Oktave), Anhänger griechischer Musik, Kind der Zwölftonmusik und Jazzer. Klarinette, Sax und Piano spielt er hier. Begleitet von seinem Sohn MAT MANERI an einer sechsseitigen Violine und JOE MORRIS an der Gitarre formiert er seinen Text aus dem Grenzgebiet von freiem Jazz und neuer Musik. Der liest sich nicht von selbst, aber manchmal... (ce)

DROME
Dromed
Play It Again Sam
Mischpultexpedition, frei Assoziertes aus den Nebelfeldern elektronischer Musik, Chill Out Impressionen. Der Kassler BERND FRIEDMANN gibt auf »Dromed« wieder einmal einen Blick in sein (Techno-)Kaleidoskop frei. Bunt schillert es dort, aber nicht grell. Warme, weiche Töne öffnen den Horizont. Und da ist Bewegung, unscheinbar erst, aber stetig deutlicher werdend, bis die gesamte Gestalt anfängt zu grooven, bestimmt, aber gelassen -schön. Keine Effekthascherei, hier wirkt alles selbstverständlich. Dub, Ambient, ein Digeridoo, das sind keine Zutaten, die trendgemäß verwurstet werden, eher willkommende Gäste in Friedmanns Soundtracks und irgendwie haben diese Dinge sowieso schon in DROME gesteckt. »Dromed« jedenfalls bietet immer wieder etwas zu entdecken, lädt immer wieder ein, neu zu relaxen und sich treiben zu lassen - ohne, daß dabei das Hirn leerläuft - große Klasse! (ce)

HAREM SCAREM
Voice Of Reason
Wea
Bei keiner der bisher 3 Veröffentlichungen dieser außergewöhnlichen Kanadier weiß man vorher, was einen erwartet. War das Debüt eine klassische AOR-Scheibe (aber sooo gut!!), ging's auf dem Nachfolger »Mood Swings« erheblich heftiger zur Sache. Nun hat das Quartett seine Markenzeichen in ein leicht düsteres Gewand gehüllt, diese zugleich jedoch so verfeinert, daß Musiker und Zuhörer noch rechtzeitig die Kurve kriegen. Der Harmoniegesang hat eine Perfektion erreicht, die mehr als einmal QUEEN-eske Dimensionen annimmt. Überhaupt die Vocals: Was Ideenreichtum und Raffinesse betrifft, könnten z.B. DIE PRINZEN von diesen Arrangements eine Menge lernen. So schleicht sich irgendwann jeder Song langsam, aber umso sicherer in die Gehörgänge. HAREM SCAREM's zweiter Trumpf ist Gitarrist Peter Lesperance, ein Monster bei den Soli (»The Paint Thins«!), ein vorwitziger Lausbub bei den zahllosen Gags zwischendurch. Die sind das Salz in der Suppe, da stets zum Wohle des jeweiligen Titels. Es gibt immer wieder neue Details hörend zu entdecken. Klasseteil! (ms)
 
GHOSTHOUSE
Thing Called Life
Semaphore
Man werfe HOOTIE AND THE BLOWFISH und die WALKABOUTS in einen Topf, gebe eine ganz leichte Prise R.E.M. hinzu und rühre das Ganze ein wenig. Zum Abschmecken noch einen Hauch Country, und fertig ist ein schmackhaftes Hauptgericht namens GHOSTHOUSE. Eine amerikanische Neofolk-Formation, die zwar nicht viel neues auf "Thing Called Life" bietet, uns aber dafür mit zeitlos schönen Ohrwürmern beschenkt. Folkrock wie er in den - meist trendsetzenden - US-College-Radios rauf und runter gespielt wird. Nur GHOSTHOUSE halt nicht! Absolut fraglich, warum Majorfirmen bei dem jetztigen Boom von Neofolkmusik eine solch begabte Band einfach übersieht! Wahrscheinlich bleibt auch diese Scheibe wieder unendeckt. An potentiellen Hitsingles kann es hingegen nicht scheitern. Überzeugt Euch selbst: "Quicksand", "Confession Of A Killer" oder dem Titelsong spreche ich höchste Radiotauglichkeit zu. (hs)

STEPHEN KENT
Landing
City Of Tribes/Intuition
Sie war, ist und wird es wohl auch vorerst bleiben, die Hauptstadt des psychedelischen Geschehens unseres Erdballs: San Francisco. So ist es auch nicht verwunderlich, daß ausgerechnet ein Label mit Hang zum Mystischen wie »City Of Tribe« aus diesem Umfeld stammt. Eines von drei erstmals im deutschsprachigen Raum erhältlichen Kunstwerke ist »Landing« von STEPHEN KENT. Zentrum seines musikalischen Konglomerats aus Ambient, Trance, Tribel und Ethno ist das Didgeridoo, das mit an einem magischen Klangteppich knüpft, der einen alles um sich herum vergessen läßt. Immer und immer wieder ist es berauschend zu erleben, wie zeitlos das Blasinstrument der australischen Ureinwohner sich den neuen/alten Dimensionen des Hörens annimmt. (om)

HANNES WADER
Liebe, Schnaps und Tod
Pläne
Hannes Wader hat den schwedischen Volkssänger Carl Michal Bellman (1741 - 1795) wiederentdeckt: Derbe, aber poetische Texte, irgendwo zwischen Francois Villon und Heinrich Heine, meist auf die Melodien zeitgenössischer Menuette, Kantaten oder Vaudeville-Schlager. Sex, Sehnsucht, Suff und Sterben sind die Themen der mal vor Lebensfreude explodierenden, mal abgrundtief traurigen Gesänge. Belman lohnt tatsächlich die Neuentdeckung - und es ist auch eine prima Idee vom alten Hannes, seine nicht minder bekannten Kollegen Reinhard Mey und Klaus Hofmann mit vors Mikro zu holen. Aber: Mußten wirklich diese überladenen, süßlichen Arrangements sein??? Belman sang doch am liebsten im Wirtshaus zur Laute oder Harfe, da hätte doch das NDR-Symphonieorchester getrost zuhause bleiben können! Bleibt die Hoffnung, das die gelungenen Lieder live direkter und authentischer herüberkommen! (lj)

YNOS
CHILL OUT SECTOR (Cleopatra)
Nix neues in Sachen Ambient vom Techno-Aktivisten Komakino, der unter
dem Synonym YNOS (oder war es doch sony?) acht mal düstere, technisch
gute aber langweilige Sounds hören läßt.                                             (md)

MEAT BEAT MANIFESTO
SUBLIMINAL SANDWICH (play it again sam records)
Ein wahnsinns Teil: Doppel CD mit 28 (!!!) instrumentalen Stücken, die irgendwo
zwischen Industrial a la Front 242 und Trip Hop liegen. Wild, hart, interessant und
vor allem groovig. Nix für Weicheier, die auf Deppendäschno stehen sondern auch
was für den Skater von nebenan.                                                                 (md)
 
 

ARMANDO
ONE WORLD ONE FUTURE
(RADIKAL FEAR / PLAY IT AGAIN SAM)
Die schwarze House Legende ARMANDO aus Chicago, zeigt mit diesem Album alle Facetten der Musik die vornehmlich in seiner Heimatstadt durch Leute, wie ihn entstand. Von Disko-Sound über jazzy Grooves bis hin zum allseits bekannten Clubklassikers 100% OF DISSIN' U und seinem letzten Hit TRANSSAXUAL ist alles dabei, was die moderne Housefrau und der modern Housemann so brauchen um in's schwitzen zu geraten.    (md)
 

J.J. CALE
Guitar Man
Delabel
Mr. Cool zeigt mit seiner neuen Platte wieder einmal der Konkurrenz, wem - vor CLAPTON und MOORE - den Titel "Guitar Man" zusteht. Dabei hat seine Stimme an der unterkühlten Ausstrahlung seiner Songs mitunter größeren Anteil als die wie stets spärlich eingestreuten genialen Gitarrenlicks. Vielleicht ist das auch das Wichtigste, was CLAPTON von ihm gelernt hat: nämlich nicht zu offensichtlich seine Stärken auszuspielen. Das zeigt Souveränität, verrät Klasse. Und das ist der Charme der J.J. CALE-Kompositionen, mit einer Selbstverständlichkeit und Lockerheit daherzukommen, die sich spielend auf den Hörer überträgt und jegliches Heroin überflüssig macht. Im Auto könnten solche Klänge manchen Stau verhindern, in der Therapie so manchen Manisch-Depressiven heilen. Nicht unbedingt CALEs stärkstes Stück, aber sicher sein Abgeklärtestes. (pw)

SOUNDGARDEN
Down To The Upside
A & M Records
Sie wurden einmal als die "Led Zeppelin der 90er" bezeichnet - und das nicht ohne Grund. Das sechste Album der Seattle-Rocker, 65 Minuten lang, ist eine konsequente Weiterentwicklung ihres musikalischen Könnens: Ein wenig in der Tradition des vorherigen Albums "Superunknown" stehend, haben es die vier Musiker verstanden, ein starkes Werk mit einer Mischung aus Metal, Punk-Trash, Psychedelic und balladesker Schönheit vorzulegen. Ja, Soundgarden bewegen sich noch immer zwischen allen Definitionen und Grenzen, eben ganz im Spektrum des SOD, dem "Sound of Seattle", fernab jeglicher Erwartungen, die Ihnen im Vorfeld angetragen wurden. "Down To The Upside" ist - betrachtet man sich Texte wie "Outshined" - persönlicher geworden, melancholischer vielleicht, ohne dabei allerdings an Kraft einzubüßen. Ein Album freilich ohne Ecken und Kanten, daß folglich nirgendwo anstößt und seine Käufer ergo finden wird - doch gerade das zeichnet Soundgarden vielleicht aus. Wer muß schon abfahren wie Nirvana-Sänger Kurt Cobain, um Aufsehen zu erregen? Die Plattenfirma schreibt: "Wut verwandelt sich in Göttlichkeit". Wer immer das geschrieben hat - besser kann man Soundgarden kaum auf den Punkt bringen. (tl)

SUBLIME
400z. To Freedom
Skunk Rec./Community
Wenige Tage nach Veröffentlichung dieser CD starb SUBLIME-Sänger Bradley James Nowell an einem tödlichen Cocktail aus Schmerztabletten und Alkohol. Nach Auskunft der Plattenfirma handelt es sich weder um Selbstmord noch um einen durch Sucht ausgelösten Drogentod, doch dieses traurige Ereignis macht »400z. To Freedom« unbestreitbar zu einem besonderen Album. SUBLIME werden zwar als Punkband promotet, aber zumindest diese Scheibe ist mehr Reggae als irgendetwas anderes. Gut, »New Thrash« geht als US-Beach Punk durch, aber in den 24 Songs/73 Minuten kommen Ska, Rap, Scratching, ja sogar Hundegebell weit häufiger vor. Beim »Secret Track« (Nr. 21) ist dann alles klar... (ms)

STRATOVARIUS
Episode
Modern Music
STRATOVARIUS ist Timo Tolkki. Das zeigt schon die Tatsache, daß sich der Sound anno 96 nicht verändert hat, obwohl der Gitarrist das letzte verbliebene Gründungsmitglied ist. Dank Keyboarder Jens Johannsson (DIO, MALMSTEEN) und Überall-Drummer Jörg Michael konnte Timo seine Vision auf »Episode« besser verwirklichen als je zuvor. Das Multitalent führt hier seinen unverwechselbaren Sound zwar nicht zu neuen Ufern, jedoch allemal zu neuen Höhen. Überdies erfüllte sich der sympathische Finne einen Traum und setzte gleich bei 4 Songs ein echtes Orchester ein. In Verbindung mit dem gewohnt kristallklar-wuchtigen Sound entstand Musik wie Donnerhall. Majestätischer kann Heavy Metal nicht sein. (ms)

DIVERSE
12 Years In NOISE
Noise/Modern Music
Gerade in letzter Zeit schieden sich manche Bands im Unfrieden von Noise - KREATOR, RUNNING WILD, SKYCLAD -, doch das ändert nichts an der Bedeutung des Berliner Labels nicht nur für den einheimischen Heavy Metal. Kein Wunder, daß in diesen 136 Minuten Qualität Trumpf ist. Getreu dem Untertitel »Metal & Beyond« ist die erste CD traditioneller (u.a. die HELLOWEEN-Rarität »Oernst Of Live«!), während CD 2 experimentellen Combos wie CELTIC FROST, VOIVOD oder meinen ewigen Faves MORDRED (RIP) ein Forum bietet. Für Neueinsteiger und Fans von Achtziger-Metal eine runde Sache. (ms)
 

STEPHEN KENT
Landing
City Of Tribes/Intuition
Sie war, ist und wird es wohl auch vorerst bleiben, die Hauptstadt des psychedelischen Geschehens unseres Erdballs: San Francisco. So ist es auch nicht verwunderlich, daß ausgerechnet ein Label mit Hang zum Mystischen wie »City Of Tribe« aus diesem Umfeld stammt. Eines von drei erstmals im deutschsprachigen Raum erhältlichen Kunstwerke ist »Landing« von STEPHEN KENT. Zentrum seines musikalischen Konglomerats aus Ambient, Trance, Tribel und Ethno ist das Didgeridoo, das mit an einem magischen Klangteppich knüpft, der einen alles um sich herum vergessen läßt. Immer und immer wieder ist es berauschend zu erleben, wie zeitlos das Blasinstrument der australischen Ureinwohner sich den neuen/alten Dimensionen des Hörens annimmt. (om)

TERRY HOAX
Live: Happy Times
Metronome
Ende Januar verabschiedete sich eine der talentiertesten Bands Deutschlands von unseren Bühnen: TERRY HOAX. Ihre letzte Tour wurde mitgeschnitten und liegt nun in CD-Form als Abschiedsgeschenk an alle Fans vor. Hier zeigt sich, wo die Hannoveraner wirklich unschlagbar waren: auf der Bühne! Ein Live-Album quer durch alle Hits mit einer ungemeinen Intensität! Jedem, der sich wundert, mit wieviel Herzblut und Spielfreude TERRY HOAX sich auf dieser CD geben, sei gesagt: Das war live bei jedem Gig der Jungs so! Auf diesem Rockalbum fehlt wirklich nichts: die Konversation mit dem Publikum (wie es sich für eine "echte" Livescheibe gehört) oder Jam-Einlagen (Break On Through). Für mich jetzt schon eine der besten Scheiben des Jahres. Danke, TERRY HOAX! Schade, daß es Euch nicht mehr gibt, wir werden Euch vermissen. (hs)

MR. LOUSY FOOD & THE WARM BEERS
Create
Eigenvertrieb
Die im südlichen Erscheinungsbereich des Wildwechsels als 'Black Crowes der Region' bekannten Gießener Rocker legen ihre erste CD vor. Auch auf dem Tonträger besinnen sich die LOUSY'S auf ihre Stärken: Das Album wurde größtenteils live und vielmals im ersten oder zweiten Take eingespielt. Als Vorbilder dienten hier sicher auch die Crowes. Doch »Create« ist wesentlich näher an die alten AC/DC angelehnt. Dreckiger, roher und staubiger Rock'n'Roll, der direkt nach vorne geht, zeichnet das Album aus. Selbst leichte Ausflüge in den Indiebereich werden gewagt! Ein solch simples Stück Rock hat in Zeiten von Overdubs und Co. schon lange keine Band mehr gewagt! Heutzutage muß halt alles perfekt klingen, aber zum Glück nicht immer. Erhältlich ist die CD in den lokalen Plattenstores oder unter 0641/791246. (hs)

SPACE KELLY
Das Leben ist kein Heimspiel
Freistil
Hier scheint bei der Wiedergeburt von Trini Lopez einiges schiefgegangen zu sein. Die Soundqualität ist zwar ungefähr gleich geblieben, aber seine Stimme hat doch deutlich gelitten, ebenso sind die Texte im Niveau ins Bodenlose gesunken. Ein Beispiel gefällig? Bitte schön: "Oh Claire! Du kamst aus England zu uns her. Du bist in Hamburg als Au Pair. Oh, Claire! Ich muß Dir sagen: Ich mag Dich sehr." Die Arrangements und das Zusammenspiel der Musiker gleichen dem Geschrammel einer mittelmäßigen Schülerband. Dazu der selten dämliche Titel. Da wirkt es schon beinahe wie ein Gnadenakt, daß die CD mal gerade 20 Minuten lang ist. Immerhin ist die Mehrzahl der Melodien und Kompositionen so unschuldig frisch, daß SPACE KELLY zumindest eine Karriere als Songschreiber für die Schlager-Branche nicht völlig ausgeredet werden muß. Der Rest ist leider Dilettantismus pur. (pw)

DIVERSE
Punk Chartbusters Vol. 2
Wolverine/SPV
Schon der Start war der ultimative Partymörder; dem steht die Fortsetzung nicht nach. Quantitativ wurde gar zugelegt, denn aus dem einfachen Faltblatt wurde ein tolles Booklet mit genial albernem "Wie hoch ist mein Punk Rock Faktor?" - Test. Klar, die 28 vertretenen Coversongs "kennt jede Sau aus Fanzines und TV", aber die 8 unveröffentlichten Brüller sind die Sahne auf der Torte, allen voran die YETI GIRLS mit E.L.O.s »Don't Bring Me Down«, GERM ATTACK mit dem Gassenhauer »Walk In The Park«, sowie die LOKALMATADORE, die sich »Ich geb' mir selbst 'ne Party« von Howard C. zur Brust nahmen. Von diesem und KILLRAYS' »Love Is Everywhere« (Jaaa, genau das!!!) lernen wir, daß schleimige Schlager und rotziger Punk gar nicht so weit auseinanderliegen. Ideal zum ekstatischen Pogen, aber, wie das letzte Beispiel zeigt, auch zum Tränenlachen. Und "Elvis" hält sich die ramponierten Klöten... (ms)