Wildwechsel-Plattenkritiken
Kurz und klein 2002


ERIC CLAPTON
Live: One More Car - One More Rider (Wea)
Wollen wir hoffen, dass er sein Versprechen nicht hält, keine Tourneen mehr zu bestreiten. Denn die vorliegende Do-Live-CD beweist Mr. Slowhands Bühnenpräsenz sogar noch im heimischen Wohnzimmer. Von den neueren Songs bis zu Klassikern, von den Rockern über den Blues bis zum Pop. Lohnt sich! (hs)

TOM PETTY & THE HEARTBREAKERS
Echo (Wea)
Der gute alte Tom rockt wieder einmal mit den Heartbreakers. Und die geben ganz schön Gas! Bluesverwurzelter Rock'n'Roll, wie immer hochqualitatives Songwriting und den unverwechselbaren Petty Charme. Souveräne Arbeit! (hs)

BLACKMORE'S NIGHT
Past Times With Good Company (SPV)
Richie Blackmore und Lebensgefährtin Candice Night widmen sich bereits seit drei Alben einer Mischung aus Mittelalterrock, Pop und Folk. Die vorliegende Doppel Live CD zeigt, dass dies auch auf der Bühne gut kommt. Besonders erfreulich, dass Blackmore eines der besten Deep-Purple-Stücke ausgegraben hat: »Soldier Of Fortune«. Fein. (hs)

SLOBBERBONE
Slippage (Blue Rose/inakustik)
Wann wird man schon mal von Stephen King geadelt. In Form seines Buches »Das schwarze Haus« verweist die Hauptfigur des Romans auf einen Song der Amerikaner, "This is a great rock'n'roll song", so seine Aussage. Und das haben die Jungs wirklich zu bieten, wuchtiger Gitarrenrock in Reinkultur. ROCK großgeschrieben: treibend, dreckig, staubig. (hs)

TOPLOADER
Magic Hotel (Epic)
Ihr Debüt »Onka's Big Moka« und vor allem die dazugehörige Hitsingle »Dancing In The Moonlight« zählten zum Besten des Jahres 2000. Mir ihrem Nachfolger geht es richtig gut weiter: hart rockend, rythm'n'bluesig, soulig, vor allem richtig lässig und entspannt. (hs)


ME AND CASSITY
Hope, With A Pain Chaser (Tapete/indigo)
Hinter ME AND CASSITY verbirgt sich Dirk Darmstädter, aufrechten Popfans noch aus Jeremy-Days-Zeiten bekannt. Bereits auf seinem Soloalbum 1997 fröhnte er dem Singer/Songwritertum. Auch hier tritt er als klassischer Storyteller auf und beglückt all die, die das tägliche Radiogedudel nicht ertragen. (hs)

PRIMEsth
Underneath The Surface (Rebelution Ent.)
Hoffnungsvolles aus Schweden, über den Umweg USA zum Erfolg gelangt: ausgefeilter Mainstream Rock, wie er im US College Radio läuft! Ihre Single »I'm Stupid (Don't Worry 'bout Me)« kickt zumindest richtig gut. (hs)

RICHIE HAVENS
Wishing Well (Evangeline Rec.)
Einst eröffnete er Woodstock. Nun hat Richie Havens nach Jahren wieder ein Studioalbum draußen. Ruhig und besonnen geht es vor sich, mit viel Folk, leichtem Soul und gar einem Schuss Weltmusik. Musik mit Leidenschaft bis zum Schlusspunkt: dem mystischen »On The Turning Away« von Pink Floyd. (hs)

ROBERT PLANT
Dreamland (mercury)
Robert Plants außerordentliche Stimme die schon Led Zeppelin verzauberte, sticht auch hier wieder markant hervor. Aufgenommen hat er ein Album mit Songs, die ihn beeinflussten und ein paar eigenen Stücken. So zitiert er Bob Dylan oder Tim Buckley. Lediglich »Hey Joe« gerät in Plants Version völlig daneben. Insgesamt ein recht ruhiges aber beachtliches Gemisch aus Folk und Bluesrock. (hs)

CASHMA HOODY
Hoodylicious (African Dance)
Die Hessischen Reggaemeister aller Klassen melden sich mit einem schönen Album zurück, poppig, melodisch und doch relaxed. Einfach erfrischend, dieser Sound... (lj)

PAUL WESTERBERG
Stereo (Vagrant/Motor)
Eigentlich Mono/Stereo, denn das Album besteht aus zwei CDs. Mono zeigt Westerberg solo mit Songs zur Akustikgitarre balladesk und roh. Auf Stereo geht es dann mit Band an den Start. Der ehemalige Replacements Mann der nach seinem 99er Solowerk »Suicane Gratifaction« herb enttäuschte, lässt es hier endlich wieder rocken und rollen. (hs)

OZZY OSBOURNE
Live At Budokan (Sony)
Der Altmeister scheint Live-Alben über alles zu Lieben. Hier wieder mal eine Bestandsaufnahme seiner aktuellen Konzerte. Altbewährtes wie »I'dont know« oder »Bark At The Moon«, neueres mit »Junkie« oder »Mama I'm Coming Home«. Man merkt aber leider schon, dass Ozzy nicht mehr die Puste vergangener Tage hat. Für Livealben gilt somit immer noch als Empfehlung schlechthin: »Tribute To Randy Rhoads«: ein Muss für jeden Rocker! »Budokan« ist eher für Fans. (hs)

DIVERSE
The Osbournes (Epic)
Apropos Ozzy: Die MTV-Soap um seine Family zählt mitterweile zu den erfolgreichsten Serien, die der Musiksender je ausgestrahlt hat. Die CD zur Serie serviert uns 2 Ozzy-Balladen, weiterhin » Crazy Train« im Original, sowie die Titelmelodie der Serie von Pat Boone (!), Stücke von Lennon, Clapton bis Starsailor oder Kellys Madonna Cover »Papa Don't Preach«. Herrlich: die besten Dialoge unzensiert - gut für den Anrufbeantworter! (hs)

DEF LEPPARD
X (mercury)
Einst zählten sie zu den größten Hardrock-Bands der Welt. Dieser hell leuchtende Stern ist schon eine ganze Weile verloschen. Mit ihrem 10ten Album gibt es nun glattgebügelten Mainstream - mehr Pop als Rock -, garniert mit vielen Balladen. (hs)

AYA
A Flower On The Battlefield (BMG)
Das rockt kräftig, was die junge japanische Dame da als Debüt vorlegt. Nachdem Starproducer Adam Caspar (Pearl Jam, Nirvana, Soundgarden) das Talent der Sängerin und Gitarristin entdeckte, tauchten gleich bekannte Mitstreiter wie Matt Cameron (Pearl Jam), Kim Thayil (Soundgarden), oder Krist Novoselic (Nirvana) auf und veredelten die Aufnahmen zu einem Alternative-Rock-Leckerbissen. (hs)

DAVID BOWIE
Heathen (Columbia)
Bowie wechselt zu Columbia und wieder seinen Stil. Diesmal weg von der Moderne und back to the roots. Classic Bowie sozusagen. Mit Produzent Tony Visconti der schon bei »Young Americans« oder »Heroes« mit an Bord war, wird auch wieder mal die Gitarre ausgepackt. Besonders die Single »Slow Burn« mit WHO-Gitarrist Pete Townsend kann voll überzeugen. (hs)

LAURYN HILL
MTV Unplugged No. 2.0 (Columbia)
Erstmals nach dem Solo-Debüt von 1998 veröffentlicht das sympathische FUGEES-Gründungsmitglied eine Platte mit neuen Songs. Auf Doppel-CD gibt es die Aufnahmen einer Live-Session vor ausgewähltem Publikum in New York. Nur mit Akustikgitarre und Stimme erzeugt Lauryn zwar heimelige Atmosphäre, auf zwei CDs jedoch wird's zu langatmig. (hs)

DEL AMITRI
Can You Do Me Good? (Mercury)
Schon 'ne ganze Weile nichts mehr gehört von den schottischen Rockern mit Melodiegarantie! Im 15ten Karrierejahr sind sie nun mit kräftigen Rock-Songs wie »Drunk In A Band« oder wehmütigen wie »Just Getting By« zurück. Zwar vermisst man Ohrwürmer wie »Nothing Ever Happens«, aber Fans der Band werden mit dieser Platte definitiv glücklich. (hs)

WEEZER
Maladroit (Motor)
Es ist Sommer. Und mit WEEZER ist das ganz einfach, wer mal Pause von BLINK 182 oder PAPA ROACH braucht, legt die neue WEEZER auf. Ultimativ gute Sommerlaune ist vorprogrammiert! Unbeschwerte, jugendfrische Songs mit viel, viel Gitarre - manchmal braucht man nicht mehr... (hs)

ADORNED BROOD
Erdenkraft (Moonstorm)
Melodischer geworden verschmelzen sie folklorische Wurzeln teils mit agressiven Black-Metal Vokals, teils mit jener hauchzarten Stimme von Frontfrau Ingeborg, die mit wunderschönem Gesang das Ganze abrundet. Mit dabei: SUBWAY-TO-SALLY-Frontman Eric Hecht, der Text und Gesang zum Song »Der Fluch« lieferte. Ein Album, dass selbst erklärte Metal-Feinde mögen könnten. (tim)

AYNSLEY LISTER
Supaker N Pilehards (Ruf Rec/In-akustik)
Von den Veteranen zum hoffnungsvollen Nachwuchs: Das Bluesrock Wunderkind aus England erfreut uns mit mit einem Solo-Live-Album. Es enhält fast ausschließlich Coverversionen, bei denen er sich nur mit seiner Gitarre begleitet. Lister zeigt, dass er es auch "unplugged" drauf hat, aber mit wuchtiger Backing Band ist er um Längen besser. (hs)

ROGER WATERS
Flickering Flame (Columbia)
Alte Herren, Teil 2: Das einstige Pink-Floyd-Mastermind wollte die Band verlassen, solange es noch in Würde ging. Sonderlich inspiriert ist sein Solo-Output auch nicht geworden, wie diese Kolltektion beweist. Abgeklärt ist er, altersweise und nicht ganz so verstaubt wie seine einstigen Bandkollegen, die sich nur selber zitieren. Doch weit entfernt von der Experimentierwut früher Tage! (lj)

VAN MORRISON
Down The Road (Polydor)
Eine Van-Morrison-Platte aufzulegen ist meistens immer eins: entspannend, manchmal berauschend. Spricht man bei anderen von "reifem Alterswerk", so verzaubert der große irische Musiker seine Fangemeinde von Album zu Album. Mal mehr, mal weniger. Diesmal zeigt er sich wieder um einiges inspirierter als beim letzten »Back On Top«. (hs)

BADESALZ

Du packst es Jutta (Eastwest)
BADESALZ hat endlich die adäquate Aktionsform gefunden, die auch Demo-Muffel gegen Ausländerfeindlichkeit aktivieren wird: Essen gegen Rechts! Auch ansonsten gibt es schräge und böse Scherze, die manchmal sogar richtig kabarettistischen Biss haben. Live am 3.5. in der Stadthalle Marburg. (lj)

BERNADETTE LA HENGST

Der beste Augenblick in deinem Leben (Trikont)
Die einstige Braut, die sich jetzt traut: Bernadette auf eigenen Füßen - und wie! Schöne, sensible Songs, souverän und mit einer gewissen coolen Distanz. So schön kann deutscher Pop sein! Live am 3.5. im Café Trauma Marburg. (lj)

KUNG FU
Kungfu (Island)
Ganz heftig auf SELIGs Spuren wandelt Christian Neanders neue Truppe - in neuer Besetzung noch wilder und wagemutiger, aber auch sensibler als beim »Glaskugelsammelbehälterkastenoderwiedasdingnunhieß«. Der Wildwechsel präsentiert die Band am 10.5. bei Rock For Tolerance in Einbeck. (lj)

AI PHOENIX

Lean That Way Forever (Glitterhouse)
Bei dieser Musik kommt der Folk- und Country-Fan genauso auf seine Kosten wie der Liebhaber von CRANBERRIES oder PORTISHEAD. Dieser Slowmotion-Sound ist das Gegengift gegen die allgegenwärtige Hektik! Live präsentiert der Ww die Band am 13.5. im Kasseler K 19. (lj)

PETE YORN

Musicforthemorningafter (Columbia)
Neben Ryan Adams noch ein frisches Gesicht am Songwriter-Himmel. Pete Yorn kann mit seinem Debüt auf ganzer Linie überzeugen, schon der Opener »Life On A Chain« will aus dem Kopf gar nicht mehr raus. Ein Album, an dem man sich gar nicht satt hören kann. (hs)

SOUNDTRACK

Star Wars Episode 2 (Sony)
Star-Wars-Komponist John Williams, der Wagner Hollywoods, hat wieder ganze Arbeit geleistet. Gewohnt monumentale Orchesterarrangements leuchten die Handlung bis ins kleinste i-Tüpfelchen aus. Da entstehen die Fantasy- und Action-Bilder und -Szenen schon beim Zuhören. (lj)

SHERYL CROW

C'mon, C'mon (Polydor)
Die amerkanische Songwriterin bleibt ihrem Folkrock-Stil treu. Serviert lockere Songs à la »Soak Up The Sun« oder balladeskes wie »It's So Easy« mit Don Henley. Weitere Gaststars sind u.a. Liz Phair und Lenny Kravitz. Nicht unbedingt ihr bestes Album, aber o.k.! (hs)

NIKOKAI

Sestrichka (WMF Records)
Da der georgische Klangkünstler gleichzeitig auch als Filmregisseur aktiv ist, verwundert es kaum, dass seine Musik wie ein (imaginärer) Soundtrack klingt. Seine verträumten, malerischen Melodien verknüpft er mit elektronischem Frickelsounds. Zum einem mit knackigen Beats, zum anderen mit verschleppten Bässen versetzt, ensteht ein pulsierender Klangteppich. Spannend! (nn)

RYAN ADAMS
Gold (Lost Highway/mercury)
In sämtlichen seriösen Musikgazetten als ein Americana-Meisterwerk gefeiert. Zurecht! Lässiger Folk-Rock zwischen Moderne und Tradition. Volltreffer! (hs)

DEF CUT
Street Level (MZEE Records)
Der Schweizer HipHop -DJ Def Cut beherrscht die Kunst, treibende Funk-Breaks und elektronisch durchnässte HipHop Stücke mit Durchschlagskraft zu produzieren. Seine Songs klingen angenehm und versorgen den Hörer mit zeitlosen Beats und einer Prise 70er-Jahre- Feeling. Sympathisch! (tg)

FINK
Letzter September (Normal Records)
Über FINK braucht man eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren: ihre Musik ist Country und auch wieder nicht, ihr Sound ist die große Sehnsucht und ihre Texte sind lakonisch bis staubtrocken. »Letzter September« versammelt Konzertmitschnitte der Fink-Tour 2001. Nicht immer in guter Klangqualität , aber dem Fan dürfte das gleich sein. (ks)

DIVERSE
A Boy named Sue. Johnny Cash...
(Trikont) Cash, die Ikone der Countrymusik, galt viele Jahre als Sinnbild für provinziell-reaktionäre Truckermucke. Wie falsch dies war, zeigte sich nicht erst mit dem viel beachteten Album »American Recordings«, das ihm unsterbliche Coolness verlieh. Cash hat unzählige Fans, einer davon ist Autor Franz Dobler, der diesen einmalig schrägen Tribute-Sampler editierte. (ks)

MAGNUM
Breath Of Life (SPV)
Reunionscheibe der englischen Erfolgs-Art -rock-Combo. Nach sechs Jahren Pause veröffentlichten sie mit »Breath of Life« ihr elftes Album - leider in einer Songqualität, die Meilen von den alten Erfolgen entfernt ist. (hs)

GOTTHARD

One Life One Soul (BMG)
Die Schweizer Rocker blicken zurück: die 10-jährige Compilation mit Untertitel "Best Of Ballads" beinhaltet 17 Eigenkompositionen plus die Covers »Ruby Tuesday« und »He Ain't Heavy«. Kuschelrock! (hs)


JOHN DEE GRAHAM
Hooray For The Moon (Blue Rose/inaktustik)
Der texanische Songwriter rockt. Graham bekannt für deftige Gitarren und Reibeisenstimme kracht besonders bei »Home«. Aktuell auf Tour, nicht verpassen. (hs)

DEF CUT
Street Level (MZEE Records)
Der Schweizer HipHop -DJ Def Cut beherrscht die Kunst, treibende Funk-Breaks und elektronisch durchnässte HipHop Stücke mit Durchschlagskraft zu produzieren. Seine Songs klingen angenehm und versorgen den Hörer mit zeitlosen Beats und einer Prise 70er-Jahre- Feeling. Sympathisch! (tg)

BOTTLE ROCKETS
Songs Of Sahm (Blue Rose/inakustik)
Ein Album voller Coversongs des Texaners Doug Sahm (Sir Douglas), von dem die meisten nur seinen Hit »Mendocino« kennen. Aber keineswegs sollte an Schlager gedacht werden, lässiger Country-Rock ist angesagt. (hs)

Ich will mich beschweren über...!

Beschweren

Verdienen

Antwort kriegen