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»Die eingebildete Kranke« im Staatstheater Kassel - In der Eröffnungspremiere erwarten die Zuschauer:innen neben Gesellschaftskritik und Wahrheitssuche auch unbändige Spiellust, grotesker Humor und so einige falsche Arzte, Brüder, Musiklehrer und vieles mehr ... | Foto: Annett Kruschke mit Annalena Haering | (c) Sylwester Pawliczek MACHMAMACHMA
»Die eingebildete Kranke« im Staatstheater Kassel – In der Eröffnungspremiere erwarten die Zuschauer:innen neben Gesellschaftskritik und Wahrheitssuche auch unbändige Spiellust, grotesker Humor und so einige falsche Arzte, Brüder, Musiklehrer und vieles mehr … | Foto: Annett Kruschke mit Annalena Haering | (c) Sylwester Pawliczek MACHMAMACHMA

Wenn es um das Thema Kontrolle über das eigene Leben geht, scheint nichts unmöglich – zumindest im Kopf der Protagonistin Frau Argan, die sich in einer absurden Selbstdiagnose aus Krankheit, Kontrolle und Vermeidung verfängt. »Die eingebildete Kranke«, eines der bekanntesten Werke von Molière, wird im Staatstheater Kassel unter der Regie von Pia Richter neu auf die Bühne gebracht und verspricht eine moderne Groteske mit tiefgreifender Aktualität

»Die eingebildete Kranke« im Staatstheater Kassel

Im Zentrum der Handlung steht Frau Argan, die besessen davon ist, sich vor Krankheiten zu schützen und in ihrer fixen Idee alles unternimmt, um dem Leiden zu entkommen. In der Bearbeitung von Martin Heckmanns wird Molières Komödie »Der eingebildete Kranke« zu einem scharfsinnigen Kommentar über unsere moderne Gesellschaft, die geprägt ist von Kontrollsucht, Gesundheitswahn und der Verdrängung des Unvermeidlichen – dem Tod.

Die Frage, ob Frau Argan tatsächlich krank ist oder sich nur in einer selbsterschaffenen Krankheit gefangen hält, bleibt dabei unbeantwortet. Stattdessen entspinnt sich eine Geschichte, die nicht nur komisch, sondern auch tragisch wirkt.

Szenenfoto aus »Die eingebildete Kranke« im Staatstheater Kassel - Hier mit Annett Kruschke und Annalena Haering | (c) Sylwester Pawliczek
Szenenfoto aus »Die eingebildete Kranke« im Staatstheater Kassel – Hier mit Annett Kruschke und Annalena Haering | (c) Sylwester Pawliczek

Eine satirische Reise durch Wahn und Wirklichkeit

„Für Wunderheilerin Doktor Purgon ist es zweitrangig, ob Frau Argan wirklich krank ist,“ erklärt das Staatstheater Kassel in einer Pressemitteilung. „Hauptsache, die Beschwerden ihrer Klientin reißen nicht ab.“

Die Handlung verdichtet sich, als Frau Argan plant, ihre Tochter Angélique mit dem Sohn von Doktor Purgon zu verheiraten – nicht aus Liebe, sondern um immer einen Arzt im Haus zu haben. Doch Angélique hat andere Pläne. Sie ist in Cléante verliebt und vertraut sich in ihrer Verzweiflung der cleveren Hausangestellten Toinette an. Diese durchschaut die verrückten Machenschaften und entwickelt eine listige Strategie, um der Liebe ihrer Herrin zu Hilfe zu eilen.

Gut zu wissen: Die Inspiration/Vorlage zu dem Stück ist »Der eingebildete Kranke« (Originaltitel Le Malade imaginaire) ist eine Ballettkomödie von Molière, uraufgeführt 1673. Im Zentrum steht Argan, ein hypochondrischer Mann, der sich von skrupellosen Ärzten ausnutzen lässt. Er plant, seine Tochter Angélique aus egoistischen Motiven mit einem Arzt zu verheiraten, doch sie liebt Cléante. Angéliques Dienstmädchen Toinette und Argans Bruder Béralde setzen sich dafür ein, ihn von seinem Irrglauben zu befreien. Das Stück thematisiert die Abhängigkeit von Ärzten, die Angst vor dem Tod und die Lächerlichkeit übertriebener Krankheitsfurcht auf humorvolle Weise. Ein zentrales Thema des Stücks ist dabei auch das Spiel mit dem Tod, das auf komische Weise behandelt wird.

»Die eingebildete Kranke« Feministische Regie und schräge Bühnenwelt

Regisseurin Pia Richter, die bereits durch ihre Arbeit bei »Die Zähmung der Widerspenstigen« am Staatstheater Kassel auf sich aufmerksam gemacht hat, legt auch bei ihrer zweiten Inszenierung großen Wert auf geschlechtergerechte Verhältnisse. Ihre feministische Perspektive lässt sie die Rollenverteilung neu interpretieren und schafft damit Raum für aktuelle Fragestellungen. Es geht nicht nur um die Geschlechterdynamiken, sondern auch um die Frage, wie wir in einer von Gesundheitswahn und Kontrollsucht geprägten Gesellschaft leben und lieben können.

Szenenfoto aus »Die eingebildete Kranke« im Staatstheater Kassel - Hier mit mit Annalena Haering und Zazie Cayla | (c) Sylwester Pawliczek
Szenenfoto aus »Die eingebildete Kranke« im Staatstheater Kassel – Hier mit mit Annalena Haering und Zazie Cayla | (c) Sylwester Pawliczek

Die Inszenierung wird durch das Bühnenbild von Julia Nussbaumer, die Kostüme von Lise Kruse und die Musik von Malik Diao unterstützt. Gemeinsam kreieren sie eine „eigene schräge Welt“, in der die Verführbarkeit des Menschen durch Scharlatanerie ebenso thematisiert wird wie die Fragen nach Authentizität und dem richtigen Leben im falschen.

Ensemble und kreative Köpfe hinter der Produktion von »Die eingebildete Kranke«
  • Regie: Pia Richter
  • Bühne: Julia Nussbaumer
  • Kostüme: Lise Kruse
  • Musik / Sounddesign: Malik Diao
  • Licht: Oskar Bosman
  • Dramaturgie: Alexander Olbrich

Mit der Kombination aus einer scharfzüngigen Neubearbeitung von Martin Heckmanns und der kreativen Inszenierung von Pia Richter entwickelt sich »Die eingebildete Kranke« im Staatstheater Kassel zu einem Theatererlebnis, das den Zeitgeist unserer Ära reflektiert.

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Von Wildwechsel

Online-Redaktion des Printmagazin Wildwechsel. Wildwechsel erscheint seit 1986 (Ausgabe Kassel/Marburg seit 1994). Seit 2021 erscheint Wildwechsel ausschließlich online. Laut Auswertung hat sich dadurch die Zahl der Leser noch mal deutlich gesteigert.

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