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Phubbing als Volkskrankheit

am 27 September 2013 von Helena Muhm

Phubbing als Volkskrankheit

Ständig das Smartphone in der Hand! Foto: Pierre Selim

 

Mark hat heute ein Date mit seiner Traumfrau. Lena ist groß, schlank, hat lange blonde Haare und blaue Augen. Noch eine Stunde.

Er steht hilflos vor dem Kleiderschrank und weiß nicht, welches Oberteil er anziehen soll. Das bequem-lässige Bandshirt? Ein etwas schickeres Poloshirt? Oder doch ein Hemd? Schließlich will er Lena beeindrucken! Er entscheidet sich letztendlich für das Poloshirt.

Es ist 20 Uhr. Mark und Lena sitzen sich gegenüber. Leckeres Essen bei romantischem Kerzenschein. Mark wirft ihr über die Kerze einen innigen Blick zu. Er fragt „Schmeckt dir deine Suppe?“, doch sie bricht den Blickkontakt und murmelt „Moment …“. Dann holt sie ihr Handy raus. Ganze fünf Minuten vergehen, ehe sie murmelt „Sorry, was hast du gesagt?“. Eine Weile gerät die Konversation in Schwung, dann befasst sie sich wieder mit ihrem Handy, während er seinen Blick über die Nachbartische schweifen lässt.
Gelangweilt beobachtet er die Gäste im Restaurant. Am Nachbartisch schaut ein junger Mann seiner Freundin verliebt in die Augen und streichelt ihre Hand. Wie schön es sein könnte …

„Sollen sich auch alle schämen, die gedankenlos sich der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen, und nicht mehr davon geistig erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst.“ (Albert Einstein)

„Phubbing“ nennt sich dieses in Zeiten des Smartphones überall verbreitete Phänomen, bei welchem dem mobilen Alleskönner große, wenn nicht sogar die alleinige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Insbesondere in Gesprächssituationen. Das Wort „Phubbing“ wird abgeleitet aus dem Englischen phone (Telefon) und snubbing (von snub schroffe Ab-, Zurechtweisung).

Dagegen regt sich inzwischen erbitterter Widerstand! Der Australier Alex Haigh hat eine Website ins Leben gerufen, auf der alle Phubbing-Opfer, die sich von ihren Freunden vernachlässigt oder gar ignoriert fühlen, ihrem Ärger Luft machen können. Regt man sich also mal wieder über die Handysucht eines Freundes auf, besucht man einfach die Seite Stoppphubbing.com und schickt ihm einen vorformulierten Text via Mail. Hilft das nicht, gibt es da immer noch die Phubbing Hall of Shame als öffentlichen Pranger.

Haighs satirische Anti-Phubbing-Webseite trifft zwar den Nerv vieler Menschen. Trotzdem war die Kampagne zunächst alles andere als ein Selbstgänger. Erst nach einem Bericht der britischen Nachrichtenagentur BBC explodierte die Zahl der Zugriffe auf Haighs Webseite und sie musste wegen Überlastung vorübergehend vom Netz genommen werden.

Etwas ganz Besonderes ließ sich ein Barbesitzer aus Brasilien einfallen: er ließ spezielle Gläser anfertigen, die nur mit Hilfe eines Smartphones stehen können. Der Boden des Glases ist nicht eben, sondern hat eine Einkerbung. Wird das Glas nicht durch ein Smartphone stabilisiert, kippt es. Somit sind Gäste quasi gezwungen, sich mit ihrer Begleitung zu beschäftigen anstatt mit ihrem Smartphone. Laut dem Brasilianer sind übrigens die meisten Phubber in seiner Bar Deutsche.

Mark entscheidet sich nach dem missglückten ersten Date dazu, Lena anzurufen, um nochmal mit ihr über ihr unhöfliches Verhalten zu sprechen. Nach einem langen Gespräch sieht sie schließlich ein, dass sie sich an dem Abend total daneben benommen hat. Sie verspricht ihm, beim nächsten Date ihr Handy gleich ganz zuhause zu lassen und sich nur auf ihn zu konzentrieren. Man sieht also: Marks kleiner Tritt in Lenas Hintern hat geholfen!

Den Smartphonesüchtigen unter uns sollte man vielleicht auch mal gehörig in den Hintern treten und sie fragen, was ihnen eigentlich wichtiger ist: Ihr Smartphone, das sie rund um die Uhr streicheln können oder ihre Mitmenschen.

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» So hast den Wildwechsel vielleicht noch nie gelesen!

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