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Eine Welle von so genannten “Enkeltricks” rollte am Dienstag über den Kreis Paderborn. In den bislang bekannt gewordenen elf Fällen haben die Opfer kein Geld oder Wertsachen an die unbekannten Betrüger übergeben, obwohl es in zwei Fällen fast soweit gekommen wäre. In einem weiteren Fall – mit einer anderen Variante des Trickbetrugs – hätten die Täter auch beinahe ihren kriminellen Erfolg gehabt.

Vorsicht falsche Enkel und Nichten!

Der “Enkeltrick” ist eine besonders hinterhältige Form des Betrugs, der für die Opfer, meistens Senioren, oft existenzielle Folgen haben kann. Zum einen, weil die Betroffenen dadurch hohe Geldbeträge verlieren können oder sogar um ihre Lebensersparnisse gebracht werden. Zum anderen sehen sich die Opfer häufig den Vorwürfen und dem Unverständnis ihrer Verwandten ausgesetzt. Mit den Worten “Rate mal, wer hier spricht” oder ähnlichen Formulierungen rufen die Betrüger bei den Seniorinnen und Senioren an, geben sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus und bitten kurzfristig – möglichst sofort – um Bargeld.

Als Grund wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht, beispielsweise ein Unfall, ein Auto- oder Computerkauf. Die Lage wird immer äußerst dringlich dargestellt. Oft werden die Opfer durch wiederholte Anrufe unter Druck gesetzt. Sobald sie auf die kriminellen Forderungen eingehen, wird ein Bote angekündigt, der sich unter einer Legende das Vertrauen schafft oder sich mit einem zuvor vereinbarten Kennwort ausweist und das Geld abholt.

Mit dem Enkeltrick haben Täter in der Vergangenheit auch im Kreis Paderborn bereits Beträge im fünfstelligen Eurobereich erbeutet. Nicht so bei den am Dienstag betroffenen Frauen und Männern im Alter von 60 bis 90 Jahren. Alle wurden entweder von unbekannten weiblichen oder männlichen Tätern angerufen, die sich als Nichte oder Enkel ausgaben. Die meisten der vermeintlichen Opfer merken sofort, dass es sich um Ganoven handelte, die oft über zehntausend Euro verlangten oder die Opfer aufforderten ihren Schmuck herauszugeben.

Zwei Opfer holten tatsächlich viel Geld von der Bank ab. Zu einer Übergabe kam es glücklicherweise nicht, weil tatsächliche Verwandte rechtzeitig eingeweiht wurden und durch einen Rückruf bei den echten Nichten oder Enkeln den Betrugsversuch aufdeckten. Die Betrugswelle startete gegen 10:15 Uhr in Altenbeken und endete um 14:45 Uhr in Paderborn. Betroffen waren auch Personen in Paderborner Stadtteilen, Salzkotten und Delbrück. Einige Taten wurden erst spät abends bei der Polizei angezeigt. Nicht auszuschließen ist, dass sich andere Opfer noch nicht bei der Polizei gemeldet haben.

Vorsicht falscher Bankangestellter!

Um 09:30 Uhr sprach ein unbekannter Mann, der sich als Bankangestellter ausgab, ein Ehepaar (85/ 91) an der Borchener Straße an. Der Betrüger überzeugte die Senioren im Gespräch davon, dass in Kürze eine neue Steuer eingeführt werde. Deswegen sollte das Ehepaar ihr Geld vom Konto abheben, er habe ein Angebot einer besseren und sicheren Geldanlage. Durch die Aussagen des vermeintlichen Bänkers verwirrt, ging das Ehepaar zunächst nach Hause und erhielt wenig später einen Anruf von dem Täter. Er untermauerte sein Angebot nochmals und bat, ihn nicht zu verraten. Trotz eigener Skepsis holten die Paderborner Geld vom Konto ab.

Wieder zu Hause tauchte der Mann plötzlich auf. Bei einem Ablenkungsmanöver versuchte der Täter den Umschlag mit dem abgehobenen Bargeld aus der Jacketasche des Opfers zu stehlen. Der Paderborner konnte den Angriff abwehren. Sofort verließ der Täter das Haus. Er soll etwa 40 Jahre alt, 160 bis 165 cm groß und stabil gebaut sein. Der Mann hatte grau melierte Haare und ein rundliches Gesicht. Bekleidet war er mit einer blauen Jeanshose, einer mittelblauen Stoffjacke und einem rot-braunen Pullover. Wer weitere Angaben zu dem tatverdächtigen machen kann, soll sich bei der Polizei melden.

Dieser Fall macht einmal mehr deutlich, dass Betrüger immer wieder neue kriminelle Legenden erfinden, um an größere Summen Bargeld von Seniorinnen und Senioren zu gelangen. Die Polizei rät, sich auf der Straße oder an der Haustür auf keine Geldgeschäfte einzulassen. In solchen Fällen sollte immer der Rat des eigenen Geldinstituts oder einer zuverlässigen bekannten Person eingeholt werden. Auch bei anderen dubiosen Angeboten fremder Personen ist es ratsam, immer eine vertrauten Menschen um Hilfe oder Unterstützung zu bitten. Angehörige oder Nachbarn bittet die Polizei, Seniorinnen und Senioren vor den kriminellen Machenschaften zu warnen und ihnen zur Seite zu stehen.


Speziell gegen den Enkeltrick gibt die Polizei folgende Tipps:

– Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als
Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen.

– Geben Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen
Verhältnissen preis.

– Halten Sie nach einem Anruf mit finanziellen Forderungen bei
Familienangehörigen Rücksprache.

– Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.

– Informieren Sie unter der Notrufnummer 110 sofort die Polizei,
wenn Ihnen eine Kontaktaufnahme verdächtig vorkommt.


Weitere Ratschläge und nützliche Tipps für Seniorinnen und Senioren halten die Polizeidienststellen in Form der 52-seitigen Broschüre “Der goldene Herbst” bereit. Die Broschüre steht auch im Internet auf www.polizei-beratung.de zum Download zur Verfügung.

Originaltext:   Polizei Paderborn

Von Wildwechsel

Online-Redaktion des Printmagazin Wildwechsel. Wildwechsel erscheint seit 1986 (Ausgabe Kassel/Marburg seit 1994). Auf Wildwechsel.de veröffentlichen wir ausgewählte Artikel der Printausgaben sowie Artikel die speziell für den Online-Auftritt geschrieben wurden.

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