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Lolitabar Kassel
Ein Kult-Laden in Kassel: Die Lolita Bar Kassel | Besitzer Bob (Dirk Wachholder) bangt immer noch um ihre und seine Zukunft

Die Lolita Bar Kassel ist eine der Kult-Locations in Kassel. Doch die immer noch andauernde Corona-Krise hat die beliebte Szene-Bar extrem getroffen. Lolita Bar Master-Mind Dirk Wachholder treibt trotz erfolgreicher Spendenaktion immer noch die Angst um, sein Lebenswerk zu verlieren. In einem Exklusiv-Interview hat er uns neben Gründen dafür auch einige interessante Facts und Annektoden zur Vergangenheit der Lollibar erzählt .

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Angst, sein Lebenswerk zu verlieren!

Seit 1993 gibt es die Lolita Bar in der Werner Hilpert Straße 22 in Kassel. Seitdem ist die “Perle der Kasseler Subkultur” gewachsen und hat sich verändert: unter der Bar kam sehr schnell der »Ballsaal« dazu, später noch ein Biergarten.

Der Ballsaal war eigentlich als Konzertraum gedacht, wurde zu Stammheim-Zeiten aber schnell zum Afterhour-Club, in dem das Stammheim-Programm in den Morgenstunden weiterging. Nachdem Ralph Raabe dann das ARM eröffnet hat, wurde aus dem Raum ein Café, das seit ca. 2 1/2 Jahren nun aber wieder der Ballsaal ist.

Der Stil der “Perle der Subkultur”

Zum Konzept der Lolita Bar Kassel gehört vor allem auch eine spezielle Mischung, was die Musik angeht. “Es kann zum Beispiel auch mal Ballermann-Musik dazwischenrutschen. Früher hat DJ Thomas, der Samstags bei den »Love Beats« auflegt, auch mal Orgelmusik oder Klassik anspielen lassen und danach ging es mit Britney Spears weiter.”, erzählt uns Dirk Wachholder, der auch liebevoll Bob genannt wird.

Dieses »Spezielle« spiegelt sich auch in der Einrichtung wider. “Als wir aufgemacht haben, haben wir versucht, einen Puff nachzumachen, so wie wir ihn uns vorgestellt haben ohne jemals drin gewesen zu sein.”. Viel Dekoration musste aber auch wieder abgebaut werden, weil die Leute jeden Platz des 45m² großen Raumes zum Tanzen ausgenutzt haben.

Deshalb befinden sich unter der Decke zum Beispiel auch Stangen, “damit die Leute nicht immer runterfallen, wenn sie auf die Sitzmöbel steigen”.

Bekannt für die Lolita Bar sind neben dem Hausschnaps »Maracuja Shot« und dem eigenen Lolita Bier auch die liebevoll restaurierten Automaten aus den 50er Jahren, in denen es seit Jahren zur Freude der Gäste Süßigkeiten, Snacks und Merchandise gibt.

Joe Cocker kam hier nicht rein

Sogar Woodstock-Ikone und Luftgitarren-Erfinder Joe Cocker wollte schon mitfeiern! Nachdem er in Kassel ein Konzert gespielt hat, machte er sich mit seiner Band auf den Weg in die Lolita Bar, in der zu diesem Zeitpunkt ebenfalls ein Konzert lief.

Da er ja aber ein Star war, war er der Meinung, er müsse für sich und seine ca. 10köpfige Entourage keinen Eintritt zahlen. “Da habe ich ihn dann weggeschickt, weil er nicht mal vier Mark für Rock ’n’ Roll bezahlen wollte.”, erinnert sich Bob grinsend.

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Doch der Name »Lolita Bar« konnte natürlich auch schon für Verwirrung sorgen. Gerade am Anfang verirrten sich “besonders in der Vorweihnachtszeit” ab und zu Herren in die Bar, die etwas anderes erwartet haben und dann oftmals peinlich berührt die Bar fluchs wieder verließen.

In der Nachkriegszeit trug das Gebäude übrigens schon einmal den gleichen Namen, war dann aber auch ein solch schnuddeliges Etablissement.

Dabei: spätestens durch die gelungene Werbung wird wird doch überdeutlich, wer angesprochen werden soll – auch hier wurde von Anfang an auf einen eigenständigen Stil geachtet. Anfang der 2000er waren zum Beispiel für eine längere Zeit die nicht nur in der Technoszene bundesweit bekannten Künstler und Grafiker Bringmann und Kopetzki für viele Designs zuständig, die man unter anderem durch Werbung der Technoclubs Stammheim oder ARM kennt.

Die Lolita Bar Rakete

Wer schon einmal im Hof der Lolita Bar war, dem ist wahrscheinlich auch aufgefallen, dass dort eine Rakete steht. 2009 begannen Dirk Wachholder und Ralph Raabe, sich für die documenta 13 vorzubereiten und wollten auch ein Kunstwerk präsentieren – daraus entstand eine dreieinhalb-stöckige Rakete aus Metall, Holz und Kunststoff. Da diese aber noch einen Künstler brauchte, wurde der einfach erfunden.

So entstand die Biografie des ausgedachten Künstlers »Hardy Dron von Aerok« (aus Dron Aerok wird rückwärts gelesen Nord-Korea), der auch seinen eigenen Facebook-Account bekam, über den »er« sich sogar mit Galeristen weltweit vernetzt hat. “Plötzlich hatten wir also einen Künstler mit einer echt guten Biografie, mit vielen Freunden, mit super Beziehungen in die ganze Welt”, erzählt Wachholder.

Auch sonst war Kunst schon immer ein Thema in der Lolita Bar und es gab auf dem Gelände schon einige Ausstellungen: unter anderem hat der Künstler Jakobus Durstewitz (ehemals Jakobus Siebels) während der documenta 12 sein Atelier, das sich sonst in Hamburg befand, im Hof nachgebaut und 100 Tage darin gewohnt. Dort hat er während dieser Zeit Bilder seiner Aussicht aus dem eigentlichen Atelier in Hamburg auf Container-große Bilder gemalt.

Die Lolita Bar Kassel während Corona-Zeiten

In der jetzigen Situation können die Veranstaltungen in der Lolita Bar nicht wie gewohnt weitergehen. Stattdessen konnte aber wenigstens der Biergarten seit dem 15. Mai wieder öffnen – natürlich unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen.

Lolita Bar Kassel Biergarten
Der Biergarten der Lolita Bar Kassel ist wieder geöffnet!

Doch trotz der Wiedereröffnungen, vieler Spenden und anderer Zuschüsse können die meisten Locations momentan noch lange nicht aufatmen. Die Lolita Bar war zum Beispiel einer der ersten Läden in der Umgebung, die eine Spendenaktion gestartet haben. Dirk Wachholder erzählt uns, warum er und andere Betreiber trotzdem immer noch mit sehr viel Sorge in die Zukunft schauen.

Situation für Locations gefährlicher als vorher

“Das Geld, das man durch die Krise verloren hat, möchte man natürlich wiederbekommen und verliert deshalb noch mehr. Das ist leider ein kleiner Teufelskreis.”. Außerdem sei die Situation für die Locations momentan fast noch etwas gefährlicher als zu Beginn, weil viele Menschen gespendet haben und dadurch glauben, dass jetzt alles wieder läuft.

Am Ende kommt beispielsweise ja auch nicht der vollständig gespendete Betrag bei den Locations an. “Von der Spende sind erstmal 19% ans Finanzamt gegangen. Betterplace und Paypal kassieren ja auch gleich mit.”, erklärt er.

Im Blick auf die Zukunft sagt er: “Ich denke, es ist noch lange nicht vorbei und sehe auch kein richtiges Ende. Dass zum Beispiel der Biergarten wieder öffnet kommt super an, trotzdem habe ich bis jetzt aber noch niemanden wegschicken müssen, weil es zu voll war.” Wenn er nicht irgendwo her weitere Hilfen bekommt, sieht er für die Zukunft der Location eher schwarz.

“Die Leute haben noch Angst!”

Doch worauf ist das zurückzuführen? Das habe mehrere Gründe: “Ich glaube, die Leute haben einfach noch ein bisschen Angst. Es ist noch nicht das Gleiche wie es früher beim Ausgehen war – man muss sich also erstmal eintragen und wenn man aufsteht muss man die Maske aufziehen. Nur wenn man sitzt, hat man die Illusion von Gastronomie wie früher.”, vermutet er.

 

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Was muss bei einem Besuch beachtet werden?

Die Lolita Bar tut, laut Bob, aber alles dafür, den Gästen diese Angst zu nehmen und nimmt die Regeln sehr genau: “Wir achten wirklich darauf, dass die Leute weit auseinander sitzen und achten ständig auf die Hygiene. Wir tragen selber einen Mundschutz und schauen, dass das auch jeder Gast tut.

Außerdem erklären wir jedem, der kommt und sich einträgt, wie die Spielregeln sind. Wenn jemand sich nicht daran hält, schicke ich ihn weg – ich zwinge niemanden da zu bleiben.”. So etwas komme aber zum Glück kaum vor.

Natürlich ist auch die Gästeanzahl beschränkt: an einem Tisch sind nur Personen aus höchstens zwei Haushalten erlaubt. Deshalb Wachholder: “gerne in großen Haushalten kommen!” verschmitzt. 

Doch dann wird er sehr schnell wieder sehr ernst und merkt mit einer gewissen Traurigkeit in der Stimme und Mimik an, dass die bisher eingefahrenen Verluste in der Gastronomie, nicht nachträglich aus zu gleichen sind, sondern ständig weiter steigen.

Eine Tatsachen-Beschreibung, die uns in den letzten Tagen viele Gastronomen, allerdings oft hinter vorgehaltener Hand, verängstig und oftmals auch deprimiert schildern.

Situation inzwischen wieder sehr gefährlich und instabil

Das heiße für ihn ganz konkret: auch wenn durch beispielsweise Spenden einiges zunächst abgefedert werden konnte, ist die “Situation inzwischen wieder sehr gefährlich und instabil”.

Die wirklich großzügigen bisherigen Spenden-Einnahmen haben die Kosten der ersten 2 Monate ausgleichen können, aber jetzt steht Bob durch die insgesamt viel zu geringen Einnahme (genau wie viele andere Unternehmer) erneut mit dem Rücken zur Wand.

Hatte das Interview noch lustig und beschwingt begonnen, hat jetzt auch der Interviewer einen Kloß im Hals. Denn das Alles kommt ihm durchaus bekannt vor, was er dann auch einwirft.

Im weiteren Verlauf  wendet sich das Gespräch dadurch dem gesamten Themenkomplex “Gastronomie und Events” zu. Worauf beide bemerken, wie sehr die “Corona-Probleme” Bob und die anderen Wirte auch mit uns, dem Wildwechsel verbindet. Der viel zierte Satz “Alle im selben Boot” fällt. Und man diskutiert Lösungen.

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Zusammen mit Dirk ‘Bob’ Wachholder haben wir dann folgende Idee entwickelt:

Lolita-Bar & Wildwechsel Team-Up

Wildwechsel und Lolita-Bar rufen ihre gemeinsamen Fans auf, dem Lokal und dem Ww auch weiterhin durch die Krise zu helfen. Denn die unschöne Alternative wäre, dass es in einigen Wochen oder Monaten, beide Tradtionsmarken in der Region nicht mehr geben würde.

Wir haben dafür eine Spenden-Aktion in Leben mit dem Namen »Lolita-Bar & Wildwechsel Team-Up«. Dabei gehen 66% der Spendensumme an die Lolita Bar!

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» Lolita Bar Adresse: Lolita Bar Kassel | Werner Hilpert Straße 22 | 34117 Kassel

» Die Lolita Bar Website

Öffnungszeiten

Der Biergarten ist montags bis samstags ab 18 Uhr geöffnet!

» Hier geht es zur Website der Lolita Bar

 

Die nächsten Events in der Lolita Bar Kassel

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