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DJ Quicksilver: „Die DJ-Kultur wird ins Lächerliche gezogen!“ – DJs protestieren im Web gegen Promi-DJs

am 17 Februar 2013 von Maria Blömeke

DJ Quicksilver: „Die DJ-Kultur wird ins Lächerliche gezogen!“ - DJs protestieren im Web gegen Promi-DJs

DJ Quicksilver sagt: „Die DJ-Kultur wird immer mehr ins Lächerliche gezogen!“ Mit vielen anderen DJs engagiert er sich gegen Promi-DJs.

Es ist nur ein Buchstabe, der sie unterscheidet. Doch steckt viel mehr dahinter. Professionelle DJs wehren sich gegen „Z-Promi-DJs an ihrem Arbeitsplatz“. So zumindest formulieren sie auf Facebook ihren Ärger und ihre Schwierigkeiten.

Dass es keine Ausbildung zum DJ gibt, ist bekannt. Dennoch lernen sie – in der sogenannten harten Schule des Lebens, sie fangen an auf Familienfeiern (oder ähnliches) und müssen lange üben und viel in eigene Geräte investieren, um irgendwann von größeren Clubs gebucht zu werden.

Natürlich ist er der Mann der Nacht. Kommt keine rechte Stimmung auf, liegt’s am DJ. Er muss also den ganzen Abend konzentriert bleiben und die Leute beobachten und sein Konzept ständig ändern und anpassen, mit Mischpult und Co. umgehen usw.

Genau das aber hätten andere wiederum nicht, beklagen jetzt DJs in einer Gruppe in dem sozialen Netzwerk. Sogenannten Promi-DJs erklären sie den Kampf. Während die Profis lange lernen mussten, bevor sie ein Engagement in den Clubs bekommen, stehen derzeit Promi-DJs hoch im Kurs.

Wer nichts wird, wird DJ!?

Das wiederum löse bei den Profis Entsetzen aus. Denn in ihren Augen, so die Facebook-Gruppe Profi-DJs gegen Z-Promi-DJs, sei das Betrug am Gast. Oft hätten die Sternchen keinerlei technisches Know-How und müssten „mit technischer Hilfe ein vorgegeben echtes DJ-Set abzuliefern“. Die Gruppe richtet sich jedoch ausdrücklich nicht gegen die Buchung von prominenten Stargästen. Vielmehr möchte sie, laut eigener Aussage, dafür sensibilisieren, dass in vielen Fällen die „Kunst“ des DJing gar nicht echt ist, während sie selbst viel Arbeit hineinstecken.

Wildwechsel hat einige DJs gefragt, was sie darüber denken:

Peter Lack alias Lackenegger, Radiomoderator (hr3), Musiker und DJ: Ich empfehle friedliche Koexistenz und das Erkennen des historischen Wertes: Naddel, Paris Hilton, Georgina oder Gina-Lisa Lohfink am DJ-Pult, davon wird man noch seinen Enkelkindern erzählen können. Im Übrigen habe ich auch schon Profi-DJs erlebt, die nur zur fertigen Minidisc posen. Fragen wir uns mal, in welchen Fällen prominente Nasen gebucht werden. Wenn ein guter Handwerker alleine nicht reicht. Der Resident profitiert so gesehen von dem ‚Kollegen‘.


DJ Gento, Mitinitiator der Gruppe, Kassel:

DJ Quicksilver: „Die DJ-Kultur wird ins Lächerliche gezogen!“ - DJs protestieren im Web gegen Promi-DJs

DJ Gento

Wir sind nicht gegen die Buchung von „TV-Sternchen/ Z-Promis“ o.ä. in Discotheken, um der Discothek durch den „Promifaktor“ eine erhöhte Besucherzahl zu bescheren. Wir sind dagegen, dass sich „TV-Sternchen/ Z-Promis“  ö-ä. ohne jegliche mehrjährige Berufserfahrung, als „DJ“ deklariert in Discotheken auftreten.

Wir müssen viel dafür tun, um immer wieder Up to Date zu sein und um gebucht zu werden. Ich habe mir das vor 20 Jahren selber beigebracht, weil ich mit Spaß und mit Herz an die Sache ran ging. Man sollte die harte Arbeit echter DJs respektieren. DJane Georgina raus aus unseren Clubs & Discos etc.!

Wir würden gerne unseren Standpunkt in der Öffentlichkeit schildern, was ein echter DJ überhaupt ist und leisten muss. DJs vs. Z-Promis wäre wünschenswert … Podiumsdiskussion :-) 

Gerne könnt ihr unserer Gruppe Profi DJs gegen Z-Promis DJs auf Facebook beitreten ;-)


DJ Quicksilver: „Die DJ-Kultur wird ins Lächerliche gezogen!“ - DJs protestieren im Web gegen Promi-DJs

DJ Bakerman

Shaun Baker, engl. DJ, („Explode“), Paderborn:
Die meisten professionellen DJs sehen es nicht gern, wenn sogenannte Promis anfangen, einen auf DJ zu machen, nur weil sie und ihr Manager denken, dass der DJ-Beruf ganz einfach auszuüben ist.

Es ist nicht damit getan, einen Laptop aufzustellen, einen USB-Mix oder eine Mix-CD reinzupacken, Hits zu spielen und ab und an „Party“ ins Publikum zu schreien. DJ zu sein heißt, Feeling für das Publikum, ein Gespür für wen und was man spielen soll, zu haben. Dieses Feeling kommt mit der Zeit und nicht über Nacht. Leider machen die meisten “Playback”-Promi-DJs unseren Beruf zu einer Art Zirkus.


DJ Quicksilver, Raverlegende („Belissima“):
Die DJ-Kultur wird immer mehr ins Lächerliche gezogen durch irgendwelche Promis, Möchtegerns und Models, die meinen, falls die angestrebte Karriere nicht mehr so läuft, dann werden wir halt DJ. Ist ja soo einfach! Frei nach dem Motto „Wer nichts wird, wird Wirt (DJ)!“ Damit beleidigen sie nicht nur die altgedienten und die Sache mit Herzblut und Leidenschaft ausübenden Profi-DJs, nein, damit verarschen sie auch das Publikum!

War die ganze Pionierarbeit der letzten drei, vier Jahrzehnte umsonst, um jetzt mit diesem Affentheater abgestraft zu werden? Sicherlich nicht. Respektiert endlich unseren Arbeit und hört auf, unsere DJ-Kultur zum Kasperletheater zu degradieren! Liebe Clubbetreiber, Booking-Agenturen, Veranstalter, Manager etc., setzt lieber mehr auf Qualität als auf Quantität!


 

DJ Quicksilver: „Die DJ-Kultur wird ins Lächerliche gezogen!“ - DJs protestieren im Web gegen Promi-DJs

DJ Enrico Di Giorno

Enrico Di Giorno, Köln
Promi-„DJs“ schaden uns Profi-DJs in mehrfacher Hinsicht. So vermitteln sie den Eindruck, jeder könne auflegen, ohne ein besonderes Talent dafür zu besitzen. Gleichzeitig verlangen sie dann mega-hohe Gagen, was dazu führen kann, dass ein Clubbetreiber lieber alle paar Wochen Geld für ein Promi-Booking (Image-Booking für den Club) ausgibt, als regelmäßig bezahlbare Profi-DJs zu buchen.

Dass diese Promis dann tatsächlich das Publikum zum Feiern bringen, ist bekanntermaßen eher selten der Fall.


DJ Scanner, „Night of dark romantic“, „EBM-Stomps“, Kassel:
Ich muss mir gelegentlich auch Anfeindungen anhören, weil ich mittlerweile fast ausschließlich Mp3 auflege, hat aber den einfachen Grund, dass ich erstens viel schneller und zweitens auf viel mehr Musik zugreifen kann, da ich jetzt nicht mehr „nur“ 3 CD- oder Plattenkoffer mitnehmen kann, sondern wesentlich mehr dabeihabe und auf die Bedürfnisse vom Publikum eingehen kann. Und wenn man die technischen Hilfen bei Traktor, Virtual DJ usw. mal außen vor lässt, muss man sich genauso viel Gedanken um sein Set machen wie bei anderen Medien auch, und das ist schließlich der Hauptjob eines DJs.

Was das Buchen von „Promis“ wie Micaela Schäfer, Nadja Abd El Farrag und Konsorten angeht, bin ich der Meinung, dass es größtenteils die Schuld der Gäste ist, die dann zu diesen „Events“ auch kommen. Man weiß doch genau, wie das „Auflegen“ bei solchen „DJs und DJanes“ abläuft, CD rein oder Mp3 ohne nachzudenken laden (am besten irgendeinen momentanen Charthit), SYNC-Button drücken (wenn überhaupt) und ins Mikro schreien, das wars.

Gebt diesen Personen nicht noch die Plattform und feiert auf ihre Musik. Boykottiert solche Aktionen und kein Clubbetreiber, zumindest kein niveauvoller, wird solche Leute noch buchen, wenn sein Laden leer bleibt.


 

DJ Quicksilver: „Die DJ-Kultur wird ins Lächerliche gezogen!“ - DJs protestieren im Web gegen Promi-DJs

DJ Thomas Rottmann

Thomas Rottmann, DJ und Eventmanager, u.a. Exit, Brakel, Riu Palace & Mega Park, Mallorca:
Die Modeerscheinung, dass „Stars“ als DJs auflegen, erlebe ich ja hautnah und regelmäßig auf Mallorca, wo ich in den Sommermonaten im Riu Palace & Mega Park auflege. Und wie bei uns „Profis“, die wir davon leben, gibt es dort auch „Gute und weniger Gute“ an den Reglern, der große Unterschied ist der, dass die weniger Guten trotzdem gebucht werden, da sie Gäste in die Discotheken ziehen durch ihre hohe öffentliche Medienpräsenz. Einen Abend musikalisch zu gestalten werden sicher die wenigsten von ihnen können, 1-2 Stunden Hits zu spielen ist dann ja auch schon einfacher.

Für die Gäste ist es eine Möglichkeit, ihrem „Star“ mal einer gewissen Zeit sehr nah zu sein,  meine persönliche Meinung, das ginge in manchem Fall sicherlich auch mit einer anderen Perfomance , bei denen, die wirklich auflegen können, finde ich es dann auch OK. Letztendlich ist es ein Act, und ich habe auch schon viele Gesangsauftritte gesehen und gehört, wo ich dachte, das hätte nicht  sein müssen.

Auf Mallorca, und dort kann ich nur von den Locations sprechen, in denen ich auch selbst beschäftigt bin, ist es so, dass wirklich  ausgesiebt wird, wer von den „Promis“ an den Reglern eine gute Figur macht oder nicht, und dementsprechend auch Re-Bookings stattfinden oder nicht. Das wünsche ich mir auch für unsere Discothekenbetreiber hier in  Deutschland.

Es gibt sicherlich immer zwei Seiten der Medaille, ich kann den Unmut mancher Kollegen verstehen, ich als kommerzieller DJ habe ich mich damit abgefunden, dass es zur Zeit diesen Trend gibt, und natürlich ärgere auch ich mich darüber wenn dann ein „Star“ mit einem vorgefertigtem 60min-MP3-File eine Stunde lang vorgibt DJ zu sein. Ihr habt ja im Wildwechsel schon darüber berichtet, dass Patrick Nuo am 16.3.2013 in der Exit Music Hall in Brakel zu Gast sein wird, über ihn habe ich zum Beispiel gehört, dass er nicht nur ein guter Sänger ist, sondern auch als DJ seine Qualitäten hat, daher bin ich gespannt auf den Abend und freue mich darauf.


» [ Die Gruppe auf Facebook ]


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Dies ist nur ein Gravatar Maria Blömeke

Ehemaligen Ww-Redakteurin

  • Website:

 

  1. DJane SalsaBomba schrieb:
    Februar 14th, 2013 um 00:12

    So, so, FRAU Blömeke, „der“ DJ ist „der Mann“ der Nacht…

  2. Maria Blömeke schrieb:
    Februar 14th, 2013 um 08:26

    Liebe DJane SalsaBomba, natürlich ist DIE DJane auch DIE FRAU der Nacht ;-) Das war generisch (also das (grammatisch) männliche Wort gilt für beide Geschlechter, man sagt auch nicht Mensch und Menschin ;-) ) gemeint und sollte in keinster Weise weibliche DJs ausschließen! Sorry, falls das so rüberkam!

    An deiner fachlichen Meinung zum Thema sind wir natürlich auch sehr interessiert!

  3. B.B.Ulf (DJ MasterP) schrieb:
    Februar 16th, 2013 um 13:00

    Freunde ganz ehrlich, ich kann Euch ja verstehen aber Leben und Leben lassen!!!
    Die „Z-Promi DJes“ können doch nix dafür und versuchen doch nur ihre Z-Prominenz aus zu nutzen und das Beste draus zu machen und das ist doch völlig legitim!!!
    Ihr müsstet dann schon das System ändern und die Diskotheken und Clubs boykottieren, die diese „DJes“ buchen!!! Den „Z-Promis“ kann man keinen Vorwurf machen!!! Die versuchen, wie gesagt, auch nur irgendwie mit dem Arsch an die Wand zu kommen und ihre kurze Prominenz so gut wie möglich aus zu nutzen und zu vermarkten!!!

  4. Konstantin schrieb:
    September 4th, 2014 um 21:15

    Ich als Anfänger-DJ finde es unfair von den „Promis“, dass Sie uns die Arbeit wegnehmen. Allerdings kann ich,falls ich nicht live auflege, immernoch im Studio Mixtapes auflegen, immerhin: irgendwie müssen die Mixe der „Stars“ ja entstehen :)

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