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Ausflugsziel Besucherbergwerk Kilianstollen: So sieht ein Berg von innen aus!

am 12 November 2020 von Manfred Pauly

Ausflugsziel Besucherbergwerk Kilianstollen: So sieht ein Berg von innen aus!

Ausflugsziel Besucherbergwerk Kilianstollen: So sieht ein Berg von innen aus! | (c) Marsberger Heimatbund

(Marsberg) Frische Luft hilft gegen den Corona-Frust! Wir wandern zu Aussichtstürmen, durch schöne Wälder, über endlose Felder, aber wie sieht die Welt untertage aus? Wie fühlt sich Gestein an, das seit Millionen von Jahren kein Sonnenlicht gesehen hat? Diese dunkle und feuchte Welt war über viele Jahrhunderte den Bergleuten vorbehalten.

Doch nachdem viele Bergwerke geschlossen wurden, öffneten einige als Besucherbergwerk ihre Stollen und Schächte und laden heute zu Ausflugszielen und Erlebnissen der besonderen Art ein. So auch das Besucherbergwerk Kilianstollen in Marsberg.

Kilianstollen: Ein historischer Rückblick

Der Kupferbergbau und die Verhüttung der Erze wurde schon ab dem 6. Jahrhundert an Diemel und Glinde betrieben, wie Ausgrabungen in „Villa Twesine“ im Jahr 2001 belegen. Diese mittelalterliche Wüstung ist Zeugnis eines frühen Industriegebietes am linken Ufer der Diemel zwischen Marsberg und Westheim.

Die älteste erhaltene Urkunde über den Bergbau im Marsberger Raum stammt aus dem Jahr 1150, als König Konrad III. dem Abt Wigbold vom Kloster Corvey das Recht verleiht, in Horhusen nach allen Metallen zu graben und diese zu verarbeiten.

Der Bergbau nimmt Fahrt auf

Spuren des Kupferbergbaus aus dem 17. Jahrhundert finden wir auf der rechten Seite der Diemel in Form eines langen Pingenzuges, der sich von „Auf der Kunst“ am Lütkenberg über den Buchenberg bis zum Ohmberg zieht. Gerade jetzt im Herbst und Winter sind diese runden „Löcher“ mit vorgelagerter Halde im Wald gut zu erkennen.

Nach den politischen Wirren Anfang des 19. Jahrhunderts, die Klöster verloren im Zuge der Säkularisation ihre Machtstellung, das westfälische Marsberg geriet von 1803 bis 1816 unter Verwaltung des Großherzogtums Hessen, erlebte der Bergbau nach Übernahme der Verwaltung durch Preußen einen Aufschwung.

Im Zuge dieser industriellen Entwicklung wurde im Jahr 1842 der Kilianstollen, der uns heute in das Marsberger Ausflugsziel Besucherbergwerk führt, angefahren. Viele Stationen und Szenen vermitteln einen guten Einblick in die schwere Arbeit und das harte Leben der Bergleute im dunklen Bergwerk.

Grubenbaue, in denen die Erze abgebaut wurden, sind heute nicht mehr zugänglich, denn sie wurden nach dem Abbau der Erze mit Versatzmaterial verfüllt um dem Berg die Stabilität wieder zurückzugeben. Der ca. 300 m lange Kilianstollen diente dem Abtransport der Kupfererze aus der Grube Oscar zu den Hütten, die im Glindetal in verschiedenen Verfahren das Kupfer aus dem Gestein lösten.

Eine zweite Grube, die Grube Friederike, liegt etwa 1 km weiter nordöstlich im Ohmberg. Dieses Erzfeld wurde schon im 18. Jahrhundert bearbeitet und später durch den 1838 angefahrenen Beuststollen, der in nördlicher Richtung zur Diemel verläuft, entwässert und gelöst. 1884 war die „alte Friederike“ ausgeerzt und wurde abgeworfen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde weiter östlich die „neue Friederike“ erschlossen. Es war ein Tiefbau, der ca. 45 m unter Diemelniveau abgeteuft wurde.

Mit der Grubenbahn durch den Berg

Zum schnelleren Abtransport der Erze wurde von 1912 bis 1916 eine etwa 1 km lange Verbindungsstrecke zwischen den Gruben Friederike und Oscar angelegt. Ab dieser Zeit kamen Lokomotiven für die Förderung zum Einsatz, während vorher Pferde die Loren zogen.

Auch heute wird diese Strecke mit einer Grubenbahn befahren. Es geht laut und ruckelig durch den Berg, aber die Fahrt ist eines der Highlights und besonders bei den jüngeren Besuchern das Bergerlebnis schlechthin. Eine ganzjährige Temperatur von 10 °C und die hohe Luftfeuchtigkeit lassen uns nach gut 2 Stunden untertage doch etwas frösteln und wir freuen uns, das Tageslicht wieder zu sehen.

Diese klimatischen Bedingungen und die Enge im Bergwerk sind auch der Grund, warum Besucherführungen in Coronazeiten leider nicht angeboten werden können.

Alternative in Coronazeiten: Der GeoPfad in Marsberg

Aber ein Besuch in Marsberg lohnt sich trotzdem, denn Ende September wurde ein neuer GeoPfad eröffnet, der an 13 Geostationen über die Historie, die Landschaft und den Kupferbergbau in Marsberg informiert. Das Besucherbergwerk Kilianstollen ist eine der Geostationen und lädt mit seinen guten Parkmöglichkeiten ein, den 6,5 km langen Rundweg dort zu beginnen.

Jede Geostation führt dich zu einem außergewöhnlichen Ort, den manchmal sogar Einheimische nicht kennen, und erzählt dir eine besondere Geschichte.

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Marsberger GeoPfad Station 07

Gegenüber dem Besucherbergwerk Kilianstollen befindet sich seit Anfang der 1930er Jahre das Sägewerk Franz Röleke und ein Teil der Gebäude stammt noch aus der Zeit, als hier die Stadtberger Gewerkschaft in den 1850er Jahren die „mittlere Hütte“ errichtete.

Marsberger GeoPfad Station 08

Im Kohlhagen führt uns der Geopfad durch den offengelassenen Tagebau der Grube Mina und lässt uns in ein großes Loch blicken, das der Kupferbergbau hier hinterlassen hat.

Marsberger GeoPfad Station 09

Am Südtor, unterhalb der restaurierten Obermarsberger Stadtmauer informiert die Geostation über das Judentum und die jüdische Begräbniskultur in Marsberg.

Marsberger GeoPfad Station 10

Die Kapelle auf dem Kalvarienberg ist eins der beliebtesten Fotomotive in Marsberg und bei klarer Sicht schauen wir von hieraus weit ins Sauerland hinein, aber das muss man schon selbst gesehen haben.

Marsberger GeoPfad Station 11

Zurück in Obermarsberg informiert uns die Geostation am Wasserturm über die Herausforderung, den Ort auf dem Eresberg mit Trinkwasser zu versorgen und wie dieses Problem gelöst wurde.

Marsberger GeoPfad Station 12

In der Nähe des Landgasthof „Bei Steggers“ erhalten wir einen Einblick in den Kupferbergbau unter Obermarsberg, der leider auch in Nicht-Corona-Zeiten nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Da müssen wir uns auf ein dreidimensionales Grubenmodell beschränken, das im Museum der Stadt Marsberg ausgestellt wird.

Marsberger GeoPfad Station 13

Der Weg dorthin führt uns an der Nikolaikirche, einer frühgotischen „Bürgerkirche“, die den Aufschwung der Stadt Obermarsberg im 13. Jahrhundert dokumentiert, vorbei.

Marsberger GeoPfad Station 01

Das Museum der Stadt Marsberg hat sich in den letzten Jahren von einer „Heimatstube“ zu einem Erlebnisort entwickelt, an dem Geschichte lebendig wird und ständig wechselnde regionale und überregionale Ausstellungen stattfinden. Reguläre Öffnungszeiten sind mittwochs von 15-17 Uhr und sonntags von 14-17 Uhr. www.fv-obermarsberg.de/heimatmuseum/

Marsberger GeoPfad Station 02

Ein besonderes Zeichen der Gerichtsbarkeit steht vor dem ehemaligen Rathaus. Der Schandpfahl. Vielleicht sollte man über eine Wiederbelebung nachdenken. Was meinst du dazu?

Marsberger GeoPfad Station 03

Den höchsten Punkt des Geopfades (413m über NN) erreichen wir an der Stiftskirche St. Peter und Paul. Hier hatte Karl der Große im Jahr 772 die „Irminsul“, ein Heiligtum der Sachsen, nach der Eroberung der Eresburg zerstört und später ein Benediktinerkloster gegründet.

Marsberger GeoPfad Station 04

Unweit steht der Buttenturm. Von hier konnte im Mittelalter der gesamte Handelsverkehr im Diemel- und Glindetal kontrolliert werden und bietet immer noch, trotz der heutigen Bewaldung, einen großartigen Panoramablick auf Niedermarsberg, die umliegenden Berge und den Bilsteinturm.

Marsberger GeoPfad Station05

Unterhalb des Buttenturmes blicken wir in die sagenumwogenen Drakenhöhlen und auf die Entstehungsgeschichte des Zechsteinkalkes vor etwa 250 Millionen Jahren.

 Marsberger GeoPfad Station 06

Wenige Höhenmeter tiefer ändert sich die Geologie. Wir kommen vom Erdzeitalter des Perms in die Zeit des Karbons, und in der Hagenkurve sehen wir einen beeindruckenden Aufschluss, den Buttenturmsattel. Er ist bei der Auffaltung des Rheinischen Schiefergebirges vor etwa 300 Millionen Jahren entstanden. Ursache dafür war die Bewegung der Kontinentalplatten, und das wird euch an der Geostation verständlich erklärt. Von hier führt der Weg oberhalb des Geländes der LWL-Klinik Marsberg zurück zum Ausgangspunkt am Besucherbergwerk Kilianstollen.

Weitere Informationen über das Besucherbergwerk, Fotos und ein Video der Fahrt mit der Grubenbahn aus Sicht des Lokomotivführers finden sich auf der Homepage www.kilianstollen.de

Buch zum Thema Killianstollen in Marsberg:

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Natürlich gibt es in der Region noch weitere historischen Bergbau-Ziele, die sich für Ausflüge anbieten.


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