Pin It


Veranstaltungen | Film | Interviews | Praktikum | Kultur | Festivals | Kontakt

Zeiten ändern dich? - Bushido: Der Schauspieler.

am 30 Januar 2012 von Wildwechsel



Zeiten ändern dich? - Bushido: Der Schauspieler.
5 (100%) 1 vote

Zeiten ändern dich? - Bushido: Der Schauspieler.

Bushido

Bushido ist ein Schauspieler. Mal in der Rolle des brutalen Gangsters, mal als braver Bubi. Und seit neuestem auch im Kino. Ein Kommentar zum Bushido-Film „Zeiten ändern dich“.

Der Ghettogeruch ist angeheftet.

Bushido verkauft sich gern als Außenseiter. Als einer, der es allen Widerstand zum Trotz geschafft hat. Das soll auch sein Film zeigen. Gleich zu Beginn soll der kleine Bushido das Gedicht „Der Erlkönig“ vortragen. Bushido rappt das Gedicht. Die anderen Kinder gucken komisch, eines ruft „Kanacke!“. Damit gibt der Film die Richtung vor. Er erzählt das Märchen vom armen ausgegrenzten Emigranten-Kind ohne Chancen.

So sieht er sich gerne. Im Vergleich zu seiner Buch-Biographie wirkt der Flim aber geradezu  fromm. Im Buch werden Sex und Gewalt wesentlich drastischer geschildert. Im Film ist davon nicht mehr viel geblieben. So wird die Altersfreigabe nicht unnötig nach oben getrieben, so kann Bushido sich zu Sandra Maischberger auf die Couch setzen und den wohl erzogenen Burschen geben.


Bushidos Mini-Bio
· Bushido wurde 1978 als Anis Mohamed Youssef Ferchichi in Bonn geboren. Die Mutter ist Deutsche, der Vater ist Tunesier.
· 1981: Der Vater ist Alkoholiker, schlägt die Mutter, verlässt die Familie als Anis 3 ist.
· ca. 1985-1996: In Berlin besucht Anis das Gymnasium, bricht nach der 11. Klasse aber ab.
· er macht eine Ausbildung als Maler und Lackiererer und schließt diese mit Bestnote ab.
· ab ca. 2005: als Rapper Bushido feiert er schließlich große Erfolge.
· 2008: diverse Musiker bezichtigen Bushido des geistigen Diebstahls.
· 2009: Bushido wird Filmstar und eloquenter Talkshowgast


Und auch schon diese Geschichte dürfte nur dem entsprechen, was Bushido erzählen will. Es geht nicht darum schonungslos ehrlich zu sein. Bushido macht seine eigene Geschichte. Und seine eigenen Gesetze. 2009 landete er wegen Plagiatsvorwürfen in den Schlagzeilen (Ww berichtete). Insgesamt bei drei Metal-Bands soll er sich mehr als großzügig bedient haben. Gleichzeitig gab er damals an, jeden Monat zwischen 800-5.000 Mahnungen an Raubkopierer seiner Songs rauszuschicken.

In einer bewusst auf trostlos getrimmten Umgebung muss sich Anis Ferchichi durch die Widrigkeiten des Lebens kämpfen und dabei wird kaum ein Klischee ausgelassen. Die Eltern seiner Freundin sind extra spießig und vorurteilsbelastet gegen den „Ausländer“. Bushido verachtet sie: „Das sind Opfer!“. Doch dabei wäre er gerne wie sie. Im gleichen Moment schimpft er: „Haste was, biste was, haste nix, biste nix“. Er will Respekt. Egal, ob nun von den Spießern da oben, die er vorgeblich verachtet oder von den Hip Hop-Kollegen, für die er das Assi-Klischee bedient. Von „Respekt“ redet er ständig. Mit der landläufigen Vorstellung von Respekt hat das, wovon er da redet aber leider wenig zu tun.

Zeiten ändern dich? - Bushido: Der Schauspieler.

Es grünt so schön: Jung-Bushido (Elyas M‘Barek) verdient sein Geld mit Dealen. Mutti (H. Elsner) hat‘s finanziert.

Bushido schlägt seiner Freundin ins Gesicht. Er entschuldigt sich nicht. Er kommentiert das nicht. Seine Mutter gibt ihm Geld, damit er seine Dealer-Karriere beginnen kann. „Meine Mama hat mich immer  unterstützt, dafür liebe ich sie“. Eine pervertierte Art von Mutterliebe wird da glorifiziert. Aus seinem Deal mit Aggro Berlin (heißt im Film „Hardcore“) lässt er sich von einer dubiosen Mischung aus Guru und Don Corleone rausboxen. Ganz cool. Hinter verschlossener Tür. Was da gelaufen ist, kann der Zuschauer nur vermuten. Einschneidend dann auch die Szene, wo Bushido einer Anwältin erklärt, wenn jemand ihr an den Arsch packen würde, müsste ihr Freund doch auch zuschlagen, das hätte nicht nur etwas mit Respekt, sondern „mit der Unantastbarkeit der Menschenwürde zu tun“. Geht es ihm dabei wirklich um die Würde der  betatschten Frau, oder eher um die eigene, „Machowürde“?

Bernd Eichinger und Uli Edel liefern keine Sozialkritik, keine Überspitzungen, sie liefern nicht mal eine wahre Geschichte. Denn Bushido ist eben nicht Eminem. Der war wirklich ein Außenseiter. Ein weißer Rapper unter schwarzen, der sich nach oben gekämpft hat. Bushido hingegen ist ein Mittelstandskind, das sich den Ghettogeruch angeheftet hat, brav die Fäkalausdrücke gelernt hat, wie andere Vokabeln.

Zeiten ändern dich? - Bushido: Der Schauspieler.

Zeiten ändern dich (ConstantinFilm)

Reflektieren will er nicht oder kann er nicht. Dass er inzwischen in einer Villa wohnt, Millionär ist und nebenbei als Immobilienmakler arbeitet, sei ihm gegönnt. Aber was ist eigentlich mit den echten Ghetto-Kids,  die Bushido als ihr Vorbild auserkoren haben, die CDs, Biographie und Kinoticket gekauft haben? Die bekommen die nette Mär des Underdogs, der nachher allen den Mittelfinger zeigt. Doch ihnen hilft diese Au(f)steiger-Philosophie nicht. Sie werden nicht aus dem Kinosessel aufstehen und etwas aus ihrem Leben machen.

Schlimmer noch: Sie werden sich in ihrem pubertären Machogehabe bestätigt fühlen. Einen sozialen Aufstieg verspricht das allerdings nicht. Bushido hat es geschafft. Aber vielleicht auch nur deshalb, weil er nie ein Außenseiter aus dem Ghetto war. Er kann sich hervorragend ausdrücken, hat genug Anzüge, die er zur passenden Gelegenheit rausholt und hätte, wenn er gewollt hätte, locker das Abi geschafft. Er wollte aber lieber den Mann aus dem Ghetto spielen.

Eine vertane Chance, eine fatale Message, ein Mann ohne auch nur ein Fünkchen Verantwortungsgefühl und ein Film, der besser nicht gedreht worden wäre. (sg/fw)

» [ Offizielle Filmwebseite ]
» [ Bushidos Website ]

» Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Printausgabe 03/2010 des Magazin Wildwechsel.

 


Ähnliche Artikel

  • Jenseits von Gut und Böse15. April 2012 Jenseits von Gut und Böse Die aktuelle Tour Bushidos war schnell ausverkauft. Doch schnell wurde befunden, dass Nachholbedarf bei den Fans herrscht und so kommt der Bambi-Rapper für ein Zusatz-Konzert in die […]
  • Bushido: Alles nur geklaut?1. Februar 2012 Bushido: Alles nur geklaut? “Wenn ich der Meinung bin, ich hab kein Geld, ich muss mir jetzt irgendwie 'ne Uhr klauen, dann brauch ich das so“, erzählte Gangster-Rapper Bushido in einem älterem Spiegel […]
  • Schulkinowochen NRW 2016 – vom 21.1. bis 3.2.22. Dezember 2015 Schulkinowochen NRW 2016 – vom 21.1. bis 3.2. Vom 21. Januar bis 03. Februar 2016 heißt es für die Schulen in NRW wieder „Film ab – wir lernen!“ Zum neunten Mal kann dann im Rahmen der landesweiten Schulkinowochen der Unterricht […]
  • How to be Single3. April 2016 How to be Single (USA 2016/ 110 Min.) Komödie Wie ist das eigentlich: man ist jahrelang in einer Beziehung und von heute auf morgen steht man alleine da? Verlernt man das Single sein? Alice stellt […]
  • Steve Jobs11. November 2015 Steve Jobs (USA/ 122 Min.) Biografie Nachdem 2013 der erste Versuch, des Apple-Masterminds Leben zu verfilmen floppte, kommt eine neue Version in die Kinos. Danny Boyle (Trainspotting) hat […]
  • Café Society8. November 2016 Café Society (US 2016/ 96 Min.) Komödie, Drama Bobby wuchs zwar in der Bronx auf, fühlt sich jedoch zur Glitzerwelt in Hollywood hingezogen. Sein Onkel Phil ist ein hochrangiger Filmagent in […]
  • Die Peanuts – Der Film24. Dezember 2015 Die Peanuts – Der Film (USA 2015/ 89 Min.) Familienkomödie Charlie Brown, Snoopy, Peppermint Patty, Pig-Pen und der Rest der Bande landen zu Weihnachten im Kino. Ein neues Mädchen zieht in die […]



WildwechselWildwechsel

Online-Redaktion des Printmagazin Wildwechsel. Wildwechsel erscheint seit 1986 (Ausgabe Kassel/Marburg seit 1994). Auf Wildwechsel.de veröffntlichen wir ausgewählte Artikel der Printausgaben sowie Artikel die speziell für den Online-Auftritt geschrieben wurden.

  • Website: http://www.wildwechsel.de

Kommentieren


Veranstaltungen | Film | Interviews | Praktikum | Kultur | Festivals | Kontakt
Ihre Werbung hier?
Advertise Here

Ww-Nord 07/2018




Ww Interviews



Ww-Abo als Digitales Abo

 

» Hier klicken:
Die kostenlose App “issuu” (Appstore o. Playstore) installieren. Dort “Wildwechsel” suchen. Unter “Publisher” abbonieren!

 


Ww-Umfrage


Dein Lieblings-Fastfood

Ergebnis

Loading ... Loading ...

Ww-Süd 07/2018

Wer wirbt im Wildwechsel?


 


Wie werbe auch ich im Ww?

Sprechen Sie einfach direkt mit unserem Boss.
Z.B. mit einer E-Mail an Fedor Waldschmidt
Oder Sie schreiben ihn an über Whats App: 0171-9338278.

 


Top 10 (24 Std.)


Juli 2018
M D M D F S S
« Jun    
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031  


Ww@Facebook

 


%d Bloggern gefällt das:
Karneval in der Region: Aus Tradition Gute Laune!
Karneval in der Region: Aus Tradition Gute Laune!

Seit dem 11.11.11 (kann es ein schöneres Datum geben?) hat sie begonnen,...

Schließen