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Kunst meets Kommerz!

„Kassel ist Rockumenta!“

Carlos Amorales ist Künstler. Aber kein gewöhnlicher. Nebenbei betreibt er auch ein Alternative-Plattenlabel - und macht sich in einer gigantischen Ausstellung Gedanken über die Zukunft der Musikindustie!


Amorales ist nicht nur einer der bedeutensten Künstler Mexikos, sondern auch verdammt umtriebig. Er malt, designt, produziert Videoanimationen, betätigt sich als Performance-Künstler – und betreibt, wie bereits erwähnt, sein eigenes Plattenlabel. Nicht nur als Künstler, sondern auch als Geschäftsmann.

Im Dezember kommt Amorales nach Kassel. Die Ausstellung »Nuevos Ricos« ist einmalig, sie findet nur in Kassel statt und wird vom Künstler persönlich aufgebaut. Und sie ist, wenn man genau darüber nachdenkt, ein bombastischer Themen-Komplex. Der Mexikaner  präsentiert darin einen bunten Querschnitt aus seinem umfangreichen Schaffen. Einen besonderen Stellenwert nimmt das Thema Musik ein. Amorales holt Künstler seines Labels nach Kassel und bettet auch Vortragsreihen über die aktuelle Popkultur in den Ausstellungs-Komplex mit ein. (sg)

» Fr., 4.12., Ausstellungseröffnung »Nuevos Ricos«, Fridericianum, Kassel

Das Ww-Interview: Carlos Amorales!
Ihre Ausstellung heißt „Nuevos Ricos“. Welche Bedeutung hat der Name in diesem Zusammenhang?
Nuevos Ricos bedeutet „Neureich“, ein Begriff, der beides ist, eine Anschuldigung für die einen, ein Wunschtraum für andere. 

Fühlen Sie den Druck Platten verkaufen zu müssen, als Künstler mit eigenem Plattenlabel?
Klar, das war der Knackpunkt. Ein Pop-Label zu werden und nicht als irgendein Kunst-Projekt zu enden. Erst haben wir Vinyl-Platten verschenkt, dann haben wir alles hochgeladen. Das wiederrum führte zu Bootlegs und schließlich zur Bekanntheit. Wir sind ein experimentelles Plattenlabel, aber im unternehmerischen Sinn.

Die Musikindustrie befindet sich in einer tiefen Krise. Können Sie sich vorstellen, wie die Zukunft entwickeln wird?
Idealistisch gesehen denke ich, dass die Krise die Musiker und ihre Liveacts angeregt hat. Zynisch gesehen denke ich, dass ein großer Teil der Musik nur noch der Hintergrund opportunistischer Werbung ist. Pessimistisch gesehen denke ich dass der Markt sich in ein endloses Festival verwandeln wird, dass von irgeneiner Telefon-Firma gesponsert wird. Und letztendlich, wenn ich optimistisch bin, sage ich voraus, dass wir zurück gehen werden, ins mittlere Zeitalter.

Warum ist Kassel der richtige Ort für die Ausstellung?
Kassel ist „Rockumenta“! Außerdem habe ich mit Herrn Wolf (dem künstlerischen Leiter, Anm. d. Red.) seit mehr als einem Jahrzehnt zusammengearbeitet und er war immer der richtige Mann für mich. Oder um es anders zu sagen: Er ist der „Nuevo Rico of the Nuevos Ricos!“

Nuevos Ricos, wichtige Termine:
Fr. 4. 12.: Vernissage mit "Super Mario":
Amorales und sein Labelmitbegründer Julian Léde veranstalten eine Live-Performance. Später wird es in der Galerie Loyal eine Aftershow-Party geben, die sich gewaschen hat. Silverio (Foto) natürlich ein Künstler von Amorales Label, kleidet sich gerne im trashigen Mariokart-Look. Mit schmierigem Schnauzer, dazu gerne in Unterhose und Oberkörperfrei.

Mi. 16. 12.: Vortrag über Musikindustrie
Martin Büsser spricht über Sampling und Zitat als wesentliche Verfahren zur Erneuerung der Popkultur. Büsser ist Autor, Journalist und Herausgeber der Buchreihe „testcard - Beiträge zur Popgeschichte“.


Januar und Februar: Nuevos Ricos in Concert Felix Kubin macht experimentellen Sci-Fi-Pop, Dick El Demasiado ist der „Godfather of Digital Cumbia“. Mehr von den beiden in den kommenden Ww-Ausgaben.


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