Regiostar August 2007
Skateboarder Christoph Reinhardt im Ww-Interview!!


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„Skater ist nicht gleich Skater“ stellt Christoph Reinhardt gleich klar als Ww ihn zum Interview in seiner Wohnung in Bühne-Borgentreich trifft. Der 23-jährige Skateboarder pflegt seit 10 Jahren ein inniges Verhältnis zu seinem brettrigen Freund. Das brachte ihn nicht nur ins Fahrerteam der Hamburger Skateboard-Firma Trap, sondern verschaffte ihm auch einen Sponsoren-Vertrag mit dem Sportartikel-Giganten Adidas. Neben diversen Contests, stand er auch für den Skateboard-Film „Traces“ vor der Linse und verliert dabei sein persönliches Ziel nicht aus den Augen: Sein Produktdesign-Studium...und ganz nebenbei verwirklicht er mit seinen Kollegen die Mission „Skater-Paradies“ und errichtete in Eigenregie einen Beton-Skate-Park in Borgentreich. Im Interview verrät er u.a., was die Lebenseinstellung „Skateboarder“ eigentlich bedeutet und räumt nebenbei mit einigen Klischees auf!

Ww: Du hast ja jetzt mit den anderen Trap-Teamfahrern den Film „Traces“ („Spuren“) gedreht. Worum geht es darin?

Christoph: Der Film zeigt das beste, was die Teamfahrer in den letzten 2 Jahren gemacht haben. Es ist eine Mischung aus Doku und Fiktion. In der Geschichte wacht der Hauptdarsteller in einer Straße auf und hat keinen Schimmer, wo er ist. Es ist eine Art Spurensuche nach sich selbst. Am Anfang der Reise findet er ein Skateboard, das zu seinem treuen Begleiter wird.

Hat der Film eine Message?

Christoph: Es ist sehr witzig, soll aber auch zum Denken anregen über den Zustand der grauen Alltäglichkeit und ob man Derjenige ist, der daraus flieht oder ob man Derjenige ist, der sich einbuttern lässt und mit dem Strom schwimmt.

Wo hat dich das Skaten schon überall hingeführt?

Christoph: Das krasseste war Kroatien. So Locations wie dort, findest du hier nicht. In Deutschland gibt es kaum Treppen ohne ein dickes Geländer an den Seiten (zeigt mir ein Foto aus Kroatien mit besagter Treppen). Außerdem findest du Zagreb auch noch viele zerballerte Häuserfronten. Das ist schon echt heftig zu sehen! Du gehst da lang, denkst dir nicht böses und auf einmal siehst du Einschusslöcher!

An was für Turniere nimmst du so teil?

Christoph: Momentan bin ich viel unterwegs mit Fotografen, um schöne Bilder zu machen oder um Videos zu drehen. Gerade z.B. drehen wir für das Adidas Europavideo. Ansonsten nehme ich an der deutschen Meisterschaftsserie, das ist der C.O.S. Cup, teil, dem Adidas Clash in Berlin und jetzt (Ende August) fahre ich nach Osijek in Kroatien.

Sind die Contests eine wichtige Komponente beim Skaten für dich?

Christoph: Ich sehe die Contests schon mit anderen Augen als ein Wettkampf-Typ. Es gibt halt Leute, die machen ihre sicheren Standard-Tricks, was für die Qualifizierung von Vorteil ist. Mir ist es halt zu stupide die Tricks nur abzuspulen. Ich bin eher einer, der auch mal schwereres Zeug probiert und es dann auch mal „bailed“, also nicht weiter schafft.

Was ist deine Spazialität?

Christoph: Street-Skaten mit extremer Tendenz zum Beton-Park-Junkie!

Ist es eigentlich so, dass man nur noch durch die Gegend läuft und denkt „oh, da und da könnte ich diesen und jenen Trick machen“?

Christoph: Absolut. Mittlerweile nenne ich das nur noch das „Spot-Auge“. Wenn ich durch eine mir unbekannte Straße gehen, muss ich hinter jede Ecke gucken, ob da nicht vielleicht die abgefahrenste Schräge mit einem Geländer ist. Das ist wie ein Zwang!

Das Skaten unterscheidet sich insofern von anderen Sportarten, als das ein Skater nach dem Skaten nicht sein „Trikot“ an den Nagel hängt wie z.B. ein Fußballer. Skatern sieht man irgendwie immer an, welche Sportart sie betreiben!?

Christoph: Es gibt schon Leute, die nachmittags der dreckigste Skater sind und sich dann morgens einen Anzug überstülpen, weil sie die Brötchen verdienen müssen. Also Skater ist nicht gleich Skater – es gibt verschiedene Arten das zu leben. Ich, zum Beispiel, habe überlegt....“mmhh, Vater könnte recht haben (*schmunzel*), was ich habe, habe ich in der Tasche“ und so machte ich erstmal meine Lehre zum Tischler. Das ist auch ein gutes Standbein für mein Studium.

Was willst du studieren?

Christoph: Produktdesign an der HFBK (Hochschule für Bildende Künste) in Hamburg. Die haben mich direkt angenommen und im Oktober geht es dann los.

Ist dir eigentlich schon mal was richtig peinliches bei einem Contest passiert?

Christoph: Ja, klar! Das mega-peinlichste war mein Run beim „Etnies European Open Contest“ 2004. Da bin ich ganz frisch für Adidas gefahren. Ich wollte halt nur einen Ollie (einen einfachen Sprung) machen... also nur zum „ich bin derjenige der fährt und gleich kommt mein harter Trick“. Doch dieses einfache Ding habe ich total verzockt und bin halt voll auf'm Arsch gelandet. Ich wäre am liebsten im Boden versunken!

Was ist an dir eher „untypisch“ für einen Skater?

Christoph: Ich begeistere mich dafür Inneneinrichtungen auszudenken, daher auch mein Studium für Produktdesign! Ich habe auch vor meine Produkte über eine Internetseite auf den Markt zu bringen.

Was ist an der total typisch für einen Skater?

Christoph: Ich bin, wie fast jeder Skater, ein Schuh-Fanatiker! Noch ein Faible von mir ist, dass die Rollen an Boards auf jeden Fall weiß sein müssen! Ich könnte niemals mit bunten Rollen fahren! ...an ein Skateboard gehören verdammt nochmal nur weiße Rollen (*lach*)!

Wie ist das eigentlich mit dem Gemeinschaftsgefühl bei Skatern?

Christoph: Früher war es halt so, dass wenn man einen Typen mit einer bestimmten Hose gesehen hat (z.B. Anfang der 90er waren es Chino Pants), da hat man sich gleich gegrüßt und unterhalten, selbst wenn der auf der anderen Seite einer vierspurigen Straße stand. Wenn mir einen Spaß draus mache und mal „Moin“ sagen, gucken die meistens nur und zeigen keine Reaktion. Da ist einfach nicht mehr diese Identifikation da!

Wie kann man dieses Gefühl der Identifikation beschreiben?

Christoph: Da gibt es eine nette Anekdote. In der Schule fragt die Lehrerin ihre Schüler, was sie in ihrer Freizeit machen. Der eine sagt: „Ich spiele Fußball!“ Der andere: „Ich spiele Basketball!“ „Und was machst du?“, fragt die Lehrerin den dritten: „Ich BIN Skater!“ Daran erkennt man auch die Leute, die mit Herzblut dabei sind!

Hast du dir eigentlich schon mal was gebrochen?

Christoph: Ja, mein Kahnbein (Handgelenk). Die im Krankenhaus dachten es wäre ein Kapselriss und ich habe für 2 Wochen einen Gips bekommen. Nach 3 Jahren hatte ich aber immer noch Probleme und bin in ein anderes Krankenhaus gegenagen. Die haben festgestellt, dass mein Handwurzelknochen schon seit 3 Jahren gebrochen ist und zwischenzeitlich einen halben Zentimeter auseinander gewachsen war. Sie konnten das nur noch zusammenflicken, in dem sie mir aus dem Beckenknochen ein Stück entnommen haben und das einsetzten...also eine echt üble Sache!

Die Mädels finden Skater doch fast alle cool. Verschafft dir das eigentlich einen Vorteil?

Christoph: Ja, schon...(*lach*)! Es gibt schon Mädels, die extra auf die Parties nach den Skateboard-Shows gehen und es darauf anlegen. Da hat man natürlich leichtes Spiel! So geshapte Bodies, wie es beim Skaten gibt...die sind ja auch nicht bei einem Fußballer zu finden! (*zwinker*)

Das hast du aber nett formuliert! (*lach mich schlapp*) Danke für das Gespräch!

Das Gespräch führte Christina Merkel.