Letzte Aktualisierung: 13 November, 2002


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FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE
The Hearing And The Sense Of Balance
spv

Mit 12 neuen Songs präsentieren sich FURY I.T.S. Endlich wieder in Guter Form. In dem ansprechenden Papp-Cover verbergen sich melodische Stücke, die zwar etwas kommerzieller als früher klingen, dafür aber umso eingängiger sind - viel Schräges ist da nicht mehr dabei. Der Gehörgang in variierter Gestaltung auf dem Cover und im Inlet ist wohl symbolisch zu verstehen, denn die Musik geht wirklich ins Ohr - nicht unbedingt zum Tanzen, aber ideal als unaufdringliche Hinter grundmusik. Wer hinter dem Titel »Hang The DJ« eine Coverversion von THE SMITHS erwartet, wird wohl enttäuscht sein, denn außer dem Namen haben die Songs nicht viel gemeinsam. Dafür gestehen die Jungs aber: "THE POLICE is the only kind of police we like". »Next To You« ist ziemlich gut gespielt, Stings Stimme zu imitieren klappte aber nicht so gut, wodurch das Stück doch etwas von dem alten Zauber verliert. »Dancing In The Sunshine Of The Dark« ist mit 5:07 min. nicht nur längster Song, sondern auch als Auskopplung erhältlich - es ist allerdings nicht unbedingt das Highlight der Platte. Ein besonderes Bonbon für alle, die sich die Texte gern durchlesen: Unter jedem Song steht eine Widmung, Warnung, Aufforderung oder Lebensweisheit der Furies. »Rainy April Day« ist zum Beispiel eine traurige Widmung an Kurt Cobains Tochter Frances Bean Cobain. Leider haben uns die Jungs all ihre Gedanken in englisch mit auf den Weg gegeben - warum nur?! (sh)

  FUDGE TUNNEL
Creep Diets
RTD

Fudge Tunnels Debüt Album "Hate Songs in E Minor" wird oft mit Nirvanas "Bleach" verglichen und das auch nicht zu Unrecht, doch schon damals machten Fudge Tunnel klar, das es mit einfachem Grunge nicht getan ist. Das ganze war doch wesentlich härter und, der Name ist Programm, Hasserfüllter. Mit der neuen LP verhält es sich ähnlich wie von Nirvanas"Bleach" zu "Nevermind", die Scheibe ist etwas harmloser geworden, in diesem Fall heißt das etwas weniger Death mäßig. Trotzdem, Fudge Tunnel schmieren den Grunge mit ihren megatonnen schwerem Gitarrenlärm einfach in die Fuge, aber leider nicht mehr so intensiv wie beim ersten mal. Das ganze klingt, für meine Ohren, etwas schlapp, hat Längen. Irgentwie haben sich die Jungs zu sehr am Erfolg Nirvanas orientiert.Grunge und Nirvanafans sollten dem Album trotzdem Gehör schenken, aber nicht erschrecken.

FANTASYY FACTORYY
Ode To Life
Ohrwaschl Rec.

Hendrix wird nie sterben. Zu groß war sein Einfluß auf die Rockszene! Auch bei den Paderborner Psychedelic-Rockern von FANTASYY FACTORYY hat das Gitarrengenie seine Spuren hinterlassen - große Spuren: "Watching You" könnte spieltechnisch wahr lich aus Jimis flinken Fingern stammen. Soll aber noch lange nicht heißen, daß "Ode To Life" ein weiterer Hendrix-Abklatsch ist. Das in den Londoner Sun Dial Studios aufgenommene Album entpuppt sich als eine interessante Psychedelic-Scheibe. Fans dieser Spartenmusik dürfte es auf jeden Fall ein Aufhorchen wert sein, auch Liebhaber von Pink Floyd aus früheren Tagen sollten ihm ruhig mal ein Ohr leihen ("Spooky"). Einziges Manko: der Gesang Alan Teppers ist stellenweise doch gewöhnungsbedürftig. (hs)


 

FEAR FACTORY
Soul Of A New Machine
Roadrunner

Hölle, Hölle die "Angst Fabrik" macht ihrem Namen alle Ehre, die Double Base drückt dich an die Wand, die Gitarren fräsen sich gnadenlos den Weg frei, der verzehrte Bass bohrt sich ins Schmerzzentrum, und die Hasserfüllte Stimme von Burton C. Bell (Dry Lung Vocal Matyr, sagt das Cover) gibt zu denken: "Every 25 Seconds someone is brutally violated", doch dann schwebende Sounds, langsame Grooves und Mr Bell zeigt sein anderes Gesicht, eine Engelsgleiche Stimme! Hat man sich gerade auf die unverhofften Harmonien eingelassen, gibts gleich Rache, mitten im Abschweben trifft einen die Double Bass wie Atllerie in die Fresse. Was die vier Jungs aus ihren (mit bedacht) total verstimmten Instrumenten rausholen ist wohl die härteste und brutalste Musik die es zur Zeit gibt, aber die immer wieder eingeschobenen spährischen Parts (einfach genial) zeigen das die vier auch anders können. Kaufen! (Übrigens, ende April bringen Fear Factory eine 5 Track Mini-CD, mit 5 hammerharten Dancefloor Titeln, kanns kaum erwarten)



FRANK BLACK
The cult of Ray
Sony Music

Welch exzellentes Werk! Der Ex-Pixies-Frontman Frank Black hat sein zweites Solo- Album vorgelegt - und überzeugt mit einer sägenden Mischung aus frühem Punk, post modernen Independent und progressiven Metal. Kühn konstruiert und dennoch mit einer ungestümen Extremität schleppen sich 13 Songs dahin, die ganz im Zeichen der straighten und starken Vocals von Frank Black stehen. Aufreizend langsam zerbröseln anfangs die Akkorde, um dann in einen stoisch-wilden Gitarren-Sound zu verfallen - beispielsweise bei »Kicked in the taco«. Nicht genug: die ruhigen Songs auf dem Album (»The creature craling«, »I don't want to hurt you«) sind so wunderschön egozentrisch, daß sie schon fast Ruhe und Entrücktheit ausstrahlen. Ein Album, das mal butterweich, dann wieder steinhart ist. Mit Finesse gebastelte Arrangements zeigen Reife statt Lärm, die Songs sind geprägt von dem spontanten und scheinbar unfertigen Charme eines schrammeligen Garagen-Rocks. Turn up the volume! (tl)



  FRANK ZAPPA
The Yellow Shark
Intercord

Lang haben wir diskutiert: Ist ZAPPA jetzt ein Spinner, der sich ein Denkmal setzen will, oder ist er ein Genie? Ich plädiere für letzteres, denn was ZAPPA auf "The Yellow Shark" zusammen mit dem renommierten ENSEMBLE MODERN präsentiert, mag zwar sperrig klingen und unbedarfte Hörer zunächst einmal verschrecken, offenbart aber ein tiefes, mit Humor gesegnetes Verständnis für Musik. Die virtuos-komplexe Komposition ist polystilistisch, ein erkenntnisreicher Trip durch die musikalische Gegenwartskultur, die schwanger geht mit den Traditionen europäischer und amerikanischer Musik. »The Yellow Shark« zu hören bedeutet Arbeit für den Kopf, jedoch ohne die klassische Anstrengung und Mühe. Man lauscht ZAPPAs Geschichten voller Interesse, verfällt launischen Tempo- und Themenwechseln und sucht sich ein harmonisches Ende, bis man, bedingt durch den einsetzenden Beifall, aus allen Wolken fällt. "The Yellow Shark" offenbart nicht nur ZAPPAs kompositorisches Talent, sondern zeigt einmal mehr das ungemeine Können des ENSEMBLE MODERN, dem es trotz aller technischen Schwierigkeiten gelingt, die Musik sehr emotional zu interpretieren. (ce)


  FRED FRITH
String Quartets
RecRec

Seit FRED FRITH Anfang der achtziger Jahre auf der Bildfläche der Avantgarde aufgetaucht ist, hat er an unzähligen Projekten unterschiedlichster Couleur mitgearbeitet. Koryphäen wie John Zorn begleitete er in seinem Schaffen ebenso, wie er Rocktheater mit 40 arbeitslosen Musikern organisierte (Helter Skelter). Er ist ein postmoderner Musiker im besten Sinne, versteht es, in verschiedenen Stilen souverän zu wirken. Mit solchem Können gesegnet liegt es nicht fern, sich ans Komponieren zu wagen (bringt ja auch 'ne Menge Reputationen). Frith komponierte insgesamt 20 "Stücke", zehn für ein Streichquartett und zehn für ein Gitarrenquartett, in dem Frith selbst mitspielt. Auf der CD machen die Stücke des Streichquartetts den Anfang, ein Auf und Ab von Melodien und Noises, mal spannend, mal enervierend, Spezialisten des Genres sollten mal ein Ohr riskieren. Die zweite Hälfte der CD nimmt das Gitarrenquartett ein, und dieser Teil begeistert mich immer wieder. Hier werden die vielfältigen Klangnuancen der E-Gitarre in einen spannenden Klangkörper verwandelt. Stimmungsvoll und überraschend, zwischen zarten Melodien und gewaltigem Krach (in kleinen Dosen) bewegt sich das Quartett spielerisch. Fans von Sonic Youth und Artverwandten ist diese Scheibe wärmstens zu empfehlen. (ce)


FRIGG
Dönerfressing Woman
99 Records

Ist der Titel nun politisch korrekt oder nicht, was ist das überhaupt für 'ne Platte aus Berlin von 'ner Band namens FRIGG - obendrein mit Klarinette, Cello, Bass, Schlagzeug und Gitarre? Schenkt man, dem Titel zum Trotz, »Dönerfressing Woman« das Ohr, so wird man, nicht gerade schmerzlos, mit Jazz-Rock konfrontiert. Nein, nicht dieser abgegriffene Dudel-Jazz-Rock aus den 70ern, der heute allenfalls noch für die Kaufhausberieselung brauchbar ist. Eher eine rockigere Variante von New Yorker Avantgarde Jazz, überzeugend, montiert aus John Zorn, Bill Frisell und ECM-Jazz à la Gabarek, John Abercrombie und Paul Montain. Eine Schnittmenge also, aus allem, was in den 80ern gut und teuer war und in den 90ern hochgelobt wird. Von Plagiat muß keine Rede sein, auch wenn sich schnell Assoziationen zu genannten Musikern einstellen. Es ist erfrischend und rockig, was FRIGG da zaubern, ein wenig gitarrenlastig vielleicht. Das mag den Jazzer stören. (Grunge-)Rock-Freunden fällt es dafür wahrscheinlich um so leichter, mit »Dönerfressing Woman« ihren Horizont zu erweitern. (ce)

  FRONT 242
Live Code
Play It Again Sam Records

Im ersten Moment ist die Vorstellung etwas seltsam, die doch eher sterilen Klänge von 242 mit Liveatmosphäre zu verbinden, aber die Stimmung kommt gut rüber und ist absolut unaufdringlich. Nicht das Publikum steht im Vordergrund, wie bei so manch anderem Live-Album, sondern einzig und allein die Musik. Für Freunde melodiöser eingängiger Musik wird »Live Code« wahrscheinlich ziemlich schnell nervend und so aufdringlich wie die grellgelbe Hülle werden. Aber gerade der treibende, aggressive Sound macht FRONT 242 aus. Bei genügender Lautstärke packt es einen. Am Besten macht man dann nur noch die Augen zu und läßt sich von der Musik schütteln. »Live Code« hat das Potential, einen in Trance zu versetzen. Wenn man sich erstmal darauf einläßt, kann man sicher auch als Nicht- Fan den Zugang finden. Vor allem die Intros sind teilweise ziemlich geil - trancig, sphärisch, spacig. Die völlig unsphärische Stimme des FRONT-Frontmanns ist allerdings ein krasser Gegensatz dazu und führt das Ganze wieder in eine völlig andere Richtung. Strange. (sh)


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