Letzte Aktualisierung: 14 November, 2003


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CANDLEBOX
Candlebox
Warner

Obwohl bereits 1993 erschienen und 1994 mit der Hitsingle »Far Behind« vor allem in den USA durchgestartet, kennt doch immer noch nur der größere Insiderkreis die aus Seattle stammende Band CANDLEBOX. Keine Angst: Nicht alles, was aus der neuen Musikmetropole Seattle stammt, spielt Grunge. Candlebox kick ass wäre die einfachste Umschreibung ihrer Musik. Ehrlicher Rock, der gleichermaßen in Beine und Bauch geht. Fast berauschend, wenn sich ihre Balladen in unendliche Rocksongs steigern. Beispiele gibt's genug, da wäre »You«, die Smash Single »Far Behind« oder das blues-durch drängte »Rain«, bei dem man sich anfangs zurücklehnen möchte, doch dann aus dem Sessel gerissen wird, um seinen plötzlichen Tanzanfall zu stillen. Neben diesen Songs sind weiterhin grundsolide Rockstücke zu finden, bestes Beispiel der Opener »Don't You«. Bei dieser Songauswahl auf dem Album ist es kein Wunder, daß sich CANDLEBOX schon über 50 Wochen in den Billboard-Charts tummeln und mittlerweile zurecht auch mit Platin belohnt wurden. Man wird sicherlich noch mehr von ihnen hören. (hs)

  CARCASS
Heartwork
Rough Trade

Traurig, nur noch Monster-Metallica Sound, vorbei die Zeiten von "Genital Grinder" und anderem phatologischen Gemetzels, leider irgendwie edel.


  CHERALEE DILLON
Pull
Glitterhouse

Qualitätsmäßig gefährlich in TORI AMOS-Nähe, kommt Cheralee ohne Piano aus und singt auch viel wütender ihre eigenen Melodien, die mit der Musik nur scheinbar nichts zu tun haben. Ein Wechselbad der Gefühle von traumhaft bis traumatisch.


  CHRIS CACAVAS AND JUNKYARD LOVE
New Improved Pain
Normal

Für die Ewigkeit eingebrannt hat sich Cacavas schon 1983, als er und seine Mitsteiter Chuck Prophet, Dan Stuart u.a. unter dem Bandnamen GREEEN ON RED die völlig abgedrehte Psycho-Folk-Rock-Scheibe »Gravity Talks« auf den Markt brachten. Während GREEN ON RED immer stärker in seichtere Gewässer abdrifteten, blieben die Solo-Trips von Chris der Gemeinde um GRAVITY TALKS treu. Ein bißchen Nils Lofgren, etwas Crazy Horse, so wie die Wildheit und Intensität von Chris Cacabas & Junkyard Love lassen auf »New Improved Pain« ein kleines Feuerwerk der Gefühle explodieren. Ein kleiner Tip am Rande: Live is das alles noch viel verrückter. (om)


CHRIS DE BURGH
Beautiful Dreams
A&M Records

Chris goes Classic. Mit 4 neuen und 9 alten Hits bewegt er sich hart an der Grenze zur Schnulze, und rutscht auch nicht selten ab in jene schmalzigen Regionen, in denen die geneigte Zuhörerin dann unweigerlich zum Taschentuch greifen muß, um sich die viel beschworene Träne der Rührung zu verdrücken. Auch wenn Chris selbst sich damit einen langgehegten Wunsch erfüllt hat, so kann doch der abgebrühteste Fan spätestens nach dem 5. Song nicht länger umhin, eine der alten Platten auszupacken, um endlich mal wieder mit einer seiner hinreißenden Rocknummern gegen diesen Rührungs-Dauer- Streß anzustinken. Es mag ja anerkennenswert sein, daß Chris die Platte in nur 10 Tagen sozusagen "live" mit dem Londoner Session Orchestra eingespielt hat: ich hätte diese Platte lieber auf 10 andere verteilt gesehen. Tut mir leid, Chris, gut gemeint ist manchmal eben das Gegenteil von gut. (pw)

  CHRIS DE BURGH
This Way Up
A&M Records

Mittlerweile ist es amtlich: Der irische Rocksänger Chris de Burgh ließ sich für seinen Hit »Blonde Hair, Blue Jeans« von seinem Kindermädchen Merrissa inspirieren, die ihn im Februar über den beinahe tödlichen Reitunfall seiner Frau hinwegtröstete. Daß dies nachts und hautnah zuging und er sich in alter Macho-Manier vornahm, sie am nächsten Morgen um mehr betteln zu lassen, läßt sich schwarz auf weiß im Beiheft seiner neuen CD nachlesen, wird aber vermutlich den Genesungsprozeß seiner Frau kaum beschleunigt haben. Inzwischen hat er über die Presse ("Sun") dieser Beziehung abgeschworen und seine »Lady In Red« bußfertig um Verzeihung gebeten. Der Qualität des Songs sowie der ganzen CD hat dieser Seitensprung zumindest nicht geschadet. Auch wenn das Cover recht altväterlich geraten und seine Stimme schon immer Ge schmackssache gewesen ist, die drei Balladen - besonders »Here Is Your Paradise« - sind so gefühl- und gehaltvoll, wie man es nur von irischen Balladen kennt. Chris de Burgh beschreibt in seinen Songs ungebrochene Gefühle wie zärtliche Liebe, freundschaftliche Treue und Wut über sensationsgeile Nachrichten. Alles paßt bei ihm zusammen: redet er in »Oh My Brave Hearts« kämpferischem Patriotismus das Wort, spricht er in »Up Here In Heaven« als gewissenhafter Kriegsgegner. Ebenso abwechslungsreich wie seine Emotionen und Überzeugungen sind aber - abgesehen vom durchgängig klotzig-brachialen Schlagzeug - auch die Arrangements seiner allesamt hörenswerten Songs. Also: Alles klar auf dem "Weg nach oben" für den sym pathischen Ehebrecher! (pw)


  CHRISTIAN BOLLMANN
Drehmomente
zweitausendeins/Network

CHRISTIAN BOLLMANN ist neben Michael Vetter der wohl renommierteste deutsche Obertonmusiker. Seit 20 Jahren beschäftigt er sich mit der faszinierenden Welt der Ober töne. Bekannt geworden ist Bollmann vor allen Dingen mit dem Obertonchorprojekt Düs seldorf, mit dem er zwei CDs veröffentlichte. Obertonmusik ist etwas, das die wenigsten kennen dürften. Diese Musik konzentriert sich darauf, mit Hilfe der in jedem Ton enthaltenen Obertöne Melodien zu erzeugen - ein Obertonsänger ist in der Lage, mit mehren Stimmen gleichzeitig zu singen. Man kann das schlecht beschreiben, man muß diese Musik einfach gehört haben, um den Zauber zu begreifen. Obertongesang erinnert an gregorianische Choräle, ist aber wesentlich facettenreicher. Mit »Drehmomente« liegt nun die erste Soloproduktion von Bollman vor. Nur mit Hilfe seiner Stimme und einigen archaischen Instrumenten gelingt es ihm, einen unvergleichlich dichten Klangteppich zu flechten.Es ist einfach faszinierend, was man mit der menschlichen Stimme machen kann. Zeitweise hat man den Eindruck, ein ganzes Orchester würde spiel en. Aber Drehmomente faszieniert nicht nur durch das riesige und ungewöhnliche Klangspektrum, sondern vor allem durch Bollmanns wunderschöne Kompositionen. Reinhören lohnt sich wirklich für jeden. Fedor: bitte in 3-93 abdrucken (ce)


CHRISTIAN BOLLMANN
Echoes Of Ladakh
audio/Bauer Musikverlag

Mit seiner letzten Platte »Evolution« hatte CHRISTIAN BOLLMANN den endgültigen Beweis angetreten, das "Medidationsmusik" ( so könnte man Bollmanns Musik bezeich nen) nicht leeres Geleier für Fluchtbedürftige sein muß, sondern eine musikalisch und vor allem emotional gehaltvolle Alternative zum allgemeinen Musiktreiben sein kann. "Musik zur Ruhe" eben in der Lage einen eigenen Raum, eine eigene Stimmung zu erzeugen, der Gelegenheit bietet, zur Ruhe zu kommen, ohne eingelullt zu werden (von den "psychonautischen" Aspekten ganz zu schweigen). Groß also die Erwartung an »Echoes of Ladakh« und leider bin ich ein wenig enttäuscht, denn diese CD erreicht icht die immense Dichte, die »Evolution« hatte oder auch seine Produktionen mit dem Oberton-Chor Düsseldorf hatten. Der Opener »Prayer« vermag zwar mühelos alles, was heutzutage unter dem Namen "Ambient" läuft in den Schatten zu stellen, der Rest allerdings nicht. Etwas substanzlos fließt die Musik dahin, freilich nicht ohne schöne Momente, oder ohne dann und wann den Blick freizugeben in eine Tiefe, die zum Fallenlassen einlädt. »Echoes« wirkt nicht so hochaufgeladen mit Ruhe, als das diese überspringt, aufgeladen ist sie sicherlich mit Erinnerungen BOLLMANNS, stellt »Echoes« doch eine Remenizens an seine Hochzeitsreise in den Tibet dar (dort entstanden auch die Aufnahmen), dem Hörer jedoch bleibt diese Ebene (naturgemäß) weitgehend verschlossen. Wer BOLLMANN kennt, sollte ein Ohr riskieren, doch empfehle ich eher den Griff zu »Evolution« oder »Rise My Soul«, obendrein erscheint bald BOLLMANNS nächste CD »Aruna« und was da kommt, klingt wirklich vielversprechend. (ce)


  CHRISTIAN BOLLMANN & MICHAEL REIMANN
Evolution
Zweitausendeins/Network

Die beiden Koryphäen der Obertonmusik haben mit »Evolution« ihre erste gemeinsame Aufnahme vorgelegt. Um einen möglichst komplexen Klang zu erzielen, fanden die Aufnahmen, für Bollmann altbekannt, im Turm der Benediktiner Abtei Meschede, der einen natürlichen Nachhall von 12 Sekunden aufweist, ihren idealen Standort. Enstanden bei dieser denkbar interessanten Produktion ist ein scharfer Kontrast zur disharmonischen Kultur der Musik unserer Gegenwart. Bollmann und Reimann verstehen es wie von selbst, das klangliche Potential des Turmes auszuloten, der Hall wird zum unsichtbaren Dritten. Zu hypnotischem Gesang finden exotische Harmonien ststt, ein Digeridoo wetteifert mit der Faszination sprudelnder Quellen. Esoterik projeziert sich in den Perlen des klaren Wasser, »Evolution« von Entspannung und Meditation. Die Suche nach innerer Ruhe wird zu einer Reise durch tiefe Täler unkontrollierter Konzentration. Verselbstständigung des gemachen Geistes, unvorstellbare Macht einer befriedigten, durch und durch satten, perfekten Komposition von Schwindel. Die Kraft der Ruhe fordert ein andächtiges Schweigen. Ein Fest der Sinne zum Training der Wahrnehmung. Das Persönliche der Kunst für entspannten Seelenfrieden und ge schluckte Obertöne für abgespacte Psychonauten.(tb)


COWBOY JUNKIES
200 More Miles
BMG

Kalte Monate, ruhige Musik. Zum zehnjährigen Bestehen der Junkies fanden die Ameri kaner um Sängerin Margo Timmins, es sei Zeit, ein Livealbum zu veröffentlichen. Die Zweitzeile des Albumtitels verrät, was Programm ist: »Live Performances 1985 - 1994«. Aufnahmen von den ersten Clubgigs bis zu den großen Hallen (die Cowboy Junkies sind in den USA um Längen berühmter als bei uns) beschert die Doppel-CD. Wer auf feinen, ruhigen Rock und dezenten Blues, auf Cranberries oder Sinead O' Conner steht, dürfte getrost die Cowboy Junkies für sich entdecken. Steht Margo Timmins stimmlich, Dolores oder Sinead in Sachen Feingefühl und Zerbrechlichkeit in nichts nach. Beide CD's jedoch am Stück durchzuhören wirkt auf die Dauer etwas langatmig, trotz Covers von Lou Reed, Hank Williams oder John Lee Hooker. (hs)


  CREME 21
Creme 21
Sony

Das Quartett aus Oberursel gießt subtile Bosheiten und skurrile Beobachtungen in raffiniert gefertigte Ohrwürmer. Dabei wird schamlos geklaut, wenn das hilft, die jmeist ironisch überspitzte "message" herüberzubringen. Egal, ob bei John Lennon oder den Prinzen, bei der Neuen Deutschen Welle oder den inzwischen schon legendären Nirvana! Teen Spirit à la CREME 21 ist die fettig-heiße Anti-Vegetarier-Hymne »Tiere«; Kostprobe: "Sojaburger machen nicht satt. Ich eß nur, was ein Gesicht hat." Der schräge Humor ist fast schon britisch und erinnert manchmal an die legendären 10 cc. Egal, ob sie sich der "Liebe in den 90ern" zuwenden, ob der Sänger ein schmachtendes Liebeslied auf sich selber singt oder ob es um die »Traumfrau« geht: diese Creme hat ihre ganz eigene Würze. Kostprobe: 17.10. Spot! (lj)

CROSBY, STILLS AND NASH
After The Storm
Atlantic

Da sind sie wieder, pünktlich zum 25jährigen Jubiläum von Woodstock, und trotz des süßlichen Mehrstimm-Gesangs so rockig wie noch nie. Nicht nur die 4 Stills- Kompositionen erfrischen mit erdiger Rhythmik, auch Crosby bringt 2 markige Rocksongs à la »Long Time Gone« bei. Nash sorgt für die harmonisierenden Balladen, die aber meist durch Stills wühlende E-Gitarre klug am Kitsch vorbeiklingen. Insgesamt ist ein reifes und sehr abwechslungsreiches Album entstanden, das nicht mehr nach den frischen 68ern klingt, nicht mehr klingen will. Es ist in jeder Beziehung ein Album "nach dem Sturm". Da sind selbst 180 -ige Kehrtwendungen möglich: Nicht mehr Freie Liebe (»Love The One You're With«) ist das Motto von Stills, sondern Treueschwüre wie »Only Waiting For You«. Wie sich die Zeiten doch ändern, wenn man älter wird... Trotzdem: Beachtlich, was die Väter des kalifornischen Rock noch alles zu bieten haben! (pw)


  CROWDED HOUSE
I Take The Weather With Me
Flashback

Daß Crowded House aus Australien nicht umsonst zu den besten Bands auf diesem Erdball zählen, belegt diese Liveaufzeichnung des FLASHBACK-Labels. Auf über 67 Minuten wird hier ein toller Auftritt im Tinley Park in Chicago dokumentiert, der im September '91 dort stattfand. Erste Sahne! (om)

  CYPRESS HILL
III - Temples Of Boom
Ruffhouse/Columbia

Der Joint als Allheilmittel für eine kranke Gesellschaft? Auch beim neuen Album der beiden Hispano-Amerikaner von CYPRESS HILL dreht sich wieder alles um die Kraft des Grases. Von vielen schon als das beste Hip-Hop Album des Jahres '95 gelobt, kommt »III - Temples Of Boom« aber nicht an die Originalität der Debüt-Scheibe »Cypress Hill« ran. Doch die quälend nasale Stimme von Freese - unverwechselbares Markenzeichen der Kiff-Hopper aus L.A. - verfehlt auch diesmal ihre Wirkung nicht. Sie nörgelt sich ins Ohr und geht nicht mehr raus. Vor allem, wenn man der Forderung des letzten Stückes nachkommt. »Everybody Must Get Stoned« könnte auch als Motto über dem Gesamt werk stehen. Musikalisch fällt besonders der sphärische Klang einer Sitar auf, jenem indischen Saiteninstrument, das jede Bluba-Romantik perfekt macht. Als kleine Dreingabe gibt es außerdem noch auf einer Extra-Scheibe einen »Buddha-Mix« der besten Stücke der letzten LP.


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