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Die Plattenkritiken von A - Z sind noch im Aufbau. Bis
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CANDLEBOX
Candlebox
Warner
Obwohl bereits 1993 erschienen und 1994 mit der Hitsingle »Far
Behind« vor allem in den USA durchgestartet, kennt doch immer
noch nur der größere Insiderkreis die aus Seattle stammende
Band CANDLEBOX. Keine Angst: Nicht alles, was aus der neuen Musikmetropole
Seattle stammt, spielt Grunge. Candlebox kick ass wäre die einfachste
Umschreibung ihrer Musik. Ehrlicher Rock, der gleichermaßen
in Beine und Bauch geht. Fast berauschend, wenn sich ihre Balladen
in unendliche Rocksongs steigern. Beispiele gibt's genug, da wäre
»You«, die Smash Single »Far Behind« oder das
blues-durch drängte »Rain«, bei dem man sich anfangs
zurücklehnen möchte, doch dann aus dem Sessel gerissen wird,
um seinen plötzlichen Tanzanfall zu stillen. Neben diesen Songs
sind weiterhin grundsolide Rockstücke zu finden, bestes Beispiel
der Opener »Don't You«. Bei dieser Songauswahl auf dem Album
ist es kein Wunder, daß sich CANDLEBOX schon über 50 Wochen
in den Billboard-Charts tummeln und mittlerweile zurecht auch mit
Platin belohnt wurden. Man wird sicherlich noch mehr von ihnen hören.
(hs)
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CARCASS
Heartwork
Rough Trade
Traurig, nur noch Monster-Metallica Sound, vorbei die Zeiten von "Genital
Grinder" und anderem phatologischen Gemetzels, leider irgendwie edel.
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CHERALEE DILLON
Pull
Glitterhouse
Qualitätsmäßig gefährlich in TORI AMOS-Nähe,
kommt Cheralee ohne Piano aus und singt auch viel wütender ihre
eigenen Melodien, die mit der Musik nur scheinbar nichts zu tun haben.
Ein Wechselbad der Gefühle von traumhaft bis traumatisch.
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CHRIS CACAVAS
AND JUNKYARD LOVE
New
Improved Pain
Normal
Für die Ewigkeit eingebrannt hat sich Cacavas schon 1983, als
er und seine Mitsteiter Chuck Prophet, Dan Stuart u.a. unter dem Bandnamen
GREEEN ON RED die völlig abgedrehte Psycho-Folk-Rock-Scheibe
»Gravity Talks« auf den Markt brachten. Während GREEN
ON RED immer stärker in seichtere Gewässer abdrifteten,
blieben die Solo-Trips von Chris der Gemeinde um GRAVITY TALKS treu.
Ein bißchen Nils Lofgren, etwas Crazy Horse, so wie die Wildheit
und Intensität von Chris Cacabas & Junkyard Love lassen auf
»New Improved Pain« ein kleines Feuerwerk der Gefühle
explodieren. Ein kleiner Tip am Rande: Live is das alles noch viel
verrückter. (om)
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CHRIS DE
BURGH
Beautiful Dreams
A&M Records
Chris goes Classic. Mit 4 neuen und 9 alten Hits bewegt er sich hart
an der Grenze zur Schnulze, und rutscht auch nicht selten ab in jene
schmalzigen Regionen, in denen die geneigte Zuhörerin dann unweigerlich
zum Taschentuch greifen muß, um sich die viel beschworene Träne
der Rührung zu verdrücken. Auch wenn Chris selbst sich damit
einen langgehegten Wunsch erfüllt hat, so kann doch der abgebrühteste
Fan spätestens nach dem 5. Song nicht länger umhin, eine
der alten Platten auszupacken, um endlich mal wieder mit einer seiner
hinreißenden Rocknummern gegen diesen Rührungs-Dauer- Streß
anzustinken. Es mag ja anerkennenswert sein, daß Chris die Platte
in nur 10 Tagen sozusagen "live" mit dem Londoner Session Orchestra
eingespielt hat: ich hätte diese Platte lieber auf 10 andere
verteilt gesehen. Tut mir leid, Chris, gut gemeint ist manchmal eben
das Gegenteil von gut. (pw)
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CHRIS DE
BURGH
This Way Up
A&M Records
Mittlerweile ist es amtlich: Der irische Rocksänger Chris de
Burgh ließ sich für seinen Hit »Blonde Hair, Blue
Jeans« von seinem Kindermädchen Merrissa inspirieren, die
ihn im Februar über den beinahe tödlichen Reitunfall seiner
Frau hinwegtröstete. Daß dies nachts und hautnah zuging
und er sich in alter Macho-Manier vornahm, sie am nächsten Morgen
um mehr betteln zu lassen, läßt sich schwarz auf weiß
im Beiheft seiner neuen CD nachlesen, wird aber vermutlich den Genesungsprozeß
seiner Frau kaum beschleunigt haben. Inzwischen hat er über die
Presse ("Sun") dieser Beziehung abgeschworen und seine »Lady
In Red« bußfertig um Verzeihung gebeten. Der Qualität
des Songs sowie der ganzen CD hat dieser Seitensprung zumindest nicht
geschadet. Auch wenn das Cover recht altväterlich geraten und
seine Stimme schon immer Ge schmackssache gewesen ist, die drei Balladen
- besonders »Here Is Your Paradise« - sind so gefühl-
und gehaltvoll, wie man es nur von irischen Balladen kennt. Chris
de Burgh beschreibt in seinen Songs ungebrochene Gefühle wie
zärtliche Liebe, freundschaftliche Treue und Wut über sensationsgeile
Nachrichten. Alles paßt bei ihm zusammen: redet er in »Oh
My Brave Hearts« kämpferischem Patriotismus das Wort, spricht
er in »Up Here In Heaven« als gewissenhafter Kriegsgegner.
Ebenso abwechslungsreich wie seine Emotionen und Überzeugungen
sind aber - abgesehen vom durchgängig klotzig-brachialen Schlagzeug
- auch die Arrangements seiner allesamt hörenswerten Songs. Also:
Alles klar auf dem "Weg nach oben" für den sym pathischen Ehebrecher!
(pw)
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CHRISTIAN
BOLLMANN
Drehmomente
zweitausendeins/Network
CHRISTIAN BOLLMANN ist neben Michael Vetter der wohl renommierteste
deutsche Obertonmusiker. Seit 20 Jahren beschäftigt er sich mit
der faszinierenden Welt der Ober töne. Bekannt geworden ist Bollmann
vor allen Dingen mit dem Obertonchorprojekt Düs seldorf, mit
dem er zwei CDs veröffentlichte. Obertonmusik ist etwas, das
die wenigsten kennen dürften. Diese Musik konzentriert sich darauf,
mit Hilfe der in jedem Ton enthaltenen Obertöne Melodien zu erzeugen
- ein Obertonsänger ist in der Lage, mit mehren Stimmen gleichzeitig
zu singen. Man kann das schlecht beschreiben, man muß diese
Musik einfach gehört haben, um den Zauber zu begreifen. Obertongesang
erinnert an gregorianische Choräle, ist aber wesentlich facettenreicher.
Mit »Drehmomente« liegt nun die erste Soloproduktion von
Bollman vor. Nur mit Hilfe seiner Stimme und einigen archaischen Instrumenten
gelingt es ihm, einen unvergleichlich dichten Klangteppich zu flechten.Es
ist einfach faszinierend, was man mit der menschlichen Stimme machen
kann. Zeitweise hat man den Eindruck, ein ganzes Orchester würde
spiel en. Aber Drehmomente faszieniert nicht nur durch das riesige
und ungewöhnliche Klangspektrum, sondern vor allem durch Bollmanns
wunderschöne Kompositionen. Reinhören lohnt sich wirklich
für jeden. Fedor: bitte in 3-93 abdrucken (ce)
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CHRISTIAN
BOLLMANN
Echoes Of Ladakh
audio/Bauer Musikverlag
Mit seiner letzten Platte »Evolution« hatte CHRISTIAN BOLLMANN
den endgültigen Beweis angetreten, das "Medidationsmusik" ( so
könnte man Bollmanns Musik bezeich nen) nicht leeres Geleier
für Fluchtbedürftige sein muß, sondern eine musikalisch
und vor allem emotional gehaltvolle Alternative zum allgemeinen Musiktreiben
sein kann. "Musik zur Ruhe" eben in der Lage einen eigenen Raum, eine
eigene Stimmung zu erzeugen, der Gelegenheit bietet, zur Ruhe zu kommen,
ohne eingelullt zu werden (von den "psychonautischen" Aspekten ganz
zu schweigen). Groß also die Erwartung an »Echoes of Ladakh«
und leider bin ich ein wenig enttäuscht, denn diese CD erreicht
icht die immense Dichte, die »Evolution« hatte oder auch
seine Produktionen mit dem Oberton-Chor Düsseldorf hatten. Der
Opener »Prayer« vermag zwar mühelos alles, was heutzutage
unter dem Namen "Ambient" läuft in den Schatten zu stellen, der
Rest allerdings nicht. Etwas substanzlos fließt die Musik dahin,
freilich nicht ohne schöne Momente, oder ohne dann und wann den
Blick freizugeben in eine Tiefe, die zum Fallenlassen einlädt.
»Echoes« wirkt nicht so hochaufgeladen mit Ruhe, als das
diese überspringt, aufgeladen ist sie sicherlich mit Erinnerungen
BOLLMANNS, stellt »Echoes« doch eine Remenizens an seine
Hochzeitsreise in den Tibet dar (dort entstanden auch die Aufnahmen),
dem Hörer jedoch bleibt diese Ebene (naturgemäß) weitgehend
verschlossen. Wer BOLLMANN kennt, sollte ein Ohr riskieren, doch empfehle
ich eher den Griff zu »Evolution« oder »Rise My Soul«,
obendrein erscheint bald BOLLMANNS nächste CD »Aruna«
und was da kommt, klingt wirklich vielversprechend. (ce)
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CHRISTIAN
BOLLMANN & MICHAEL REIMANN
Evolution
Zweitausendeins/Network
Die beiden Koryphäen der Obertonmusik haben mit »Evolution«
ihre erste gemeinsame Aufnahme vorgelegt. Um einen möglichst
komplexen Klang zu erzielen, fanden die Aufnahmen, für Bollmann
altbekannt, im Turm der Benediktiner Abtei Meschede, der einen natürlichen
Nachhall von 12 Sekunden aufweist, ihren idealen Standort. Enstanden
bei dieser denkbar interessanten Produktion ist ein scharfer Kontrast
zur disharmonischen Kultur der Musik unserer Gegenwart. Bollmann und
Reimann verstehen es wie von selbst, das klangliche Potential des
Turmes auszuloten, der Hall wird zum unsichtbaren Dritten. Zu hypnotischem
Gesang finden exotische Harmonien ststt, ein Digeridoo wetteifert
mit der Faszination sprudelnder Quellen. Esoterik projeziert sich
in den Perlen des klaren Wasser, »Evolution« von Entspannung
und Meditation. Die Suche nach innerer Ruhe wird zu einer Reise durch
tiefe Täler unkontrollierter Konzentration. Verselbstständigung
des gemachen Geistes, unvorstellbare Macht einer befriedigten, durch
und durch satten, perfekten Komposition von Schwindel. Die Kraft der
Ruhe fordert ein andächtiges Schweigen. Ein Fest der Sinne zum
Training der Wahrnehmung. Das Persönliche der Kunst für
entspannten Seelenfrieden und ge schluckte Obertöne für
abgespacte Psychonauten.(tb)
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COWBOY JUNKIES
200 More Miles
BMG
Kalte Monate, ruhige Musik. Zum zehnjährigen Bestehen der Junkies
fanden die Ameri kaner um Sängerin Margo Timmins, es sei Zeit,
ein Livealbum zu veröffentlichen. Die Zweitzeile des Albumtitels
verrät, was Programm ist: »Live Performances 1985 - 1994«.
Aufnahmen von den ersten Clubgigs bis zu den großen Hallen (die
Cowboy Junkies sind in den USA um Längen berühmter als bei
uns) beschert die Doppel-CD. Wer auf feinen, ruhigen Rock und dezenten
Blues, auf Cranberries oder Sinead O' Conner steht, dürfte getrost
die Cowboy Junkies für sich entdecken. Steht Margo Timmins stimmlich,
Dolores oder Sinead in Sachen Feingefühl und Zerbrechlichkeit
in nichts nach. Beide CD's jedoch am Stück durchzuhören
wirkt auf die Dauer etwas langatmig, trotz Covers von Lou Reed, Hank
Williams oder John Lee Hooker. (hs)
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CREME 21
Creme 21
Sony
Das Quartett aus Oberursel gießt subtile Bosheiten und skurrile
Beobachtungen in raffiniert gefertigte Ohrwürmer. Dabei wird
schamlos geklaut, wenn das hilft, die jmeist ironisch überspitzte
"message" herüberzubringen. Egal, ob bei John Lennon oder den
Prinzen, bei der Neuen Deutschen Welle oder den inzwischen schon legendären
Nirvana! Teen Spirit à la CREME 21 ist die fettig-heiße
Anti-Vegetarier-Hymne »Tiere«; Kostprobe: "Sojaburger machen
nicht satt. Ich eß nur, was ein Gesicht hat." Der schräge
Humor ist fast schon britisch und erinnert manchmal an die legendären
10 cc. Egal, ob sie sich der "Liebe in den 90ern" zuwenden, ob der
Sänger ein schmachtendes Liebeslied auf sich selber singt oder
ob es um die »Traumfrau« geht: diese Creme hat ihre ganz
eigene Würze. Kostprobe: 17.10. Spot! (lj)
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CROSBY,
STILLS AND NASH
After The Storm
Atlantic
Da sind sie wieder, pünktlich zum 25jährigen Jubiläum
von Woodstock, und trotz des süßlichen Mehrstimm-Gesangs
so rockig wie noch nie. Nicht nur die 4 Stills- Kompositionen erfrischen
mit erdiger Rhythmik, auch Crosby bringt 2 markige Rocksongs à
la »Long Time Gone« bei. Nash sorgt für die harmonisierenden
Balladen, die aber meist durch Stills wühlende E-Gitarre klug
am Kitsch vorbeiklingen. Insgesamt ist ein reifes und sehr abwechslungsreiches
Album entstanden, das nicht mehr nach den frischen 68ern klingt, nicht
mehr klingen will. Es ist in jeder Beziehung ein Album "nach dem Sturm".
Da sind selbst 180 -ige Kehrtwendungen möglich: Nicht mehr Freie
Liebe (»Love The One You're With«) ist das Motto von Stills,
sondern Treueschwüre wie »Only Waiting For You«. Wie
sich die Zeiten doch ändern, wenn man älter wird... Trotzdem:
Beachtlich, was die Väter des kalifornischen Rock noch alles
zu bieten haben! (pw)
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CROWDED HOUSE
I Take The Weather With Me
Flashback
Daß Crowded House aus Australien nicht umsonst zu den besten
Bands auf diesem Erdball zählen, belegt diese Liveaufzeichnung
des FLASHBACK-Labels. Auf über 67 Minuten wird hier ein toller
Auftritt im Tinley Park in Chicago dokumentiert, der im September
'91 dort stattfand. Erste Sahne! (om)
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CYPRESS HILL
III - Temples Of Boom
Ruffhouse/Columbia
Der Joint als Allheilmittel für eine kranke Gesellschaft? Auch
beim neuen Album der beiden Hispano-Amerikaner von CYPRESS HILL dreht
sich wieder alles um die Kraft des Grases. Von vielen schon als das
beste Hip-Hop Album des Jahres '95 gelobt, kommt »III - Temples
Of Boom« aber nicht an die Originalität der Debüt-Scheibe
»Cypress Hill« ran. Doch die quälend nasale Stimme
von Freese - unverwechselbares Markenzeichen der Kiff-Hopper aus L.A.
- verfehlt auch diesmal ihre Wirkung nicht. Sie nörgelt sich
ins Ohr und geht nicht mehr raus. Vor allem, wenn man der Forderung
des letzten Stückes nachkommt. »Everybody Must Get Stoned«
könnte auch als Motto über dem Gesamt werk stehen. Musikalisch
fällt besonders der sphärische Klang einer Sitar auf, jenem
indischen Saiteninstrument, das jede Bluba-Romantik perfekt macht.
Als kleine Dreingabe gibt es außerdem noch auf einer Extra-Scheibe
einen »Buddha-Mix« der besten Stücke der letzten LP.
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