Letzte Aktualisierung: 14 November, 2003


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Die Plattenkritiken von A - Z sind noch im Aufbau. Bis jetzt sind nur die Buchstaben A bis F verfügbar. Zur Auswahl einfach auf den gesuchten Buchstaben oben klicken.

THE BLACK CROWES
Live
V2 Records

Kurz und knapp wurde es vor einigen Monaten über die Homepage der Band verkündet: Die Black Crowes werden eine lange Auszeit nehmen. Zwischen den Zeilen gelesen, sah es bei massiven Problemen schon nach Split der Band aus, schließlich gab es öfters Zwist zwischen den beiden Brüdern Rich und Chris Robinson. Sänger Chris wird noch dieses Jahr sein Solo Debüt »New Earth Mud« veröffentlichen und auf Tour gehen - angeblich auch nach Europa. Bruder Rich möchte mit eigener Band weiterarbeiten - im Stile der Crowes. Die gerade für ihre Liveshows legendären schwarzen Krähen, liegen somit erst mal für lange Zeit auf Eis. Für Fans kommt da ein Livealbum gerade recht. Als Doppel-CD mit 19 Songs, quer durch alle Studioalben, mit mächtig Spielfreude machen sie ihrem Namen als rock'n'rollste Band des Rock'n'Roll alle Ehre. (hs)


  BLACKMORE'S NIGHT
Past Times With Good Company
(SPV)

Richie Blackmore und Lebensgefährtin Candice Night widmen sich bereits seit drei Alben einer Mischung aus Mittelalterrock, Pop und Folk. Die vorliegende Doppel Live CD zeigt, dass dies auch auf der Bühne gut kommt. Besonders erfreulich, dass Blackmore eines der besten Deep-Purple-Stücke ausgegraben hat: »Soldier Of Fortune«. Fein. (hs)


  BADESALZ
Alles Gute Von Badesalz
Sony Music

Wer kennt sie nicht, die beiden hässischn Laberköpp von Flatsch und den Rodgau Monotones (Gerd Knebel und Henni Nachtsheim)? Auf ihrem neuen Album ist wirklich alles Gute drauf: 36 mal mundartlicher Schwachsinn, immer am Abgrund der Dummheit. Zusätzlich zu den Sahnestückchen von BADESALZ gibt's fünf neue Stücke, die der Öffentlichkeit bisher noch nicht zugemutet wurden. Das zischt wie Abbelsaft! (sh)


  BAP
Pik Sibbe
Electrola

Nach drei Jahren veröffentlichte Deutschlands Kölschband Nr.1 ihr elftes Album. Textlich äußert sich W.Niedecken diesmal ziemlich pessimistisch und richtet sich mit "Widderlich" scharf und eindeutig gegen unfähige Politiker. Musikalisch bleiben BAP ihrer Linie treu: Rock und R&B prägen wieder ihr Album, das mit den Songs "Wofür" und "Queen vun dä Ihrestrooss" aber auch Folk- bzw. Jazz-angehauchte Stücke enthält. "Pik Sibbe" eignet sich gut zum Entspannen und Frustablassen... (ome)

BAP
Wahnsinn - Die Hits von 79-95
EMI

Es ist mir wohl nicht vergönnt, mich mit dieser »Best of BAP« anzufreunden, denn es ist eben nicht nur einfach Rockmusik. Alle Platten von BAP transportieren eine Stimmung, auch wenn es mit den letzten Veröffentlichungen in dieser Hinsicht nicht allzuweit her war. Die mir vorliegende Zusammenstellung ist mir eine Nummer zu kühl, zu lückenhaft, zu chaotisch. Auch, wenn diese CD über 70 Minuten Spielzeit bietet, wird sie dem Gesamtwerk von BAP nicht gerecht, macht zu große Sprünge, läßt zu viele alte Highlights vermissen. 16 Jahre BAP-History sollte schon eine Doppel-CD wert sein. Na, es ist halt bald Weihnachten und da will man eben noch das eine oder andere Milliönchen auf den Gabentisch bekommen. (om)

  BAREFOOT SERVANTS
Barefoot Servants
Sony

Mein Wunsch war es schon immer, in einen Musikclub zu kommen und dann eine Liveband zu hören, die so klingt wie die Musik der CD, die sich gerade im Laufwerk dreht. Laute Slidegitarren und eine Power-(Whiskey)-Röhre, die zum abtanzen einlädt. Was die Amerikaner BAREFOOT SERVANTS auf ihrer gleichnahmigen CD servieren ist einfach guter Blues Rock. Gleich der Opener »Jealous Man« würde jeder Open Air Party am Lagerfeuer einen Hauch aus den Südstaaten beigeben. Tonnenschwerer Blues Rock und dann wieder diese einfühlsamen Balladen! Für mich das absolute Highlight der CD ist das in einem Take aufgenommene »Blackbird«, eine Ballade, die verträumt, aber auch richtig aufbrausend in die Gehörgfänge geht! Ohne große Durchhänger kann man diese CD jedem Musikfan aus dem Bereich Blues bis melodiöser Hardrock ans Herz legen. Ideal für Feten!!! (hs)

  BE-ZET
Blue lllusion
Eye-Q-Records

Steve Be-Zet, als Producer und Remixer aus Frankfurter Gefilden wohlbekannt, hat hier "old school france" allererster Güteklasse produziert. Klangvolle, voluminöse Flächen, die Dich wegschieben bzw. wegblasen, schließt Du zu lange die Augen beim Hören.

BEASTIE BOYS
Ill communication
Capitol

Mit Hits wie »Fight For Your Right« und no »No Sleep Till Brooklyn«, die auf dem Erfolgsalbum »Licensed To Ill« 1986 erschienen, sind die BEASTIE BOYS wahrscheinlich jedem hinreichend als weiße Rap-Band bekannt. Obwohl die Band seit ihrem Erstling mittlerweile zwei weitere Alben herausbrachte, konnte sie bislang keine ähnlichen Erfolge erziellen. Ihr neues Werk knüpft nahtlos an den Vorgänger »Check Your Head« an und läßt eine positive Entwicklung erkennen. Die New Yorker haben einen harten, zum Teil aggressiven Sound auf ihr Album gebracht, und arbeiten mit einer Vielzahl von Instrumenten. Beim Anhören dieser sehr lebendigen Musik spürt man regelrecht, welchen Spaß die BEASTIE BOYS bei der Produktion von »Ill Communication« hatten. (ar)

  BELPHEGOR
The Last Supper
INCANATION

Mortal Throne Of Nazarene
Nuclear Blast
Kaum, daß das Hardcoreding in der Metalszene unübersehbare Spuren hinterläßt, bildet sich schon eine Gegenbewegung: extremer satanistischer "No Fun" Death Metal. Zwei Exemplare dieser besonderen Form der Ambient Music sind BELPHEGOR und INCA NATION. BELPHEGOR kommen aus Österreich. Ihr »Last Supper« fand seinen Weg aufs Band im Bühner Stage One Studio. Tiefschwarze Brühe, mal schnell, mal langsam gerührt, gelegentlich stockt die Soße mächtig, um dann so richtig ins Rotieren zu geraten, was der Sänger (sonst eher in gutturalen Grunzegefilden aktiv) meist mit frostigen Schreien quittiert. Hat was und ist sowohl für Gelegenheitssatanisten als auch für Fanatiker ein heißer Tip. INCANATION kommen aus New Jersey, sie nahmen »Mortal Throne Of Nazarene« in den Exello Studios in New York auf und wurden dabei von Garris Shipon verarztet, der auch schon BRUTAL TRUTH und COC versorgte. Hier dominieren sengende und zermalmende Gitarren, die sich auch immer wieder zu eigenartigen Melodien versteigen, der Sänger bleibt seiner Dickdarmtonlage treu, und überhaupt geht alles sehr schnell. Mächtiges Geratter, hart dran am Chaos und wun derbar blasphemisch. (ce)

BECK
One Foot In The Grave
semaphor/Klp

Mit »I'm A Loser Baby, So Why Don't You Kill Me« enterte er unerwartet die Charts der Welt. Dem Debütalbum »Mellow Gold« folgt nun eine Scheibe, die allen eventuellen Vor würfen der Kommerzialisierung entgegensteht. Da wird mit verstimmter Gitarre der Blues gezupft oder mit minimalistischen Mitteln ein phantastisches »Sleeping Bag« gesungen. Nichts scheint Beck Hansen heilig, und so hagelt es nur so musikalische Zitate. Dieser kreative Hang zum Dilettantismus ist eine längst überfällige Erfrischung für die vor sich hin lullende Rockwelt. (om)

  BIOHAZARD
Urban Discipline
Roadrunner

Schon mit ihrem Debut war klar, daß Biohazard die kommende Metalcore Band ist. Mit Urban Discipline stellen sie dies noch einmal eindrucksvoll unter Beweis. Die Songs von Biohazard führen einem plastisch vor Augen was die vier Musiker bewegt, eindrucksvolle Songs uber den Verlust von Freunden, über Rassismus, über den Ärger mit Plattenfirmen, und natürlich über Brooklyn. Das ganze ist musikalisch wahnsinnig mitreisend verpackt, so geniale Grooves und Mitgrohl-Refrains gibts sonst nirgendwo. Geniales Teil!!!

  BITTY MCLEAN
Just To Let You Know
Intercord

"... denn das ist alles nur geklaut". Frei nach den Prinzen die kurze Inhaltsangabe eines ansonsten ordentlich produzierten Albums mit viel Gefühl in der Stimme.



BJÖRK
Post
Polydor

Björk ist die Ausnahmemusikerin der 90er, postmodern bis zum Abwinken, ihrer Zeit um Meilen voraus. Mit ihrer Mischung aus Techno, Dancefloor-Jazz und fabrikgrauer Synthie-Avantgarde hat sie den Nerv heutigen Zeitgeistes derart getroffen, daß selbst Pop-Größe MADONNA verzweifelt ihre innovativen Sounds zu kopieren sucht. Dabei erfindet sich die kluge Isländerin ständig neu, die Presse hetzt ihrem blumenreichen, stupsnasigen, haarknotigen Erscheinungsbild rat- und erfolglos hinterher mit Bezeichnungen wie "Troll", "Kindfrau", "Pumuckl des Pop", ohne jedoch jemals ihr clever ersonnenes Image einzufangen. Ihre zweite Platte unterscheidet sich von dem 1993 erschienenen »Debut« durch vielseitigere Sounds und Songs, lebt aber wieder vom produktiven Kontrast zwischen sterilen Synthie-Rhythmen und einer Stimme, die von Flüstern bis hin zu wildestem Kreischen jede Nuance menschlicher Gefühle glaubwürdig zum Ausdruck bringt. Björk: ein hilfloser Schrei nach menschlicher Wärme in einer anonymen technisierten Welt. Ihre neue CD ist schon jetzt ein Klassiker! (pw)

  BLINK
Original Soundtrack
Milan/BMG

Der Soundtrack ist mir eine ganze Ecke zu lasch, so daß die einzigen Lichtblicke die Songs der Indi-Band »The Drovers« sind. Leider sind aber nur drei Stücke dieser Folk- Rock-Formation auf der Platte zu finden, so daß ich eher den Longplayer dieser Band empfehlen würde. Mag sein, daß die Musik, nachdem man den Film gesehen hat, besser kommt, aber bis dahin.. (om)

  BOB DYLAN
The Born Again Music
Flashback

Was wäre die Rockszene ohne den näselnden Großmeister Bob Dylan. FLASHBACK veröffentlichte mit dieser Doppel-CD einen Mitschnitt aus dem Jahr 1980, auf dem die starke Verbundenheit Dylans zum christlichen Glauben belegt wird. So hält sich Dylan während dieser über 130 minütigen Konzertaufzeichnung auffallend stark zurück, was schon zu Beginn eher den Eindruck eines gelungenen Gospelkonzerts mit Dylan als Gaststar aufkommen läßt. Qualitativ auf jeden Fall empfehlenswertes Material. (om)


  BOBBY McFERRIN
Paper Music
Sony

Aufgepaßt! Hier können sich Jazz-Fans leicht verkaufen. Zwar ist der vielseitige Sänger stets für ein Experiment gut, das hat er originell auf der 1992er CD »Hush« zusammen mit dem klassischen Cellisten Yo-Yo Ma nachgewiesen. Mit seiner neuen CD ist er nun aber endgültig ins E-Musik-Fach hinübergewechselt. Seine Stimme tritt auffällig zurück; dafür betätigt er sich erstmals als Dirigent. Und so findet sich plötzlich auf der vermeintli chen Jazz-CD Mozarts »Eine kleine Nachtmusik«; oder ein Menuett von Boccherini mit Gesangseinlage frei nach McFerrin. Und die klingt dann - gerade im letztgenannten Stück - noch so, als ob unsereiner die »Königin der Nacht« in der Badewanne intoniert. Zugegeben: Nach mehrmaligem Abspielen gewinnt der aufmerksame Hörer vielleicht auch diesem merkwürdigen Grenzgang zwischen U- und E-Musik noch etwas ab, mein Wunsch für '96 aber lautet: Bobby, komm zurück zum Jazz! (pw)

  BOLTTHROWER
...For Victory
Earache

Sie verstehen es immer noch am besten, Pathos und donnernde Dynamik zu akustischen Szenarien epischer Schlachten zu kombinieren. Hammerscheibe! *****

  BRICOLEURS
Welcome To The World Of ...
Butlers Records

Ursprünglich sollte diese CD so gar nicht erscheinen, geplant war nur, zwei Exemplare zu pressen, um einfach die Stücke zusammenzutragen, welche das Frankfurter Duo Erbel und Schmidt Eggert in den letzten Jahren produziert hatten. Auf massiven Widerstand der Fans erschien nun doch eine komplette Auflage. Musikalisch bewegen sich Bricoleurs im Indiependent-Pop-Rock-Bereich, von schräg bis liebevoll. Überwiegend ruhigere Stücke bestimmen die CD, mit Verzicht auf sämtliche Drums oder Percussion gelingt es Ihnen, in jeden Song Atmosphäre zu stecken. Besonders gelungen ist Ihnen das bei dem Stück »Drowning«, (Pink Floyd meets The Cure). Eine wahrhafte Indiepop-Perle! (hs)

  BRIGHTSIDE
Face The Truth
Lost & Found

Eigentlich tue ich mich ja schwer bei der Besprechung von Hardcoreplatten. Es liegt mir einfach nicht, was nicht heißt, daß ich Hardcore nicht mag. Ich finde ihn sogar saumäßig geil. Er bezieht politisch Position, hat Neues ins Brachialmusikgenre gebracht und ist vor allen Dingen hervorragende Unterhaltung. Bei Hardcoreplatten muß man sehr genau aufpassen, was man sagt und dementsprechend besteht die typische Hardcoreplattenrezension (einer guten Platte) aus folgenden Floskeln: Beim ersten Anhören wollte die Scheibe noch nicht so richtig zünden, aber es hat dann nicht lange gedauert, bis das Teil mein Auto-Tape blockiert hat. Saugeilen HC liefert die Band, mit Brett und Melodie, vor allem getragen durch lebendiges Riffing und effektives, groo vendes Drumming. Die Chemie der Band stimmt. Fette, zehrende Riffs, Melodien und Abgehparts stehen in geilem Verhältnis, ein paar Übergänge kommen noch nicht ganz so locker daher. Nach dem mittelmäßigen Opener (geiler Text aber) gibt's Brett, das in die Beine geht und Songs, die im Ohr bleiben etc. etc.. Das alles trifft auch auf BRIGHTSIDE zu. Die Band kommt aus der Warburger Umgebung und legt mit »Face The Truth« ihr Debüt vor. Und es hat alles, was eine gute HC-Scheibe ausmacht. Wenn BRIGHTSIDE das live bringen würde, was sie auf der Platte abfackeln, dürfte es kein Halten mehr geben. Unter Beweis stellen werden sie das hoffentlich auf ihrer anstehenden Eurotournee (so schnell geht das) mit den Detroiter HC Recken PITBULL, die auch schon den RYKERS aus Kassel als Karrieresprungbrett gedient haben. Wenn das so weitergeht (ich seh' COUNTERPOINT am Horizont, BARTS REVENGE sind auch da), haben wir bald einige Prachtstücke der HC-Szene vor der Haustür! Support Your Local Scene!! (ce)

  BRIGHTSIDE
Punchline
Lost&Found

"Oops, Schnellschuß", hätte ich beinahe gesagt. Knapp anderthalb Jahre ist es her, daß BRIGHTSIDE ihre Debüt-Mini-CD »Face The Truth« veröffentlichten und gleich an schließend mit Detroits Hardcore-Helden Pitbull auf Tour gingen. Binnen zwei Monaten hatten sich BRIGHTSIDE als zweiter großer Hoffnungsträger der Kassler Hardcoreszene etabliert, die gerade mit den Ryker's eine überragende Band ausgespuckt hatte. »Face The Truth« war eine kleine feine HC-Scheibe, gerade die richtige Mischung aus Brett, Groove und diesen netten Melodien, die das Ganze so eingängig machten. Genau das aber bringt »Punchline« nicht. Klar, hier geht's zur Sache. Old School HC mit 90ies Frischzellenkur. Viel Message, viel Groove, geht ins Blut und an den entsprechenden Stellen wird Mitgrölen leicht gemacht. But, where's the melody? Wo ist diese augenzwinkernde Mitsummgeschichte von »Face The Truth«? Immerhin 'ne gute Scheibe, aber vielleicht sind BRIGHTSIDE den Ryker's doch ähnlicher als man denkt. Deren erste komplette LP war auch nicht so genial wie sämtliche Singles und Mini-CDs vorher und nachher. (ce)

  BRUCE COCKBURN
Dart to the Heart
Sony Music

Auf innovativen Bahnen bewegt er sich nicht gerade, der sanfte kanadische Riese mit der poetischen Ader. Auf seiner neuen Platte finden sich 12 markante Songs im Spannungsfeld von Folk, Chanson und Rock'n' Roll. Dennoch ist es erstaunlich, wie abwechslungsreich diese Mischung präsentiert werden kann. Grooved noch der Starter ganz im Stil der besseren DIRE STRAITS, zeigt sich Cockburn schon ab dem zweiten Lied von der zahmen Seite: Der Liebesballade "All The Ways I Want You" und dem noch gefühlvolleren "Bone In My Ear" gebührt sicher ein Ehrenplatz in der Kuschelecke. Dagegen erinnert "Southland Of The Heart" sowohl stimmlich als auch vom Blä serarrangement her an Van Morrisons beste Zeiten. Mit zwei beachtenswerten Instrumentals bewährt sich Cockburn darüber hinaus als Meister des Fingerpickings vom Rang eines Stefan Grossman oder Leo Kottke. Die Gitarrenarrangements der übrigen Lieder sind bis ins Detail ausgefeilt. Auch die Texte sind poetische Sonderklasse. Die häufig aus der Natur entlehnten Metaphern zeigen Cockburns Sensibilität für deren Schönheit und Bedrohtheit zugleich, eine Sensibilität, die ihre konsequente Verlänge rung in seiner Mitarbeit bei den "Friends Of The Earth" findet, einer Organisation, die sich für den Erhalt der Ozonschicht einsetzt. Bei allem Lobenswerten wird man allerdings das dumme Gefühl nicht los, daß dieses Album mindestens 15 bis 20 Jahre zu spät kommt. Trotzdem: Eine gute Platte kommt zu jeder Zeit recht. (pw)

  BRUCE SPRINGSTEEN
The Ghost Of Tom Joad
Sony

Heimlich still und leise (wie auch das Album), bringt unser aller Bruce, ohne riesigen Werbefeldzug, sein neuestes Album auf den Markt. Springsteen schlägt wieder einmal einen Brückenschlag - nicht die rockigen E-Gitarren haben Oberhand, sie finden sich überhaupt nicht wieder. Begleitet mit Akustikgitarre zeigt uns der American Hero sein persönlichstes Werk. Still, leise, nachdenklich, sehr einfühlsam. Beim Titelstück lies sich Bruce von John Steinbecks Novelle "Früchte des Zorns" beeinflußen. Durchgängig kann man dieser Platte zuhören, entspannen und dahin träumen! (hs)

  BRUTAL TRUTH
Perpetual Conversion
RTD

Mit ihrer Debüt Lp "Extreme Conditions Demand Extreme Responses" handelten sich Brutal Truth völlig zurecht den Ruf ein, eine der extremsten Noisecore Bands zu sein. Die vorliegende EP darf als Nachschlag betrachtet werden, und enthält einige Schmankerln. Zunächst das Titelstück "Perpetual Conversion", ein wohlfeiles Stück NY Deathcore. Selbiges liegt auch in einer Techno Rave Version vor (ich weiß, macht jetzt jeder, vor allem Dingen auf Earache), doch diese Version ist die einzige die mir wirklich gefällt, eine genial brutale Techno Death Fusion. Das dann folgende "Walking Corpse" kennt man schon vom Debütalbum, mit abstand der schnellste Song den es gibt. Ober schmankerl ist allerdings die Coverversion des Black Sabbath Songs " Lord of this world". Das Teil erhält wirklich eine ganz eigene Note, die Riffs dröhnen in den untersten Frequenzbereichen, ziehen einen regelrecht unter die Erde, nen üblen Blastbeat in der Mitte und Mr Lommi verliert den Glauben an die Menschheit, böse, böse. Den Abschluß bildet "Bedshet" (mixed by the Cannabis activated hands of Danny Lilker), eine abgefahrene Mischung aus immer wiederkehrenden Housegrooves und komischen Expiditionen in psychedelische Gebiete (klingt wie ein Trip durch die Klospülung einer Hip Hop Disco). Fünf Facetten einer Band die vorschnell Platz in einer Schublade gefunden hat, bedenkenlos zugreifen. 7-93


  BUFFALO TOM
Big Red Letter Day
SPV/Beggars Banquet

Elf große rote Briefe schicken uns Buffalo Tom auf ihrem neuen Album. Manchen Liedern hört man an, daß sie mit Blut geschrieben sind. Blut, Tränen und Kirschlikör mischen sie zu bitter-süßen Klängen. Instrumentiert mit Gitarre, Baß, Schlagzeug, Chor und Orgel rühren Buffalo Tom an deinen verschütteten Gefühlen herum und ermöglichen einen tiefen Blick in die Seele. Du mußt nur zuhören. Vorbei am Mainstream von SOUL ASYLUM, die Exzentrik von Dinosaur Jr. belächelnd spielen sie eine ruhigere Struktur, der Horizont aber ist weiter. So weit wie das Nirgendwo, wohin die Kleine mit dem großen Kopf auf der Hülle blickt. Empfindsam, lieb, dann wieder explosiv. Bill Janovitz kann außerdem im Gegensatz zu den vielen Bands mit Gröhl- und Gurgelgeräuschen richtig singen. Was für's Herz! Hübsche Hülle auch. Auch vier Monate nach der Veröffentlichung. (tb)

  BUFFALO TOM
Let Me Come Over
spv

Nach MTV-Euphorie und supersofter "Akustik - Sitzung" bei John Peel erscheint das dritte Album des Trios BUFFALO TOM mit dreizehn Stücken und 50 Minuten Spielzeit. Das erste Album wurde noch von Ober-Dinosaurier J. Maslis produziert und auf diesem Vinyl klangen sie wie Epigonen erster Wahl. Im zweiten Lied auf der ersten Seite der dritten LP fühlte sich der Sänger wie ein Dinosaurier, singt er - wie weit sich das sen sorisch und psychisch bewerkstelligen läßt, steht im Zweifel, zumal es auch Verwechslungen mit dem Sitz des Gehirns geben könnte... Die Gruppe hat durch den Indiefleischwolf ihr amerikanisches Gitarrenfleisch verloren, schafft jetzt durch expressive Melancholie höchstens noch Blumenkohl al dente. Einige fiepelige Overdubs tönen ganz nett, trotzdem fällt die Mischung mager aus. Zwei Känguruhs. Matti "steady nöhling" Bachmann.




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