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Kalte Winter – warme Herzen - Der Verein Soziale Hilfe wirbt um Spenden und Helfer: Ein schützendes Dach wider Frost und Tod

am 27 November 2014 von Maria Blömeke

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Kalte Winter – warme Herzen - Der Verein Soziale Hilfe wirbt um Spenden und Helfer: Ein schützendes Dach wider Frost und TodSeit 25 Jahren ist kein Mensch mehr in Kassel erfroren, weil er im Winter kein Dach über dem Kopf hatte. Das ist nicht selbstverständlich, sondern ein  großer Erfolg. Der erfordert unseren Einsatz – und er kostet Geld“, sagt Stefan Jünemann, Leiter der Tagesaufenthaltsstätte Panama in Kassels Innenstadt an der Kölnischen Straße.

Das Panama wird vom Verein „Soziale Hilfe“ getragen. Mit der Aktion „Kalte Winter – warme Herzen“ möchte der Verein Geldspenden einwerben, um etwa zehn Notschlafstellen finanzieren zu können, denn schon bei Temperaturen unter plus fünf Grad Celsius droht der Kältetod.

Seit 1991 sind in Deutschland auf Straßen, Parkbänken, unter Brücken und in Gebüschen oder Hauseingängen mindestens 283 Menschen erfroren, so die
Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e. V. in ihrer Pressemitteilung vom 21.11.2014 – der letzte am 13.11.2014).

Michael Kurz, Geschäftsführer des Vereins, bittet nicht nur um Spenden, sondern auch um die Mithilfe von  Geschäftsleuten und Privatpersonen: „Spenden Sie für Menschen, die ohne Obdach sind. Und helfen Sie uns, indem Sie andere um Hilfe bitten.Reichen Sie unsere Flyer an Freunde weiter oder hängen Sie unsere Plakate in  Ihren Geschäftsräumen aus. Stellen Sie sich in die große Tradition des  bürgerschaftlichen Engagements unseres Vereins.
Als Zeichen des Danks beschenkt der Verein ab einer Spende von 100 Euro die Spender mit Tigerenten, dem Symbol des Panama aus der gleichnamigen Bildergeschichte von Janosch, sagt Anja Krätke, Fundraiserin des Vereins Soziale Hilfe. „Es ist rührend und begeisternd zugleich: Überall in der Region, bei Kaffeekränzchen, an Seniorennachmittagen, in Kirchengemeinden aber auch hier bei uns im Panama stricken und häkeln vor allem Frauen Schals und Mützen für die Tigerenten als liebenswertes Symbol der fürsorgenden Wärme und als Ausdruck der Bitte: Lasst mich nicht erfrieren!
In Kassel kümmert sich der Verein Soziale Hilfe um die Obdachlosen – um sie vor diesem Schicksal zu bewahren. Die Geschichte des Vereins reicht bis ins Jahr 1885 zurück und wurzelt im verantwortungsbewussten Einsatz engagierter Bürger für Haftentlassene. Heute wie damals kümmert sich der Verein um haftentlassene Menschen, aber unterdessen auch um jene, die aus ganz unterschiedlichen Gründen gestrauchelt sind. Dabei kooperiert der Verein eng mit dem Sozialamt der Stadt Kassel und dem Landeswohlfahrtsverband Hessen.
Seinen Etat von etwa 1,1 Millionen Euro im Jahr bestreitet er überwiegend aus öffentlichen Mitteln. Aber der Verein Soziale Hilfe ist ungeachtet dessen auf das ehrenamtliche Engagement der Bürger angewiesen, die entweder im Panama mit ihrem persönlichen Einsatz oder mit Spenden helfen. Etwa 100.000 Euro muss der Verein jedes Jahr an Spenden gewinnen, um seine bewährte Arbeit fortzusetzen und auszubauen. Etwa 20.000 Euro an Spenden benötigt er für Notschlafstellen, um den Betrag von 60.000 Euro, den die Stadt finanziert, aufzustocken. „Wir wollen uns ausdrücklich nicht beklagen über zu geringe öffentliche Förderung oder unsere Geldgeber unter Druck setzen“, sagt Michael Kurz, „aber ohne bürgerschaftliches  Engagement funktioniert kein Gemeinwesen. Der Staat und die Kommunen können und sollen doch auch nicht alles machen. Das wäre einer freien Gesellschaft  unwürdig.
Kalte Winter – warme Herzen - Der Verein Soziale Hilfe wirbt um Spenden und Helfer: Ein schützendes Dach wider Frost und TodIn Kassel leben knapp 100 Menschen auf der Straße, berichtet Stefan Jünemann. Die
Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein. Eine Krankheit, die Trennung vom Partner oder der Verlust der Arbeit können ihr Leben durcheinander gebracht haben. Sie verschließen die Augen vor den Herausforderungen des Alltags, zahlen weder Miete noch Stromrechungen, öffnen Briefe von Behörden und Gläubigern nicht mehr, als könnten sie damit Forderungen und Auflagen umgehen. Alkohol und Drogen kommen hinzu, möglicherweise auch Straftaten. Jünemann beschönigt nichts: „Es sind nicht alle Engel. Und es gibt natürlich auch den Fall, dass am Anfang der Alkohol steht, dann die Frau oder der Mann am Arbeitsplatz versagt und schließlich die Arbeit verliert.“ Häufig ist Jünemann schon froh, wenn ein Lebensweg dank der Sozialen Hilfe nicht mehr steil abfällt, sondern sich der Niedergang abflacht. Ein unglaublicher Erfolg ist es, wenn es einem Menschen gelingt, sein Leben wieder zu stabilisieren oder sogar in einen geregelten Alltag zurückzufinden.
Jünemann ist Realist, will die Probleme nicht kleinreden und das Blaue vom Himmel
versprechen. Darum ist er glaubwürdig, wenn er auf die Erfolge verweist, auf die Wende im Leben Einzelner, die es mit Zuwendung und entschiedener Hilfe anderer schafften, wieder einen sinnvollen Tagesablauf zu finden. Dann arbeiten die ehemals Obdachlosen zum Beispiel in der Küche oder der Kleiderkammer des Panama, oder sie haben ihr privates Glück gefunden. Anja Krätke blättert in der Broschüre Meine Geschichte ist es wert, erzählt zu werden“, in der Obdachlose ihren Weg schildern. „Wir drängen diese Geschichten  niemandem auf“, sagt Geschäftsführer Kurz. „Aber wer sie liest, dem gehen die Augen auf. Er nimmt die Menschen – auch die Obdachlosen – anders wahr. Wer an der Broschüre interessiert ist, möge uns bitte ansprechen.“ [ Kontakt: Anja Krätke, Tel. 0561-7073824, E-Mail:
ank@soziale-hilfe-kassel.de . ]

In der warmen Jahreszeit finden die obdachlosen Menschen Unterschlupf unter Brücken, schlafen in Hauseingängen oder suchen Schutz unter Büschen. Doch wenn Temperaturen sinken, brauchen auch sie ein Dach über dem Kopf. Das Panama hält für die Obdachlosen elf Unterkünfte in zwei Wohnungen und neun Wohncontainern  bereit. Bei Bedarf können zudem noch weitere Notschlafstellen aufgebaut werden. Die Unterkunft in Containern hat sich in über 20 Jahren bewährt. Zum einen seien kleine Wohnungen in Kassel schwer zu finden, denn in der Stadt gehe es wirtschaftlich bergauf, sagt Michael Kurz. Zum anderen habe sich das Konzept der dezentralen  Unterbringung der obdachlosen Menschen bewährt. Denn vor allem brauchen diese  Menschen eine Privatsphäre. Die Container stehen verteilt auf über Stadtgebiet zum Beispiel auf dem Gelände von Kirchengemeinden. Sie sind bewusst schlicht  ausgestattet, verfügen über eine Heizung, ein Bett, einen Tisch, zwei Stühle, einen Spind und eine Kommode. Daneben steht eine portable Toilette. „Die Ausstattung ist so bemessen, dass der Obdachlose dort nicht den Tag über alleine lebt, sondern dass er ins Panama kommen muss, um unsere Hilfen anzunehmen. Wir wollen diese Menschen nicht aus dem Blick verlieren“, sagt Stefan Jünemann.

Im Panama wiederum gibt es nicht nur Hilfe beim Stellen von Anträgen, sondern saubere Toiletten, ein modernes, warmes Badezimmer, eine Kleiderkammer, Frühstück und  Mittagessen. „Vor allem wird dort nichts verschenkt, denn auch die obdachlosen Menschen sollen den Wert der materiellen Hilfe schätzen.“ Ein Kaffee kostet 50 Cent, ein warmes, aus frischen Zutaten zubereitetes Mittagessen mit zwei Gängen 1,50 Euro, und eine Hose 1,50 Euro, ein Paar Schuhe zwischen zwei und drei Euro und ein Mantel zwei Euro. „Mit diesen Preisen wird weder das Panama reich, noch der  Obdachlose arm“, sagt Michel Kurz, „sondern wir helfen unseren Klienten damit zu lernen, in ein geregeltes Leben zurückzukehren.“ „Und“, fügt Anja Krätke hinzu, „wir erklären ihnen auch, wer diese Hilfe ermöglicht. Nämlich Sie, unsere Helfer und Spender. Dafür sind die obdachlosen Menschen dankbar. Denn für viele von ihnen ist das Panama wie ein neues Zuhause. Und nach einem solchen Ort  sehnen sich doch alle.

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