| Wildwechsel-Interview mit
Sebastian Nohn von der Kampagne "Rotationsverbot" "Anwalt der entnervten Hörer" |
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Interviews von A-Z:
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Wildwechsel:
Lieber
Sebastian, du hast die Kampagne "Rotationsverbot" mit ins Leben gerufen.
Warum?
Sebastian Nohn: In einer Zeit von One-Hit-Wondern wie Daniel K. ist es nötig, der Gesellschaft wieder Musik mit nachhaltigem Wert bewußt zu machen. Wildwechsel: Hat die Rotation nicht auch Vorteile? Man sucht sich einen Sender aus und weiß, was für eine "Musikfarbe" einen erwartet? Sebastian Nohn: Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Ein Black Music-Sender oder ein Jazzradio können selbstverständlich ihre Musikfarbe behalten, de Facto richtet sich unsere Kritik auch gar nich gegen Spartenradios, denn Aufgrund der in der jeweiligen Sparte besser informierten Zielgruppen können solche Sender es sich gar nicht leisten, immer nur das gleiche Zeug zu spielen, das eh niemand mehr hören möchte. Wir richten uns vor allem gegen die Sender, die ein Programm für 14 bis 29-jährige machen. Hier sollten viele Musikfarben gespielt werden, in der Tat machen aber R'n'B und Billigtrance der Machart Blank & Jones 90% der Sendezeit aus. Zu allem Übel werden dann auch noch immer wieder die selben Titel der selben Interpreten gespielt. Wildwechsel: Wie bist du dazu gekommen, dich in diesem Bereich so zu engagieren? Was sind deine persönlichen Beweggründe? Sebastian Nohn: Ich frage mich, für was ich GEZ-Gebühren zahle, wenn die öffentlich-rechtlichen Radiosender einen ebenso anspruchsloses Programm produzieren wie die privaten Sender. Wildwechsel: Vor Jahren hat der Deutsche Rockmusikerverband eine Quote für Musik aus Deutschland festsetzen wollen. Wie stehst du zu solchen Ideen? Sebastian Nohn: Das Beispiel Frankreich macht vor, dass das wenig sinnvoll ist. Statt Jennifer Lopez wird dann halt eben "Jennifer Lopez feat. Westernhagen" gespielt, wobei letzerer zwischendurch mal 3 Takte singen darf. Wildwechsel: Soll Eure Kampagne auch helfen, bislang wenig bekannten Musikern mehr Gehör zu verschaffen? Sebastian Nohn: Eine verbreiterte Rotationsbasis sorgt automatisch für mehr Songs im Repertoire. Ob damit auch mehr unbekannte Musiker gespielt werden, liegt vor allem in den Händen von Musikredakteuren und Moderatoren mit eigener Persönlichkeit. Fest steht, dass ohne Radiomacher mit Mut große Künster wie David Bowie oder Peter Gabriel wohl nie so große Erfolge verzeichnet hätten und seit mehreren Jahrzehnten verzeichnen. Wir sind uns sicher, das in der Welt noch viele weitere zu Unrecht vernachlässigte Musiktalente existieren. Wildwechsel: Hat Eure Kampagne schon Erfolge zu verzeichnen? Von welcher Seite gibt es Unterstützung, wer stellt sich gegen Eure Forderung? Sebastian Nohn: Neben einem überwäligenden Presseecho und einer guten Beteiligung in unserem Internetforum werden wir auf Kongresse eingeladen und geben durchschnittlich zwei Interviews pro Woche. Positives Feedback erhalten wir aus vielen Teilen der Musikindustrie, von Kultur- und Medienwissenschaftlern und Radiomoderatoren. Selbstverständlich auch von entnervten Hörern. Auch negatives Feedback bleibt natürlich nicht aus, vor allem von Seiten der gebissenen Hunde wie den allseits berüchtigten "Hitradios". Wildwechsel: Wie steht die Plattenindustrie zu Euren Ideen? Gibt es Unterstützung von Radiomoderatoren? Sebastian Nohn: Wer hier wen inspieriert ist nicht ganz geklärt, fest steht, dass Tim Renner, Chef von Universal Deutschland in weiten Teilen in die selbe Kerbe schlägt wie wir. Nun ist Renner bereits seit mehreren Jahren umstritten und gilt unter den Plattenbossen als eher unkonventionell. Im Gegensatz zu großen Leuchten, Entschuldigung: "Lichtern" des Business wie dem BMG-Chef Stein schafft er es jedoch neue Künstler unter Vertrag zu bringen, die nicht nach zwei Jahren bereits wieder in der Versenkung verschwunden sind und gleichzeitig und was noch wichtiger ist, seine Kunden als solche zu behandeln und als Kriminelle.Bislang ist es uns nicht gelungen, einen Kontakt mit Renner herzustellen, vielleicht gelingt es uns ja auf diesem Wege. Viele Radiomoderatoren sind begeistert von unserer Initiative, vor allem diejenigen, die seit Jahren im Geschäft sind und selbst unter dem Verfall des Radios zu leiden haben, da heute nur noch Sprüchklopfer statt Persönlichkeiten gefragt sind. Wildwechsel: Ganz realistisch: Wie siehst du die Chancen, dass Ihr Euch durchsetzen könnt? Sebastian Nohn: Ich sehe zwei Ansatzpunkte, unsere Ziele zu verwirklichen. Sollte die Politik die Diskussion um eine Deutschlandquote weiter intensivieren, werde ich meine guten Kontakte in die Politik nutzen auch unsere Ansätze in die Diskussion mit einzubeziehen. Viel effektiver dürfte es jedoch sein, Hörer und Radiomacher auf unsere Seite zu bringen und wieder für mehr Risiko, aber auch Ruhm einzustehen. Ich denke, es gibt nichts ergreifenderes für einen Radiomacher als wenn er von sich behaupten kann, dass er einen bestimmten Musiker bekannt gemacht hat. Oder dass es Leute gibt, die seine Sendung wegen ihm, seiner Art und seiner Musikauswahl einschalten. ____________
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