Wildwechsel-Interview mit
Schwerkraft





Interviews von A-Z:

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[ Casey's Orbit ] 2003
[ Dieter Gorny ] 2001
[ H-Blockx ] 2004
[ Marc Musicus ] 2004
[ Moonspell ] 2003
[ Milky ] 2002
[ Natalie ] 2002
[ Schwerkraft ] 2004
[ Sebastian Nohn ] 2004
[ Smudo ] 2004
[ Nicole da Silva ] 2004
[ Solanoid ] 2003
[ Martin Sonneborn ] 2004
[ Tote Hosen ] 2003
 
 

Wildwechsel: Schwerkraft - warum dieser Name??? Die Musik wirkt doch eher schwerelos, man verliert beim Zuhören geradezu die Bodenhaftung!
Harald: Es freut mich, wenn Leute beim Musikhören die Bodenhaftung verlieren
können, das geht mir auch manchmal so. Da sieht man, warum Musik allemal besser ist, als hirnschädigende chemische Substanzen. Mich fasziniert der Begriff der Schwerkraft, vor allem, weil niemand so ganz genau sagen kann, wie das tatsächlich funktioniert. Warum ich den Namen gewählt habe, weiß ich nicht mehr so genau. Die Suche nach einem geeigneten Namen für das Projekt hat seeeehr lange gedauert und es gab viele Fehlversuche. Schwerkraft fand ich dann
einfach gut, und die Internetadresse war - vollkommen überraschend - auch noch frei (haha)!

Wildwechsel: Die Wurzeln der Musik scheinen doch sehr stark in den 80ern zu
liegen - bist du in dieser Zeit musikalisch geprägt worden?
Harald:
Ich hänge den 80ern nicht wirklich nach, aber die (frühen) 80er waren für die Popmusik die letzte wirklich große Entwicklungsphase. Jeder, der damals populäre Musik konsumiert hat, wurde meiner Meinung nach stärker durch sie geprägt, als später folgende Musik das in ihren Zeiten bei ihren Hörern zu erreichen vermochte, warum auch immer.

Wildwechsel:
Es sieht doch zur Zeit stark nach einem 80er-Revival aus - man
denke an Mia, Juli oder auch den gigantischen Erfolg der Depeche-Mode-Remixes. Warum ist diese Musik Deiner Meinung nach wieder so gefragt?
Harald: Na ja, Revival sind ja ein ewig wiederkehrendes Gemetzel mit streckenweise bizarren Auswüchsen. Wenn denn das schon oftmals angekündigte 80er-Revival endlich kommt, wird den Leuten aber vielleicht doch bewusst, in was für einer musikalischen Wüste wir heute leben. Rock und Pop haben sich immer wieder neu erfunden, in den Endsiebzigern und beginnenden 80ern allerdings bis heute das letzte Mal, seitdem sehe ich wenig Entwicklung. Wer heute das Glück hat, seine Schallplatten nicht im dusseligen Kopf auf dem Flohmarkt für ein paar Pfennige verramscht zu haben, kann vieles wieder entdecken und sich nur darüber wundern, wie weit viele Musiker damals schon waren.

Wildwechsel:
Was haben Leute wie Billy Idol der heutigen Popszene voraus?
Harald:
Sie hatten vor allem klügere Macher in ihren Plattenfirmen, und ihren eisernen Willen die Musik zu machen, die sie machen wollten und nicht die, die sich Marketingstrategen für sie ausgedacht haben.

Wildwechsel:
Was beeinflusst dich sonst noch musikalisch, wo sind deine Vorbilder?
Harald:
Uii, nicht dass ich mich drücken will, aber ich bin ein Platten-Junkie. Ich habe sehr sehr viele Schallplatten / CDs aus vielen verschiedenen Musikrichtungen und kann selbst schwer sagen, wer mich alles bis dato beeinflusst hat. Wenn ich nun sagen soll, wer mich nachhaltig beeindruckt hat, dann waren das z.B. Leute wie: J.S.Bach, Jimi Hendrix, John McLaughlin, Lonnie Liston Smith, Jacques Brel, Ralph Towner, Brian Eno, David Sylvian, Eberhard Weber, Martin Gore und ganz viele andere sich anziehende Gegensätze, für die hier sicher der Platz fehlt. Gleich plagt mich wieder mein Gewissen, wen ich wohl Wichtiges vergessen habe...

Wildwechsel:
Wenn Du nachts mit dem Auto unterwegs bist - hörst du dann deine eigene Musik? Oder was sonst?
Harald:
Meine eigene Musik höre ich nur selten, wenn man die vielen Takes im
Studio erfolgreich hinter sich hat, ist man froh, auch mal wieder was anderes zu hören. Zur Zeit höre ich im Auto gerne Buckshot Le Fonque, Lamb, Material, Hector Zazou, Björk, Pat Metheny und und und.

Wildwechsel:
Schauen wir auf die aktuelle Musikszene: Was gefällt dir? Was nervt
dich?
Harald:
Ich glaube, ich kenne mich mit der aktuellen Szene nicht mehr wirklich gut aus. Mir gefällt immer alles, was gegen den Strom schwimmt, wie z.B. Stina Nordenstam, die Eels, Nils Petter Molvaer und Eivind Aarset, Sigur Ros oder etwa Franz Ferdinand, die ja offensichtlich trotz ihres vergleichsweise jugendlichen Alters direkt aus den Siebzigern zu uns gekommen sind. Was nervt, ist die elende Massenkompatibilität der allermeisten Acts, aber wen wundert das, in Zeiten, in denen junge Menschen per Casting zu "Stars" bestimmt werden.

Wildwechsel:
Welche Interessen hast du außerhalb der Musik?
Harald:
Eindeutig zu viele, ich kann sie kaum alle bedienen. Alle Energie, die
nach der Familie und der Musik noch bleibt, geht drauf für Malen, Zeichnen, Dinge aus Glas und Edelstahl entwerfen und bauen (Schweißen ist heiß), Tonstudio kabeln (macht Laune) und wenn dann noch mal ein
Viertelstündchen übrig ist, schraube ich an meinem alten El Camino (den ich nicht fahre, weil er nicht fertig wird und weil er eh zuviel Sprit fressen würde).

Wildwechsel:
Die Plattenfirmen entlassen reihenweise Leute, setzen selbst Stars vor die Tür, überall Konzentrationsprozesse und Rationalisierungen. Hat eigenständige, kreative Musik eine Zukunft?
Harald:
Rationalisierung und Globalisierung entlarven sich langsam aber sicher selbst als bösartigste Viren jeder sozialen Gesellschaft. Die Musikindustrie trifft es spät, aber genauso sicher, wie alle anderen. Nur ist das Gejammer durch die gesteigerte Medienpräsenz hier natürlich viel lauter zu vernehmen. Natürlich MUSS Kreativität eine Zukunft haben, ist nur die Frage, ob es eine bezahlte Zukunft sein wird. Wenn es so weiter geht, wird man Künstler demnächst wieder nur als Hofnarren einiger Gutbetuchter bewundern dürfen, wie es ja früher auch schon mal war...igitt!

Wildwechsel: Nenne uns zum Schluss noch deinen Herzenswunsch für 2005!
Harald:
Frieden, und mal ein paar andere Gesichter im Fernsehen ;-)

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