Wildwechsel-Interview mit
MOONSPELL
(Mike, Drums)



 


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Ww: Wie lange habt ihr an dem neuen Album »The Antidote« gearbeitet?

Mike: Es war zwar ziemlich schwierig, die ganzen Songs zu schreiben und zu perfektionieren, das Einspielen im Studio hat bloß drei Wochen gedauert. Die Vorbereitungen auf »The Antidote« liefen schon seit der "Darkness and Hope Tour" 2001, währenddessen entstanden die ersten Ideen für neue Songs. Bei einzelnen Live-Shows haben wir immer neue Songs ausgetestet um zu sehen wie das Publikum reagiert.

Ww: Warum arbeitet ihr nun wieder mit eurem früheren Produzenten Waldemar Sorychta zusammen?

Mike (lacht): Er hatte gerade nichts besseres zu tun! Nein, im Ernst: Er war sehr daran interessiert unser neues Album zu produzieren und wollte es unbedingt. Deswegen hat er sich echt reingehängt und trieb uns bei den Aufnahmen voran. Er ist deshalb sehr wichtig für uns und wir vertrauen ihm. Bei früheren Aufnahmen ist er auch schon öfter als Bassist eingesprungen.

Ww: Der Bassist auf »The Antidote«, Niclas Etelävuori von AMORPHIS, wird als Gast vorgestellt. Wird er auch in Zukunft bei euch bleiben oder habt ihr einen neuen Bassisten in Aussicht?

Mike: Niclas war nur aushilfsweise dabei, wir kennen ihn von einer gemeinsamen Tour und er war gerne bereit für längere Zeit mit uns zu spielen. Aber für Live-Auftritte brauchen wir schon einen "eigenen" Bassisten. Wir waren mit vielen talentierten Musikern im Gespräch und wir haben uns nun für einen entschieden: er ist 30 Jahre alt und kommt aus Venezuela, seine Eltern sind Iren. Er verfügt über genug Erfahrung und ist engagiert, deswegen denke ich, dass er gut zu uns passen wird.

Ww: Ist »The Antidote« eurer Meinung nach ein weiterer Schritt nach vorne oder bleibt ihr bei dem Sti
l des letzten Albums?

Mike: Ich finde, dass es wirklich ein Monster Projekt war! Die neuen Ideen sind bei jedem gut angekommen und es hat sehr viel Spaß gemacht. Es war jedoch schwierig, die neuen Einflüsse so zu verarbeiten, dass es trotzdem nach MOONSPELL klingt, was meiner Meinung nach aber gut geklappt hat.

Ww: Welchen Song auf »The Antidote« findest du am besten?

Mike: Da fällt mir sofort "Southern Deathstyle" ein. Ich denke dieser Song repräsentiert MOONSPELL so wie wir heute sind: träumerisch aber auch groovend, hart und trotzdem melodisch. Unsere Musik soll für mehrere Generationen attraktiv sein und nicht nur Randgruppen dienen. Man ist nicht allein als MOONSPELL-Hörer. Unser Stil bleibt aber aufgrund unserer Herkunft (Portugal, die Red.) trotzdem ein wenig südeuropäisch.

Ww: Was hältst du davon, dass der junge portugiesische Schriftsteller José Luis Pexoto einen Roman mit Kurzgeschichten über eure Texte geschrieben hat?

Mike: Das ehrt uns natürlich, denn er war von unseren Lyrics echt beeindruckt. Sogar die Vorstellung irgendwelcher Landschaften aus unseren Texten übernahm er in seinen Storys. Ich fand es toll, dass er von alleine auf die Idee kam und wir es dann erst erfuhren. Ein solches Projekt ist etwas ganz besonderes für uns als Musiker und auch für die Fans, es ist als ob ein Traum wahr wird und motiviert uns natürlich. Dabei kann ich nur die »The Antidote« Digipak-CD empfehlen, das Buch liegt in englischer Übersetzung bei.

Ww: Woher nehmt ihr Ideen für neue Songs?

Mike: Diese Frage ist schwer zu beantworten, aber sicherlich inspirieren uns auch andere Bands. Mir würde jetzt spontan DEATH, CARCASS, MASSIVE ATTACK oder TOOL einfallen. Unsere Musik soll eine Botschaft an die Hörer und Fans sein, nach dieser Prämisse schreiben wir unsere Lieder. Jede Musikrichtung und jede Kultur bringt interessante Aspekte mit sich, so hören wir auch Punk, Hardcore oder Reggae.

Ww: Gibt es ein "MOONSPELL-Mastermind" oder schreibt ihr eure Songs zusammen?

Mike: Vielleicht könnte man Fernando (Ribeiro, Gesang, d. Red.) so bezeichnen, denn er repräsentiert die Band nach außen und ist mit seiner emotionalen Art sehr wichtig, was er aber eigentlich gar nicht will. Ansonsten schreiben wir alle Songs gemeinsam. So kann am Ende jeder sein Bestes geben, weil er auf den Rückhalt der restlichen Bandmitglieder zählen kann. Und wir haben uns bis jetzt um kein Album so viele Gedanken gemacht wie »The Antidote«!

Ww: Noch eine letzte Frage: Was habt ihr in Zukunft geplant?

Mike: Wir werden sicherlich noch weitere Alben herausbringen mit neuen Ideen und Einflüssen, die mysteriös und aggressiv klingen. Und eine Europa-Tournee ist ab Januar geplant, auf der wir »The Antidote« vorstellen. Wir werden natürlich auch einige Male in Deutschland zu sehen sein!


Das Interview wurde geführt von Henning Schmerer.